Rudolf Steiner - die Philosophie der Freiheit


Hausarbeit, 1998
7 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

1 STEINERS LEBEN UND LEBENSWERK
1.1 Die Person Rudolf Steiner
1.2 Steiners Lebenswerk - die Anthroposophie

2 GRUNDGEDANKEN DER ,,PHILOSOPHIE DER FREIHEIT"
2.1 Der Mensch hat die Anlage, frei zu sein
2.2 Der Mensch als individuelles geistiges Wesen
2.3 Gut und böse
2.4 Ideal und Wirklichkeit

3 KONSEQUENZEN FÜR DIE SOZIALE ARBEIT

4 LITERATURVERZEICHNIS

1 Steiners Leben und Lebenswerk

1.1 Die Person Rudolf Steiner

Rudolf Steiner wird im Februar 1861 als Sohn eines Bahnbeamten in Kraljevec (damals Ungarn, heute Kroatien) geboren. Durch ständige Versetzungen seines Vaters im damaligen Österreich-Ungarn faßt Steiner in seiner Kindheit an keinem Ort richtig Fuß und findet früh Freude am Lernen, v.a. Naturwissenschaften, Philosophie und Geschichte. Nach einer vielfältigen akademischen Ausbildung (u.a. Studium von Mathematik, Physik und Naturgeschichte) promoviert er 1891 in Rostock zum Doktor der Philosophie. Intensiv beschäftigt sich Steiner außerdem mit den naturwissenschaftlichen Schriften Goethes, die er im Rahmen seiner Mitarbeit im Weimarer Goethe- Schiller-Archiv herausgibt.

Steiner, der angeblich mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattet war, legt im weiteren Verlauf seines Lebens den Schwerpunkt seiner Tätigkeiten auf Forschungen in der ,,geistigen Welt". Er erforscht auf hellseherische Art und Weise die menschliche Seele, karmische Zusammenhänge und die geistigen Hintergründe der Welt und der Menschheit (v.a. wird das Christentum und die Person des Jesus von Nazareth von ihm esoterisch betrachtet). Nach langer Mitgliedschaft in der Theosophischen Gesellschaft (einem Zirkel von Esoterikern) und Leitung der ,,Deutschen Sektion" dieser Theosophischen Gesellschaft, distanziert er sich 1912 von dieser wegen geistiger Differenzen mit deren Leitung, und begründet die ,,Anthroposophische Gesellschaft". Das ,,Hauptquartier" der Anthroposophischen Gesellschaft ist das von Steiner während des ersten Weltkriegs mit erbaute ,,Goetheanum" in Dornach (Schweiz). Dort stirbt Steiner 1925, nachdem er die Anthroposophie in einer solchen Weise ausbaute, daß sich noch heute viele Menschen auf ihn berufen.

1.2 Steiners Lebenswerk - die Anthroposophie

Die auf den Gedanken und hellseherischen Beobachtungen Steiners begründete Weltanschauung ,,Anthroposophie" ist auch heute noch sehr populär. Die Anthroposophie hat neue, unorthodoxe und teilweise seltsam esoterisch anmutende Impulse für die Agrarwissenschaft (,,Biologisch-dynamische Landwirtschaft"), Pädagogik (die Waldorf-Bewegung), Soziologie (,,Sozialen

Frage und Dreigliederung des sozialen Organismus"), Medizin (eine etwas abgewandelte Form der Homöopathie), Arbeit mit Behinderten (,,Heilpädagogik") und Naturwissenschaft gegeben, die heute weitgehend unabhängig von den populärwissenschaftlichen Richtungen dieser Wissenschaften erforscht und praktiziert werden.

Die Anthroposophie stützt sich dabei in erster Linie auf Steiners umfangreichen Nachlaß an 28 Büchern, diversen gesammelten Aufsätzen und einer Unmenge von Mitschriften seiner zahlreichen Vorträge. Die sog. ,,Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe" (GA) beläuft sich auf 354 Bände). Teilweise muten die Veröffentlichungen v.a. der Vorträge Steiners seltsam an, weil vieles seiner Wahrnehmungen aus der übersinnlichen Welt einfach geglaubt bzw. mit den eigenen Beobachtungen verglichen werden muß, aber nichtsdestotrotz arbeiten v.a. die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Waldorfschulen und die anthroposophischen Behindertenheime mit großem Erfolg und werden, obwohl wegen der esoterischen Wurzeln belächelt, gesellschaftlich weitgehend anerkannt.

Steiners Buch ,,Die Philosophie der Freiheit" sollte aber meines Erachtens unabhängig davon betrachtet werden. Es hat mit der Anthroposophie als Weltanschauung insofern zu tun, als der Mensch als individuelles geistiges Wesen im Zentrum von Steiners philosophischen Betrachtungen steht und Steiner die Grundlagen für eine spirituelle Weiterentwicklung in der Schulung des Denkens sieht. Übersinnliche Beobachtungen Steiners, die einen Menschen des 20. Jhds. oft etwas seltsam anmuten (auch ich bin kein Anthroposoph), tauchen in diesem Buch nicht auf.

2 Grundgedanken der ,,Philosophie der Freiheit"

2.1 Der Mensch hat die Anlage, frei zu sein

Ich prüfe nicht verstandesm äß ig, ob meine Handlung gut oder böse ist; ich vollziehe sie, weil ich sie liebe.[...]Ich frage mich auch nicht: wie würde ein anderer Mensch in meinem Falle handeln? - sondern ich handle, wie ich, diese besondere Individualität, zu wollen mich veranlaßt sehe.[...]Ich fühle keinen Zwang, nicht den Zwang der Natur, die mich bei meinen Trieben leitet, nicht den Zwang der sittlichen Gebote, sondern ich will einfach ausführen, was in mir liegt. 1 (S.162)

Es gibt von Rudolf Steiner eine Anekdote, daß er sich sehr darüber amüsiert hat, seine ,,Philosophie der Freiheit" in einer Bibliothek im Regal unter ,,Anarchismus" zu finden. Die obigen Zitate legen eine solche Einordnung natürlich nahe. Steiner spricht sich vehement gegen die Vorstellung aus, daß dem menschlichen Wollen äußere Umstände entgegenstehen. Er sagt, daß wenn ein Mensch sein menschliches Wesen zur vollen Entwicklung gebracht hat, das Wollen genauso wie das Denken frei ist.

Ein freies Wesen ist dasjenige, welches wollen kann, was es selbst für richtig hält. (S.202)

2.2 Der Mensch als individuelles geistiges Wesen

Wie kommt Steiner auf so was? Steiners Menschenbild ist ein solches, daß der Mensch als vielschichtig angesehen wird. Er hat vieles an sich, was ihn einfach der Gattung Mensch zugehörig macht: Die äußere Gestalt, die Triebe, der aufrechte Gang usw. Desweiteren ist jeder Mensch einem bestimmten Gesellschaftssystem zugehörig und handelt größtenteils nach dessen Werten und Normen. Werte und Normen einer Gesellschaft sind nun nichts individuelles, sondern für jeden Menschen in dieser Gesellschaft die gleichen. Den Menschen macht aber noch mehr aus. Aus einem Menschen wird der Mensch mit seinen eigenen Gedanken und Eigenarten durch die Individualität dieses Menschen.

Dieses Menschenbild, auf das Handeln des Menschen übertragen, zeigt uns, daß der Mensch gemäß seiner Natur handeln kann (z.B. essen, wenn er Hunger hat), gesetzmäßig nach äußeren Wertmaßstäben (z.B. auf der rechte Straßenseite fahren), aber auch Handlungen, die einzig und allein in ihm begründet sind.

Für jede Wissenschaft vom Menschen ist dies natürlich ein Problem, weil keine Wissenschaft sich mit dem individuellen Ich beschäftigen kann, das ja keinen allgemeingültigen Regeln folgt. Psychologie, Soziologie, Politologie, Pädagogik - so komplex ihre Themengebiete auch sein mögen - können sie den Menschen nur bis zu einer bestimmten Stufe erklären. Alles darüber ist eigenartig. Sittliches, moralisches Handeln kann nun aufgrund von außen definierter Regeln erfolgen, oder auch, weil man es einfach so für richtig hält.

Sittliches Handeln aufgrund der eigenen moralischen Phantasie braucht laut Steiner, keine Regeln.

In diesem Zusammenhang wettert er heftig gegen Kant. Handle so, daßdie

Grundsätze deines Handelns für alle Menschen gelten können. Dieser Satz ist der Tod aller individuellen Antriebe des Handeln. Nicht wie alle Menschen handeln würden, kann für mich maßgeblich, sondern was für mich in dem individuellen Falle zu tun ist. (S.159)

2.3 Gut und böse

Steiner sagt, der freie Mensch müsse sich nicht von außen sagen lassen, was gut oder böse ist. Ich handle auf dieser Stufe der Sittlichkeit nicht, weil ich einen Herrnüber mir anerkenne, nicht die Äußere Autorität, nicht eine sogenannte innere Stimme.[...]Ich Prüfe nicht verstandesm äß ig, ob meine Handlung gut oder böse ist; ich vollziehe sie, weil ich sie liebe. Sie wird ,,gut", wenn meine in Liebe getauchte Intuition in der rechten Art in dem intuitiv zu erlebenden Weltzusammenhang drinnensteht; ,,böse", wenn das nicht der Fall ist.[...]Nur im ersteren Fall werde ich sie ausführen. (S.162f.) Also soll der Mensch ,,fühlen", ob seine Tat rechtmäßig ist (in der rechten Art in dem[...]Weltzusammenhange drinnensteht, S.162). Wie ist das möglich? Steiner sagt, der Mensch und die Welt, der Kosmos usw. sind eines, er ist sich dessen nur nicht bewußt. Er kann sich dessen gar nicht bewußt sein, weil er ein Bewußtsein seiner selbst hat. Das Erleben des ,,Ich" erzeugt gleichzeitig ein Erkennen des ,,nicht-Ich", der Welt. Diese Trennung existiert laut Steiner aber nur im menschlichen Bewußtsein. Die Kräfte, welche innerhalb meiner Leibeshaut wirken, sind die gleichen wie die außerhalb bestehenden. Ich bin also wirklich die Dinge; allerdings nicht Ich, insoferne ich Wahrnehmungssubjekt bin, aber ich, insofern ich ein Teil innerhalb des Weltgeschehens bin. (S.104)

Alles menschliche Denken kommt, so Steiner, aus ein und derselben Ideenwelt. Der Unterschied zwischen mir und meinen Mitmenschen liegt durchaus nicht darin, daßwir in zwei ganz verschiedenen Geisteswelten leben, sondern daßer aus der uns gemeinsamen Ideenwelt andere Intuitionen empfängt als ich. (S.166) Steiner sagt, daß ist auch der Grund, warum jeder

Mensch prinzipiell dazu in der Lage ist, moralische Intuitionen aus der geistigen Welt zu schöpfen, und zu fühlen, daß sein freies Handeln ,,gut" ist.

2.4 Ideal und Wirklichkeit

Steiner ist nicht so naiv, zu behaupten, daß kein Mensch sich an Regeln halten solle. Auf dem Weg zu diesem Ziele spielen Normen ihre berechtigte Rolle. Das Ziel besteht in der Verwirklichung rein intuitiv erfaßter Sittlichkeitsziele.

(S.163) Das Ausleben der Triebe hält Steiner für eine ebenso unfreies Handeln wie das bloße Befolgen gesellschaftlicher Normen. Die Triebe erscheinen dem individuellen Wesen des Menschen als ebenso von außen kommend. Der Grund, einem Trieb nachzugeben, ist nicht in der menschlichen Individualität zu suchen, sondern in seiner Wesensart als Teil der Gattung ,,Mensch". Aber er macht vielfach Stimmung gegen die Ansichten Kants und Schopenhauers, daß der menschlicher Willen allerorten auf Grenzen stößt. Er räumt ein, daß dies zwar so scheint, aber daß der Mensch im Grunde seines Wesens ein freier ist, und daß er in der Lage ist, zu tun, was er will - das Problem ist nur, daß er seine wahre Menschennatur zur Entfaltung bringe muß.

Wer durch Erziehung erst noch dahin gebracht werden soll, daßseine sittliche Natur die Eischalen der niederen Leidenschaften durchbricht: Von dem darf nicht in Anspruch genommen werden, was für den reifen Menschen gilt. Hier soll aber nicht verzeichnet werden, was dem unterentwickelten Menschen einzuprägen ist, sondern das, was in dem Wesen des ausgereiften Menschen liegt. (S.234)

Steiner geht noch einen Schritt weiter: Er sagt, auch die Werte und Normen, auf die die Gesellschaften aufgebaut sind, haben ihren Ursprung in der Intuition freier Geister. So geht der Ehrenkodex aller Ärzte der Welt auf Hippokrates zurück, eine Persönlichkeit, die diesen Kodex vor ca. 2.000 Jahren aufgestellt hat. Diese Geister haben die Gesetzeüber die anderen Menschen gesetzt, und unfrei wird nur der, welcher diesen Ursprung vergißt und sie entweder zu außermenschlichen Geboten, zu objektiven vom Menschlichen unabhängigen sittlichen Pflichtbegriffen oder zur befehlenden Stimme seines eigenen mystisch zwingend gedachten Innern macht. (S.171) Aber wie das Steiner selbst hielt, ist mir nicht ganz klar. Was mich an seiner Biographie am meisten stört, ist die Tatsache, daß er mitten im Ersten

Weltkrieg mit ein paar anthroposophischen Weltverbesserern in Dornach, auf dem (spöttisch gesagt) ,,Heiligen Berg", das ,,Goetheanum" gebaut hat, um ,,dem mitteleuropäischen Geistesleben neue Impulse zu geben". Er hat das bestimmt als eine ,,freie Tat" und notwendig gesehen, aber darüber läßt sich streiten.

3 Konsequenzen für die Soziale Arbeit

In der anthroposophisch geprägten Sozialen Arbeit (namentlich ist das die Waldorfpädagogik, die anthroposophische Behindertenarbeit bzw. ,,CamphillBewegung" und einige über Deutschland verteilte Drogentherapieeinrichtungen) finden sich einige Gedanken Steiners auch aus der ,,Philosophie der Freiheit" wieder, obwohl dieses Buch, wie bereits gesagt, nicht allzu ,,anthroposophisch" ist. Die Einzigartigkeit der menschlichen Individualität zu respektieren und bei ihren Klienten und Schülern zu pflegen, haben sich diese Bewegungen ganz dick auf ihre Fahnen geschrieben. In der Behinderten- und Drogenarbeit werden vor allem therapeuthisch sog. ,,willensstärkende" Maßnahmen angewandt, damit diese Menschen, deren individueller Willen ganz stark von Trieben und Drogensucht überlagert ist, ihren ,,freien Willen schulen" können. Und es ist wie überall, wo Anthroposophen am Werk sind: Keiner kann sich erklären, was da geschieht (bzw. man denkt sich ,,Steiner hat's gesagt, alle glauben daran"), aber irgendwie ist doch ein Ergebnis zu sehen.

4 Literaturverzeichnis

- Rudolf Steiner, Die Philosophie der Freiheit, 15. Auflage, Dornach 1987 (Erstausgabe 1894)
- Christoph Lindenberger, Rudolf Steiner (eine Monographie), Hamburg 1992
- Wilhelm Weischedel, Die philosophische Hintertreppe, 20. Auflage, München 1991 (Erstausgabe 1975)

[...]


1 Alle Zitate aus Steiner, Philosophie der Freiheit, Seitenangaben nach der Taschenbuchausgabe

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Rudolf Steiner - die Philosophie der Freiheit
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
7
Katalognummer
V98095
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rudolf, Steiner, Philosophie, Freiheit
Arbeit zitieren
Andreas Meier (Autor), 1998, Rudolf Steiner - die Philosophie der Freiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98095

Kommentare

  • Gast am 30.11.2001

    cool.

    ey cool ich bin auch an nem ohm gymi, aber in erlangen. ich bin zwar erst in der 6. klasse, aber philosophie ist mein hobby.ichwill in geschichte ein referat über die griechische philosophie halten, und wenn bei dir vielleicht auch nichts von griechenland vor kommt, hab ich mehr allgemeinwissen.
    by "die philosophin"

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