Der Film als Medium im Sachunterricht. Das Beispiel der "Die Maus im Mittelalter"


Hausarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vorzüge des Filmeinsatzes im Unterrichts

3. Die Nachteile des Filmeinsatzes im Unterricht

4. Filmanalyse „Die Maus im Mittelalter“
4. 1 Einleitung
4. 2 Hildesheim
4. 3 Bischof Bernhardt
4. 4 Leben im Kloster
4. 5 Handwerker und Kaufmann auf dem Markt
4. 6 Bauer und Bäuerin
4. 7 Ernährung
4. 8 Feldarbeit

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Sachunterricht der Grundschule werden die unterschiedlichsten Medien verwendet. Eines dieser Medien ist der Film.

Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen, die die Verwendung dieses Mediums im Schulunterricht mit sich bringt. Der Schwerpunkt liegt auf dem historischen Lernen im Sachunterricht, auch wenn einige der Vor- und Nachteile sicher auf andere Bereiche des Sachunterrichts übertragbar sind.

In dem zweiten Teil geht es dann um den Film „Die Maus im Mittelalter“, der im Sachunterricht Verwendung finden könnte.

Es soll darum gehen zu überprüfen, inwieweit der Film für den Unterricht geeignet ist. Ist das Bild, das die Kinder nach dem Schauen dieses Filmes vom Mittelalter haben, angemessen? Dient der Film zum besseren Verständnis dieser lange zurückliegenden Zeit, die von Kindern in der Regel als Glanzzeit der Geschichte betrachtet wird?1

2. Die Vorzüge des Filmeinsatzes im Unterricht

Das Geschichtsbewusstsein von Kindern speist sich nicht nur aus dem Sachunterricht, sondern natürlich auch aus anderen Quellen. Der Film spielt hierbei möglicher Weise eine bedeutende Rolle. Doch was genau sind die Vorzüge des Filmeinsatzes im Sachunterricht?

Filme kommen den kindlichen Sehgewohnheiten und Anschauungsbedürfnissen sehr entgegen.2 Mit dem Film knüpft die Schule an den Erfahrungsbereich der Kinder an, denn das Medium Film ist den Kindern aus dem Alltag vertraut. Auf diese Weise werden Kindern fremde historische Sachverhalte durch ein bekanntes Medium nahe gebracht.3

Die Beliebtheit des Mediums Film hängt auch damit zusammen, dass bei den Zuschauern keine großen intellektuellen Fähigkeiten vorhanden sein müssen, um einen Film zu verstehen.4

Der Film knüpft an die vielfältigen Vorerfahrungen und Interessen der Kinder mit Medien an. Beim Umgang mit Filmen lernen die Schüler gezieltes Fragen, genaues Hinschauen und konzentriertes Zuhören. Auf diese Weise erkennen sie, dass das Fernsehen ein Lernmedium ist, das sie für ihr Informationsbedürfnis nutzen können.5

Filme bieten die Möglichkeit, Phänomene, Vorgänge und Prozesse der Wirklichkeit zu veranschaulichen, die der direkten Anschauung sonst nicht zugänglich wären. Der Film bedient sich hierbei einiger „Tricks“, so können dem Zuschauer beispielsweise sehr lange Vorgänge per Zeitraffung vor Augen geführt werden oder er erhält von zeitlich oder räumlich weit entfernten Schauplätzen eine Vorstellung. Weitere Möglichkeiten, die der Film auf diesem Gebiet hat, sind die Zeitlupe und die Vergrößerung von kleinen oder verborgenen Prozessen.6 Der Film bietet außerdem die Möglichkeit, einzelne Sequenzen oder den gesamten Film wiederholt anzuschauen, wenn dies zum besseren Verständnis notwendig ist.7

Filme können daneben auch Leben simulieren, da Bewegungen sichtbar sind. Dadurch können nicht zur Zustände, sondern auch Handlungen in ihrem Verlauf vor Augen geführt werden. Kinder gewinnen den Eindruck, als erlebten sie historische Aktionen wirklich mit und seinen nicht nur distanzierte Beobachter. Sie fühlen sich, als hätten sie Anteil an dem Geschehen.

Historische Abläufe, die sonst nicht zu beobachten sind, werden auf diese Weise sichtbar und Geschichte wird für die Schüler leichter fassbar.8 Wie kein anderes Medium fördert der Film die Bereitschaft, sich in die erzählte und gezeigte Geschichte hineinziehen zu lassen. Die historische Realität erscheint konkreter und plastischer und im Unmittelbarkeitserlebnis werden Emotionen freigesetzt.9 Filme transportieren Gefühle, sprechen das Unterbewusstsein an und provozieren beim Betrachter Gefühlsäußerungen.10

Auch komplexe Verhältnisse und Prozesse können mit Hilfe von Filmen durchschaubar gemacht werden, indem Sachstrukturen freigelegt werden und Unwichtiges und Störendes weggelassen wird.11

Filme können ähnlich wie Kinderbücher Geschichten erzählen, die vor allem im Bereich des sozialen und des interkulturellen Lernens als Lernanlässe dienen können. Gerade dieses Filmgenre, das die Möglichkeit zur Identifikation bietet, ist bei Kindern sehr beliebt.12

Es gibt keine Quelle und kein Medium, das dem Film hinsichtlich seiner Intensität, seiner Faszination, seiner Suggestivität, seiner Ausdrucksstärke und seiner Erlebnisqualität gleich käme. Filme regen die Phantasietätigkeit an und fordern zur Parteinahme und Identifikation heraus.13

Außerdem bleiben Informationen, die über das Auge und das Ohr aufgenommen werden, nachhaltiger im Gehirn haften als solche, die durch das Lesen eines Textes erworben werden.

Zudem hat der Film spezielle Möglichkeiten die Fundorte, die räumliche und sachliche Umgebung des Objekts, seine Nutzung, die Verwendungsmöglichkeiten und Funktionen zu erläutern, die das geschriebene Wort nicht besitzt.14

3. Die Nachteile des Filmeinsatzes im Unterricht

Neben all den bereits genannten Vorteilen, gibt es aber natürlich auch bei dem Medium Film Nachteile.

Ein großer Nachteil ist, dass Filme kein Abbild der Wirklichkeit darstellen, sondern vielmehr eine eigene Wirklichkeit schaffen.15 Die Schüler könnten die Einstellung bekommen, dass es so gewesen sei, wie es der Film zeigt. Doch Geschichte ist nicht die Vergangenheit, sondern eine Vorstellung von der Vergangenheit.

Außerdem erwecken Filme den Anschein von Objektivität und sprechen gleichzeitig stark die Emotionen an. Sie bieten Möglichkeiten zur Identifizierung an und können auf diese Weise die notwendige Distanzierung erschweren.16 Die Gefahr der Beeinflussung und Manipulation ist sehr groß.17 Eine kritische Perspektive bleibt bei allen Filmen notwendig.18

Das distanzlose Miterleben, das kritiklose Sicheinlassen auf die Filmhandlung und die Faszination der laufenden Bilder stellen beim Medium Film eine Gefahr dar. Der Zuschauer kann nicht in das gefilmte Geschehen eingreifen und nur schlecht bei bestimmten Szenen verweilen, auch wenn ein wiederholtes Betrachten einzelner Sequenzen möglich ist.

Der Kameramann und der Regisseur haben einen großen Einfluss auf die Inhalte der Filme und die Art und Weise seiner Darbietung. Auf diese Weise erhält der Film einen gewissen interpretativen Charakter.19

Filme begünstigen auch frontalunterrichtlich-lehrerzentrierte Unterrichtsformen. Der Film wird auch als „visueller Lehrervortrag“, als ein Instrument in den Händen des Lehrers bezeichnet. Wenn es nicht gelingt, die Arbeit mit Filmen in arbeitsunterrichtliche und handlungsorientierte Lernarrangements zu integrieren, muss sie fragwürdig erscheinen.20

4. Filmanalyse „Die Maus im Mittelalter“

4.1 Vorstellung des Inhaltes

Zu Beginn einer jeden „Sendung mit der Maus“ wird kurz vorgestellt, worum es in dieser Sendung gehen wird. Als erstes kommt die Vorstellung in Deutsch und darauf folgt die Vorstellung in einer anderen Sprache. Um welche Sprache es sich handelt, wird erst zum Ende der Vorstellung gesagt. Als Zuschauer versucht man durch genaues Hinhören herauszufinden, um welche Sprache es sich dieses Mal handelt.

Bei der Sendung „Die Maus im Mittelalter“ wird die Sprache Althochdeutsch verwendet.

Wahrscheinlich haben Kinder im Grundschulalter noch nie davon gehört, dass es eine solche Sprache wie Althochdeutsch überhaupt gab und dass man sie vor 1000 Jahren gesprochen hat.

Sie werden verwundert sein, dass heute beinah keines der Worte für sie verständlich ist, obwohl es sich dem Namen nach um eine besondere Form des Deutschen handelt.

Die Kinder werden schon durch den Vorspann der Sendung darüber informiert, dass es in der Sendung um eine lange zurückliegende Zeit geht. Ihr Interesse kann durch die seltsame Sprache geweckt worden sein, die man vor 1000 Jahren gesprochen hat.

4.2 Hildesheim

Die Sendung beginnt damit, dass der Zuschauer darüber informiert wird, wohin es gehen soll, nämlich nach Hildesheim. Auch mit Christoph wird er bekannt gemacht, der in Hildesheim geboren worden ist. Dann wird gesagt, dass es die Stadt schon vor tausend Jahren gab und dass es sogar heute noch etwas gibt, was es schon damals gab: Die Michaeliskirche. Darauf folgt die Frage, wie das Leben vor tausend Jahren eigentlich aussah.

Der Zuschauer sieht ein Modell Hildesheims vor tausend Jahren, das im Stadtmuseum zu finden ist. Hildesheim war eine wichtige Stadt, aber hatte ungefähr nur 500 Einwohner. Die Michaeliskirche war zu der Zeit gerade im Bau und sollte Teil eines Klosters werden.

An dieser Stelle wird die Kirche auf dem Stadtmodell gezeigt und gleich danach, wie die Kirche heute aussieht. Einem Kind, das den Film anschaut, wird auf diese Weise ganz deutlich bewusst, dass es die Kirche bereits vor tausend Jahren gab, aber sie auch heute noch zu finden ist. Das Kind stellt sich vielleicht auch die Frage, welche Gebäude es in seinem Heimatort gibt, die bereits tausend Jahre alt sind.

Der Zuschauer begleitet Christoph zu seinem Geburtshaus, welches es damals noch nicht gab. Zu der Zeit gab es dort wahrscheinlich viel Wald. Dem Kind wird vor Augen geführt, dass auch seine Umgebung zu Hause nicht immer so aussah, wie es sie heute vorfindet. Es könnte zu Fragen angeregt werden: Was war früher an der Stelle, wo heute unser Haus steht?

Als nächstes folgt die Frage des Erzählers, was man heute noch finden kann, was es damals schon gegeben hat. Christoph macht sich auf die Suche und findet im Hildesheimer Dom eine Bronzetür mit Geschichten aus der Bibel, die vor tausend Jahren entstanden ist.

An dieser Stelle kann die Lehrkraft die Schüler darauf hinweisen, dass es sich bei der Bronzetür um eine Quelle handelt. Kinder können anfangen zu verstehen, dass man Quellen benutzt, um sich ein Vorstellung von der Vergangenheit machen zu können.

Die auf der Bronzetür abgebildeten Menschen werden nun näher betrachtet und es wird die wichtige Information gegeben, dass die Künstler vor tausend Jahren die Menschen der biblischen Geschichten so darstellten, als hätten sie zu ihrer Zeit gelebt.

Die Kinder werden an dieser Stelle explizit darauf aufmerksam gemacht, dass die Tür nicht zeigt, wie die Menschen aus den biblischen Geschichten aussahen, sondern dass man durch die abgebildeten Personen weiß, wie die Menschen zur Zeit des Mittelalters aussahen.

Nach dem genaueren Betrachten der auf der Tür abgebildeten Menschen, kommt die Frage auf, wer diese Tür gemacht hat. Es war Bischof Bernhardt, doch unklar ist, ob er sie tatsächlich selber gemacht oder sie nur in Auftrag gegeben hat. Es wird ein Denkmal von Bischof Bernhardt gezeigt.

4.3 Bischof Bernhardt

Zu sehen ist nun ein Denkmal des Bischofs und Christoph, der davor steht und es betrachtet. Christoph hat einen Menschen vor sich, der vor tausend Jahren gelebt hat. Doch der Bischof sah gar nicht so aus, wie er auf dem Denkmal dargestellt ist, denn es ist gerade hundert Jahre alt.

Hinter das Denkmal des Bischofs wird eine weiße Leinwand gespannt und es wird genauer hingeschaut, was es vor tausend Jahren schon gab und was nicht. Die Bischofsmütze gab es damals noch nicht, also verschwindet sie von dem Denkmal. Auch das Gewand des Bischofs entspricht nicht der damaligen Mode und kommt weg, ebenso wie sein Gesicht, denn man weiß nicht, wie der Bischof ausgesehen hat. Wie die Schuhe damals aussahen, weiß man heute auch nicht mehr. Der Bischof hatte wahrscheinlich einen Bischofsstab, doch ein anderes Modell, also muss auch dieser verschwinden. Am Ende bleiben von dem Bischof nur noch die Handschuhe übrig.

Die einzelnen Gegenstände „verschwinden“ nach und nach und die Kinder können nachvollziehen, weshalb der Bischof nicht so ausgesehen hat, wie ihn das Denkmal zeigt. Dadurch wird ihnen ebenfalls vor Augen geführt, dass es wichtig sein kann, Denkmäler und Bilder kritisch zu hinterfragen, da man zu ihrer Entstehungszeit oft nicht wusste, wie die Personen wirklich ausgesehen haben.

[...]


1 Schomaker, Mittelalter, S. 87.

2 Von Reeken, Historisches Lernen, S. 107.

3 Hantsche, Veranschauungsmöglichkeit, S. 130.

4 Schneider, Handbuch Medien, S. 366.

5 Von Reeken, Handbuch Methoden, S. 101.

6 Von Reeken, Handbuch Methoden, S. 101f.

7 Ebd., S.102.

8 Von Reeken, Historisches Lernen, S. 107.

9 Schneider, Handbuch Medien, S. 371.

10 Ebd., S. 369.

11 Von Reeken, Handbuch Methoden, S. 102.

12 Ebd., S. 102.

13 Schneider, Handbuch Medien, S. 371.

14 Schneider, Handbuch Medien, S. 373.

15 Von Reeken, Handbuch Methoden, S. 100.

16 Ebd., S. 100.

17 Ebd., S. 102.

18 Ebd., S. 100.

19 Schneider, Handbuch Medien, S. 375.

20 Von Reeken, Handbuch Methoden, S. 100.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Film als Medium im Sachunterricht. Das Beispiel der "Die Maus im Mittelalter"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für Didaktik der Geschichte)
Veranstaltung
Begleitseminar zum Kernpraktikum
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V984040
ISBN (eBook)
9783346341686
ISBN (Buch)
9783346341693
Sprache
Deutsch
Schlagworte
film, medium, sachunterricht, beispiel, maus, mittelalter
Arbeit zitieren
Anna Dück (Autor), 2007, Der Film als Medium im Sachunterricht. Das Beispiel der "Die Maus im Mittelalter", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984040

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