Übergänge in der Lebensphase Kindheit. Ein Portfolio


Ausarbeitung, 2020

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Essay

Statements und Kriterienkatalog

Kommentierungen (Screenshots)

Reflexion

Literaturverzeichnis

Anmerkung der Redaktion: Teil der Arbeit wurden aus redaktionellen Gründen entfernt.

Einleitung

Die vorliegende Ausarbeitung in Form eines Portfolios fokussiert sich auf die Thematik der Übergänge. Im Speziellen erfolgt die Auseinandersetzung mit Übergängen in der Lebensphase Kindheit. Die Darstellungen basieren auf der Grundlage der Vorlesung „Sozialpädagogik der Übergänge" von Dr. Caroline Schmitt im Wintersemester 2019/20 und dem Seminar „Übergänge in der Lebensphase Kindheit" von Prof. Dr. Sabine Bollig im Sommersemester 2020.

Der Übergangsbegriff selbst weist eine unüberschaubare Vielfalt von Definitionen auf. Alltagssprachlich beschreiben Übergänge Ortswechsel durch Überqueren, Übergehen, Weggehens sowie Eintreten und beziehen sich demnach auf die Bewegung zwischen zwei fixen Punkten. Sozialwissenschaftlich betrachtet, gilt der Übergangsbegriff als Rollen- und/oder Statuswechsel in subjektiven sozialen Verhaltensverläufen oder als Entwicklungsschritte innerhalb der Lebensspanne (Walther S. 45). Dementsprechend gelten Übergänge als Verbindungsstelle zwischen verschiedenen Lebensphasen und ziehen sich durch den gesamten Lebensverlauf des Menschen (vgl. Walter- Laager/Petritsch 2018, S. 15). Folglich wird jeder Mensch im Laufe seines Lebens regelmäßig mit Übergängen konfrontiert. Die ersten Übergänge finden schon im frühen Kindesalter statt und auch die darauffolgenden Lebensphasen sind von Übergangsituationen geprägt. Hierzu zählt beispielsweise der Berufseinstieg, der Beginn des Studiums oder die Pensionierung. Auch außerhalb der Schullaufbahn und des Berufslebens ist der Mensch fortlaufend mit Übergängen, wie zum Beispiel eine Heirat, ein Umzug, eine Scheidung, konfrontiert. Übergänge weisen einen vielfältigen Charakter auf. Sie können entweder als schmerzhaft und unerfreulich oder als angenehm und erfolgreich wahrgenommen werden und gelten somit sowohl als Chancen als auch als Risiken. Diese Übergänge können demnach sowohl vertikal als auch horizontal erfolgen. „Vertikale" Übergänge bezeichnen solche von einer Stufe im Bildungssystem zur nächsten. „Horizontale" Übergänge bezeichnen hingegen Wechsel im pädagogischen Setting.

Das Phänomen der „Übergänge" ist in den letzten Jahrzehnten verstärkt in den Fokus der Sozialpädagogik gerückt. Pädagogische Relevanz hat der Übergangsdiskurs vor allem deshalb, weil sie Erziehungs-, Bildungs- und Hilfeziele und die ihnen zugrundeliegenden Adressatenkonstruktionen prägen. Sie enthalten nicht nur normative Vorstellungen des Gelingens und Scheiterns von Übergängen, sondern sind darüber hinaus auch mit Fragen des Wissens und Könnens verbunden, die sich aus den Anforderungen von Lebensaltersrollen ableiten. Weil Kinder vieles noch nicht können und wissen, was Erwachsene für ein „erfolgreiches Leben und eine gut funktionierende Gesellschaft“ (Rychen/Salganik 2003) für relevant halten, werden sie als gesellschaftliche Ressource adressiert, die so früh wie möglich gefördert, schulfähig und ausbildungsreif gemacht werden muss. Erwachsene gelten demgegenüber als mündige Bürgerinnen und freiwillige Nutzerinnen von Bildungsangeboten (vgl. Hof/Maier-Gutheil 2014); es sei denn sie verwirken den Erwachsenenstatus, indem sie straffällig oder verrückt werden bzw. sich als nicht beschäftigungsfähig erweisen (vgl. Ludwig-Mayerhofer 2014).

Das Portfolio befasst sich im Rahmen eines Essays zunächst mit der speziellen Thematik des Wechsels von der Grundschule in die Sekundarstufe als doppelter Übergang für Kinder mit Migrationshintergrund. Im Weiteren erfolgt die Auseinandersetzung mit der Übergangsgestaltung im Rahmen der Heimerziehung. Dazu wurden Statements und ein Kriterienkatalog für eine gelungene Übergangsgestaltung anhand der zwei Texte, Birgit Lattschar (2012): Biografiearbeit in der Jugendhilfe sowie Susanne Siebholz (2013): Adressat/-innen, Schülerinnen, Familienkinder? Institutionalisierung von Kindheit im Spiegel der Biographien von Kindern in Heimen, ausgearbeitet. Im Weiteren werden die Kommentierungen anderer Statements und Kriterienkataloge sowie eines Screencasts mittels Screenshots dargestellt. Die sich anschließende Analyse und Weiterentwicklung der Konzeption zur Arbeit im Jugendheim Hövelriege e.V. greift die theoretisch erarbeiteten Grundlagen auf und wendet sie praktisch an.

In der abschließenden Reflexion wird anhand des TZI-Dreiecks die aufgearbeitete Thematik im Hinblick auf neu Erlerntes, zweifelhaftes und überraschendes untersucht, die Relevanz der Materie für eigene, vergangene und folgende Übergänge sowie die Schlussfolgerung für das eigene zukünftige pädagogische Arbeiten/Handeln erläutert.

Essay

- Der Wechsel von der Grundschule in die Sekundarstufe als doppelter Übergang für Kinder mit Migrationshintergrund -

In keiner Lebensphase werden Menschen mit einem solchen Maß an Übergängen konfrontiert wie in ihrer Kindheit (vgl. Eickhoff/Reinwand 2011, S. 7). Innerhalb der Kindheit erleben sie den Übergang von der Familie in den Kindergarten, vom Kindergarten in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Darüber hinaus kann es neben diesen institutionellen Übergangsprozessen auch innerhalb der familiären Lebensumwelt der Kinder zu Übergangssituationen kommen. Beispielsweise gelten eine Trennung oder Scheidung, die Gründung einer neuen Partnerschaft oder auch einer Stieffamilie als mögliche Übergangserfahrungen im Kindesalter (vgl. Griebel/Niesel 2004, S. 35). All diese Übergänge haben bedeutende Rollen- und Statuswechsel der betroffenen Kinder zur Folge und bringen einige Anforderungen zur Bewältigung für diese mit sich. Die Bewältigung von neuen Lebenssituationen ist demzufolge kennzeichnend für die Bildung und Entwicklung von Kindern (vgl. Griebel/Niesel 2007, S. 212).

In Übergangssituationen erleben Kinder meist einen Statuswechsel, eine Neudeutung ihrer Biografie und eine veränderte Außendarstellung. Infolgedessen stehen sie vor der Aufgabe, in kürzester Zeit eine Anpassungs- und Neustrukturierungsleistung zu vollziehen (vgl. Haug-Schnabel, 2006, S. 16). Demzufolge erfordern Übergangssituationen im Kindesalter eine angemessene Vorbereitung, Begleitung und Unterstützung durch Erwachsene (vgl. Fasseing Heim et al 2018, S. 7). Nicht nur die Kinder selbst, sondern auch ihre Eltern, die Zuständigen der familienergänzenden Angebote und Pädagogen sind aktiv an den Übergangsprozessen beteiligt. Die Eltern übernehmen in Übergangssituationen eine Doppelfunktion. Während sie eine Unterstützungsfunktion für ihre Kinder leisten müssen, durchlaufen sie parallel einen eigenen Übergang und Wandel ihrer aktuellen Lebenssituation, der ebenfalls Anpassung abverlangt. So verändert sich beispielweise ihre Rolle von den Eltern eines Kindergartenkindes zu den Eltern eines Schulkindes (vgl. Griebel/Niesel 2004, S. 37f.; vgl. Weingard 2012, S. 5). Des Weiteren bedarf es in anforderungsreichen Übergangssituationen der professionellen Unterstützung und Begleitung durch pädagogische Fachkräfte. Es ist die Aufgabe von Pädagogen, Kindern und ihren Eltern bei der aktiven Bewältigung von Übergängen beizustehen, damit diese sich Bewältigungskonzepte aneignen, die auch in zukünftigen Übergangssituationen anwendbar sind. Die Übergangsthematik gilt als Bestandteil der beruflichen Routine von Pädagogen (vgl. Fasseing Heim et al 2018, S. 7f.). Ohne die elterliche oder professionelle Unterstützung besteht die Gefahr, dass Kinder ihre Übergänge weder selbstaktiv noch wirksam bewerkstelligen können und folglich, bei alleiniger Bewältigung, Strategien entwickeln, die in künftigen Übergangssituationen vermeidendes Verhalten hervorrufen (vgl. Fasseing Heim et al 2018, S. 7). Angemessene unterstütze und begleitete Übergänge bewirken dementgegen die selbstaktive Gestaltung von Übergängen durch Kinder und stärken damit deren seelische Widerstandskraft. Dadurch werden Kinder standhafter gegenüber eintretender Entwicklungskrisen (vgl. Haug Schnabel 2006, S. 16; vgl. Weingard 2012, S. 5f.). Die Bewältigung von Übergängen und die Überwindung möglicher Diskontinuitäten können als bedeutsame Impulse für die Identitätsentwicklung der Kinder genutzt werden. Ebenso bewirken erfolgreiche Übergänge die Beschleunigung von kindlichen Lernprozessen (vgl. Fasseing Heim et al 2018, S. 7f.).

Übergänge sind insbesondere im deutschen Bildungssystem entscheidende Weichenstellungen für Bildungserfolg, beruflichen Einstieg und gesellschaftliche Partizipation. Aufgrund dessen hat die Bewältigung von Bildungsübergängen einen maßgeblichen Einfluss auf die Bildungsbiografien von Kindern und Jugendlichen. Im Schuljahr 2019/2020 sind in Deutschland rund 706 000 Schülerinnen und Schüler von der Grundschule in den Sekundarbereich I gewechselt (vgl. Statistisches Bundesamt Pressemitteilung vom 17.04.20120). Dieser Wechsel stellt einen der ersten Übergänge in der Kindheit dar und gilt aus bildungsbiografischer Sicht als besonders einschneidend sowie entscheidend. Die Bewältigung dieses Übergangs wirkt auf zukünftige Erwartungen und Haltungen des Kindes in späteren Übergangserfahrungen. Gerade an Übergängen im Bildungssystem können sich bestehende soziale Ungleichheiten verstärken. Ihre Gestaltung mit dem Ziel der Chancengleichheit stellt somit die unterschiedlichen Akteure im Bildungssystem vor große Herausforderungen (vgl. Bellenberg 2013, S.9).

Das deutsche Bildungssystem statuiert durch diverse institutionellen Regelungen und Verfahren die Struktur des Bildungsangebots, festgelegt werden sowohl Zugangs-, Bewertungs-, als auch Selektionskriterien (vgl. Solga/Wagner, S. 87). Nach der vorgesehenen 4 jährigen Grundschulzeit sind die Schülerinnen und Schüler in der Regel 10 Jahre alt und bestreiten bereits ihren zweiten institutionellen Wechsel. Schon hieran zeigt sich deutlich, dass die Gesellschaft durch frühe institutionelle Übergänge im Bildungswesen geprägt ist (vgl. Büchner/Koch 2001 S.11). Die Grundschule ist die einzige Station im Bildungssystem, an der alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden und „muss mit der besonderen Belastung einer noch unausgelesenen Schülerschaft zurechtkommen: Von hochbegabten bis förderbedürftigen Schülern, von „Überfliegern“ bis Langsam-Lernern, von sozioökonomisch Privilegierten bis sozial Benachteiligten.“ (Schorch 2007, S. 81). Somit ist die Leistungszusammensetzung so heterogen wie auf keiner weiteren Bildungssystemstufe. „Der Wechsel in die Sekundarstufe geht einher mit einer Aufgliederung in verschiedene Schulzweige, die an verschiedene Abschlüsse gekoppelt sind.“ (Gresch 2012, S.40). Diese frühe Selektionsfunktion des Übergangs wird aufgrund ihrer weitreichenden insbesondere bildungsbiographischen Bedeutung auch „Bildungsgelenkstelle“ genannt. Deutschland hat aufgrund seiner bundestaatlichen Ausgestaltung ein stark föderal geprägtes Bildungssystem. Die institutionelle Rahmung des Schulübergangs ist dementsprechend unterschiedlich in den jeweiligen Bundesländern geregelt. Im Folgenden wird lediglich auf die rheinlandpfälzischen Regelungen eingegangen.

Gemäß § 12 I der Übergreifende Schulordnung beziehungsweise § 16 I der Grundschulordnung wird für die Aufnahme in die Eingangsklasse der Orientierungsstufe der erfolgreiche Abschluss der Grundschule vorausgesetzt. Was ein erfolgreicher Abschluss der Grundschule bedeutet wird wiederum in § 46 der Grundschulordnung definiert. Demnach müssen die Schüler und Schülerinnen auf dem Jahreszeugnis der Klassenstufe 4 in mindestens zwei der drei Schulfächer Deutsch, Mathematik und Sachunterricht ein „ausreichend“ erreicht haben oder die schlechtere Note ausgleichen können. Nach § 16 II Grundschulordnung hat die Mitwirkung der Grundschule bei der Aufnahme in die Orientierungsstufe insbesondere mittels eines Empfehlungsschreiben zu erfolgen.

Diese Empfehlung wird von den Grundschullehrkräften für jeden Schüler auf Grundlage einer längerfristigen Beobachtung der Entwicklung, der Leistungen und des Arbeitsbeziehungsweise Lernverhaltens erstellt. Sie soll für die Eltern als Grundlage ihrer Entscheidung bezüglich des Wechsels ihres Kindes auf die weiterführende Schule dienen. Somit ist die Grundschulempfehlung beim Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule in Rheinland Pfalz nicht bindend, sondern hat einen lediglich informativen Charakter.

Der Übergang in eine weiterführende Schule stellt an die beteiligten Lehrer, Schüler und Eltern unterschiedliche Anforderungen. Während die Eltern mit der Auswahl der weiterführenden Schule am Ende der Grundschulzeit eine entscheidende biographische Weichenstellung für ihre Kinder vornehmen, stellt der Übergang für die Schüler einen tiefen Einschnitt im schulischen, aber auch im außerschulischen Lebensalltag dar. Den Lehrern wiederum fällt die Aufgabe zu, den Übergang pädagogisch so zu gestalten, dass die Schüler die erforderlichen Anpassungsleistungen auch erbringen können. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet der Wechsel auf die weiterführende Schule einen einschneidenden Umbruch. Die Veränderungen auf der individuellen Ebene betreffen neben dem Selbstkonzept auch die Identitätswahrnehmung der jeweiligen Kinder. Weitreichende Änderungen auf interaktionaler Ebene sind vor allem der neuen Klassenkonstellationen und neuen Lehrerinnen und Lehrer, mit denen sich die Kinder auseinandersetzen müssen, geschuldet. Die Bildung neuer und die gleichzeitige Veränderung bereits bestehender Beziehungen kennzeichnen den Übertritt von der Primar- in die Sekundarstufe. Durch den Wechsel entstehen zudem Veränderungen auf kontextueller Ebene durch divergierende Zeitstrukturen und räumlichen Bedingungen (vgl. Widmann 2014, S. 61; Krüger et al 2007, S. 509;). Diese Aspekte sind für die Kinder mit Risiken verbunden, können sich jedoch auch positiv auf die Entwicklung auswirken: „Sie können neue Erfahrungsräume, Handlungsmöglichkeiten und Entwicklungswege eröffnen und somit Potentiale freisetzen.“ (Koop et al 2010, S. 6). Durch die Verknüpfung von Übergang und Leistungsauslese, bedeutet der Wechsel für die Kinder auch die Veränderung des leistungsorientierten Selbstbildes (vgl. Bellmann 2013, S. 28). Entscheidend für die subjektive Bewältigung sind die Bewältigungsressourcen, welche dem jeweiligen Kind zur Verfügung stehen. Hier ist vor allem das familiäre Umfeld entscheidend. Ein offener Umgang mit der Thematik und die erforderliche Informationsvermittlung können den Kindern Sicherheit bezüglich der anstehenden Bewältigung des Übergangs geben. So wurde festgestellt, dass der aktive Einbezug der Kinder in die Schulwahl in der Regel mit einer positiven Schulantizipation und Übergangserfahrung einher geht (vgl. Helsper et al 2007, S.486). An dieser Stelle ist jedoch anzumerken, dass die Schulwahlentscheidung der Kinder weniger auf leistungsbezogenen Faktoren beruht, als vielmehr auf sozialen Komponenten. So ist der entscheidende Aspekt für die Schülerinnen und Schüler die Schulwahl ihrer Freunde (vgl. Büchner/Koch 2001, S.140).

Schülerinnen und Schüler, die während der Primarstufenzeit migrieren oder nie frühbildende Institutionen besucht haben, stehen vor einer doppelten Hürde. Sie müssen sowohl sprachliche Defizite, als auch kulturelle Praktiken des Einwanderungslandes parallel zum Schulunterricht erlernen.

Die Kinder sind somit einem doppelten Übergang ausgesetzt, den es zu bewältigen gilt. Die Herausforderung des „heimisch- Werdens“ oder „sich Einfinden“ in einem neuen Land geht einher mit der Angst, Sorge und Unsicherheit bezüglich des bevorstehenden Schulwechsels (vgl. Klinger 2018, S.103 ff.). Migrantenkinder sind in den höheren Schulformen deutlich unterrepräsentiert. Insbesondere ihre Benachteiligung in der Ausstattung mit übergangsrelevanten Ressource (Dollmann 2010, S.157) führen dazu, dass ihre Chancen eine höhere weiterführende Schule zu besuchen, sinken. Kinder aus Migrantenfamilien haben zunächst deutlich geringere Chancen, einen Übergang auf eine anspruchsvollere Schulart zu vollziehen. Diese Nachteile sind auf die schlechteren schulischen Leistungen am Ende der Grundschulzeit und die nachteiligere soziale Positionierung dieser Kinder zurückzuführen. Bei vergleichbaren Leistungen und einem ähnlichen familiären Umfeld zeigen sich hingegen Vorteile beim Übergangsverhalten für Kinder aus Migrantenfamilien (Dollmann 2016, S. 517). Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Bildungsaspirationen in Migrantenfamilien besonders hoch ist (Becker 2011, S.20).

Mit zunehmenden Alter werden die Quellen sozialer Unterstützung vielfältiger, während des Übergangsprozesses in die weiterführende Schule, stellen die Eltern beziehungsweise das familiäre Umfeld jedoch (noch) die wesentlichen sozialen Unterstützungsinstanzen dar (vgl. Knoppick et al 2018, S. 493 f.).

Für Eltern ist dieser Prozess oft mit Unsicherheiten und Sorgen verbunden, denn der Übergang auf eine weiterführende Schule kann sowohl Chance als auch Risiko darstellen (vgl. Sackmann 2007, S. 111). Erziehungsberechtigte agieren bei dieser Auswahl oftmals nach dem Rational-Choice-Modell, das heißt sie wägen die Nutzen und Kosten des jeweiligen zukünftigen Schulweges ab. „(...) Entscheidungsträger (greifen) auf die Alternative zurück, bei welcher der erwartete Nutzen die erwarteten Kosten übersteigt“ (Ditton 2005, S. 211). Darüber hinaus wird auch konstatiert, dass diese Entscheidung von der sozialen Position der Eltern abhängig ist (vgl. Kramer et al 2009, S.26).

Daraus ist zu schließen, dass eine Involviertheit in den Schulalltag des Kindes und ein Wissen über die Sekundarschulzweige eine wichtige Voraussetzung dafür sind, um positiv konnotierte und realistische Bildungsentscheidungen zu treffen (vgl. Becker 2010, S.8). Um dieses als Elternteil leisten zu können, muss natürlich eine gewisse sprachliche Basis vorhanden sein, damit Zusammenhänge verstanden werden können. Dieses stellt für Migrantinnen und Migranten oft eine erste große Herausforderung dar. Somit stellen sprachliche Defizite im Einwanderungsland ebenfalls eine besondere Hürde für Migrationsfamilien dar.

Des Weiteren bedarf es in anforderungsreichen (doppelten) Übergangssituationen, der Unterstützung pädagogischer Fachkräfte. Eingehende, regelmäßige und insbesondere für die (Migranten-)kinder und dessen Familie, verständliche, Beratung stellt den Grundpfeiler für die Übergangsgestaltung dar. Sowohl auf institutioneller, als auch individueller Ebene. Nur durch ausreichende Informationsressourcen auch über die institutionelle Rahmung des Übergangs an sich kann im Folgenden eine subjektivbiografische Bewältigung erfolgreich gelingen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Übergänge in der Lebensphase Kindheit. Ein Portfolio
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
25
Katalognummer
V984162
ISBN (eBook)
9783346357601
ISBN (Buch)
9783346357618
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Portfolio, Übergänge, Kindheit, Migration, Übergang, Pädagogik, Heim, Übergang weiterführende Schule, Übergang Sekundarstufe
Arbeit zitieren
Nana Schwind (Autor), 2020, Übergänge in der Lebensphase Kindheit. Ein Portfolio, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984162

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