Gryphius, Andreas - Über die Geburt Jesu


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

7 Seiten, Note: 2


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Interpretieren sie Franz Kafkas Parabel ,,Heimkehr" und vergleichen sie deren Aussage mit der der Parabel vom verlorenen Sohn!

In seiner Parabel ,,Heimkehr" beschreibt Franz Kafka die Situation einer Person, die nach wahrscheinlich langer Zeit in die Heimat zurückkehrt und diese, obgleich sie teils vertraut ist, wie eine Fremde wirkt. Der Angekommene bleibt deshalb auf Abstand und horcht nur und schaut, ohne in seine Umgebung einzugreifen und an ihr teilzunehmen. Als der Sohn seines Vaters Hof erreicht, blickt er sich um. Dieses Umherschweifen des Blickes zeugt von einer gewissen Unsicherheit des Betrachters, der doch eigentlich vertrauten Umgebung gegenüber, auch aber einer Neugier auf das, was ihn erwartet. Wäre4 der Hof ihm vertraut, im Sinne einer Alltäglichkeit, gewesen, hätte er sich nicht zunächst umschauen müssen. Er hätte die Pfütze, das alte, unbrauchbare Gerät und die Katze gar nicht so bewusst wahrgenommen, dass er es für nötig hielt, solche scheinbaren Unwichtigkeiten zu erwähnen; vielleicht hätte er sie gar nicht gesehen.

Dass es ,,Vaters alter Hof" ist, und dass er schließlich ,,angekommen" ist, lässt trotz allem auf einen gewissen Grad an Vertrautheit schließen, doch scheint keine Geborgenheit in der Vertrautheit zu liegen, alles ist eher nur bekannt, als tatsächlich vertraut. Alles, was der Zurückgekehrte sieht, ruft Erinnerungen in ihm wach, doch die Bilder sind kalt und emotionslos (,,kalt" auch Z.11), und in ihnen steckt eine vergessene, vielleicht auch absichtlich verdrängte Kindheit.

Unsicherheit und Zweifel kommen schließlich durch die Fragen ,,Wer wird mich empfangen?

Wer wartet hinter der Tür der Küche?" (Z.7 ff) deutlich zum Ausdruck. Zwar erwartet die berichtende Person, empfangen zu werden, doch sind Zweifel da, von wem, ob von jemand Vertrauten oder Fremden, sei es die gleiche Person, ob er überhaupt begrüßt wird, und ob er erwünscht ist.

Die Fragen bleiben zunächst ohne Antwort, die Hauptperson scheint sie zu kennen. Statt dessen widmet er sich wieder seinen Beobachtungen. Sofort kann er die Bilder Ereignissen zuordnen, er weiß, dass ,,Kaffee zum Abendessen" gekocht wird, weil Rauch aus dem Schornstein kommt, doch im gleichen Moment kommt wieder eine gewisse Distanz zu dem Vorgang zum Vorschein, denn der Erzähler muss direkt diese Vertrautheit hinterfragen, er zweifelt, ob er sich tatsächlich ,,zu Hause" und ,,heimlich (Z.10) fühlt. Er ,,weiß es nicht" (Z.10) und ist ,,sehr unsicher" (Z.11).

Seine weiteren Betrachtungen zeigen, wie kalt und entfremdet ihm die Heimat ist. Der Ich- Erzähler sieht nur die Fassaden der Häuser, doch nicht die Wärme und Geborgenheit, die sie bedeuten und vielleicht auch einmal für ihn bedeutet haben. Alles ist ,,mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt" (Z.12), die ihm jetzt unbekannt oder verfremdet sind. Er erkennt, dass er sie ,,teils niemals kannte" (Z.14), und eine wenig Trauer und Melancholie schwingt in den Worten mit, die Erkenntnis, dass er sich vielleicht niemals richtig zu Hause hatte fühlen können, dass das, was seine Heimat sein sollte, eigentlich ein großes Unbekanntes ist.

Dieses Wissen veranlasst ihn zu Zweifeln an sich selbst, an seinem Nutzen für seine Familie und deren Umfeld. Er möchte nicht in ihr geregeltes Leben eindringen, und sie der Verlegenheit bewahren, ihn wieder integrieren zu müssen, eventuell ihren gesamten Plan durcheinanderwerfen zu müssen.

Er wagt es nicht, ,,an der Küchentür zu klopfen" (Z.16) aus Angst und Verlegenheit, erkannt und ertappt zu werden, was eine Bloßstellung zur Folge hätte. Er müsste der Familie erklären, warum er wieder zurückgekehrt ist, vielleicht müssten sie einander verzeihen, doch das wird dem Leser vorenthalten.

Aus Distanz horcht er nur, was seinen Wunsch ausdrückt, doch wieder aufgenommen zu werden, etwas Gewohntes zu vernehmen, und nicht mehr wie ein Fremder da zu stehen. Doch in ,,Horcher" zu sein widerstrebt der Person auch, daher horcht er ,,von der Ferne" (Z.13), um nicht ertappt zu werden. Mit diesem Verhalten kommt eine Angst zum Vorschein, dass er auch nicht die Familie verletzen möchte, indem er ihr zeigen würde, wie distanziert und fremd er sich fühlt. ,,Ferne" kann hierbei sowohl räumlich als auch gedanklich gesehen werden. Er steht in der ferne, ist aber auch auf einem ganz anderen, fernen geistigen Standpunkt, in seiner Abgekapseltheit von seiner Heimat.

Nichts als einen Uhrenschlag kann er in der Stille vernehmen, wobei er sich einmal sicher ist, ob der Ton in der Realität oder nur in seiner Phantasie existiert. Seine Wahrnehmung ist durch die vielen verschiedenen Eindrücke verzerrt, und das monotone Ticken einer Uhr untermalt seinen Gefühlszustand, aber auch, dass seine Eindrücke vielleicht für länger als erwünscht andauern werden. Es steht für die Zeit, die vergangen ist, seit seine Kindheit vorbei ist. ,,Was sonst in der Küche geschieht" (Z.22), kann der Zurückgekehrte nicht wahrnehmen, es ,,ist das Geheimnis der dort Sitzenden" (Z.22/23), an dem er nicht teilhaben kann, ,,das sie vor [ihm] wahren" (Z.23). Es ist sein Eindruck, dass man ihn nicht mehr teilnehmen lassen will, das man ihn bewusst ausschließt aus ihrem Leben. Jedoch tritt er dieser Aussage relativ nonchalant entgegen, er nimmt es als eine Tatsache hin und klagt seine Familie nicht an. Vielmehr findet er bei sich selbst die Ursache für sein Nichtteilhaben, auch wenn er nicht böse oder verzweifelt darüber ist. Er erkennt lediglich, das er um so ,,fremder" (Z. 24) wird, ,,je länger [er] vor der Tür zögert" (Z.23/24). Mit jeder sekunde, die er draußen steht, verpasst er eine Sekunde des Lebens seiner Familie und entfremdet sich dadurch von ihr. Plötzlich kommt der Erzähler der Gedanke, dass doch jemand hinauskommen und ihn etwas fragen könnte. Welche Frage gestellt werden könnte, ist gleich, es wäre eine Frage, die Misstrauen und Distanz des Fragenden gegenüber dem Fremden ausdrückte. Es wäre kein Willkommen, und auch, wenn, würde erst der Grund für die Wiederkehr hinterfragt werden. Eine Frage ist immer nur an den Gegeüber gerichtet und gibt nichts des Geheimnisses preis, das den Fragenden umgibt, sondern fragt nach den Geheimnissen des Befragten. Diese Situation jagt dem Zurückgekehrten Bedenken ein. Plötzlich ist die Fremde, die er verspürt hat, als er auf des Vaters alten Hof zurückgekehrt ist, nicht mehr nur einseitig, sondern lässt sich auch auf die Person selbst beziehen. Er ist selber der Fremde, der vor den anderen sein Geheimnis wahren möchte. Denn sein Leben, seine Gedanken und sein Handeln sind den Anderen genauso fremd und unbekannt, wie deren Leben, Gedanken und Handeln für ihn.

Eine Aussage der Parabel zu bestimmen, ist nicht ganz einfach. Die Parabel wird von den Eindrücken, Fragen und Gefühlen des Protagonisten und Ich-Erzählers bestimmt, und die Aussage liegt dadurch hierin.

Das Tertium Comparationis lässt sich an mehreren Aspekten festlegen, da im Grunde jede Handlung auf unsere Realität zu übertragen ist. Es kommt keine direkt unwirkliche Begebenheit, wie es bei Kafka oft der Fall ist, neben den uns bekannten und vertrauten Situationen vor.

,,Heimkehr" enthält keine direkte Belehrung oder Antwort, wie es für Parabeln üblich ist, sondern konzentriert sich auf die Gefühle und Eindrücke, die jemand hat, wenn er nach langer Zeit zu einem einst vertrauten Ort zurückkehrt.

Die Parabel vom verlorenen Sohn aus Lukas 15,11-32 beschreibt eine ähnliche Begebenheit wie die Parabel Kafkas. Auch hier kehrt ein Sohn nach langer Zeit zu seinem väterlichen Anwesen zurück.

Er war mit seinem Erbe losgezogen und hatte es vergeudet und ausgegeben. Demütig und sich seiner Schuld bewusst kehrt er zum Vater zurück um sich dort als ,,Tagelöhner" (V.19) zu unterwerfen. Doch der Vater empfängt ihn mit offenen Armen, vergibt ihm und veranstaltet ein Fest für den ,,wieder lebendig gewordenen" (V.24) Sohn.

Die Aussage dieses religiösen Gleichnisses bezieht sich zum einen auf den Ankommenden, zum anderen aber auch auf den Empfangenden. Der, der zurückkommt, soll Demut zeigen und sich seiner Schuld bewusst sein, während der, der ihn empfängt, ihm diese Schuld vergeben sollte, Güte, Barmherzigkeit und Liebe zeigen und Gnade walten lassen sollte. Bei Kafka wird ein bestimmtes Verhalten des Erwartenden nicht erwähnt. Sie können nichts dafür, dass der Zurückgekommene sich nicht zu erkennen gibt.

Ach das Gewicht der Schuld verlagert sich hier auf andere Aspekt. Schuld wird gar nicht angesprochen und nur andeutungsweise in die Gefühle des Protagonisten gelegt, der sich ,,schuldig" fühlt, weil er nicht teilhat am Leben der Familie.

Eine Lehre wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn ist also in Kafkas Parabel nicht zu finden. Es gibt keine Versöhnung zwischen den Verwandten, es wird weder Reue noch Vergebung gezeigt. Es geht hier mehr um die Entfremdung und den Menschen als alleinexistierendes Wesen, das ganz auf sich gestellt ist, und nicht um eine Gemeinschaft und Zusammenhalt wie bei Lukas. In Kafkas Heimkehr bleibt die Heimat eine Fremde, während in Lukas Heimkehr die Heimat immer die Heimat war und es auch bleibt. Hier sind alle fröhlich und feiern ein Fest, während Kafkas Person in der grauen, einsamen Gegend stehenbleibt. Nur ein Wilkenbruch fehlt hier noch, der den armen Kerl nass und kalt bis auf die Knochen macht.

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Gryphius, Andreas - Über die Geburt Jesu
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
7
Katalognummer
V98399
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gedichtanalyse
Schlagworte
Barock, Gryphius, Gedicht, Textanalyse
Arbeit zitieren
Elena Andrae (Autor), 2000, Gryphius, Andreas - Über die Geburt Jesu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98399

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