Inwieweit schränken mangelnde Hygienefaktoren die Arbeitsmotivation des Lehrberufs in Deutschland ein?

Die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Relevanz
2.1 Berufliche Belastung im Lehrberuf.
2.2 Negatives Berufsbild des Lehrers in der Bevölkerung
2.3 Auswirkungen auf die Arbeitsmotivation anhand der Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg

3 Forschungsstand Seite

4 Methodisches Vorgehen

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung. Mittels der Vollzeitschulpflicht sichert Deutschland das Recht auf Bildung für jeden deutschen Staatsbürger. Um dies zu gewährleisten, sind ausgebildete Lehrkörper vorgesehen. Im Schuljahr 2018/2019 weist Deutschland 773.280 Lehrer und Lehrerinnen in Voll- und Teilzeitbeschäftigung auf. Jedoch ist bis 2030 mit einem Lehrermangel von 3.580 Pädagogen für alle Lehrämter zu rechnen1. Somit ist es ungewiss, ob Deutschland das Recht auf Bildung 2030 noch gewährleisten kann, wenn nicht genügend Lehrer/-innen zur Verfügung stehen. Doch was sind die Ursachen dafür, dass sich nicht genügend Personen für einen Lehramt-Beruf entscheiden oder diese Laufbahn gar beenden. In meiner Arbeit möchte ich aufgrund dieser erschreckenden Prognose von 2030, auf die negativen Arbeitsbedingungen von Lehrkräften eingehen, um herauszufinden, ob diese möglicherweise für den bevorstehenden Lehrermangel mitverantwortlich sind. Als Rahmen werde ich das Zwei-Faktoren-Modell von Herzberg heranziehen, um die Wirkung der gegebenen Arbeitsbedingungen, auf die Arbeitsmotivation einordnen und bewerten zu können. Herzberg hat die Bedingungen am Arbeitsplatz genutzt, um die Arbeitszufriedenheit zu prognostizieren, welche er in enger Verbindung mit der Motivation sieht, die Arbeit auszuführen. Die Arbeitszufriedenheit ist somit ein wichtiger Bestandteil, um Motivation zu erlangen, zu halten, einen Beruf somit anzustreben und auch langfristig auszuüben. Ich werde mich ausschließlich mit den Hygienefaktoren der Zwei-Faktoren-Theorie beschäftigen, da Herzberg diese bei Vorhandensein, als Grundgerüst eines nicht unzufriedenen Mitarbeiters beschreibt und die mangelhaften Arbeitsbedingungen des Lehrberufs in dieser Kategorie zu verorten sind.

Aufgrund eigenen Gedankenspiels in Zukunft einen lehrenden Beruf zu ergreifen, liegt es mir am Herzen, die teils schwierigen Arbeitsbedingungen dieser Berufsgruppe genauer zu beleuchten.

Meine Arbeit ist im Bereich der Allgemeinen Psychologie II, im Feld der Motivation zu verorten, da ich mittels der Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg die Arbeitsbedingungen des Lehrkörpers auf deren Arbeitsmotivationssteigerung hin untersuche. Somit beschäftige ich mich mit folgender Fragestellung: Inwieweit schränken mangelnde Hygienefaktoren die Arbeitsmotivation des Lehrberufs in Deutschland, anhand der Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg, ein?

2 Relevanz

Wie bereits angeführt, ist 2030 mit einem massiven Lehrermangel zu rechnen. Dies sollte alle unsere Warnsignale aufleuchten lassen, um das Recht auf Bildung in Deutschland fortwährend gewehrleisten zu können. Deshalb möchte ich zunächst Indikatoren von Arbeitsunzufriedenheit der Lehrkräfte in Deutschland aufzeigen.

2.1 Berufliche Belastung im Lehrberuf

Die Belastung des beruflichen Alltags wurde 2012 von 44% der befragten Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen, während ihrer Laufbahn, mindestens einmal als unerträglich beschrieben2. „Von 660 Berliner Lehrerinnen und Lehrer erleben sich 44.8% durch ihre Tätigkeit stark bzw. sehr stark belastet [...] und lediglich 8.9% empfinden ihre Lehrtätigkeit als nicht oder kaum belastend“ (Schielin-Jakobi, 2008, S.17). Eine Statistik von 2011 zur Lehrergesundheit belegte, dass die kognitive Beanspruchung der befragten Lehrerinnen bei 50% Auslastung liegt und 33% misst die emotionale Auslastung, wobei sich die männlichen Befragten nur unwesentlich weniger belastet fühlten3. Diese Dauerbelastung führt unweigerlich zu Stress, welcher über mehrere Arbeitsjahre chronisch werden und somit negative gesundheitliche Folgen mit sich bringen kann4. Fehlende Arbeitsunzufriedenheit und geminderte Arbeitsmotivation sind vorprogrammiert, wenn die eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird. „Aus dem Vergleich einiger Untersuchungen mit deutschen Lehrerinnen und Lehrern, [...] schließen Unterbrink et al. (2007, p. 439) auf eine zunehmende Verschlechterung der Situation“ (Schielin-Jakobi, 2008, S. 17). Auch das Burnout-Risiko ist für Lehrer hoch, denn „Arbeitsunzufriedenheit und Burnout [sind] als zwei psychologische Reaktionsformen auf (zu) hohe berufliche Beanspruchungen zu verstehen, die unmittelbar negative Auswirkungen für das aktuelle Wohlbefinden haben“ (Jerg-Bretzke & Traue, n.d.). Thomas Bieri vermutet, dass „die hohen Belastungen, denen Lehrkräfte tagtäglich ausgesetzt sind“ (Bieri, 2002), zu

Kündigungen führen (vgl. Bieri, 2002, S.13). Das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen im Sektor Erziehung und Unterricht liegt 2019 bei ca. 55.856 Euro5, was einem monatlichen Bruttoeinkommen von ca. 4.564 Euro entspricht. Nach Steuern und Fixkosten, stellt sich die Frage, ob die Arbeitsleistung mit den zuvor angeführten Belastungen ausreichend vergütet wird. Die Vorstellung bis zum Rentenalter Lehrer zu bleiben, wurde 2011 am Gymnasium mit nur 50,3% der befragten Lehrkräfte in Aussicht gestellt und an Grundschulen sogar nur mit 17,9%6. Somit lässt sich vermuten, dass die Arbeitsbedingungen so schlecht aufgestellt sind, dass im besten Fall, nur ca. die Hälfte aller Lehrer ihren Job bis zur Rente nicht wechseln möchten. Der zu bewältigende Arbeitsaufwand eines Lehrers wurde 2008 mit 75% als zu hoch angegeben7. Somit verlagert sich die Arbeit automatisch auf die Freizeit, um dem Arbeitsaufwand, durch nicht genügend vergütete Arbeitsstunden bewerkstelligen zu können. Wenn ein anstrengendes Schuljahr zu Ende geht, können sich viele der Lehrer/-innen jedoch nicht erholen, denn je nach Bundesland werden 2017 bis zu 2.040 Lehrkräfte mehr arbeitslos gemeldet, als während der Unterrichtszeit außerhalb der Sommerferien8. Über das Schuljahr hinweg, den hohen Arbeitsaufwand bewerkstelligen zu müssen und dabei nicht sicher sein zu können, am Ende des Schuljahres - ohne Verbeamtung - nicht arbeitslos zu sein. Angenehm ist anders. Denn auf eine Verbeamtung und somit auf einen sicheren Arbeitsplatz, können nicht alle Lehrer hoffen. Das Saarland wies 2010 sogar nur 3,5% Verbeamtung aller unterrichtenden Lehrer auf9.

2.2 Negatives Berufsbild des Lehrers in der Bevölkerung

Die Bevölkerung sieht laut einer Umfrage mit 72% das Bild des Lehrberufs mit einer hohen psychischen Belastung belegt, wobei nur 19% der Befragten diese Tätigkeit als spaßig und 8% als wenig stressreich beurteilen10. Diese Einschätzung führt zu einer deutlichen Minderung der Attraktivität des Berufsbildes Lehrer. Bei Äußerung dieses Berufswunsches, dürfte dadurch eine große Welle an Gegenargumenten, aus dem persönlichen Umfeld, auf die Interessenten einprasseln. Möglicherweise wird der Lehrberufswunsch dadurch verworfen. Eine weitere Befragung belegt, dass 71% der Deutschen im September 2012 angaben, „dass der Lehrerberuf nichts für sie wäre“11. 2019 wurden zudem Bürger ab 15 Jahren zu den wichtigsten Problemen Deutschlands befragt, wobei das Bildungssystem Platz vier belegte12. Zweifelsohne spielt der Lehrermangel dabei eine wichtige Rolle, denn von 1.013 Befragten zur Verbesserung der Qualität im Bereich Bildung, gaben 85% die Beseitigung des Lehrermangelns an13. Anscheinend besteht der dringende Wunsch nach Veränderung gegenüber dem Bildungssystem in Deutschland, doch 40% der Bevölkerung sahen 2008 keine Verbesserung und 25% sogar eine Verschlechterung14.

2.3 Auswirkungen auf die Arbeitsmotivation anhand der Zwei-FaktorenTheorie von Herzberg

Aufgrund der Vielzahl an angeführten Arbeitsbelastungen des Lehrberufs, ist in einzelnen Bereichen kaum abzustreiten, dass sich diese mindernd auf die Arbeitszufriedenheit und somit auch auf die Arbeitsmotivation auswirken. Deshalb möchte ich die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg heranziehen, um die Auswirkungen dieser Umstände zu belegen. Das Konzept von Herzberg prägt bis heute „die traditionellen arbeitspsychologischen Konzepte zur Arbeitszufriedenheit“ (Bieri, 2002, S. 17). Die Annahme, dass sich die Arbeitszufriedenheit aus mehreren Faktoren, in den Bereichen Hygienefaktoren und Motivatoren, zusammensetzt, gründet auf Herzberg. Dabei sind Zufriedenheit und Unzufriedenheit als zwei voneinander unabhängige Faktoren anzusehen (in Anlehnung an Herzberg, F. /Mausner, B./ Snydeman, 1959). Es wird beschrieben, dass auf der Skala der Unzufriedenheit, von unzufrieden bis nicht unzufrieden, die Hygienefaktoren als entschiedenes Maß ihren Ausschlag geben. Je mehr Hygienefaktoren laut Herzberg vorhanden sind, desto stärker wird die Entstehung von Unzufriedenheit verhindert, fördert jedoch nicht die Zufriedenheit. Zu den Hygienefaktoren gehören ausreichend Gehalt zur Lebenssicherung, angenehmer Führungsstil, soziales Umfeld, positives zwischenmenschliches Klima, gute Bedingungen am Ort unmittelbaren Arbeitens, Sicherheit und den Einfluss der Arbeit auf das Privatleben.

Für das Erleben von Zufriedenheit spricht Herzberg von Motivatoren, die je nach Präsenz auf einer Skala von zufrieden bis nicht zufrieden die Ausprägung bestimmen und bei fehlender Anwesenheit keine Unzufriedenheit bedeuten. Zu den Motivatoren gehört erbrachte persönliche Leistung, Erfolg, Anerkennung, Lob, angenehme Arbeitsinhalte, Verantwortungsübernahme, Aufstiegschancen, Beförderung, sowie persönlicher Wachstum und Verwirklichung (in Anlehnung an Herzberg, F. /Mausner, B./ Snydeman, 1959).

[...]


1 (Prognose Zum Lehrermangel Und Lehrerüberschuss in Deutschland Bis 2030 | Statista, n.d.)

2 (Lehrer in Deutschland - Belastungen Im Beruf 2012 | Statista, n.d.)

3 (Anteil Der Hoch Beanspruchten Lehrer in Deutschland Nach Geschlech 2011 | Statista, n.d.)

4 (Krankheiten - Häufigkeit in Abhängigkeit Des Persönlichen Stresslevels in Deutschland 2016 | Statista, n.d.)

5 (Erziehung Und Unterricht - Bruttojahresverdienst Bis 2019 | Statista, n.d.)

6 (Anteil Der Lehrer Die Sich Vorstellen Können, Bis Zum Gesetzlichen Rentenalter Zu Arbeiten Nach Schulform 2011 | Statista, n.d.)

7 (Lehrer - Arbeitsaufwand | Statista, n.d.)

8 (Arbeitslosmeldungen von Lehrern in Den Sommerferien Nach Bundesländern 2017 | Statista, n.d.)

9 (Beamtenstatus Und Anzahl Der Lehrer an Allgemeinbildenden- Und Berufsschulen Nach Bundesländern 2010 | Statista, n.d.)

10 (Lehrer in Deutschland - Zutreffende Merkmale | Statista, n.d.)

11 (Lehrer - Attraktivität Des Berufs in Deutschland 2012 | Statista, n.d.)

12 (Einschätzung Der Wichtigsten Probleme Für Deutschland 2019 | Statista, n.d.)

13 (Für Sinnvoll Und Notwendig Erachtete Bildungsreformen | Statista, n.d.)

14 (Bildungssytem - Entwicklung Der Vergangenen Jahre in Deutschland | Statista, n.d.)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Inwieweit schränken mangelnde Hygienefaktoren die Arbeitsmotivation des Lehrberufs in Deutschland ein?
Untertitel
Die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V981032
ISBN (eBook)
9783346335081
ISBN (Buch)
9783346335098
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwieweit, hygienefaktoren, arbeitsmotivation, lehrberufs, deutschland, zwei-faktoren-theorie, herzberg
Arbeit zitieren
Lisa Neumeier (Autor), 2020, Inwieweit schränken mangelnde Hygienefaktoren die Arbeitsmotivation des Lehrberufs in Deutschland ein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/981032

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