Haushofer, Marlen - Die Wand


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

8 Seiten


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Die Wand - Marlen Haushofer

Inhaltsangabe

Die namenlose Ich-Person nimmt die Einladung der Rüttlingers an und besucht diese in ihrem idyllischen Jagdhaus in den Bergen Oberösterreichs. Luise und Hugo, die beiden Gastgeber beschliessen, noch am selben Abend einen kleinen Abstecher ins Dorf zu machen. So bleibt die Protagonistin zusammen mit dem Hund Luchs im Jagdhaus zurück. Die Wartezeit auf ihre Freunde findet kein Ende und am nächsten Morgen wird ihr klar, dass sie von einer unüberwindbaren, gläserenen Wand, hinter der es scheinbar kein Leben mehr gibt, umgeben ist. Nun beginnt für die Buchheldin ein total neues Leben, das auf die existentiellen Bedürfnisse wie Essen, trinken, Wärme und Zärtlichkeit reduziert ist. Sie befindet sich in einer absurden Extremsituation, in der sie auf sich selber gestellt ist und sich als einzig überlebender Mensch behaupten muss.

Zunächst, nach der Entdeckung der Wand, beginnt sie ihre Grenzen mit Zweigen abzustecken um sich in ihrem beschränkten und doch sehr weitläufigen Territorium orientieren zu können. Diese Arbeit unterbricht sie jedoch schon sehr bald und zwar weil sie eine Kuh findet. Nun heisst es, dieser Kuh, die sie Bella nennt, ein möglichst angenehmes Leben zu gestalten. Später läuft ihr dann auch noch eine Katze zu. Von da an ist ihr Alltag durch einfache Verrichtungen wie der Ackerbau, die Jagd und die Sorge um die Tiere geprägt, wobei Einzelereignisse wie Erkundungstouren in ihrem neuen Gebiet, die Geburt eines Stieres und kleinen Katzen, sowie deren Tod auftreten.

Da Hugo sich stets von einem fiktiven Kriegsausbruch bedroht gefühlt hat, hat er im Jagdhaus haufenweise Vorräte an Lebensmitteln und alltäglichen Gebrauchsartikeln angehäuft, die zumindest den Anfang des neuen Lebens der Buchheldin erheblich vereinfachen. Einem Bauernkalender entnimmt sie das nötigste Wissen über die Landwirtschaft, das ihr den Kartoffel- und Bohnenanbau ermöglicht, und dadurch sichert sie sich ihre Nahrungsversorgung.

Dank ihrem Überlebensdrang verwirklicht sie auch ihre Ideen. So nimmt sie jeden Sommer den steilen und mühevollen Aufstieg zur Alm auf sich, damit sich die Kühe mit saftigem Gras verpflegen können.

Nebst den Beschreibungen des schieren Lebens ist das Buch durch die stetig auftretenden

Gedanken der Protagonistin gezeichnet. Sie fürchtet sich vor Träumen und versucht die alten Gedanken, sozusagen die Erinnerungen an früher, zu verdrängen und ihre Anstrengungen auf die aktuelle Situation, ihrem jetzigen Leben, zu richten.

Anfänglich klammert sie sich noch an alle gebliebenen, spärlichen Reste menschlicher Ordnung. Im Verlaufe der Zeit ändert sie jedoch ihre Meinung über unsere Gesellschaft und wertet sie in höchstem Masse ab. Dinge wie Aussehen oder genaue Uhrzeit erklärt sie für überflüssig. Die folgende Textstelle verdeutlicht ihre Angst der Verwilderung und eben genau dieses Festklammern an unsere gesellschaftlichen Normen. (S.33)

Am Ende des Buches erscheint in ihrer Abwesenheit auf der Alm ein Mann, der den Stier und den Hund mit der Axt umbringt. Im Affekt erschiesst die Buchheldin den Mann und wirft ihn darauf einen Abhang hinunter, da sie ihn nicht, ich zitiere: ,,neben dem toten Stier und im unschuldigen Gras" liegen lassen will.

An dieser Stelle ist der Bericht der Protagonistin, und somit das Buch, zu Ende. Sie hat ihre Erlebnisse der vergangenen zwei Jahren in den vier Wintermonaten des zweiten Jahres hinter der Wand niedergeschrieben in der anfänglichen Hoffnung, dass der Bericht einmal von Menschen gelesen wird. Gegen Ende der Geschichte pflegt sie jedoch zu sagen, ich zitiere: S.67

Charakterisierung

Vorher:

Anpassung: Sie glaubt, den Erwartungen der Gesellschaft entgegenkommen zu müssen, und sich ihnen anzupassen. So führt sie ein fremdes Leben und verdrängt ihre eigentlichen Bedürfnisse. Sie hat zum Beispiel zwei Kinder zur Welt gebracht, wie es die gesellschaftlichen Normen von ihr fordern, was sie später jedoch als Fehler bezeichnet. Dieses Nicht-Sich-Selber-Sein ruft starke Depressionen in ihr hervor und stimmt sie unglücklich.

Sie ist sich gar nicht bewusst, dass ihre Umgebung auch sie zu einer oberflächlichen und asozialen Person macht.

Sie ist sehr misstrauisch. Die Angst, dass alles, was sie nicht fest in den Händen hält, verloren gehen könnte, prägt sie stark. Dies veranschaulicht folgendes Zitat: S.152

Während:

Die Wand verändert ihr Leben grundsätzlich. Völlig auf sich selber gestellt erfindet sie den Alltag neu. Wie Robinson muss sie sich selber zu helfen wissen und wird selbständig.

Die rasche Anpassung an die neue Situation beweist ihre Flexibilität.

Durch die neuen Interessen wird ihr bewusst, dass die gesellschaftlichen Werte oberflächlich sind und sie kritisiert diese stark. Sie hat das Gefühl, viele Fehler begangen zu haben und versucht sich nun durch diese Kritik an anderen zu entlasten. So sagt sie z.B.: S.109 Erstaunlich ist ihre Gleichgültigkeit, die sie selten aber trotzdem wiederholt an den Tag legt. In solchen Situationen findet sie: ,,Es ist nichts gut, und ist nicht schlecht, es ist einfach." Neu ist auch ihre Nachdenklichkeit. Sie hinterfragt alles und jedes. Ausserdem bangt und sorgt sie sich ständig um ihre Tiere, da diese ihre einzigen Lebensgefährten sind und ihr Überleben gewährleisten.

Die Entwicklung der Frau

Es ist vielmehr die Entwicklung ihres Denkens und Handelns, die wir behandeln als die Entwicklung ihrer äusseren Hülle. Dass sie abmagert und ihre Körperpflege auf ein Minimum einschränken muss ist wohl eindeutig. Doch ist ihre psychische Entwicklung, die anhand ihrer immer wieder auftretenden Gedanken deutlich zu verfolgen ist, äusserst imponierend. Ihre Veränderungen sind teilweise bereits der Charakterisierung zu entnehmen. So zum Beispiel, dass sie sich früher nie Gedanken über irgendwelche Dinge gemacht hat, und jetzt in der neuen Umgebung, lässt sie ihren Gedanken mehr oder weniger freien lauf. Nach und nach ändert sich ihr Verhältnis zu sich selbst und zur Umwelt. Zitat: "Etwas ganz Neues wartete hinter allen Dingen, nur konnte ich es nicht sehen, weil mein Hirn mit altem Zeug vollgestopft war und meine Augen nicht mehr umlernen konnten. Ich hatte das Alte verloren und das Neue nicht gewonnen, es verschloss sich vor mir, aber ich wusste, dass es vorhanden war."

Sie lernt mit Verlust und ihm verbundener Trauer umzugehen und zwischen Schmerz und Trauer zu unterscheiden. So stellt Vieles, was früher Leid oder Schmerz genannt wurde, ihr nun eine therapeutische Angewohnheit dar, den Verlust erträglich zu machen.

Der Leser wird das Gefühl nicht los, dass es der Frau hinter der Wand nun besser geht als vorher im normalen Leben. Und es bestätigt sich dann eigentlich auch. Da diese Wand eben nicht nur eine abgrenzende sondern auch eine schützende Funktion hat, glaubt sich die Buchheldin in Sicherheit zu befinden und wagt sich neue, ungeübte Tätigkeiten auszuprobieren. Diese Entwicklung wird allein durch das Erscheinen der Wand hervorgerufen und bedarf nicht einer langen Phase.

Die Frau wird sich bewusst, dass alles, im früheren Leben mühsam angeeignete Wissen, ihr nun gar nicht viel bringt. Und dazu lese ich euch nun ein humoristisch verfasstes Zitat vor, das für die Frau in dieser Situation jedoch eher tragisch ist: S.66

Kurz: Die Frau hat sich durchaus in eine positive Richtung entwickelt. So ist sie nun doch viel klarer im Kopf, durch den Umstand, dass sie sich jetzt Gedanken über alles mögliche machen darf. Sie ist sehr selbständig geworden und hat sich in dieser verzwickten Situation doch ausserordentlich gut zurechtfinden können. Auf eine raffinierte Art und Weise hat sie sich das erforderliche Wissen für das Leben hinter der Wand angeeignet, und dieses bisher auch sehr souverän und selbstsicher gemeistert.

Die Bedeutung der Wand

Die gläserne Wand, hinter welcher sich die Buchheldin eines Tages plötzlich gefangen sieht, bedeutet zunächst für sie ein Getrenntsein von der übrigen Welt, ein Abgeschnitten- sein von jeglicher Zivilisation und jedem menschlichen Leben. Durch die Glaswand hindurch sieht sie alles Leben als abgestorben, Mensch und Tier regungslos erstarrt in der Haltung, in der sie sich beim Erscheinen der Wand befunden haben mögen. Die Frau im Buch durchlebt Angst und Schrecken und realisiert mehr und mehr, dass sie wohl die einzige Überlebende weit und breit ist. Die gedankliche Auseinandersetzung mit ihrem Schicksal lässt sie an die Möglichkeit eines Krieges mit modernsten Waffen denken und weckt Spekulationen bei ihr, die allerdings ihre Bedeutung mit der Zeit verlieren. (Zitat: S.31) ,,Heute frage ich mich manchmal, ob das Experiment, wenn es überhaupt etwas Derartiges war, nicht ein wenig zu gut gelungen ist. Die Sieger lassen so lange auf sich warten. Vielleicht gibt es gar keine Sieger. Es hat keinen Sinn, darüber nachzudenken. Ein Wissenschaftler, ein Spezialist für Vernichtungswaffen, hätte wahrscheinlich mehr herausgefunden als ich, aber es hätte ihm wenig genützt. Mit all seinem Wissen könnte er nichts anderes tun als ich, warten und versuchen, am Leben zu bleiben.")

Später lässt die Autorin ihre Buchheldin sinnieren: (Zitat, S.89) ,,Vielleicht war die Wand auch nur der letzte verzweifelte Versuch eines gequälten Menschen, der ausbrechen musste, ausbrechen oder wahnsinnig werden". So gewinnt die Wand zur schreckhaften nun auch eine schützende Funktion. Die Buchheldin gelangt nämlich mehr und mehr zur Einsicht, dass ihr früheres Leben in der Gemeinschaft für sie vorallem schwierig und schmerzvoll gewesen ist. Im Roman ist die Geschichte der weissen Krähe, die von den anderen Krähen gemieden und von der Frau mit Nahrung versorgt wird, ein Motiv für die Aussenseiterrolle, welche die Frau gemäss ihren Erinnerungen stets gespielt hat. Insofern bedeutet die Wand neben der Isolation und dem aufgezwungenen Rückzug auch Schutz und eine Art Geborgenheit für sie; Geborgenheit in einer begrenzten, kleinen Welt, die es ganz neu zu gestalten gilt. In ihrer neuen Welt stehen typisch weibliche Verhaltensweisen wie Verantwortlichkeit, Sorge, Liebe, Pflegen und Bewahren im Vordergrund. Die patriarchalen (männlichen) Wertvorstellungen von Macht, Gewalt und naturfeindlichem Denken sollen dadurch ersetzt werden. Schliesslich knüpft die Frau ihre ganze Lebens- und Zukunftshoffnung an diese Wertvorstellungen wenn sie sagt: (Zitat, S.131) ,,Wären alle Menschen von meiner Art gewesen, hätte es nie eine Wand gegeben... Aber ich verstehe, warum die anderen immer in der Übermacht waren. Lieben und für ein anderes Wesen sorgen ist ein sehr mühsames Geschäft und viel schwerer, als zu töten und zu zerstören. Ein Kind aufzuziehen dauert zwanzig Jahre, es zu töten zehn Sekunden."

Parallelen des Buches zur Autorin

Mit unserer Gesellschaft hat sich Marlen Haushofer nie richtig identifizieren können. So erstaunt es nicht, dass sie Ersatz sucht und ihr eigentliches Leben in der Literatur lebt. Nur in ihren Texten kann sie sich frei entfalten und fühlt sich wie zu Hause. Das schreiben ist ihr Lebensinhalt und gleichzeitig auch eine Flucht in die Unabhängigkeit, in der sie ein, nach ihren Vorstellungen erfülltes Leben verwirklicht. Trotzdem beschränkt sich die Autorin bei ihren Schilderungen vorwiegend auf eigene Erfahrungen. Somit ist ihre Erzählungen von Autobiographischem durchzogen, was uns dazu bewegt hat, den Roman mit ihrem Leben zu vergleichen.

Marie Helene Frauendorfer, der ledige Name der Autorin, ist im oberösterreichischen Frauenstein geboren worden. Dieses ruhige, idyllische und naturverbundene Tal, das ihr in der Kindheit Geborgenheit vermittelt aber auch Angst einflösst, veranschaulicht in ,,Der Wand" das existentielle Rückzugsgebiet, den eigentlichen Bezirk des Geschehens.

Die Rolle als Mutter und Ehefrau findet sie unbefriedigend, fügt sich aber und erfüllt die Erwartungen, die an sie gestellt werden. Doch je grösser die Kinder werden, desto unglücklicher wird sie. Ihr Leben lang ist sie somit eine geplagte und überforderte Frau von mittelmässigem Verstand.

Dass sie trotz guter theoretischer Bildung ein Durchschnittsmensch ist, betont sie auch im Buch. Ihr ist bewusst, dass sie im Ganzen gesehen nichts weiss und vor allem in Praktischem ein Laie ist. Zu dieser Erkenntnis ihrer früheren Fehler kommt sie jedoch erst durch die Hilfe der Wand. Dazu noch ein Zitat: S. 123 An diesem Beispiel spürt man auch deutlich die Kritik, die Marlen Haushofer an der Gesellschaft übt. Vor allem die Männer sind ihre Feinde und vor ihnen fürchtet sie sich auch. Das zeigt im Buch auch das vorsichtige und ängstliche Verhalten, als sie nach Luchses Tod zur Sicherheit dauernd ein Gewehr mit sich trägt. Die Rivalität zwischen den Geschlechtern scheint tief in der Autorin verankert zu sein. Es ist charakteristisch, dass die weibliche Heldin am Ende das mörderische männliche Wesen tötet.

Anstelle der Menschen liebt und bewundert sie dafür die Tiere, die sich beispielsweise nicht an ihrem Aussehen orientieren. Die Natur ist für sie das Grösste, obwohl sie, wie sie sagt, als denkendes Geschöpf nie ein Teil von ihr sein wird.

Im Laufe ihres Lebens isoliert sie sich immer mehr und hält gegenüber den Menschen einen gewissen Sicherheitsabstand, eine emotionale Distanz. Selbst von ihren guten Freunden trennt sie oft eine Wand.

Das Selbstgespräch in Form ihrer Erzählungen ist eine sprachliche Audsrucksform der Isolation Haushofers. Sie verarbeitet ihr Leben, um nicht den Verstand zu verlieren und wahnsinnig zu werden. Auch in ihrem Werk, greift die Protagonistin zu Papier und Bleistift, um ihre Gedanken an das frühere Leben verarbeiten zu können. Die weibliche Heldin wehrt sich vehement, sich mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen und sucht Ablenkung vor dem furchtlosen Denken.

(Am liebsten möchte sie einen Roboter sein, der weder fühlen, noch denken kann. Sie sieht aber ein, dass die Menschenvernunft für das Überleben der Tiere und ihr unerlässlich ist.)

Frühe private Erschütterungen haben bei Marlen Haushofer einen gewaltigen Vertrauensverlust zur Folge gehabt. So versucht sie...

Wie im richtigen Leben weist auch die Frau im Buch eine gespaltene Persönlichkeit auf. Hoffnung Anfangs sucht die namenlose Ich-Person Gegenstände und Erinnerungsstücke der früheren Gesellschaft. Sie versucht sich ans alte zu klammern, um den schwierigen Schritt des Neubeginns hinauszuzögern. Auch hofft sie auf Rettung von Menschen, die sie aus diesem Gefängnis befreien werden. Sie merkt aber schon bald, dass dies sinnlos ist. Als sie sich vom alten Leben lösen kann, schhöpft sie auch andere Hoffnung. Einerseits hält sie die Neugierde, das Rätsel der Wand zu lösen und die Verpflichtung respektive das Verantwortungsbewusstsein den Tieren gegenüber vom Selbstmord ab. Anderseits zeugt sie aber auch von einem enormen Erhaltungstrieb. (Zitat S.70)

Sprache und Form

In dem in der Ich-Form, also auktorial geschriebenen Roman lässt Marlen Haushofer eine Frau, die in hoffnungsloser Situation zu überleben versucht, erzählen. Die Autorin bedient sich vieler Metaphern und nimmt z.B. Bilder von ,,Berg", ,,Insel" oder ,,Falle" um die Doppeldeutigkeit ihrer Einsamkeit zu beschreiben, die wohl auch das Grundgefühl der Autorin war.

Auch am symbolträchtigen Beispiel einer weissen Krähe zeigt die Autorin auf, wie die Buchheldin, und damit auch sie selbst, ihren Platz im Leben sieht. Diesen Ausschnitt möchte ich euch nun zur Illustration vorlesen: S.206/207

Wie dieser sonderbare Vogel fühlt sich auch Marlen Haushofer als Aussenseiterin in einer verständnislosen Umgebung. Dass der Vogel weiss und somit rein ist, mag als besonderer Hinweis für den hohen Wert gelten, den die Autorin dem Wesen letztlich doch beimisst.

In einem unnachahmlichen Stil, einer Art von magischem Realismus, weckt sie das Interesse, und mit der klaren Präzision ihres Verstandes beschreibt sie die Geschehnisse einfach, treffend und detailliert. Aus dem Versuch, das Sich-Einrichten in einer zeitlosen Zeit zu beschreiben, wird bisweilen ein Kult der Exaktheit. So spart die Autorin nicht mit bis ins kleinste Detail beschriebenen, scheinbar unwichtigen Episoden wie beispielsweise die nachfolgende: .."Die Erdäpfel blühten weissviolett und waren nach dem Regen stark gewachsen. Das Unkraut liess sich leicht aus der lockeren Erde ziehen. Ich häufte die Erde um die Stauden ein wenig an, und so wurde es drei Uhr, ehe ich zum Jagdhaus zurückkam, Tee kochte und für mich und Luchs ein Essen bereitete..."

Ihre Schreibweise ist bis zur Schlichtheit unauffälllig, eine ruhige, gelegentlich humoristisch anmutende Prosa, die auf erzählerische Entdeckungen der frühen Nachkriegszeit zurückgreift. Die Geschichte ist in der Vergangenheitsform erzählt und beschreibt zunächst die skurrile Erlebniswelt der Romanfigur, greift aber auch immer wieder in deren Vergangenheit. Die Grenzen zwischen Traum, Trauma und Tatsache sind dabei fliessend. Das Buch ist nicht in Kapitel unterteilt, es ist vielmehr ein einziger, langer Textfluss, der nur durch Datumsangaben unterbrochen wird. Sogar Abschnitte fehlen. Gedanke reiht sich an Gedanke, Geschehnis an Geschehnis. Der gewählte Erzählstil ist wohl am Ehesten mit einem Tagebuch vergleichbar.

In sprachlich präsizer aber einfacher Ausdrucksweise gelingt es Marlen Haushofer ausgezeichnet, Unmenschliches im menschlichen Alltag aufzuzeigen, ohne aber zu belächeln, ohne zu beweisen und ohne zu verdammen.

7 von 8 Seiten

Details

Titel
Haushofer, Marlen - Die Wand
Autor
Jahr
2000
Seiten
8
Katalognummer
V98323
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Haushofer, Marlen, Wand
Arbeit zitieren
Claudine Fleury (Autor), 2000, Haushofer, Marlen - Die Wand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98323

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