Wertung zur bismarckschen Aussen- und Innenpolitik


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

4 Seiten


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Aufgabe: Erstellen Sie eine zusammenhängende Wertung Bismarcks Außen- und Innenpolitik.

1. Begriffsklärung:

Innenpolitik: die inneren politischen Angelegenheiten eines Landes mit Ausnahme der Justiz, des Finanzwesens sowie der Wirtschaft und der Arbeits- und Sozialfragen, so dass sich Innenpolitik in diesem Sinn auf die allgemeine innere Verwaltung und Polizei, unter Umständen auch auf Kulturangelegenheiten und ähnliches beschränkt. (Jedoch wurde zu einer Früheren Zeit keine Tränung in einzelne Ministerien gemacht, somit kann man die Ausnahmen zur Zeit Bismarcks in die Innenpolitik einbeziehen.)

Auße npolitik: auch auswärtige Politik, der Teil der Politik, der sich mit der Regelung der zwischenstaatlichen Beziehungen befasst, oft als Politik schlechthin verstanden und von Bismarck die ,,Kunst der Möglichkeiten" genannt.

2. Auswertung der Innen- und Außenpolitik:

Wie man anhand der Definition der Außenpolitik sehen kann nimmt Bismarck einen sehr hohen Stellenwert ein. Eine ganze Ära trägt seinen Namen, aber wie kam es dazu.

Als preußischer Ministerpräsident verfolgte er ab 1862 eine Reichseinigung unter preußischer Führung und deren Stabilisierung im Kräftegleichgewicht Europas. Unter Hilfe Österreichs besiegte er als erstes Dänemark um das Deutsche Gebiet vor weiterer Aufspaltung und den Interessen außerdeutscher Mächte zu schützen. Als zweiten Schritt zu seinem Ziel kann man die wirtschaftliche Verdrängung Österreich aus den deutschen Gebieten nennen. 1866 fand Bismarck einen Anlass zur Kriegserklärung gegenüber Österreich, welches er dann in der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz besiegt. Damit ergab sich die Vormachtstellung Preußens innerhalb der Norddeutschen Territorien, was aber noch nicht der Reichseinigung entsprach wie es Bismarck beabsichtigt. Um die Süd-deutschen Länder in den Staatenbund einzufügen und im Krieg als ,,ein deutsches Reich" zu strotzen, appellierte Bismarck an das ,,deutsche im Deutschen", also dem Nationalstolz. Durch dass in Umlauf bringen der Emser Depesche, wurde Frankreich sichtlich Gedemütigt und erklärte, ohne Einverständnis und zunehmende Missbilligung anderer europäischer Großmächte, Preußen daraufhin 1870 den Krieg, aber mit der Nationalen Einigkeit die Bismarck zuvor in den Süddeutschen Regionen geschürt hatte und der Angst aller Deutschen Kleinstaaten vor französischer Annexion, konnte er den Deutsch-Französischen Krieg schnell für sich entscheiden. In Folge der Niederlage Frankreichs, war Deutschland als Staat bestätigt und es kam zur Kaiserproklamation Wilhelm des I. in Versailles.

Zur Stabilisierung des Deutschen Reichs schloss er mehrere Bündnisse, die ich nur kurz anführen werde. Das Dreikaiserbündnis [Deutschland (Wilhelm I.), Österreich (Franz-Josef) und Russland (Alexander II.)] von 1873 sollte Deutschland vor den Revanche-gelüsten Frankreichs beschützen und es im weiteren daran hindern sich aus seiner selbstzugefügten Isolation zu befreien. Um Russland abwehren zu können, etablierte Bismarck 1879 einen Zweibund mit Österreich. Durch Zwistigkeiten zwischen Russland und Österreich-Ungarn und deren beider Interessen auf dem Balkan, musste Bismarck einen Rückversicherungsvertrag mit Russland abschließen. 1882 kam es zum Eintritt Italiens in den Zweibundvertrag, (Österreich-Deutschland) was ihn nun zum Dreibund ausweitete. Bismarck schloss nicht nur Bündnisse, sondern Vermittelte auch, so zum Beispiel die Mittelmeerente 1887 zwischen Österreich-Ungarn, Italien und England.

Zur Stärkung Deutschlands hatte Bismarck 1878 den Vorsitz im ,,Berliner Kongress". Hier waren alle Vertreter der Großmächte nach dem russisch-türkischen Krieg versammelt. Bismarck ging es vor allem darum die Machtinteressen Russlands auf dem Balkan ab zublocken und das Bündnis mit Österreich zu festigen, indem er es bei dessen Balkanpolitik stützte.

Bismarcks Innenpolitik beruhte auf dem konstitutionellen System, denn er war selbst kaisertreu und wollte auch das Deutsche Reich als nichts anderes verstehen.

Nach dem Krieg gegen Frankreich flossen etwa 5 Milliarden RM als Kriegsentschädigung in die Reichskasse, die vor allem zum Aufbau der deutschen Wirtschaft genutzt wurden. [Gründerjahre ( 1871-1874): Große Banken wurden gegründet und Aktiengesellschaften entstanden ( In den Jahren 1871-1874 mehr als 1000): Mit dem Geld der Aktionäre wurden Eisenbahnen, Fabriken, Geschäftshäuser und viele andere in Deutschland und insbesondere Preußen gebaut.]

Das Sozialistengesetz("Gesetz wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie") vom 19.10.1878 steht als Antagonist zu den Sozialgesetzen und meint nichts anderes als das Verbot der antikonservativen SDAP (Soziale Deutsche Arbeiter Partei) und aller weiteren sozialistischen Vereinigungen, um sich der Unterstützung der Unternehmer sicher seien zu können, aber es führte auch zum Bruch der Fortschrittspartei mit Bismarck und dem Verlust der mehrheitlichen Zustimmung im Reichstag, die er nun durch seine ,,Schaukelstuhlpolitik" versuchte aufzufangen.

Mit der Sozialgesetzgebung versuchte Bismarck, die soziale Not zu lindern und 1883 einen Grundsatz zu einer umfassenden Absicherung der Arbeiterschaft auszubauen, indem er in diesem Jahr das Krankenversicherungsgesetz erließ. 1884 kam eine Unfallversicherung dazu. Zum Abschluss trat 1889 noch die gesetzliche Altersversorgung in Kraft, deren Kosten zum Teil vom Staat aufgebracht wurden.

Bismarck war auch einer der führenden Repräsentanten des Kulturkampfes gegen die katholische Kirche, welche ihren Einfluss durch die politische Zentrumspartei in Deutschland verstärken wollte. Auch wenn seine Politik im Kulturkampf schlussendlich scheiterte, sind in diesem Zusammenhang sind die wichtigsten staatlichen Maßnahmen, die Aufhebung der katholischen Abteilung im preußischen Kultusministerium, die Übernahme der Schulaufsicht von der Kirche, der Kirchenaustritt, die Zivilehe und die Staatsaufsicht über die Vermögensverwaltung der kirchlichen Gemeinden.

3.Wertung der bismarckschen Politik

Abschließend möchte ich nun, nach Betrachtung der Bestrebungen Otto von Bismarcks, zu einer Wertung kommen. Bismarcks Hauptziel war die Reichsgründung unter preußischer Führung. Er führte Deutschland zu einer politischen Großmacht innerhalb Europas und machte es zu einem autonomen Gebiet. Bismarck bediente sich, unter Ausnutzung der technischen Errungenschaften (Eisenbahn zum Truppentransport (Krieg gegen Frankreich)), obwohl er sehr konservativ war, dem Krieg, ,,was er sehr sparsam einsetzte und dazu noch relativ unblutig" (da keine Materialschlachten vergleichbar mit dem 1. und 2. WK), und den Bündnissystemen als normales Mittel dieser Zeit, was ihn nach Osten sowie Westen, aber vor allem vor dem revanchelüsternen Frankreich schützte. Er erkannt das nicht die Expansion, sondern die Sicherung des Bestehenden, in der Außenpolitik Vorrang habe, jedoch ist durch die aufkommende Kolonialisierung der Welt, es unvermeidlich gewesen Deutschland auch Rohstoffe durch Kolonien zuzuführen. (zum Beispiel Deutsch-Südwest- und Ostafrika, Deutsch-Neuguinea, Bismarck-Archipels und Marshall-Inseln) Dieser weitsichtige Umgang mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, sein etappenartiges Vorgehen, machen ihn zum Perfekten Beispiel eines Realpolitikers, der sich an den konkreten Verhältnissen und Fakten orientierte und diese optimal für seine Zwecke einzusetzen bereit war. Als Reichs- kanzler (1871-1890) konnte er sich durch geschickte Winkelzüge der politischen und wirtschaftlichen Eliten bedienen. So schränkte er den Arbeiter durch das Sozialistengesetz ein, brachte ihm jedoch Sozialgesetzen, um einerseits die soziale Absicherung zu steigern, andererseits den Unternehmern ihre Autonomie gegenüber den Gewerkschaften, welche zur damaligen Zeit großen Andrang hatten zu erhalten und das Streikrisiko zu mindern. Die deutsche Sozialgesetzgebung stand dadurch im internationalen Vergleich konkurrenzlos da, und hat bis heute auf die Lebensqualität des einzelnen einen ungebrochenen Einfluss, das den dadurch schon über 100 jährigen Bestand und Bismarcks Politik rechtfertigt. Er unterhielt ein weit gespanntes Polizei- und Spitzelnetz um schon früh innere Bedrohungen zu erkennen und in Folge abwenden zu können. Die konservative Staatsordnung zur Zeit der immer weiter voranschreitenden Industrialisierung wurde so erhalten. Sein Ziel, das deutsche Reich zu einem modernen Staat zu formen und doch nicht unbedingt auf altbewährtes zu verzichten, löste Konflikte mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen aus. (siehe oben Arbeiter) Bismarck entfremdete auch weite Teile der katholischen Bevölkerung dem Staat durch seinen gegen den Katholizismus gerichteten Kulturkampf. Im Endeffekt jedoch prägte er das Deutsche Reich und bescherte Europa zwei Jahrzehnte Frieden, in denen sich Deutschland unter seiner Führung, und nicht die von Wilhelm des I. (,,Es ist nicht leicht, unter Bismarck Kaiser zu sein" Zitat Wilhelm des I.), zu einem politischen und wirtschaftlichen Machtfaktor entwickelte.

Quellen:

- Lehrbuch ,,Von der Französischen Revolution bis zum Nationalsozialismus"
- Abiturwissen Geschichte vom Weltbild Kolleg
- Magna Encarta 2000 (auf CD)
- Bertelsmann Universallexikon
- Internet

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Details

Titel
Wertung zur bismarckschen Aussen- und Innenpolitik
Autor
Jahr
1999
Seiten
4
Katalognummer
V98288
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wertung, Aussen-, Innenpolitik
Arbeit zitieren
Volker Weyh (Autor), 1999, Wertung zur bismarckschen Aussen- und Innenpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98288

Kommentare

  • Gast am 9.9.2001

    Herr.

    dankeschön für deine mühe! ich werde es sicher gebrauchen können! vielen dank nochmal!

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