Das Erziehungsideal des Führungscorps des Sicherheitsdienstes


Seminararbeit, 2000

19 Seiten, Note: 1.3


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historiographischer Überblick

3. Allgemeine Entwicklungstendenzen der Pädagogik in Deutschland 1933 - 1945

4. Das Erziehungsideal des Sicherheitsapparates
4.1. Praktische Umsetzung der ideologischen Vorgaben

5. Schlussbetrachtung

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als am 4. Juni 1942 Reinhard Heydrich starb 1 , ging trotz der exorbitanten Bedeutung dieser Person für die Errichtung des allumfassenden Sicherheitsapparates der nationalsozialistischen Machthaber keine Ära zu Ende. Bis 1940 könnte eine solche Annahme als zutreffend angesehen werden, jedoch war zum Zeitpunkt seines Todes der Weg abgesteckt, die Richtung unverkennbar klar: Die ,,Endl ö sung" 2 (der Holocaust an den europäischen Juden), die Vernichtung ,,Unwerten Lebens" (die gezielte Ermordung geistig oder körperlich gehandicapter Menschen), der Massenmord an ethnischen Minderheiten in Europa (z.B. Sinti und Roma) oder die brutale Unterdrückung jeglichen Widerstandes waren in vollem Gange. Dieser Brutalität folgend stellt die Betrachtung dieses Themas nicht nur die Frage nach vordergründigen Ereignissen, in gleichem Maße ist eine Beleuchtung der Hintergründe, der verdeckten Anatomie einer Diktatur, essentiell von Bedeutung.

Erziehung allgemein, Schule, Jugend und deren Beeinflussung, Formung bzw.

,,Nutzbarmachung" im Sinne der Diktatur sollen als eine wesentliche Entwicklung im nationalsozialistischen Deutschland im Zuge des vorzulegenden Essays erörtert werden. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den ,,Erziehungsansätzen" der Führungsschicht des Sicherheitsapparates um die SS.

Originär ist innerhalb dieses Apparates und durch seine Protagonisten weniger ein erziehungswissenschaftlicher Horizont auszumachen, denn eher ein ,,erziehen wollen" ohne den Versuch pädagogischer Untermauerung wie bei Krieck 3 oder Baeumler 4 . Dem Primat der Wirkung folgend, entfalteten die angesprochenen Vertreter der nationalsozialistischen Diktatur eine zwar deutlich ideologisch konotierte, jedoch im wesentlichen pragmatischen Gesichtspunkten gehorchenden Erziehungsgrundlage. Die Bedeutung ideologischer Überlagerung der Erziehung sollte allerdings keineswegs unterschätzt werden, was der dem RSHASS 5 und der direkten Kontrolle Himmlers unterordnete Verein ,,Lebensborn e.V." beweist.

2. Historiographischer Überblick

Zum bessern Verständnis sei an dieser Stelle ein kurzer Abriss der politischen Entwicklungen zwischen 1933 - 1945 dargelegt, focusiert auf die Etablierung, Festigung und den Ausbau des Sicherheitsapparates zu einem übermächtigen Element staatlicher Machtausübung. Wichtig stellt sich in diesem Zusammenhang die Erhellung des Handelns einzelner Personen dar, deren Wirken für bestimmte Entwicklungen von übergeordnetem Gewicht erscheint.

Ein wesentliches Charaktermerkmal der nationalsozialistischen Diktatur stellten die Antagonismen verschiedener Körperschaften, staatliche Verwaltungen und Parteiorganisationen der NSDAP dar. In einer absolut totalitär geprägten, von Beginn an repressiv ausgelegten Herrschaftsstruktur versteht es sich geradezu von allein, dass der Kampf um die Polizei und deren Gliederungen einen wesentlichen, geradezu entscheidender Konflikt abgibt. Das Beherrschen der Exekutive bildet in Diktaturen das Machtfundament nach innen. Nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 entspann sich ein offener Streit um die Geheimpolizei, der bis 1935/36 6 mit unverminderter Härte geführt wurde. Die GESTAPO 7 besteht de jure seit dem 26. April 1933, hervorgegangen aus der Abteilung Ia [1a] 8 der Polizei der Weimarer Republik.

Im Frühjahr 1933 waren es im wesentlichen vier Gruppierungen innerhalb des nationalsozialistischen Machtapparates, die um die Führung der politischen Polizei rangen. Involviert waren:

1. Die SA, die mit ihren _ vier Millionen Mitgliedern zu einem erheblichen und unberechenbarem Machtfaktor wurde. Unterstützt durch die Gauleiter, welche auf die Vormachtstellung in der Leitung der politischen Polizei in den noch existierenden Ländern drangen, gelang es der SA unter Ernst Röhm, anfänglich in verschiedenen Gebieten Deutschlands, erheblichen Einfluss auf die polizeiliche Exekutive zu erlangen. So stellte die SA das Gros der durch Göring vorläufig geschaffenen Hilfspolizei. Die meisten zur damaligen Zeit entstandenen ,,Wilden Konzentrationslager"9 wurden von der SA betrieben und es gab sehr viele Ämterkumulationen, so dass die SA - Führung an wichtigen Positionen der Verwaltung präsent war.

2. Hermann Göring 10 , als preußischer Ministerpräsident hatte er eines der wirkungsmächtigsten Ämter zu Beginn des 3. Reiches inne. Er hatte die wohl beste Ausgangsposition im Ringen um die Geheimpolizei: seinem Verantwortungsbereich oblag die Abteilung Ia [1a] der Polizei. Die Geltung Görings als Vertrauter Hitlers und dem damit verbundenen direkten Zugang zu ihm war in dem zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft allumfassenden, hitlerzentrierten Führerkult von unschätzbarer Nützlichkeit.

3. Der ,,Reichsminister des Innern", Wilhelm Frick, ohne Frage ebenso ein aussichtsreicher Kandidat in dieser Auseinandersetzung. Er und seine Ministerialbeamten wollten durch Eingliederung aller Länderpolizeien, deren politischen Abteilungen (vor allem die preußische Polizei und des GESTAPA 11 ) in die Verfügungsgewalt des Reichsministeriums eine Zentralisierung der politische Polizei erreichen um so: ,,...eine einheitliche politische Reichspolizei aufzubauen."12 .

4. Heinrich Himmler 13 und R. Heydrich, die beiden Köpfe der SS und des SD 14 . H. Himmler hatte, in ähnlichem Maße direkten Zugang zu Hitler wie Göring. Des weiteren hatte er und R. Heydrich in Bayern die Leitung der politischen Polizei seit der Machtübernahme inne. Himmler versuchte durch einen raschen Ausbau der politische Polizei in Bayern seine Chancen auf die Leitung der reichseinheitlichen Polizei auszubauen. Eine Untermauerung seiner Pläne fand sich in dem organisatorisch sehr begabten Geist R. Heydrichs, der den SD als eine kleine, schlagkräftige Organisation aufgebaut hatte, mit deren Hilfe er Einfluss in den Positionen, die von Bedeutung erschienen, erlangte.

Schnell zeigte sich, dass H. Himmler ein effektives System entwickelte, was es ermöglichte, binnen Jahresfrist alle politischen Polizeien des Reiches zu übernehmen (mit Ausnahme freilich der bedeutendsten, der preußischen politische Polizei).

Verständlich ist in diesem Zusammenhang, dass die preußische GESTAPO und das GESTAPA in Berlin, die Filetstücke der politischen Polizei, am längsten umkämpft waren.

Hierbei standen sich im wesentlichen Hermann Göring, als preußischer Ministerpräsident und Innenminister, sowie H. Himmler und R. Heydrich gegenüber.

Durch geschicktes taktisches Verhalten gelang es R. Heydrich 15 in Verhandlungen mit H.

Göring und Rudolf Diels 16 H. Himmler zum stellvertretenden Chef der GESTAPO ernennen zu lassen: "... Aus organisatorischen Gründen habe ich mich veranlasst gesehen, den Inspekteur der Geheimen Staatspolizei, Herrn Reichsführer - SS Himmler, mit meiner Vertretung, auch mit den Angelegenheiten der Geheimen Staatspolizei zu betrauen, deren Bearbeitung bisher unter Einschaltung des Preußischen Staatsministeriums erfolgte. Der Inspekteur der Geheimen Staatspolizei wird die Geschäfte der gesamten Preußischen Staatspolizei nunmehr unter alleiniger Verantwortung mir gegenüber führen "17 Dieser Erlass zeigt, dass die Macht über die GESTAPO und das GESTAPA de jure bei Göring lag, die praktische Ausführung aber bei H. Himmler und R. Heydrich, der am 22. April 1934 zum Chef des GESTAPA berufen wurde. Das sogenannte "Bayrische Modell", die formelle Unterordnung unter die Oberaufsicht des jeweiligen Ministerpräsidenten oder Reichsstatthalter hatte für H. Himmler 1934 einen erfolgreiches Ende gefunden. Somit war der Weg der Vereinheitlichung der politischen Polizeien der Länder, schwer umkehrbar geworden.

H. Himmler und R. Heydrich hatten zusammen mit GESTAPO, GESTAPA, SS und SD einen Machtapparat aufgebaut, dem eine immer größer werdende Bedeutung zukam. Vor allem der Machtkampf mit der SA mit Ernst Röhm an der Spitze, welcher ,,die nationale Revolution" nicht als beendet ansah, Hitler jenes aber proklamierte, brachte den Durchbruch für die SS als Elite - und einzige Sicherheitsorganisation der NSDAP. Dem ging die Festigung der Autorität H. Himmlers einher.

Der 30. Juni 18 kann somit als ein Wendepunkt in der Geschichte des nationalsozialistischen Sicherheitsapparates angesehen werden.

Die folgende Entwicklung war nach dieser Weichenstellung, zwar noch lange nicht eindeutig, jedoch hatten R. Heydrich und H. Himmler deutliche Trümpfe in ihren Händen. Daher konnte H. Himmler auch 1936 den ,,Chefsessel" der deutschen Polizei erklimmen 19 . In durch diese Zusammenlegung der politischen Polizei mit dem SD der SS wurde eine Tendenz innerhalb des Nationalsozialismus offenbar, die später Tendenzen und Ereignisse erklärbarer macht: Die ,,Entstaatlichung", soll heißen die Umgehung ministerialer, überhaupt staatlicher Verwaltungen zeigte sich hier sehr deutlich. W. Best kleidete die 1936, in einem Kommentar zu eben jenen Gesetzten 20 : ,,...Oberste Landesbehörde der Geheimen Staatspolizei ist das Geheime Staatspolizeiamt. Damit ist festgestellt, dass kein anderes Ministerium letztinstanzliche Entscheidungen in Angelegenheiten der politischen Polizei zu fallen hat. Die in den vorstehenden grundsätzlichen Ausführungen als notwendig erkannte Trennung der nach besonderen Grundsätzen und Notwendigkeiten handelnden Geheimen Staatspolizei von der nach allgemeinen und gleichmäßig rechtlichen Ordnungen arbeitenden Verwaltung ist damit vollzogen."21

Diesem Paradigma folgend entwickelte sich der Sicherheitsapparat zu einem allüberwölbenden Institutionengeflecht, was am 27. September 1939 unter der Führung von R. Heydrich zum RSHA zusammengefasst wurde.

War nun die Phase der Institutionalisierung und Konstituierung der Macht beendet, setzte nun eine um vielfaches radikalere Epoche ein: der 2. Weltkrieg begann und wurde im Zuge der Entwicklungen nach 1942 allbestimmender Faktor im ,,3. Reich". Somit fanden bis 1945 immer radikalere Ansätze in den Alltag des Systems Eingang, was in der tragischen Geschichte der jüdischen Religionsgemeinschaft die signifikanteste Ausprägung erlebte.

3. Allgemeine Entwicklungstendenzen der Pädagogik in Deutschland 1933 - 1945

,,Wer die Jugend besitzt, besitzt die Zukunft", ein Ausspruch der, von der nationalsozialistischen Bewegung schon früh erkannt, wegweisend für die weitere Entwicklung der Erziehungsarbeit im nationalsozialistischen Deutschland werden sollte.

Die in diesem Zusammenhang preferierten Ideen, von Protagonisten wie den schon anfänglich eingeführten Krieck oder Baeumler getragen und weiterentwickelt, stellten ein Konglomerat aus sozialdarwinistischen, autoritaristischen und körperbezogenen Inhalten dar.

Im einzelnen bedeutete dies, dass sich, überwölbt von einem frugalen ideologischem Überbau, ein relativ durchsichtiges Erziehungskonzept entspann.

Somit das aus dem ausgehenden 19. -, frühen 20. Jahrhundert stammende sozialdarwinistische Konzept, welches in sehr bedeutsamen Zügen in nationalsozialistische Ideologie Eingang fand, auch den pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Tun deutlich erkennbar wurde. Im Gegensatz zu Ausprägungen des Sozialdarwinismus im europäischen und paneuropäischen Ausland, wo ein eher gesellschaftlich, materialistischer Sozialdarwinismus zur selben Zeit fassbar wird wie im deutschen Kaiserreich, sind die sozialdarwinistischen Tendenzen in Deutschland und im folgenden vor allem in der nationalsozialistischen Ideenwelt schon sehr früh biologistisch, rassisch geprägt. Als signifikant können hierfür die Antworten auf ein von der Firma ,,KRUPP" ausgelobtes Preisausschreiben im Jahr 1900, Sozialdarwinismus betreffend, gelten. Daher stellte die körperbezogene Erziehung mit Schwerpunkt auf Leibesertüchtigung, sowohl im schulischen, als auch im außerschulischen Alltag einen, unter sexistischen Gesichtspunkten geschlechtergetrennten Schwerpunkt dar. Zusammenfassend sei angezeigt, dass die den Boden für Euthanasie und Rassenwahn bereitende Hinwendung der ,,Erziehung zur Tat", die von B. v. Schierach 22 im vorauseilendem Gehorsam zu Hitler so postulierte ,,Heranzüchtung gesunder K ö rper", die ,,Herausbildung eines unverdorbenen Geschlechtes" und die Abwendung von der Wissensvermittlung zu Gunsten oben Genannten, als die Eckpunkte nationalsozialistischer Erziehung gelten können.

Neben Sozialdarwinismus und biologistisch, - rassischer Weltanschauung entspann sich in der Entstehungsphase der nationalsozialistischen Bewegung ein wesentlicher Aspekt in der Auffassung von Wegbereitern nazistischer Ideologie um W. Best, E. Jung 23 und auch E. Jünger 24 : Das Dirigieren der Meinung hin zu sogenanntem ,,Heroischem Realismus". Vorerst soll jedoch die praktische Auswirkung der angesprochenen Erziehungsinhalte beleuchtet werden. Herausgestellt werden sollen im Besonderen die unterschiedlichen Entwicklungsphasen des nationalsozialistischen Erziehungsalltags, hervorgerufen durch allgemein politische Ereignisse die da wären:

- Machtergreifung und Konsolidierung des Staatswesens (1933 - 1935/36)
- Ausbau von Macht in allen Bereichen der Gesellschaft (1936 - 1939)
- Ausbruch des Krieges (1939 - 1942)
- ,,Totaler Krieg" und Zusammenbruch (1942 - 1945)

Ebenso bedeutsam ist es, die praktischen Auswirkungen des Antagonismus´ ,,Hitler Jugend" 25

- Schule und die Folge dessen für die Sozialisationsinstanz Elternhaus, herauszustellen.

1933, nach der Machtergreifung" am 30. Januar ist Schule und Erziehung im allgemeinen Kontext der Entwicklung als ,,Nebenschauplatz" auszumachen. Das Schulsystem wurde beibehalten, der Fächerkanon qualitativ nicht geändert, lediglich eine andere Wichtung der Leibeserziehung war erkennbar (4 - 5 Wochenstunden).

Einfluss wurde, wie in allen anderen Bereichen öffentlicher Verwaltung, nur Personalentscheidungen betreffend, genommen. Als Grundlage diente hierzu das ,,Gesetz zur Wiedereinführung des Berufsbeamtentums", erlassen in der 1. Hälfte des Jahres 1933. Es ist allerdings zu betonen, dass sich die regressiven Maßnahmen im besonderen gegen jüdische Personen und besonders politisch unliebsame Beamte richtete. Somit ein recht geringer Personenkreis betroffen war.

Dies impliziert, den Erhalt auch der personellen Struktur von Schule. Daher waren es auch die jeweiligen LehrerInnen, die ob fehlender, im nationalsozialistischen Sinne überarbeiteten, Lehrpläne die ,,Braunfärbung" des Unterrichtes bestimmten. So gab es erst für das Schuljahr 1939/40 ein neues Lehrbuch in Geschichte 26 Einzig in die Fächer, Biologie und Geschichte fanden neue Inhalte Eingang.

Für Biologie kam fortan die ,,Rasse - und Vererbungslehre" als neuer Gesichtspunkt hinzu. In Geschichte war es, einhergehend mit romantisierenden Aspekten, die Mythologisierung und Heroisierung deutschen Großmachtstrebens, wie Ostsiedlung, Kreuzzüge, Preußentum und Imperialismus. Dem entgegen stand die Verunglimpfung liberaler Bewegungen in und außerhalb Deutschlands, vor allem in Frankreich.

Nach 1937 erfolgten zwar strukturelle Einschnitte in das Schulsystem, jedoch waren diese in Größenordnungen nur organisatorischer Natur.

In der Lehrerausbildung wurde nach 1937 die Zugangsberechtigung zu den obligaten Ausbildungsstätten heruntergesetzt, es war fortan möglich auch ohne Oberschulabschluss einen Lehrberuf zu erlangen.

Das verdeutlicht, die angesprochene ,,Entwissenschaftlichung" ebenso eindrucksvoll, wie die Gewichtung von Leibeserziehung, respektive handwerklicher Fächer.

Neben den staatlichen Schulen waren noch einige Internatsschulen relevant, ,,Adol Hitler Schulen" 27 bzw. ,,Nationalpolitische Erziehungsanstalten" 28 , welche allerdings nur von marginaler Bedeutung waren und auch keine ,,Eliteschulen" abgaben.

Die NAPOLA errang jedoch Bedeutung, als Sie in den Geltungsbereich des RFSS 29 kam. Hier sollte Führungskräfte für SS und SD erzogen werden, aber der Kriegsausgang verhinderte dies.

Der Ausbruch des Krieges markierte zwar keinen wesentlichen Eckpunkt schulischer Entwicklung, jedoch ist er Bedeutsam für die Beginnende Radikalisierung der Politik im ,,3. Reich". Die schon früh einsetzenden Wehrerziehung, wurde nun noch mehr hervorgehoben und der Antagonismus der ,,au ß erschulischen Erziehung", unter der Oberherrschaft der HJ und der rein schulischen Erziehung trat nun eklatant zu Tage Nach der Proklamierung des ,,Totalen Krieges" durch Goebbels im Februar 1942 30 , veränderte sich der Schulalltag eklatant. Die immer heftiger werdenden Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten war Auslöser für die sogenannte ,,Kinderlandverschickung" 31 . Die Aufsicht über die Kinder und Jugendlichen übte pro forma die HJ aus, jedoch waren die 15 - 18 jährigen ,,Rottenführer" bei den ersten auftauchenden Problemen meist über die Anwesenheit von erwachsenen Erziehern dankbar. Je näher der Zusammenbruch kam, um so trivialer wurde die Erziehung. Letztlich brach, wie nahezu das gesamte Staatswesen, die organisierte Erziehung zusammen, spätestens mit der Institutionalisierung des Volkssturmes 32 .

Zusammenfassend bleibt für das Erziehungswesen im ,,3. Reich" zu sagen, dass ein Konzept, dessen, wie erzogen werden sollte, in Ansätzen zwar erkennbar war (Heraushebung der körperlichen Erziehung, Wehrerziehung, das ,,Funktionieren in der Gruppe"), jedoch diese immer wieder durch tagespolitische Ereignisse überlagert wurden.

Auf zwei wirkungsmächtige Merkmale nationalsozialistischer Erziehung sei allerdings noch einmal, ihrer weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts fortdauernden Reflektion wegen, hingewiesen: zum einen die Radikalisierung der geschlechtergetrennten Erziehung, zum anderen die bedeutsame Überbrückung des Erziehungs - und Sozialisationsfaktors Elternhaus.

4. Das Erziehungsideal des Sicherheitsapparates

Das Führungskorps des RSHA 33 bedarf zu allererst einer Eingrenzung.

Der den Führungseliten zuzuordnende Personenkreis soll an dieser Stelle allgemein mit ca. 4000 Personen angegeben werden 34 .

Ob des hier zu betrachtenden ist es jedoch unablässig, diesen Personenkreis einzuschränken, indem nach der unterschiedlichen Bedeutung dieser Personen für die gedankliche Ausprägung dieses Räderwerkes RSHA gefragt wird. Hierbei können strukturellen Indikatoren, wie spezifische Laufbahn und persönliche Beziehungen oder publizistisches Wirken ein wichtige Gradmesser sein. Somit soll für der hier zu betrachtende Personenkreis in einen sehr engen Rahmen gestellt werden. Wenige Personen waren für die ideologische Ausprägung des RSHA so bedeutsam wie, selbstredend R. Heydrich, aber auch W. Best, H. Müller 35 , W. Stuckart 36 oder O. Ohlendorf 37 .

Bei der ersten Betrachtung dieser Personengruppe ist ein signifikanter Altersunterschied, gemessen an der übrigen Führungsclique des ,,3. Reiches". So waren 1939 92 % der SD - Führer jünger als 46 Jahre 38 , mit dem überdeutlichen Anteil von 68 % unter 36 Jährigen 39 . Im Vergleich zu SA - / SS - / NSDAP - Führern fällt insgesamt aber vor allem das Verhältnis bei den ,,unter 36 Jährigen" eklatant zu Ungunsten der Jüngeren aus 40 .

Was bedeutet dies nun? Generationswechsel waren und sind nichts Außergewöhnliches, fallen sie jedoch in Zeiten gesellschaftlicher und struktureller Zäsuren (als solche können, sowohl der 1. Weltkrieg, als auch die Novemberrevolution in Deutschland uneingeschränkt angesehen werden), so kann der gesellschaftlich latente Generationskonflikt zu einer übergeordneten historisch auffälligen Wirkungsmächtigkeit bestimmter Generationen führen. Für die unter 36 Jährigen gilt das im Besonderen, da Sie zwar im wilhelminischen Deutschland ihre erste gesellschaftliche Prägung erfuhren, den ersten Weltkrieg und seine Folgen jedoch nur aus der Perspektive der, sogenannten ,,Frontgeneration" erfuhren. Die darauf folgende Wirrungen in der Anfangszeit der Weimarer Republik ließ viele eine verklärte Sichtweise auf die Ereignisse des 1. Weltkrieges, der Novemberrevolution und auf den sich entwickelnden Parlamentarismus ausbilden. Das fehlende ,,Fronterlebnis" wurde bei vielen bitterlich empfunden. Publizisten wie E. Jünger, E. Jung oder A. Moeller van den Bruck 41 kanalisierten dieses Gedankengut in ihren Werken, zu Schlagwörtern wie ,,Heroischer Realismus" und ,,Konservative Revolution". Völkisches, rassisches und elitäres Denken hielt in übergroßem Maße bei den Vertretern der Jungen Generation Einzug. Im Fortgang deutlich an dem exorbitantem Anteil der ,,unter 36 Jährigen" in Führungsmannschaft des RSHA, gegenübergestellt dem Anteil dieser Altersgruppe innerhalb der allgemeinen, männlichen 42 , deutschen Bevölkerung: SD Führer unter 36 Jahre (1939) : 68,0 %

Männliche Bevölkerung gesamt (1935) : 31.1 % 43

Dieses Konglomerat aus biologistisch - völkischen und totalitären Ideen wurde neben, dem permanent existierenden Antisemitismus, von dem, seit dem frühen 20. Jahrhundert, aufkeimenden Sozialdarwinismus geklammert.

Einige publizistische Verlautbarungen der handelnden Personen können an dieser Stelle zur Erhellung des Angedeuteten beitragen.

So ist in der Zeitschrift ,,Deutsches Recht" ein Aufsatz von W. Stuckart zu lesen, in dem er Grundsätze des Staatsaufbaus eindeutig postuliert: ,,...Sicherung der blutmäßigen Substanz des deutschen Volkes, im Einklang mit den biologischen Lebensgesetzen."44 . An anderer Stelle des gleichen Aufsatzes verdeutlicht er seine Auffassungen, die sich mit denen von W. Best und anderen in großen Teilen decken, die Idee der ,,Volksgemeinschaft" im nationalsozialistischen Sinne: ,,...Das Reich ist ein sozialistischer Staat. Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Nicht Herkunft und Vermögen, sondern Leistung für die Volksgemeinschaft bestimmt den Persönlichkeitswert."45

Für viele Protagonisten der späteren RSHA - Führung (W. Best als prominentestes Beispiel) stellte dies die gedankliche Heimat dar, war z.B. der ,,Deutsche Hochschulring" Heimat. All diese Ansätze pflanzten sich bis in die Zeit fort, in der dieser Personenkreis machtpolitisch relevant wurde.

4.1. Praktische Umsetzung der ideologischen Vorgaben

Nach den anfänglichen Machtkämpfen und der strukturellen Konstituierung, wurden in den Hauptquartieren von SD, Gestapo und Polizei, Konzepte zur praktischen Erreichbarkeit der gesteckten Ziele erarbeitet. Neben den tagespolitischen Aufgaben stellten sich hierbei auch in immer höherem Maße die Frage nach Nachwuchs und Führungsnachwuchs im speziellen. Wie sollte dieser aussehen?

Die Fiktion sah einen ,,rassisch reinen", militärisch organisierten, emotionslosen und ,,für das große Ganze" leidensfähigen Corpora vor.

Die nationalsozialistische Erziehungsmaschinerie leistete im Bezug auf militärische Organisiertheit und Gruppenunterordnung Vorarbeit. Den Führungseliten von SD und Gestapo war diese Ausprägungen zu mythologisch verklärt, zu emotional. Der ,,SD Führer der Zukunft" sollte zwar in erster Linie Befehlempfänger und Kämpfer an der inneren Front seien, jedoch musste er sich auch durch vermeintlichen Realismus und weltanschaulicher Festigkeit auszeichnen.

Dies bedeutet, dass ein SD - Gestapoführer, im Sinne des ,,Heroischen Realismus´" in der Lage seien muss, den Gegner immer und überall, nicht aus Gefühlen ihm (ihr) gegenüber, sondern aus dem ,,Erkennen der Notwendigkeit zur Vernichtung" heraus handeln soll. Hierbei stand der Dienst an einer völkisch definierten Gemeinschaft sehr weit oben auf der Agenda. Überdeutlich wird dieser Wille in Äußerungen der entscheidungsmächtigen im Führungskorps des Sicherheitsapparates. Stellvertretend soll hier eine, ebenfalls in ,,Deutsches Recht" publizierte Aussage R. Heydrichs herangezogen werden. Zur Zusammenlegung der Polizeien unter H. Himmlers Führung führte R. Heydrich 1936 aus: ,,...Das Menschenmaterial für diese kämpfende Staatspolizei muß besonderer Art sein. Die sehr notwendige verwaltungsmäßige und kriminalistische Ausbildung an sich genügt nicht. Der beste Spezialist für Einbruchsdiebstähle braucht bei jahrelanger Übung kein geeigneter Bekämpfer des Kommunismus zu werden. Die rein technische Fähigkeit genügt vielleicht zum Fassen eines illegalen Funktionärs der KPD, zur Feststellung des objektiven Tatbestandes. Zur Bekämpfung der Staatsfeinde gehört darüber hinaus das bedingungslose Erfassen der nationalsozialistischen Idee und die umfassende Erkenntnis des Gegners in seinen Grundfesten. Die Männer der Staatspolizei müssen daher absolut gleichgerichtet in ihrer geistigen Haltung sein. Sie müssen sich als ein kämpferisches Korps fühlen."46 Dem folgend ging man auch an die Ausbildung des Nachwuchses. Anhand des Zitierten bedarf es keines Kommentars: es handelte sich um eine ausschließlich männerzentrierte Ausbildung. Es wird deutlich, dass die Ausbildung und Erziehung von Frauen nahezu ausgeblendet wurde.

Gepaart mit einer Stellungnahme W. Bests von 1939 wird offenbar, es geht im wesentlichen auch um eine Zentralisierung der Ausbildung und um die Allumfassung in der Herausbildung des Führungskorps: ,,...Es darf künftig nur eine einheitliche Ausbildung und Laufbahn der Führer (leitenden Beamten) der Deutschen Sicherheitspolizei geben,..."47 ,,...Die Ausbildung und Laufbahn der Führer (leitenden Beamten) der Deutschen Sicherheitspolizei muss so gestaltet sein, dass diese Führer (leitenden Beamten) nicht nur auf die Sicherheitspolizei beschränkt und nicht von anderen Verwendungen ausgeschlossen werden,..."48 Für die Herausarbeitung dieses sogenannten ,,Führerkorps" zeitigte sich das Amt I des RSHA verantwortlich. Hier wurden auch die ,,Lehrpläne"49 erarbeitet, deren Inhalt an die ,,SS - Führeranw ä rter" weitergegeben werden sollte. Aufbauend auf die autoritär, rassisch und völkisch verbrämte Erziehung der Kinder und Jugendlichen im ,,3. Reich" sollte eine vermeintlich wissenschaftlich fundierte Bildung in allen sicherheitsrelevanten Bereichen der Diktatur, unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte, die romantisierend und rassisch gefärbt vom ,,Kampf der V ö lker" berichten soll. ,,...Der Blutsgedanke des Nationalsozialismus bedingt, dass die deutsche Geschichte nur vom Bauerntum her gesehen und gewertet werden kann,..."50 Augenmerk wurde auf die Verklärung des Bäuerlichen, als Grundlage völkischer ,,Blut und Boden" - Mythologie ebenso gelegt wie auf die herausragende Einzelstellung der jüdischen Gemeinden, der jüdischen Religionsgemeinschaft insgesamt: ,,...Durch die Schulung über die Judenfrage muss dem SS - Mann klar werden: Das nomadenhafte Judentum ist der gefährlichste Feind aller Völker,[...] Die Juden waren niemals ihrem Wesen und Ursprung nach Ackerbauern und Viehzüchter, sie sind von jeher ein Nomadenvolk gewesen, das von Ausbeutung; Handel und Wucher lebte."51

5. Zusammenfassung

Zusammenfassend muss demnach festgestellt werden: Das Endziel der Ausbildung für die

,,H ö heren SS - Führer" im Einflussbereich des RSHA und in den vierziger Jahren auch immer mehr der ,,SS - Führerschaft" allgemein, neben der Erziehung zu ,,Heroischem Realismus" und ,,Seri ö sem Antisemitismus" die Indoktrination eines völkischen ,,Rassestolzes" 52 war. Die sollte letztendlich dazu führen, dass die ausgemachten Feinde des deutschen Volkes und der ,,arischen Rasse" (Juden, Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften, politisch Andersdenkende, andere Ethnien und noch viele zu Gegner stilisierten Gruppen) einer emotionslosen Vernichtung werden konnten.

Dass dies auf die physische Vernichtung hinauslief, zu mindestens, dass selbige billigend in Kauf genommen wurde, war sehr früh absehbar 53 .

Erschreckend ist jedoch mit welcher Stringenz über die 12 Jahre nationalsozialistischen Herrschaft an diesen ,,Zielen" gearbeitet wurde.

Auffallend bleibt ebenso der radikale Erziehungswille zu gut funktionierendem ,,Menschenmaterial".

Heinrich Himmler hat 1936 eine Ausstellung zum germanischen Brauchtum eröffnet, bei dieser Gelegenheit postulierte er: ,,... Das Jahr 1933 hat die staatliche Auferstehung der deutschen Nation gebracht. Die Aufgabe des Dritten Reiches ist es, alle Kräfte zu wecken, die in uns schlummern"54 .

Es waren Kräfte, die in ihrer exorbitanten Grausamkeit nicht zu überbieten waren.

Erzieher, die sich in den Dienst einer solchen Sache stellen, im speziellen Fall den Ausbilder im Sicherheitsapparat der Diktatur, und deren Ideen zur Erziehung vertreten, ist in erheblichem Ausmaß eine Schuld an den Entwicklungen zuzuweisen.

6. Quellen verzeichnis

Bundesarchiv Berlin (BA):

BA. Bestand R 58 (RSHA) : 827 BA. Bestand R 58 (RSHA) : 844 BA. Bestand NS 19 (RFSS) : 4003

Schrifttum vor 1945

Best, Werner : ,,Rechtsstaat?" in: Deutsches Recht. Heft 19/20. 1938 Jhrg. 8.

Heydrich, Reinhardt : ,,Die Bekämpfung der Staatsfeinde." in: Deutsches Recht. Heft 7/8. 1939. Jhrg. 6.

Stuckart, Wilhelm : ,,Neuaufbau des Reiches" in: Deutsches Recht. Heft 18. 1939. Jhrg. 9.

7. Literaturverzeichnis

Anderbrügge, K. :,,Völkisches Rechtsdenken in der Zeit des Nationalsozialismus" Berlin. o.J.

Banach, Jens : ,,Heydrichs Elite. Das Führungskorps der Sicherheitspolizei und des SD 1936 - 1945". Paderborn München Wien. 1996. Boberach, H. : ,,Findbuch zu den Beständen des Bundesarchivs Bestand R 58 - RSHA". BA Koblenz 1992.

Buchheim, H. / Broszat, M.

Jacobsen, H. - A. (Hrsg.) : ,,Anatomie des SS-Staates". München 1994. 6. Auflage. Calic, Edouard : ,,Reinhard Heydrich - Schlüsselfigur des 3. Reiches".

Düsseldorf 1982.

Deschner, G. : ,,Reinhard Heydrich. Statthalter der totalen Macht". Esslingen. 1992. 3. Auflage.

Gutman, Israel (Hrsg.) : ,,Enzyklopädie des Holocaust". München Zürich. o.J. Herbert, Ulrich : ,,Best - Biographische Studien über Radikalismus,

Weltanschauung und Vernunft; 1903-1989". Bonn. 1996.

3. Auflage.

Lang, Jochen von : ,,Die Gestapo - Instrument des Terrors". München 1995.

3. Auflage.

Ramme, Alwin : ,,Der Sicherheitsdienst der SS". Berlin. 1970.

Seeger, Andreas : ,,Gestapo - Müller Die Karriere eines Schreibtischtäters".

Berlin. 1996.

Wildt, Michael : ,,Das Führungskorps des RSHA. Vortrag am Historischen Institut der Friedrich Schiller Universität Jena. 27.11.1996. 55

Wildt, Michael (Hrsg.) : ,,Die Judenpolitik des SD 1935 -1938". München. 1995.

Leitung der Wannseekonferenz

[...]


2 kursiv und durch typographische Anführungszeichen gekennzeichnete Textteile entstammen dem Wortschatz nationalsozialistischer Rhetorik, sollen jedoch, erläutert, in den Text aufgenommen werden, um die oftmals technokratische, zynische Sprachauswahl der Nationalsozialisten erkennen zu lassen

1 7.3. 1904 - 4.6.1942 (den Folgen eines Attentats (27.05. 1942) erlegen), 1932 ,,Chef des Sicherheitsdienstes der SS", 1936 ,,Chef der Sicherheitspoilzei und des Sicherheitsdienstes, 1939 Leiter des ,,Reichssicherheitshauptamt" (RSHA), 1941 ,,stellv. Reichsprotektor f. B ö hmen und M ä hren", 20.1.19423 Ernst Krieck, 1882 - 1947, früher Vertreter der nationalsozialistischen Pädagogik, erster nationalsozialistischer Rektor eine dtsch. Universität (1933 Frankfurt a.M.)

4 Alfred Baeumler, 1887 - 1968, Pädagoge, Prof. f. ,,politische P ä dagogik", Baeumler gilt als Protagonist der ,,politischen Leibeserziehung" und der ,,v ö lkischen Kraftentfaltung"

5 Rasse und Siedlungshauptamt der SS

6 H. Himmler wird stellv. Chef der GESTAPO.

7 Geheime Staatspolizei

8 politische Abteilung der Polizei

9 In Kellern oder anderen Liegenschaften eingerichtete ,,Gefängnisse", wo die Flut von Opfer der massiven politischen Verfolgungen und Massenverhaftungen eingeschüchtert wurden

10 12.1.1893 - 15.10.1946 (Selbstmord), enger Vertrauter Hitlers, 1932 Reichstagspräsident, 1933 ,,Reichsminister für Luftfahrt", 1936 ,,Beauftragter für den Vierjahresplan", 1940 ,,Reichsmarschall", im Sommer 1941 erteilt er R. Heydrich die Weisung zur ,,Endl ö sung der Judenfrage", während des Krieges als eine Art ,,Superminister" für die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete zuständig.

11 Geheimes Staatspolizei Amt

12 Herbert, U..: ,,Best, Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft; 1903 - 1989". Bonn. 1996. 3. Auflage. S. 133

13 7.10.1900 - 23.05.1945(Selbstmord) seit 1929 ,,Reichsführer SS" (RFSS), 1936 ,, Chef der deutschen Polizei" (Chef d. Dt. P.), 1943 Reichsinnenminister, 1944 ,,Chef des Ersatzheeres"

14 Sicherheitsdienst der SS seit 1932 (Juli) unter Reinhard Heydrichs Führung. Die Rolle des SD zur damaligen Zeit (1933) ist als nicht allzu groß anzusehen, jedoch verfügte der SD schon über ein weit gesponnenes Netz von Mitarbeitern und Agenten in allen wichtigen Institutionen von Partei und Staat, somit über ein erhebliches Informationspotential, im Nachgang äußerst geschickt genutzt.

15 R. Heydrich führte für H. Himmler sehr viele Verhandlungen, da er durch den SD sehr viel pikantes Belastungsmaterial gegen seine Verhandlungspartner einsetzen konnte.

16 Bis zum Frühjahr 1934 Chef des GESTAPA, nach seiner Entmachtung Regierungspräsident in Köln

17 Erlaß des Preußischen Ministerpräsidenten vom 20. November 34 in : H. Buchheim, M. Broszat, H. - A. Jacobsen: ,,Anatomie des SS-Staates". München 1994. 6. Auflage. S. 43

18 Ernst Röhm und mehrere höhere SA-Führer werden in München umgebracht. Die sogenannte "Nacht der langen Messer", die von R. Heydrich und Werner Best akribisch vorbereitet wurde war der Auftakt einer Säuberungswelle unter unbeliebten Gegner H. Himmlers und anderer Nazigrößen.

19,,Gesetz über die preußischen geheimen Staatspolizeistellen" v. 10.02.1936 / ,,Gesetz über die geheimen Staatspolizeistellen"[reichseinheitlich] v. 17.06.1936.

20 s. Anm. 18 / 19.

21 H. Buchheim, M. Broszat, H. - A. Jacobsen: ,,Anatomie des SS-Staates". München. 1994. 6. Aufl. S. 48

22 Baldur von Schierach 1907 - 1974, Chef des ,,Nationalsozialistischen deutschen Studentenbunde (NSStB) ,,Jugendführer des deutschen Reiches" -1940. Bis Kriegsende Gauleiter in Wien.

23 Edgar Jung 1894 - 1934 (ermordet in KZ Oranienburg), Aktivist im ,,Deutschen Hochschulring"(DHR) und konservativer Publizist, Vizekanzler F. v. Papens

24 Ernst Jünger, 1895 - 1998, Schriftsteller und Protagonist des ,,Heroischen Realismus" (,,In Stahlgewittern" 1920), ebenso wie E. Jung kritisierte E. Jünger die "Geistlosigkeit" des Nationalsozialismus. E. Jünger war in der BRD und Frankreich hochgeehrt, obwohl er sich nie von seinem elitären, völkischen Gedankengut distanzierte.

25 HJ

26,,Volk und Führer", für die Oberstufe

27 AHS

28 NAPOLA

29 Reichsführer SS

30 Goebbels proklamierte am 18.02. 1942, unter dem Eindruck des drohenden Zusammenbruchs der 6. Armee in Stalingrad, die von Hitler geforderte ,,Totale Mobilmachung" im Berliner Sportpalast (Sportpalastrede) öffentlich als ,,Totalen Krieg". Dies bedeutete die Rekrutierung aller verfügbaren Ressourcen, in Industrie und Gesellschaft, sowohl eine Radikalisierung der Kriegsführung nach außen und innen.

31 SchülerInnen aus mittleren und größeren Städten wurden in Lager außerhalb der gefährdeten Gebiete verbracht. Dort wurden unter der Oberherrschaft der HJ Wehrerziehung und Leibesübungen exorbitant hervorgehoben. Die LehrerInnen waren nur noch für eine Grundausbildung in einem minimierten Fächerkanon zuständig.

32 Nicht wehrfähige, also unter 16 jährige und über 60 jährige, wurden an der ,,Heimatfront" eingesetzt, so z.B. zum Verteidigungsanlagen errichten, und später als ,,Letztes Aufgebot" sogar unter Waffen, meist eine Panzerfaust.

33 Reichssicherheitshauptamt

34 vgl. Banach, Jens: ,,Heydrichs Elite, Das Führungskorps der Sicherheitspolizei und des SD 1936 - 1945". Paderborn München Wien. 1996. S.19ff.

35 Heinrich Müller * 1900 (seit 1945 verschollen) 1939 - 1945 Leiter des Amtes IV im RSHA (GESTAPO), sogen. ,,Gestapomüller"

36 Wilhelm Stuckart * 1902, + 1953, Staatssekretär im Reichsinnenministerium, maßgeblich an der Ausarbeitung der ,,Nürnberger Gesetzte" beteiligt, Vertrauensmann Himmlers i. Innenministerium, 1942 Teilhabe an der ,,Wannsee Konferenz", Verfechter der Zwangssterilisation sogen. ,,Mischlinge".

37 Otto Ohlendorf * 1907, + 1951 (hinger.), 1939 -1945 Chef des SD im RSHA, 1941/42 Chef der Einsatzgruppe D

38 vgl. Banach S. 67.

39 a.a.O.

40 a.a.O.

41 Arthur Moeller van den Bruck *1876, + 1925 (Selbstmord). Publizist der ,,Konservativen Revolution".

42 Bei all diesen Betrachtungen macht es Sinn den Anteil der Frauen zu vernachlässigen, da Frauen absolut selten, bzw. gar nicht in Erscheinung traten.

43 vgl. Banach a.a.O.

44 Stuckart, Wilhelm: ,,Neuaufbau des Reiches". in: ,,Deutsches Recht". Heft 18. 1939. Jhrg. 9. S. 819 .

45 a.a.O.

46 Heydrich, Reinhardt: ,,Die Bekämpfung der Staatsfeinde". in: ,,Deutsches Recht". Heft 7/8. 1936. Jhrg. 6. S. 122f.

47 BA. Bestand R 58 / 827. Pg. 54.

48 a.a.O.

49 BA. Bestand R 58 / 844. Pg. 1ff.

50 BA. Bestand R 58 / 844. Pg. 127.

51 a.a.O. Pg. 73f.

52 a.a.O. Pg. 74.

53 allein der sogen. ,,Madagaskarplan", zur ,,Umsiedlung" der europ. Juden, impliziert Massenmord.

54 BA. Bestand NS 19 / 4003. Pg.2.

55 verwand mit Einverständnis des Autors.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Das Erziehungsideal des Führungscorps des Sicherheitsdienstes
Note
1.3
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V98418
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehungsideal, Führungscorps, Sicherheitsdienstes
Arbeit zitieren
Roland Werner (Autor), 2000, Das Erziehungsideal des Führungscorps des Sicherheitsdienstes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98418

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