Es soll im Folgenden dargelegt werden, dass international agierenden NGOs − wie Greenpeace als eine der bekanntesten − ein hoher ideeller Wert für die Gesellschaft und gleichzeitig eine Gewichtigkeit im Umgang mit Politik und Wirtschaft zugeschrieben wird. Insbesondere der Umweltschutz findet im öffentlichen Diskurs eine neue Bewertung, doch es soll gezeigt werden, dass Naturschutzorganisationen wie Greenpeace schon länger verschiedene Strategien verfolgen, um Netzwerke zur vorteilhaften Positionierung ihrer Themen nutzen. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern sich die moralische Normierung, die an diese Organisationen gestellt wird, in der Realität halten kann oder aber, ob der Zweck doch einige Mittel heiligt.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Idealismus und der Schlamm der Unmöglichkeiten
2. Greenpeace gestern, heute und morgen
3. Die Arbeit von NGOs – national und international
4. Wie du mir, so ich dir – vom Netzwerk bis zur Seilschaft
5. Fall eins: Die Keime des Naturschutzes in Deutschland
6. Fall zwei: Der umweltfreundliche Kühlschrank
7. Fazit: Die Macht der NGOs
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Machtstrukturen und Netzwerke von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), insbesondere am Beispiel von Greenpeace, um aufzuzeigen, wie diese Akteure zwischen moralischem Idealismus und strategischem Lobbying agieren.
- Rolle und Professionalisierung internationaler NGOs
- Transformation von sozialen Bewegungen zu strukturierten Organisationen
- Strategien des Lobbyings und der politischen Einflussnahme
- Theorie der Seilschaften und Netzwerke im Umweltschutz
- Grüne Allianzen zwischen NGOs und Wirtschaftsunternehmen
Auszug aus dem Buch
6. Fall zwei: Der umweltfreundliche Kühlschrank
Die Verbindungen von Wirtschaftsunternehmen und Umweltschutz-NGOs werden auch als grüne Allianzen bezeichnet (vgl. Stafford et al. 2000:122), da sie darauf ausgerichtet sind „grünere“ Produkte auf den Markt zu bringen, was sich als „Environpreneurship“ definieren lässt. Dabei ist die Hoffnung der NGO dahingehend, dass sie es eher als durch Protest erreichen, dass ressourcensparend produziert und gearbeitet wird, während das Unternehmen von einem „Green Marketing“ profitieren kann, in dem es Programme zur Müllvermeidung oder auch Naturschutzgebiete unterstützt (vgl. ebd.:122ff.). Die NGO kann so für das Unternehmen als „Strategic Bridger“ fungieren, einerseits durch seine ökologische, wissenschaftliche und rechtliche Expertise hin zu mehr ökologischer Glaubwürdigkeit in Medien und bei Konsumenten, andererseits verschafft die NGO Kontakte zu weiteren wichtigen „Stakeholders“, also relevanten Akteuren wie Medien, Regierungen und andere NGOs im Feld.
Für die NGO kann es allerdings ein schmaler Grad zwischen dem Vorteil der eingegangenen Allianz und dem Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit als Kritiker nicht nachhaltiger Marktmechanismen sein. Es muss also ein Gleichgewicht gefunden werden, das eigene Netzwerk zu stärken und Sichtbarkeit herzustellen, z.B. durch Teilnahme an Konferenzen wie der GIN (Greening of Industry Networks), gleichzeitig aber die „Grassroot“-Ebene der eigenen Arbeit und die ideelle Ausrichtung, durch das Anprangern von umweltschädlichen Unternehmen, nicht aus dem Blick zu verlieren (vgl. ebd.:123ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Idealismus und der Schlamm der Unmöglichkeiten: Das Kapitel führt in die Thematik ein und stellt die Frage, inwiefern NGOs ihre moralischen Ideale im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft bewahren können.
2. Greenpeace gestern, heute und morgen: Hier wird die Entwicklung von Greenpeace von einer privaten Initiative hin zu einer professionalisierten, international agierenden Organisation analysiert.
3. Die Arbeit von NGOs – national und international: Dieses Kapitel definiert NGOs als Schnittstelle zwischen Politik und Gesellschaft und beleuchtet ihre organisatorischen Strukturen.
4. Wie du mir, so ich dir – vom Netzwerk bis zur Seilschaft: Es wird die soziologische Theorie hinter Netzwerken und Seilschaften erläutert, insbesondere in Bezug auf Reziprozität und Korruptionsrisiken.
5. Fall eins: Die Keime des Naturschutzes in Deutschland: Anhand historischer Entwicklungen wird aufgezeigt, wie Seilschaften und Personenkontinuitäten den deutschen Naturschutz geprägt haben.
6. Fall zwei: Der umweltfreundliche Kühlschrank: Dieses Kapitel untersucht eine konkrete grüne Allianz zwischen Greenpeace und der Firma Foron zur Etablierung einer neuen Kühltechnologie.
7. Fazit: Die Macht der NGOs: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Machtwirkung, Professionalisierung und die Grenzen des Vertrauens, die NGOs im gesellschaftlichen Diskurs entgegengebracht werden.
Schlüsselwörter
NGO, Greenpeace, Seilschaften, Lobbying, Umweltschutz, grüne Allianzen, Professionalisierung, Netzwerktheorie, Strategic Bridger, Reziprozität, Korruption, politischer Einfluss, Zivilgesellschaft, Marketing, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Arbeitsweise und Machtstrukturen internationaler NGOs, wobei untersucht wird, wie diese Organisationen Netzwerke nutzen, um ihre politischen Ziele zu erreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Professionalisierung von Umweltorganisationen, die Entstehung von Seilschaften, Lobbying-Strategien und die Zusammenarbeit zwischen NGOs und Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, wie NGOs durch Netzwerke und strategische Allianzen Macht ausüben und dabei das Spannungsfeld zwischen idealistischem Anspruch und realpolitischer Praxis meistern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung der Netzwerk- und Korruptionsforschung, kombiniert mit einer Fallstudienanalyse, um die gewonnenen Erkenntnisse exemplarisch zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung von Greenpeace, die Einordnung von NGOs im politischen System sowie spezifische Fallbeispiele zur Entstehung von Seilschaften und grünen Allianzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie NGOs, Seilschaften, Lobbying, grüne Allianzen und Professionalisierung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die "alte Riege" des Naturschutzes von neuen Akteuren wie dem BUND?
Die alten Akteure waren stärker freizeitlich-ideell verbunden, während neue Akteure ab den 1970er Jahren auf Professionalisierung, Medienkampagnen und eine konfrontativere Polit-Marketing-Strategie setzten.
Warum wird die Koalition zwischen Greenpeace und Foron als "grüne Allianz" bezeichnet?
Weil eine Umweltschutz-NGO und ein Wirtschaftsunternehmen gemeinsam daran arbeiteten, eine umweltfreundlichere Technologie marktfähig zu machen, um ökologische Ziele durch marktwirtschaftliche Mechanismen zu erreichen.
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- Jasmin Dierkes (Autor), 2020, Die Seilschaften ökologischer NGOs. Die moralische Normierung von Organisationen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983905