Verhalten der Thebaner während des Griechenlandfeldzuges von Xerxes I. Die Einheit der Griechen ist relativ


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 2.0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitliche Einordnung
2.1 Der Medismos der Thebaner

3. Gründe für den Verrat
3.1 Historischer Kontext als Grund für den Verrat
3.2 Politische Gründe

4. Rechtfertigung der Thebaner nach den Persekriegen

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Perserkriege sind eines der bedeutsamsten Ereignisse in der Zeit der Antike und gelten bis heute als einer der größten und verlustreichsten Kriege in der Geschichte der Menschheit. In den Berichten über die Perserkriege wird immer wieder betont, wie wichtig dabei der Zusammenhalt der griechischen Poleis gewesen ist, um der Knechtschaft der Großmacht der Perser zu entkommen.

Insbesondere Althistoriker wie beispielsweise1 Hermann Bengston haben die Notwendigkeit des Zusammenhalts der Griechen gegen die Perser immer wieder betont. Bengston schrieb: „Die große Persernot hat zum ersten Male in der griechischen Geschichte die Flamme des hellenischen Gemeinschaftsgefühl entzündet“.1 Doch war der Zusammenhalt der griechischen Staaten wirklich so entscheidend für den Sieg der Griechen bzw. gab es überhaupt eine wirkliche Einheit der griechischen Staaten?

In dieser Hausarbeit soll die These „Die Einheit der Griechen ist relativ“ während des Griechenlandfeldzuges Xerxes'I. im Jahr 479/80 v. Chr. analysiert werden. Dabei soll auf die Stadt Theben und ihr Verhalten zu dieser Zeit eingegangen werden, um die These sogar zu widerlegen und eine neue Sicht auf die Perserkriege zu schaffen. Dazu wird zuerst ein Überblick über den Verlauf der Perserkriege bzw. Des Xerxesfeldzug, sowie eine zeitliche Einordnung der Stadt Theben geschaffen. Im weiteren Verlauf wird dann der Begriff Medismos anhand der Situation in Theben während der Perserkriege erläutert, um im Hauptteil dann die Frage zu beantworten, wieso sich die Stadt Theben gegen ihr Land Griechenland während der Perserkriege gestellt hat, und wieso sie auf der Seite der Perser gekämpft hat. In der Argumentation wird nicht nur auf die Gründe für den Verrat von Theben gegenüber Griechenland eingegangen, sondern auch darauf, wie sich die Polis Theben nach dem Sieg von Griechenland rechtfertigte und ob sie bzw. wie sie bestraft worden ist. Zum Schluss soll durch die Argumentation deutlich geworden sein, ob es eine wirkliche Einheit der Griechen gegen die Perser gegeben hat und was der Verrat der Thebaner über die Einheit der Griechen aussagt.

Als Quellengrundlage dient dabei „Vater der Geschichtsschreibung“2 Herodot von Halikarnassos, welcher ein griechischer Geschichtsschreiber und Völkerkundler war und großes Ansehen in Griechenland besaß. Er verfasste seine Historien in neun Bücher und beschäftigte sich dort explizit mit den Perserkriegen. Jedoch muss bei dieser Quelle immer im Hinterkopf gehalten werden, dass Herodot kein Zeitzeuge war und er erst lange Zeit nach den Perserkriegen über die Ereignisse geschrieben hat. Außerdem kam Heredot aus Griechenland, weshalb es natürlich sein könnte, dass er die Perserkriege nur von der Seite der Griechen aus betrachtet und er die Perser besonders schlecht dastehen lassen wollte. Neben den Historien von Heredot wird im Verlauf der Arbeit noch auf verschiedene Forschungsmeinungen eingegangen wie beispielsweise von Bernd Steinbock, Nicholas Rockwell, Peter Green und Michael Jung. Diese beziehen ihre Informationen jedoch auch größtenteils aus den Historien von Herodot oder aus den Werken von Thukydides, welcher auch kein Zeitzeuge der Perserkriege war und somit differenziert betrachtet werden muss.

2. Zeitliche Einordnung

Nach dem Tod des Dareios I. wurde sein5 Sohn Xerxes I. zum König des Perserreichs ernannt. Dieser führte nach dem Scheitern von Dareios im Jahre 490 v. Chr. den Krieg gegen die Griechen weiter. Xerxes begann in einem gewaltigen Ausmaß Rüstungsmaßnahmen vorzunehmen und errichtete eine riesige Armee. Wolfgang Will beschreibt die Aufstockung des Heeres wie folgt: „In Doriskos, also bereits auf thrakischem Boden, präsentieren sich die Landtruppen: Perser, Meder, Hyrkanier, Assyrer, Baktrier, Saken (...) und zahlreiche andere Völker bis hin zu den Inselbewohnern des roten Meeres“.3 Xerxes soll seine Invasion auf Griechenland mit 60000 Soldaten und 200000 Tieren gestartet haben, weswegen sich die Griechen verteidigen mussten und keine andere Wahl hatten, wenn sie weiter frei sein und keine Sklaven werden wollten. Die Griechen beschlossen deshalb die Perser am Engpass der Thermopylen aufzuhalten. Das Griechische Heer bestand bei dieser Schlacht nur aus den Peleponnes, Thespiai und aus einem kleinen Teil Thebens und besaß im Gegensatz zu den Persern nur 7000 Mann. Im gleichen Jahr erreicht Xerxes auch Athen und lässt diese Stadt vollkommen zerstören. Trotzdem kann sich Griechenland durch eine außerordentliche Taktik gut genug verteidigen, sodass es dann zum Sieg der Griechen3 4 kommt. Ausschlaggebend für den Sieg von Griechenland war auch die Schlacht von Salamis unter der Führung von Themistokles und Eurybiades. Den entscheiden Sieg erreicht Griechenland 479 v. Chr bei der Schlacht von Plataiai und Mykale, weshalb es dann zum endgültigen Rückzug der Perser kam.

Für den Sieg hat auch der 481 v. Chr. gründete Hellenenbund gespielt.6 Dieser wurde von Griechenland als Fraktion gegen Xerxes gegründet und galt als Vorbereitung für die Invasion. Unter den Mitgliedern waren Athen, Sparta, Korinth, Syrakus und Plataiai. Herodot schrieb, dass ihr Vertrag besagte, dass alle Mitglieder einen Kampf gegen die Perser und alle propersischen Fraktionen zu führen haben. Durch die Ausführungen Heredots wird immer wieder deutlich, dass der Frieden unter den Poleis dabei enorm wichtig war, und dass die griechischen Städte nicht alleine gegen die Perser gewinnen konnten. Deswegen wurden im Hellenenbund sogar Sanktionen gegen Poleis festgelegt, welche zum Feind übergehen wollten.5 Trotzdem zeigt sich schon zu dieser Zeit, dass es eine Spaltung zwischen den griechischen Poleis gab und nicht alle Städte zusammen gehalten haben, was auch ein Grund für die Gründung des Hellenenbund war. Diese Spannungen werden durch das Beispiel der Stadt Theben besonders deutlich.

2.1 Der Medismos der Thebaner

Der Begriff des Medismos7 bezeichnet „die8 freiwillige Kollaboration einzelner Griechen oder ganzer Städte mit den Persern“.6 Die Perser wurden von den Griechen häufig „Meder“ genannt. Das Wort Medismos leitet sich aus dem persischen Wort „Media“ ab, welches eine Region in Persien bezeichnete. Medismos beschreibt dabei ein gravierendes Vergehen als Verrat gegen das Heimatland Griechenland. Dazu zählte beispielsweise die aktive politische Zusammenarbeit griechischer Poleis mit den Persern oder eine Übernahme von persischen Sitten und Bräuchen. Somit beschreibt das aus dem Wort resultierende Verb „medizein“ neben der Zusammenarbeit mit dem persischen Großkönig, auch die Übernahme der persischen Sitten und Gebräuche und den luxuriösen Lebensstil, welche in Asien so etabliert gewesen sein sollen.

Trotzdem scheint dieses Vergehen keine Seltenheit in9 Griechenland während der10 Perserkriege gewesen zu sein. Herodot schreibt in seinen Historien, dass Theben während der Perserkriege auf Seite der Perser gekämpft haben soll und somit ein Verbündeter Persiens war. Dies wird nicht nur medisierende oder medistische Stand genannt, sondern auch als pro persische Stadt bezeichnet. Der Standpunkt der Thebaner soll besonders deutlich in der Schlacht von Plataiai gewesen sein. Darüber schreibt Herodot, dass Theben in dieser Schlacht den Persern Erde und Wasser gebracht haben soll und das persische Heer damit versorgt haben soll. Außerdem soll auch Theben in dieser Schlacht viele Verlust erlitten haben, da dreihundert von ihren besten Soldaten in dieser Schlacht gestorben seien, um auf der Seite der Perser kämpfen zu können.7 Außerdem soll Theben kurz vor der Schlacht von Plataiai fünfzig vornehme Perser und Thebaner in dem Haus von Attaginos, welcher eine der Anführer von Theben war, bewirtet haben. Sie haben zusammen mit den Persern gegessen, weil die Thebaner sich dadurch Vorteile erhofften, falls die Perser im Krieg gewinnen sollten.8

Neben den Thebanern11 sollen12 auch weitere Städte Griechenlands13 medistisch gesinnt gewesen sein. Dazu schreibt Herodot: „Zu denen (...) gehörten folgende Griechenstämme: Die Thessaler, Doloper, Enienen, Perrhaiber, Lokrer, Magneten, Malier, die Achaier in Phthia, die Thebaner und die übrigen Böotier außer den Thespiern und Plataiern“.9 Erst hier wird das Ausmaß deutlich, wie gespalten die griechischen Poleis untereinander waren und wie viele eigentlich nicht auf der Seite der Griechen gegen die Perser während der Perserkriege gekämpft haben.

3. Gründe für den Verrat

3.1 Historischer Kontext als Grund für den Verrat

Als historischer14 Kontext hat die15 Vorgeschichte von Athen16 und Theben eine entscheidende Bedeutung,17 da diese schon vor den Perserkriegen von18 Konflikten geprägt war. Dies begann schon am Ende des sechsten Jahrhundert, als Theben zur führenden Macht in Böotien aufstieg und eine hegemoniale Politik verfolgte, welche zur Bildung des böotischen Bundes führte, in welchem Theben als Anführer herrschte. Dieser oligarchische Umsturz in Böotien bedeutete für Athen einen Rückschlag, da sie in Koroneia geschlagen wurden und für ganz Böotien mit Ausnahme von Plataiai Platz machen mussten. Mit Theben als Anführer bildete sich dann der böotischer Bund, welcher eine Städtebund von 15 Poleis war, die sich in 11 Bezirke gliederten.10 Die böotische Stadt Plataiai versuchte sich dem Druck von Theben zu widersetzen und verweigerte dem böotischen Bund beizutreten.11 Somit versuchte Plataiai Schutz und Unabhängigkeit an der Grenze zu Attika zu finden und schloss deswegen 519 v. Chr. ein Bündnis mit Athen. Herodot schreibt dazu „Als die Thebaner dies erfuhren, zogen sie gegen die Plataier zu Felde. Die Athener aber standen ihnen bei. (...) Die Plataier hatten sich freiwillig den Athenern ergeben, und die Athener hatten schon manche Mühe für die Stadt übernommen“.12 Dies führte zu vielen militärischen Auseinandersetzungen zwischen Athen und der böotischen Macht Theben. Im Jahr 507 v. Chr. begann Theben dann einen Krieg gegen Athen, welchen er jedoch verlor. Nach Herodot soll Athen die böotische und die chalkidische Armee vollständig besiegt haben und sogar 700 böotische Männer und Frauen gefangen genommen haben.13 Da die Gesamtsituation zwischen Athen und Theben in den folgenden Jahrzehnten die gleiche blieb und Plataiai sich weiterhin weigerte dem böotischen Bund beizutreten und lieber ein Verbündeter von Athen war, kann davon ausgegangen werden, dass das Verhältnis zwischen den Städten von viel Feindseligkeit und Misstrauen geprägt gewesen sein muss. Die Erinnerung von Athen an Thebens wiederholte Versuche sie zu zwingen, dass Bündnis mit Plataiai aufzugeben war sicherlich auch im Jahr 480/79 v. Chr. noch sehr präsent. Viele Athener selbst hatten an diesen Feldzügen teilgenommen und der glorreiche Sieg von 506 v. Chr. wurde auf der Akropolis sehr gefeiert.14 Sie stellten sogar einen Streitwagen auf, an welchen sie die Ketten der Gefangenen befestigten, um immer an die Feindseligkeit zwischen Athen und Böotien bzw. Theben zu erinnern. All dies deutet darauf hin, dass auch für Theben die Niederlage im Krieg mit Athen immer noch sehr gegenwärtig war und ihre Einstellung gegenüber Athen und auch Plataiai immer noch nicht besonders wohlgesinnt war. Somit stellten sich die Thebaner lieber auf die Seite der Perser, um einen Krieg gegen Athen führen zu können und den Rachefeldzug des letzten Krieges endlich nachholen zu können, da Athen einen größere Feind als die Perser darstellte.

[...]


1 Bengtson, Hermann: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die römische Kaiserzeit, 10. Unveränderte Auflage, München 2009, S. 151-154.

2 Will, Wolfgang: Die Perserkriege. München 2010. S. 8.

3 Will, Wolfgang: Die Perserkriege. München 2010. S. 60f.

4 Brunt, Peter A.: The Hellenic League against Persia, in: Historia 2 (1953). S.157.

5 Brunt, Peter A.: The Hellenic League against Persia, in: Historia 2 (1953). S.157.

6 Cancik, Hubert und Helmuth Schneider: Art. „Medismos“, in: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Stuttgart, Weimar 1999. S. 1101f.

7 Rockwell, Nicholas: Thebes. A History. Cities of the Ancient World. London, New York 2017. S. 53.

8 Hdt. 9, 16f.

9 Hdt. 7, 132.

10 Bengston, Hermann: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die römische Kaiserzeit. München 1977. S. 213.

11 Jung, Michael: Marathon und Plataiai. Zwei Perserschlachten als „lieux de mémoire“ im antiken Griechenland. Göttingen 2006. S. 285.

12 Hdt. 6, 108.

13 Steinbock, Bernd: Social Memory in Athenian Public Discourse. Uses and Meanings of the Past. Ann Arbor, Michigan 2013. S. 105f.

14 Ebd. S. 106f.

15 Hdt. 9, 87.

16 Wiemer, Hans- Ulrich: Feiern und Erinnern. Geschichtsbilder im Spiegel antiker Feste. Berlin 2009. S. 69.

17 Hdt. 9, 15f.

18 Hdt. 9, 16.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Verhalten der Thebaner während des Griechenlandfeldzuges von Xerxes I. Die Einheit der Griechen ist relativ
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für klassische Altertumskunde)
Veranstaltung
Seminar: DIe Perserkriege
Note
2.0
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V983709
ISBN (eBook)
9783346341891
ISBN (Buch)
9783346341907
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Perserkriege, Theben, Xerxes, Feldzug, Medismos, Griechenland
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Verhalten der Thebaner während des Griechenlandfeldzuges von Xerxes I. Die Einheit der Griechen ist relativ, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983709

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