Industriestaat contra Umweltschutz


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

10 Seiten, Note: 2-


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Industrie contra Umweltschutz

Ein Referat von Nicolai Fleckenstein

Seit der ersten industriellen Revolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat sich einiges getan. Die Technik hat sich rapide fortentwickelt, mit vorrangig einem Ziel: Dem Menschen die Arbeit zu erleichtern. Jedoch ist all diese Maschinerie nicht gerade das Beste für die Umwelt. Daher kann man sich heute, im Jahre 2000 fragen, ob esüberhaupt möglich ist einen technisierten Industriestaat zu betreiben - ohne die Umwelt zu stark zu belasten.

1. Die Rolle der Technologie für den Wohlstand

Damit es uns gut geht, muss es dem Staat und vor allem der Wirtschaft gutgehen. Und wenn es der Wirtschaft gutgehen soll, dann braucht sie Geld, welches sie aus den Erlösen ihrer verkauften Produkte und Dienstleistungen erhält. Produkte kann ein Unternehmen allerdings nur auf den Markt bringen, wenn diese schnell und kostengünstig gefertigt werden können, und nach Möglichkeit auch noch qualitativ hochwertig sind. Dies gelingt Maschinen natürlich wesentlich besser als dem Menschen. Ein Beispiel: Ein Schuhmacher, der in seiner kleinen Werkstatt seine Fußkluft herstellt, schafft es, vielleicht 15 Paar Schuhe am Tag zu schustern. In den einen oder anderen Schuh kommt dann, aufgrund Unachtsamkeiten (ein Schuster ist ja auch nur ein Mensch) ein kleiner Verarbeitungsfehler hinein. Nehmen wir nun im Gegenzug die Schuhfabrik mit ihrer vollautomatischen Fertigungsanlage: Hier rattern die Treter nur so vom Bande, und da die Maschine ein festes Programm vorgegeben hat, wie sie die Schuhe nun fertigen muss, sind Verarbeitungsfehler auch relativ selten. Nun stellt sich die Frage, wer von beiden wohl mehr Umsatz macht und zum finanziellen Wohl des Staates (und damit jedes Einzelnen) beiträgt. Die Antwort liegt klar auf der Hand: die Fabrik.

Nach der Fertigung müssen die Waren natürlich transportiert werden. Dafür, dass diese innerhalb einiger Stunden von einem Ende des Landes zum anderen kommen, und nicht mühsam zu Fuß oder auf einem Nutztier transportiert werden müssen, dafür sorgen heutzutage Hilfsmittel wie Bahn oder LKW. Dass diese Transportwege heute unabkömmlich sind, zeigt das Beispiel der Deutschen Post. Wer hat sich nicht schon mal darüber aufgeregt, dass ein Brief oder ein Paket zu spät angekommen ist? Jetzt stelle man sich mal vor, die Sendungen würden zu Fuß oder per Kutsche transportiert. Auf eine wichtige Lieferung von Süd nach Nord oder umgekehrt könnte man da schon einmal 4-6 Wochen warten. Und der Empfänger der Sendung kann ohne diese nicht weiterarbeiten - und schon stockt die Produktion.

2. Gefahren der Technologie

So hochgelobt die zivilisierte Industrietechnik auch ist, so viele Gefahren (vor allem für die Umwelt) bringt sie mit sich.

2.1. Erschöpfung der natürlichen Ressourcen

Jede Maschine, jedes auch noch so kleines elektrische Gerät braucht Energie. Diese Energie kommt heutzutage aus der Steckdose. Woher der Strom aber wirklich kommt, interessiert kaum jemand, sofern er nur zu Hause zapfbereit aus der Wand fließt. Elektrischer Strom wird in Kraftwerken gewonnen. Neben Kern- , Solar- , und Wasserkraftwerken sind dies hauptsächlich Öl-, Gas-, oder Kohlekraftwerke. Gas, Kohle und Öl sind natürliche Ressourcen, die unter der Erde vorkommen.

Wie lange sie dies aber noch tun, darüber gibt es bereits erschreckende Studien. Würde der Verbrauch von Rohöl auf dem derzeitigen Niveau bleiben, so hätten wir bereits im Jahre 2020 keine einzige Ölquelle auf der Erde mehr. Ähnlich verhält es sich mit der Kohle. Man kann jetzt natürlich argumentieren, dass im Augenblick noch Kohle und Öl da sind, aber was macht man dann in 20 Jahren. Bis man dann neue Energiekraftwerke entwickelt hat, oder die ressourcenunabhängigen Stromerzeuger ausgebaut hat, versinkt Deutschland wohl im anhaltenden Stromausfall. Man muss sich heute schon darauf vorbereiten, mehr Solar- und Wasserkraftwerke errichten. Denn wenn die Grundressourcen fehlen, dann kommt die Pyramide ins Wackeln. Es gibt keinen Strom mehr, es kann nichts mehr produziert werden, die Wirtschaft liegt darnieder. Und dann wird man den Kopf schütteln und sich fragen, warum man 20 Jahre vorher nichts getan hat. Die Sonne und das Wasser wird es wohl immer geben - und sie werden immer in der Lage sein, mit Hilfe von Kraftwerken elektrische Energie zu erzeugen.

2.2. Die Umweltverschmutzung

Man kann es zwar kaum mehr hören - Umweltkatastrophe hier, Luftverpestung da - aber die Umweltverschmutzung ist tatsächlich zu einem der größten Probleme der Erde geworden. In Mexico City beispielsweise, liegt eine dauernde Smogglocke über der Stadt - Autoabgase. Hier, in Deutschland ist die Lage zwar ernst, aber nicht so hoffnungslos. Obwohl in einigen deutschen Großstädten schon Verkehrspolizisten mit einer Atemschutzmaske arbeiten müssen, wenn sie an einer Kreuzung den Verkehr regeln. Tatsache ist: Das Auto ist eines der größten Luftverpester die es gibt. Täglich werden Tonnen von Kohlenmonoxid und Kohlendioxid aus unzähligen Auspuffanlagen in unsere Luft gepumpt. Eine fatale Folge davon: Asthma. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass es in den Großstädten die meisten Asthmafälle gibt - hervorgerufen von den Autoabgasen. Jedoch, wie bereits in Kapitel 1 erläutert, ist der Industriestaat auf das Auto angewiesen. Das Auto trägt allerdings nicht die Alleinschuld für diese Katastrophe. Auch aus zahlreichen Fabriken werden Abgase und / oder Dämpfe einfach in die Luft gelassen. Die Auflagen des Staates, die eine Höchstmenge in der Luft vorschreibt, umgeht man einfach mit einem höheren Schlot. Giftige Produktionsreste werden in Flüsse oder Seen geleitet, oder auf hoher See verklappt. Paradebeispiel, die frühere französische Firma Rhône-Poulenc, die ihre giftigen Chemiereste einfach in die Rhône kippte. Erst nach einigen Aktionen der Organisation "Greenpeace" ließ die Firma davon ab. Das Problem, was man mit derartigen Abfällen machen soll, bleibt aber bestehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1.I.a.: Luftverschmutzung durch Autoabgase

2.2.I. Die Luftverschmutzung

Die Luftverschmutzung ist eines der gravierendsten globalen Umweltprobleme. Atmosphärische Strömungen transportieren verschmutzte Luft in jeden Winkel der Erde. Die größten Quellen sind, wie bereits erwähnt - Kraftfahrzeuge, Erdölraffinerien sowie Kohlekraftwerke, die die gesamte Energie für den Industriestaat bereitstellen. Die entstehenden Schadstoffe werden in die Luft geblasen und wirken sich negativ auf das Klima sowie auf die Gesundheit von Lebewesen aus: Sie sind unter anderem verantwortlich für die Entstehung von saurem Regen und die globale Erwärmung der Erde. Zudem bauen sie die Ozonschicht in der Atmosphäre ab, die die Erde vor der UV-Strahlung schützt. Die Hauptverursacher der Luftverschmutzung sind derzeit die Industriestaaten in den USA, Europa und in Asien, besonders Japan. Die USA, erzeugt bei einem Anteil an der Weltbevölkerung von nur 5 %, 22 % der industriell bedingten Kohlendioxidabgase und 19 % aller Treibhausgase.

Eine Folge der Luftverschmutzung sind saure Niederschläge (saurer Regen und saurer Nebel). Diese entstehen, wenn Schwefeldioxid- und Stickoxidemissionen aus Autos und Kraftwerken, die Benzin, Öl oder Kohle verheizen, den pH-Wert der Niederschläge in den Säurebereich senken. Dies gilt als Hauptursache des Waldsterbens. Durch das Niederschlagswasser werden Säuren im Boden abgelagert, der Grund wird sauer und Nährstoffe werden ausgewaschen. Dies führt zu einer Unterernährung der Bäume.

Luftverschmutzungen bewirken zudem die globale Erwärmung der Erdatmosphäre. Als Hauptursache hierfür werden hohe die Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan, Stickstoffoxiden und Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) angesehen. Diese Substanzen werden Treibhausgase genannt, weil sie eine Art Schutzschild in der oberen Atmosphäre aufbauen, das bewirkt, dass die Wärmestrahlung der Erde nur noch in verringertem Ausmaß in das Weltall entweichen kann. Es kommt zur Aufheizung der Erdatmosphäre (Treibhauseffekt). Seit 1800 ist die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe um 25 Prozent gestiegen. Geht man von derzeitigen Werten für die Emissionen von Treibhausgasen aus, werden die Durchschnittstemperaturen weltweit bis zum Jahr 2050 zwischen 1 und 3 ºC ansteigen. Dadurch könnten Gletscher und polare Eiskappen schmelzen, der Meeresspiegel ansteigen, zahlreiche Küstenstädte überflutet werden. Tief gelegene Inselstaaten, wie die Malediven, würden vollständig verschwinden, fruchtbares Ackerland würde sich in Wüste verwandeln. Die NASA teilte 1996 mit, dass der Meeresspiegel pro Jahr um ein bis drei Millimeter ansteigt.

Ein anderes, mit der Luftverschmutzung einhergehendes Problem ist das Ausdünnen der Ozonschicht, die das Eindringen gefährlicher ultravioletter Strahlung in die Atmosphäre verhindert. Seitdem in den achtziger Jahren das Ozonloch über der Antarktis belegt werden konnte, wurde auch über anderen Gebieten der Erde ein Rückgang der Ozonkonzentration festgestellt. Abgebaut werden Ozonmoleküle von Fluorchlorkohlenwasserstoffen. Bei diesen Substanzen handelt es sich um Chemikalien, die u. a. in Kühlschränken und Spraydosen zum Einsatz kommen. Wenn sie nicht ordnungsgemäß entsorgt werden, steigen sie in die obersten Atmosphärenschichten auf; Schätzungen zufolge sind bereits 60 Prozent der Ozonschicht durch den Eintrag von Schadstoffen zerstört worden. Bei Verzicht auf weitere Verwendung, könnten die in der Atmosphäre bereits vorhandenen FCKW innerhalb von etwa 80 Jahren abgebaut werden. Zunehmende ultraviolette Bestrahlung der Erde führt bei Menschen zu vermehrtem Hautkrebs, grauem Star und schwächt das Immunsystem, sie stört die Photosynthese der Pflanzen und beeinträchtigt das Wachstum des Phytoplanktons in den Meeren. Im Herbst 1995 war das Ozonloch über der Antarktis etwa 22,8 Millionen Quadratkilometer groß.

Der Smog, eine besondere Form der Luftverunreinigung, kann bei austauscharmen Wetterlagen (Inversionen) in Städten auftreten. Oft begünstigt durch die Lage in Talkesseln, sammelt sich mit Industrie- und Autoabgasen verunreinigte Luft, schädigt die Atemwege von Mensch und Tier und wirkt giftig auf Pflanzen.

2.2.II: Die Wasserverschmutzung

Starke Verschmutzung bewirkt eine Verschlechterung der Qualität des Wassers und kann es für menschliche Zwecke unbrauchbar machen. Hauptschadstoffe im Wasser sind organische und anorganische Chemikalien , Abwässer, infektiöse Erreger, pflanzliche Nährstoffe, Erdöl und radioaktive Substanzen. Die Hauptverursacher der Wasserverschmutzung sind Privathaushalte, Gewerbebetriebe, Industrie und Landwirtschaft.

Durch verschmutztes Wasser kann die menschliche Gesundheit beeinträchtigt werden: Nitrate (die Salze der Salpetersäure) im Trinkwasser können bei Kindern tödliche Krankheiten auslösen; Cadmium, das aus Düngemitteln von Klärschlämmen stammt, kann, in größeren Mengen aufgenommen, zu akuter Diarrhöe und zur Schädigung von Leber und Nieren führen.

Stehende Gewässer sind für Verschmutzungen anfälliger als Fließgewässer. Beispielsweise werden Nitrate und Phosphate von bewirtschafteten Feldern abgespült und mit häuslichen und gewerblichen Abwässern eingeleitet. Durch zu großen Nährstoffeintrag eutrophieren Seen und produzieren übermäßige Mengen an organischer Substanz (Plankton und Wasserpflanzen). Die Eutrophierung bewirkt u. a. die Erschöpfung des Sauerstoffs in den tieferen Wasser- und Bodenschichten des Sees sowie weitere chemische Veränderungen wie das Ausfällen von Calciumcarbonat in hartem Wasser.

Durch Flüsse gelangen die meisten Schadstoffe ins Meer. Manche eingebrachte Stoffe wie Schwermetalle und Pestizide können sich in der Nahrungskette anreichern und werden von Meereslebewesen und damit indirekt auch vom Menschen aufgenommen. Hauptgrund für die Verschmutzung des Meeres sind Tankerunfälle, bei denen große Mengen von Erdöl auslaufen.

Ein weiteres Problem ist die Grund- und Trinkwasserverschmutzung: In vielen Teilen der Erde sickern Giftstoffe aus Benzintanks, Mülldeponien und Industrieabfällen in den Boden und damit ins Grundwasser. Weltweit hat über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Man schätzt, daß zur Jahrtausendwende 80 Prozent der städtischen Bevölkerung auf der Welt keine angemessene Trinkwasserversorgung haben werden. Nur ein sehr kleiner Anteil (0,008 Prozent) des gesamten Süßwassers auf der Erde ist für menschliche Bedürfnisse nutzbar. 70 Prozent davon verbraucht die Landwirtschaft, 23 Prozent die Industrie; der Verbrauch der Privathaushalte beträgt nur sieben Prozent. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Süßwasser rapide. Schätzungen zufolge erden der Bedarf der Landwirtschaft bis zum Jahr 2000 um 17 % und die industrielle Nachfrage um 60 % steigen. Je knapper Süßwasser wird, desto eher wird es zu einer Quelle regionaler Konflikte. Flüsse überqueren oft Landesgrenzen. Am Oberlauf von Flüssen lebende Verschmutzer weigern sich häufig, in Schutzmaßnahmen zu investieren, die ihren Nachbarn stromabwärts nützen würden. Zudem führen schwere Dürreperioden zur Abnahme der Süßwasservorräte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2.IIa : Wasserverschmutzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2.2IIb: Ölpest

5. Was versteht man unter Umweltschutz?

Umweltschutz, die Gesamtheit aller Maßnahmen, welche die Umwelt vor nachteiligen, durch die Tätigkeit des Menschen bedingte Veränderungen schützen und dadurch den Menschen dauerhaft eine lebenswerte Umwelt erhalten sollen. Im Einzelnen beinhaltet Umweltschutz den Schutz der Landschaft und des Landschaftshaushalts, den Schutz des Bodens (vor Vergiftung und Erosion), den Gewässerschutz (insbesondere den Schutz des Grundwassers als Trinkwasserreservoir), den Schutz der Luft vor Verunreinigungen, die Behandlung von Abfällen, den Strahlenschutz, den Lärmschutz sowie den Schutz der Organismen (Tiere, Pflanzen, Pilze usw.) vor Ausrottung durch den Menschen und den Erhalt ihres Lebensraumes. Der Umweltschutz unterliegt der Gesetzgebung der jeweiligen Staaten, erfordert jedoch auch eine internationale Zusammenarbeit, wie am Beispiel des Schutzes bedrohter Arten deutlich wird. Diese können effektiv nur durch Handelsverbote, wie sie im Washingtoner Artenschutzabkommen geregelt sind, sowie durch den Schutz der Lebensgrundlagen in ihren Heimatgebieten überleben. Ein weiteres Beispiel ist der Immissionsschutz, der ebenfalls nur über die Ländergrenzen hinweg sinnvoll durchzuführen ist.

Man unterscheidet den technischen Umweltschutz und den biologisch-ökologischen Umweltschutz; beide Gebiete überschneiden sich in vielen Fällen. Der technische Umweltschutz umfasst alle technischen Maßnahmen, die der Reinhaltung der Umwelt und der Sicherung der Hygiene dienen. Beispiele sind Anlagen zur Luftreinhaltung (z. B. Rauchgasentschwefelungsanlagen in Kohlekraftwerken, Filter in Abgasschloten von Industriebetrieben, Abgaskatalysatoren in Kraftfahrzeugen), Anlagen zur Abwasserreinigung und -entsorgung (insbesondere Kläranlagen) sowie die verschiedensten Vorrichtungen zum Lärmschutz und zum Schutz vor gefährlicher Strahlung (z. B radioaktiver Strahlung). Auch die möglichst umweltschonende Beseitigung, die sichere Lagerung und das Recycling von Abfällen zählen zum technischen Umweltschutz.

Der biologisch-ökologische Umweltschutz, häufig auch als Landespflege bezeichnet, beinhaltet dagegen den gesamten Bereich des Natur- und Landschaftsschutzes. Hierzu zählen Planung, Anlage und Pflege von Grünanlagen und ähnlichen Erholungsgebieten sowie sämtliche Arten- und Biotopschutzmaßnahmen, wie etwa die Ausweisung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten, die dem Schutz und Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten und seltener bzw. gefährdeter Landschaftsund Vegetationsformen dienen (Naturschutz).

Die Grundlagen des Umweltschutzes werden in Deutschland durch verschiedene Gesetze, Verordnungen und Vorschriften geregelt. Hierzu zählen u. a. das Atomgesetz, das Bundesimmissionsschutzgesetz, das Bundesnaturschutzgesetz, die Klärschlammverordnung und die Smogverordnung, wobei für die neuen Bundesländer im Rahmen des Einigungsvertrages eigene Richtlinien gelten. Die Bestrafung bei Zuwiderhandlung wird durch das Strafgesetzbuch geregelt.

Eine gezielte Umweltpolitik wird seit den siebziger Jahren betrieben. Auslöser war auch das wachsende Bewusstsein der Bevölkerung für die Themen des Umweltschutzes, was mit dem Entstehen einer ökologischen Bewegung deutlich wurde. In vielen Teilen Deutschlands entstanden Bürgerinitiativen und Umweltschutzverbände wie Greenpeace sowie Forschungsinstitutionen wie das Freiburger Ökoinstitut. Auch die Gründung der Partei Die Grünen ist auf diese Bewegung zurückzuführen. 1986 wurde schließlich das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geschaffen, das sich mit den Belangen des Umweltschutzes beschäftigt. Ähnliche Ministerien existieren auch auf Landesebene, wo teilweise - etwa in Bayern - der Umweltschutz als Staatsziel in der Verfassung verankert ist. 1990 wurde dies auch im Grundgesetz festgehalten.

Im Gegensatz zu den Industrienationen, die jeweils über eine komplexe Umweltschutzgesetzgebung verfügen und in denen die Umweltpolitik einen wichtigen Bestandteil der Innenpolitik darstellt, sind die Voraussetzungen für den Umweltschutz in den Ländern der Dritten Welt wesentlich schlechter.

Dies liegt nicht nur an der unzureichenden Gesetzgebung, sondern überwiegend an den großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen, die den Umweltschutz in den Hintergrund drängen. Aktuelle Probleme sind dort die Entwaldung vor allem der Regenwälder und die fortschreitende Desertifikation in den Randgebieten ausgedehnter Wüsten

4. Wie geht der Staat mit dem Umweltproblem um?

Ökologische Technologien sollen gefördert werden, behaupten zahlreiche Regierungen. Jedoch sind viele Staaten, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland in einer sehr schlechten finanziellen Lage. Da die Wirtschaft sich aber weigert, ohne finanzielle Unterstützung auf eine umweltfreundliche Produktion umzustellen, da das für sie zu kostspielig wäre, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Erstens: der Staat subventioniert ökologisches Verhalten trotz leerer Kassen oder zweitens: der Staat gibt keine finanzielle Unterstützung und findet sich damit ab, dass die Umweltverschmutzung durch die Industrie so bleibt wie sie ist. Gegen die zweite Möglichkeit wehren sich mehrere Umweltorganisationen, wie auch die deutsche Partei Bündnis 90 / Die Grünen.

Im Koalitionsvertrag der 1998 vereidigten SPD / Grüne-Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder findet sich unter anderem der Hinweis, dass sich die Regierung für ökologische Modernisierung einsetzen will. Die Bilanz ist allerdings eher spärlich. Die Ökosteuer wurde eingeführt, mit der Folge dass Benzin und Energie teurer wurden. Die Regierung, die mit diesem Schritt als Nebeneffekt erreichen wollte, dass die Bürger vom Auto auf den öffentlichen Personen- nahverkehr (ÖPNV) umsteigen, hatte allerdings eines nicht eingeplant: Wenn Benzin und elektr. Energie teurer werden, so erhöhen sich auch die Unterhaltskosten für Busse und Bahnen. Die Fahr- tickets werden dadurch auch teurer. Mit Hilfe der Ökosteuer sollten aber hauptsächlich, so Grünen- Vorsitzender Joschka Fischer alternative Energiequellen gefördert werden. Die Tatsachen zeigen aber im Moment, dass das Geld für Renten oder zur Schuldenrückzahlung verwendet werden, anstatt zur Subventionierung. Der Geschäftsführer von Greenpeace International, Thilo Bode, schreibt in einem Essay für die Zeitschrift DER SPIEGEL aus dem Jahre 1996: "Mit atemberaubender Geschwindigkeit ist in Deutschland der Umweltschutz von der Tagesordnung der Politiker verschwunden. (...) Die Wohlstandsgesellschaft lebt über ihre Verhältnisse. (...) Sie schiebt immer mehr Sanierungsfälle in das nächste Jahrtausend und verbraucht gleichzeitig die endlichen Ressourcen. (...) Würden die Politiker die notwendigen sozialen Einschnitte mit der Vision von einer umweltverträglichen Wirtschaftsverordnung verbinden, würden die Menschen schmerzhafte Änderungen weit eher akzeptieren."

Damit kritisiert er, dass zuwenig Geld in den Umweltschutz gesteckt wird. Wenn die Bürger sehen würden, dass ihre Steuern für einen sinnvollen Zweck genutzt würden, wären sie eher bereit, auch für den Staat tiefer in die Tasche zu greifen.

5. Verbindung der Industrie mit dem Umweltschutz

Umweltschutz kostet Geld. Dies ist der erste Gedanke in dieser Verbindung. Dass Umweltschutz durchaus auch für den Staat seine guten Seiten haben kann, erläutert Staatsminister Thomas Goppel in seiner Schrift "Umweltschutz mit der Wirtschaft, nie gegen sie.". Zitat: "Gerade jetzt, in einer Zeit, in der im Grunde jeder sparen möchte, brauchen wir die richtigen Entscheidungen. Noch immer gibt es beim Thema »Sparen« viele, auch und gerade Unternehmer, die zuerst an den Umweltschutz denken. Es wäre jedoch ein ökologischer und ökonomischer Fehler zugleich, würde man aus Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Firma und des Wirtschaftsstandortes Deutschland jetzt ausgerechnet in diesen Anstrengungen nachlassen, nur weil sie - auch Geld - kosten."

Hier betont Goppel, dass Engagement im Umweltschutz durchaus der Wirtschaft zugute kommen können. Da schließlich Umwelttechnologien erst einmal entwickelt werden müssen, werden in diesem Sektor Arbeitsplätze geschaffen! Im Moment sind in Deutschland etwa 1 Million (!) Menschen unmittelbar im Umweltschutz beschäftigt. Tatsächlich boomt der Umsatz in der Ökologietechnik.

Federführend auf diesem Gebiet sind innerhalb Deutschlands übrigens die Bayern. Goppel betont, dass das Bundesland im Süden der Standort moderner, sauberer und sanfter Industrien sei.

In der Umwelttechnologie liegt also die Zukunft. Es wäre wünschenswert, dass man eine Investition in Kauf nimmt, um den Standort Deutschland auch von der Umwelt her zu schützen. Denn ohne eine intakte Natur, gäbe es auch wieder Zerrüttungen in der Wirtschaft. In diesem Falle wären vor allem die Agrarindustrie / Landwirtschaft und der Tourismus betroffen. Hier sieht man deutlich, dass etwas getan werden muss - ansonsten zerstört der Industriestaat sich selbst.

6. Alternativmöglichkeiten

Es gibt bereits eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen und Alternativmöglichkeiten für eine umweltbewußtere Industrie - die auch funktioniert. Die wohl wichtigste ist die gänzliche Umstellung der Stromerzeugung auf Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke. Diese sind zwar teuer, jedoch im Endeffekt sehr effizient, da die Ressourcen Sonne, Wasser und Wind nie ausgehen. In ein paar Jahren müssen wohl alle Gas-, Kohle- und Ölkraftwerke abgerissen werden, da sie nichts mehr zu tun haben. Kernkraftwerke sind zwar im Großen und Ganzen auch ziemlich sauber, es besteht aber immer das Risiko eines Störfalles. Und was dann an atomarer Verseuchung auftritt, das übertrifft in der Schwere alle anderen Umweltprobleme um ein Vielfaches. Beispiel: Der GAU am 26.4.1986 in Czernobýl in der Ukraine.

Ein interessantes Konzept zur Verminderung der Autoabgase hat die Umweltorganisation Greenpeace entwickelt. Am 13. August 1996 wurde der Twingo SmILE (Small, Intelligent, Light, Efficient) vorgestellt. Greenpeace hatte in Zusammenarbeit mit Schweizer Konstrukteuren auf der Basis des französischen Automodells Renault Twingo ein Auto entwickelt, das aufgrund der optimalsten Aero- dynamik und einer maximalen Auslastung des Motors nur halb so viel Sprit verbraucht und damit auch nur einen halb so großen Kohlendioxidausstoß hat, wie das Serienmodell des Twingo - bei gleicher Leistung. Dies beweist, dass es tatsächlich möglich ist, die Umweltbelastung durch Autos drastisch zu senken. Die Vorstellung des Twingo SmILE jedenfalls zeigte Wirkung. Knapp 3 Jahre später erschien mit dem VW Lupo das erste offizielle 3-Liter Auto auf dem deutschen Markt. Und zahlreiche Konstrukteure meinen, der Verbrauch könne noch weiter gesenkt werden. Solche Sparmobile sind eine echte Alternative zu benzinfressendes Luxuslimousinen und Sportwägen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6a: Der Twingo SmILE (unten) im CO2 - Vergleich mit dem Serienmodell Renault Twingo (oben)

Bleibt nun noch der Abfall der Fabriken. Wissenschaftler haben bereits Filter für Schornsteine und Abwasserrohre entwickelt, mit denen die Giftstoffe herausgefiltert werden können. Ein Problem hat die Sache jedoch noch - die Filter müssen wie atomare Brennstäbe entsorgt werden. Sie besitzen zwar kein so hohes Risiko, müssen aber trotzdem vergraben werden. Diese Methode ist allerdings immer noch umweltfreundlicher als die, dass man den ganzen giftigen Qualm in die Luft entlässt.

7. Umweltorganisationen in Deutschland

Dafür, dass diese alternativen Vorschläge auch praktiziert werden, dafür setzen sich in Deutschland einige Umweltorganisationen ein

7.1: Greenpeace

Greenpeace ist wohl die bekannteste Umweltorganisation. Mit ihren spektakulären Aktionen zeigen sie aktiv, dass sie für die Umwelt kämpfen. Greenpeace wurde 1971 in Vancouver / Kanada gegründet und zählt heute etwa 4,5 Millionen Mitglieder in 160 Ländern. Die Hauptziele der Organisation sind - neben der Überwachung der ökologischen Industriepraxis - die Einstellung von Kernwaffentests, die Beendigung der Verklappung chemischen Mülls in den Weltmeeren, die Erhaltung der Artenvielfalt (Schutz von Robben, Walen etc.), der Schutz der Antarktis und die Bekämpfung des sauren Regens sowie des Ozonloches.

7.2: Worldwide Fund for Nature (WWF)

Der WWF, der sich vor allem für den Erhalt der tropischen Regenwälder einsetzt, versucht auch, längerfristige Lösungen für Umweltprobleme zu erarbeiten, unter anderem in Deutschland. Der WWF wurde 1961 in London als 'World Wildlife Fund' gegründet. Heute befindet sich der Verwaltungssitz in Gland, in der Schweiz. Der WWF zählt ca. 5 Millionen Mitglieder, davon etwa 100.000 in der Bundesrepublik Deutschland.

7.3.: Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)

Gegründet bereits 1899 als Bund für Vogelschutz. Seit dem Zusammenschluß mit dem Ostdeutschen Naturschutzbund im Jahre 1990 trägt die Organisation den jetzigen Namen. Der Verband zählt etwa 210.000 Mitglieder in Deutschland und ist unter anderem in der Erarbeitung neuer Konzepte für die Energie- und Landwirtschaftspolitik tätig.

7.4: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)

Der BUND ist eine unabhängige, private Umweltschutzorganisation. Er wurde 1975 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn. Er setzt sich in allen Bereichen für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland ein. Besonders bei geplanten Großbauprojekten weist der Verein auf die ökologischen Folgen hin. Der 1. Vorsitzende des Vereins Hubert Weinzierl verschaffte dem BUND, dem in Deutschland mehr als 200 000 Mitglieder angehören, auch internationale Bekanntheit.

7.5.: Bündnis 90 / Die Grünen

Bündnis 90 / Die Grünen ist eine politische Partei, die sich jedoch in ihren Grundsätzen stark für den Umweltschutz einsetzt. Die Partei ist hervorgegangen aus der 1993 erfolgten Fusion von Bündnis 90, einem Zusammenschluss von DDR-Bürgerrechtsbewegungen, und der 1980 gegründeten bundesdeutschen Partei Die Grünen. Nach ihrem Selbstverständnis für eine ökologische Umgestaltung der Gesellschaft sowie für Frieden und internationale Solidarität handelt die Partei. Heute hat die Partei etwa 46.000 Mitglieder und ist mit der SPD in der Regierungskoalition vertreten.

8. Fazit

Aufgrund der aufgezeigten Möglichkeiten, insbesondere denen in Kapitel 6 beschriebenen Alternativen, kann man durchaus sagen, dass es einen Industriestaat in einem einigermaßen vorhandenen Einklang und ohne größere Wirtschaftseinbußen wohl geben kann.

Allerdings ist hierzu von den verschiedenen Seiten jeweils etwas Engagement zu erwarten.

Von Seiten des Staates, dass er umweltfreundliche Technologien subventioniert, von Seiten der Wirtschaft, dass sie sich auch bereit zeigt, ihre Fabriken bzw. Kraftwerke umweltfreundlich umzurüsten, von Seiten der Umweltverbände, dass sie mit beratender Funktion zur Seite stehen und letztendlich auch von jedem Einzelnen von uns. Und sei es nur, dass man 20 DM mehr Steuern zahlt für die Umwelt, oder ganz einfach nur seinen Müll sortiert. Das hilft der Umwelt - und schadet der Wirtschaft in Deutschland ganz bestimmt nicht.

Quellenverzeichnis:

Goppel, Thomas "Umweltschutz mit der Wirtschaft, nie gegen sie", veröffentlicht im Internet unter http://www.konservativ.de/epoche/131/epo_131h.htm .

Der Koalitionsvertrag zwischen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und Bündnis 90 / Die Grünen.

Bode, Thilo "Der Wachstumswahn", erschienen in der Zeitschrift "Der Spiegel", Ausgabe 40 / 96 .

Informationsbroschüre "Twingo SmILE", herausgegeben von Greenpeace , Hamburg

Microsoft Encarta Enzyklopädie, mit Artikeln von Richard Strenz, Gerhard Pollok und Hella Schafferus.

Verfasst von Nicolai Fleckenstein, Scottweg 26, 70439 Stuttgart Nachzulesen unter http://www.nicolai-fleckenstein.de.cx

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Industriestaat contra Umweltschutz
Note
2-
Autor
Jahr
2000
Seiten
10
Katalognummer
V98275
Dateigröße
768 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Referat über die Frage, inwieweit sich ein moderner Industriestaat mit dem Thema Umweltschutz klarkommt.
Schlagworte
Industriestaat, Umweltschutz
Arbeit zitieren
Nicolai Fleckenstein (Autor), 2000, Industriestaat contra Umweltschutz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98275

Kommentare

  • Gast am 10.12.2001

    Genial....

    ... mehr kann ich dazu nicht sagen!!

Im eBook lesen
Titel: Industriestaat contra Umweltschutz



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