Ein integratives Kommunikationsmodell: unter Einbeziehung des radikalen Konstruktivismus, der interpretativen Soziologie und der Konzepte von Watzlawick und Schulz von Thun


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

74 Seiten, Note: bestanden


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Gliederung

1. Anspruch des Modells
1.1 Anmerkungen zum radikalen Konstruktivismus

2. Aspekte der Interaktion und Kommunikation
2.1 Definition von Interaktion und Kommunikation
2.2 Die Unmöglichkeit, Aussagen über eine beobachterunabhängige Wirklichkeit zu machen
2.3 Das Zusammenspiel von Kommunikation und nonverbalen Verhalten
2.4 Klassen nonverbalen Verhaltens
2.4.1 Gestik
2.4.2 Mimik
2.4.3 Körperstellung
2.4.4 Proxemik
2.4.5 Äußere Erscheinung
2.4.6 Paralinguistik
2.5 Basisannahmen der Kommunikationssituation
2.6 Organisationsprinzipien der Kommunikation

3. Die vier Seiten der Kommunikation
3.1 Die Sachseite in der Kommunikation
3.2 Die Selbstdarstellungsseite in der Kommunikation
3.2.1 Imponiertechniken
3.2.2 Diskursstrategien
3.2.3 Darstellungstechniken
3.2.3.1 Das Besondere an der Rolle hervorheben
3.2.3.1.1 Dramatisierung
3.2.3.1.2 Idealisierung
3.2.3.1.3 Rollendistanz
3.2.3.1.4 Mystifikation
3.2.3.2 Fassadentechniken
3.2.3.3 Ausdruckskontrolle
3.2.3.4 Täuschungen
3.2.4 Schutzmaßnahmen der Kommunikationspartner
3.3 Die Beziehungsseite in der Kommunikation
3.3.1 Soziale Wahrnehmung
3.4 Die Persuasionsseite in der Kommunikation

4. Pragmatische Möglichkeiten für die Kommunikation im Alltag
4.1 Kommunikative Hilfsregeln
4.2 Metakommunikation
4.3 Kontrollierter Dialog und passiv aufmerksames Zuhören
4.4 Kongruentes Kommunizieren
4.5 Mögliche Fragestellungen für den Verstehensprozess

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Anspruch des Modells

In dieser Hausarbeit wird versucht, unterschiedliche Kommunikationsmodelle und - vorstellungen der Psychologie, des radikalen Konstruktivismus und der interpretativen Soziologie miteinander zu verbinden. Die Verbindung mit der interpretativen Soziologie erscheint mir notwendig, da in den klassischen Kommunikationsmodellen, wie z.B. von Watzlawick und Schulz von Thun, die basalen Regeln und Ordnungsprinzipien der Kommunikation vorausgesetzt und nicht weiter thematisiert werden. Hier wird nicht berücksichtigt auf welchen impliziten Annahmen Verständigung in Kommunikation beruht und welchen Ordnungsprinzipien Kommunikation unterliegt.

Dem Modell wird als Erkenntnistheorie der radikale Konstruktivismus unterlegt, da durch diesen besonders die Relativität der individuellen Wirklichkeiten hervorgehoben wird (siehe zum radikalen Konstruktivismus: Punkt 1.1). Gemeinsam sind dem Radikalen Konstruktivismus und der interpretativen Soziologie die Dekonstruktion der Regeln und Normen alltäglichen Verhaltens.

Es wird versucht ein integratives Kommunikationsmodell zu entwerfen, dass in der Alltagssituation angewendet werden kann. Dabei gelten die Annahmen von Punkt 2 als Grundvoraussetzungen der vierseitigen Kommunikation von Schulz von Thun. Weiter wird sich an einer systemischen Herangehensweise orientiert, d.h. ,,Wie"-Fragen stehen im Vordergrund, weniger die motivverstehende ,,Warum"-Frage oder die instrumentelle ,,Wozu"-Frage. Dies mag dem Einen oder anderen unbefriedigend erscheinen, da gerade für das Alltagshandeln Motivverstehen typisch ist (Oevermann et al., 1979). Wir versuchen Verhalten zu entschlüsseln, sodass es für uns Sinn macht. Dies versuchen wir vor allem, indem wir anderen bestimmte Motive unterstellen. Jede Erklärung, die wir für unser eigenes oder für fremdes Handeln abgeben, ist voll von Motivzuweisungen, durch die bestimmte Handlungen für uns erst sinnvoll werden. Motive sind letztendlich aber immer übersimplifizierte Beschreibungen. In einer radikalen Formulierung kann jedes Motivverstehen (Warum-Frage) als sekundär für den Beobachter angesehen werden, weil es sich dabei um unentscheidbare Probleme (sensu H. von Foerster) handelt. Der Versuch eine absolute Wahrheit auf Warum-Fragen zu erstellen, sollte dementsprechend aufgegeben werden, da jeder Versuch immer nur die Interpunktion und Perspektive eines Beobachters sein kann.

Für Kommunikationssituationen bedeutet dies, die Perspektive von inneren Handlungen auf äußere Handlungen zu verschieben (siehe 2.2).

Im Folgenden wird auf einige methodische und theoretische Aspekte hingewiesen. Mir geht es in dieser Arbeit um eine Integration verschiedener Kommunikationsaspekte, nicht um die Bewertung einzelner Theorien und Modelle. Um ein einheitliches und möglichst in sich konsistentes Modell zu erreichen, beziehe ich mich auf spezifische Literatur, die meinen Ansichten entsprechen. Diese Selektion ist rein subjektiv und fördert weitere speziellere Selektion der Literatur. Sämtliche Aspekte, die hier beschrieben werden, stellen keine allgemeine Beschreibung von Welt dar, sondern entsprechen meiner Perspektive, also meiner Interpretation. Es geht nicht darum, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern nur darum, ob es einen viablen (gangbaren) Weg darstellt. Dementsprechend schließt es nicht aus, dass es (natürlich) andere Interpretationen gibt, die im genauen Widerspruch zu meiner Perspektive sind. Das sollte eigentlich Allgemeinwissen in der Psychologie und den Sozialwissenschaften sein, wenn man sich aber Monografien oder Fachartikel genauer anschaut, scheint dies nicht vorausgesetzt werden zu können. Daher wurde dies noch einmal aufgeführt.

In dieser Arbeit beziehe ich mich sowohl auf Theorien des normativen als auch des interpretativen Paradigmas. Hier wird also einerseits berücksichtigt, dass Menschen sich in der Kommunikation an Rollen und festgesetzten geordneten Regeln orientieren, andererseits wird der unterstellte unproblematische Gebrauch von Rollen und starren Regeln bestritten.

Im Folgenden wird eine konstruktivistische Terminologie beibehalten, um auf die Pluralität und Relativität unserer Wirklichkeiten zu verweisen und um die Probleme von wissenschaftlichen Modellen und Alltagsmodellen herauszuarbeiten, die auf einer Kommunikations- und Verständnisvorstellung per Korrespondenz oder Identität von Bedeutung beruhen.

M.E. kann aber die gleiche Prägnanz von Kommunikation und Verstehen, wie sie in den verschiedenen Konstruktivismen ausgearbeitet wurde, auch ohne konstruktivistische Annahmen, wie bspw. der kognitiven Geschlossenheit, erreicht werden. Für eine anfängliche Verständlichkeit wird aber konstruktivistisch argumentiert. Auch unter einem nicht- konstruktivistischen Standpunkt müssen alle Äußerungen auf die eigenen Relevanzstrukturen und die eigenen Erfahrungen bezogen werden. Somit sind Bedeutungszuschreibungen und Informationsgenerierung immer interne Prozesse bzw. Konstrukte. Erkenntnistheoretische Implikationen können letztendlich ganz vernachlässigt werden, da die Frage nach dem Zugang oder dem Nicht-Zugang zur Realität letztendlich weder von Realisten noch von Konstruktivisten viabel und zufrieden stellend erklärt werden kann.

Auf einige Aspekte möchte ich verweisen, die der Leser beim Lesen mitdenken sollte. Der Begründer der Allgemeinen Semantik, Alfred Korzybski (1933), hat vorgeschlagen, dem Wort ,,ist" seine Bedeutung zu nehmen, um damit deutlich werden zu lassen, dass allgemein gültige Aussagen (Gesetze) nicht gemacht werden können. Er verweist dabei auf das Wort ,,ist", da gerade ,,ist" Menschen verleitet, zu glauben, dass die Struktur der Sprache mit dem ,,Ding an sich" (Kant, 1981) identisch ist. Dadurch werden Menschen dazu verleitet, zu glauben, dass etwas so aber auf gar keinen Fall anders ist. Dies entspricht der aristotelischen Logik des ausgeschlossenen Dritten. Einige Allgemeine Semantiker schreiben daher ganz ohne das Wort ,,ist", z.B. Bourland & Johnson (1991). Da mir diese Vorgehensweise zu umständlich und auch zu gekünstelt erscheint, sodass letztendlich der Fluss des Lesens gestört werden könnte, habe ich darauf verzichtet. Ich verweise aber darauf, dass immer mitgedacht werden sollte, dass etwas nicht ,,so und auf keinen Fall anders" ist, sondern dass jede Aussage lediglich bedeutet, dass mir dies unter meiner Perspektive, mit meiner ausgewählten Literatur, mit meinem Wissen und meinem Erkenntnisinteresse so erscheint und dass es andere Autoren gibt, die einen ähnlichen Standpunkt vertreten, d.h. aber nicht, dass es so ist.

Auch ist sich bewusst zu machen, dass alle Aussagen (wie in diesem Text) nicht endgültig sein können. Sie erscheinen vielmehr vorläufig, unabgeschlossen und aus zukünftigen differenzierteren Perspektiven ungenau. Somit befinden sich alle Aussagen, Erkenntnisse und alles Wissen in einem Interimsstadium. Aus diesem Grund sollte zu jeder Aussage ein implizites ,,und so weiter" (et cetera) mitgedacht werden (Korzybski, 1933).

Ein weiterer Aspekt bezieht sich darauf, dass wir einen sehr hohen Verallgemeinerungsgrad in der Sprache verwenden, den wir uns selten bewusst machen. Allerdings können wir erst dadurch unser kommunikatives Alltagshandeln Gewähr leisten. Ein spezielles Beispiel soll das verdeutlich. Einen Polizisten behandeln wir oft nicht als Individuum, sondern als Kollektivperson, d.h. nicht als ,,Hans Peter", sondern eben als Polizist. Aber der eine Polizist ist nicht wie der andere. Auch wenn diese Aussage trivial erscheint, ist sie uns oft nicht bewusst. Daher schlägt Korzybski (1933) vor, den Wörtern Index-Nummern zu geben, also Polizist1, Polizist2, Polizist3 usw. Die Indexbildung soll uns vor einer Konfusion der Abstraktionsebenen bewahren und uns daran erinnern, dass wir es mit einem bestimmten einzigartigen Menschen zu tun haben, Polizist1 ist eben nicht Polizist2. In sozialpsychologisch-attributionstheoretischen Termini ließe sich sagen, dass uns die Indexbildung zu einer target based (personenbezogenen) Attribution anstatt einer category based Attribution bewegen soll. Die Indizes werden in dieser Arbeit nicht hingeschrieben, sollten aber aus Genauigkeitsgründen mitgedacht werden.

Eine letzte Anmerkung ist noch zu meiner Terminologie zu machen. Da diese Arbeit im Rahmen der Sozialpsychologie geschrieben wird, ist das Abstraktionsniveau der Sprache höher als bei populären Arbeiten. Die psychologische Terminologie wird als bekannt oder als leicht nachlesbar vorausgesetzt und daher nicht weiter erklärt. Zusätzlich werden auch die Modelle von Watzlawick und Schulz von Thun und deren Terminologie als bekannt vorausgesetzt.

Der einzige Ausdruck, den ich an dieser Stelle erklärbar machen möchte ist der Ausdruck ,,Mensch". Ich verwende in der Arbeit ausschließlich den Ausdruck ,,Mensch" anstatt anderer Ausdrücke wie z.B. ,,Individuum" aus folgendem Grund. Mensch wird von mir als übergeordneter Begriff verwendet. Der Ausdruck ,,Individuum" greift zu kurz, da er, von meiner Perspektive her, implizit ein freischwebendes, von der Gesellschaft losgelöstes Subjekt unterstellt. Menschen sind aber auch immer in Gesellschaften eingebunden. Menschen bilden Gesellschaften, d.h. Gesellschaft ohne Menschen ist nicht möglich. Aber erst indem der Mensch in einer Gesellschaft aufwächst kann er sich individualisieren. Nur weil er in der Gesellschaft mit anderen zusammenlebt kann er sich als einzigartig erfahren (vgl. Elias, 1987). Das bedeutet auch, dass menschliche Verhaltensweisen, Bedürfnisse und Emotionen immer schon gesellschaftlich geformt sind.

1.1 Anmerkung zum radikalen Konstruktivismus

1 Den Radikalen Konstruktivismus (RK) als einheitliche, monolithische Theorie gibt es nicht. Vielmehr handelt es sich heutzutage um eine interdisziplinäre Diskussion, in die Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen hineinfließen.

Die Grundannahme aller Ansätze des radikalen Konstruktivismus ist, dass Erkenntnis als Konstruktionsprozess zu verstehen ist und die Wirklichkeit das Produkt dieses Prozesses ist, d.h. die Wirklichkeit wird nicht gefunden, sondern sie wird von einem Beobachter operativ erfunden/erzeugt, deutlicher ausgedrückt bedeutet dies: ,,Die Umwelt, die wir wahrnehmen, ist unsere Erfindung" (Foerster, 1997, S. 26). Der radikale Konstruktivismus geht davon aus, dass

- Wissen nicht passiv aufgenommen, sondern aus der eigenen Erfahrung abstrahiert und damit aktiv von jedem Menschen selbst aufgebaut wird, ähnlich einer körperlichen Fertigkeit (Glasersfeld, 1997, S. 147).
- Kognition eine adaptive Funktion ist und der Erzeugung viabler Verhaltensweisen dient und nicht der Entdeckung oder Abbildung einer ontologischen Realität.

Der Ausdruck ,,Viabilität" ersetzt bei Glasersfeld den Ausdruck ,,Wahrheit". Dabei wird biologische und begriffliche Viabilität unterschieden. Die Viabilität (Gangbarkeit) auf der biologischen Ebene bezieht sich auf die evolutive Angepasstheit, d.h. ein Organismus muss unter den einschränkenden Bedingungen seiner Umwelt in der Lage sein, sein Gleichgewicht zu erhalten und zu überleben. Der Begriff ,,passen" meint hier nur ein Durchkommen und nicht ein Angleichen an die Umwelt. Die Viabilität auf der begrifflichen Ebene bezieht sich auf das begriffliche Gleichgewicht der kognitiven Strukturen, die erwartbare Ergebnisse geliefert haben und diese auch in Zukunft liefern werden, ohne begriffliche Widersprüche auftreten zu lassen. Ein Gleichgewicht (Äquilibrium) ist dann hergestellt, wenn die eigenen Begriffe und Vorstellungen mit der Erlebniswelt harmonisch verbunden sind.

Im radikalen Konstruktivismus wird zwischen bewusstseinsunabhängiger, transphänomenaler Realität und phänomenaler Wirklichkeit unterschieden. Unter Realität wird eine unabhängig vom Menschen existierende Welt verstanden, zu der wir keinen Zugang haben. Diese zeigt sich als Hindernis, an dem unser Handeln und Denken fehlschlägt. Wirklichkeit hingegen ist unsere Erfahrungswelt. Wirklichkeit stellt ein Netzwerk von Begriffen dar, die sich in der bisherigen Erfahrung des Erlebenden als viabel erwiesen haben, indem sie zur erfolgreichen Überwindung von Hindernissen oder zur begrifflichen Assimilation von Erfahrungskomplexen gedient haben (Glasersfeld, 1997, S. 47). ,,Die Wirklichkeit wird in der Realität durch das reale Gehirn hervorgebracht. Sie ist damit Teil der Realität, und zwar derjenige Teil, in dem wir vorkommen" (Roth, 1999, S. 325). Die Wirklichkeit wird folglich von der Realität hervorgebracht und ist somit ein Teil der Realität.

Das außerhalb wird der Außenwelt somit durch interne kognitive Kriterien zugeordnet und existiert nur innerhalb der Wirklichkeit: ,,Ich sehe wirkliche, nicht reale Gegenstände" (ebd.). Die Wirklichkeit ist aber kein Konstrukt des Ichs, denn das Ich ist selbst nur ein Konstrukt des realen Gehirns. Das reale Gehirn erzeugt eine Wirklichkeit, die aus drei Bereichen besteht: der Außenwelt, der Körperwelt und der Ich-Welt (die Welt der geistigen und emotionalen Zustände) (Roth, 1999).

Diese drei kognitiven Welten werden nach bestimmten Kriterien abgegrenzt.

Die Außenwelt und die Körperwelt unterscheiden sich grundlegend voneinander, während sich die Körperwelt und die Ich-Welt kaum voneinander abgrenzen lassen.

Die Körperwelt ist sensorisch und motorisch repräsentiert, d.h. alles was sensomotorisch rückgekoppelt wird, ist Körperwelt. Die Außenwelt hingegen unterliegt weder motorischen Kommandos noch enthält sie sensorische Rückmeldungen. Die Außenwelt wird in den visuellen, auditorischen, gustatorischen usw. Zentren repräsentiert.

Die ontologische Realität (Kant's ,,Ding an sich") wird im radikalen Konstruktivismus nicht geleugnet, wie dies Kritiker unterstellen, sondern das Wissen über die Realität wird als nicht zugänglich angesehen. Daher wird angenommen, dass keine sinnvollen Aussagen über die Realität gemacht werden können. Denn um feststellen zu können, ob unsere Wahrnehmung eine reale Welt widerspiegelt, müssten wir unsere Wahrnehmung von der Welt mit der realen Welt vergleichen können (die Wahrnehmung selber wahrnehmen können), dies ist aber wieder nur über unseren eigenen Erkenntnisapparat möglich. Daher kann ein Mensch nie wissen ob er die Realität erkennen kann oder nicht. Bei Glasersfeld (1998b, S. 12) heißt es: ,,...denn niemand wird je imstande sein, die Wahrnehmung eines Gegenstandes mit dem postulierten Gegenstand selbst, der die Wahrnehmung verursacht haben soll, zu vergleichen". Der Mensch konstruiert dementsprechend seine Wirklichkeit, ohne zu wissen, wie eine Außenwelt real beschaffen ist. Was der Mensch wahrnimmt, sind immer nur seine Erfahrungen von den Dingen, aber nicht die Dinge selber. Etwas zu verstehen, heißt dann, eine Wirklichkeitsbeschreibung zu konstruieren, die viabel ist, vereinfacht: die funktioniert.

Die individuelle Wirklichkeitskonstruktion ist kein willkürlicher Prozess, sondern berücksichtigt, soziale, kulturelle, kognitive und biologische Bedingungen.

Wirklichkeitskonstruktion und damit aktives aufbauen von Wissen widerfährt uns mehr, als dass wir sie planvoll und bewusst vollziehen (Schmidt, 1996b, S. 16). In die individuelle Wirklichkeitskonstruktion fließt somit ein (Schmidt, 1996b, S. 229-230):

- was als wirklich zu gelten hat und was nicht
- wie man sich gegenüber der Wirklichkeit verhält
- Menschenbilder
- soziale Regeln, Werte und Normen
- wie Emotionen sozial inszeniert und kommuniziert werden
- gesellschaftliches Wissen, z.B. Alltagswissen, gruppenspezifisches Wissen, theoretisches Wissen

Jede individuelle Wirklichkeitskonstruktion ist damit bestimmt und begrenzt durch die jeweilige Gesellschaft und ihren sozialen Deutungsmustern.

Dem Radikalen Konstruktivismus wird Individuenfixiertheit und Gesellschaftsblindheit vorgeworfen. Kritisch muss dazu angemerkt werden, dass Glasersfeld selbst die soziale Komponente immer wieder betont, da der Mensch erst dadurch in die Lage versetzt wird, eine höhere intersubjektive Wirklichkeit zu konstruieren. Glasersfeld nennt dies die zweite Ebene der Viabilität. Unsere individuellen Wirklichkeitskonstruktionen können nur unter spezifischen sozialen Bedingungen der Interaktion zwischen Menschen gebildet werden. Ein weiterer Einwand gegen den radikalen Konstruktivismus ist der Solipsismusverdacht. Hierzu muss aus radikal konstruktivistischer Sicht geantwortet werden, dass der gehirninterne Aufbau der Wirklichkeit durch lange Lernprozesse auf seine Viabilität geprüft wird. Parallel zum Wissensaufbau erfolgt eine ständige Konsistenzprüfung durch Sensomotorik, Gleichgewichtssinn usw. und durch Vergleich mit dem Gedächtnis (Schmidt, 1993, S. 313).

An dieser Stelle muss noch kurz der Begriff des Beobachters erklärt werden, da er in dieser Arbeit häufig verwendet wird. Der Begriff ,,Beobachter", wie er im radikalen Konstruktivismus verwendet wird, entstammt aus der Autopoiese-Theorie2 von Maturana und Varela. Der Beobachter ist dabei ein zentraler Punkt, denn alles was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt (Maturana & Varela, 1980, S. XIX). Ein lebendes System, das mit seinen internen Zuständen interagieren kann und von diesen Zuständen Beschreibungen konstruieren kann, operiert als Beobachter und erzeugt über seine kognitiven Prozesse die Konstrukte seines Systems und seiner Umwelt. Beobachter operieren immer in einem konsensuellen Bereich und können außerhalb dieses Bereichs nicht existieren. Daher ist jede Feststellung eines Beobachters notwendig konsensuell. Die primäre Operation eines Beobachters besteht darin, Unterscheidungen zu treffen, welche die Umgebung eines Systems in Objekt und andere (Maturana, 1978a) trennt. Oder in Maturana's Worten: ,,An observer is a [...] living system who can make distinctions and specify that which he or she distinguishes as a unity, as an entity different from himself or herself that can be used for manipulations or descriptions in interactions with other observers" (Maturana, 1978b, S. 31).

Bei dem Beobachter muss zwischen internen und externen Beobachter unterschieden werden. Der interne Beobachter beobachtet seine internen Zustände, z.B. seine Denk- und Wahrnehmungsakte. Der externe Beobachter beobachtet Organismen und ihre Umwelt und versucht Gesetzmäßigkeiten festzustellen. Die Bereiche des internen und externen Beobachters sind vollkommen überschneidungsfrei. Es gibt keine Phänomene, die für den internen und den externen Beobachter gleich oder vergleichbar sind.

In dieser Hausarbeit werden die Grundannahmen des radikalen Konstruktivismus übernommen. Dabei wird besonders berücksichtigt, dass Menschen in bereits vorhandene ,,Verständigungsgemeinschaften" (Reich, 1998a, 1998b) hineingeboren werden, die als spezifische Perturbationen immer die individuelle Wirklichkeitskonstruktion mitbestimmen. D.h., in dieser Arbeit wird vor allem die soziale Komponente im radikalen Konstruktivismus berücksichtigt. Dabei wird aber mehr ein sozial-radikaler Konstruktivismus vertreten als ein sozialer Konstruktivismus oder ein social constructionism. Hier könnte der Vorwurf erhoben werden, wie dies gegen einige pädagogische Konstruktivismen getan wurde, dass es einen solchen Konstruktivismus in dieser Auslegung nicht gibt. Dieser Einwand entspricht aber keiner konstruktivistischen Überlegung. Konstruktivismen sind immer schon instrumentell bestimmt. In wie fern unterschiedliche Konstruktivismusarten oder aus unterschiedlichen Konstruktivismen zusammen gebastelte neue Spielarten verwendet werden können, muss sich in ihrer Viabilität, ihrer Anschlussfähigkeit und in ihrer Relevanz für das jeweilige Themenfeld zeigen.

Innerhalb des intersubjektiven Bereichs können Erkenntnisse aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zur Wirklichkeitsbeschreibung angewendet und von einem Beobachter auf ihre Viabilität, Anschlussfähigkeit, Neuheit und Relevanz überprüft werden. Alle wissenschaftlichen Annahmen müssen dabei unter die Perspektive, dass unterschiedliche wissenschaftliche Erkenntnisse kein Anspruch auf (absolute) Objektivität, Wahrheit oder Abbild einer ontischen Realität geltend machen können, subsumiert werden.

Die Subjektabhängigkeit der Erkenntnis gilt eben auch für die Wissenschaften. ,,Ihre sogenannte Exaktheit und Objektivität beruht nicht auf Realitätsübereinstimmung, sondern resultiert aus der kulturellen Einheit der Wissenschaftler, die sich auf bestimmte Kriterien und Methoden im wissenschaftlichen Handeln geeinigt haben" (Schmidt, 1993, S. 314). Empirische Fakten sind auf Regelmäßigkeiten in der Erfahrung von Menschen gegründete Konstrukte, die so lange viabel bleiben, wie sie nützlich sind und zur Zielerreichung dienen. Wissenschaftliches Wissen wird dabei als zuverlässiger als Alltagswissen interpretiert, weil es auf explizite und wiederholbare Weise zu Stande kommt.

Für die wissenschaftliche Erklärung eines Phänomens gilt (nach Maturana, 1982, 1988):

1. Ein Beobachter muss einschränkende Bedingungen einer Situation, in der ein bestimmtes Phänomen beobachtet wird, explizit beschreiben, sodass die Beobachtung wiederholt werden kann.
2. Entwicklung eines hypothetischen Modells, in Form eines deterministischen Systems, das ein Phänomen erzeugen kann, das mit dem beobachtbaren Phänomen isomorph ist.
3. Aus diesem Modell wird deduktiv die Vorhersage eines Ereignisses abgeleitet, das noch nicht beobachtet wurde.
4. Beobachtung des vorhergesagten Ereignisses, nach Generierung der einschränkenden Bedingungen.

Die Logik der Beobachtung und Beschreibung ist die Logik des beobachtenden/ beschreibenden Beobachters, nicht die Logik des zu beobachtenden/beschreibenden Phänomens. Wissenschaftliche Problemlösungen beziehen sich folglich auf wissenschaftlich konstruierte Probleme, nicht aber auf Alltagsprobleme. Die Lösung von wissenschaftlichen Problemen kann dann für Alltagsprobleme nutzbar gemacht werden.

In Bezug auf Kommunikation muss berücksichtigt werden, dass sich Menschen im intersubjektiven Bereich durch Kommunikation als gegenseitige Quelle rekurrenter Perturbationen dienen. Dies regt die Menschen zur Informationskonstruktion an. D.h., Information kann nicht übermittelt werden. Deshalb ist Sprache rein konnotativ, aber nicht denotativ. Sprache wird als rein konnotativ angesehen, weil dem Hörer, unabhängig von der Bedeutung, die eine Äußerung für den Sprecher hat, überlassen bleibt, wohin er seinen kognitiven Bereich orientiert. Wenn Sprache als denotativ bezeichnet wird, dann nur in Bezug auf die Abstraktionen in den Erfahrungen eines Beobachters, aber nicht in Bezug auf eine ontische Realität (die äußere Welt) (vgl. Foerster & Glasersfeld, 1999).

Für die Kommunikationspartner ist in der Kommunikationssituation daher primär relevant, was gesagt wird, aber nicht was gemeint ist. Verstehen heißt letztendlich, dass der Hörer eine begriffliche Struktur aufgebaut hat, die als kompatibel mit dem betrachtet werden kann, was der Sprecher gemeint hat. Statt von Übereinstimmen, kann nur von Passen gesprochen werden. Passen heißt aber auch immer, dass kontingente Lösungen bestehen (Rusch, 2000).

Die jeweilige kompatible begriffliche Struktur wird aufgebaut, ohne dass dabei weiter berücksichtigt wird, welche anderen begrifflichen Strukturen möglich gewesen wären oder ob andere begriffliche Strukturen kompatibler als die aktuell aufgebaute gewesen wären (Rusch, 2000, S. 354). Verstehen ist dann erreicht, wenn man der Auffassung ist, dass die individuelle Wirklichkeitskonstruktion in sich konsistent, subjektiv befriedigend, vollständig und viabel ist (vgl. Krippendorff, 1991). Konstruktivisten sollten sich in Bezug auf den Begriff ,,Verstehen" fragen, ob sie ihn nicht ganz fallen lassen wollen. Viele Konstruktivisten vertreten eine starke Form des Skeptizismus, indem sie Missverstehen für den Normalfall halten und Verstehen als ausgeschlossen betrachten. Anstatt von Verstehen kann dann, als kommunikatives Postulat, von Verständigung gesprochen werden.

In dieser Hausarbeit wird ein gemäßigtes Verstehenskonzept vertreten. Auf der einen Seite wird die hohe Störanfälligkeit in der Kommunikation gesehen und dementsprechend die vielen Möglichkeiten sich nicht zu verstehen bzw. miss zu verstehen, auf der anderen Seite wird aber Missverstehen nicht als der Normalfall angesehen. Wir können uns in der Kommunikation verständlich machen, aber der Hörer interpretiert die Äußerungen immer etwas anders, als der jeweilige Sprecher, sodass hundertprozentiges Verstehen niemals möglich ist. Dabei kann der Hörer selber nicht wissen, ob er verstanden hat oder nicht. Dies kann nur der Sprecher feststellen, der den Hörer in seine Richtung orientieren will.

2. Aspekte der Kommunikation

Die folgenden Unterpunkte von Punkt 2 werden als Grundannahmen von Interaktion/ Kommunikation angesehen. Wenn in Punkt 3 auf spezifische Kommunikationsaspekte in der Interaktionssituation eingegangen wird und in Punkt 4 pragmatische Kommunikations- anwendungen vorgestellt werden, dann liegen diesen Punkten implizit oder explizit ausgedrückt diese Annahmen zu Grunde.

2.1 Definition von Interaktion und Kommunikation

Interaktion wird als wechselseitiges (also nicht einseitiges!) Orientieren aneinander verstanden. Interaktion ist dabei der übergeordnete Rahmen von Kommunikation, d.h. Interaktion ist die Voraussetzung für Kommunikation.

Kommunikation ist die Bezeichnung für einen spezifischen Interaktionsprozess, in dem über Sprache vermittelt, zur Informationskonstruktion angeregt wird. Dabei werden Orientierungssignale (Zeichen) verwendet, deren notwendige Voraussetzung ist, dass sie (die Orientierungssignale) auf ähnliche Weise aufgebaut wurden und damit für vergleichbare Bedeutungen stehen.

Die Bedeutungen der Zeichen bauen wir in einem interaktiven und interpretativen Prozess auf. Hierbei sind drei grundlegende Schritte auf der untersten Ebene zu berücksichtigen (nach Glasersfeld, 1998). In einem ersten Schritt muss die Aufmerksamkeit auf spezifische sensorische Signale aus der Vielfalt unterschiedlicher Signale gerichtet werden. Dann muss eine Gruppe dieser Signale isoliert und koordiniert werden, um ein visuelles Element (ein Muster) zu generieren. Im dritten Schritt wird dann das Muster mit der auditorischen Erfahrung, verbunden. Bei wiederholtem Hören löst dies nun Repräsentationen der visuellen Erfahrung aus. Wir lernen z.B. bestimmte Laute mit der Wahrnehmung von Haus zu einem Begriff zu verbinden. Hören wir diesen Begriff dann später wieder, erinnern wir uns an unsere Wahrnehmung von Haus (eine Repräsentation von Haus). Ein Zeichen zu kennen, heißt, eine bestimmte Bedeutung mit diesem Zeichen zu assoziieren. Dabei nehmen wir an, dass jede Repräsentation, die mit einem Zeichen verbunden ist, auch der Repräsentation ähnlich ist, die das Zeichen bei anderen hervorruft. Auf höheren Ebenen, die entwicklungspsychologisch zeitlich nachgelagert sind, werden dann reflektive Abstraktionen vorgenommen, durch die sich grammatische Regeln, abstrakte Begriffe, logische Verknüpfungen usw. ergeben. Wir schreiben Zeichen eine bestimmte Bedeutung zu, wenn wir wissen, wie sie verwendet werden, in welchen Kontexten, in welchen Situationen. Vereinfacht lässt sich hier festhalten, dass die Bedeutung, die einem Zeichen zugerechnet wird, im Gebrauch seiner Sprache liegt. Diese Beschreibung ist als stark vereinfachtes Schema wieder gegeben. In diesem Rahmen kann aus Platzgründen nicht näher auf die Aneignung von Zeichen eingegangen werden. Dazu ausführlich Piaget (1975, 1976) und Glasersfeld (1987, 1997, 1998a).

Der Definition folgend, wird nicht von ,,nonverbaler Kommunikation" gesprochen, sondern von ,,nonverbalen Verhalten". Auch ist ein Gespräch mit sich selbst, keine Kommunikation, weil dabei nicht in Interaktion getreten wird. Daher wird dies ein ,,Selbstgespräch" genannt. Das Selbstgespräch findet meistens in verdeckter Form statt. Laute Selbstgespräche werden bei Erwachsenen schnell als unnormal interpretiert. Erwachsene neigen dann zu lauten Selbstgesprächen, wenn sie schwierige Probleme lösen müssen oder wenn sie sich unbeobachtet fühlen (Kainz, 1969). Laute Selbstgespräche können auch spontan entstehen, z.B. in sportlichen Wettkampfsituationen. In der Literatur wird das Selbstgespräch beispielsweise als ,,Interner Dialog" (Beck, 1976), ,,Innere Sprache" (Kainz, 1969), ,,Intrapersonelle Kommunikation" (Tönnies & Tausch, 1981) oder ,,Selbst-Verbalisation" (Meichenbaum, 1977) bezeichnet.

Auch von Massenkommunikation bzw. Medienkommunikation kann nicht gesprochen werden. Medienangebote können keine Kommunikation, in dem von uns definiertem Rahmen, stiften. Vielmehr dienen Medienangebote zum Anlaufen (komplexer) kognitiver Prozesse.

Kommunikation wird dabei wie bei Watzlawick (Watzlawick et al., 1996, S. 47-49) als kreisförmig angesehen, d.h. jede Aktion ist zugleich Reaktion. Die Bedeutung, was als Aktion und was als Reaktion angesehen wird, hängt von der Interpunktion der Beteiligten ab.

Hier lässt sich eine Abgrenzung von dem viel zitierten ersten Axiom Watzlawicks ,,Man kann nicht nicht kommunizieren" (Watzlawick et al., 1996) vollziehen. Watzlawick setzt Kommunikation mit Verhalten gleich (ebd., S. 23.). Dieses Axiom ließe sich dann auch folgendermaßen formulieren: man kann sich nicht nicht verhalten. Dies ist trivial und richtig. Für das hier vorgeschlagene Modell trifft das Axiom in dieser Einfachheit nicht zu. Solange wir nicht in Interaktion treten, können wir auch, nach der hier vorgeschlagenen Definition, nicht kommunizieren. Ohne Interaktion kann Kommunikation nicht stattfinden. Erst wenn wir in Interaktion treten, ist es unmöglich, nicht zu kommunizieren. Damit ist das Axiom als Spezialfall anzusehen, sobald wir in Interaktion getreten sind.

Bevor ich auf die Aspekte von nonverbalen Verhalten eingehe, müssen wir uns zuerst mit Punkt 2.2 auseinander setzen, da dieser grundlegend für das weitere Verständnis für die hier vertretene Auffassung von Information, verbaler und nonverbaler Art, ist.

2.2 Die Unmöglichkeit, Aussagen über eine beobachterunabhängige Welt zu machen

Als Erstes wird hier unterschieden zwischen äußeren und inneren Handlungen aus der Sicht eines Beobachters. Was außen und was innen ist, stellt dabei eine systeminterne Unterscheidung dar. Äußere Handlungen sind diejenigen Handlungen, die allen Menschen über Wahrnehmungsprozesse unmittelbar erfahrbar sind, wie z.B. das Fallen einer Münze. Innere Handlungen hingegen beziehen sich auf Gedanken, Erfahrungen, Erwartungen, Wünsche usw. Diese Handlungen sind nur dem jeweiligen handelndem Menschen, also dem internen Beobachter, zugänglich. Innere Handlungen können, wenn überhaupt, nur mittelbar für Andere erfahrbar gemacht werden. Sie können nur über Kommunikation dem Anderen verständlich gemacht werden. Dies bezeichnet Ungeheuer (1983c) als Innen-Außen- Dichotomie der Kommunikation. Für Kommunikation bedeutet die Innen-Außen-Dichotomie, dass Information, im Sinne einer bestimmten Bedeutung, nicht von einer Person zur anderen übertragen werden kann. Das jeweils Gesagte kann nur hinsichtlich der Bedeutung, die das Gesagte für den jeweiligen Menschen hat, verstanden werden. Menschen tauschen keine Information, im Sinne des klassischen Kommunikationsmodells von Shannon & Weaver (1949), aus, sondern regen sich in der Kommunikationssituation gegenseitig zur Informationskonstruktion an. In diesem Sinne sind Menschen informationell geschlossen (vgl: z.B.: Maturana, 1982; Schmidt, 1996a; Baecker et al., 1992; Rusch, 1992). Informationen sind folglich immer interne Konstrukte. Äußerungen eines Sprechers stellen lediglich Perturbationen (gezielte Störungen) bzw. Irritationen für den Hörer da, die dann von ihm (dem Hörer) zu spezifischen internen Informationen konstruiert werden.

Ein Beispiel aus der eigenen Disziplin soll die Innen-Außen-Dichotomie verdeutlichen. Ein Sozialpsychologe, der einen Vortrag über Vorurteile und Stereotype vor Nicht-Psychologen hält, muss sich erst einmal entscheiden, welche Theorien er vortragen will, welche Begriffe er verwenden will, wie er diese definieren will, wie weit dies für einen Vortrag vor Nicht- Psychologen sinnvoll ist, wie präzise er sich ausdrücken will usw. Da ein Mensch aber im Diskurs niemals sein ganzes Wissen einbringen kann, muss er sich auf das wesentliche beschränken, er muss also relevante Aspekte aussuchen. Kommunikation bleibt somit immer elliptisch (unvollständig) aus der Sicht des Sprechers. Seine Hörer wiederum müssen jetzt dieses ausgesuchte Wissen (im Sinne einer gezielten Störung) in Bezug auf ihr eigenes Wissen assimilieren. Das Verständnis des Hörers kann dabei niemals dem des Sprechers entsprechen. Anders formuliert kann man sagen, dass Äußerungen (folgend: immer im Sinne von Perturbationen) in die eigenen Relevanzstrukturen eingeordnet werden (assimiliert werden) und nur innerhalb dieser interpretiert und damit zur Information werden. Eine Konsequenz daraus ist, dass wir anderen Menschen nicht einfach einen Sachverhalt erklären können, sondern wir können ihn nur ,,erklärbar machen".

Das bedeutet, dass der Sprecher lediglich eine Orientierung bei dem zu Orientierenden (dem Hörer) innerhalb dessen Relevanzstrukturen auslöst. Dies ist gänzlich unabhängig von der Bedeutung, die der Sprecher dem Gesagten zuschreibt. Das Verstehen des Anderen beruht letztendlich darauf, dass man glaubt ihn verstanden zu haben, obwohl wir uns niemals ganz verständlich machen können. Kommunikation ist folglich fallibel. Das Prinzip der Fallibilität enthält den Aspekt, dass wir niemals endgültig nachprüfen können, ob und wie weit wir uns verstanden haben. Wir glauben nur zu wissen, dass wir uns vollkommen verstanden haben. Menschen machen also einen pragmatischen Kompromiss in der Kommunikation.

Dies entspricht einer spezifisch subjektabhängigen Kommunikation. Wenn wir irgendetwas zu einem anderen über ein bestimmtes Objekt sagen, dann sagen wir nicht etwas über ein beobachterunabhängiges ,,Ding an sich" (Kant, 1981) aus, sondern über unsere individuelle Klassifikation von Gegenständen und unsere damit verbundene Bewertung. Wir können keine beobachterunabhängigen allgemein gültigen Aussagen über Dinge an sich machen. Alles was gesagt wird, kann nur von unserer individuellen Wirklichkeitsperspektive aus gesagt werden. Dies gilt auch, wenn eine Vielzahl von Menschen übereinstimmen (Zustand des Passens). Dabei muss immer berücksichtigt werden, dass wir uns in einem interaktiven Prozess spezifische gesellschaftliche Normen, Werte, Ansichten innerhalb eines bestimmten historisch-kulturellen Rahmens aufgebaut haben. Demnach wurden bestimmte Bedeutungsmöglichkeiten aus der Vielzahl von Bedeutungen vorselegiert. Unser Aufbau von Bedeutungszuschreibungen wird dadurch eingeschränkt, aber nicht determiniert. Diese Bedeutungen wurden von uns aktiv aufgebaut und unser Handeln danach ausgerichtet. Auch dies sagt nichts über das Ding an sich aus. Vereinfacht ausgedrückt: wir glauben, dass wir über eine gemeinsame Wirklichkeit sprechen, weil wir in der gleichen Gesellschaft aufgewachsen sind, uns die meisten Objekte in ähnlicher Weise aktiv aufgebaut haben und daher die meisten Objekte in ähnlicher Weise interpretieren.

Ein Unterschied hinsichtlich der vermuteten Übereinstimmung von Bedeutungszuschreibungen soll hier noch getroffen werden. Stierlin (1998) hat zwischen harter und weicher Wirklichkeit unterschieden. Zur harten Wirklichkeit gehört alles, auf das man zeigen kann, z.B. Auto, Haus, Mond, Menschen usw. Diese Gegenstände werden i.d.R. von Menschen einer beobachterunabhängigen Außenwelt zugeschrieben. Zur weichen Wirklichkeit gehören alle abstrakten Ideen, auf die man in der Außenwelt nicht zeigen kann, wie Liebe, Freundschaft, Sehnsucht usw. Während auf der Ebene der harten Wirklichkeit die Bedeutungszuschreibungen immer intersubjektiv passen (sollten), ist dies auf der Ebene der weichen Wirklichkeit nicht mehr der Fall. Ob ein Gegenstand ein Tisch (harte Wirklichkeit) ist oder nicht, muss nicht lange diskutiert werden, unabhängig welche Form oder Farbe er hat und aus welchem Material er besteht. Hier kommen wir zu einer Passung. Auf der Ebene der weichen Wirklichkeit ist dies nicht mehr so leicht möglich. Ob ein Gott existiert oder nicht, lässt sich letztendlich nicht entscheiden. Eine intersubjektive Passung kann nicht erfolgen. Man kann sich nur auf Grund ähnlicher Überzeugungen einigen. Auf unser Beispiel bezogen, bedeutet das, dass wir entweder an Gott glauben, nicht an Gott glauben oder dass uns die Thematik egal ist3.

2.3 Das Zusammenspiel von Kommunikation und nonverbalen Verhalten

Kommunikation ist immer eingebettet in nonverbales Verhalten. Nonverbales Verhalten begleitet, bereichert, illustriert und modifiziert Kommunikation. Zum nonverbalen Verhalten gehört Mimik, Gestik, Körperstellung, Äußere Erscheinung, Proxemik und Paralinguistik. Beim Zusammenspiel von Kommunikation und nonverbalen Verhalten lassen sich grob folgende vier Komponenten (s.u.) unterscheiden (nach Ungeheuer, 1983b, S. 17-21). Dabei ist darauf zu achten, dass Sprecher und Hörer jeweils mehr oder weniger unterschiedliche Orientierungen an den verbalen und nonverbalen Aspekten vornehmen. Die folgenden vier Aspekte sind jeweils für Sprecher und Hörer getrennt zu betrachten. Die jeweilige Reaktion wird nach der jeweiligen Bedeutungszuschreibung erfolgen. Nonverbales Verhalten ist nur gering intersubjektiv abgestimmt, da (1) im Alltag über die Bedeutung von nonverbalen Aspekten nur selten gesprochen wird, sodass wir nicht wissen können, ob unsere Orientierungen vom Sprecher angenommen oder verworfen werden würden, während wir uns in Kommunikation das Gemeinte bis zu einem gewissen Grad verständlich machen, und (2) wir selten über nonverbales Verhalten in der Situation reflektieren oder uns die mögliche Wirkung nonverbalen Verhaltens bewusst machen. Argyle (1972) spricht hier von der subverbalen Wirkung nonverbalen Verhaltens. Eine Einschränkung ist allerdings, dass Menschen, die in die gleiche Gesellschaft sozialisiert wurden, sich bestimmte soziokulturelle Normen in einem interaktiven Prozess angeeignet haben und diese sich vereinheitlichend auf Urteilsbildungen von nonverbalen Verhalten auswirken.

a) Nonverbales Verhalten und Kommunikation begleiten sich. Dabei wird das Augenmerk der jeweiligen Kommunikationspartner stärker auf dem verbalen oder stärker auf dem nonverbalen Aspekt liegen. Dieser Prozess darf nicht als statisch angesehen werden, sondern kann von Augenblick zu Augenblick wechseln, je nachdem welchen Aspekt der jeweilige Kommunikationspartner im jeweiligen Moment als dominant ansieht. Der verbale Aspekt muss nicht immer im Vordergrund stehen. Forschungen über nonverbales Verhalten haben Hinweise darauf gegeben, dass bei widersprüchlichen Bedeutungszuschreibungen zwischen Kommunikation und nonverbalen Verhalten das Nonverbale stärker wirkt. Dem Nonverbalen wird geglaubt (Argyle, 1987).
b) Durch nonverbales Verhalten können verbale Aspekte verstärkt werden. Verstärkt werden verbale Aspekte dann, wenn vom Hörer unterstellt wird, dass beide Aspekte (verbale und nonverbale) dasselbe, jeweils auf ihrer Handlungsebene, ausdrücken. Dies ist unabhängig davon, ob dies vom Sprecher intendiert war, nachträglich so verstanden wird, oder nicht.
c) Nonverbales Verhalten kann Kommunikation vervollständigen. Der Sprecher kann z.B. seine Hand in eine bestimmte Höhe halten, um den Satz ,,Sie war so groß" zu vervollständigen. Eine andere Form ist die komplementäre Aussage. Eine komplementäre Aussage betrifft nicht die Mitteilung selbst, sondern daran angrenzende Aspekte. Der Sprecher möchte eine Mitteilung auf bestimmte Art verstanden haben und versucht daher über nonverbale Aspekte eine bestimmte Orientierung im Hörer auszulösen. Bei einer bestimmten Äußerung kann der Sprecher lachen, um anzuzeigen, dass er die Äußerung als Spaß verstanden haben will.
d) Nonverbales Verhalten kann Kontroll- und Steuerungsfunktionen übernehmen. Dies bezieht sich vor allem auf Gesprächsbeginn, Gesprächsbeendigung, Sprecherwechsel, Gesprächsunterbrechung, und den Übergang zu einem neuen Gesprächsthema. Beispiele hierfür sind, dass ein Sprecherwechsel oft durch Aufnahme von Blickkontakt vorbereitet wird, dass sich bei einem Themenwechsel oder bei einer Verabschiedung kurzfristig die Stimmlage ändert usw.

2.4 Klassen nonverbalen Verhaltens

In aller Kürze gehen wir auf die unterschiedlichen Klassen nonverbalen Verhaltens ein. Das Zusammenspiel von Kommunikation und nonverbalen Verhalten gilt für alle Klassen und wird daher nicht noch einmal für die unterschiedlichen Klassen aufgeführt.

2.4.1 Gestik

Gestik bezeichnet in einem weiten Sinne alle nonverbalen, zeichenhaften körpermotorischen Aktionen. Besondere Beachtung schenkt man den Armen, den Händen und Fingern. Bei der Zeichensetzung können folgende Aspekte berücksichtigt werden (Ungeheuer, 1983b, S. 9).

a) Beteiligung der Körperteile, z.B. Arm allein, Hand allein oder nur die Finger.
b) Vollzogene Bewegungen, z.B. zum Körper hin, nach oben, nach unten, seitliche Bewegungen usw.
c) Lage der Körperteile, z.B. Arm nach oben gestreckt.
d) Gebildete Figuren, z.B. ausgestreckte Faust, gekreuzte Arme usw.
e) Kombination aller Elemente

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Aspekten des Zusammenspiels von Kommunikation und nonverbalen Verhalten kann Gestik auch Gefühlszustände des Sprechers beinhalten.

2.4.2 Mimik

Unter Mimik wird die nonverbale Aktion der Gesichts- und Fazialmuskeln zusammengefasst, wie z.B. Zunge, Lippen, Augen, Kinn, Mund, Wangen usw. Mimik wird von den Kommunizierenden als Möglichkeit der kontinuierlichen Rückkoppelung genutzt, also um zu überprüfen in wie weit das Gesagte vom Gegenüber verstanden wurde. Mimik zeigt auch Gefühlszustände der jeweiligen Menschen an. Dass Menschen ihr Gegenüber von der Gefühlslage richtig beurteilen (können), hängt weitestgehend vom Kontext ab. Der externe Beobachter kennt i.d.R. den Kontext: ein Freund berichtet über seinen Streit in der Beziehung, der Partner ist bei einer Prüfung durchgefallen usw. Diese Information genügt uns im Alltag um einen Gefühlszustand zu diagnostizieren. Dennoch darf bei einer solchen Betrachtung (Diagnose von Gefühlszuständen) nicht vergessen werden, dass wir diese nach unseren Bedeutungszuschreibungen analysieren und nicht wissen, ob unsere Schlussfolgerungen richtig sind. Wir überprüfen i.d.R. nicht weiter, ob sie zu den Bedeutungszuschreibungen des Sprechers passen. (vgl. Schmidt-Atzert, 1996).

2.4.3 Körperstellung

Unter Körperstellung (Postur) versteht man die nonverbalen Zeichen, die sich auf die Stellung und Bewegung des ganzen Körpers beziehen. Die Körperstellung ist von besonderer Bedeutung im Zusammenhang mit der Proxemik.

2.4.4 Proxemik

Unter Proxemik werden die Untersuchungen zusammengefasst, die sich mit der eingehaltenen Distanz kommunizierender Menschen beschäftigen. Als klassisch gelten die Untersuchungen von Argyle & Dean (1965) und Patterson (1976). Argyle & Dean gehen von einem Gleichgewichtsmodell aus (Affiliations-Konflikt-Theorie). Menschen versuchen ein Gleichgewicht zwischen ihren Annäherungs- und Vermeidungstendenzen herzustellen. Demnach gibt es für jede soziale Situation ein optimales Ausmaß an Intimität. In ihren Untersuchungen ergaben sich z.B. Hinweise, dass bei geringer Distanz die Blickkontakte deutlich abnahmen (ausführlich Salewski, 1993). Die Proxemik kann als eine Funktion der Vertrauenszuschreibungen zwischen den Kommunizierenden angesehen werden. Die Distanz, die während der Kommunikation eingehalten wird, kann als Vertrauenskundgabe und als Stellungnahme zu den Kommunikationsinhalten angesehen werden (Ungeheuer, 1983b, S.11). Dabei übernimmt die Körperstellung die Rolle eines Modifikators.

Patterson hingegen geht von einem Erregungsmodell aus. Er geht davon aus, dass eine intensive Veränderung der Intimität eines Menschen zu einer Veränderung der Erregung eines anderen Menschen führt. Insgesamt wird angenommen, dass bei einer negativen Bewertung des erlebten Erregungsanstiegs eine Gleichgewichtsreaktion hervorgerufen wird, während eine positive Bewertung reziproke Reaktionen hervorruft.

2.4.5 Äußere Erscheinung

Bei der äußeren Erscheinung widmen Menschen besonders der Kleidung, dem Körperbau, dem Gesicht, den Haaren und den Händen Aufmerksamkeit. Dabei gilt die Kleidung als ein Hauptmerkmal. Über die Kleidung leiten wir den persönlichen Geschmack des Trägers ab und klassifizieren ihn (z.B. der Punker, der Yuppie). Dementsprechend wird die Kleidung als Teil des Sozialverhaltens interpretiert.

2.4.6 Paralinguistik

Paralinguistische Zeichen werden wie linguistische Zeichen akustisch vermittelt, fallen aber auf Grund ihrer kommunikativen Funktion in den Bereich des nonverbalen Verhaltens. Beispiele sind Husten, Räuspern, Interjektionen wie ,,aha", ,,mhm", ,,oh", Änderungen der Stimmlage, Schreie usw. Paralinguistische Zeichen können Kommunikation begleiten oder für sich alleine vorkommen. Interjektionen können z.B. in Kommunikationssituationen dazu genutzt werden, um entweder dem Kommunikationspartner anzuzeigen, dass der Sinn des Gesagten ausreichend erschlossen wurde oder dass noch Unklarheiten herrschen. Die Forschungen zur verbalen Konditionierung geben Aufschluss darüber, wie Interjektionen den Gesprächsablauf beeinflussen können.

2.5 Basisannahmen der Kommunikationssituation

Kommunikation findet in der intersubjektiven Wirklichkeit der Erfahrungswelt (Alltagswelt)4 statt. Diese Wirklichkeit der Alltagswelt hat den Charakter einer ,,Wirklichkeit par excellence" (Berger & Luckmann, 1998). Die Wirklichkeit des Fernsehens, des Traums, des Cyberspace usw. sind Enklaven dieser obersten Wirklichkeit, die als ,,begrenzte Sinnbereiche" (Schütz, 1974) angesehen werden können. Die Alltagswelt wird von Menschen als gegeben erfahren und erscheint ihnen daher als unabhängig von den eigenen Wirklichkeitsaneignungsprozessen.

Für die Wirklichkeitszuschreibung der Alltagswelt können syntaktische, semantische und pragmatische Wirklichkeitskriterien unterschieden werden (nach Stadler & Kruse, 1993, S. 149-153; vgl. auch Roth, 1999).

Die syntaktischen Kriterien hängen von den Sinnesempfindungen selbst ab, von der Helligkeit, von der Schärfe der Konturen, dem Kontrast zur Umgebung, der strukturellen Reichhaltigkeit (der Farbe, der Gestalt), der Dreidimensionalität, der Größen- und Formkonstanz, der Wahrnehmung durch mehrere verschiedene Sinnessysteme (Intermodalität), der Invarianz von Form und Größe bei Perspektivenwechsel und der eindeutigen Lokalisation im Raum. Je lebhafter die Wahrnehmungen hinsichtlich dieser Eigenschaften sind, desto eher wird das Wahrgenommene als tatsächlich vorhanden interpretiert und erlebt.

Semantische Kriterien sind die Bedeutungshaltigkeit eines Ereignisses, die Kontextstimmigkeit, d.h. das Ereignis muss in den vorhandenen Kontext passen, und die Valenz, d.h. ein Objekt wird umso eher als tatsächlich vorhanden angesehen, je attraktiver es ist.

Pragmatische Kriterien stellen das Einwirken auf Objekte, die Erwartbarkeit der Ereignisse und die intersubjektive Bestätigung dar. Objekte/Ereignisse werden dann als tatsächlich vorhanden angesehen, wenn auf sie eingewirkt werden kann, z.B. durch anfassen, wenn sie erwartbar sind und wenn sie von mehreren verschiedenen Menschen berichtet und bestätigt werden. Besonders die Intersubjektivität trennt die Alltagswelt von begrenzten Sinnbereichen. In unserem Erkennen bringen wir unsere Welt hervor. Dabei gibt es nicht die Alltagswelt an sich, sondern nur Alltagswelten wie sie sich Menschen für sich konstruieren. Unsere Alltagswelten gliedern und unterteilen wir in momentan wichtige, weniger wichtige und (momentan) gar nicht wichtige Wirklichkeiten. Wenn ich beim Tauchen bin, dann ist für mich, in der momentanen Situation, vollkommen irrelevant, wie ich mein Auto fahre.

Mit Blumer (1973, S. 81) können wir festhalten, dass Menschen physikalischen (z.B. Tisch), sozialen (z.B. Studenten, Freunde) und abstrakten (z.B. Moral, Ideen) Objekten gegenüber auf der Basis der Bedeutungen, die diese für sie haben, handeln. Wie wir unter 2.2 festgehalten haben, können Äußerungen nur innerhalb unserer individuellen Wirklichkeit zur Information konstruiert werden und erhalten damit Bedeutung für uns. Gegenüber diesen zugeschriebenen Bedeutungen richten wir unser Verhalten aus und handeln danach.

Die Bedeutungszuschreibungen entstehen in der Kommunikation, die uns als Quelle von Perturbationen dient, und werden von uns aus ihr abgeleitet und dementsprechend aufgebaut. Ob ich einen Freund, meinen Ehepartner oder meinen Chef auf der Straße treffe, bestimmt meine weiteren Handlungsmöglichkeiten, wie ich den jeweiligen Menschen begrüße, welche Themen ich auswähle, ob ich weiter gehe usw. Bedeutungszuschreibungen kann jeder Mensch für sich in einem interpretativen Prozess handhaben, modifizieren oder ändern. Dies berücksichtigt nur, dass Bedeutungszuschreibungen nichts statisches sind, sondern jeder Zeit von mir (re-) interpretiert werden und somit auch verändert werden können.

In der Kommunikation müssen sich die Kommunikationspartner ihre individuellen Bedeutungen anzeigen und verständlich machen. Zu der angezeigten Bedeutung verhalten sich Menschen, indem sie die Bedeutung, die für die Situation gelten soll (Definition der Situation), akzeptieren oder verwerfen. In der Kommunikation definiert jeder Beteiligte die Situation, indem er explizit sagt oder implizit andeutet, wie er die Situation verstanden haben will. In der Kommunikation definieren wir dabei andere Menschen nach bestimmten Kriterien (z.B. Kleidung, Hören-Sagen, Beruf, Stereotype usw.). Die Bezeichnungen, die wir den anderen geben, definieren dann für uns, wer die anderen für uns sind, was sie darstellen und wie wir uns gegenüber ihnen verhalten. Die Definition der Situation wurde prägnant von Thomas & Thomas (1928, S. 572) in dem heute sehr bekannten Thomas-Theorem zusammengefasst: ,,If men define situations as real, they are real in their consequences" und von Bendix (1980, S. 86) auf Bewusstseinsinhalte erweitert: ,,As long as men live by what they believe to be so, their beliefs are real in their consequences" (Thomas-Bendix-Theorem). Die unterschiedlichen Bedeutungszuschreibungen müssen von den Kommunizierenden aufgegriffen und mit ihrer eigenen Situationsdefinition in Einklang gebracht werden, d.h. jeder passt sich jedem, einschließlich sich selbst an. Dabei bildet sich eine gemeinsame Situationsdefinition. Das Aushandeln der Situationsdefinition ist auch wieder eine subjektive Konstruktion, unabhängig von der Kompatibilität der Wissensstrukturen der Kommunikationspartner. Bei dem Aushandeln der Situationsdefinition ist zu berücksichtigen, dass es Kommunikationspartner gibt, die ihre eigene Situationsdefinition gegenüber dem anderen Kommunikationspartner durchsetzen können. In diesem Fall spricht man von der Definitionsmacht des jeweiligen Kommunikationspartners. Die Definitionsmacht eines Kommunikationspartners kann durch Status, durch die jeweilige Rolle, durch strukturelle Vorgaben, durch Wissensmacht usw. begründet sein.

In die Definitionsbeschreibungen der Kommunizierenden gehen folgende Komponenten mit ein (modifiziertes Modell von Altman & Lett, 1970):

a) Physische Merkmale wie die äußere Erscheinung
b) Soziale Komponenten: hierzu gehören fremd- und selbstzugeschriebene

Persönlichkeitseigenschaften, Demografische Variablen (z.B. Alter, Geschlecht, Bildung) und kulturelle Unterschiede.

Ein Beispiel sind Geschlechtsunterschiede in der Bedeutungszuschreibung und - definition von Situationen; z.B. definieren Frauen offenbar Situationen, in denen eine günstige (warme) soziale Atmosphäre vorliegt als positiver, hingegen ungünstige Situationen mit kühler sozialer Atmosphäre als bedrohlicher als Männer (Aiello, 1987).

c) Personale Komponenten: hierzu gehören z.B. Schemata und Skripts (s.u.) und vergangene Erfahrungen der Kommunizierenden. Denn jeder Mensch bringt in die Kommunikation seinen Satz von Bedeutungsbeschreibungen und Interpretationen mit, die er im Laufe seines Lebens kennen gelernt und erlernt hat. Jeder Kommunizierende ist zu jedem Zeitpunkt der Kommunikation in seine individuelle Biografie eingebunden.

d) Interpersonelle Komponenten: dazu gehören die jeweiligen Rollen, welche die Beteiligten in der Kommunikation annehmen, Status, Prestige, Macht und Einfluss der Beteiligten und die Position in der Sozialstruktur. Bei der interpersonellen Komponente wird berücksichtigt, dass Menschen immer in Sozialstrukturen eingebettet sind, was sich auf Kommunikation auswirken (kann).

e) Umweltbezogene Komponenten richten sich auf spezifische gegebene Charakteristika, die in der Situation vorgefunden werden. Z.B. haben Untersuchungen Hinweise gegeben, dass sich Sitzarrangements auf die Kommunikation auswirken können (Argyle, 1975).

f) Ordnungsmedien: mit diesem Aspekt wird sich auf systemtheoretische Überlegungen bezogen. Dabei wird berücksichtigt, dass unterschiedliche Systeme die Art der Kommunikation, die Wahrnehmung von Ereignissen, die Bedeutungszuschreibungen mit beeinflussen. Unter Ordnungsmedien subsumiere ich zwei unterschiedliche Aspekte.

1) Innerhalb bestimmter Systeme und Subsysteme bilden sich Spezialsprachen, mit einer entsprechenden Terminologie, und ,,thematische Räume"5 (Schmidt, 1996) aus, die Kommunikation steuern.
2) Die Ordnungsmedien gestalten die Art und Weise, wie wir innerhalb der Systeme miteinander kommunizieren und welche Perspektiven wir dabei einnehmen. Ein Unterschied wäre z.B. die unterschiedlichen Perspektiven, die bei einer tiefenpsychologischen Behandlung und einer systemischen Behandlung eingenommen werden.

Die gemeinsamen Definitionsbestimmungen stellen keine statischen Beschreibungen dar, sondern werden vielmehr kontinuierlich bewertet, überprüft und u.U. neu definiert. Die personale und interpersonelle Komponente Gewähr leistet bspw. Orientierung und Erwartungssicherheit in der Kommunikationssituation. D.h. aber auch, dass wir nicht jede Situation immer wieder (ganz) neu definieren müssen, sondern uns an bestimmten Erfahrungen und Vorstellungen orientieren können. Dementsprechend haben Menschen eine spezifische Vorstellung, wie sich die Kommunikationssituation gestalten soll und auch wird.

Im Folgenden wird erörtert, auf welche Annahmen wir aufbauen, damit wir in der Alltagswelt behaupten können, dass wir uns verstanden haben. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Alltagshandelnde seine Erfahrungen so organisiert, dass seine Annahme, die Welt ist nun einmal so, wie sie ist, bestätigt wird. Der Alltagshandelnde baut sich eine ontologische Sicherheit auf und verliert folglich den Zweifel daran, dass die Welt anders sein könnte als sie ihm erscheint.

Wenn wir in Kommunikation treten, nehmen wir an, dass der andere, wenn er an unserer Stelle wäre, die Welt aus der gleichen Perspektive wie man selber sehen würde, und wenn wir an seiner Stelle wären, wir die Welt aus der gleichen Perspektive sehen würden, wie er. Wir nehmen folglich an, dass wir den Objekten gleiche Bedeutungen zuweisen. Dies nennt Schütz (Schütz & Luckmann, 1975) die Reziprozität der Perspektiven.

Dabei nehmen wir weiterhin an, dass die unterschiedlichen Erfahrungen, die jeder gemacht hat, also unterschiedliche Biografiemuster, irrelevant für die Kommunikationssituation sind. Dies nennt Schütz (ebd.) die Kongruenz der Relevanzsysteme.

Der Ethnomethodologe Garfinkel (1963) ergänzt diese Basisannahmen noch dadurch, dass wir in der Kommunikation selbstverständlich voraussetzen, dass es Dinge gibt, die jeder weiß. Garfinkel (1973) nennt dies common-sense knowledge (Alltagswissen). Das Alltagswissen besteht aus dem Wissensvorrat der jeweiligen Gesellschaft (Schütz & Luckmann, 1975), von dem wir ausgehen, dass es jeder vertrauensvolle Mensch unserer Gesellschaft wissen muss. Das Wissen, das andere vor uns gesammelt haben ist in der Gesellschaft abgelagert. Diesem Wissen können Menschen nicht entgehen. Dieses intersubjektive Wissen konstituiert unsere individuelle Wirklichkeitskonstruktion mit.

Zum Alltagswissen gehören auch die Regeln, wie man in der jeweiligen Gesellschaft mit diesem Wissen umgeht, d.h. wie Wissen klassifiziert wird, wie sich Situationen definieren lassen und wie Situationen ablaufen. Unsere Erfahrungen werden dabei durch spezifische Perspektiven gesteuert. Hierzu gehören bspw. framing conventions, Schemata und Skripts. Auch dabei ist daran zu denken, dass wir diese nicht einfach passiv aufnehmen, sondern uns aktiv zu temporären Stabilitäten aufbauen. Framing conventions (Goffman, 1980) sind alltagspragmatisch eingespielte Interpretationsrahmen, die wir spontan und selbstverständlich anwenden. Der Ausdruck ,,Framing conventions" lässt sich als Oberbegriff fassen, zu dem Schemata und Skripts Unterkategorien darstellen. ,,Schemata repräsentieren Konzepte in Form von Oberbegriffen, Teilen und anderen Zuweisungen von Ausprägungen zu Attributen" (Anderson, 1996, S. 152). Schemata repräsentieren die Gemeinsamkeiten bestimmter Dinge.

In Skripts wird das Wissen über Alltagssituationen organisiert, d.h. sie beziehen sich auf intersubjektiv vergleichbare Situationsdefinitionen. Skripts beziehen sich dabei auf standardisierte Alltagssituationen, wie Einkaufen im Supermarkt oder Essen in einem Restaurant (Kruse, 1986). Durch Skripts wird Gewähr geleistet, dass Kommunikationspartner ihre Verhaltensweisen in Bezug auf die Situation aufeinander abstimmen können. Ein weiterer Aspekt, warum wir annehmen, dass wir uns verstehen ist die Typisierung der Alltagserfahrung (Schütz & Luckmann, 1975). In unsere Handlungen gehen unsere früheren Erfahrungen mit ein. Das Neue wird mit dem Alten verglichen und in das Alte eingeordnet (Assimilation). Unsere früheren Erfahrungen (das Alte) sind dabei zu typischen Erfahrungsmustern verallgemeinert worden, sodass wir Erwartungen ausbilden können. Sobald wir eine Situation zum wiederholten Male in einen gleichen Sinnzusammenhang einordnen können, wird sie zur typischen Situation. Das Neue wird also in typische Erfahrungsmuster eingegliedert, dabei spielen wir die Besonderheiten der neuen Situation herunter oder nehmen sie erst gar nicht wahr. Hierzu gehört z.B. Dissonanzvermeidung und selektive Aufmerksamkeit. Bei der Bildung von Typisierungen unterstellen wir, dass die Welt, so wie wir sie erfahren und kennen gelernt haben, auch weiterhin bestehen bleibt und dass damit unsere typischen Erfahrungen eine allgemeine Gültigkeit besitzen. Nathanson (1979) nennt dies Kontinuität.

Aufbauend auf der Annahme der Kontinuität, folgt die Annahme, dass wir unsere Handlungen wiederholen können. Wenn wir eine neue Situation als typische Situation klassifizieren, gehen wir ganz selbstverständlich davon aus, dass unsere typischen Erfahrungen wieder für die aktuelle Situation relevant sind.

In der Kommunikationssituation selber ist das Kommunikationsziel die gegenseitige Verständigung. Dabei sind zwei Aspekte zu berücksichtigen. Die Entscheidung, ob man sich verstanden hat oder nicht, liegt beim Sprecher, der verstanden werden will, und nicht beim Hörer, der verstehen soll. Aber der Hörer bestimmt (für sich) die Bedeutung einer Äußerung, nicht der Sprecher.

Der Sprecher erkennt, dass er sich verständlich gemacht hat, indem der Hörer seinen Erwartungen entspricht. Dies zeigt sich in Anschlussäußerungen und -handlungen, bspw. führen wir ein Gespräch kontinuierlich fort, wir reagieren auf das Gesagte, wir antworten auf Fragen, wir gehen auf die Äußerungen des Kommunikationspartners ein, wir achten auf nonverbales Verhalten, wie Nicken, auf paralinguistische Aspekte, auf Rückmeldungen und wir überprüfen, ob unsere Äußerungen vom Hörer verstanden wurden, indem wir nachfragen.

Wenn sichtbare Ergebnisse (z.B. die Erzeugung von Produkten, der Kauf einer Sache usw.), durch Kommunikation angestrebt werden, dient die erfolgreiche Ausführung dieser Handlung als Bestätigung der erreichten Verständigung (Ungeheuer, 1983a, S. 20).

2.6 Formale Organisationsprinzipien der Kommunikation

Bevor ich auf die vier Seiten der Kommunikation eingehe, veranschaulichen wir uns noch einige Organisationsprinzipien, die der Kommunikation unterliegen. Aus Platzgründen kann nur ein sehr grober Überblick gegeben werden.

In diesem Kapitel wird sich auf Annahmen der Ethnomethodologie und Ergebnisse der Konversationsanalyse bezogen.

Ein zentrales Ordnungsprinzip in der Kommunikation ist die Indexikalität. Sinn und Bedeutung ergeben sich für Menschen, je nachdem, welche Äußerungen vorher in der aktuellen Situation gefallen sind (Garfinkel & Sacks, 1976). Indizes zeigen einen bestimmten Kontext an. Die Bedeutung die wir den Äußerungen zuschreiben ist von dem Kontext abhängig, der für uns durch die vorangehenden Äußerungen entstanden ist. Dabei geht es darum, Einverständnis in der Kommunikationssituation über den Sinn, den ein Kommunikationsteilnehmer für sich konstituiert und für andere versucht zu konstituieren, zu erlangen. Indexikale Äußerungen setzen sowohl ein spezifisches kulturelles Alltagswissen (2.4) voraus als auch Vertrautheit mit den Kommunikationspartnern. Folgendes Beispiel soll die Notwendigkeit der Vertrautheit verdeutlichen: wenn jemand zu mir sagt ,,Tom hat gestern seine MPU bestanden", dann wird von mir selbstverständlich erwartet, dass ich weiß, wer Tom ist, was das Kürzel MPU (Medizinisch-psychologische Untersuchung) bedeutet und warum Tom diese Untersuchung machen musste. Wenn ich mich nicht auf den Kontext beziehen kann, dann müsste ich Fragen stellen, wie z.B. ,,Wer ist Tom", ,,was bedeutet MPU", ,,Was wird in der MPU untersucht" oder ich kann beispielsweise einfach sagen ,,Aha", ,,Ach so" usw. Damit sind Indexikalitäten für die Kommunikationspartner, die sich auf den Kontext beziehen können, Erleichterungen, aber Erschwernisse für diejenigen, die sich nicht auf das spezifische Kontextwissen beziehen können.

Aber auch indexikale Ausdrücke können (entsprechend meiner Modellannahmen) nicht einfach eindeutig entschlüsselt werden, da die Bedeutungszuschreibungen der Kommunikationspartner mehr oder weniger stark voneinander abweichen und auch das spezifische, für die Situation notwendige, Kontextwissen unterschiedlich ist. Um Missverständnissen in der Kommunikation vorzubeugen, drücken wir uns vage und abwartend aus, sodass Sinninhalte gerade nicht fixiert werden.

Gleichzeitig zur Kontextabhängigkeit ist jede Kommunikation aber auch Kontexterneuernd. Die vorangegangene Äußerung bildet den Kontext für die nachfolgenden Äußerungen und schränkt damit die nächstmögliche Anzahl an Äußerungen ein (vgl. Watzlawick et al., 1996; vgl. Eberle, 1997). Bezogen auf die Kommunikationssituation haben sich auch spezifische normative Erwartungen hinsichtlich der nachfolgenden Äußerungen ausgebildet. Wenn einen ein Bekannter auf der Straße mit einem ,,Hallo" begrüßt, wird man ihm nicht antworten ,,Spaghetti dauern 8 Minuten", sondern er kann mit einem Gegengruß rechnen, den er auch erwartet. Normative Erwartungen verringern also nicht nur die Anzahl der Äußerungsmöglichkeiten, sondern verweisen darauf, welche Äußerung als Nächstes folgen soll.

In der Kommunikation reagieren wir zusätzlich kontextsensitiv. Die jeweiligen Sprecher beziehen ihre Äußerungen spezifisch auf den jeweiligen Hörer. Der Sprecher muss sich folglich Gedanken über das Vorwissen des Hörers machen. Dieses Vorwissen beruht auf einer gemeinsamen Vergangenheit oder auf bestimmten Kategorisierungen, die der Sprecher vornimmt. Zu der Kontextsensitivität gehört z.B., dass wir dem selben Hörer nicht noch einmal etwas erzählen, was wir ihm schon (ausführlich) erzählt haben oder von dem wir ausgehen, dass er es wissen sollte. Die Kontextsensitivität würde sich bei dem Vortrag unseres Sozialpsychologen (2.2) darin zeigen, dass er an Stelle der abstrakten und stark fixierten wissenschaftlichen Terminologie eine einfache leicht verständliche Sprache benutzt. Die Kommunizierenden deuten die Äußerungen aber nicht nur anhand der aktuellen Kommunikationssituation, sondern betten die Äußerungen in einen vergangenheits- gegenwarts- und zukunftsbezogenen Gesamtkontext ein (vgl. Watzlawick et al., 1996). Der Sinn, den wir den Äußerungen zuschreiben, ergibt sich aus dem, was (für uns) war und dem, was (aus unserer Sicht) noch kommen wird (vgl. Eickelpasch, 1994, S. 140).

Als Letztes beschäftigen wir uns in diesem Rahmen mit Reparaturprozessen von Gesprächsstörungen. Es handelt sich hier um Störungen, bei denen der Sprecher und/oder der Hörer die Äußerungen als nicht erschlossen, missverstanden oder falsch (kurz: als korrekturbedürftig) ansehen und dadurch das momentane Gespräch für einen Korrekturprozess unterbrochen wird. Typisch ist dabei, dass der Hörer nachfragt, wie etwas ,,gemeint" war, oder darauf hinweist, dass er etwas nicht ,,verstanden" hat, oder der Sprecher nachfragt, ob alles ,,verstanden" wurde, ob alles soweit ,,klar" ist, oder einer der Kommunikationspartner darauf hinweist, dass er etwas missverstanden hat. Hier muss angemerkt werden, dass der Hörer natürlich darauf verweisen kann, dass er etwas nicht verstanden hat. Nur wann das Verständnis zufriedenstellend für den weiteren Gesprächsverlauf ist, entscheidet der Sprecher6. Auch gehört hierzu, dass wir im Gespräch etwas, das gesagt wurde, korrigieren (müssen). Diese Prozesse werden als Störungen angesehen, weil sie die reibungslose Fortführung des Gesprächs unterbrechen.

Treten Störungen in der Kommunikation auf, werden Reparaturprozesse in Gang gesetzt. Die laufende Kommunikation wird unterbrochen und so lange nicht weiter geführt, bis die Kommunikationspartner wieder ein gemeinsames Verstehen unterstellen können. Die Kommunikationspartner widmen sich also vollständig der Störung (zu Störungen in der Kommunikation: Schegloff, 1987). Durch Reparaturprozesse versuchen sich Sprecher und Hörer wieder aneinander zu orientieren, damit das Gespräch reibungslos fortgeführt werden kann. Störungen können dabei im Kommunikationsverstehen vorerst unbemerkt bleiben und dann zu einem späteren Zeitpunkt revidiert werden. In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass Störungen auch unbemerkt bleiben können, aber keine weiteren Auswirkungen auf die aktuelle Kommunikationssituation haben. Dies stellt m.E. aber keine Störung dar. Vielmehr wird damit angesprochen, dass Verstehen und Missverstehen zwei Seiten einer Medaille sind und immer (unbemerkt) gleichzeitig ablaufen.

Bei den Reparaturprozessen muss danach unterschieden werden, wer die Reparatur initiiert, ob es der Sprecher selber ist (Selbstkorrektur) oder der Hörer (Fremdkorrektur). Selbstkorrekturen dominieren in der alltäglichen Kommunikation (ausführlich zu Reparaturprozessen Schegloff et al., 1977; Schegloff. 1997).

3. Die vier Seiten der Kommunikation

Wie schon in 2.4 aufgezeigt wurde, fließen in unsere Situationsdefinition sechs zu unterscheidende Komponenten mit ein. Die Situationsdefinition stellt den Rahmen für die Erwartungen an das eigene Verhalten und das Verhalten der Kommunikationspartner dar, also unsere Erwartungen hinsichtlich des angemessenen Verhaltens und der Gestaltung unserer Beziehung zu einander. Die Definitionssituation ist damit der übergeordnete Rahmen, indem Kommunikationsäußerungen interpretiert werden. Die Situationsdefinition nimmt darauf Einfluss, welche Bedeutungen wir dem Gesagten beimessen, wie wir uns in der Situation verhalten, was wir sagen, wie wir es sagen usw. Schulz von Thun (1998) hat ein Kommunikationsmodell vorgeschlagen, indem Äußerungen von vier Seiten her beleuchtet werden. Eine Äußerung (Nachricht bei Schulz von Thun) hat immer vier Seiten.

- einen Sachinhalt
- eine Selbstkundgabe (ursprünglich Selbstoffenbarung)
- eine Beziehung
- einen Appell

Der Hörer hat prinzipiell vier Bedeutungsinhalte zu überprüfen. Je nachdem auf welche Seite der Hörer besonders achtet, wird er die Äußerung unterschiedlich aufbauen. Dabei ist bei vielen Hörern eine Seite auf Kosten der anderen besonders ausgebildet (Schulz von Thun, 1998, S. 47). Hierbei ist zu beachten, dass die Kommunikation sowohl durch eine ,,Vierschnäbeligkeit" (Arnold & Siebert, 1999) (im Folgendem wird von ,,Viermündigkeit" gesprochen) als auch durch eine Vierohrigkeit gekennzeichnet ist. D.h., der Sprecher spricht immer mit vier Mündern und der Hörer hört immer mit vier Ohren.

Ursachen für Missverständnisse können für Schulz von Thun (ebd. S. 63-68) sein.

- Sprecher und Hörer stammen aus unterschiedlichen Sprachmilieus, Schichten oder Subkulturen
- Der Hörer hat ein negatives Selbstbild von sich, sodass er auch gut gemeinte und harmlose Äußerungen so auslegt, dass sie sein negatives Selbstbild bestätigen
- Der Hörer hat ein spezifisches Bild vom Sprecher, und weiß daher genau, wie der Sprecher etwas meint, da er ihn genauestens kennt
- Korrelierte Botschaften: der Hörer erschließt sich eine Äußerung in der vom Sprecher intendierten Richtung, aber interpretiert gleichzeitig auf den anderen Seiten weitere Äußerungen hinein, die er (der Hörer) mit der richtig orientierten Botschaft gekoppelt hat.
- Ein weiteres wichtiges Missverständnis liegt darin, dass wir mit vier Schnäbeln sprechen und mit vier Ohren hören, aber nur auf eine Seite in der Kommunikation achten. Dieses komplexe Wechselspiel von Viermündigkeit und Vierohrigkeit verweist uns auch wieder auf die Schwierigkeiten beim Verstehen.

Bei der Bedeutungszuschreibung, welche die Kommunikationsteilnehmer während der Kommunikation vornehmen, beziehe ich mich auf das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun. Dabei werden einige Aspekte modifiziert und ergänzt, sodass sie mit den Grundannahmen in Einklang stehen. Meine Blickrichtung wird sich stärker auf die äußeren Handlungen (siehe 2.2), also auf das wahrnehmbare Erschließen richten, denn auf innere Handlungen. Hier wird aus konstruktivistischer Sicht die These vertreten, dass die Bedeutung der viermündigen Äußerungen vom Hörer nicht vollkommen nachvollzogen oder wirklich (hundertprozentig) verstanden werden kann. Bspw. sind die Selbstkundgaben anderer immer spezifische Selbstkundgaben für uns.

Aber auch Schulz von Thun thematisiert die Bedeutungszuschreibungen der Äußerungen und schlussfolgert, dass der Hörer (Empfänger bei Schulz von Thun) bei der Bedeutungsverleihung zum größten Teil auf sich alleine gestellt ist (ebd. S. 61).

Dieses Modell soll für alltägliche Kommunikation nutzbar gemacht werden und richtet sich danach aus. Da in der alltäglichen Kommunikation unhinterfragte, d.h. nicht aufeinander abgestimmte, Bedeutungszuschreibungen und implizit unterstellte Motive dominieren, werden vor allem die Aspekte im Modell von Schulz von Thun modifiziert, die einerseits in der alltäglichen Kommunikation entweder zu unnötigen Psychologisierungen führen oder nicht- abgestimmte Bedeutungszuschreibungen noch verstärken könnten und die andererseits zu einem unproblematisch interpretierten Verstehensprozess führen. Im Modell von Schulz von Thun kann dies vor allem auch dadurch hervorgerufen werden, indem sich auf die Wissenschaftlichkeit der eigenen Annahmen berufen werden kann. Für einige Therapie- und Beratungsrichtungen ist eine derartige Perspektive, wie sie hier vertreten wird, u.U. zu eng und einseitig gefasst. Das Modell lässt die Kommunikation im Kontext von Therapie und Beratung daher unberücksichtigt. Dies erscheint mir legitim, da Nicht-Psychologen auch nicht unter dem Gewand eines selbstreklamierten professionellen Beraters auftreten sollten. Diese Abgrenzung beruht auf dem Aspekt der Ordnungsmedien, wie er in 2.5 definiert wurde.

Wir müssen uns bewusst werden, dass die vier Seiten der Kommunikation immer für jeden Kommunikationspartner einzeln zu betrachten sind (Vierohrigkeit und Vierschnäbeligkeit). Mit Schulz von Thun erscheint es mir ebenfalls wichtig, dass wir uns stärker bewusst machen, auf welche Anteile der Äußerungen wir hören und reagieren. Erschwerend für eine persönliche Analyse ist, dass wir in der alltäglichen Kommunikation einem starken Handlungs- und Entscheidungsdruck ausgesetzt sind. Daher können wir einerseits selten in der gegebenen Situation über unsere Reaktionen auf Äußerungen reflektieren andererseits hinterfragen wir auch selten, ob wir uns im Sinne des Sprechers orientiert haben. Wir unterstellen also, dass der Sprecher, die und die Motive gehabt hat, da sie uns wahrscheinlich vorkommen, aber keine anderen, dass der Sprecher in Wirklichkeit dies und jenes gemeint hat, aber nichts anderes usw. Wenn wir keine intersubjektive Annäherung anstreben, dann unterschieben wir dem Sprecher letztendlich unsere Wirklichkeitskonstruktion als die (einzig) richtige und handeln danach. Da Nicht-Psychologen sehr schnell dazu neigen, Aussagen über Dinge an sich zu machen, die für alle Menschen Allgemeingültigkeit besitzen, werde ich stärker als Schulz von Thun die subjektabhängige Kommunikation betonen und das Augenmerk auf äußere Handlungen legen. Wenn wir Motive u.ä. unterstellen, sollten wir dies erst einmal als ,,Schuss ins Dunkel mit einer Schrotflinte" betrachten und eine intersubjektive Annäherung anstreben. Darauf wird in 4. näher eingegangen.

Im Folgendem wird nicht von der jeweiligen Seite der Kommunikation gesprochen, sondern von der jeweiligen Seite in der Kommunikation. In die Kommunikationssituation, d.h. in unsere Definition der Situation, fließt immer der gesamte Kontext mit ein. Wenn sich nur auf die kommunikativen Aspekte beschränkt werden würde, würde der weitere Kontext (entsprechend der, in dieser Arbeit gegebenen, Definition von Kommunikation) ausgeklammert werden. Daher wird von der Sach-, Selbstdarstellungs-, Beziehungs- und Persuasionsseite in der Kommunikation gesprochen, um damit anzuzeigen, dass Kommunikation von äußeren Bedingungen und nonverbalen Verhalten stets beeinflusst wird.

3.1 Die Sachseite in der Kommunikation

Die Sachseite dürfte die Seite in der Kommunikation sein, welche von vielen Menschen als die einzige Dimension und Funktion einer Äußerung angesehen wird. Die Sachseite bezieht sich auf den Inhalt einer Äußerung. Eine Äußerung enthält aber nicht eine bestimmte allgemeine Information oder Nachricht, sondern sie enthält eine spezifische Information für jemanden, da eine Äußerung, wie in 2.2 ausgeführt, erst innerhalb unserer individuellen Wirklichkeit zur Information konstruiert wird. Wir können in der Kommunikation eine intersubjektive Annäherung erreichen, sodass eine relative Übereinstimmung, aber keine vollkommene, von uns unterstellt werden kann. Wie wir uns an den Äußerungen orientieren, wird in starkem Maße von unserer gemeinsamen Situationsdefinition bestimmt und dementsprechend wirken alle anderen Seiten auf die Sachseite ein.

Auf der Sachseite spielt die Verständlichkeit der Äußerungen und des Geschriebenen die Hauptrolle. Schulz von Thun unterscheidet vier ,,Verständlichmacher": Einfachheit, Gliederung -Ordnung, Kürze - Prägnanz und zusätzliche Stimulanz (ebd. S. 141). Da die Bedeutung von Wörtern nur innerhalb der individuellen Wirklichkeit ausgelegt werden kann, können die ,,Verständlichmacher" zur Einschränkung und Orientierung der Bedeutungskonstruktion bei dem jeweiligen Hörer dienen.

Bei der Einfachheit wird meistens, so auch bei Schulz von Thun, das Prinzip der größtmöglichen Einfachheit vertreten. Das Prinzip der Einfachheit kann dabei schnell zur Trivialisierung von Sachverhalten führen.

Weiterhin ist zu beachten, dass in die alltägliche Kommunikation, mit z.B. Freunden, unterschiedliche Aspekte und Rollen von uns in die Kommunikation mit hinein spielen können, sodass wir ständig abwägen müssen, wie wir uns ausdrücken sollen, um den Kommunikationspartner in eine von uns intendierte Richtung zu orientieren (Einschränkungen der Einfachheit entstehen durch Imponiertechniken; siehe 3.2.1).

Gliederung und Ordnung betrifft den Aufbau von Reden und Texten (ebd. S. 144). Die Gliederung betrifft die äußerliche Übersicht bei Texten und das Vorgehen bei Reden. Bei Texten gehören dazu, Überschriften, Absätze, Hervorhebungen usw. Bei Reden gehören dazu bspw. eine kurze Übersicht über Thematik und Reihenfolge.

Ordnung bezieht sich auf die innere Folgerichtigkeit, d.h. alles sollte logisch aufeinander aufbauen, Querverbindungen sollten angezeigt werden, Gedankensprünge vermieden werden usw.

Kürze - Prägnanz bezieht sich auf eine Vielzahl von Anregungen zur Informationskonstruktion mit möglichst wenig Worten, sodass man sich auf das Wesentliche beschränkt. Auch bei diesem Verständlichmacher muss darauf geachtet werden, ob bei aller Kürze und Prägnanz, noch die Feinheiten, die einem wichtig erscheinen, enthalten sind. Kürze - Prägnanz kann schnell zu unangemessenen Verdichtungen von Sachverhalten und damit zur Unterkomplexität eines Sachverhaltes (starke Verkürzungen, einfache Wirkungszusammenhänge usw.) führen. Dies kann zu nicht-intendierten Orientierungen des Hörers an dem Sprecher führen.

Zusätzliche Stimulanzstrategien sind z.B. visuelle Darstellungen, Beispiele zu Sachverhalten aus den vermuteten Alltagswelten der Hörer und bildhafte sprachliche Darstellungen. Visuelle Darstellungen haben eine behaltensfördernde Wirkung. Die Vorteile der visuellen Darstellung können durch gezielte Farbgestaltungen und andere Kontrastierungen, wie z.B. der Helligkeit der Figuren, noch verstärkt werden. Durch visuelle Darstellungen mit entsprechenden Kontrastierungen kann die Aufmerksamkeit der Hörer/Leser auf das Wesentliche gelenkt werden und so schneller wahrgenommen werden. Visuelle Darstellungen bieten dann Vorteile, wenn sie komplementär zum Text wirken, d.h. wenn sie erlauben Informationen aufzubauen, die ohne sie nicht generiert werden könnten (Schmidt, 1996, S. 160). Durch visuelle Darstellungen können mentale Modelle der Hörer aktiviert werden und/oder Elemente der mentalen Modelle nach ihrer Wichtigkeit oder Unwichtigkeit betont werden. Weiterhin können sie als Anlass zur Generierung neuer mentaler Modelle genutzt werden oder als komplette mentale Modelle gesetzt werden (ebd., S. 160).

Einfache Beispiele aus den Alltagswelten des Adressatenkreises können eine Thematik leichter verständlich machen. Beispiele können aber auch zu manipulativen Zwecken eingesetzt werden, um zu zeigen, dass ein bestimmter Sachverhalt so und nicht anders ist, um zum sofortigen Handeln aufzurufen usw. Beispiele können einen hohen emotionalen Aspekt beinhalten, der die Hörer/Leser zu einer bestimmten, vom Sprecher/Schreiber intendierten, Orientierung anspornen soll.

Bildhafte sprachliche Darstellungen fördern, ähnlich wie visuelle Darstellungen, Informationskonstruktionen und damit Behaltensfunktionen. Dazu gehört auch, dass Metaphern, Analogien, Slogans von Menschen besser erinnert werden können.

3.2 Die Selbstdarstellungsseite in der Kommunikation

Schulz von Thun nennt diesen Aspekt die Selbstkundgabe-/Selbstoffenbarungsseite der Kommunikation. Schulz von Thun (1998, S. 99) schreibt: ,,Jede Nachricht enthält (auch) eine Selbstoffenbarungsseite [...] Diese Selbstoffenbarung kann mehr oder weniger bewußt, mehr oder weniger reichhaltig und tiefgreifend und mehr oder weniger getarnt und versteckt sein - aber sie kann nicht nicht sein". Dem ist zuzustimmen, auch wenn diese Aussage für dieses Modell eigentlich trivial ist. Da wir keine beobachterunabhängigen, für alle Menschen gültigen, Aussagen machen können, ist alles was wir sagen, immer und überall an uns gebunden (beobachterabhängig). Wenn wir etwas sagen, zeigen wir immer an, wie wir Objekte, in Abhängigkeit von der Situation und unserer Erfahrung, klassifizieren und bewerten, und über welche Sachverhalte wir etwas wissen und über welche nicht.

Probleme dieser Seite sind (ebd., S. 56-57):

- Durch unsere Diagnose der Kommunikationspartner können wir uns von jeder Betroffenheit distanzieren und damit selber immunisieren.
- Kritik wird nur als Selbstkundgabe des anderen gehört und somit lässt sich eine Stellungnahme zu der vorgebrachten Kritik verhindern.

Gerade diese Seite kann in der alltäglichen Kommunikation zu einer Vielzahl von Missverständnissen führen. Wir sind uns oft sicher, dass wir genau wissen, wie der andere etwas gemeint hat, besonders dann wenn wir ihn/sie gut kennen. Wir nehmen häufig an, dass der andere ,,in Wirklichkeit" etwas ganz anderes meint, wir suchen nach Motiven für sein Verhalten, vor allem wenn wir es negativ bewerten. Von daher ist die Selbstkundgabeseite sehr vorsichtig zu gebrauchen. Wichtig ist, dass wir uns immer wieder bewusst machen, dass wir Äußerungen auf allen vier Seiten interpretieren, mit Dominanz auf einer bestimmten Seite, auch wenn wir uns dem nicht bewusst sind. Wir sollten also in der Kommunikationssituation, soweit dies möglich ist, darauf achten, ob wir vielleicht gerade auf die, von uns, unterstellte Selbstkundgabe des Kommunikationspartners reagiert haben. Wenn wir der Meinung sind, dass wir dies getan haben und dies für den weiteren Verlauf eine Rolle spielt, sollten wir überprüfen, ob unsere Selbstkundgabezuschreibung vom Partner verworfen oder akzeptiert wird. Möglichkeiten, sich in der Kommunikationssituation, bezogen auf die Selbstkundgabe, aneinander zu orientieren, bieten sich z.B. durch Metakommunikation, Rückmeldungen und kontrollierten Dialog (siehe 4). Wann diese Formen des Kommunizierens angewendet werden, muss in der Situation entschieden werden.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass häufig eine Selbstklärung fehlt, sodass man sich selber überhaupt keine Gedanken über mögliche Selbstkundgaben gemacht hat. Hier ist zu bedenken, dass wir ein psychologisches Kommunikationsmodell in alltäglichen Kommunikationssituationen anwenden. Die Betroffenen müssen aber nicht (und werden meistens nicht) in den Dimensionen des Modells denken. Wir unterstellen nur, dass sie es tun, weil Kommunikation immer vierseitig ist - so die Argumentation. Damit haben wir der Kommunikation eine bestimmte Bedeutung zugeschrieben, nämlich dass sie vierseitig ist, und unterschieben dieses Kommunikationsmodell unseren Gesprächspartner als das Richtige(re).

Diese Seite wird aus folgendem Grund Selbstdarstellungsseite genannt:

Selbstkundgaben/Selbstoffenbarungen können vom Hörer leicht in die Äußerungen interpretiert werden, werden aber dann im Alltag nicht weiter aneinander orientiert, da dem Hörer ,,klar" ist, was der Sprecher ,,wirklich" meint.

Da dieses Modell aber gerade das unhinterfragte Motivverstehen und Bedeutungsunterschiebungen ohne intersubjektive Angleichung problematisieren will und nicht zusätzlich Nicht-Psychologen zu weiteren ,,wissenschaftlich abgesicherten" Deutungen verleiten will, werden die beobachtbaren äußeren Handlungen in den Vordergrund gestellt. Wie wir in 2.5 angenommen haben, versuchen wir Situationen gemeinsam zu definieren. Dabei gehen unsere Selbstdarstellungen entschieden in die Definition mit ein und wirken sich wiederum auf die Kommunikation aus.

Bei den Selbstdarstellungen werden Imponiertechniken, Diskursstrategien, Darstellungstechniken und Schutzmaßnahmen der anderen unterschieden.

3.2.1 Imponiertechniken

Imponiertechniken sollen das Besondere des jeweiligen Menschen hervorheben. Sie sollen verbal anzeigen wer und was man ist. Einige bekannte Beispiele werden im folgendem aufgezählt.

Beim Name Dropping wird die eigene Person relativ eng mit Prestigeobjekten (Menschen, Konsumartikel usw.) in Verbindung gebracht. Z.B.: Ich habe etwas im Spiegel gelesen; schon bei Dostojewski steht; gestern hat der Bürgermeister zu mir gesagt; Prof. XY war der gleichen Meinung wie ich usw.

Ein bekanntes Beispiel ist die schwer verst ä ndliche Sprache. Hier soll gezeigt werden, was man alles weiß, und wie klug/intelligent man dementsprechend ist. Ein Verständnis beim Kommunikationspartner wird primär nicht angestrebt.

Eine andere Technik ist, dem anderen hochwertige Personalmeldungen auf dem Kanal der Beil ä ufigkeit zu vermitteln (ebd., S. 107). Hier wird im Gespräch ganz beiläufig und scheinbar unbeabsichtigt etwas angedeutet, was den anderen beeindrucken soll. Schulz von Thun gibt ein schönes Beispiel (ebd., S. 107): ,,Auf den Intelligenzquotienten kann man nicht viel geben. Meiner liegt angeblich bei 131, aber ich stelle mich oft ziemlich dämlich an". Eine weitere Technik ist die Suche nach dem Heimspielvorteil (ebd., S. 108). Menschen versuchen Themen auf Gebiete zu lenken, in denen sie sich auskennen.

3.2.2 Diskursstrategien

Diskursstrategien werden mehr oder weniger absichtlich eingesetzt, um in der Kommunikation (1) Recht zu behalten (2) sich gegen Kritik zu immunisieren oder sie unmöglich zu machen oder (3) den Kommunikationspartner zu verunglimpfen. Die Magie der gro ß en Zahl dient dazu, das Gesagte abzusichern. Nicht nur ich alleine bin dieser Meinung, sondern unzählige andere auch. Manchmal werden sogar konkrete Zahlen angegeben. Dem Wissen wird dadurch eine besondere Glaubwürdigkeit zugeschrieben, da sich z.B. einige wenige Menschen täuschen können, aber eine Vielzahl von Menschen kann nicht so Unrecht haben. Dies kann bis zur vollständigen quantitativen Übersteigerung führen, also von ,,viele" zu ,,alle", d.h. ich habe nicht einige Bücher von James Joyce gelesen, sondern ich habe sie (selbstverständlich) alle gelesen.

Eine weitere Diskursstrategie ist das Behaupten typischer Beispiele. Der Sprecher gibt explizit an oder will dies implizit so verstanden haben, dass seine Beispiele typisch für den jeweiligen Sachverhalt sind. Die selektive Auswahl von Beispielen wird dabei unter den Tisch fallen gelassen.

Durch das Erfinden bzw. um ä ndern von Beweisquellen soll das Gesagte als gültig abgesichert werden. Um unsere Äußerungen abzusichern, können wir - häufig in Verbindung mit Name dropping - auf angebliche Quellen verweisen, die unseren Äußerungen Glaubhaftigkeit verleihen sollen. Habe ich meine Informationen aus einer Fernsehserie, kann ich behaupten, sie aus einer Dokumentation, aus dem Spiegel usw. zu haben. Die Glaubwürdigkeit einer Mitteilung ändert sich, je nachdem, ob ich sie aus einer Akte X - Folge, aus dem ,,Spiegel" oder aus einer Fachzeitschrift habe. Der Kontext, aus dem man sich eine Information aufgebaut hat, beschränkt, regelt und steuert die zugeschriebene Bedeutung, Wirkung und Glaubwürdigkeit.

Eine wichtige Diskursstrategie ist das Moralisieren. Dabei wird die eigene Integrität und die Integrität derjenigen, die einen ähnlichen Standpunkt vertreten, hervorgehoben, während Menschen mit anderen Ansichten sanktioniert werden. Dabei findet sich immer eine starke Dichotomisierung und Emotionalisierung, hier die Guten, dort die Bösen, entweder unsere richtige/gute Meinung oder die andere schlechte/falsche Meinung. Wer gegen die Todesstrafe ist (in den USA), ist ein Sympathisant von Kindermördern, Vergewaltigern, Massenmördern usw. Ein schönes Beispiel hierzu findet sich in dem Buch von Elizabeth Loftus ,,Die therapierte Erinnerung". Die Psychologin Loftus bezweifelt auf Grund ihrer Forschungsergebnisse die These, der nach Jahren, wieder entdeckten Erinnerung bei z.B. Vergewaltigungsopfern, Kindesmissbrauchsopfern usw. Hier findet sich eine Vielzahl von Beispielen ihrer Gegner zum Thema Moralisieren.

Das Herumspringen von einem Punkt zum anderen kann dazu dienen, dass der Kommunikationspartner der Argumentation nicht mehr folgen kann. Bei einem bevorstehenden ,,Sieg" des Kommunikationspartners kann schnell auf ein anderes Thema gesprungen werden, sodass die mögliche ,,Niederlage" nicht offenkundig wird und man bei seiner Meinung bleiben kann. Diese Strategie kann auch von vornherein eingesetzt werden. Dabei wird bei keinem Thema verweilt, auf die Äußerungen des gegenüber wenig oder gar nicht eingegangen, da man selber schon beim nächsten Thema ist (vgl. Hayakawa, 1990). Irgendwann kann keiner mehr folgen.

Die Vagheit der Sprache kann ausgenutzt werden. Dadurch können wir uns die Argumentation, je nach Verlauf des Gesprächs, zu recht biegen. Hierzu gehören Anspielungen, Doppeldeutigkeiten, bewusste Auslassungen usw. Wir können damit immer im Nachhinein sagen, dass wir etwas genauso gemeint haben.

Bei der Erweiterung der Behauptung des anderen wird die gegebene Äußerung des anderen in einem weiteren Sinne genommen, als vom Sprecher beabsichtigt war, um sie dann leicht widerlegen zu können.

Bei der Konsequenzmacherei fügt man ,, [...] zum Satze des Gegners, oft sogar nur stillschweigend, einen zweiten hinzu, welcher, durch Subjekt oder Prädikat, jenem verwandt ist: aus diesen zwei Prämissen nun zieht man eine unwahre, meistens gehässige Konklusion, die man dem Gegner zur Last legt" (Schopenhauer (ohne Angabe), nach Ungeheuer, 1983c, S. 40).

Mit dem Argumentum ad hominem wird der Charakter, die Reputation oder die Motivation des Kommunikationspartners angegriffen, anstatt auf seine Äußerungen einzugehen. Durch die Diskreditierung des Kommunikationspartners sollen auch seine Äußerungen diskreditiert werden, d.h. als fehlerhaft, falsch, dumm usw. abgetan werden.

3.2.3 Darstellungstechniken

Darstellungstechniken beziehen sich auf die Gesamtsituation, in der die Kommunikation abläuft. Der Sprecher will den Kommunikationspartnern ein bestimmtes ganzheitliches Bild von sich verbal und nonverbal vermitteln, wobei er zugleich versucht, negative Aspekte zu kaschieren. Mit Darstellungstechniken im Alltag hat sich der Soziologe Goffman (z.B. 1986, 1997) ausgiebig beschäftigt. In diesem Unterkapitel orientiere ich mich an Goffman's (1997, S. 19-72) Klassiker ,,Wir alle spielen Theater".

3.2.3.1 Das Besondere an der Rolle hervorheben

Hierbei wird die spezielle Leistung in der Rolle hervorgehoben und die Einzigartigkeit/Individualität, die durch die (Gesamt-) Person in die Rolle eingebracht wird. Dabei bezieht sich der Rollenbegriff, wie er in dieser Arbeit verwendet wird, auf die soziologische Rollentheorie. In der Rollentheorie wird davon ausgegangen, dass jede soziale Position mit einer bestimmten Rolle verbunden ist. Soziale Rollen bezeichnen Bündel von normativen Erwartungen. Bei Rollen geht es um ,, [...] gewisse Verhaltensweisen, die man von dem Träger dieser Position erwartet [...]" (Dahrendorf, 1958, S. 143). Wir bauen Rollen in der Sozialisation aktiv auf. Rollen leiten dabei unser Handeln und lenken es in eine bestimmte, von der Gesellschaft intendierten, Richtung. In dieser Arbeit kann nicht näher auf die Rollentheorie eingegangen werden. Zur Rollentheorie wird verwiesen auf Dahrendorf (1967), Parsons (1964), Merton (1973), Linton (1973), Dreitzel (1972), kritisch Plessner (1974), einführend Abels (1999), für die Sozialpsychologie Sader (1969). Bei dem Rollenbegriff ist darauf zu achten, dass eine undifferenzierte Verwendung zu irreführenden und oberflächlichen Beschreibungen führt. Daher sollte der Begriff der Rolle nur dann verwendet werden, wenn er in dem jeweiligen Kontext mit spezifischen Normen und Pflichten verbunden werden kann.

Das Besondere an der Rolle wird durch Dramatisieren, Idealisieren, Rollendistanz und Mystifikation hervorgehoben.

3.2.3.1.1 Dramatisieren

Beim Dramatisieren werden (1) bestimmte Handlungen, denen auf Grund ihrer Normalität für die Rolle, keine Aufmerksamkeit geschenkt werden, hervorgehoben und/oder (2) bestimmte Ereignisse oder Eigenschaften, die dem Sprecher wichtig sind, übertrieben. Die Leistungen, die erbracht werden, sollen also dem Kommunikationspartner sichtbar gemacht werden. Das Selbstverständliche und Gewöhnliche wird genauso thematisiert, wie das, für den Kommunikationspartner, nicht sichtbare. Für den Sprecher bedeutet dies, seine routinisierten Tätigkeiten und Leistungen, zu problematisieren, damit beim Hörer der Eindruck erweckt wird, es handelt sich gerade nicht um Routine, sondern um einen spezifischen, nicht alltäglichen und damit besonderen Fall.

Bestimmte Ereignisse über die sich Menschen z.B. gefreut oder geärgert haben, können übertrieben dargestellt werden, um dem Hörer das Ausmaß der Bedeutung, die der Sprecher dem Ereignis zuschreibt, kenntlich zu machen. Als Diskursstrategie wird dabei z.B. die Magie der großen Zahl angewendet.

3.2.3.1.2 Idealisieren

Kommunikationspartner können eine Tendenz aufweisen, Normen und Werte, die mit ihrer Rolle verbunden sind, und dementsprechend von ihnen erwartet werden, in besonders starken Maße wiederzuspiegeln. Sie werden also die, in der Situation (vermuteten), erwünschten und erwarteten Normen an die Rolle in übertriebener Weise anwenden. Hierzu dienen vor allem spezifische Statussymbole, z.B. Kleidung. Idealisierungen finden sich z.B. in der Arbeitswelt in vielfältigen Formen. Menschen auf unteren Hierarchieebenen, Anfänger usw. benötigen erst einmal Legitimation, sie müssen beweisen, dass sie dazu gehören. Menschen die sozial aufsteigen, wollen ihren neuen Status anzeigen und festigen. Dabei wird der ehemalige Status mehr und mehr kaschiert. Dies geschieht auch durch Aneignung neuer Statussymbole, wie z.B. das neue Auto. Eine weitere Idealisierung findet sich darin, dass wir niemals allen Erwartungen entsprechen können, aber genau diesen Eindruck erwecken wollen, d.h. wir tun so als ob wir zu jedem Zeitpunkt allen Erwartungen an die Rolle gerecht werden. Dies nennt Goffman (1998) ,,phantom normalcy". Zur Idealisierung gehört auch, dass wir dem Kommunikationspartner vermitteln, dass er etwas Besonderes für uns darstellt und somit nicht austauschbar ist, also nicht nur einer von vielen ist.

Andererseits bedeutet dies aber auch, dass Handlungen, die nicht mit der Rolle in Einklang gebracht werden können, unterlassen oder verborgen werden müssen (Goffman, 1997, S. 40- 46). Beispielweise muss die Unfehlbarkeit gewahrt bleiben, also Irrtümer und Fehler müssen kaschiert bzw. verborgen werden. Alle Anzeichen von ,,Vetternwirtschaft", von halbillegalen und illegalen Handlungen müssen genauso wie sich widersprechende Handlungen verborgen werden. Ein Medienkritiker, der öffentlich lautstark die Verdummung der Gesellschaft durch Trash-TV propagiert, sollte nicht dabei ertappt werden, wie er sich, mit größtem Vergnügen, Talkshows, wie Arabella, oder Reality-Soaps, wie Big Brother, anschaut.

3.2.3.1.3 Rollendistanz

Rollendistanz bedeutet, dass der Mensch sich aktiv mit seiner Rolle auseinander setzt und diese individuell gestaltet und dabei auch, in der momentanen Rolle, auf andere Rollen zurückgreift. Rollendistanz bewahrt uns dementsprechend davor uns ganz dem Schicksal einer Rolle zu ergeben, also uns ganz und gar in eine Rolle zu fügen. Der Mensch kann also die anonyme Rollenvorgabe nach eigenen Maßstäben mitgestalten und die Rolle individualisieren. Die Rolle bekommt einen persönlichen Stil. Der Mensch bringt seine individuelle lebensgeschichtliche Biografie in die Rolle mit ein und grenzt sich damit von anderen Menschen ab, welche die gleiche Rolle annehmen. Damit demonstrieren wir, dass unsere individuelle Persönlichkeit nicht mit der Rolle gleichgesetzt werden kann. Dabei darf Rollendistanz nicht mit der totalen Ablehnung der Rolle verwechselt werden. Nur das vollkommene Befolgen der Rollenvorgabe wird angefochten. Rollendistanz kann von Menschen erst erwartet werden, wenn sie sich in den Rollen etabliert haben. Wenn sich eine neue Rolle angeeignet wird, muss sich erst mit den Erwartungen und Normen auseinander gesetzt werden, müssen die Grenzen der Rolle ausgelotet werden und muss gelernt werden wie weit die Rolle mitgestaltet werden kann. Rollendistanz kann somit als routinisiertes Umgehen mit der Rolle angesehen werden.

In diesem Zusammenhang ist noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir Rollen aktiv aufbauen und ihnen in unserer Wirklichkeit eine bestimmte Bedeutung zuschreiben, von der wir ausgehen, dass sie denen der anderen vergleichbar ist. Rollendistanz meint aber nicht nur das subjektive aufbauen der Rolle und die damit verbundene Bedeutungszuschreibung, sondern das aktive (um-) gestalten unserer aufgebauten Rolle innerhalb, der von uns, festgestellten Grenzen, mit Bezugnahme auf andere Rollen aus unserem Rollenset (Gesamtheit aller Rollen).

3.2.3.1.4 Mystifikation

Bei der Mystifikation versuchen wir unsere Person mit etwas geheimnisvollen zu umgeben. Dies geschieht dadurch, dass wir uns, für unsere Kommunikationspartner, Geheimnisse zulegen, die wir geschickt durch Andeutungen in die Kommunikation einfließen lassen. Das Geheimnis, das hinter dem Geheimnis steckt, ist oft nur die Tatsache, dass es kein Geheimnis gibt. Wir müssen die anderen aber davon abhalten, dies zu bemerken (Goffman, 1997, S. 65). Eine andere Möglichkeit der Mystifikation besteht darin, den sozialen Kontakt einzuschränken, sich rar zu machen.

3.2.3.2 Fassadentechniken

Zur Fassade eines Menschen gehören das Umfeld (die äußere Fassade), die persönliche und die soziale Fassade. Um Techniken handelt es sich, weil alle drei Fassaden immer aktiv gestaltet werden und daher auch zu Manipulationszwecken eingesetzt werden können. In der Kommunikation erwarten wir eine gewisse Übereinstimmung dieser drei Fassaden.

Die äußere Fassade kann bis zu einem gewissen Maß mitgestaltet werden. In der ökologischen Psychologie unterscheidet man zwischen primären Territorium (z.B. Wohnung), sekundären Territorium (z.B. Fitnessstudio) und öffentlichen Territorium (z.B. ein Park). Die Möglichkeiten der Mitgestaltung sinken vom primären Territorium (hohe Mitgestaltungsmöglichkeiten) bis zum öffentlichen Territorium (niedrige Mitgestaltungsmöglichkeiten).

Wir haben dabei, zu mindestens in unserer Nicht-Arbeitszeit, die Möglichkeit mitzubestimmen, wo wir uns treffen wollen, wohin wir gehen wollen usw.

Die Wohnung (im primären Territorium) hat eine entscheidende Funktion. Die Wohnung wird als Informationsquelle (d.h. zur Informationskonstruktion) über den/die Bewohner genutzt. Gäste orientieren sich an der Wohnung und bauen aus ihr Information auf, mit wem sie denken, es zu tun zu haben. Deswegen ist es wichtig, dass die eigene Wohnung im Einklang mit dem jeweiligen Bild steht, dass man vor anderen darstellen will. Wenn jemand uns immer wieder erzählt, wie viel Geld er hat, wie gut es ihm geht, was er sich alles leisten kann, wo er schon überall war, dürfte es erklärungsbedürftig werden, wenn er in einem kleinen heruntergekommenen Kämmerchen mit Gemeinschaftstoilette auf dem Gang wohnt. In diesem Fall wird der jeweilige Mensch aber bemüht sein, dass niemand seine Wohnung sieht. Das eigene Territorium kann sich auch direkt auf die Kommunikationssituation auswirken. Forschungsarbeiten haben Hinweise gegeben, dass ein Gastgeber seine Gäste in ihren Meinungen beeinflussen kann, auch wenn sie in der Überzahl sind und der Gastgeber über keine Überzeugungskraft verfügt (Taylor & Lanni, 1981). Auch Conroy & Sundstrom (1977) sprechen von einem Heimvorteil des Gastgebers.

Zur persönlichen Fassade gehört die äußere Erscheinung (siehe 2.4.5) die Körperstellung (2.4.3) und die Art zu sprechen.

Zur sozialen Fassade gehören die Erwartungen, die an bestimmte Rollen gestellt werden.

3.2.3.3 Ausdruckskontrolle

In der Kommunikation werden auch kleine Hinweise gedeutet und als wichtig interpretiert. Dabei achten die Kommunikationspartner nicht nur auf die verbalen Äußerungen, sondern auch auf nonverbales Verhalten und auf die äußere Fassade. Unter 2.3 wurde festgehalten, dass das Nonverbale subverbal als Perturbation auf uns einwirken kann und dass bei Widersprüchen zwischen verbaler Kommunikation und nonverbalen Verhalten dem Nonverbalen geglaubt wird. Daher müssen die Kommunizierenden alles vermeiden, was ihre Darstellung gefährden könnte und dafür sorgen, dass alle Hörer sich in der Weise orientieren, wie sie es haben wollen. Goffman (1997, S. 48-54) nennt drei Missgeschicke, welche die Darstellung gefährden könnten.

1. Dem Kommunizierenden passiert ein Missgeschick; er stolpert, rülpst, lässt Wind ab usw.
2. Der Kommunizierende engagiert sich zu stark oder zu wenig. Wer über Umweltkatastrophen nur mit zitternder Stimme und unter Tränen sprechen kann zerstört seine Darstellung genauso wie jemand der darüber in gleicher Weise wie über das Wetter spricht.
3. Die Darstellung findet innerhalb einer falschen äußeren Fassade statt oder die Darstellung funktioniert nicht.

Wenn eine Darstellung misslungen ist, haben wir ausreichend Möglichkeiten, unsere Darstellung vor uns und vor den anderen im Nachhinein zu retten. Bekannte Methoden sind, Rechtfertigungen, Entschuldigungen, das Überspielen des Ereignisses, die Uminterpretation der Situation, das Herunterspielen der Bedeutung des Ereignisses, Schuldzuweisungen an andere, das Einnehmen der Opferrolle usw.

3.2.3.4 Täuschungen

Täuschung bedeutet, jemand gibt etwas vor, was er nicht ist und spielt eine Rolle, die ihm nicht zusteht (Goffman, 1997, S. 55).

Täuschungen können gut gemeint oder schädigend sein. Sie können selbstgeschaffen oder fremdgeschaffen sein und sie können geplant sein oder spontan in der Situation entstehen. Selbstgeschaffene unwahre Darstellungen sind z.B. Illusionen und Halluzinationen7. Gut gemeinte Täuschungen sind z.B. scherzhafte Täuschungen, Täuschungen für Ausbildungszwecke und die Überraschungsparty (Goffman, 1980). Bekannte Beispiele für schädigende Täuschungen sind die Intrige und die Verschwörung.

Bei Täuschungen steht für den Darsteller nicht die Frage der Wahrheit oder Falschheit im Vordergrund, sondern primär die Frage, ob seine Darstellung funktioniert oder nicht, ob er mit seiner Darstellung bei den anderen durchkommt.

Er muss dafür sorgen, dass keine Widersprüche auftreten und dass seine Darstellung reibungslos fortgesetzt werden kann.

Die Gefahr bei Täuschungen ist, dass sie bei ihrer Aufdeckung zu unzulässigen Generalisierungen führen (Halo-Effekte). Das Sprichwort ,,Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht" gibt das Problem unzulässiger Generalisierungen sehr schön wieder.

Täuschungen können sich auch auf den Darsteller auswirken. Wenn er etwas verbergen will, kann sich die Angst vor der Entdeckung durch die ganze Kommunikationssituation ziehen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung äußerst gering ist.

3.2.4 Schutzmaßnahmen der Kommunikationspartner

In diesem Punkt wird die Perspektive vom Darsteller auf die Kommunikationspartner verschoben, die ebenfalls dafür Sorge tragen, damit die Darstellungen funktionieren. Dabei ist zu beachten, dass jeder Kommunizierende sowohl Darsteller als auch Kommunikationspartner zugleich ist.

Die folgenden Angaben beziehen sich auf eine Art Idealsituation. Jeder wird (wahrscheinlich) schon Situationen erlebt haben, in denen unsere Kommunikationspartner (absichtlich oder unabsichtlich) genau das Gegenteil von den unten angegebenen Aspekten gemacht haben.

Der Kommunikationspartner unterlässt Handlungen, die den Sprecher bloßstellen könnten, indem er Fehler und inkonsistente Äußerungen des Sprechers übergeht (,,let it pass"). Unvollständige Äußerungen des Sprechers werden vervollständigt (vgl. Eickelpasch, 1994).

In 2.6 wurde festgehalten, dass Selbstkorrekturen häufiger vorkommen als Fremdkorrekturen. Fremdkorrekturen werden vermieden. Wenn sie gegeben werden, treten sie verzögert auf, um dem Sprecher die Möglichkeit zu geben, sich zu korrigieren. Dabei werden Fremdkorrekturen meistens durch kommentierende Bemerkungen eingeleitet, indirekt und in abgeschwächter Form gegeben und es werden häufig Erklärungen dazu abgegeben (vgl. Bergmann, 1988, S. 34-35 zu dis-präferierten Handlungen).

Wir berücksichtigen bei unseren Äußerungen gegenüber dem anderen die Dinge, die uns selber unangenehm wären. Wenn uns jemand zu einer Feier einlädt, wir aber keine Lust haben, dann suchen wir nach Ausreden, entschuldigen uns, rechtfertigen uns, vermeiden den Kontakt mit dem anderen und sagen nicht einfach ,,ich habe keine Lust".

Auch gesellschaftliche Konventionen, wie Takt und Höflichkeit, gehören zu den Schutzmaßnahmen der Kommunikationspartner. Wir klopfen an, bevor wir eintreten; wenn wir zu einem Gespräch dazu kommen, ohne dass man uns bemerkt, hüsteln wir kurz oder machen uns anders bemerkbar usw.

3.3. Die Beziehungsseite in der Kommunikation

Auf der Beziehungsseite zeigen sich die Kommunikationspartner an, wie sie zueinander stehen und was sie beide von sich halten. Dies erschließen sich die Kommunikationspartner aus dem Tonfall, aus der Form der Formulierungen usw. (Schulz von Thun, 1998, S. 156). Für diese Seite sind die Hörer besonders empfindlich, weil sie sich hier auf eine bestimmte Art und Weise von dem Sprecher behandelt fühlen (ebd., S. 156). Der Hörer interpretiert auf dieser Seite zwei Aspekte der Äußerungen, einmal wie sieht der Sprecher die Beziehung zum Hörer (Wir-Botschaft) und was hält der Sprecher vom Hörer (Du-Botschaft).

Die Beziehungen zueinander können dabei komplementär oder symmetrisch sein (vgl. Watzlawick, 1996, Schulz von Thun, 1998). Zusätzlich können noch metakomplementäre und pseudosymmetrische Beziehungen unterschieden werden. In dieser Arbeit wird dies nicht getan, da wir uns an den beobachtbaren, äußeren Handlungen orientieren wollen. Uns interessieren nicht die Motive der Kommunikationspartner, also warum sie sich auf eine bestimmte Art verhalten. Daher unterscheiden wir nur komplementäre und symmetrische Beziehungen.

Komplementäre Beziehungen basieren auf Unterschiedlichkeiten, die sich gegenseitig ergänzen. Klassische Beispiele, in denen Komplementarität sofort deutlich wird, sind LehrerSchüler-, Arzt-Patient- Verhältnisse.

Symmetrische Beziehungen basieren auf Gleichheit des Verhaltens. Unterschiedlichkeiten der Kommunikationspartner werden vermindert (Watzlawick, 1996, S. 69).

In einer symmetrischen Beziehungsdefinition werden die Kommunikationspartner als gleichgestellt wahrgenommen, d.h. alle können Vorschläge machen, können sich kritisieren usw. In wie weit die Kommunikation aber dann symmetrisch verläuft, ist darüber noch nicht gesagt. Symmetrie bedeutet also wahrgenommene Gleichheit, aber nicht gleichverteilte oder gleichgestellte Kommunikation. Die Gleichverteilung der Äußerungen, die Dominanz eines Partners, die Möglichkeiten zur Kritik hängen entscheidend von der Themenwahl ab. Falls man die Beziehungen anderer interpretiert, sollte man sich diesen Unterschied immer bewusst machen. Wir können aus einer Kommunikation voreilig schließen, dass es sich um eine komplementäre Beziehung handelt, obwohl sich die Partner als symmetrisch definieren. Hier haben wir unser Augenmerk bspw. nur auf die Menschen gelenkt, nicht aber auf das Thema. Weitere Unterschiede zwischen Fremdinterpretation und Eigeninterpretation der Kommunikationspartner können durch die Vernachlässigung des Kontextes entstehen, der momentanen emotionalen Befindlichkeit in der Kommunikation usw.

Auch kann die Beziehungsdefinition zwischen den Partnern abweichen. Ein Partner definiert die Beziehung als generell symmetrisch, der andere als komplementär. Dabei sollte nicht vorschnell geurteilt werden, dass die Beziehung ,,in Wirklichkeit" komplementär ist. Dies berücksichtigt nur eine Wirklichkeitsbeschreibung, nicht aber die andere. Eine Beziehungsdefinition setzt sich immer aus allen Sichtweisen (Wirklichkeitsbeschreibungen) zusammen. Eine Beziehung besteht zwischen Menschen und nicht lediglich innerhalb eines einzelnen Menschen (vgl. Bateson, 1982).

Störungen in symmetrischen und komplementären Beziehungsdefinitionen können durch eine symmetrische Eskalation, eine starre Komplementarität (Watzlawick, 1996, S. 103-104) oder eine komplementäre Eskalation (Thomann, 1998, S. 210) entstehen. Eine symmetrische Eskalation läuft nach dem Motto ,,Was immer du kannst, kann ich viel besser" ab. Starre Komplementarität ist dann gegeben, wenn die Selbstdefinitionen dadurch aufrecht gehalten werden, indem der Partner die betreffende komplementäre Rolle einnimmt. Eine komplementäre Eskalation zeigt sich beispielsweise dadurch, dass ein Kommunikationspartner immer ruhiger wird, während der andere immer aufgeregter wird.

Auf der Beziehungsseite tauschen die Kommunikationspartner die Definition ihrer Beziehungen zueinander aus und damit auch implizit eine Definition ihrer selbst. Genauer: Die Kommunikationspartner regen sich zur Konstruktion ihrer Beziehungsdefinitionen und ihrer Selbstdefinitionen an. Auf die Beziehungsbotschaften können wir auf drei Arten reagieren.

1. Wir können sie akzeptieren
2. Wir können sie verwerfen, also ablehnen
3. Wie können sie ignorieren (entwerten), d.h. wir verweigern dem Sprecher eine Reaktion, wir tun so, als ob wir ihn nicht gehört hätten. Wir behandeln den anderen so, als ob er Luft für uns ist.

Schulz von Thun unterscheidet noch ,,Durchgehen lassen". Dies kann für den ,,internen Beobachter", also für einen selber, stimmen, aber der andere, als externer Beobachter, kann nicht unterscheiden, ob seine Beziehungsbotschaft akzeptiert wurde oder ob sie nur durchgegangen ist. Daher wird dieser Aspekt nicht weiter berücksichtigt.

Auf dieser Seite in der Kommunikation lassen sich eine Vielzahl von Beispielen finden, wie sich die Beziehungsdefinitionen auf die Kommunikation auswirken. Aus Platzgründen kann hier nicht näher darauf eingegangen werden.

Es soll nur kurz darauf eingegangen werden, dass sich z.B. langjährige Partnerschaften sehr stark auf die jeweiligen Deutungen der Partner auswirken. Dies wird vor allem im klinischen Bereich herausgearbeitet, lässt sich aber auch stets im nicht-klinischen Bereich finden. Häufig werden die Äußerungen und Handlungen des Partners nicht mehr differenziert wahrgenommen, sondern sofort einer bestimmten Kategorie zugeordnet. Die Deutungen verfestigen sich und werden resistent gegen Veränderungen. Der Partner reagiert weniger (oder gar nicht) darauf, was gesagt wurde, sondern was er gehört hat und welche Bedeutungen er dem Gehörten von vornherein zuschreibt. Konstruktivistisch ließe sich hier sagen, dass wir nur das hören, was wir hören, und nicht das, was gesagt wurde. Es wird dem Partner die eigene Wirklichkeitsbeschreibung, d.h. die eigene Deutung, als ontisch real untergeschoben und damit auf die spezifisch eigenen vorab festgelegten Deutungen reagiert. Letztendlich wirkt sich dies natürlich wieder auf die Äußerungen und Handlungen des Partners aus, was dann letztendlich zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen kann. Hier wäre in der eigenen Beziehung einmal darauf zu achten, wann und in welchen Gelegenheiten man selber das Gefühl hat, dass der Partner mehr auf seine eigenen vorab festgelegten Bedeutungen reagiert oder wann man selber auf seine eigenen vorab festgelegten Deutungen reagiert. Dies dürfte vor allem in ,,reibungslosen" Zeiten interessant sein, da wir dann natürlich keinen Grund haben darauf zu achten. ,,Es läuft eben alles ganz gut".

Meistens sind uns diese Prozesse aber nicht oder nur wenig bewusst, sie sind also für uns kognitiv nicht fassbar, und laufen daher stets unbemerkt mit. Erst bei Unstimmigkeiten, einem Streit usw. können uns u.U. die eigenen (Fehl-) Deutungen und die unseres Partners bewusst werden.

Weiterhin berücksichtigt die Beziehungsseite vor allem den Aspekt, dass bspw. Identität, Selbstbild und Anspruchsniveau immer sozial ausgehandelt werden8. Sie entstehen in der Dialektik von Individuum und Gesellschaft (Berger & Luckmann, 1998, S. 185). Ausführlich dazu: Berger & Luckmann (1998); Mead (1998); Glasersfeld (1997; 1998a), Krappmann (1973); Cooley (1922).

3.3.1 Soziale Wahrnehmung

Auf der Beziehungsseite wird ausgedrückt, was die Kommunikationspartner von einander halten (Schulz von Thun, 1998, S. 175). Das Verhalten dem anderen gegenüber hängt folglich davon ab, wie man ihn wahrnimmt und beurteilt/bewertet.

Wahrnehmung ist dabei eine Eigenleistung des jeweiligen Menschen, wobei nicht überprüft werden kann, ob dies einer ontischen Realität entspricht. Wahrnehmung ist somit stets Konstruktion und nicht einfach Repräsentation.

Schulz von Thun beschränkt sich auf drei Aspekte - davon zwei psychoanalytische - der Wahrnehmung. Er beschreibt die Projektion, die Übertragung und den unrepräsentativen Kontakt (ebd., S. 176-178). Diese drei Aspekte werden der komplexen Forschungsliteratur zur sozialen Wahrnehmung nicht gerecht. Da die soziale Wahrnehmung entscheidend für die Definitionen auf der Beziehungsseite sind, werden hier mehrere Aspekte der sozialen Wahrnehmung thematisiert. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die soziale Wahrnehmung die gesamte Situationsdefinition (2.5) bestimmt. Es wird sich nur vereinfachend auf den Beziehungsaspekt in der Kommunikation bezogen.

Aus Platzgründen kann und soll nur ein grober Überblick über die unterschiedlichen Aspekte, die bei unserer Wahrnehmung eine Rolle spielen können, gegeben werden. Die unterschiedlichen Mechanismen der sozialen Wahrnehmung werden folglich nur kursorisch dargestellt.

Der fundamentale Attributionsfehler (auch correspondence bias oder overattribution effect): Der fundamentale Attributionsfehler bezieht sich darauf, dass dispositionelle Faktoren überschätzt werden und/oder situative Ursachen unterschätzt werden (Ross, 1977). Es entsteht also die Tendenz, dem Menschen zu viel Kontrolle in der Situation zuzuschreiben und dabei äußere Zwänge zu vernachlässigen. Dabei werden zusätzlich Selbstwertdienliche Attributionen vorgenommen. Das eigene negative Verhalten wird eher durch die Situation bestimmt, das negative Verhalten der anderen eher von der Person abhängig gemacht. Ich gähne im Theater, weil das Stück langweilig ist, die Schauspieler schlecht sind und die Interpretation des Stückes weit entfernt von der des Autors ist usw. Ein anderer gähnt, weil er ein typischer Kulturbanause ist. Bei positiv bewerteten Verhalten ist es genau umgekehrt. Das eigene positive Verhalten wird über dispositionelle Eigenschaften erklärt, das positive Verhalten der anderen wird versucht, über die Situation erklärbar zu machen.

Halo-Effekt: Hierbei handelt es sich um einen Ausstrahlungseffekt. Spezielle Eigenschaften können sich auf die ganze Person auswirken, z.B. kann eine bestimmte Kategorisierung sich auf die Person auswirken, Vorerfahrungen mit Personen, die wir als ähnlich wahrnehmen, strahlen auf die Bewertung neuer Bekanntschaften aus usw.

Tendenzen beim Beurteilen von Menschen sind z.B.:

- _ Strenge- und Mildefehler: die Beurteilung eines Menschen ist, im Verhältnis zu anderen, strenger oder milder
- _ Primacy Effect: wir achten auf den ersten Eindruck, und berücksichtigen weitere Eindrücke wenig oder gar nicht.
- _ Recency Effect: Wir berücksichtigen stärker den letzten Eindruck, und vernachlässigen die früheren Eindrücke (Neuheitseffekt).
- Einzelmerkmale eines Menschen führen zu einem integrierten Gesamteindruck. Zentrale Eigenschaften können unseren Gesamteindruck prägen (Asch, 1946).

Menschen werden unterschiedlich wahrgenommen, sobald sie negativ oder positiv bewertet wurden. Dies kann sich wiederum verstärkend auf die einmal vorgenommene Beziehungsdefinition auswirken. Wenn wir Menschen mögen, tendieren wir dazu, sie in einem günstigeren Licht zu sehen und die weiteren Beurteilungen in Richtung der sozialen Erwünschtheit vorzunehmen.

Hingegen werden negativ bewertete Menschen differenzierter wahrgenommen. Negatives Verhalten erscheint einem besonders erklärungsbedürftig (Bierhoff, 1980). Dadurch denken Menschen intensiver über das Verhalten der negativ bewerteten anderen nach, d.h. wir denken mehr über negatives Verhalten als über positives nach. Zusätzlich rufen negative Bewertungen mehr Attributionen hervor als positive (Peeters & Czapinski, 1990). Soziales Grübeln über die anderen bewirkt wiederum eine Zunahme des Vertrauens in die eigene Urteilssicherheit (Kramer, 1994).

Von den Heuristiken ist in unserem Zusammenhang die Repr ä sentativit ä tsheuristik interessant. Die Einordnung eines Objektes in eine bestimmte Klasse hängt von der Ähnlichkeit ab, die Menschen zwischen Objekt und Klasse wahrnehmen. Durch diese Heuristik können Stereotypisierungen gefördert werden. Es können sich Halo-Effekte ergeben, wenn z.B. Menschen von dem Verhalten Einzelner in übertriebener Weise auf das Verhalten der dazugehörenden Gruppe (Klasse) schließen.

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist die sich selbst erf ü llende Prophezeiung. In die Erwartungen der Menschen fließen die Verhaltensweisen mit ein, die sie bei den anderen als typisch erachten. Diese lenken die Kommunikation nach der Vorstellung, welches die Menschen von ihren Kommunikationspartnern haben. Dadurch kann reziprokes Verhalten ausgelöst werden, d.h. durch unser eigenes Handeln wird genau das Verhalten hervorgerufen, das wir erwartet haben (ausführlich Watzlawick, 1999).

Bei unserer Wahrnehmung wird der Kontext miteinbezogen, d.h. das jeweilige Setting wirkt sich auf die Beurteilung von Menschen aus. Mit unterschiedlichen Settings verbinden Menschen verschiedene Erwartungen. Diese können Menschen für bestimmte Schlüsselreize empfindlich machen. Die erwarteten Schlüsselreize können dabei bewusst gesucht werden. Das Set kann also bewirken, dass das Verhalten in Einklang mit dem Set interpretiert wird, dass bestimmte Dinge nicht wahrgenommen werden (selektive Aufmerksamkeit) und andererseits Dinge wahrgenommen werden, die intersubjektiv nicht da sind. Das Set wirkt sich aber auch auf die Verhaltensweisen der Menschen aus (vgl. Argyle, 1975).

Unsere soziale Wahrnehmung wird dabei immer durch unsere Gruppen- und Systemzugehörigkeit und den gesellschaftlichen Kontext mitbestimmt. Beispiele auf der Gruppenebene sind z.B. die Theorie der Reizklassifikation (Tajfel, 1982), der Outgroup- Homogenitätseffekt (Simon, 1990) und der Ingroup bias.

Die Theorie der Reizklassifikation besagt, dass Unterschiede zwischen den Gruppen als größer wahrgenommen werden, als sie tatsächlich sind (Inter-Klassen Effekt) und Unterschiede in der eigenen Gruppe als kleiner wahrgenommen werden als sie tatsächlich9 sind (Intra-Klassen Effekt).

Der Outgroup-Homogenitätseffekt bedeutet, dass die Fremdgruppe insgesamt als sehr homogen wahrgenommen wird.

Der ingroup bias drückt aus, dass die eigene Gruppe (ingroup) generell positiv bewertet wird. Der gesellschaftliche Kontext stellt Interpretationsmuster bereit, die unsere Beurteilung der Objekte mitbestimmen können, z.B. was ein ,,typischer" Jurist, ein ,,typischer" Psychologe ist usw.

Die Systemzugehörigkeit wirkt sich auf die Wahrnehmung von Ereignissen aus und auf die Kommunikation darüber. Welche Aspekte z.B. bei ökologischen Risiken beachtet und angesprochen werden und wie darüber kommuniziert wird, hängt davon ab, ob es innerhalb des Politiksystems, des Wirtschaftssystems, des Wissenschaftssystems usw. diskutiert wird.

3.4 Die Persuasionsseite in der Kommunikation

Die Kommunikation dient zur Einflussnahme auf den Hörer (Schulz von Thun, 1998, S. 209). Kommunikation ist dann gegenseitige Handlungsbeeinflussung. Bei Persuasion wird immer zusätzlich zum Kommunikationsziel ein Kommunikationszweck verfolgt.

Kommunikationsziel ist dabei die gegenseitige Verständigung (siehe 2.5).

Kommunikationszwecke sind den Kommunikationszielen nachgeordnet. Es wird versucht den Hörer von der Richtigkeit der Äußerungen zu überzeugen. Da mit einer Äußerung immer der Anspruch auf Richtigkeit mitverstanden wird, ist Kommunikation immer persuasiv (Ungeheuer, 1983c, S. 10). Dies kann als persuasives Minimum bezeichnet werden. Dabei ist aber eine direkte Handlungsbeeinflussung des einen auf den anderen Kommunikationspartner eine Beobachterfiktion (Maturana, 1982), da Information nicht ausgetauscht werden kann, sondern wir uns lediglich zur Informationskonstruktion anregen können (siehe 2.2). Durch unsere Äußerungen können wir aber die begrifflichen Konstruktionen unserer Kommunikationspartner einschränken und sie in eine von uns intendierte Richtung leiten, aber wir können ihnen durch unsere Äußerungen nicht das vorschreiben, was wir sie denken machen möchten. Handlungsbeeinflussung kann nur über das Kommunikationsziel als erreicht interpretiert werden, d.h. indirekt über die äußeren Handlungen sichtbar gemacht werden.

Die Gefahr, die entsteht, wenn wir vorwiegend auf diese Seite in der Kommunikation hören und ihr Bedeutungen zuschreiben, ist der ,,Funktionalitätsverdacht" (Schulz von Thun, 1998, S. 211). In diesem Fall unterstellen wir allen Äußerungen eine heimliche und berechnende Absicht, die über das persuasive Minimum hinausgeht. Dieser Gefahr sollte man sich immer bewusst sein, da die Funktionalisierung der Persuasionsseite besonders schwer zu durchbrechen ist. Auch wenn wir unsere Bedeutungszuschreibungen, die wir auf der Persuasionsseite unterstellen, intersubjektiv abstimmen, z.B. durch nachfragen, Metakommunikation o.ä., können wir letztendlich auch dieser Abstimmung wieder eine heimliche Absicht unterstellen. Unser Nachdenken darüber, was der andere ,,wirklich im Schilde führt" kann unsere Urteilssicherheit und damit den Glauben an die Richtigkeit unserer Bedeutungszuschreibungen verstärken (siehe 3.3.1).

Um auf Menschen Einfluss auszuüben verwenden die Sprecher Appelle. Diese können verdeckt, offen oder paradox sein (ausführlich Schulz von Thun, 1998, S. 214-250). In der Kommunikationssituation überwiegen verdeckte Appelle gegenüber den offenen. Bei verdeckten Appellen bleibt die Möglichkeit bestehen den Appell notfalls zu leugnen, d.h. zu behaupten man hätte es ganz anders gemeint, als es von dem Kommunikationspartner unterstellt wird.

Der Einfluss, den der Sprecher ausüben kann, ist dabei oft sehr begrenzt. Auch, vom Sprecher, gut gemeinte Appelle können wirkungslos bleiben oder sogar zu Widerstand führen. Auch auf der Persuasionsseite müssen wir uns wieder bewusst machen, dass wir nicht einfach eine bestimmte Information von Sprecher zu Hörer transportieren können, sondern dass unsere Appelle spezifisch vom Hörer konstruiert werden, und dass diese nicht im Geringsten zu unserer Bedeutungszuschreibung passen müssen.

So können Appelle, denen eine strittige Beziehungsdefinition zugeschrieben wird, zurückgewiesen werden. Die Appelle können auch unsere Wirklichkeitsbeschreibungen stören, indem sie uns zur Informationskonstruktion auf der Sachseite anregen, die nicht mit unseren Ansichten oder unserem Verhalten übereinstimmt.

Manche Appelle bleiben erfolglos, weil sie untaugliche Mittel zur Problemlösung sowohl für einen selber als auch für andere darstellen (ebd., S. 215; 218). Sich selber den Appell zu geben, sofort mit dem Rauchen aufzuhören, berücksichtigt weder die psychischen Effekte des Tabaks, wie Stimulation, Tranquilizereffekt, Appetitzügelung, noch die psychische und körperliche Abhängigkeit. Damit dürfte dieser Appell in den meisten Fällen (nicht in allen) wirkungslos bleiben. Wenn ein Mensch Probleme hat, nutzen ihm gut gemeinte Ratschläge oder Ermahnungen von anderen meistens nichts. Im ungünstigsten Fall nützen sie nicht nur nichts, sondern können erst zur Entstehung, Manifestierung oder Verschlimmerung eines Problems beitragen (Watzlawick et al. 1997; vgl. Schulz von Thun, 1998, S. 215).

Weiterhin kann ein Appell wirkungslos bleiben, weil er eine Idee, die jemand anderes hatte, vorwegnimmt und dadurch entwertet. Durch einen derartigen Appell wird der Handlung eine neue Qualität zugeschrieben (Schulz von Thun, 1998, S. 216-217). Eine geplante Überraschung (Wohnung sauber machen, entliehene Bücher für den Partner zurückbringen u.ä.) kann dadurch entwertet werden, dass der jeweilige Partner einen darum bittet oder fragt. Ein letztes Beispiel für wirkungslose Appelle, ist die so genannte ,,Sei-spontan Paradoxie" (Watzlawick et al., 1996). ,,Diese Art von Aufforderung versetzt den Empfänger in eine unhaltbare Situation, da er, um ihr nachzukommen, spontan in einen Kontext von Gehorsam, von Befolgung, also von Nichtspontaneität, sein müsste" (ebd., S. 184). Durch den Appell wird appellgemäßes Verhalten unmöglich gemacht. Beispiele für Sei-spontan Paradoxien sind ,,Du solltest mich lieben", ,,Sei doch nicht so unterwürfig".

Weiter oben wurde darauf hingewiesen, dass verdeckte Appelle in Kommunikationssituationen häufiger vorkommen als offene. Um offene Appelle zu fördern, hebt Schulz von Thun (1998, S. 250-252) die dafür notwendigen Grundhaltungen für Sprecher und Hörer hervor. Der Sprecher soll seinen Appell offen sagen, um die Situation transparent zu machen, den anderen zu informieren, aber nicht um den Appell durchzusetzen, denn dies würde einer ,,Illusion der Alternativen" gleichkommen. Das heißt, wir würden zwar generell ein ja/nein zur Auswahl freistellen, aber da einzig ein ,, ja" erwartet und auch akzeptiert wird, stellt die Möglichkeit der Wahl zwischen ja/nein nur eine Illusion dar (Watzlawick et al., 1996; amüsant Watzlawick, 1988).

Der Hörer hingegen soll, wenn er dem Appell nachkommt, die Verantwortung für sein appellgemäßes Handeln übernehmen, und sich nicht im nachhinein darauf berufen, dass er nichts dafür könne, weil es der andere ja so gewollt habe. Im Falle einer Ablehnung des Appells sollte man sich als Haltung bewusst machen, dass man dem Appell zwar nicht nachkommt, aber man froh darüber ist, dass der Andere seinen Appell offen und deutlich angemeldet hat. In Kurzform heißt das: ,,Es ist erlaubt und erwünscht, daß der Sender seine Wünsche deutlich anmeldet - und es ist erlaubt und erwünscht, daß der Empfänger dem Appell unter Umständen nachkommt" (Schulz von Thun, 1998, S. 252).

Diese Grundhaltungen sollten aber nicht dahingehend verstanden werden, dass man jeden Appell, unter Berufung auf die Grundhaltung des Hörers, zurückweist.

Auch sollte man sich bewusst machen, dass die meisten Menschen sich nicht mit psychologischen Kommunikationsvorstellungen beschäftigen. Daher kann ein gut gemeintes Einsetzen der Grundhaltungen für Sprecher und Hörer im Alltag auf wenig Gegenliebe stoßen. Es wird eben doch erwartet, dass wir den Appellen nachkommen. Bei einer Ablehnung sind die Kommunikationspartner dann doch enttäuscht oder verärgert. Im Alltag wird sich dabei schnell auf eigene frühere Hilfeleistungen bezogen, nach dem Motto: ,,Ich habe schon so oft XY gemacht, aber wenn ich dich einmal um etwas bitte..". Und letztendlich kann die Ablehnung von offenen Appellen auch dazu führen, dass in Zukunft wieder auf verdeckte Appelle zurückgegriffen wird, weil sie einem erfolgversprechender erscheinen. Bevor offene Appelle als die bessere Appellart angesehen werden, sollte vorher die Kommunikationssituation miteinbezogen werden und dann abgewogen werden, wann welche Art von Appell am geeignetsten ist, d.h. auch hier muss jeder für sich entscheiden, wann man und bei wem man offene oder verdeckte Appelle einsetzen will. Welcher Appell letztendlich gewählt wird, muss von der jeweiligen Viabilität, Nachhaltigkeit und Vernunft (Siebert, 1999) abhängig gemacht werden. Nachhaltigkeit bezieht die individuelle Überprüfung der Zukunftsfähigkeit unseres Handelns mit ein und Vernunft schließt die Verantwortung für das Wohl aller Kommunikationspartner einerseits und das Wohl der Gemeinschaft andererseits ein, also die spezifisch-kulturell definierte Humanität, Gerechtigkeit und Sozialverträglichkeit. Viabilität ohne Vernunft und Nachhaltigkeit kann schnell zu vulgärdarwinistischen Einstellungen und Annahmen führen.

4. Pragmatische Möglichkeiten für die Kommunikation im Alltag

In 4.1 werden Hilfsregeln vorgestellt, die als Rahmen für jede Kommunikation genutzt werden können. Die Punkte 4.2 und 4.3 sollen Möglichkeiten für die Kommunikation aufzeigen, durch die wir unsere Bedeutungskonstruktionen intersubjektiv annähern können, um zu überprüfen, ob unsere Bedeutungszuschreibungen vom Sprecher akzeptiert werden. Diese Möglichkeiten sollten nicht durch die gesamte Kommunikationssituation führen, sondern nach eigenem Ermessen eingesetzt werden. In 4.4 werden Aspekte angesprochen, die sich auf unsere eigenen Äußerungen beziehen. 4.5 bezieht sich speziell auf Fragestellungen, die sich zur Verständnisklärung in der Kommunikation einsetzen lassen.

Bei allen Aspekten sollten sie darauf achten, dass sie sich nicht übermäßig stark auf diese Techniken konzentrieren, sodass sie nur mit sich selber beschäftigt sind (Ich-Befangenheit) und sich nicht mehr auf ihren Kommunikationspartner konzentrieren können.

4.1 Kommunikative Hilfsregeln

Der Ausdruck kommunikative Hilfsregeln wird dem Ausdruck Kommunikationsregeln vorgezogen. Dadurch soll zum Ausdruck gebracht werden, dass es sich um Regeln handelt, die nicht einfach schematisch, unabhängig von der Situation, eingesetzt, sondern operativ eingesetzt werden sollen. Es muss in jeder Situation entschieden werden, ob diese Hilfsregeln angewendet werden können, modifiziert werden müssen oder für die Situation nicht zutreffend sind. Bei den kommunikativen Hilfsregeln wird sich an Ruth Cohn (1975) orientiert.

1. Entscheiden sie selbst, ob sie in eine Kommunikationssituation eintreten, und wie lange sie in einer Kommunikationssituation verbleiben.

2. Verlangen sie nicht mehr vom Kommunikationspartner als sie selbst bereit sind zu geben.

3. Sprechen sie zur Sache, nicht zum Menschen.

Die Sache ist dabei das Thema des Gesprächs. Vermeiden sie - oder strenger: unterlassen sie es -, zu Eigenschaften und Charakterzügen, die sie ihrem Kommunikationspartner zuschreiben, Aussagen zu machen. Vermeiden sie also ihren Partner anzugreifen, ihn zu verletzen, ihm Vorwürfe zu machen oder ihm ein schlechtes Gewissen zu machen. Durch diese Regel soll die Unart des Arg umentum ad hominem in Kommunikationssituationen, in denen beispielsweise ein Thema stark emotionalisiert ist oder man eigentlich nichts mehr zum Thema zu sagen hat, gebannt werden.

4. Äußern sie ihre Meinungen und Interessen, und akzeptieren sie unterschiedliche Meinungen, da es eine absolute Wahrheit nicht geben kann.

Diese Hilfsregel soll die Differenzwahrnehmung von Perspektiven verdeutlichen. Durch die Erfahrung von Differenzen wird auch wieder die Beobachtungsabhängigkeit betont. Die eigene Perspektive ist niemals die einzig mögliche Perspektive. Unsere Ansichten sagen nichts darüber aus, was etwas für jemanden anderes bedeutet oder wie etwas für jemanden anderes beschaffen ist (eine Bild kann für mich schön und/oder interessant sein, für jemand anderen hässlich und/oder bedeutungslos), sondern nur, wie wir dieses bewerten, also welche Bedeutungszuschreibungen wir vornehmen. Etwas kann also gleichzeitig sowohl schön als auch hässlich, eklig oder lecker usw. sein, ohne dass dadurch ein Widerspruch entsteht, wenn wir unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen.

5. Vertreten sie sich bei ihren Meinungen und geben sie deutlich zu erkennen, dass es ihre persönlichen Meinungen sind, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben.

Sprechen sie in der Ichform, anstatt ,,man" oder ,,du" zu benutzen. Wenn sie eine Frage stellen, dann begründen sie, warum Sie diese Frage stellen und was sie für sie bedeutet. Fragen können dazu dienen, den Partner in die Enge zu treiben und/oder die eigene Meinung zu verbergen.

6. Eigene Kommunikationsfehler, die man erkennt, sollten eingestanden werden.

Diese Regel setzt voraus, dass sie auf Fehler achten und diese erkennen können. Die Konsequenz dieser Regel besteht darin, dass man erkannte Fehler, hinsichtlich der eigenen Argumentation, der eigenen Behauptungen, seiner Ansichten usw. nicht bis zur letzten Konsequenz verteidigen soll.

7. Halten Sie sich mit Interpretationen zurück. Wenn sie die Äußerungen des anderen interpretieren, überprüfen Sie diese auf ihre intersubjektive Verträglichkeit/Gültigkeit.

8. Billigen Sie ihrem Kommunikationspartner primär zu, dass alles was er sagt, sinnvoll für ihn ist. Was für mich unverständlich und nicht nachvollziehbar ist, kann für jemand anderes sinnvoll und selbstverständlich sein. Unsere Bedeutungszuschreibungen können nur auf die eigenen Relevanzstrukturen zurückgeführt werden, und sind nur innerhalb dieser als sinnvoll zu interpretieren.

In Kommunikationssituationen muss andererseits berücksichtigt werden, dass wir spezifisch auf die Situation reagieren, wir polarisieren in Gesprächen, wir sagen das Gegenteil, nur um des Gegenteil willens, wir übertreiben, fabulieren, schmücken unsere Geschichten aus (Beschönigung), äußern uns in Richtung der Erwartung unseres Kommunikationspartners und vieles mehr. Daher können uns unsere eigenen Äußerungen im Nachhinein selber nicht mehr sinnvoll vorkommen. Dennoch sollte diese Regel, um Konflikte zu vermeiden, stets mitberücksichtigt werden.

9. Sprechen Sie abwechselnd und nicht durcheinander. Hören Sie sich alle Äußerungen in Ruhe an, auch wenn Sie am liebsten sofort widersprechen würden. Äußern Sie sich erst, wenn ihr Partner fertig gesprochen hat. Diese Regel wird durch ,,Vielredner", die einen nicht zu Wort kommen lassen (wollen), praktisch unmöglich gemacht.

10. Sprechen Sie, in Kommunikationssituationen mit mehr als einem Kommunikationspartner, direkt.

Wenn sie jemanden in der Gruppe etwas sagen wollen, dann sprechen Sie ihn direkt an und zeigen Sie ihm, dass sie ihn meinen. Sprechen Sie nicht über einen Dritten zu einem anderen und beziehen Sie sich nicht auf die Gruppe insgesamt, wenn Sie eigentlich einen bestimmten Menschen meinen (Schwäbisch & Siems, 1997, S. 268).

4.2 Metakommunikation

In der Metakommunikation soll über den aktuellen Kommunikationsprozess reflektiert werden. Durch Metakommunikation soll hauptsächlich erreicht werden, dass (1) Kommunikationsprozesse (d.h. Regeln, Normen, Störungen) transparent gemacht werden, (2) versucht wird, Störungen im aktuellen Kommunikationsverlauf zu beheben und/oder (3) Störungsmöglichkeiten, die den Verlauf eines Gesprächs beeinflussen könnten, wenn sie auftreten, vorweg angesprochen und diskutiert werden, um diese zu vermeiden (Präventionsfunktion).

Bei der Anwendung von Metakommunikation sind einige Regeln wichtig, die eingehalten werden sollten (Rechtien, 1992, S. 53).

1. Der Wechsel von der Kommunikation zur Metakommunikation sollte sich angezeigt werden.
2. Es sollte eine Zeitbegrenzung für die Metakommunikation vereinbart werden und diese dann strikt eingehalten werden. Dabei sollten nicht mehr als 10 Minuten für die Metakommunikation veranschlagt werden.
3. Es soll zur Sache geredet werden. Schuldzuweisungen sollten auf jeden Fall vermieden werden.

Eine spezielle Form der Metakommunikation sind direkte Rückmeldungen zu den Äußerungen der jeweiligen Sprecher.

Rückmeldungen sollen den Sprecher über die, von seinen Kommunikationspartnern, vorgenommenen Interpretationen seiner Äußerungen Aufschluss geben. Dabei soll der Sprecher die Rückmeldungen für sich selber nutzbar machen, etwa um neue Perspektiven/Alternativen zu berücksichtigen und zu überprüfen, unklare Formulierungen in anderen Kommunikationssituationen zu vermeiden, sich über Diskursstrategien, die man einsetzt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, bewusst zu werden usw.

Rückmeldungen werden in jeder Kommunikationssituation ständig gegeben, indem wir auf den Sprecher reagieren (siehe 2.5), indem wir nonverbales Verhalten interpretieren usw. Hier können wir von indirekten Rückmeldungen sprechen. Bei indirekten Rückmeldungen sind wir auf unsere eigenen Bedeutungszuschreibungen angewiesen ohne diese näherungsweise auf ihre Gültigkeit für den Sprecher überprüft zu haben. Die Erfahrung, die in Kommunikationstrainings gemacht wurde, hat zu einigen Regeln für direkte Rückmeldungen geführt. Dabei gelten die Regeln für Metakommunikation als übergeordneter Rahmen. Als wichtig werden folgende Regeln angesehen (nach Rechtien, 1992, S. 47-48; und Schwäbisch & Siems, 1997, S. 76-79).

1. Rückmeldungen sollten von den Kommunikationspartnern erbeten sein. In wie weit Rückmeldungen erwünscht sind und in welchen Umfang sie gegeben werden sollen, lässt sich durch präventive Metakommunikation festlegen.
2. Wenn entschieden wurde, Rückmeldungen direkt zu geben, dann sollten Rückmeldungen so gegeben werden, dass sie der andere auch hören kann. Wenn der andere zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt ist und ihnen nicht zuhört, dann geben sie eine kurze und hörbare Rückmeldung - Schwäbisch & Siems sprechen davon, den Gefühlen Luft zu machen - und erklären sie, dass eine ausführliche Rückmeldung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt.
3. Rückmeldungen sollten unmittelbar gegeben werden. Eine Rückmeldung zu einem späteren Zeitpunkt sollte auf die Ausnahme von Punkt 2 beschränkt bleiben.
4. Rückmeldungen sind nur dann sinnvoll, wenn sie jeder geben darf und kann. Diese Reversibilität ist natürlich dann gefährdet, wenn zwar offiziell jeder Rückmeldungen geben kann und auch soll, aber aus bestimmten Gründen, wie z.B. unterschiedliche Statuspositionen, diese Möglichkeit nicht wahrgenommen wird. Ob dem eigenen Vorgesetzten, auch nach ausdrücklichem Wunsch, negative Rückmeldungen gegeben werden, ist fraglich. Und ob dies immer sinnvoll ist, ist genauso fraglich.
5. Bei Rückmeldungen sollte lediglich etwas (der Kommunikationsprozess, die Störung usw.) beschrieben werden, nicht aber der Kommunikationspartner bewertet oder analysiert werden (s.o. zur Metakommunikation).
6. Rückmeldungen sollten konkret gegeben werden und nicht in verallgemeinerter Form. Hier bieten sich einige Regeln der Themenzentrierten Interaktion an. Anstatt von ,,man", ,,du" ,,wir" usw. kann in der Ichform gesprochen werden, anstatt Fragen zu stellen, sollte die eigene Verständnisinterpretation wiedergegeben werden. Man sollte sich speziell auf die (eine) angesprochene Sache beziehen und danach wieder zur eigentlichen Kommunikationssituation zurückkehren.
7. Rückmeldungen sollten sich auf etwas beziehen, was sich in der Kommunikationssituation verändern lässt. Es ändert sich nichts, wenn man jemanden bittet, sein stottern zu unterlassen.
8. Bei Rückmeldungen sollten nicht nur negative Aspekte angesprochen werden, sondern auch positive Aspekte des Kommunikationsverlaufs (beispielsweise die Klarheit der Formulierungen beim Sprecher) hervorgehoben werden.
9. Rückmeldungen sollten nicht dazu benutzt werden, sich selber in ein günstiges Licht zu rücken oder andere anzugreifen und zu verletzen.
10. Den Rückmeldungen sollte erst einmal in Ruhe zugehört werden. Versuchen sie nicht, sich sofort zu rechtfertigen oder etwas sofort klarzustellen.

4.3 Kontrollierter Dialog und passiv aufmerksames Zuhören

In diesem Punkt werden zwei gruppendynamische Interventionsmethoden zusammengelegt, sodass sie jederzeit im Alltag eingesetzt werden können. Die Interventionstechniken werden einzeln vorgestellt, um Unterschiede kenntlich zu machen. Dieser Punkt könnte auch als aktives Zuhören bezeichnet werden (dazu: Rogers, 1977; Tausch & Tausch, 1979).

Im kontrollierten Dialog überprüfen die Partner immer wieder, ob sie sich verständlich gemacht haben, indem sie die vorhergehenden Aussagen ihres Kommunikationspartners sinngemäß, aber nicht wörtlich, (also paraphrasierend) wiederholen und danach um Bestätigung dafür bitten, ob ihre Äußerung den Gemeinten des Sprechers genügt (Rechtien, 1992, S. 55). Es wird also überprüft, ob der Inhalt sinngemäß wieder gegeben wird oder ob etwas verändert, hinzugefügt oder ausgelassen wurde. Erst danach wird fortgefahren. Dadurch kann präzises Zuhören und genaues ausdrücken geübt werden (Rechtien, 1988). Der kontrollierte Dialog in dieser Form bietet sich für Übungszwecke sehr schön an. Zur Durchführung eines kontrollierten Dialogs siehe Rechtien (1992, S. 55-56). In der Alltagssituation kann der kontrollierte Dialog genutzt werden, indem er an geeigneter Stelle eingesetzt wird. Wir können z.B. nach Abschluss eines Themas, bei Unklarheiten u.ä. paraphrasieren und um Bestätigung oder Korrektur des Gesagten bitten. Paraphrasieren sollte stattfinden, wenn wir der Ansicht sind, dass Verstehen in dieser Situation besonders wichtig ist. So können wir unsere _edeutungskonstruktionen immer wieder überprüfen, modifizieren oder revidieren. In das Paraphrasieren sollten keine Wertungen, Stellungnahmen, Schlussfolgerungen oder Appelle (man müsste doch...; sie könnten jetzt...) hineinfließen. Das kontrollierte Nachfragen sollte in einer Kommunikationssituation geschehen, in der wir dem Partner ständig anzeigen, dass wir ihm zuhören (passives aufmerksames Zuhören). Das können wir erreichen, indem wir durch eine dem Sprecher zugewandte Körperhaltung Interesse anzeigen, indem wir durch unsere Mimik und Gestik dem Kommunikationspartner Zustimmung oder Zweifel anzeigen und indem wir die Äußerungen des Partners paralinguistisch begleiten Diese beiden Formen sollten sich dabei ständig gegenseitig ergänzen.

4.4 Kongruentes Kommunizieren

Unter Kongruenz wird von Rogers (1997; 1977) die Übereinstimmung des inneren Erlebens (der inneren Handlung) und den Äußerungen in der Kommunikationssituation verstanden. Kongruentes Kommunizieren bedeutet dann, in einer ersten allgemeinen Definition, nur das zu sagen, was man in der momentanen Situation, als echt/wahr erlebt, d.h. was übereinstimmt mit dem, was man innerlich fühlt und denkt. Dabei ist das Erleben der Echtheit situationsabhängig und sollte auch nur auf die Situation bezogen werden. Wir reagieren auf den Partner, auf den gesamten Kommunikationsprozess. Ich kann während der Kommunikation als echt empfinden, dass XY unzuverlässig, hinterhältig usw. ist, und 10 Minuten später kann (natürlich muss dies nicht so sein) ich bei einem anderen Kommunikationspartner hervorheben, dass derselbe XY zuverlässig, witzig, nett usw. ist. Hier reagiere ich auf den Kommunikationsprozess, auf die Ansichten, die mein Kommunikationspartner mir aufzeigt und auf die Aspekte auf die er mich lenkt. Wir beschränken uns in der Kommunikation auf bestimmte Aspekte und reagieren spezifisch darauf. Dass dies häufig als inkonsequent angesehen wird, hängt wiederum mit unzulässigen Generalisierungen zusammen, in denen ein Mensch über alle Situationen hinweg als gleich und autonom gedacht wird. Wir beziehen uns in der Kommunikation auf den gesamten Menschen, meinen aber bestimmte Aspekte oder Rollen des Menschen, und dies auch wieder abhängig von der Kommunikationssituation, von unserer emotionalen Befindlichkeit usw. So können wir jemanden hinterhältig und arrogant finden und zugleich liebevoll und fürsorglich. Einmal haben wir uns vielleicht auf seine Berufsrolle bezogen, das andere Mal auf seine Rolle als Familienvater.

Zwei Einschränkungen sind in Bezug auf kongruentes Kommunizieren zu machen. Der erste Aspekt bezieht sich auf die selektive Authentizität (Kroeger, 1995), d.h.: was ich sage, soll echt sein aber nicht alles, was echt ist, will ich sagen.

Der zweite Aspekt bezieht sich auf das Prinzip der Stimmigkeit (Schulz, von Thun, 1998).

Stimmigkeit bedeutet in dieser Arbeit, dass Äußerungen in Übereinstimmung mit der gesamten Situation gegeben werden sollen. In bestimmten Situationen kann es beispielsweise hinderlich, verletzend oder schädlich sein, für einen selber oder für andere, die Wahrheit zu sagen. In solchen Fällen muss also die Gesamtsituation berücksichtigt werden, und u.U. anstatt der Wahrheit zu sagen, unwahre Aussagen vorgezogen werden. Hierbei können zwei Möglichkeiten unterschieden werden. Die Unwahrheit zu sagen ist stimmig und entspricht dem inneren Erleben und ist somit echt. Die Unwahrheit zu sagen, entspricht nicht dem inneren Erleben, ist u.U. sogar dem inneren Erleben entgegengesetzt, aber stimmt mit der Gesamtsituation überein. Im ersten Fall können wir von echter Stimmigkeit sprechen, im zweiten Fall von reiner Stimmigkeit. Stimmigkeit bedeutet nicht, dass wir zu unserem eigenen Besten lügen und intrigieren, und uns dabei auf das Prinzip der reinen Stimmigkeit beziehen. Es bedeutet lediglich, dass in Bezug auf die Gesamtsituation, und dass heißt in Bezug auf alle Kommunikationspartner und auch in Bezug auf gesellschaftliche Normen und Regeln, entschieden werden muss, welche Äußerungen und Handlungen den geringsten Schaden nach sich ziehen. Als grobe Faustregel kann Cohn's (1994, S. 86) drittes Postulat dienen:

,, Verantworte Dein Tun und Dein Lassen - pers ö nlich und gesellschaftlich". Auch hier gilt wieder die Überprüfung auf Viabilität, Nachhaltigkeit und Vernunft.

Durch das Prinzip der Stimmigkeit soll das ,,Ich sage nur wie es wirklich ist"-Prinzip unterbunden werden. Echtheit und Offenheit soll eben nicht damit gleichgesetzt werden, dass man andere bloßstellt, auf den Gefühlen anderer ,,herumtrampelt" oder andere verletzt, mit der Begründung, man sage nur, wie es wirklich ist.

Kongruent Kommunizieren wir dann, wenn unsere Äußerungen, die wir offen geben wollen, und die u.U. echt sind, von uns, in Bezug auf die Gesamtsituation, immer als stimmig interpretiert werden. Stimmigkeit muss immer gegeben sein, während Echtheit gegeben sein kann aber nicht muss. Stimmigkeit bildet den Rahmen für unsere Äußerungen. Ob man echtes Erleben, das man offen geben will, dann tatsächlich sagen soll, hängt davon ab, ob die Äußerung auch im Situationskontext stimmig ist. Anders ausgedrückt: ist eine Äußerung echt, aber nicht stimmig, sollte sie nicht gegeben werden.

Trifft dies nicht zu, dann sind unsere Äußerungen nicht kongruent. Eine weitere Abgrenzung erfolgt dabei zu den Annahmen von Schulz von Thun (1998, S. 118) zur Inkongruenz 2. Ordnung. Um Inkongruenz 2. Ordnung handelt es sich, wenn die Äußerungen nicht mit dem inneren Erleben übereinstimmen, dies aber dem Sprecher nicht bewusst ist. Hier ist sich nochmals bewusst zu machen, dass dieses Kommunikationsmodell beraterischen oder therapeutischen Vorstellungen nicht genügt und dies auch nicht will. Für beraterische und therapeutische Zwecke kann die Feststellung der Inkongruenz 2. Ordnung eine zweckmäßige Annahme sein. Für den Alltag bedeutet es aber eine unzulässige Bedeutungszuschreibung, und damit eine unzulässige und unbedingt zu vermeidende Psychologisierung der Kommunikationspartner. Wenn man sich selber nicht bewusst ist, dass man sich inkongruent verhält, handelt es sich für den Betreffenden auch nicht um Inkongruenz. Inkongruenz 2. Ordnung wird ihm dann nur von außen, in Anlehnung an psychologische ,,Erkenntnisse", als richtige Wirklichkeitsinterpretation untergeschoben. Dies dürfte, auch wenn es gut gemeint war, eher für Konfliktpotenzial sorgen.

4.5 Mögliche Fragestellungen für den Verstehensprozess

Durch die Fragen, die in diesem Punkt vorgestellt werden, sollen vor allem die Äußerungen des Kommunikationspartners für uns spezifiziert werden und Ungenauigkeiten (für uns) geklärt werden. Dabei ist daran zu denken, dass wir keine Information austauschen können. Die Spezifizierung des Verstehens dient auf Seiten des Hörers dazu, sich selbst zu einer höheren Informationskonstruktion anzuregen. Auch hier gilt, dass die Fragen gestellt werden sollen, wenn wir der Ansicht sind, dass Verstehen für uns in dieser Situation besonders wichtig ist oder wir der Ansicht sind, dass wir uns nicht im Sinne des Sprechers orientieren. Wenn sie sich entscheiden, bestimmte Aspekte nachzufragen, dann müssen sie sich immer bewusst machen, dass auch der Kommunikationspartner auf unterschiedliche Aspekte des Gesagten hört, also mit vier Ohren hört, und darauf reagiert. Daher sollte sich immer gefragt werden, welche Fragen in der Situation, z.B. in Bezug auf die Beziehung zum anderen und/oder in Bezug auf die eigene und die fremde emotionale Verfassung usw., auf welche Art und Weise (Tonfall, Gestik usw.) gestellt werden können oder sollten.

Die Beispiele, die gegeben werden, beziehen sich auf einzelne Sätze. In Kommunikationssituationen werden Äußerungen im Verlauf des Gesprächs häufig von alleine konkretisiert. Daher sollten Fragen nicht dauernd gestellt werden, sondern möglichst nur dann, wenn wir dem Sprecher nicht mehr folgen können, wir ein sofortiges Verständnis für besonders wichtig erachten oder wir nur noch in Gedanken damit beschäftigt sind das Gesagte zu verstehen, anstatt uns auf die Situation zu konzentrieren. Die Fragen sollten sich primär auf das eigene Sinnverstehen beziehen und nicht auf die Überprüfung der eigenen Vermutungen. Bei den Fragen wird sich an Bandler & Grinder (1998, S. 83-135) orientiert. Es wird sich dabei nur auf Fragen von Bandler & Grinder bezogen, die bei Verständnisschwierigkeiten verwendet werden können. Diejenigen, die mir als reine (Selbst-) Klärungsfragen (für das Therapeutische System) erscheinen, wurden nicht berücksichtigt.

Die in der alltäglichen Kommunikation vorgenommenen Verallgemeinerungen können genauer erfragt werden. Verallgemeinerungen sind immer Verallgemeinerungen über die eigene individuelle Wirklichkeitskonstruktion, nicht aber über die, einzige und wahre, Welt. Oft ist die Rede von den Menschen, den Frauen/Männern, der Polizei, den Politikern usw. In der Einführung habe ich darauf hingewiesen, dass wir bei solchen Ausdrücken Indizes mitdenken sollen, um uns bewusst zu halten, dass es sich um spezifische, einzigartige Objekte handelt. Hier lässt sich bei Bedarf hinterfragen, wer oder was genau gemeint ist. Dies wären dann auch die einfachsten Fragestellungen: ,,Wer genau?" und ,,Was genau?". Zu Verallgemeinerungen gehören vor allem Universalquantoren wie ,,alle", ,,immer", ,,überall", ,,jeder" ,,niemand". Auf solche Universalquantoren kann genauer eingegangen werden, um sich verständlich zu machen, auf wen sich z.B. ,,alle" bezieht und welche spezifischen Erfahrungen unser Kommunikationspartner gemacht hat. Diese Fragen sollen ausschließlich zum genaueren Sinn-Verstehen eingesetzt werden, nicht um den Kommunikationspartner darauf hinzuweisen, dass seine Verallgemeinerungen unzulänglich sind, dass sie fehlerhaft sind, dass solche Ansichten lächerlich sind u.ä. Eine alltägliche Kommunikationssituation ist nicht dafür da, den anderen zu verunglimpfen, zu analysieren oder zu therapeutisieren. Eine weitere Möglichkeit bietet sich im hinterfragen von Auslassungen bzw. Tilgungen. Ein Mensch kann niemals sein ganzes Wissen kommunizierbar machen, er muss immer aus seinem gesamten Wissen, das für die Kommunikation benötigte, selegieren (siehe 2.2). Dadurch entsteht immer eine Tilgung in Bezug auf das gesamte Wissen des Sprechers. Um die Informationskonstruktion zu erweitern, können bestimmte Aspekte genauer nachgefragt werden, sodass neue Selektionen beim Sprecher vorgenommen werden, die seine Äußerungen für uns konkretisieren. Tilgungen können sich auf ganze Bereiche beziehen, aber auch nur auf einzelne Worte innerhalb eines Satzes. Die direkteste Vorgehensweise ist daher, das, für uns, Fehlende zu erfragen. Als Beispiel ließe sich folgender Satz anführen: ,,Kommunikation wird heutzutage unnötigerweise problematisiert". Fragen könnten lauten: ,,Von wem wird Kommunikation kompliziert", ,,Seit wann genau", ,,in Bezug auf was wird Kommunikation problematisiert".

Weitere Fragen zu Tilgungen entstehen in Verbindung mit Komparativen und Superlativen (schneller/der schnellste). Komparativ und Superlativ lassen sich für das eigene Sinnverstehen konkret nachfragen. Der Komparativ kann hinterfragt werden, indem das gesteigerte Adjektiv plus ,,Im Vergleich wozu, zu wem, als was usw." benutzt wird. Beispielsweise ,,angepasster im Vergleich zu wem (als wer)". Der Superlativ lässt sich hinterfragen, indem der Superlativ plus ,,in Bezug auf was" gesetzt wird: z.B. ,,Das schnellste in Bezug auf was".

Eine letzte Fragestellung, sollte sich vorwiegend selbst gestellt werden. Die Frage nach ,,direkter Gedankenübertragung" (Gedankenlesen). Da dies in Kommunikationssituationen ein häufig auftretendes Phänomen ist, soll es kurz angesprochen werden. Diese Frage passt streng genommen nicht zu diesem Kapitel, da sie eher eine Klärungsfrage darstellt. Daher sollte sie vorwiegend an sich selber gestellt werden. Viele Sprecher scheinen genauestens zu wissen, was andere Menschen denken und fühlen. Da wir keinen Zugang zu inneren Handlungen haben, sind solche Feststellungen unmöglich. Bei Gedankenlesen haben wir alleine für uns entschieden, wie und was die anderen denken und fühlen. Auf diese Annahmen hin, richten wir unsere Handlungen aus. Wenn wir solche Behauptungen von uns geben oder solche Behauptungen bei anderen hören, sollten wir uns selber immer wieder fragen, wann wir die Fähigkeit, Gedanken zu lesen, erworben haben und wie es möglich war, dass wir die Fähigkeit des Gedankenlesens einsetzen konnten und warum wir mit unserer Fähigkeit noch kein Geld gemacht haben. Unzulängliche Bedeutungszuschreibungen durch Gedankenlesen können uns durch diese Fragestellungen bewusst werden, sodass sich uns die Möglichkeit bietet, diese zu hinterfragen. Wenn unser Kommunikationspartner unsere Bedeutungszuschreibungen verwirft, haben wir das zu akzeptieren und unsere Handlungen nicht weiter nach unseren, durch Gedankenlesen hervorgerufenen, Wirklichkeitsbeschreibungen auszurichten.

5. Schlussfolgerungen

Ein wichtiger Schritt, der durch dieses Modell mit seinen Basisannahmen erreicht werden soll, ist, dass sich Menschen die Relativität ihrer Standpunkte bewusst machen und dementsprechend den anderen gegenüber mehr Achtung vor ihren Perspektiven entgegenbringen sollten. Das bedeutet, dass alle Wirklichkeitsbeschreibungen, die von unterschiedlichen Menschen gemacht werden, als legitim angesehen und respektiert werden müssen, auch wenn sie für einen selber nicht wünschenswert sind. Die einzige Frage, die man sich stellen kann, ist, ob die unterschiedlichen Wirklichkeitskonstruktionen mehr oder weniger viabel, vernünftig, anschlussfähig und subjektiv befriedigend sind als die eigenen. Das heißt auch, dass wir uns unsere Äußerungen bewusst machen sollten, da es sich immer um unsere eigenen Äußerungen handelt. Alles was gesagt wird, wird von einem selber gesagt. Wir sprechen also nicht für die anderen, für die ganze Gesellschaft oder die ganze Welt (man muss..., man kann doch nicht..., alle machen...), sondern nur für unsere Klassifikation und unsere Bewertung.

Hier geht es um die Thematisierung und das Bewusstmachen, dass es die Wirklichkeit und die Wahrheit nicht gibt. Aussagen über eine beobachterunabhängige Wirklichkeit entspräche einer Wahrnehmung der Welt ohne Warnehmenden und das kann es nicht geben.

Für die Kommunikationspartner ist sich unter dieser Sichtweise folgendes klar zu machen:

- Kommunikation ist höchst störanfällig
- Kommunikation ist immer kontingent. Ein Thema kann so, aber auch anders sein; wir können darüber sprechen, oder nicht - auch können wir über ein bestimmtes Thema in einer bestimmten Art und Weise sprechen, oder auf eine andere Art und Weise; wir können die Äußerungen akzeptieren oder nicht; wir können uns die Äußerungen verständlich aufbauen, oder nicht, oder wir können sie uns auch ganz anders aufbauen.
- Kommunikation ist immer viermündig und vierohrig
- Wir können uns zwar bis zu einem gewissen Grad verständlich machen, aber niemals vollkommen. Ob wir uns letztendlich tatsächlich verständlich gemacht haben oder dies nur unterstellen ist von uns nicht nachzuprüfen.
- Wir handeln, denken und sprechen den Objekten (sozialen, physischen und abstrakten) gegenüber, je nachdem, welche Bedeutung sie für uns haben.
- Bedeutungszuschreibung ist immer ein interner Prozess. Unsere Gedanken folgen nur auf unsere Gedanken und nur wir können Äußerungen, Texten usw. eine bestimmte individuelle Bedeutung zuschreiben.
- Wir sehen nicht, was wir nicht sehen und wir hören nicht, was wir nicht hören. Was uns andere nicht mitteilen, können wir auch nicht erschließen. Obwohl dies von (Ehe-) Partnern und Freunden meistens vorausgesetzt und verlangt wird. Wichtig ist auch noch, dass wir nicht nur nicht hören, was wir nicht hören, sondern dass wir auch nur das hören, was wir hören, und nicht das was andere sagen.
- Jeder Kommunikationspartner hat andere Erfahrungen gemacht und dementsprechend beobachtet und interpretiert er die Situation immer anders als man selber, auch wenn uns die Unterschiedlichkeiten nicht auffallen. Dementsprechend versteht der Hörer die Äußerungen immer zu mindestens etwas anders, als der jeweilige Sprecher.
- Wir können anderen nicht das vorschreiben, was wir sie denken machen möchten, unabhängig davon, für wie überzeugend wir uns halten.
- Es geht nicht darum, wer recht hat oder nicht. Niemand besitzt eine allgemein gültige Wahrheit, sondern unsere ,,Wahrheiten" sind immer relativ und dabei abhängig von unserer Perspektive, unseren Erfahrungen, dem kulturellen, sozialen und systemischen Konsens u.v.m10.

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[...]


1 Ein Teil dieses Punktes wurde entnommen aus Baumgärtler (1999).

2 Die Autopoiese-Theorie von Maturana und Varela ist aus (radikal-) konstruktivistischen Schriften kaum noch wegzudenken. In dieser Arbeit wird weder das Autopoiese-Konzept von Maturana und Varela noch das Autopoiese-Konzept von Luhmann weiter verfolgt.

3 Aus Genauigkeitsgründen müsste hier zwischen aktiver und passiver Negation unterschieden werden (vgl. Elster, 1999). Der Satz ,,ich glaube nicht an Gott/es gibt keinen Gott" stellt eine aktive Negation dar, während der Satz ,,ich weiß nicht, ob ich an Gott glauben soll/ ob Gott existiert" die passive Negation darstellt.

4 Erfahrungswelt (-wirklichkeit) stellt einen Oberbegriff dar. Unsere individuelle Wirklichkeit ist unsere Erfahrungswirklichkeit. Erfahrungswelt beinhaltet folglich begrenzte Sinnbereiche, intersubjektive Bereiche, Vergangenheit, Gegenwart und die Antizipation der Zukunft (Futurität). Wenn speziell von der momentanen intersubjektiv geteilten Wirklichkeit unserer Erfahrungswirklichkeit gesprochen wird, verwende ich abkürzend, den Begriff Alltagswelt bzw. -wirklichkeit. Die Begriffe Alltag und Alltagssituation hingegen werden wie im gewöhnlichen Sprachgebrauch verwendet.

5 Unter thematischen Raum bezeichnet Schmidt (1996, S. 104-105) ,, [...] in sich strukturierte und relativ kohärente Zusammenhänge spezifizierbarer [...] Themenbereiche. Beiträge zu diesen Themen müssen neben ihrer inhaltlichen Anschließbarkeit auch eine [...] erwartbare (konventionalisierte) Ausdruckstypik aufweisen, also Erwartungen an spezifische Darstellungs-, Argumentations- oder Erzählformen, an typische Metaphern und Kollektivsymbole erfüllen".

6 Natürlich kann der Hörer einfach sagen ,,ja, ja ich habe schon verstanden" oder ,,ah, ja klar" damit der Sprecher einfach weiter macht, ohne dass der Hörer dem Gespräch irgendwie folgen kann oder will.

7 Ob es sich um Wahrnehmung oder eine Illusion oder Halluzination handelt kann für den einzelnen nur in Bezug auf etwas anderes klassifiziert werden, und damit als Illusion/Halluzination zurückgewiesen oder als Wahrnehmung angenommen werden. ,,Dies kann durch eine physikalische Messung, die Erfahrung in einer anderen Sinnesmodalität, den Kommentar eines anderen Menschen oder durch Bezug auf eine Autorität geschehen" (Riegas & Vetter, 1993, S. 83).

8 Identität, Selbstbild, Anspruchsniveau dürfen dabei nicht als statisch festgelegte, kohärente und kontinuierliche Konzepte angesehen werden (ein Beispiel für Identität ist das traditionelle Identitätskonzept von Erikson, 1973), die man sich in verschiedenen Phasen aneignet und die dann als Akkumulation bestimmter innerer Besitzstände charakterisiert werden können. Vielmehr müssen sie als lebenslanger Prozess angesehen werden, die auch im gleichen Zeitintervall in verschiedenen Rollen unterschiedlich, sogar widersprechend, ausgehandelt sein können. In Bezug auf Identität ist daher weniger von Identität, als vielmehr von täglicher Identitätsarbeit zu sprechen, in der unterschiedliche Teilidentitäten immer wieder mit einander verknüpft werden müssen und zwar auf dem Hintergrund einer sich individualisierenden und pluralisierenden Gesellschaft, in der keine fertig-vorgeformten Identitätsmuster mehr bereitstehen, sondern Menschen sich ihre Identität selber zusammenbasteln müssen (Bastelbiografie, Patchworkidentity, multiple Selbste sind hierfür Schlagwörter).

9,,Tatsächlich" bezieht sich dabei auf eine Wirklichkeitsbeschreibung eines unabhängigen Beobachters.

10 Dies gilt auch für konstruktivistische Annahmen, soll nicht das Postulat der relativen Objektivität letztendlich eine absolute relative Objektivität darstellen.

74 von 74 Seiten

Details

Titel
Ein integratives Kommunikationsmodell: unter Einbeziehung des radikalen Konstruktivismus, der interpretativen Soziologie und der Konzepte von Watzlawick und Schulz von Thun
Veranstaltung
Soziale Prozesse zum Kurs Angewandte Gruppendynamik
Note
bestanden
Autor
Jahr
2000
Seiten
74
Katalognummer
V98346
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikationsmodell, Einbeziehung, Konstruktivismus, Soziologie, Konzepte, Watzlawick, Schulz, Thun, Soziale, Prozesse, Kurs, Angewandte, Gruppendynamik
Arbeit zitieren
Marcel Baumgärtler (Autor), 2000, Ein integratives Kommunikationsmodell: unter Einbeziehung des radikalen Konstruktivismus, der interpretativen Soziologie und der Konzepte von Watzlawick und Schulz von Thun, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98346

Kommentare

  • Gast am 7.6.2001

    Gelungene Synthese.

    Der Autor legt ein interessantes Modell vor, und zeigt einige "Schwächen" des Modells von Schulz von Thun auf. Gerade die m.E. wichtige Kritik an Schulz von Thun ist sehr spannend und auch notwendig. Gut gefallen mir auch die eigenen Gedankengänge zum Thema Kommunikation und Konstruktivismus, die bis jetzt so in der Literatur nicht immer behandelt wurden. Interessant für Psychologen sind auch gerade die soziologischen Theorien, die äußerst spannend sind und vollkommen vernachlässigt werden in der Psychologie. Kritisch ist aber auch anzumerken, dass das Modell ein wildes Potpourri aus allen möglichen sehr unterschiedlichen Theorien darstellt und der Autor trotz seiner sehr weiten Spannbreite und seinem interaktionellen Anspruch den Social Constructionism nicht erwähnenswert findet, durch den aber die sozial-interaktionelle Sichtweise wesentlich stärker hätte betont werden können. So hat der Autor mit den statischen Problemen des Konstruktivismus und seiner von ihm verwendeten Modelle zu kämpfen. Trotzdem aus meiner Sicht eine sehr gute und gelungene Arbeit, die gute Reflektionen zum Thema Kommunikation anbietet.

  • Gast am 22.6.2001

    Kritische Überlegung.

    Ich halte die Thesen - Massen- und Medienkommunikation wären nicht existent, da keine Interaktion stattfindet - für leicht zu kritisierende Aussagen. Man spricht doch von personeller und maschineller Interaktion über und mit Medien, von Interaktionsmedien, von kognitiven Medien, die sowohl vom Nutzer als auch vom System kontrolliert und gesteuert werden usw. Sind all diese wissenschaftlichen Überlegungen und Theorien so leicht zu ignorieren? Vielleicht muß man, um diese Kommunikationsmodelle einzuordnen und zu bewerten, die Frage klären, was Medien sind, und in welchen Formen sie als Kommunikationsmittel genutzt werden?

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