Kriminalität begegnet uns täglich, in den Nachrichten, in Zeitungen, ob als Begriff oder in Form von Geschehnissen, die wir als kriminell bezeichnen. Als traugriger Bestandteil unserer Gesellschaft werden wir täglich mit Kriminalität konfrontiert und erleben sie schlimmstenfalls am eigenen Leib.
Nie war Kriminalität jedoch so facettenreich wie heute, sie taucht in nahezu allen Bereichen unseres Lebens auf. Meist verstehen wir sie als unrecht, im Sinne des Strafrechts. Doch auch ethisch und moralisch kann Verbrechen definiert werden.
Kriminalität ist kein Phänomen unserer Zeit und unserer Gesellschaft.
Wie definiert sich Kriminalität? Wie steht es um ihre Entwicklung und welche Facetten verbergen sich hinter dieser Thematik? Vor einer vertiefenden Beschäftigung mit Teilaspekten der Kriminalität müssen solche Fragen zuerst geklärt werden.
Aus der Sozialgeschichte der Kriminaliät des 19. Jahrhunderts ergibt sich eine enge Beziehung mit der zu dieser Zeit einsetzenden Industrialisierung mit der sich auch das Bild der Kriminalität wandelte. Auch die Motive für Kriminalität waren in damaliger Zeit deutlicher zu erkennen als heute.
Solche Untersuchungen lassen sich sinnvollerweise nur in einem regional begrenzten Rahmen durchführen, deshalb stellt sich uns die Frage, wie sich dieser Wandel in Deutschland bzw. im damaligen Preussen zeigte?
Zwar wurde Kriminalität facettenreicher, doch bleiben gewisse Grundtendenzen bis in unsere Zeit bestehen. Vor allem der Sozialhistoriker Dirk Blausius hat sich mit der Kriminalität des 19. Jahrhunderts intensiv beschäftigt. Mit kriminellen Aktionen, “als Erscheinungen, die mit der historisch determinierten und deshalb auch historisch wandelbaren sozialen Existenz der Menschen vermittelt sind.”
Kriminalität als Phänomen einer Gesellschaft basiert auf sozialen, menschlichen Problemen und kann von daher als ein Thema der Soziologie gesehen werden, wenngleich versucht wird, sie in ihrer historischen Existenz zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sozialgeschichtliche Betrachtung von Kriminalität
2.1 Definition und Abgrenzung
2.1.1 Der natürliche Verbrechensbegriff
2.1.2 Der strafrechtliche Verbrechensbegriff
2.1.3 Der soziologische Verbrechensbegriff
2.2 Entwicklung der Kriminalität im 19. Jahrhundert
2.2.1 Situation im vorindustriellen England
2.2.2 Situation und Entwicklung im Deutschland des 19. Jahrhunderts
2.2.3 Kriminalität im gesellschaftlichen Wandel
3 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialgeschichtliche Entwicklung von Kriminalität, insbesondere im Kontext des 19. Jahrhunderts, und hinterfragt dabei die verschiedenen Definitionen von Verbrechen im Wandel gesellschaftlicher und ökonomischer Bedingungen. Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Modernisierungsprozessen, sozialen Krisen und dem Auftreten krimineller Handlungen historisch einzuordnen.
- Sozialgeschichtliche Verbrechensbegriffe (natürlich, strafrechtlich, soziologisch)
- Kriminalität im vorindustriellen England als Vergleichsmodell
- Der Wandel der Kriminalitätsstrukturen im Preußen des 19. Jahrhunderts
- Einfluss von Industrialisierung, Urbanisierung und Subsistenzkrisen
- Kritische Reflexion der Modernisierungsthese des Verbrechens
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Situation und Entwicklung im Deutschland des 19. Jahrhunderts
Die historische Betrachtung von Kriminalität zeigt, dass die Form ihres Auftretens zeitlich und örtlich an eine Gesellschaft gebunden ist. Konkretisiert hat diese Auffassung der Sozialhistoriker Dirk Blasius: “Kriminalität ist nicht ablösbar vom jeweiligen historischen Bezugssystem; sie hat ihren Ort im Bedingungsgefüge von Recht, Gesellschaft und Ökonomie.”1
Vor dem Hintergrund des Aufkommens einer bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert, sowie dem Wandel von einer vorindustriellen, argrarisch geprägten Gesellschaft hin zu einer kapitalistisch - industriellen Form, ist es sinnvoll, auch das Auftreten und den Wandel von Kriminalität zu dieser Zeit näher zu betrachten.
Mit dem Einzug der Moderne änderte sich auch die Kriminalität und wurde zum Spiegel der raschen gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderung. Das Entstehen einer bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert war begleitet von schweren Krisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Relevanz von Kriminalität als gesellschaftliches Phänomen ein und umreißt die Fragestellung nach der Entwicklung im 19. Jahrhundert.
2 Sozialgeschichtliche Betrachtung von Kriminalität: Dieses Kapitel analysiert theoretische Verbrechensbegriffe und untersucht den Einfluss von Industrialisierung und sozialen Krisen auf die Kriminalitätsentwicklung, vornehmlich im preußischen Raum.
3 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zur wechselseitigen Abhängigkeit von Gesellschaftsstruktur und Kriminalitätsformen zusammen und reflektiert die heutige Relevanz der historischen Betrachtungsweise.
Schlüsselwörter
Kriminalität, Sozialgeschichte, 19. Jahrhundert, Industrialisierung, Preußen, Eigentumskriminalität, Devianz, Verbrechensbegriff, Soziologie, Modernisierung, Subsistenzkrise, Rechtsgeschichte, Sozialkontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Sozialgeschichte der Kriminalität im 19. Jahrhundert und beleuchtet, wie gesellschaftliche Veränderungen das Phänomen Verbrechen formen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Abgrenzung von Verbrechensbegriffen sowie die empirische Entwicklung der Kriminalität während der Industrialisierung und Urbanisierung im 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kriminalität nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern tief in das jeweilige Bedingungsgefüge von Recht, Gesellschaft und Ökonomie eingebettet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine sozialgeschichtliche Analyse, die historische Quellen und Statistiken mit kriminologischen und soziologischen Theorien verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition von Kriminalität und eine historische Fallanalyse zur Situation im England des 18. Jahrhunderts sowie zur sozioökonomischen Entwicklung im Preußen des 19. Jahrhunderts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Sozialgeschichte, Devianz, Industrialisierung, Eigentumskriminalität und die Modernisierungsthese des Verbrechens gekennzeichnet.
Warum wird der Begriff des "Holzdiebstahls" besonders hervorgehoben?
Der Holzdiebstahl wird als beispielhaftes Hauptdelikt genannt, das im 19. Jahrhundert aufgrund der sozialen Not der Besitzlosen massenhaft auftrat und zur Kriminalisierung ganzer Schichten führte.
Welche Rolle spielt die Modernisierungsthese für den Autor?
Der Autor hinterfragt die These, dass Kriminalität den Modernisierungsprozess linear widerspiegele, und argumentiert stattdessen, dass es eher zu einer "Erweiterung" des Verbrechens durch neue gesellschaftliche Bedingungen kam.
- Citar trabajo
- Steffen Armbrust (Autor), 2002, (Sozial-)Geschichte der Kriminalität, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9837