In dieser Arbeit wird die Darstellung des argentinischen Gauchos in ausgewählten Cuentos von Jorge Luis Borges verglichen. Die analysierten Erzählungen "El Muerto", "El Fin" und "El Sur" sind der Gattung der "Cuentos Argentinos" zuzuordnen. Diese Gattung der Novellistik bezeichnet Kurzerzählungen in Argentinien. Die angeführte Art der Novelle ist laut dem Literaturwissenschaftlichen Wörterbuch für Romanisten vom lat. "novellus" im Sinne von "novus", jung abgeleitet worden. Ihren ursprünglichen Sinn, Neuigkeiten oder neue Begebenheiten zu erzählen, ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
In diesem Zusammenhang wurden für alle Arten der Novelle die altspanische Benennung des Cuento (Erzählung, Geschichte) aufgegriffen. Auch die Cuentos von Jorge Luis Borges beinhalten gattungstypologische Merkmale einer Erzählung, die unter anderem herausgearbeitet werden. Wie bereits erwähnt, bilden die drei Cuentos Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit. In einer intensiven Auseinandersetzung mit den Inhalten der jeweiligen Erzählungen, soll darüber hinaus analysiert werden, wie die Figur des Gauchos in den eben genannten Werken des argentinischen Schriftstellers dargestellt wird.
Die Figur des Gauchos stellt für Argentinien nicht nur einen einfachen Viehhirten der südamerikanischen Pampa dar, sondern gilt als Identitätsfigur einer ganzen Nation. In der langen Geschichte des Landes hat sich der Gaucho zu einer prestigeträchtigen Figur entwickelt, die unter anderem mit grenzenlosem Freiheitswillen, Einsamkeit und rebellischer Unabhängigkeit assoziiert wird. Das mittlerweile deutlich ausgeprägte Identitätsbewusstsein der Argentinier hängt stark mit der Entwicklung des Gauchos als Nationalsymbol zusammen.
Mit der Figur des Gauchos ist es Argentinien gelungen eine Antwort auf die Frage nach der eigenen Identität zu finden. Die bemerkenswerte und besondere Beziehung der Argentinier zur Figur des Gauchos wurde nicht nur in der Gesellschaft deutlich, sondern auch in der argentinischen Literatur. Besonders der Schriftsteller Jorge Luis Borges behandelte die Thematik des Gauchos in seinen Cuentos auf eine einzigartige und fantastische Weise. Die Auswahl des Untersuchungsgegenstandes der Masterarbeit entstand vor dem Hintergrund der bemerkenswerten Entwicklung der Figur des Gauchos sowohl in der argentinischen Gesellschaft als auch in der Literatur.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der argentinische Gaucho
2.1 Der Gaucho im historischen Kontext
2.2 Der Gaucho in der Literatur
3. Der Mythos gaucho als Identitätsfigur
4. Jorge Luis Borges und die Figur des gaucho
5. Inhalt und Struktur des cuento El muerto
5.1 Inhaltsangabe von El muerto
5.2 Strukturelle Analyse
5.3 Gattungstypologische Aspekte
5.4 Motive
5.5 Interpretation und Deutung der Motive
6. Inhalt und Struktur des cuento El fin
6.1 Inhaltsangabe von El fin
6.2 Strukturelle Analyse
6.3 Gattungstypologische Aspekte
6.4 Motive
6.5 Interpretation und Deutung der Motive
7. Inhalt und Struktur des cuento El Sur
7.1 Inhaltsangabe von El Sur
7.2 Strukturelle Analyse
7.3 Gattungstypologische Aspekte
7.4 Motive
7.5 Interpretation und Deutung der Motive
8. Vergleich der Darstellungen des gaucho
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Darstellung des argentinischen Gauchos in den drei Erzählungen "El muerto", "El fin" und "El Sur" von Jorge Luis Borges, um herauszuarbeiten, wie der Autor diese Identitätsfigur in seinen Werken transformiert und mit seinem eigenen Leben sowie dem nationalen Mythos verknüpft.
- Historische und literarische Kontextualisierung des argentinischen Gauchos
- Analyse der narrativen Strukturen und gattungstypologischen Merkmale in den ausgewählten cuentos
- Interpretation zentraler Motive wie Gewalt, Schicksal, Ehre und Pampa
- Untersuchung autobiographischer Bezüge zwischen Borges und der Gaucho-Thematik
- Vergleich der unterschiedlichen Gaucho-Darstellungen hinsichtlich ihrer Funktion und Symbolik
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Gaucho im historischen Kontext
Zur Herkunft des Wortes Gaucho gibt es verschiedene Theorien. Zum einen wird es vom Wort gauderio (Bandit) abgeleitet und zum anderen vom indianischen Wort guacho (Waisenkind). Darüber hinaus wird das Substantiv gaucho unter anderem auch als Adjektiv verwendet, das tüchtig, gefällig oder hilfsbereit bedeutet. 4
Im Zusammenhang dieser Herkunftstheorien entstanden viele Assoziationen mit der Lebensweise und den Charaktereigenschaften der Gauchos in Argentinien. Dementsprechend wurden den umherstreifenden Waisenkindern der Pampa sowohl affirmative (tüchtig, hilfsbereit und gefällig) als auch schädliche Eigenschaften (Bandit, Schmuggler, Trinker, Vagabund) zugesprochen. Folglich war die Außenwahrnehmung des Gauchos in der damaligen argentinischen Öffentlichkeit nicht sonderlich positiv.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsthemas, der ausgewählten Erzählungen von Borges und der Bedeutung des Gauchos als argentinische Identitätsfigur.
2. Der argentinische Gaucho: Historische Herkunft, soziokulturelle Entwicklung des Gauchos sowie dessen Darstellung und Idealisierung in der argentinischen Literatur.
3. Der Mythos gaucho als Identitätsfigur: Untersuchung der Entwicklung des Gauchos vom Randgruppenangehörigen zum nationalen Symbol für argentinische Identität und Männlichkeit.
4. Jorge Luis Borges und die Figur des gaucho: Analyse des persönlichen Bezugs des Autors zum Gaucho-Mythos und Darstellung autobiographischer Parallelen.
5. Inhalt und Struktur des cuento El muerto: Detaillierte Analyse von Handlung, Struktur, Gattung und zentralen Motiven der Erzählung "El muerto".
6. Inhalt und Struktur des cuento El fin: Analyse der Struktur, der narrativen Wendepunkte und der Bedeutung des Duells in der Erzählung "El fin".
7. Inhalt und Struktur des cuento El Sur: Untersuchung der Geschichte von Juan Dahlmann, die Verflechtung von Fiktion und Realität sowie die Bedeutung von Symbolen in "El Sur".
8. Vergleich der Darstellungen des gaucho: Synthese und Gegenüberstellung der drei Erzählungen hinsichtlich der Gaucho-Charakteristika und ihrer Funktion.
9. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Beurteilung der Ergebnisse zur Darstellung und literarischen Verarbeitung der Gaucho-Figur bei Borges.
Schlüsselwörter
Jorge Luis Borges, Gaucho, Argentinien, Literatur, Identität, Pampa, cuentos, Erzählanalyse, El muerto, El fin, El Sur, Mythos, Tradition, Romantik, Identitätsfigur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung des Gauchos in drei ausgewählten Erzählungen ("cuentos") von Jorge Luis Borges und vergleicht diese mit dem historischen sowie soziokulturellen Hintergrund der Figur in Argentinien.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Entstehung des Gaucho-Mythos, die Entwicklung der argentinischen Identität, die gattungstypologischen Besonderheiten der Kurzerzählung bei Borges und die Verknüpfung von Fiktion und Realität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Borges die traditionelle Figur des Gauchos verwendet, um persönliche autobiographische Themen zu reflektieren und den Mythos der argentinischen Identität literarisch zu verarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die strukturelle Analysen der Texte mit einer motivgeschichtlichen Interpretation sowie dem Vergleich mit historischen Kontexten verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Erzählungen "El muerto", "El fin" und "El Sur" einzeln hinsichtlich ihrer Struktur, ihrer Wendepunkte und ihrer Symbolik analysiert, um anschließend die Gaucho-Darstellungen vergleichend gegenüberzustellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Borges, Gaucho, argentinische Identität, Pampa, El muerto, El fin, El Sur, Mythos und Literaturanalyse.
Warum spielt das Ende der Erzählungen eine wichtige Rolle?
Das oft offene Ende in den analysierten Erzählungen ist ein gattungstypologisches Merkmal, das dem Leser Interpretationsspielraum lässt und die Unabgeschlossenheit der Identitätssuche thematisiert.
Welche Bedeutung hat das Motiv der "Pampa" in den Erzählungen?
Die Pampa fungiert nicht nur als Schauplatz, sondern als symbolischer Ort, der einerseits Freiheit und Identität verspricht, andererseits aber eine brutale und zerstörerische Kraft auf diejenigen ausübt, die versuchen, ein Gaucho-Leben nur oberflächlich zu adaptieren.
- Citar trabajo
- Julian Knörich (Autor), 2018, Darstellung des Gauchos in ausgewählten Cuentos von Jorge Luis Borges. Der argentinische Gaucho, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983726