Die Lokalisierung der Örtlichkeiten der Varusschlacht


Seminararbeit, 1999

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die literarischen Quellen
2.1 Wer schrieb über die Schlacht?
2.2 Die literarischen Quellen im Vergleich
2.3 Auswertung der literarischen Quellen

3. Zum Fundort Kalkrieser-Niewedder Senke
3.1 Lage und naturräumliche Gegebenheiten der Kalkrieser-Niewedder Senke

4. Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen
4.1 Forschungsgeschichte
4.2 Ausgrabungsfunde

5. Auswertung und Datierung der Funde

6. Schlussbemerkung

7. Quellen- und Literaturverzeichniss

1. Einleitung

Kaum eine andere römisch - germanische Schlacht wurde so glorifiziert von Dichtern, Künstlern und Gelehrten, wie die Varusschlacht. Und nur wenige geschichtliche Gestalten haben es geschafft, Heimatforscher und Bildungsbürgertum so in ihren Bann zu ziehen wie Arminius, der Führer der Germanen, die drei römische Legionen vernichteten. Schon damals als ,,... Befreier Germaniens ..." von Tacitus in seinen Annalen (2, 88) gewürdigt, wurden er und diese Schlacht zu einem festen Bestandteil der deutschen Geschichte gemacht. Obwohl man sagen muss, dass das Interesse seit der Herausbildung eines Nationalbewusstseins mehr beim „Hermannmythos" lag, als an der historischen Wahrheit. Der frühere Nationalstolz war es auch, der das ersetzte, was die Quellen nicht hergaben, eine genaue Beschreibung des Ortes, wo diese ,,heroische" Schlacht stattfand. So kam es, dass in den letzten Jahrhunderten die Anzahl möglicher Schauplätze in die Hunderte ging. Handfeste Beweise fehlten jedoch jedesmal. Dennoch fand jene Schlacht eine gewisse Verbreitung und Verarbeitung in Literatur, Musik und bildender Kunst, wie das Hermannsdenkmal bei Detmold zweifelsohne beweist. So fand die Figur des Arminius, alias Hermann, beispielsweise vielfältige Verwendung in zahlreichen epischen Werken und auf der Bühne.

Die schlechten Erfahrungen mit dem Missbrauch der deutschen Geschichte im Nationalsozialismus führten dazu, dass das Interesse für solche Themen nachließen und man sogar die historische Bedeutung dieser Schlacht in Frage stellte. Erst langsam, als die Narben des Krieges verheilt waren und man wieder einiges Selbstvertrauen gewonnen hatte, fing man an, die Rolle jener Schlacht im Teutoburger Wald auf einer historischen Basis neu zu bewerten. Besondere Bedeutung kommen dabei den Arminius-Studien1 zu, in denen sich Dieter Timpe, aus einer historisch objektiven Sicht, mit der Bedeutung der Schlacht in der damaligen Zeit befasst. Als dann die ersten Funde aus der Kalkrieser-Niewedder Senke in die Zeit der Statthalterschaft des Varus eingeordnet werden konnten, wuchs das öffentliche Interesse stark an.. Dabei rückte auch wieder Theodor Mommsens Schrift Die Örtlichkeit der Varusschlacht ( Berlin 1885 ) wieder mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, in der er bereits im 19. Jh. dort den Ort der Schlacht vermutete.

Um so mehr stellt sich im Hinblick auf die Ergebnisse der Ausgrabungen in der Kalkrieser Senke die Frage, haben wir dort den seit Jahrhunderten gesuchten Ort, an dem Arminius Varus und seine Legionen vernichtete?

2. Die literarischen Quellen

Es gibt zahlreiche Hinweise in der literarischen Überlieferung, die sich auf die Varusschlacht beziehen. Dass antike Autoren selbst noch 200 Jahre nach Christi Geburt diese Schlacht erwähnen, zeigt, dass es sich um ein bedeutsames Ereignis in der römischen Geschichte handeln muss. Leider muss man dazu sagen, dass diese literarischen Werke, abgesehen vom Grabstein des M. Caelius, die einzigen Quellen sind, auf die Historiker zurückgreifen können. Die wichtigsten Autoren die sich auf die Schlacht des Varus beziehen, sind Paterculus, Tacitus, Florus und Cassius Dio. Doch gibt es noch zahlreiche weitere Hinweise auf die Schlacht, so z.B. in der Astronomiea von Manilius, den Geographika von Strabo, den Epistulae morales von Seneca und im De vita caesarum von Gaius Suetonius Tranquillus. Auch bei Paulus Orosius und Zonaras wird die Schlacht erwähnt. Hier soll allerdings, im Hinblick auf die Fülle von Textmaterial, nur auf die wichtigsten literarischen Quellen eingegangen werden.

2.1 Wer schrieb über die Schlacht?

An dieser Stelle sollen kurz die wichtigsten Autoren vorgestellt werden.

Als erster sollte Velleius Paterculus erwähnt werden. Paterculus war ein römischer Geschichtsschreiber, der vermutlich dem Ritterstand in Campanien entstammte und von 20 v.Chr. bis ungefähr 30 n.Chr. Lebte.

Auf die Varusschlacht geht er in seinem Werk Historia Romana ein, das er in den Jahren 29/30 n.Chr. verfasste und das ein Kompendium der gesamten römischen Geschichte bis zum Prinzipat des Tiberius enthält. In seinem Werk beschreibt er die Geschehnisse als erinnernswerte Episoden im Drama der Reichswerdung.2 Dies tut er jedoch nicht durch detailgetreue und genaue Beschreibungen, sondern mit Hilfe von Emotions-weckenden Ausdrücken und Umschreibungen.

Als nächster wäre Publius Cornelius Tacitus zu nennen. Dieser lebte von 55 n.Chr. bis schätzungsweise 120 n.Chr.. Im Jahre 77 n.Chr. heiratete er die Tochter des Iulius Agricola, dem er mit seinem Werk Agricola, ein biographisches Denkmal setzte. Er hatte die Ämter des Praetor ( 88 n.Chr.) und des Consuls ( 97 n.Chr. ) inne, bekleidete von 90 - 94 n.Chr. höhere Ämter in verschiedenen Provinzen des Reiches und war in den Jahren 112/113 n.Chr. Proconsul der Provinz Asia. Im Jahre 98 n.Chr., dem Jahr, in dem er die Agricola vollendete, entstand vermutlich auch sein Werk Germania. In diesem Werk beschäftigt er sich speziell mit den germanischen Stämmen. Es gilt als Vorarbeit für seine historischen Werke, die Annales und die Historiae. In den Annales ( ab 115 n.Chr. ), die er ursprünglich in 16 Bänden veröffentlichte und die nur unvollständig erhalten sind, schildert er die Regierungszeiten des Tiberius, des Claudius und des Nero. In diesem Werk geht er auch auf die Varusschlacht ein, indem er beschreibt, wie Tiberius 6 Jahre später an den Ort der Schlacht zurückkehrt und die sterblichen Überreste der Gefallenen begraben lässt.

Der dritte antike Autor ist Lucius Annaeus Florus. Über ihn ist wenig bekannt. In der Provinz Africa geboren, siedelte er sich in Tarracona in Spanien an. Er nahm als Junge am Capitolinischen Dichterwettstreit des Domitian teil und hielt sich wahrscheinlich während der Herrschaft des Hadrian in Rom auf.

In seiner Epitome beschreibt er die römische Geschichte von der Gründung der Stadt bis zur Zeit des Augustus. Dies tut er allerdings auf mehr rhetorische Art als historisch präzise.

Dabei unterteilt er die Geschichte Roms in verschieden Epochen und unterscheidet diese mit Hilfe von Jahresangaben. Er versucht die Größe Roms darzustellen, die seiner Meinung nach auf menschliche Leistung und Glück beruhe. Er will seine Leser beeindrucken und lässt daher strategische Überlegungen aus. Er sieht in der Schlacht nur einen schmerzlichen aber nicht einschneidenden Rückschlag, auf dem Weg des Augustus. Als Vorbild und Hauptquelle nimmt er den römischen Geschichtsschreiber Livius.

Als letzter wäre Cassius Dio zu nennen. Dio war ein griechischer Historiker der von 164 n.Chr. bis ungefähr 230 n.Chr. lebte, und die wichtigsten Daten seines Lebens selbst nennt. Geprägt von der griechischen Sprache und Kultur seiner Heimatstadt Nikaia in der Provinz Bithynien, folgte er seinem Vater nach Rom und begann dort seine senatorische Karriere. Er hatte die Ämter des Praetor ( 193 n.Chr. ) und des Consuls ( 204 n.Chr. ) inne und war davor wahrscheinlich Statthalter in einer der östlichen Provinzen Roms. In der Zeit von 211 bis 229 n.Chr. hielt er sich zeitweise in Bithyien auf, wo er auch 230 n.Chr. starb. Er war Curator der Städte Pergamon und Smyrna, Proconsul ( 223n.Chr. ), leitete die Provinzen Africa, Dalmatien und Oberpannonien und wurde 229 n.Chr. wieder Consul. Für seine Römische Geschichte, die er 211/212 n.Chr. in 80 Büchern verfasste und die heute nur unvollständig erhalten ist, sammelte er 10 Jahre lang Materialien. Sein Hauptziel war es, das Leiden zu schildern, sowie die Perversion der Bürgerkriege und die Verluste durch unfähige Führer anzuprangern. Auch wollte er, dass der Leser nicht durch störende Details von der Geschichte abgelenkt wurde.

2.2 Die literarischen Quellen im Vergleich

Wenn man die Quellen miteinander vergleicht, lassen sich sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten erkennen. Es sollte jedoch erwähnt werden, das die Quellen nicht direkt von Teilnehmern oder Augenzeugen der Schlacht stammen, sondern von Autoren, die über dieses Ereigniss nachträglich berichten. Außer Paterculus schrieben alle anderen Autoren mit mindestens 90 Jahren Abstand vom Geschehen. Aus den Texten lässt sich allerdings erschließen, das Velleius Paterculus und Cassius Dio, die gleiche Quelle zur Verfügung stand. Diese muss auch Annaeus Florus zur Verfügung gehabt haben, wie man anhand der selben detaillierten Informationen erkennt.Trotz dieser, anscheinend gut informierten Quelle, geht keiner der drei auf die geographische Lage des Kampfplatzes ein. Der Ort des Geschehens wird nur grob umschrieben, wie hier bei Florus.

,,...Nihil illa caede perpaludesperque silvas cruentius, nihil insultatione barbarorum intolerabilius, praecipue tamen in causarumpatronos. ... ” ( Flor. II 30, 36 )

,,... Nichts war grausamer als dieses Gemetzel in Sümpfen und Wäldern, nichts war unerträglicher als der Hohn der Barbaren, besonders aber gegen die Gerichtsherren. 3 "­Auch die anderen Autoren geben keine genaueren Auskünfte über den Ort oder den Verlauf der Schlacht. Allein Dio schildert deren Hergang. Allerdings verweisen alle Autoren auf das ungünstige Gelände und das unwirtliche Wetter, sowie den Regen und die Kälte.4 Man kann anhand der Quellen erkennen, das den Römern die Lebenssituation der Germanen zwischen Weser und Elbe nicht genügend bekannt war. Auch sind die Aussagen über die beteiligten Stämme des Arminiusaufstandes sind nicht genau.. Im Wesentlichen beziehen sich die Berichte auf den Stamm der Cherusker. Ebenso wird nicht auf die Stärke der angreifenden Stämme eingegangen. Auf der Seite der Römer ist jedoch von drei Legionen, drei Aalen und sechs Cohorten, die vernichtet werden, die Rede.5

,,...Itaque inprovidum et nihil tale metuentem ex improviso adorti, cum ille - o securitas - ad tribunal citaret, undique invadunt; Castra rapiuntur, tres legiones opprimuntur. ...”

( Flor. II 30, 34 )

,,... So griffen sie den Ahnungslosen und nichts derartiges Befürchtenden überraschend an, als jener - welche Sorglosigkeit! - vor Gericht lud, und von allen Seiten brachen sie herein. Das Lager wurde ausgeraubt, drei Legionen überwältigt. ..."

Außer Anneus Florus, der hier von einem unerwarteten Angriff auf das Lager berichtet, beschreiben alle anderen den Schlachtort und den Kampf selbst als eine im unwegsamen Gelände hinterlistig gelegte Falle.6

[...]


1 1 Dieter Timpe, Arminius-Studien, Heidelberg 1970

2 2 Gregor Maurach, Die literarische Form des Arminiusschlacht-Berichts, in: Arminius und die Varusschlacht

3 3 Übersetzung siehe Literaturliste / Quellen

4 4 Siehe auch: Vell.119,2; Tac. Ann. II, 61; Dio LVI, 20, 3

5 5 Siehe auch Vell. II 117, 1; Tac. Ann. I 62

6 6 Siehe Vell. II 119, 2; Flor. II 30, 36; Cass. Dio LVI 20, 4

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Lokalisierung der Örtlichkeiten der Varusschlacht
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
Proseminar Einführung in die Alte Geschichte
Autor
Jahr
1999
Seiten
15
Katalognummer
V98111
ISBN (eBook)
9783638965620
ISBN (Buch)
9783656207863
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lokalisierung, Varusschlacht, Proseminar, Einführung, Alte, Geschichte, Deutsche Geschichte, Germanien, Tacitus, Arminius
Arbeit zitieren
Andreas Brust (Autor), 1999, Die Lokalisierung der Örtlichkeiten der Varusschlacht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98111

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