Die Forschungsfrage dieser Hausarbeit lautet: Inwiefern lässt sich die Kooperation zwischen der Regierung unter Assad und den jihadistischen Oppositionsgruppen „Islamischer Staat“ und Jabhat al-Nusra im Rahmen des Konflikts in Syrien mit der Theorie des Neorealismus begründen?
Für die Beantwortung der Forschungsfrage werden zunächst die Grundzüge der neorealistischen Theorie nach Kenneth Waltz dargelegt. Anschließend werden zentrale Konzepte wie „Jihadismus“ und „Macht“ definiert. Auf Grundlage der Theorie des Neoliberalismus werden danach die Hypothesen bezüglich des Konflikts entworfen. Unter Einbezug der Analyse der Kooperation von der Regierung mit den Gruppen Jabhat al-Nusra und dem sog. Islamischen Staat („IS“) sollen im Anschluss Erklärungsansätze für die Hypothesen dargelegt werden. Abschließend wird im Fazit das Ergebnis der Arbeit zusammengefasst und ein Ausblick auf eine sozialkonstruktivistische Perspektive gegeben.
Der Annahme des britischen Premierministers Palmerston nach, sind Bündnisse abhängig von den Interessen eines Staates. Interessen sieht er als unveränderlich an. Mehr als hundert Jahre später begründet Kenneth Waltz die Theorieschule des Neorealismus. Der Theorie nach ist Interesse von Staaten konstitutiv für ihre Handlungen im internationalen System. Ob und wie sich die Theorie anwenden lässt, soll in dieser Arbeit am Beispiel der Assad-Regierung und ihrer Kooperation mit jihadistischen Oppositionsgruppen ermittelt werden.
Syrien ist ein Land, dessen Geschichte geprägt ist von einer Vielzahl an sozialen und politischen Umbrüchen. Lange Zeit gehörte das Gebiet des heutigen Syriens zum Osmanischen Reich, später war es französische Kolonie und seit seiner Unabhängigkeit ist es dominiert von verschiedenen Diktaturen. Seit vielen Jahren herrscht Krieg, an dem verschiedene staatliche und nicht-staatliche Akteure beteiligt sind. Bedeutungsvoll für die Entwicklung des Konflikts sind nicht nur die Handlungen terroristischer bzw. jihadistischer Organisationen, sondern vornehmlich die staatlicher Regierungen, die sie unterstützen und eigene Interessen verfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische und begriffliche Ausgangspunkte
2.1. Theoretische Grundlagen – Die Theorie des Neorealismus
2.2. Begriffsdefinitionen
3. Hypothesen
4. Analyse
4.1. Historischer Hintergrund
4.2. Kooperation der Regierung mit jihadistischen Organisationen
4.2.1. Jabhat al-Nusra und der sogenannte Islamische Staat
4.2.2 Die Assad-Regierung
5. Hypothesenprüfung
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der syrischen Regierung unter Bashar al-Assad und jihadistischen Organisationen wie dem „Islamischen Staat“ sowie Jabhat al-Nusra vor dem Hintergrund der neorealistischen Theorie. Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu ergründen, inwiefern sich eine Kooperation zwischen diesen Akteuren innerhalb des Syrienkonflikts mit den Annahmen des Neorealismus begründen lässt.
- Anwendung neorealistischer Machttheorien auf den Syrienkonflikt.
- Analyse der historischen Entstehungsbedingungen des Konflikts in Syrien.
- Untersuchung der Interessenlagen der Assad-Regierung und jihadistischer Gruppen.
- Evaluation der Kooperationsdynamiken und Bündnisstrategien.
- Überprüfung theoretischer Hypothesen anhand empirischer Belege.
Auszug aus dem Buch
4.2. Kooperation der Regierung mit jihadistischen Organisationen
Für ein umfassendes Verständnis der Kooperation der Regierung unter Bashar al-Assad mit den jihadistischen Organisationen Jabhat al-Nusra und dem „IS“ werden zunächst auf die beiden Gruppen betrachtet. Hiernach erfolgt die Analyse der Interessen der Gruppen und der Regierung und abschließend der Bündnisse zwischen beiden Akteuren.
4.2.1 Jabhat al-Nusra und der sogenannte Islamische Staat
Die Proteste des arabischen Frühlings wurden im Jahre 2011 zunehmend gewalttvoller. Immer mehr Gruppen begannen sich zu organisieren und es entstanden auch innerhalb der Opposition gewaltvolle Auseinandersetzungen (vgl. Steinberg 2014: 2). Zu diesem Zeitpunkt gab es in Syrien sowohl als moderat eingestufte islamische aufständische Gruppen, wie beispielsweise die Freie Syrische Armee, die lediglich den Sturz der Assad-Regierung planten, als auch Gruppen, die darüber hinaus einen islamischen Staat errichten wollten („islamistische“ und jihadistische Gruppen) (vgl. Steinberg 2015: 83). Paradebeispiele sind die Organisationen Jabhat al-Nusra und der sogenannte Islamische Staat, die beide Ableger der al-Qaida sind (vgl. Schild 2015: 80 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kooperation der Assad-Regierung mit jihadistischen Gruppen unter Anwendung der neorealistischen Theorie.
2. Theoretische und begriffliche Ausgangspunkte: Darstellung der Kernkonzepte des Neorealismus nach Kenneth Waltz sowie Definition zentraler Begriffe wie Macht, Terrorismus und Jihad.
3. Hypothesen: Herleitung von drei zentralen Hypothesen, die auf den neorealistischen Annahmen der staatlichen Selbsterhaltung und Machtbalancierung basieren.
4. Analyse: Historische Einordnung Syriens und detaillierte Untersuchung der Interessen und Interaktionen zwischen der Assad-Regierung, dem „IS“ und Jabhat al-Nusra.
5. Hypothesenprüfung: Abgleich der in Kapitel 3 aufgestellten Hypothesen mit den in der Analyse gewonnenen Erkenntnissen.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Anwendbarkeit des Neorealismus und Verweis auf alternative Perspektiven wie den Sozialkonstruktivismus.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Syrienkonflikt, Bashar al-Assad, Jabhat al-Nusra, Islamischer Staat, Jihadismus, Außenpolitik, Machtbalancierung, territoriale Integrität, Staatliche Akteure, Terrorismus, Machttheorie, Bündnisbildung, Internationale Beziehungen, Sicherheitsdilemma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis und die potenzielle Kooperation zwischen der syrischen Regierung unter Bashar al-Assad und jihadistischen Organisationen wie dem „IS“ und Jabhat al-Nusra.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die neorealistische Theorie der internationalen Beziehungen, die Historie des Syrienkonflikts sowie die Machtstrategien staatlicher und nicht-staatlicher Akteure in diesem Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Prüfung, ob die Kooperation zwischen der syrischen Führung und jihadistischen Gruppen mit den Annahmen des Neorealismus – insbesondere dem Streben nach Macht und Selbsterhaltung – erklärt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein theoretisch-analytischer Ansatz gewählt, der neorealistische Konzepte auf das empirische Fallbeispiel Syrien anwendet, um Hypothesen zu formulieren und diese anschließend durch eine fallbasierte Analyse zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine historische Kontextualisierung der syrischen Politik und eine detaillierte Untersuchung der Interessen und Interaktionen der untersuchten Akteure.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Neorealismus, territoriale Integrität, Machtbalancierung (Balance of Power), Jihad, staatliche Akteure und Sicherheitsdilemma.
Warum kooperiert die Assad-Regierung laut Autor mit den jihadistischen Organisationen?
Der Autor argumentiert, dass die Regierung aus machtpolitischen Gründen handelt, um die Opposition zu schwächen, sich Ressourcen (wie Ölfelder) zu sichern und das eigene Regime durch ein „geringeres Übel“ an der Macht zu halten.
Welches Defizit der neorealistischen Theorie identifiziert der Autor im Fazit?
Das Hauptdefizit liegt in der sogenannten „Black-Box“-Betrachtung von Staaten; der Neorealismus vernachlässige innerstaatliche Faktoren, historische Ereignisse und die Identität von Akteuren, die für das Verständnis des Syrienkonflikts jedoch essenziell sind.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Die Kooperation der syrischen Regierung mit jihadistischen Oppositionsgruppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/980746