Gegenstand des vorliegenden Praktikumsberichts ist die Planung einer Unterrichtsstunde für einen Unterrichtsversuch in dem Fach Ethik. Bei der Lerngruppe handelt es sich um eine 13. Klasse. Der Praktikumsbericht wird im Rahmen der schulpraktischen Studien angefertigt. Zuerst erfolgt die Vorstellung des Themenfeldes (Geltung des Rechts und Staatstheorien) sowie der Leitperspektiven und übergeordneten Problem-/Fragestellungen. Anschließend werden die zuvor benannten Punkte unter Berücksichtigung des Lebens- und Gegenwartsbezuges beleuchtet. Es folgt eine kurze Benennung der fachwissenschaftlichen Positionen (1) nach Thomas Hobbes, John Rawls und Jean-Jaques Rousseau. Ihre Positionen sind im Kontext der geplanten Unterrichtseinheit von besonderer Bedeutung, da sie sich nicht zuletzt in dem Kerncurriculum des oben genannten Themenfeldes verorten lassen. Anschließend werden die fachdidaktischen Forderungen (2) aufgegriffen. Zu diesen gehören der Abiturerlass, die Kompetenzbereiche, die Problemorientierung sowie der Lebensweltbezug und die didaktische Transformation. Da für jede Unterrichtsplanung eine Lerngruppenanalyse von besonderer Bedeutung ist, wird auf die Diagnostik der Lerngruppe (3) eingegangen. Schließlich werden die methodischen Überlegungen (4) für die geplante Unterrichtseinheit konkretisiert.
Darauf aufbauend widmet sich der Praktikumsbericht dem didaktischen Zentrum (5), das als Grundlage für die im weiteren Verlauf dieser Arbeit dargestellten Kompetenzen und Lernaktivitäten (6) dient. Es folgt eine Darstellung des geplanten Unterrichtsverlaufs (7) in Tabellenform. Im Rahmen der anschließenden Reflexion der geplanten Unterrichtseinheit (8) werden die Planung sowie Durchführung des Unterrichts kritisch beleuchtet. Die anschließende pädagogische Schwerpunktaufgabe (9) bezieht sich auf die in 2009 von John Hattie durchgeführte Metastudie Visible Learning, wobei im Fokus die Einflussgrößen des Schüler-Lehrer-Feedbacks stehen. Hierfür erfolgt zunächst eine Definition der Studie und Begrifflichkeiten. Schließlich wird auf Beobachtungen, welche diesbezüglich an der J-G-S gemacht werden konnten, eingegangen. Die Reflexion dient der Beantwortung der Frage, inwiefern Schüler-Lehrer-Feedback in dem durchgeführten Unterrichtsversuch Anwendung fand. Der Praktikumsbericht schließt mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse in Form eines Fazits (10) ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Fachwissenschaftliche Positionen
2 Fachdidaktische Forderungen
3 Diagnostik der Lerngruppe
4 Methodische Überlegungen
5 Didaktisches Zentrum
6 Kompetenzen und Lernaktivitäten
7 Geplanter Unterrichtsverlauf
8 Reflexion der geplanten Unterrichtseinheit
9 Pädagogische Schwerpunktaufgabe – Visible Learning nach Hattie
9.1 John Hattie: Visible Learning
9.2 Das Feedback im Visible Learning nach Hattie
9.2.1 Das Feedback – Eine Definition
9.3 Visible Learning durch Feedback an der J-G-S
9.4 Visible Learning durch Feedback innerhalb des Unterrichtsversuchs
10 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist die Planung und Reflexion einer Unterrichtseinheit zum Themenfeld "Geltung des Rechts und Staatstheorien" im Fach Ethik, wobei insbesondere die Wirksamkeit von Schüler-Lehrer-Feedback nach der Metastudie "Visible Learning" von John Hattie untersucht wird.
- Planung und didaktische Begründung einer Ethikstunde für die Oberstufe.
- Anwendung von Gedankenexperimenten zur Förderung selbstständigen Philosophierens.
- Analyse des Einflusses von Schüler-Lehrer-Feedback auf Lernerfolg und Unterrichtsqualität.
- Methodische Reflexion über die Verzahnung von fachwissenschaftlichen Positionen mit lebensweltlichen Erfahrungen der Lernenden.
Auszug aus dem Buch
Gegenwartsbezug/Lebensweltbezug
Nach Stelzer sind Lernende im Philosophieunterricht als Subjekte zu sehen, die in den Mittelpunkt des Philosophierens gestellt werden sollen (vgl. Stelzer 2015, S. 79). Somit soll jegliche Problemorientierung im Bezug zur Lebenswelt der Lernenden stehen. Hierbei ist es besonders wichtig, in der Pluralität der Lebenswelten heterogener Klassen eine gemeinsame zu finden, um die im Unterricht thematisierte Problematik oder Leitfrage so auszurichten, dass diese einen Teil der Lebenswelt aller SuS des Kurses aufgreift. Insbesondere durch die aufgrund von Zuwanderung immer heterogener werdenden Klassen in Deutschland erweist sich das Finden einer gemeinsamen Lebenswelt als schwieriges Unterfangen. Dies ist jedoch Voraussetzung für das Entwickeln von motivierenden und anregenden Leitfragen für den Unterricht (vgl. Stelzer 2015, S. 82 ff.). Wichtig ist auch, dass die Lernenden die Möglichkeit bekommen, ihre Lebenswelt selbstständig zu erkennen und mitzugestalten. Da die persönliche und individuelle Lebenswelt bei Kindern und Jugendlichen extrem verstärkt ist, hat diese einen hohen Einfluss auf die Urteilskraft und Deutung. Angesichts dessen ist es für Lehrpersonen unbedingt erforderlich, sich mit der Lebenswelt der Lernenden auseinanderzusetzen.
Der Lebensweltbezug soll in der geplanten Unterrichtsstunde durch ein Gedankenexperiment hergestellt werden. Dieses stellt zwar ein kontrafaktisches Szenario dar, regt die SuS aber aktiv zum Teilnehmen an und holt sie in ihrer Lebenswelt ab. Die Lernenden können ihre Lebenswelt quasi auf das kontrafaktische Szenario übertragen und diese einfließen lassen. In dem Gedankenexperiment sollen sich die Lernenden mit einer Situation auseinandersetzen, in welcher sie selbst über Regelungen innerhalb eines gesellschaftlichen Zusammenlebens nachdenken müssen. Dies stellt einen besonders hohen Gegenwartsbezug dar, denn viele der SuS sind vor kurzer Zeit volljährigen geworden und müssen nun selbstständig entscheiden, welche Regelungen für sie sinnvoll sind und welche nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Fachwissenschaftliche Positionen: Vorstellung der theoretischen Grundlagen zu Staatstheorien und Gesellschaftsverträgen durch Hobbes, Rawls und Rousseau im Kontext des Gedankenexperiments.
2 Fachdidaktische Forderungen: Erörterung der Vorgaben aus dem Abiturerlass und Kerncurriculum sowie die Notwendigkeit von Problemorientierung und didaktischer Transformation im Ethikunterricht.
3 Diagnostik der Lerngruppe: Analyse der Lernvoraussetzungen, der Motivation und des Sozialklimas einer 13. Klasse vor den Abiturprüfungen.
4 Methodische Überlegungen: Begründung der Wahl von Gruppenarbeit, Visualisierungstechniken und Gedankenexperimenten als aktivierende Lehrmethoden.
5 Didaktisches Zentrum: Darlegung des Kernanliegens, eigenständiges Denken der Lernenden zu Staatstheorien durch die Entwicklung eigener Regelungen für das Zusammenleben zu fördern.
6 Kompetenzen und Lernaktivitäten: Verknüpfung der angestrebten Kompetenzen nach dem Kerncurriculum mit den konkreten Arbeitsphasen der Unterrichtseinheit.
7 Geplanter Unterrichtsverlauf: Detaillierte tabellarische Übersicht über Phasen, Lehr- und Schülerverhalten sowie eingesetzte Medien.
8 Reflexion der geplanten Unterrichtseinheit: Kritische Auseinandersetzung mit der Planung und Durchführung, insbesondere hinsichtlich Zeitmanagement und methodischer Effizienz.
9 Pädagogische Schwerpunktaufgabe – Visible Learning nach Hattie: Theoretische Herleitung und praktische Analyse des Schüler-Lehrer-Feedbacks als wirksame Einflussgröße auf den Lernerfolg.
10 Fazit: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über die Wirksamkeit der gewählten Methode und Reflexion über die Vereinbarkeit von Theorie und schulischer Realität.
Schlüsselwörter
Ethikunterricht, Staatstheorien, Gesellschaftsvertrag, Visible Learning, Schüler-Lehrer-Feedback, Problemorientierung, Gedankenexperiment, Lebensweltbezug, Abiturerlass, Kompetenzorientierung, Thomas Hobbes, John Rawls, Jean-Jacques Rousseau, didaktische Transformation, Unterrichtsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert einen schulpraktischen Unterrichtsversuch im Fach Ethik, bei dem die Planung und Durchführung einer Stunde zu Staatstheorien reflektiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt schwerpunktmäßig die Themenfelder "Recht und Gerechtigkeit" sowie "Staatstheorien" und setzt sich intensiv mit der Wirksamkeit von Schüler-Lehrer-Feedback auseinander.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch eine problemorientierte Unterrichtsplanung eigenständiges Denken bei Schülern anzuregen und die Relevanz von Feedbackprozessen nach der Hattie-Studie zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben der didaktischen Analyse der Unterrichtsstunde findet eine theoretische Fundierung durch John Hatties Metastudie "Visible Learning" statt, kombiniert mit einer Reflexion der praktischen Anwendung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die fachwissenschaftliche Begründung, die Lerngruppendiagnostik, die methodischen Überlegungen sowie die spezifische Analyse von Feedback-Situationen im Unterricht ausgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Staatstheorien, Feedback, Visible Learning, Lebensweltbezug und problemorientiertes Arbeiten charakterisiert.
Wie effektiv erwies sich das Gedankenexperiment in der Praxis?
Das Gedankenexperiment zur "Insel" erwies sich als äußerst effektiv, um Schüler zu einem eigenständigen Denkprozess anzuregen und sie dazu zu bringen, ohne Vorwissen fachwissenschaftliche Grundpositionen intuitiv zu entdecken.
Welches Potenzial sieht die Autorin in der Feedback-Kultur?
Die Autorin sieht ein großes ungenutztes Potenzial in der Etablierung eines festen Schüler-Lehrer-Feedbacks, um nicht nur die Unterrichtsmethodik stetig zu optimieren, sondern auch eine angstfreie Lernatmosphäre zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Jana Held (Autor:in), 2020, Philosophie in der Oberstufe. Staatstheorien und Gesellschaftsverträge (Klasse 13, Ethik), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983934