Die Sprachentwicklung der Kinder


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

23 Seiten


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Inhalt

1Sprache

2Sprache und Gehirn
2.1Wie ein gehörtes Wort nachgesprochen wird 3Normale Sprachentwicklung

3.1Allgemeines
3.2Vorbedingungen für eine normale Sprachentwicklung
3.3Der zeitliche Ablauf der Sprachentwicklung
3.4Komponenten der Sprache

4Sprachentwicklungsverzögerung
4.1Alalie
4.2Dyslalie
4.3Sigmatismus
4.4Dysgrammatismus

5Sprachstörungen
5.1Mutismus
5.2Stottern
5.3Poltern
5.4Aphasie
5.5Myofunktionelle Störung der Zunge
5.6Rhinophonie

6Literatur

7Glossar

1Sprache

Ein Kind fragt sein Vater

„Was ist Esperanto ?” „Eine Weltsprache”

„und wo spricht man diese ?” „Nirgends”

Was ist denn eigentlich Sprache? Was macht die Menschliche Sprache zu etwas besonderem? Bis vor kurzem war diese Frage noch einfach zu Beantworten so zitierte Karl König in seinem 1957 erschienenen Buch, „Die ersten drei Jahre das Kindes” Adolf Portmann folgender massen: „Darum muss mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, dass die menschliche Wortsprache wie auch die Gebärdensprache, die beide auf dem Verständnisprinzip des >Zeichens< beruhen, etwas völlig anderes sind als alle tierische Laute ” Diese Aussage muss mittlerweile als Widerlegt betrachtet werden. Denn es gilt heute als erwiesen das gewisse Menschenaffen insbesondere die Bonobos eine Sprache besitzen die wesentlich mehr als nur Laute sind. Einige Verhaltensforscher, vermuten, das die Bonobos verschiedene Zeitformen kennen, das heisst das sie sich erlebtes erzählen können. Und das sie gemeinsam über Problem Lösungen „sprechen”.

Sie können, auch eine gewisse Anzahl, an Menschlichen Wörter lernen. Sie besitzen aber kein so ausgereiften Sprachapparat wie wir Menschen deshalb können sie, die für unsere Sprache notwendigen, Phonem nicht bilden. Deshalb, benutzt die Verhaltensforschung, entweder eine Gebärdensprache, oder eine Art Tastatur, mit abstrakteren (Banane ist z.B. ein Kreuz) Symbolen. Erstaunlich ist, das manche Affen die Symbole / Wörter im richtigen Syntax brauchen.

Was also macht unsere Sprache so einmalig? Sicher ist (bis heute?) das wir über die kompletteste Sprache aller Lebewesen verfügen. Für nahezu jedes Ding haben wir einen Wort, wir können Zeitformen benennen, Positionen im Raum erklären, und Gefühle aus drücken, wobei es uns, beim letzt genannten, oft an Worten fehlt. Hier zeigt sich eindrücklich - wie!- Differenziert unsere Sprache ist. Während ein „normaler” Mensch oft nicht weis, wie er seine Gefühle, in Worte fassen soll. Scheint es, das Menschen wie Goethe, mit, wie es Howard Gardner nennt, Linguistischer Intelligenz, dies mit Leichtigkeit tun. Deshalb halten wir diese Menschen für besonders Intelligent.

Für Menschen, mit einer fehlerhaften Sprache, wird genau das zum Problem. Sie sind nicht, oder nur eingeschränkt fähig, ihre Gefühle, Wünsche, Eindrücke, Erlebnisse usw. in einer uns verständlichen Sprache auszudrücken. Menschen die nicht verstanden werden, werden von uns, häufig nicht ernst genommen. Was verständlicher weise zu schweren seelischen Störung führt. Oft ist, unser Unwissen, über Entstehungen und Art von Sprachstörungen, schuld daran, das die betroffenen Menschen, sich, nicht ernst genommen fühlen. So kann es durch aus sein das ein erwachsener Mensch sich in einer Sprache ausdrückt welche einem 2-4 Jährigem Kind entspricht. Sein Sprach Verständnis ist aber ganz normal. Wenn wir einem solchen Menschen begegnen, antworten wir automatisch in seiner Sprache. Weil wir der Meinung sind das er uns nur so versteht, er aber fühlt sich nicht ernst genommen, will er ja unsere normale Sprache verstehen würde. Er ist nur nicht fähig, auf Grund einer neuralen Läsion, (z.B. im Broca-Sprachzentrum), die Wörter richtig aussprechen.

Eine weitere Besonderheit ist, das wir bei Geburt wahrscheinlich über eine „Universalgramatik ” verfügen. Das heisst: Es wird vermutet das ein Kind bei Geburt fähig ist alle ca 3000-5500 Sprachen der Welt zu lernen und diese als Muttersprache zu speichern. So können japanische Babys die Laute „l” und „r” unterscheiden. Erwachsene, nur japanisch sprechende Menschen, können das nicht mehr und werden es auch nie mehr wirklich lernen. Diese These setzte 1957 Noam Chomsky (Professor für Linguistik und Moderne Sprache, am MIT) in die Welt. Ihn hatte die Fähigkeit von Kleinkindern verblüfft, binnen weniger Jahre eine komplexe Sprache zu erlernen. Schon im dritten Lebensjahr plappern sie meist fehlerfrei - und kombinieren Sätze die sie, so nie gehört haben können. Mache Spracheforscher- Innen gehen sogar davon aus, das, wenn notwendig, Kinder eine eigene Sprache entwickeln können.

Ein möglicher Beweis hierfür hat Judy Kegel kürzlich ein einer Gewerbeschule für Gehörlose in Nicaragua entdeckte. Dort haben ca 50 Kinder selbständig eine eine völlig neue Gebärdensprache entwickelt .Nur haben auch sie nicht ganz bei null angefangen den gewisse Handzeichen, für Hunger, Durst haben sie von den Sprechenden Mitmenschen übernommen.

Diese „Universalgrammatik” befähigt uns auch, mehrere Sprachen Perfekt zu lernen. Perfekt, heisst, das wir die nötigen Laute richtig aussprechen können. Das funktioniert nur, wenn wir als Kind bis spätestens zur Pubertät mit der Sprache in Kontakt gekommen sind, den nur so kann sich unser Hirn die nötigen sensorischen und motorischen Vorgänge, die nötig sind, um die, der Sprache endsprechenden Laute, richtig auszusprechen, speichern.

Dies gilt wahrscheinlich auch für die Muttersprache wie der Fall „Genie zeigt

Genie ist ein als Mädchen das nach langer Schwerwiegender Deprivation erst im Alter von 13 die Sprache zu erwerben begann; trotz intensiver Interventionsbemühungen ist es Genie nicht gelungen, selbst einfache morpho - syntaktische Strukturregeln zu erwerben, so dass sie die erlernten Wörter mehr oder weniger willkürlich kombinierte

2Sprache und Gehirn

2.1Wie ein gehörtes Wort nachgesprochen wird.

Wird ein Wort gehört erfolgt seine Verarbeitung kurz danach in verschiedenen Regionen des Gehirns. Anhand des sogenannten Wernicke-Geschwind-Models ist es möglich beim Nachsprechen eines Wortes den Ablauf dieses Verarbeitungs - Prozesses vom Hören bis zur Aussprache nachzuvollziehen.

Die Schallwellen des gesprochenen Wortes, treffen auf die Sinneszellen des Innenohres, und werden danach in Form von elektrischen Impulsen, an das, sich im oberen Schläfenlappen befindende, primäre Hörzentrum (1) geleitet. Hier erfolgt die Unterscheidung der Laute in, Geräusche, Musik, oder Sprache. Diese Informationen werden an den im Scheitellappen liegenden Gyrus angularis (2) weitergeleitet, dessen Aufgabe die Verarbeitung und Kombination von akustischen, visuellen und sensorischen Informationen ist. Im Gyrus angularis - der nur eines von vielen Assoziationsfeldern in der Grosshirnrinde darstellt - erfolgt beispielsweise die Assoziation des Geräusches von Hufen mit dem Bild eines Pferdes oder die Assoziation einer bestimmten Form, Farbe, eines Geruchs usw. mit dem Wort Kaffeetasse. Vom Gyrus angularis gelangen die Informationen in das Wernicke Sprachzentrum (3) das für das richtige Wort zum gehörten verantwortlich ist. Läsionen in diesem Bereich führen zu semantischen Paraphrasien (Fehlbenennungen) die oft vom Bedeutungsfeld des Zielwortes abweichen. Während der Satzbau grammatikalisch meist korrekt ist. Das Sprach Verständnis ist stark beeinträchtigt. In der Regel erfassen die Patienten den Inhalt eines gehörten oder gelesenen Satzes nur ungefähr. Vom Wernicke gelangen die Informationen ins Broca Sprachzentrum (4) welches für die Vorbereitung der richtigen Aussprache des Wortes verantwortlich ist. Das heisst hier wird das Programm für die gesprochene Wiedergabe zusammengestellt. Läsionen in diesem Bereich (Broca- Aphasie) führen zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Sprachproduktion. Die Patienten ringen in der Regel mühsam nach Worten und bringen oft erst nach Aufforderung, kurze, abgehakte Sätze hervor. Dieses Programm wird nun dem primären motorischen Zentrum (5) zugestellt, das die benötigten Muskeln, der Lippen, Zunge und des Kehlkopfes aktiviert

3Normale Sprachentwicklung

3.1Allgemeines

Eine normale Sprachentwicklung gibt es nicht wirklich. Es gibt nur Durchschnittswerte, wann was zu geschehen hat. Diese Werte sind in der Fachliteratur umstritten. So sagt Frau Dr. Herrmann - Röttgen, dass der Erwerb der ersten Wörter zwischen dem 10. und 12. Monat stattfinden sollte. Entwicklungsrückstände bis zu 6 Monaten liegen noch im normalen Bereich. Dieser Spielraum darf nur in besonderen Fällen wie Zwillingsgeburt, Frühgeburt, Krankheiten etc. überschritten werden. Alles, was davon abweicht, muss als Sprachentwicklugsstörung aufgefasst werden.

Auch die Entwicklungspsychologie geht von den 10-18 Monaten aus. Remo H. Largo schreibt in seinem Buch „Kinderjahre”, dass mit 18 Monaten statistisch gesehen erst 81% der Jungen und 91% der Mädchen zwei Wörter sprechen können. Nahezu 100% sind es bei den Mädchen erst nach 24, bei den Knaben gar erst nach 33 Monaten. Wobei anzumerken ist, dass nicht immer klar ist, wann Papa und Mama zu den ersten Worten gezählt werden und wann nicht.

Die Sprachforschung konzentriert sich deshalb, auf die Entwicklung der einzelnen Sprachkomponenten, auf die ich später noch eingehen werde. Trotzdem will ich kurz auf die Sprachentwicklung in den ersten Lebensjahren eingehen. Zuerst aber noch eine paar Grundbedingungen für eine normale Sprachentwicklung.

3.2Vorbedingungen für eine normale Sprachentwicklung

Für die Entwicklung der Sprache und das Erlernen des Sprechens sind Vorbedingungen erforderlich:

Das Gehör

Das Gehör wird als Voraussetzung für die Sprachentwicklung angesehen. Ohne Gehör ist die Nachahmung das Sprechers unmöglich. Es ist deshalb wichtig, ein Kind das nicht auf Laute aus der Umwelt reagiert, auf Störungen des Gehörs zu untersuchen und entsprechet zu handeln. (Gebärdensprache, Förderung des restlichen Hörvermögens usw.) Denn, eine nicht erkannte Schwerhörigkeit kann die Sprachentwicklung stark beeinträchtigen.

Der Sprechantrieb

Der Sprechantrieb und die Sprechlust haben auf die Sprachentwicklung eine erheblichen Einfluss.

Das erste Anzeichen von Sprechlust zeigt sich bereits ab dem 3 Lebensmonat beim Lallen. Kinder führen oft lange „Lallmonologe”, die in denn ersten 6 Monaten von der Freude an den Bewegungen und dem Ausprobieren der Sprechwerkzeuge (Lippen, Zunge, Gaumen, Kiefer) aufrecht erhalten werden. Im 2 lebenshalbjahr tritt die auditadive Aufmerksamkeit mehr in den Vordergrund, die Kinder plappern dann, weil sie sich selbst gerne hören.

Die Sprechlust kann durch das reagieren der Umwelt (Eltern, Geschwister usw.) unterstützt werden. Aber ständiges kritisieren und korrigieren, kann dem Kind die Lust am Sprechen nehmen.

Das Sprachliche Vorbild

Sprachentwicklung ist ein Prozess des Lernens durch Nachahmung. Sprache kann sich nur unter Einfluss der Umwelt bilden. Das Kind lernt nur sprechen, wenn wir mit ihm sprechen. (Siehe Genie) Es ist daher sehr wichtig wie wir mit dem Kind sprechen. Zu schnelle und schlechte Aussprache kann die Sprachentwicklung verzögern. Deshalb will ich hier noch auf ein häufigen Fehler aufmerksam machen: Das Kind bemüht sich die Sprache seiner Vorbilder nachzuahmen und die Silben so getreu wie möglich zu formen. Gerade in dieser Phase ist es wichtig, nicht die Sprache der Kinder zu übernehmen sondern ihm ihm ein gutes Sprachliche Vorbild zu sein.

Die Umweltbedingung

Für die Entwicklung der Sprache ist die Umwelt sehr wichtig. Ein harmonisches Familienleben ist eine Vorraussetzung einer guten Sprachentwicklung des Kindes. Das Kind braucht das Gefühl der Geborgenheit und ein guten Kontakt zu den Eltern. In Gesprächen sollten die Anliegen der Kinder ernst genommen werden.

Die Motorik

Eine fehlerfreie Ausbildung der Sprechorgane ist die wichtigste Voraussetzung, für eine korrekte Aussprache der Laute.

Die Wahrnehmung

Auch die gesunde Wahrnehmung der Sprache und ihre Bedeutung ist enorm wichtig für dien gesunde Sprachentwicklung. So könne dieselben Worte/ Sätze je nach Betonung unterschiedliche Bedeutung haben.

3.3Der zeitliche Ablauf der Sprachentwicklung

Die folgenden, zeitlichen Angaben, sind nur ungefähre durchschnittliche Werte.

Das Säuglingsalter

Erstes Lebenshalbjahr

In den ersten Wochen und Monaten ist das Schreien für den Säugling die einzige Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen und seine Bedürfnisse zu zeigen. Schon nach kurzer Zeit lässt er sich durch vertraute Stimmen beruhigen.

Bereits ab der 6. Woche wird die Beweglichkeit der Sprechorgane in spielerischer und zunächst absichtsloser(?) Weise trainiert. Den Antrieb dazu gibt die motorische Funktionslust bzw. ein Bewegungsdrang, wie er auch bei Gesamtkörperlichen Bewegungen deutlich wird. So wird in den ersten 6 Monaten hauptsächlich die Funktionsweise der Sprechorgane entdeckt.

Zweites Lebenshalbjahr Sprachproduktion

Die grösste Veränderung im vergleich zum ersten Lebenshalbjahr besteht darin, das die Lallsilpen nicht mehr nur aus Freude an der Bewegung gebildet werden sonder, dass sich der Säugling, aufmerksam zuhört und ihm angenehme Laute und Silben produziert. Neu in dieser Phase ist auch die Fremdwahrnehmung d. H. der Säugling hört auf die Lautund Silbenbildung seiner Bezugspersonen und versucht diese nachzumachen. So kommt es, das die Laute der jeweiligen Muttersprache immer ähnlicher werden.

Im 6/7 Monat treten rhythmische Elemente mehr in den Vordergrund. Bedingt durch die auditive Kontrolle werden andere sprachliche Gestaltungsmittel wie Lautstärke und Tonhöhe, Betonung und Pausen wie in einem normalen Gespräch, hinzugenommen. Daher werden diese Äusserungen jetzt auch als Plaudern bezeichnet.

Bis zum enden des ersten Lebensjahres entwickelt das Kind, die ersten einfachen Wörter, die zwar noch nicht richtig artikuliert sind aber bereits einen eindeutigen Bezug haben (Tette für Treppe, Aauoo für Hallo).

Sprachverständnis

Neben dem aktiven Gebrauch der Sprache beginnt mit etwa im 9. Lebensjahr die Entwicklung des Sprachverständnisses. (Semantik) Zwei Grundvoraussetzungen sind dafür erforderlich: Das Kind muss zunächst im Spiel mit den verschiedensten Gegenständen ausgibig befasst haben, sie mit allen Sinnen erfahren und so bereits eine Vorstekung von der Qualität des Gegenstandes gespeichert haben. Darüber hianus hatt es eine Beziehung zu anderen Menschen aufgebaut und hier ebenfalls bestimmte positive Erfahrungen gespeichert.

In den ersten Lebensmonaten kann das Kind sich nur auf eine Sache konzentrieren, spielt es z. B. mit einem Ball und wird es dabei angesprochen, so verschiebt sich die Aufmerksamkeit des Kindes vom Gegenstand auf die Person. Entdeckt es dann einen weiteren Gegenstand kann sich die Aufmerksamkeit auch wieder zu Gegenstand hin verschieben. Erst wenn das Kind, beides gleichzeitig beachten kann, also den „Ball” sehen und die Person zur gleichen Zeit bemerken die das Wort Ball sagt, kann das Kind den Wortklang mit dem Gegenstand koppeln und nach mehreren solcher parallelen Erfahrungen das Wort abrufbar abspeichern. Mit der Zeit kann auch das Wort alleine alle Erfahrungen zu dem Gegenstand „Ball” hervorrufen, ohne dass der Ball sichtbar sein muss. Das Kind baut sich jetzt schnell eine grossen passiven Wortschatz auf, es versteht also immer schon viel mehr Wörter als es im Alltag benutzt.

Das Kleinkindalter (1-3 Jahre)

1 bis 1½ Jahre: Erste Wörter im Einwortsatz

Das Verstehen der zum Kind gesprochene Worte eilt dem Vermögen, sie selbst aktiv einzusetzen, weit voraus. Durch Mimik, Gestik und entsprechende situative und sprachliche Reaktionen zeigt das Kind deutlich an, dass es weiss, was zum Beispiel „Spazierenhehen” bedeutet. Das ist der passive Wortschatz des Kindes. Neben einzelnen Worten kann das Kind auch schon kurze Aufträge verstehen und umsetzen ( z. B. Gib mir den Löffel) Als aktiven Wortschatz bezeichnen wir die Wörter, die vom Kind im sprachlichen Umgang gebraucht werden.

Das Kind beginnt seine aktiven Wortschatz aufzubauen. Es spricht die Worte aber oft noch nicht richtig aus. Es beginnt auch Einwortsätze zu bilden: Ade = Ich möchte spazieren gehen. Dabei scheint es wichtig zu sein das die Eltern jeweils den Gedanken gang des Kindes wiederholen, also: Wenn das Kind sagt „Ade” antworten die Eltern z. B. „Du willst spazieren gehen ?”.

Es lernt auch, das Worte, je nach Mimik, Gestik usw., verschiedene Bedeutungen und oder Gewichtungen haben können.

Es beginnt langsam zu erkenne, das jedes Ding in seiner Umwelt einen eigenen Namen hat.

Und es beginnt immer mehr zu differenzieren .z.B. Zuerst sagt es „brumm brumm” für alle Fahrzeuge, später „brumm brumm” für Autos, Bus, LKW, Motorrad und „Bagger” für Kran, Bagger usw. So differenziert es immer weiter bis es die korrekte Bezeichnung für jedes Ding kennt.

1½ Jahren beherrscht das Kind im Durchschnitt 25 Wörter.

1½ bis 2 Jahren: Zwei- und Dreiwortsätze, erstes Fragealter

Das Kind formt 2 bis 3 Wortsätze, sagt also schon deutlicher was es will. Es setzt sich auch verstärkt mit seiner Umgebung auseinander und erfragt die Namen der Dinge die es sieht. So lernt es schnell viele neue Wörter, so das der Wortschatz am ende das zweiten Lebensjahres, bereits ca 250 Wörter umfasst.

2-3 Jahre: Die stürmische Sprachentwicklung

Mit beginn des 3 Lebensjahres entwickelt sich die Sprache ziemlich schell. Das Kind beginnt jetzt in Mehrwortsätzen zusprechen. Die 2 bis 3 Wortsätze werden durch neue Worte erweitert, wobei der Syntax oft noch fehlerhaft ist, so das wir oft noch erraten müssen was das Kind sagen will. Es ist wichtig das wir, die „falsche” Sätze richtig wiederholen damit das Kind sich den richtigen Syntax allmälich merken kann (?). Dazu ein paar Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Kind spricht in diesem Alter viel mit sich selbst. Es spricht mit seien Puppen, Teddys usw. Es benennt die Bilder in Bilderbücher und versucht kleine Geschichten zu erzählen.

Im Spiel zeigt es erste konkrete Handlungsabfolgen, welch es, seiner Umgebung mitteilt damit sie mitspielen können.

Wie die Überschrift andeutet , macht das Kind stürmische Fortschritte. Es bildet Sätze, stellt Fragen, kann Fragen beantworten, es kann zusammenhänge auf Bildern beschreiben, und kann kurze Reime und Lieder auswendig lernen. Es lernt auch die in den verschiedenen Zeitformen zu sprechen und lernt langsam die verschiedenen Wortarten kennen. Von sich selbst, spricht es zuerst noch in der dritten Person, es wird ja so gerufen. Bald aber lernt es, mit „ich” von sich zu reden, Dieser sprachlich scheinbar kleiner Schritt, ist für die Entwicklung der Persönlichkeit und des Selbstbewusstseins sehr wichtig. Mit ende des dritten Jahres ist der aktive Wortschatz bereist auf über 800 Wörter angestiegen.

Das jüngere Vorschulkind (3 - 5 Jahre)

Jetzt beginnt das Kind seine Umwelt ergründen, es stellt unzählige Fragen: (wozu, woher, weshalb, wie geht das usw.). Wenn wir ihm in einer angemessene einfachen grammatikalisch richtigen Weise antworten, lernt es rasch viele neue Wörter und kann sich mit ca 4 Jahren grammatikalisch richtig ausdrücken.

Somit sind die Grundelemente (Grammatik. Lautbildung, Grundwortschatz) der Sprachentwicklung weitgehend abgeschlossen.

Die weitere Entwicklung umfasst jetzt vor allem: Die Vergrösserung des Wortschatzes und die Verfeinerung Pragmatik.

1.1Komponenten der Sprache

Die Suprasegmentale Komponente

Die wichtigsten Suprasegmentale Effekte werden durch Tonhöhe und Melodie der Sprache erzielt - das Intonationssystem. Verschiedene Abfolgen der Tönen drücken ein weites Spektrum von Bedeutungen aus. So scheinen sämtliche Sprachen die Unterscheidung von fallender und steigender Tonhöhe zu nutzen, häufig zur Unterscheidung von >Aussage< und >Frage<.

Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Lautstärke, die grobe Bedeutungs- unterschiede verdeutlicht - mit erhobene Stimme wird meist mit Wut assoziiert.

Schwankungen im Sprechtempo sind eine dritte Suprasegmentale Grösse. In vielen Sprachen drückt ein besonders schnell gesprochener Satz Dringlichkeit aus, während ein langsamere Sprechtempo Überlegung oder Betonung vermittelt:

„Soll ich jetzt gehen?” fragte Janet. „Ja” stiess John barsch hervor.

„Soll ich jetzt gehen?” fragte Janet. „Ja-a-a”, antwortete John und strich sich nachdenklich über den Bart.

Die Phonetik

Die Phonetik erforscht die Erzeugung, die Übermittlung und den Empfang von Sprechlauten und benötigt als Informationsquelle Menschen mit unversehrtem Gehör und voll funktionsfähigen Sprechwerkzeugen.

Die Phonologie

Die Phonologie untersucht wie, die für die jeweilige Sprache notwendigen, Laute angeordnet sind.

Die Morphologie

Befasst sich mit der Struktur von Wörtern. Drei Wörter in der nachstehenden Liste lassen sich beispielsweise in Teile zerlegen, von denen jeder eine gewisse unabhängige Bedeutung trägt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ja besitzt keine innere grammatikalische Struktur. Wir könnten die Laute analysieren, aus denen es zusammengesetzt ist, /j/ und /a/, doch isoliert haben sie keine Bedeutung. Im Gegensatz dazu haben Pferd, sing, und freund ganz offensichtlich eine Bedeutung, ebenso die Elemente die an sie angefügt sind (die Affixe) un- trägt eine Verneinung in sich, -lich bezeichnet eine Eigenschaft, -keit drückt einen Zustand oder eine Eigenschaft aus, -e bezeichnet den Plural und -end steht für eine gewisse Handlungsdauer. Die kleinsten bedeutungstragenden Elemente in die Wörter zerlegt werden können, nennt man Morpheme; und die Art und Weise, wie Morpheme in der Sprache wirken, ist Gegenstand der Morphologie.

Die Syntax

Die Syntax behandelt die Art und Weise, wie Wörter im Satz angeordnet sind, und welche Bedeutungsbeziehungen sie aufeinander ausüben.

Die Semantik

Die Semantik untersucht die Bedeutung der Zeichen, Wörter und Sätze, einer Sprache. Besonders wichtig ist hier die Bedeutung die Wörter und Zeichen in Sätzen, und Sätze im Kontext aufeinander ausüben. Die Hauptaufgabe der Semantik ist es also, zu untersuchen wie die Menschen innerhalb des Gerüstes ihrer Sprache die Wörter, und Sätze auf einander beziehen.

Ein Beispiel der Wortbedeutung, ist das Wort „Stuhl”. Wie erkläre ich jemanden der das Wort zum ersten mal hört, was ein Stuhl ist? Ich könnte im eine mein Stuhl- ein Holzstuhl ohne Armlehnen- zeigen, wie aber kann ich erreichen das er das Wort Stuhl wirklich richtig versteht. Denn das Wort hat ja nichts mit Holz oder dem nichtvorhanden sein von Armlehnen zu tun. Ein Stuhl kann genau so aus Plastik, Metall, usw. sein, kann Armlehnen haben oder nicht. Ich könnte also vielleicht sagen ein Stuhl ist ein Ding, mit 4 Beinen auf das wir sitzen können. Was natürlich auch falsch ist, denn was ist mit den Schaukelstühlen, Bürostühlen, und was ist ein Sessel, ein Hocker?

Die Sprechakte

Die Konversatinos- oder Diskurskomponente

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1Sprachentwicklungsverzögerung

1.1Alalie (Unfähigkeit zur Lautbildung)

Von Alalie spricht man, wenn das Kind gar nicht, erst zu sprechen beginnt. In den meisten Fällen liegt eine schwere Hörstörung vor.

1.2Dyslalie (Stammeln)

Allgemeines

Das Kind bildet einzelne oder mehrere Laute falsch, gar nicht oder es vertauscht die Laute untereinander.

Auslassungen: Manfed statt Manfred, aus statt Haus.

Fehlbildungen: Chule statt Schule, Schand statt Sand.

Vertauschungen: Tatze statt Katze, Giger statt Tiger.

Einteilung

Es wird je nach Schweregrad unterschieden.

Partielles Stammeln

Wenn nur ein bis zwei Laute falsch gebildet werden, z.B. d statt t.

Multiples Stammeln

Wie der Name schon sagt - mehrfaches Stammeln. Das heisst, es sind mehrere Lautbildungen eingeschränkt, so dass auch die Verständlichkeit des Kindes eingeschränkt ist.

Eine Abklärung durch den Arzt ist nötig, vor allem um festzustellen, ob eine organische Erkrankung vorliegt.

Universelles Stammeln.

Wenn alle Lautbildungen fehlerhaft sind und das Kind - ausser vielleicht von den Eltern - nicht verstanden wird, spricht man von universellem Stammeln. Hier ist schnelles Handeln angebracht, denn ein Kind, das nicht verstanden wird, wenn es zu reden versucht, leidet.

Mögliche Ursachen:

Vorbemerkung:. Es ist selbstverständlich, dass die folgenden Ursachen weder vollständig sind noch alleine auftreten. Es liegen immer mehrere Gründe vor, deshalb ist eine ganzheitliche Therapie notwendig.

Zerebrale oder andere organisch Störung

Hörstörung

Damit ist nicht in erster Linie gemeint, dass das Kind nichts hört, es kann durchaus sein, dass das Kind auch leise Töne gut hören kann, aber bestimmte hohe Frequenzen nicht. Das führt dazu, dass es z.B. s und f nicht unterscheiden kann.

Auditive Wahrnehmungsstörung

Einschränkung der akustischen Merkfähigkeit. Obwohl das Gehör organisch vollständig ausgebildet ist, sind diese Kinder nicht in der Lage, sich die akustischen Eindrücke so zu merken, dass sie sie richtig weitergeben können. Erkennbar ist diese Störung daran, dass sie schlecht auswendig lernen.

Feinmotorische Ungeschicklichkeit

Schwächen der Feinmotorik äussern sich darin, dass die Kinder z.B. nicht gerne basteln oder malen. Die Auswirkung ist, dass auch die präzise Zungenbewegung eingeschränkt ist. Das ist aber in den meisten Fällen kein Problem, da es sich nur um eine etwas verzögerte Entwicklung handelt. Notwendig ist hier meist lediglich eine gezielte, spielerische Förderung der Feinmotorik.

Wahrnehmungsstörung

Das Kind kann die Sinneseindrücke nicht richtig einordnen.

Eine allgemeine Wahrnehmungsstörung ist oft verantwortlich für eine auffällige Störung der Sprachentwicklung. Eine ganzheitliche logopädische Therapie ist unbedingt notwendig.

Seelisch bedingte Entwicklungsstörung

Für viele stammelnde Kinder gilt, dass ihr Entwicklungsstand im psychischen Bereich nicht altersgemäss ist. Sie sind noch zu mutttergebunden und häufig unselbständig. Die Sprache spiegelt ihre Abhängigkeit von den Bezugspersonen, sie sind noch so im häuslichen Bereich geborgen, dass eine differenzierte Ausprägung der Sprache gar nicht notwendig erscheint.

Dieses Phänomen kann eine Reaktion auf sprachliches Unvermögen sein: Das Kind hängt zu sehr an seiner Mutter, die es ja auch ohne differenzierte Sprache zu verstehen scheint. So schützt es sich vor Enttäuschungen, von anderen mangels ausgeprägter Sprache nicht verstanden zu werden. Förderung der Sprache und des Selbstbewusstseins ist unbedingt nötig. Wenn das Kind wegen seiner Kontaktscheu keine adäquate Sprache entwickelt, kann aus dem schlechten Sprechen immer mehr ein Schweigen werden.

1.3Sigmatismus (Lispeln)

Wenn nur der s-Laut oder der sch-Laut nicht richtig gesprochen wird, spricht man von Sigmatismus. Dazu rechnet man auch die Störung, den s-Laut und den sch-Laut nicht unterscheiden zu können. Diese Störung, die eigentlich zur Dyslalie gehört, erhält zu recht einen eigenen Namen, da es sich mit Abstand um die häufigste handelt. Die Zischlaute s und sch sind in der deutschen Sprache die schwierigsten, weil sie eine genaue Einstellung der Zunge voraussetzen.

Sigmatismus wird ihn viele Gruppen eingeteilt; zwei davon sind:

Dentaler Sigmatismus

Bei der häufigsten Form des dentalen Sigmatismus befindet sich die Zunge nicht hinter den unteren Schneidezähnen, sondern sie schaut zwischen den oberen und unteren Zähnen mehr oder weniger hervor.

Lateraler Sigmatismus

Die Zunge liegt nicht gestreckt sondern etwas breitgezogen im Mund und der Luftstrom fliesst seitlich aus dem Mund.

Mögliche Ursachen

Kiefer - oder Zahnfehlbildung

Chronische Verstopfung der Atemwege

Hörstörung

Verzögerte Entwicklung der Feinmotorik

Seelische Gründe

1.4Dysgrammatismus (Fehlerhafte Grammatik)

Auslassen von Wörtern und Satzteilen

Die Hilfszeitwörter fehlen: ich gelaufen, Mama gesagt

Die Tätigkeitswörter fehlen: Papa, Auto, Stadt

Fehlerhafte oder fehlende Form

Falsche Mehrzahlbildung: Kinders statt Kinder

Infinitiv (Grundform) statt Konjugationen (gebeugte Formen): Ich spielen statt Ich habe gespielt

Ich trinken wollen statt Ich will trinken

Falsche Partizipien (Mittelwörter): getrinkt statt getrunken

Falscher Satzbau

Das nicht steht an falscher Stelle: Ich nicht das will

Die Hauptwörter kommen zuerst: Papa Auto nicht wegfahren wollen Der Fragesatz wird genau so gebildet wie der Ausgangssatz: Mama, Peter lieb ist? statt Mama, ist Peter lieb?

Eingeschränkter Wortschatz

Noch keine Ich-Bildung: Peter lieb statt Ich bin lieb

Keine Oberbegriffe: Birne, Apfel, Kirsche werden nicht als Obst erkannt und benannt

Keine Differenzierung: Alle Frauen sind „Mama”. Alle Vierbeiner sind „Hund”

Viele Wörter werden nur in der Kindersprache gebildet: „Wauwau”, „Muh”, „Piep” sind Tiere.

Ursachen

Es ist auffällig, dass der Dysgrammatismus zunimmt. Eine der wichtigsten Ursachen: In einer immer mehr visuell orientierten und erlebten Welt leben die Nachrichten, sie erscheinen mit Bildern, die Kindermärchen sind auf Videos, die Spiele oft auf Videogame oder PC. Die Ohren sind sich nicht mehr gewohnt, sich etwas zu merken ohne die entsprechenden Bilder zu sehen.

Natürlich sind auch hier Hörstörungen als mögliche Ursache zu berücksichtigen.

Im weiteren sind oft Wahrnehmungsstörungen ausschlaggebend. Dazu gehören Konzentrationsschwierigkeiten, insbesondere beim Zuhören akustischer Vorgänge und bei deren Wiedergabe. Es ist aber oft nicht klar auszumachen, ob die Merkfähigkeit eingeschränkt ist oder nur die Wiedergebe des durchaus richtig gemerkten Inhalts. Eine weitere Ursache ist, dass fast alle Kinder, deren Sprache dysgrammatisch ist, ein eingeschränktes Abstraktionsvermögen haben. Diese Kinder werden von unserer Gesellschaft oft als weniger intelligent eingestuft, da eine differenzierte Sprache als ein Indiz für Intelligenz gilt.

Seelische Störungen können auch Ursachen sein, da sich die Kinder in diesem Fall oft von der Welt abkehren und nicht mehr bereit sind, das Gehörte umzusetzen. Selbstverständlich muss hier dem Dysgrammatismus eine untergeordnete Rolle zugedacht werden.

Allgemeine Hinweise zum Umgang mit Kindern mit Sprachschwierigkeiten

Seelische Probleme: Kinder brauchen Kontakt

Je stärker eine Sprachentwicklungsverzögerung ist, desto unzulänglicher kann sich das Kind verständlich machen, was zu Problemen im sozialen Leben führt. Das Kind wird von den SpielkameradeInnen nicht verstanden. Es meidet den Kontakt zu fremden Personen, bindet sich an die Eltern, die es ja auch ohne differenzierte Sprache verstehen. Dies führt jedoch zusätzlich zu einer weiteren Entwicklungsverzögerung, weil das Kind keinen Grund hat, richtig zu sprechen. Der Kontakt zu Gleichaltrigen ist deshalb auch aus sprachlicher Sicht elementar.

Auditive Störung: Hören will gelernt sein

Das bewusste Hören ist für die Entwicklung der Sprache sehr wichtig. Deshalb ist es angezeigt, mit dem Kind musikalisch und rhythmisch zu arbeiten. Gemeinsames Singen fördert das auditive Gedächtnis, da Kinder mit Sprachschwierigkeiten oft Mühe haben, sich an den genauen Klang des Gehörten zu erinnern.

Visuelle Störungen: Schau genau

Manchmal können auch visuelle Schwierigkeiten die Ursache von Sprachstörungen sein. Hier ist z.B. Memory spielen angesagt.

Abstraktionsstörungen im Bereich der visuellen Wahrnehmung

Ein fehlendes Abstraktionsvermögen äussert sich dadurch, dass das Kind nicht weiss, wie es die Eindrücke, das Erlebte, in Worte fassen kann.

Hilfe kann zeichnen und malen sein, denn hier äussert sich das Problem so, dass die Aufforderung „zeichne einen Menschen” dazu führt, dass das Kind total blockiert ist, weil es diesen Menschen genauso wie sein inneres Bild - also wie ein Foto - zeichnen will. Es fehlt das Abstraktionsvermögen, eine Person als „Strichmenschlein” zu zeichnen. Eine gezielte, einfühlsame Maltherapie kann helfen, das Abstrahieren zu fördern.

Weitere Probleme der Sinneswahrnehmung

Die Farben können nicht als Ordnungsmerkmal wahrgenommen werden. Was haben denn ein roter Stoffhund und ein roter Ball gemeinsam?

Auch Formen zu unterscheiden bringt Schwierigkeiten mit sich. Die verschiedenen Klötze, die in die vorgesehene Öffnung passen, können hier eine Hilfe sein. Taktiele Schwierigkeiten:

Die Schwierigkeit, Gegenstände ihrer Art entsprechend zu behandeln, hat auch etwas mit Abstraktionsschwierigkeiten zu tun. So kann z.B. backen eine Unterstützung zu einer besseren Sprechentwicklung sein.

Kognitive Schwierigkeiten

Ein Symptom, das bei fast allen DysgrammatikerInnen vorkommt, ist die Einschränkung im kognitiven Bereich.

Häufige sprachliche Auffälligkeiten:

- Geringer Gebrauch von Oberbegriffen: Mama für alle Frauen oder Brot für alles Essbare
- Oberbegriffe für jede Art von Gattung: Wauwau für alle Hunde
- Keine altersgemässe Fähigkeit zu zählen
- Eingeschränkte Fähigkeit, logische Bildreihen zu erkennen und als Sequenzen einzuordnen
- Eingeschränkte Fähigkeit, kurze Geschichten nachzuerzählen
- Eingeschränkte Fähigkeit, Ereignisse, die aus mehreren Episoden bestehen, zu berichten
- Eingeschränkte Fähigkeit, einen komplizierten zusammengesetzten Befehl auszuführen, der nicht durch Gesten unterstützt wird
- Eingeschränktes Verständnis von Präpositionen (auf, unter, vor, hinter, neben etc.)

Übungen zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten

Aufräumen

Begleitetes Aufräumen des Zimmers mit System: Alle Legosteine in die rote Schachtel, alle Stofftiere in die grüne Schachtel, die Bücher ins Büchergestell usw.

Tischdecken

Heute Abend sind wir zu viert - decke bitte den Tisch. Für alle einen Teller, eine Gabel, ein Messer usw. Das Kind lernt so, was Ordnung ist, erkennt Strukturen und übt das praktische Zählen.

2Sprachstörungen

Unter Sprachstörungen sind Störungen zu verstehen, die nicht das Sprechen alleine, sondern die Sprache im weitesten Sinn betreffen. Es handelt sich dabei um Symptome, die nicht nur als Störung der sprachlichen Entwicklung auftreten, sondern auch unabhängig von sprachlichen Verzögerungen zu einem späteren Zeitpunkt, ja sogar nach Abschluss der eigentlichen Sprachentwicklung auftreten können.

2.1Mutismus (Seelische Sprechblockade)

Mutistische Kinder sprechen nicht oder nur unter bestimmten Umständen zu bestimmten Personen.

Mögliche organische Ursachen

Fehlbildung der Sprechwerkzeuge

Störungen anderer Sinne

Neurologische Störungen

Hörstörungen

Wenn ein Kind nicht richtig hört und dieser Umstand nicht anerkannt wird, das heisst, wenn es nach dem Motto „Es gehorcht nicht“ anstelle „Es hört nicht“ behandelt wird. Wenn also ein Kind etwas nicht gehört hat und es darauf angeschrien wird, sind seelische Schäden voraussehbar.

Mögliche nichtorganische Ursachen

Beziehungsstörungen

Mit der Entwicklung des Ich-Bewusstseins (ca zweites Lebensjahr) begreift sich das Kind als eigene Person mit eigenem Willen und eigenen Wünschen. Um diese auszudrücken, benötigt es die Sprache. Wenn aber die Eltern ihr Kind nicht reden lassen, wenn es also seine Bedürfnisse nicht äussern kann, weil sie ihm alle Wünsche von den Augen ablesen und ausserdem ein weiteres soziales Umfeld fehlt - warum sollte es dann sprechen? Es wird ja auch so verstanden. Es ist deshalb wichtig, dass wir die Kinder sprechen lassen. Sie sollen ihre Wünsche sagen können (müssen).

Auch muss ein Kind immer wieder Kontakt zu anderen Personen z.B. den Grosseltern haben (ohne die Anwesenheit der Eltern). So kann es lernen, seine Wünsche in einer Sprache für Aussenstehende zu fassen.

Seelische Ursachen (Neurosen)

Tiefere Ursachen sind seelische Störungen. In wenigen Fällen können auch traumatische Erlebnisse die Ursache sein.

Dazu gehören alle Erfahrungen, in denen sich ein Kind hilflos und verlassen fühlt oder aus anderen Gründen in panische Angst gerät. Körperlicher und seelischer Schmerz können auch Ursache einer psychischen Krise sein. Ein Krankenhausaufenthalt ohne die Eltern kann für das Kind schwere Folgen haben, denn es ist angewiesen auf die Liebe und Fürsorge der Eltern. Es kann die Welt noch nicht alleine verstehen.

Manchmal kann auch die Geburt eines zweiten Kindes ein Sprachverweigerung auslösen, weil die verminderte Zuwendung als Vertrauensbruch interpretiert wird und mit Menschen, denen es nicht vertraut, will es nicht reden.

Somit sind auch hier vor allem Aufmerksamkeit und Liebe die wichtigste vorbeugende Massnahme.

2.2Stottern

Klonisches Stottern

Einzelne Buchstaben, Silben oder Wörter werden mehrfach wiederholt

Tonisches Stottern

Das Kind stoppt und ringt, bis es ihm gelingt das gewünschte Wort zu sagen

Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig und bis heute noch nicht vollständig geklärt. Als sicher gilt, dass eine körperliche Disposition vorhanden ist und dass psychische Faktoren dazu kommen. Stottern beginnt während der Sprachentwicklung zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr oder während der Einschulung oder in der Pubertät. Im Erwachsenenalter tritt Stottern in der Regel nicht mehr neu auf.

Entwicklungsstottern

Eine Unflüssigkeit der Sprache, welche in einer der vorgenannten Formen oder in beiden als Mischform im Alter von ca zwei bis drei Jahren auftreten kann, meist aber ohne Folgen wieder vergeht. Die Ursache ist, dass das Kind einfach überfordert ist mit den vielen Dingen, die es in den ersten Jahren lernen soll. Bei so vielen neuen Eindrücken kann es vorkommen, dass es in der Aufregung einfach ein Durcheinander hat.

2.3Poltern

Poltern wird oft mit Stottern verwechselt; eine genaue Abklärung ist deshalb nötig, weil beim Poltern in erster Linie Änderungen zu Hause wichtig sind. Poltern ist offenbar eine zeitliche Koordinationsschwierigkeit. Wenn das Kind zu viele Emotionen und Eindrücke auf einmal ausdrücken möchte, gerät es ins Schleudern, kann die Sätze nicht fertig machen fängt immer wieder von vorn an. Es kann einen Satz nicht beenden, weil es zu viel auf einmal erzählen will. Eine eigentliche Therapie ist hier nicht möglich; das einzig was helfen kann, ist, dem Kind zuzuhören, ihm Zeit zum Erzählen geben, es in einem Rahmen ohne Stress erzählen zu lassen. Dies alles kann zu einer wesentlichen Besserung führen. Trotzdem kann Poltern in Stresssituationen immer wieder auftauchen.

Mögliche Ursachen

Im EEG sind Veränderungen messbar. Polterer sind häufig sehr intelligent, mitteilungsbedürftig und extrovertiert.

Meist liegen auch rhythmische und musikalische Schwierigkeiten vor.

2.4Aphasie (Zentrale Sprechstörung) Wernicke/Broca Aphasie

Wenn ein Kind plötzlich ganze Wörter wie Hund, Haus usw. nicht mehr findet, kann eine zerebrale oder neurologische Erkrankung vorliegen.

2.5Myofunktionelle Störung der Zunge (Fehlerhafte Zungenbewegung)

Eine falsche Zungenmotorik für dazu, dass der s-Laut nicht richtig gesagt werden kann. Dazu kommen häufig kieferorthopädische Schäden, die aber durch ein frühzeitiges Training des Schluckens verhindert werden können.

Eine der möglichen Ursachen kann das zu lange Daumenlutschen und Schnullern sein

2.6Rhinophonie (Näseln)

Offenes Näseln

Die offenen Vokale a, e, i, o, u, werden wie im Französischen gesprochen. Es entweicht zu viel Luft aus der Nase statt durch den Mund.

Das Gaumensegel ist gesenkt.

Geschlossenes Näseln

Die Sprache tönt wie mit Schnupfen. Es entweicht zu viel Luft durch den Mund. Ursache ist of eine Erkrankung im Nasen-, Rachenbereich.

3Literatur

Verschiedene - Biopsychologie - 1998 Spektrum Akademischer Verlag

Verschiedene - Gehirn und Bewusstsein - 1994 Spektrum Akademischer Verlag

Verschiedene - Das menschliche Gehirn - 1999 Verlag Christian Brandstätter

Karl König - Die ersten drei Jahre des Kindes - 1986 Fischer

Dr. Marion Hermann-Röttgen - Unser Kind spricht nicht richtig... - 1997 Trias

David Crystal - Die Cambrige Enzyklopädie der Sprache - 1995 Campus

Remo H. Largo - Kinderjahre - 1999 Piper

R.Oerter/L.Montada - Entwicklingspsychologie - 1998 Beltz

Gisala Szaugun - Sprachentwicklung beim Kind - 1996 Beltz

Richter Erwin - So lernen Kinder sprechen - 1997 Ernst Reinhardt Verlag

Stefan Leber - Die Menschenkunde der Waldorfpädagogik - Verlag Freies Geistesleben

Howard Gardner - Kreative Intelligenz - 1997 Campus

Howard Gardner - Abschied vom IQ - 1985 Klett-Cotta

Jean Piaget - Sprechen und Denken des Kindes - 1953 Schwann

René A.Spitz - Vom Säugling zum Kleinkind - 1965 Klett

Jakob Lutz - Kinderpsychiatrie - 1972 Rotapfel Verlag

4Glossar

Aphasie Sprachstörung, die von einer Schädigung des Gehirns herrührt und sie Fähigkeit

Beeinträchtigt, grammatikalische und semantische Strukturen zu produzieren und/oder zu verstehen

Adäquat den Umständen angemessen; entsprechend

Diskret Sprachliche Elemente, die klar voneinander abgegrenzt sind

Diskurs Ununterbrochene Kette von Äusserungen, vor allem in geschbrochener Sprache

Kognitiv die Erkenntnis betreffend; erkenntnismässig

Kohärenz Einem Text zugrunde liegender logischer Zusammenhang

Linguistik Sprachwissenschaft

Morphologie Zweig der Linguistik, der sich mit der Struktur von Wörtern beschäftigt.

Mutismus Stummheit ohne organischen Defekt

Phoem Kleinste Einheit im Lautsystem einer Sprache

Pathologisch Krankhafte Veränderung

Phonologie Zeig der Linguistik, der die Lautsysteme von Sprachen untersucht

Pragmatik Zweig der Linguistik, der die, den persönlichen Sprachgebrauch Beeinflussenden, Faktoren untersucht.

Semantik Zweig der Linguistik, der sich mit Bedeutung sprachlicher Zeichen beschäftigt

Syntax 1 Lehre vom Bau des Satzes. 2 Zweig der Semiotik, der sich mit der Anordnung und der Beziehung von Zeichen untereinander beschäftigt.

Semiontik Lehre von den Zeichen, insbesondere jenen, die in Formen menschlicher Kommunikation auftreten

Supersegmental Stimmliches Merkmal, das sich über mehr als ein Segment erstreckt, z.B. Tonhöhe

Segment Diskrete Einheit, die sich im Redefluss identifizieren lässt;

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Details

Titel
Die Sprachentwicklung der Kinder
Autor
Jahr
1999
Seiten
23
Katalognummer
V98144
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache Sprachentwicklung Sprachstörung
Arbeit zitieren
Adrian Moser (Autor), 1999, Die Sprachentwicklung der Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98144

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