Anakreontik und ihre Bedeutung in der aufklärerischen Literatur


Seminararbeit, 2000

7 Seiten, Note: 2+


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Gliederung

1.Einleitung

2. Ursprung der Anakreontik
2.1. Der Dichter Anakreon

3. Vertreter der Anakreontik in der Zeit der Anakreontik
3.1. Friedrich von Hagedorn
3.2. Die Zweite Hallesche Dichterschule
3.3. Johann Wilhelm Ludwig Gleim
3.4. Johann Peter Uz und Johann Nikolaus Götz
3.5. Schiller, Goethe, Lessing

4. Textbeispiele für Anakreontik zwischen 1740 und 1770

5. Bedeutung der Anakreontik für die aufklärerische Literatur und ihr Wirken auf das Bürgertum

1.Einleitung

Bei der Auswahl des Themas für meine Hausarbeit, wurde ich hauptsächlich durch das für mich unbekannte an der Anakreontik beeinflusst. Diese Gattung der Dichtkunst und Ihre Vertreter innerhalb der Aufklärung versuche ich im Laufe dieser Ausarbeitung genauer zu durchleuchten. Allein der Ursprung und deren bis heute nicht genau definierte Wirkung dieser Art der Lyrik haben auf mich faszinierend gewirkt. Anakreontik ist als europäische Richtung zu sehen, wobei ich in den folgenden Zeilen nur auf die deutschen Vertreter eingehen möchte.

2. Ursprung der Anakreontik

2.1. Der Dichter Anakreon

Der Ursprung der Anakreontik ist im Griechenland, des 6. Jahrhunderts vor Christus zu finden. Während dieser Zeit lebte der Dichter Anakreon dessen Leben durch gesuchte und gefundene Nähe zu den Mächtigen seiner Zeit gekennzeichnet ist. Die Spur des Dichters beginnt mit seiner Vertreibung aus Ionien. Er findet aber sehr schnell Aufnahme bei Polykrates am Hof von Samos. Nach der Ermordung des als tyrannisch bezeichneten Herrschers, wird der Lyriker von Hipparchos, dem Sohn des Peisistratos, nach Athen geholt und ins Throngefolge aufgenommen und wird zu einem guten Freund des absolutistischen Regenten und verkehrte mit den reichen athenischen Bürgern. Seine Dichtung war hauptsächlich ein Lobgesang auf die Liebe und den Wein. Ein tieferer Sinn kann, meiner Meinung nach, dem Künstler nicht unterstellt werden. Vielmehr ist die Ursache dieser sinnlichen Ausschweifungen in dem sorglosen und durch Herrschergunst gekennzeichneten Leben zu suchen. Nach dem gewaltsamen Tod seines Athener Günstlings verliert sich die Spur Anakreons in Form von verlässlichen Geschichtsquellen. Nach einer Überlieferung soll er aber Schutz am tessalischen Hof gefunden haben.

3.Vertreter der Anakreontik in der Zeit der Aufklärung

3.1. Friedrich von Hagedorn

Friedrich von Hagedorn, am 23. April in Hamburg geboren, gilt in der Literaturgeschichte als Wegbereiter der Anakreontik zur Zeit der Aufklärung. Seine ersten Werke waren Fabeln.

1742 veröffentlichte er seine ,,Sammlung neuer Oden und Lieder" heraus. Dieses Werk war voll vom Lob der Liebe und des Weins. Als Vorbild diente ihm dafür die französische Rokokodichtung, einer höfischen Kunst mit der sich die adlige Gesellschaft über revolutionäre Spannungen hinwegtäuschen, gleichzeitig aber auch den starren Etiketten entgehen wollten. Hagedorns Werke legten den Grundstein für eine breite anakreontische Welle in Deutschland, von der kein zeitgenössischer Dichter unberührt blieb und die bis in Goethes Jugendlyrik hineinwirkte. Allerdings gibt es entscheidendende Unterschiede zwischen Hagedorn und den ihm folgenden ,,Geselligkeitsdichtern". Hagedorn selbst war selbst ein Mitglied der adligen Gesellschaft und seine Oden waren eine fortschrittliche Veränderung höfischer Kunst während die Anakreontiker seiner Zeit meist aus dem Kreis des Bürgertums kamen und sich hauptsächlich das Lebenswerk Anakreons weiterführten. Die Fortschrittligkeit in Hagedorns Werken, liegt in ihrer Volkstümlichkeit und freiheitlichen Gesinnung.

3.2. Die Zweite Hallesche Dichterschule

Die Zweite Hallesche Dichterschule war ein lockerer Zusammenschluss von drei Hallenser Studenten, Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Johann Peter Uz und Johann Nicolaus Götz, die in ihrer Lyrik die Grundzüge der anakreontischen Dichtung als Inhalt zum Vorbild hatten und die Hauptvertreter dieser literarischen Gattung waren.

3.3. Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Gleim wurde am 2. April 1719, als Sohn einer bürgerlichen Beamtenfamilie, in Ermsleben geboren. Als der Student Rechtswissenschaften in Halle lernte er Uz und Götz kennen, mit denen er später den schon benannten Dichterkreis gründete. 1744 ließ Gleim seinen ,,Versuch in scherzhaften Lidern" erscheinen und begann damit die eigentliche anakreontische Lyrik in Deutschland. Ein öffentliches Auftreten mit seinen Gedichten vermied er meist. Er schrieb die ,,Scherzlieder" für Uz, Fabeln für Kleist und Kriegslieder für Lessing. Eine Beeinflussung des öffentlichen Lebens durch seine Kunst war ihm allerdings zuwider. Sein Ideal war das friderizianische Preußen was auch durch seine ,,Preußischen Kriegslieder in den Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier" deutlich wird. Im Laufe der Geschichte wurde er sogar zum Gegner der Französischen Revolution.

3.4. Johann Peter Uz und Johann Nikolaus Götz

Uz wurde am 3. Oktober 1720, als Kind einer Handwerkerfamilie, in Ansbach geboren. Auch er studierte wie Gleim Rechtswissenschaften in Halle. Seine Gedichte tragen zu Beginn seiner Künstlerlaufbahn ausschließlich anakreontische Züge. Allerdings beginnt er bald die Illusion des aufgeklärten Absolutismus zu durchschauen und beginnt sich allmählich, bedingt durch seinen Fürstenhass, dem deutschen Patriotismus zuzuwenden und wehrt sich immer mehr gegen das Eindringen französisch - höfischer Sitten. Gleim, sein bester Freund, mit der er ausführlichen Briefkontakt pflegt, wird aber von seiner aggressiven Gesellschaftskritik ausgenommen. Interessant am Leben Uz´s ist die Tatsache dass er, obwohl Geselligkeit propagierend, kein kurzweiliges Leben führte.

Der Dritte des zweiten Halleschen Dichterkreises, Johann Nikolaus Götz, wurde 1721 als Sohn eines Pfarrers in Worms geboren und studierte von 1739 bis 1742 Theologie in Halle. Während dieser Zeit übersetzte er gemeinsam mit Uz die Anakreonteen, eine Sammlung von circa sechzig Gedichten welche fälschlicherweise dem Dichter Anakreon zugewiesen wurden. Götz war zu seiner Zeit als Dichter und Übersetzer hochgeschätzt. Dabei entfernte er sich von den Grundsätzen der Anakreontik nur unwesentlich.

3.5. Schiller, Goethe, Lessing

Genau wie die meisten Dichter im 18. Jahrhundert, konnten sich auch Schiller, Goethe und Lessing nicht dem Einfluss der Anakreontik entziehen. Allerdings stellte deren Beitrag zu dieser Dichtkunst, in bezug auf ihr restliches Schaffen, nur eine Art Ausschweifung dar.

4. Textbeispiele für Anakreontik zwischen 1740 und 1770

In den folgenden Zeilen möchte ich einige Auszüge aus anakreontischen Gedichten niederschreiben, um die Form und den Inhalt dieser Dichtkunst wiederzugeben.

Beginnen werde ich mit den beiden Anfangszeilen aus Gleims ,,Versuch in scherzhaften Liedern"

,, Anakreon, mein Lehrer,

Singt nur von Wein und Liebe"

Ein besseres Beispiel um die Grundzüge der Anakreontik wiederzugeben gibt es wohl nicht. Liebe und Wein waren auch schon Anakreons Hauptthemen in seinen Gedichten. Hier wird in der Zeit der Aufklärung dieser Grundgedanke aufgenommen und weitergeführt.

,, Mir genügt ein zufriedenes Herze

Und was ich hab und haben mu ß

Und, kann es seyn, bei freyem Scherze, Ein kluger Freund und reiner Kuß: Dießkleine Feld und diese Schafe, Wo, frey von Unruh und Verdruß, Ich singe, scherze, küsse, schlafe."

Diese letzte Strophe aus Uzens Gedicht ,,Der Weise auf dem Lande" eignet sich hervorragend um die Leitgedanken der Geselligkeitsdichtung aufzuzeigen.

Zufriedenheit, Freiheit der Gedanken, Freundschaft und Anspielung von erotischen Gedanken. Bei einigen Gedichten Anakreons war man sich aber auch nicht so sicher ob man sie aufgrund ihrer frivolen Anzüglichkeiten veröffentlichen konnte. Ein gutes Beispiel dafür ist die Übersetzung von ,,Eigenschaften einer Geliebten":

,,Dauerhaft sey die Brunette

wenn im Bette

Lieb und Jugend auf sie dringt"

Ob, und wenn ja, warum diese aus heutiger Sicht geradezu trivialen Wortspiele eine Bedeutung im Zuge der Aufklärung erhalten, werde ich im folgenden versuchen zu erklären.

5. Bedeutung der Anakreontik für die aufklärerische Literatur und ihr Wirken auf das Bürgertum

,,Habe mutig deines eigenen Verstandes zu benutzen"

Immanuel Kant

In diesem Sinne sollte Aufklärung auf die Aufzuklärenden wirken. Kann man der Anakreontik eine solche Bedeutung zugestehen?

Zum ersten muss festgehalten werden, dass sich die anakreontische Dichtung zu jeder Zeit dem Vorwurf stellen musste, eine theorienferne Gruppierung der deutschen Literaturgeschichte zu sein. Sie soll mit ihrer Sing-, Scherz- und Geselligkeitskultur sowie dem Formumfang, ihre Rolle in der Aufklärung verspielt haben, so zeitgenössische Kritiker. In bezug auf ihre erotischen Anspielungen soll sie sogar eine echte sexuelle Revolution verhindert haben und gesellschaftlich mit gesellig verwechselt haben Aus heutiger Sicht würde ich ohne weitere Vorkenntnisse dem soweit zustimmen. Bezieht man aber die äußeren Umstände dieser Zeit hinzu rückt dies aber in ein ganz anderes Licht. Anakreontik war in dem Kontext Ästhetik eingebunden. Diese neue, der Sinnlichkeit zu ihrem Recht verhelfende Wissenschaft, hatte ohne Zweifel eine gesellschaftsverändernde Wirkung. Harmlose erotische Tändeleien wurden zu verwerflichen Lusthandlungen hochstilisiert. Da diese Kritik meist nur von Vertretern des alten Klerus erhoben wurden und die breite Masse der bürgerlichen Leser sich mit dieser einen Inhaltsform identifizieren konnte beziehungsweise tolerierte, profilierte anakreontische Dichtung sich zur Emanzipation. Durch die einfache Dichtform sollte den bis dahin außenvorgelassenen Frauenzimmern den Zugang zur Dichtkunst zur erleichtern. Eine Grundidee die in manchen Gesellschaftsbereichen noch heute als fortschrittlich- aufklärerisch bewertet werden kann. Allerdings bewies sich dieser Versuch als Drahtseilakt, da man durch allzu forscher und deutlicher Darstellung von Sexualität befürchten musste, die Frauen zu verschrecken. Deren Einbindung in das gesellschaftliche Leben war den Dichtern aber sehr wichtig.

Für das einfache Bürgertum übte die Anakreontik aber noch eine weitere Faszination aus. Das Zurückziehen aus einer Welt, die voller Spannungen und revolutionärer Stimmung war, in die voller Liebe und Weinseligkeit gezeichnete Schäferidylle, suggerierte den Lesern die Möglichkeit, politischen Veränderungen ohne gewaltsame Auseinandersetzungen herbeizuführen. Eine Befriedigung ihres Bedürfnisses nach innerer Unabhängigkeit sollte über den Weg des geringsten Widerstandes erfolgen.

1748 wurde in der moralischen Wochenzeitschrift "Der Gesellige" ein Satz publiziert der die Wirkung der Anakreontik bis in Kreise des Klerus deutlich macht da dieser von einem Theologen stammt: "Ein geselliger Mensch ist an kein Land und an keine Religion so gebunden, dass er mit anderen nicht recht gesellig leben könnte." In der selben Zeitschrift sollte ein Entwurf für eine neue Gesellschaftsform entwickelt werden. Allein ihr Titel ist prägnant für die Wirkung anakreontischer, geselliger Dichtung auf andere Formen der Aufklärung.

Meine Meinung über die Anakreontik ist zwiespältig. Einerseits empfinde ich den Versuch aus alten Zwängen, Normen und Idealen durch diese Lyrik auszubrechen bewundernswert. Andererseits gehen mir die Mittel mit denen hier vorgegangen wurde nicht weit genug und ich muss mich dem großen Kreis der Kritiker anschließen und dieser Gattung eine Theorienarmut bescheinigen. Allerdings kann ich dies aufgrund meiner Möglichkeit eines geschichtlichen Rückblickes vornehmen und damit der Anakreontik einen kleinen Beitrag zur Aufklärung zugestehen.

Quellenverzeichnis

Rohmer, Ernst und Verweyen Theodor: ,,Dichter und Bürger in der Provinz" Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1998

Böttcher, Kurt: ,,Aufklärung - Erläuterungen zur deutschen Literatur" Berlin: Volk und Wissen 1971

Warde, Newell E.: "Johann Peter Uz and German Anacreonticism - The Emanzipation of the Aesthetic" Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 1978

Lepper Gisbert, Jörg Steitz u.a.: ,,Einführung in die deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts" Opladen: Westdeutscher Verlag 1983

Pütz, Peter: ,,Erforschung der deutschen Aufklärung" Königstein/Ts.: Verlag Anton Hain Meisenheim 1980

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Details

Titel
Anakreontik und ihre Bedeutung in der aufklärerischen Literatur
Note
2+
Autor
Jahr
2000
Seiten
7
Katalognummer
V98442
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit soll nur einen kurzen Überblick über das Thema Anakreontik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geben.
Schlagworte
Anakreontik, Bedeutung, Literatur
Arbeit zitieren
Enrico Jankowski (Autor), 2000, Anakreontik und ihre Bedeutung in der aufklärerischen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98442

Kommentare

  • Ralf Oeser am 2.8.2010

    also das ding ist auch wirklich nur 99cent wert.überhauot keine struktur.kapitel in denen nur ein satz steht und den inhalt kann ich mir auch bei wikipedia durchlesen.alles in allem nicht hilfreich!!!!!!!!

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