Differentialblutbild Versuchsprotokoll


Skript, 2000
9 Seiten, Note: 15 Punkte

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- Einleitung

- Hämopese ( Blutbildung)

Das Organ ,,Knochenmark" wird in seiner Ausdehnung meist unterschätzt, es wiegt bei einem Durchschnitts-70kg-Mann 2,6kg.

Das produktive rote Knochenmark (1,4kg), welches die Blutbildung zur Hauptfunktion hat, befindet sich vor allem in den kleinen, flachen Knochen. Die Röhrenknochen beinhalten dadegen verfettetes, nicht funktionierendes Mark. Mit zunehmendem Alter wird auch das rote Knochenmark zunehmend gelblich und verfettet.

Die Blutbildung wird in den ersten Monaten der embryonalen Entwicklung von der Dottersackwand übernommen. Später geschieht dies durch eine Kooperation von Leber und Milz (hepatolienale Blutbildung). Die Leber kann bei beschädigtem Knochenmark diese Funktion wieder aufnehmen - möglicherweise sind die Knochenbmarkszellen sogar ausgewanderte Leberzellen. Das Knochenmark beginnt erst nach der Geburt diese Aufgabe vollständig.

Alle Zellen des Blutes stammen von den gleichen pluripotenten Stammzellen ab.

Die Steuerung der Hämatoporese (Blutzellenbildung) geschieht durch Cytokine

(Proteinmediatoren), insbesondere durch die Kolonie-stimulierende Faktoren (EPO/CSF) sowie dem Interleukin.

Aus den Blubildungsstammzellen (Hämocytoblast) enstehen Vorläuferzellen die durch das Hormon EPO/CSF (Erythropoetin) zu unfarbigen basophilen Erythroblasten werden. Durch Hämoglobinsynthese werden sie zu farbigen polychromatischen Erythroblasten welche wiederum durch das Hormon EPO zu Retikulocyten und dann zu den Erythrocyten werden.

Die Leukocyten werden außer im roten Knochenmark auch in den lymphatischen Organen wie Mandeln und Lymphgefäße gebildet.

LEUKOCYTEN

Man teilt die Leukocyten in Granulocyten, Lymphocyten und Monocyten ein wobei die Granulocyten noch in neutrophile (stab- oder segmentkernige), eosinophile und basophile eingeteilt werden.

Im folgenden werden die Unterscheidungsmerkmale behandelt:

a) Granulocyten

aa) neutrophile Granulocyten

Sie sind meist nahezu kreisrund und haben ein hellgraues bis rosarotes Cytoplasma. Ihr Durchmesser beträgt ca. 14 m. Die Granula sind sehr fein und rötlich-violett bis bräunlich gefärbt. Der Kern der stabkernigen Neutrophilen ist länglich gebogen, z.T. mit Einschnürungrn, die noch nicht fadenförmig sind.

Die Zahl der Neutrophilen bewegt sich normalerweise zwischen 2,5 und 7,5*109 /L.

Abweichungen vom Normbereich nach unten nennt man Neutropenie, nach oben Neutrophilie. Sinkt die zahl der Neutrophilen unter 0,5*109 /L, liegt eine Agranulocytose vor. Dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand, da es zu schweren Infektionen kommen kann. Ihre Lebensdauer beträgt nur 6 - 8 Stunden. Nur 10% der reifen Zellen befinden sich frei schwimmend oder am Endothel klebend im Blut; im Knochenmark wartet immer eine große Ersatzreserve, so daß bei einer Entzündung die Anzahl an neutrophilen Granulocyten im Blut rasch verzehnfacht werden kann. Alte Zellen wandern aus dem Blut aus, aber ihr weiteres Schicksal ist noch unbekannt.

Sie sind die Hauptfresszellen der unspezifischen Immunabwehr. Sie erkennen sofort körperfremde Stoffe oder Zellen, vor allem Bakterien und phagozytieren sie, greifen sie mit Sauerstoffradikalen (oxidative burst) an oder degranulieren, d.h. setzen ihre Granula mit cytotoxischen Komponenten frei. Dabei sterben die ab und bilden Eiter. Sie verhindern so meist von vorn herein den Ausbruch von Krankheiten beim Kontakt mit wenig Erregern. Segmentierung Man unterteilt die neutrophilen Granulocyten anhand ihrer Kernstruktur in stabkernige und segmentkernige. Es gibt zwei verschiedene Definitionen nach denen diese Einteilung erfolgt.

- 1.Definition : Sobald der Kern an einer Stelle fadenförmig eingeschnürt ist, spricht man von segmentkernig, vorher von stabkernig (Fadenregel)

- 2. Definition : Sobald der Kerndurchmesser an einer Stelle weniger als 1/3 der breitesten Stelle beträgt, spricht man von segmentkernig (Drittelregel)

In der Folge ergeben sich je nach angewandter Definition unterschiedliche Normwerte.

Neutrophile mir mehr als 4 Einschnürungen gelten als hypersegmentiert. Die Stabkernigen stehen zu den segmentkernigen normalerweise im Verhältnis von ca. 1 : 4 (Fadenregel) bzw.

1 : 12-15 (Drittelsregel).

Verschiebt sich dieses Verhältnis zu Gunsten der Stabkernigen, so spricht man von einer Linksverschiebung, der umgekehrte Fall bezeichnet man als Rechtsverschiebung.

Segmenkernige Neutrophile

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stabkernige Neutrophile

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ab) Eosinophile Granulocyten

Der Name der Zellen, die einen Anteil von 3% der Leukocyten ausmachen, kommt daher, daß sie beim Standardfärbeverfahren Eosin anreichern.

Sie sind auch rund und mit einem Durchmesser von ca. 16 m etwas größer als die neutrophilen.

Die Granula sind grob, leuchtend rot bis honiggelb und sehr dicht gepackt. Der Kern ist meist zweilappig.

Mit den Normwerten zwischen 0,02 und 0,4*109 / L sind sie im Blutausstrich eher selten anzutreffen - wie auch wir feststellen mußten. Eine Erhöhung der Eosinophilen wird als Eosinophilie, eine Verminderung als Eosinopenie bezeichnet.

Ihre Funktion ist nicht ganz geklärt. Sie spielen eine wichtige Rolle bei allergischen Erkrankungen sowie bei Infekten mit Parasiten und bei Autoimmunerkrankheiten. Wie auch die Neutrophilen sind sie zur Phagocytose und Migration befähigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ac) Basophile Granulocyten

Diese Zellen mit nierenförmigen Zellkern, die bei gesunden 1% der Leukocyten ausmachen, erhalten ihren Namen, weil sie Histamin freisetzen, das durch seinen basischen pH Eosin blau färbt.

Der basophile Granulocyt ist mit 10 bis 14 m kleiner als die anderen Granulocyten. Die groben, dunkel-violetten Granula sind dicht gepackt und überlagern weitgehend Kern und Zytoplasma. So können sie im mikroskopischen Bild fast schwarz erscheinen.

Der Normbereich der basophilen Granulocyten ist 0 bis 1,5 * 109 /L. Somit findet man sie nur sehr selten im Blutausstrich. Eine Erhöhung der Basopihlenzahl ist eine Basophilie. Die Basophilen spielen eine wichtige Rolle bei Hypersensivitätsreaktionen. Auch nehmen sie nach Nahrungsaufnahmen zu und regen fettabbauende Enzyme an.

Histamin erweitert die Blutgefäße. Bei einer allergischen Reaktion wird Histamin verstärkt freigesetzt, so entstehen Quaddeln, Ödeme, Wasser in der Lunge, tränende Augen und Niesanfälle. Sonst setzen sie auch Heparin, einen Gerinnungshemmer, und Chemokine frei, welche die anderen Leukocyten an den Ort der Infektion locken sollen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch sie sind befähigt, die Blutbahn zu verlassen und in das umliegende Gewebe auszuwandern.

b) Mononucleäre Zellen

ba) Monocyten

Diese Zellen, die 6% der Leukocytenpopulation ausmachen, sind durch ihren großen Zellkern gekennzeichnet. Sie selbst haben einen Durchmesser von 15 bis 20 m und sind somit die größten Zellen des peripheren Blutes. Ihre Form ist vielfältig, sie sind aufgrund von Pseudopodienbildung oft unregelmäig begrenzt. Das zytoplasma ist bläulich-grau.

Der Kern kann bohnenförmig, gebuchtet oder mehrfach gelappt sein, sein Chromatin ist mittelfein.

Sie besitzen eine ausgeprägte Migrationsfähigkeit. Sobald sie ins Gewebe eingewandert sind (Interstitium) , werden sie als Makrophagen bezeichnet. Sie haben im Gewebe eine Lebensdauer von mehreren Jahren und können sich dort auch teilen. 70% der Population sind als Kupfersche Sternzellen in der Leber, wo sie einen Freßfilter des venösen Blutes aus dem Darm darstellen. Sie phagozytieren Fremdkörper und präsentieren dann den Lymphocyten die Antigene. Diese produzieren daraufhin Antikörper. Außerdem haben die Monocyten mehr als 100 Sekretprodukte, wodurch sie u.a. die Aktivierung von Granulocyten steuern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Normwerte liegen hier zwischen 0,08 und 1,0*109 /L. Eine Erhöhung wird Monozytose genannt.

bb) Lymphocyten

Lymphocyten besitzen einen runden bis ovalen Kern, der ungefähr die Größe eines Erythrocyten hat. Das Zytoplasma ist basophil. Der Zytpolasmasaum bewegt sich zwischen kaum erkennbar und ausladend. Dadurch variiert die Zellgröße zwischen 9 und 20 m. Je nach Breite des Zytoplasmasaumes unterscheidet man große und kleine Lymphozyten. Die unterschiedliche Größe ist Ausdruck unterschiedlicher Aktivitäten.

Die normale Lymphozytenzahl liegt zwischen 0,8 und 2,8*109 /L. Somit sind die nach den Neutrophilen die zweithäufigsten Leukocyten im Blutausstrich. Ist die Lymphocytenzahl erniedrigt, spricht man von Lymphopenie, ist sie vermehrt, von lymphozytose. Morphologisch können B- und T- Lymphocyten sind unterschieden werden. Lymphocyten teilen sich nämlich auf in 25% B-Zellen, 65% T-Zellen (davon 20% natural killer cells !!!) und 10% andere, sogenannte O-Zellen. Sie unterscheiden sich in der Rolle bei der Abwehr.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sie sind an der zellulären und humoralen Infektabwehr beteiligt.

Was bedeutet eine Erhöhung der Anzahl einzelner Leukocytengruppen ?

Neutrophile:

- bestätigt Entzündungsvorgang
- bestimmte Streßsituationen (innere Blutungen, operative Eingriffe)
- Schwangere bei körperlicher Arbeit
- Nach Konsum von 4 bis 5 Zigaretten pro Tag
- Physikalische Stimuli (Strahlen)
- Stoffwechsel-Erkrankungen
- Vergiftungen
- Leukämie (chronisch-myeloische)

Eosiophile:
- Allergie
- Hauterkrankungen
- Parasitenbefall
- Infektionserkrankungen (Scharlach)
- Leukämie

Basophile:

- Eisprung
- Schwangerschaft
- Streß
- Darmentzündungen (Colitis ulcerosa)
- Leukämie
- Unterfunktion der Schilddrüse

Monozyten:

- Tuberkulose
- Genesung nach akuten Infektion
- Malaria Leukämie
- Krebserkrankungen
- Chemikalien GIEMSA-Lösung (200ml Aqua dest. mit 6ml Strammlsg. versetzen
Methanol

Absol. Alkohol Immersionsöl

Ethanol : Ethan 1:1

- Geräte saubere, fettfreie Objektträger

Deckgläschen

Stiletten

Färbetröge Mikroskop

- Durchführung siehe Script

- Resultate

In Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Reihe 1 stellt die Werte der Normalverteilung dar, Reihe 2 meine Werte

- Auswertung

Meine eigenen Werte liegen im Schnitt in den erwarteten Bereichen.

Die etwas erhöhte Anzahl der Monocyten kann hier auf einem Zählfehler basieren. Im Blutausstrich sind die Monocyten und die Lymphocyten schwer zu unterscheiden. Da uns hier die Praxis fehlt können schnell Zählfehler und Verwechselungen auftreten. Die etwas erhöhte Zahl der Stabkernigen kann, laut der oben aufgeführten Tabelle, auf meinen Zigarettenkonsum und die zu der Zeit akuten Stoffwechselprobleme zurückgeführt werden. Da die Werte aber keine exakten Richtwerte sind, können leichte Abweichungen auch noch im Normalbereich liegen. Die folgende Tabelle gibt auch noch einen Überblick über die Spannweite der prozentualen Anzahl.

Insgesamt kann man aber sagen, daß die Werte in Ordnung sind und keinen Grund zur Besorgnis geben.

- Fehlerquellen

Da hier eine Auszählung ohne Raster erfolgt, kann man schnell die Orientierung im Ausstrich verlieren und immer wieder die gleichen Zellen zählen.

Die Unterscheidung bürgt auch Schwierigkeiten, so können, wie auch bei mir, Zellen verwechselt und falsch bestimmt werden.

Der Blutausstrich sollte nicht zu dick zu sein, bei der Herstellung sollte deshalb darauf geachtet werden, daß nur ein kleiner Blutstropfen aureichend ist. Auch sollte der Ausstrich nicht zu schnell erfolgen.

Ungenügend langes Färben und Trocknen kann zu schlechten Färbeergebnissen führen.

- Vergleichstabelle der Normalwerte

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Differentialblutbild Versuchsprotokoll
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V98467
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Versuchsprotokoll mit Einleitung/Durchführung/Auswertung etc. Für weitere Scripte/Versuchsprotokolle etc. könnt mir gerne mailen
Schlagworte
Differentialblutbild, Versuchsprotokoll
Arbeit zitieren
Inga Wagner (Autor), 2000, Differentialblutbild Versuchsprotokoll, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98467

Kommentare

  • Gast am 28.1.2001

    Differentialblutbild.

    Dein Bericht ist ganz große Klasse.
    Würde gern ein paar Zeilen daraus für meine Hausarbeit verwenden, wenn du nichts dagegen hast.

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