Billie Holiday, Gesichter einer Legende


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

9 Seiten, Note: 1,0


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Einleitung

Billie Holiday war eine, wenn nicht die größte Jazzsängerin des letzten Jahrhunderts. Wie keine Andere schaffte sie es, Menschen unmittelbar zu berühren und zu bewegen. Viele Jazzmusiker heutzutage sehen sie als ,,überbewertet" an und vergleichen ihre Technik mit anderen großen Jazzlegenden wie Ella Fitzgerald oder Sarah Vaughan; was sie nicht sehen, ist folgendes:Billie Holiday ist nicht als Technikerin zu bewerten, sondern als Allround- Künstlerin, ihre Kunst bestand darin, den Gesang direkt zu fokussieren und auf das Herz der Menschen zu richten, die ihr zuhörten.

Ihre leicht schleppende Phrasierung, immer etwas hinter dem Beat, ihre wunderbaren Variationen von Melodien und ihr perfektes Zusammenspiel mit der Band suchen auf der Welt noch nach Ihresgleichen .

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit dieser, meiner absoluten Lieblingssängerin, ihrer Familiengeschichte, ihrer Jugend und ihrem Gesangsstil beschäftigen.

Historische Hintergründe

Um das Jahr 1650 herum, wurde im Staate Virginia die Sklaverei zum ersten mal gesetzlich geregelt. Über 6000 Afrikaner wurden allein in den Jahren zwischen 1699 und 1708 in die Sklaverei nach Virginia verkauft. Die Sklaven gehörten vielen verschiedenen Stämmen an, da sie aber auseinandergerissen wurden, um im ganzen Land verkauft zu werden, konnten sie ihre Stammesidentität nicht bewahren.

Durch die Erfahrungen des Sklavendaseins entfernten sie sich immer mehr von ihren ursprünglichen Stammeskulturen, aber gleichzeitig damit entstand eine vollkommen neue Nation: Die der ,,Afroamerikaner".

Die landläufige Meinung der Weißen damals war, die schwarzen Sklaven besäßen gar keine Kultur.

Man war davon überzeugt, Schwarze wären unfähig, kulturelle- oder spirituelle Werte zu entwickeln. Ehemalige Sklaven jedoch, die in den frühen zwanziger Jahren interwiewt wurden, erklärten, sie hätten an Weiße nichts von ihrem kulturellen Wissen preisgegeben, weil sie sich so sicherer fühlten und eher in der Lage waren, ihre eigene Identität zu bewahren.

Im Laufe von über 350 Jahren entwickelte sich die Afro- Amerikanische Kultur in Amerika und wurde zu Beginn durch die Sklaverei, später jedoch durch klaren Rassismus geformt. Genau dieser Kultur entstammt Billie Holiday.

Schon allein deshalb ist es unmöglich, sie mit europäisch - puritanischen Maßstäben zu messen.

1662 mußte der Status der Kinder geklärt werden, die zwischen weißen Sklavenhaltern und ,,Negerfrauen" gezeugt wurden. Die Kinder wurden ausschließlich nach dem Status der Mutter beurteilt was hieß, daß die Sklaverei somit als Erbrecht sanktioniert war. 1705 wurde der Terminus ,,Mulatte" festgelegt.

1839 wurde ein gewisser ,,Reverend Thomas Harley" zitiert, der sagte: ,,Ich kann sagen, daß ich in sogenannten respektablen Familien verkehrt habe, in denen man die Familienähnlichkeit von Sklaven, die am Tisch bedienten,erkennen konnte " Wenig später wurde Rebecca Fagan, die Urgroßmutter von Eleonora Fagan, alias Billie Holiday geboren.Der Name war von einem Irischen Sklavenhalter auf sie übergegangen...

Familienverhältnisse

Rebecca Fagan wurde um 1852 geboren und arbeitete als Wäscherin.

Aus einer außerehelichen Beziehung ihres erstgeborenen Sohnes Charlie, mit einer Frau namens Harris entstand eine Tochter, Sarah, geboren am 18.8.1896, die Mutter von Eleonora . Irgendwann einmal wurde aus ihrem Namen ,,Sadie", eine gebräuchliche Amerikanische Variante des Namens Sarah.

Aus dem Wunsch heraus, sich selbst als eine ,,Fagan" zu sehen, konvertierte Sadie zum katholischen Glauben ihres Vaters und änderte ihren Namen von ,,Harris" in ,,Fagan", aber sie war bereits aus dem engeren Familienkreis um ihren Vater herum ausgeschlossen, als sie 1914 eine Stelle als Hausangestellte bei einer Weißen Familie annahm, bei der sie auch wohnte.

Eines Abends besuchte sie eine Tanzveranstaltung oder ein Volksfest und wurde dort von dem jüngeren Clarence Holiday verführt, was sofort eine Schwangerschaft nach sich zog.In der, von William Dufty verfassten ,,Autobiographie" Billie Holidays, stellt sich diese Geschichte ganz anders dar : ,, Mum und Dad waren noch Kinder als sie heirateten, Er war achtzehn, sie war sechzehn und ich war drei."

Richtig ist jedoch, daß die Beiden nie verheiratet waren. Am 7. 4. 1915 wurde Eleonora Fagan geboren.

Sadie war damals neunzehn ,lebte in Baltimore, Maryland und arbeitete als Hausangestellte. Clarence besuchte sie regelmäßig und unterstützte sie auch mit Geld.(Er bezahlte die Miete.) Die beiden lebten nie zusammen, aber Sadie nahm,,transportation-jobs" an, um Clarence überallhin folgen zu können, da er als Banjospieler in sehr angesagten Jazzbands im ganzen Lande beschäftigt war. Im Oktober 1922 hiratete Clarence ein sechzehnjähriges Mädchen namens Helen Bouldin, verließ diese jedoch noch im gleichen Jahr und ging von Baltimore nach Philadelphia, wo er den Aufzug in einem Tanzsaal bediente, um sich seine Musikstunden zu finanzieren. Bald spielte er mit den dortigen Musikern zusammen, und hatte seine zweite Frau, Fanny, kennengelernt, was Sadie nicht daran hinderte, ihm weiterhin auf den Fersen zu bleiben.

Im Alter von vierundzwanzig heiratete Sadie einen Hafenarbeiter namens Phillip Gough, wurde von diesem jedoch drei Jahre später verlassen. Nun lebte sie mit Eleonora in ärmlichen Verhältnissen in Baltimore, arbeitete für weiße Familien und schneiderte aus Stoffresten die Kleider für ihre Tochter, die später behauptete, daß sie, wenn sie sich rausputzte, ,, die schärfste Göre der Gegend war."

Trotzdem hatten die beiden nie Geld und auch keine wirkliche Familie.

Obwohl Sadie durch ihre Konvertierung den Namen Fagan angenommen hatte, waren sie und Eleonora bei den Fagans nie gern gesehen, da sie die Frauen der Familie an die unliebsame Vergangenheit von Charlie erinnerten.

Später, als aus Eleonora die berühmte Billie Holiday geworden war, kam es zum Eklat, als einige der Fagans aufkreuzten, um ihr einen Besuch abzustatten : ,, Was mich betrifft, sind alle Fagans tot", sagte Billie damals. Sie nahm es der Familie sehr übel sehr übel, daß sie sie und ihre Mutter abgelehnt hatten.

Kindheit und Jugend in Baltimore

Als Eleonora Fagan ungefähr neun oder zehn Jahre alt war wurde sie wegen wiederholten Schuleschwänzens in ein Heim namens ,,good shepherd" gesteckt, in dem sie acht Monate blieb, nicht gerade die gesündeste Umgebung für ein Mädchen dieses Alters. Am dritten Oktober 1925 wurde sie wieder ihrer Mutter anvertraut, die jedoch wenig Zeit für sie hatte, da sie viel arbeiten mußte und auch zwischen New York und Baltimore pendelte. Als Eleonora ca elf Jahre alt war, begann sie als Prostituierte im Bordell von Alice Dean zu arbeiten, wo sie das erste mal auf dem puffeigenen Grammophon Bessie Smith und Louis Armstrong zu hören bekam. Von diesen beiden sollte sie den Rest ihres Lebens beeinflußt bleiben.

In ihrer Autobiographie erzählt Billie, wie sie in Harlem im Pods & Jerrys als Sängerin entdeckt worden sei, obwohl sie es als Tänzerin versucht hatte. Aber ihre Freunde erinnern sich, daß sie schon zu der Zeit , als sie sich noch in den Straßen von Baltimore herumtrieb, gesungen hat.

Ihre Jugendfreundin Pony erzählt: ,, Die bestangezogensten Ganoven trieben sich in der Gegend rum, um Eleonora zum singen anzuheuern.

Sie haben Nadelstreifenanzüge getragen und genoppte Lederschuhe mit andersfarbigen Spitzen , ne menge Gauner mochten Eleonora.

Ein paar von den Jungs haben auch gesungen..., aber Eleonora schoß den Vogel ab. Sie war ne große Attraktion. Wenn sie sang, dann drängelten die Leute "

New York

1927 folgte Eleonora ihrer Mutter, die nun ganz nach New York gezogen war und arbeitete dort erst als Putzfrau und dann in einem Bordell von Florence Williams, in dem sie auch wohnte.

Als sie dort einem einflußreichen schwarzen Kunden ihre Dienste verweigerte, ließ dieser sie verhaften und sie wurde für vier Monate nach ,,welfare island", einer Besserungsanstalt für gefallene Mädchen gesteckt. Als sie wiederkam hatte sie endgültig genug von dem Gewerbe der Prostituierten, es muß zu diesem Zeitpunkt gewesen sein, daß sie sich endgültig entschloß , Sängerin zu werden.

In der Zeit um 1929- 1930 gibt es erste Berichte von live- Auftritten Eleonoras. Sie zog mit zwei weiteren Mädchen durch die Harlemer Clubs und sang für Trinkgeld an den Tischen.

Eleonora arbeitete ungefähr ein Jahr im ,,nest" , einem Club in Harlem und zog dann hinüber auf die andere Straßenseite, zu ,,pods & jerrys".

Etwa zu dieser Zeit änderte sie ihren Namen von Eleonora in ,,Billie".

Später erzählte sie, sie hätte sich nach dem Filmstar ,,Billie Dove" benannt, aber aus anderen Quellen ist ersichtlich, daß sie eine sehr enge Freundin namens Billie hatte, und das sie auch von einigen Freunden bereits ,,Bill" oder ,,William" genannt wurde. Sie nannte sich eine Weile ,,Halliday", damit sie nicht mit ihrem Vater Clarence Holiday, der ein sehr bekannter Gitarrist war, in einen Topf geworfen werden konnte.

Im ,, pods & jerrys" wurde Billie von Bob Henderson begleitet, der ihre erste große Liebe war. Später sagte er über ihre erste Begegnung folgendes:

,, Is ja egal, wo`s war, ich sah dort jedenfalls dieses gutgebaute Mädchen, das war vielleicht ne Frau, denn, Billie, Junge, sie war ne gepflegte Erscheinung, sie war eine echte Frau. Billie war damals vielleicht sechzehn und Dot Hill begleitete sie am Piano, ein großes Mädchen, spielte wie ein Mann und Monette stellte mich Dot vor, und sie meinte, He , komm, spiel doch mal was! Ich meinte : ,, nein, ich hör dir lieber zu", aber dann hab ich mich doch hingesetzt und irgendwas gespielt.

Und es war sweet sue, und ich hab irgendwas in das Stück eingebaut und Billie stand da und hörte zu und sagte: ,, spiel das nochmal." Und ich fragte ,,was?"und sie antwortete : ,, was du eben gespielt hast."

Also spielte ich es nochmal und dann sagte sie: ,, genau das ist es." Und ich erinnere mich genau an das was ich gespielt habe, es war so- und ich sah sie an, weil, mann, verstehst Du, sie fing zu singen an . Und dann spielte ich das, was Billie singen konnte, und dann sind wir um die Häuser gezogen Sie war eine wunderschöne Frau..."

Von diesem Zeitpunkt an, begann ihre wirkliche Karriere als Sängerin, sie hatte den Ruf, eine der beherrschenden Figuren der Jazzszene zu sein und besaß bald eine treue Gefolgschaft in Kennerkreisen . Das gab ihrer Karriere einen Steilen Auftrieb.

Ihr Stil

Musiker , wie z.B. Henderson haben berichtet, daß Billie deshalb eine so fesselnde Musikerin war, weil sie sich selbst nicht als Solistin sah, die einen isolierten ,, vocal refrain" zum besten gab, sondern als Vollwertiges Mitglied des Jazz-Ensembles . Ihre Konzeption des Jazzgesangs war die gleiche wie die Konzeption des Jazzspiels der führenden Instrumentalisten.

Wenn Billie Holiday auftrat, kam sie ohne irgendwelche exhibistionistischen Tricks aus, sie kam auf die Bühne und sang, Dann ging sie ab, wobei es im Saal oft dunkel wurde und ihr Abgang somit unsichtbar. Wenn ihr danach zumute war, sang sie noch eine Zugabe.

Ihre Auftritte hatten Klasse und strahlten Selbstbewußtsein aus.

Obwohl sie eigentlich schüchtern war und Zeit ihres Lebens unter starkem Lampenfieber litt, war sie eine Vorläuferin des ,, cool jazz" und von Miles Davis Stil der ,, coolness" Ihre Kunst war eine minimalistische.

Sie besaß nie einen großen Tonumfang , (als sie jung war vom F unter dem mittleren C bis zum C darüber, aber eigentlich fühlte sie sich zwischen G und A am wohlsten .) Sie hatte keine laute Stimme, wie ihr Idol Bessie Smith, sie war eine Mikrophon - Sängerin . Sie hatte gelernt, den Text nahezu zu wispern, als sie in den ,, speakeasies" den Flüsterkneipen in Harlem von Tisch zu Tisch ging und ihren Text sang. Somit war sie in einzigartiger Weise auf die Ära des Rundfunks vorbereitet.

Wenn Billie Holiday sang, dann tat sie das unglaublich sparsam und ökonomisch, und damit sehr intensiv.

Sie sang wenige Noten, dafür legte sie großes Gewicht auf jede einzelne.

Als minimalistische Sängerin zeigte Billie ihre Verbindung mit Bessie Smith, die oft ganze Blues - Auftritte im Bereich einer Quinte absolvierte.

Durch die Notwendigkeit, die ihr durch ihren begrenzten Stimmumfang auferlegt war, ( Ihr späterer Freund Lester Young bezeichnete die Notwendigkeit einmal als ,, Mutter" ), pflegte Billie einen Song in seine wesentlichen Bestandteile zu zerlegen, wobei sie teilweise nur ein halbes Dutzend Noten verwendete, um ein ganzes Stück aufzubauen.

Wie eine Malerin, die beschließt eine Skizze in nur zwei Farben anzufertigen, konnte sie die Zuhörer in ihren dichtgewebten, emotionalen Kosmos locken.

Sobald die Struktur des Songs festgelegt war, konnte irgendeine Beliebige Veränderung den Zuhörern den Atem rauben.

Oft wird vergessen, das Worte ebenso wie die Musik, wenn nicht noch mehr, Billies Medium waren.

Holiday war keine Sängerin, die wie Ella Fitzgerald oder Sarah Vaughan die Worte nur als ,, sinnlose Haken" benutzte, an denen man die Improvisation aufhängen konnte, sah, sondern sie setzte ihre perfekte Diktion ein, um aus sich eine große Interpretin zu machen. Auch war Billie keine spontane Improvisatorin, so wie Ella oder Sarah; stattdessen arbeitete sie immer im voraus daran, wie sie einen Song gestalten wollte.

Welche musikalischen Techniken standen ihr zur Verfügung?

Was machte sie zu der Sängerin, die Duke Ellington einmal als ,, die Essenz von cool" bezeichnete?

Mehr als irgendetwas anderes haben ihre Mitmusiker und Zuhörer ihre unfehlbare Time und ihr Rhythmusgefühl hervorgehoben. Der Rhythmus diente als Fundament, auf dem ihre Songs aufbauten. Ihre Kollegin und ihr Schützling Carmen McRae bemerkte einmal, daß sie einen ,, bis zum krankwerden swingen lassen konnte" .

Ein weiteres Schlüsselelement ihres Gesangs war das ,,Timbre" ihrer Stimme, ihre tonale Qualität.

Abhängig von dem Song, und dem, was sie damit machen wollte, konnte ihre Stimme vor Humor übersprudeln, oder aber rauchig , traurig und dunkel sein . Leonard Feather behauptete, in ihrer Blütezeit hätte ihre Stimme sowohl den Geschmack von Kaviar als auch von Grütze enthalten.

Als Billie noch ganz neu im Aufnahmegeschäft war, war ihr Timbre im Bereich der Holzbläser, jedoch schon im Alter von einundzwanzig wurde die Stimme schwerer, heiserer, rauher, obwohl sie Sie je nach Belieben wieder aufhellen konnte.

Bei all diesen Schattierungen im Timbre, die von Zeile zu Zeile im Stück variierten, war ihre Stimme zwar klein, doch trotzdem voller Schwere und die Noten, die sie sang ,, wie perfekt geschliffene Diamanten an einer Goldkette"(Zit. : Robert O`Meally) . Bis zum allerletzten, als sie oft aufgrund ihrer Drogenabhängigkeit die Kontrolle verlor, traf Billie die Noten direkt ins Schwarze. Ihre Intonation war perfekt, deshalb mußte sie auch kein üppiges Vibrato verwenden um Intonationsschwierigkeiten damit zu verdecken. Im Allgemeinen hatten ihre Noten überhaupt kein Vibrato, und wurden dadurch intensiviert.(Vergleichbar mit Miles Davis`unterkühlter Spielweise). Ein wesentlicher Punkt in der Darstellung ihrer Kunst ist folgender: Holiday gab ihre Songs nicht nur wieder, sie erschuf sie neu. Sie nahm zu ihren Songs eine Haltung ein, die vergleichbar mit der Haltung einer großen Schauspielerin zu ihren Rollen und Texten ist. Sie besaß die Fähigkeit eine Persönliche Distanz sowohl zu ihrem Material, sowie dessen Darbietung einzuhalten und ihm gegenüber eine kritische Haltung zu bewahren.

Billie gab nicht nur der Musik ihren persönlichen Stil, sie verwandelte auch die Texte ihrer Songs in ganz neue Poesie.

Somit ist es nicht verwunderlich, daß teilweise sogar in ihrer eigenen Erinnerung Verwirrung herrschte, wer der Komponist von bestimmten Kennmelodien war. Zum Beispiel ,, Strange Fruit", mit Melodie und Text von Lewis Allen war ein Stück von dem sie oft behauptete, sie hätte es geschrieben, oder es sei für sie geschrieben worden. Dabei wurde der Song schon ein Jahr bevor sie ihn das erste Mal hörte, von anderen Sängern dargeboten. Trotzdem bestand sie lautstark darauf, kein anderer Sänger dürfte ,, Strange Fruit" interpretieren.

Bobby Tucker, von 1946-49 Holidays Pianist erinnert sich an ein Gespräch mit Tony Scott, dem Klarinettisten der Band, zwischen zwei sets.(Er war nämlich nicht so begeistert von Billies Gesang):

,,Was magst Du denn nicht an ihr?", fragte Scott

,,Es ist kein sound dabei", meinte Tucker, ,, ich weiß nich , es is ne matte Sache!" ,,Wen magst du dann?"

,,Ella, Sarah, andere Sängerinnen, wirkliche Sängerinnen", erwiderte Tucker; und dann die Zusammenfassung des typischen Jazzmusikers:

,,Natürlich mag ich keine von ihnen, klar..., ich warte, bis sie mit ihrem Kram fertig sind und dann leg ich los auf meinem Weg."

,,Yeah", sagte Scott, ,, eine Sängerin wie Ella singt ,my man`s left me`und du denkst, dir der Typ ist mal eben die Straße runter, einen Laib Brot oder irgendwas holen. Aber wenn LADY sagt , my man`s gone`...kannst Du dir den Typen vorstellen, wie er die Straße runtergeht. Seine Taschen sind vollgepackt, und er wird nie mehr zurückkommen. Ich meine wirklich, nie mehr!"

,,Und es stimmte", sagt Tucker.Im zweiten Set dieses Abends begann er auf das zu hören, was sie sagte und wie sie es sagte.Und wenn man einmal damit begonnen hatte , kam man nicht mehr davon los.

Meiner Meinung nach betrachten Viele Jazzmusiker Billie Holiday deshalb als überbewertet, weil sie auf die falschen Dinge achten, wenn sie ihre Platten hören.

Billie war keine große Improvisatorin und hatte keine Riesenstimme. Sie war eine Meisterin der leisen Töne, der Zwischentöne, der Wiedergabe von Stimmungen. Dasist es, was ihre Kunst so unvergleichlich und wertvoll macht.

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Billie Holiday, Gesichter einer Legende
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V98259
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Billie, Holiday, Gesichter, Legende
Arbeit zitieren
Lisa Bassenge (Autor), 2000, Billie Holiday, Gesichter einer Legende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98259

Kommentare

  • Gast am 8.12.2001

    Ein Lob für Lisa.

    Hallo Lisa,
    Deine Arbeit über Billie Holiday hat mir sehr gut gefallen, da es großen Spaß macht sie zu lesen und man merkt, wie viel Dir "Lady Day" bedeutet. Dein Text hat mich einmal mehr neugierig
    auf Billie gemacht!

    Ich bin auf Billie durch den US-amerikanischen Soulmusiker Sam Cooke (MEIN absoluter Lieblingssänger)gestoßen, der 1959 ein Album mit Billie Holiday-Songs namens "Tribute To The Lady" aufgenommen hat. Die paar Songs, die ich davon kenne (z.B. "Comes Love", "Good Morning Heartache"), gefalllen mir so sehr gut, dass ich Lust auf mehr habe.
    Könntest Du mir vielleicht ein Album von Billie empfehlen?
    Über eine Email von Dir würde ich mich sehr freuen!
    Simon

  • Gast am 5.3.2004

    Frage.

    Hallo Lisa,

    ich würde gerne wissen, welche Literatur du für deine Hausarbeit genutzt hats, besonders bei dem Zitat des Dialoges zwischen Bobby Tucker und Tony Scott würde mich die Quelle interessieren.
    Eine E-Mail wäre toll!

    Vielen Dank,
    Verena

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Titel: Billie Holiday, Gesichter einer Legende



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