Der Behaviorismus. Inwieweit lässt sich die behavioristische Lerntheorie in der Erwachsenenbildung umsetzen?


Hausarbeit, 2020

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung Lernen

3 Behaviorismus - eine klassische Lerntheorie im gesellschaftlichen und historischen Kontext..
3.1. Die klassische Konditionierung nach Iwan Pawlow
3.2. John B. Watson - Das Experiment „Der kleine Albert"
3.3. Die operante Konditionierung nach Thorndike und Skinner

4 Die behavioristische Lerntheorie in der Erwachsenenbildung
4.1 Praxisbeispiel
4.2 Diskussion zum Praxisbeispiel

5 Fazit

II. Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

C- Negative Konsequenz

C+ Positive Konsequenz

CR Konditionierte Reaktion

CS Konditionierter Stimulus

NS Neutraler Stimulus

R Reaktion

S Stimulus

UR Unkonditionierte Reaktion

US Unkonditionierter Stimulus

1 Einleitung

„The behaviorist asks: Why don't we make what we can observe the real field of psychology? Let us limit ourselves to things that can be observed, and formulate laws concerning only those things. Now what can we observe? We can observe behavior - what the organism does or says” (Watson, 1970, S. 6).

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Behaviorismus, also assoziativen Lernmethoden. Es wird besprochen inwieweit sich die behavioristische Lerntheorie speziell in der Erwachsenenbildung umsetzten lassen könnte.

Zu Anfang der Arbeit wird näher darauf eingegangen was Lernen allgemein bedeutet und welche Rolle Lernen als Kompetenzerweiterung in der Erwachsenbildung eingenommen hat.

Im Folgenden wird die Aufmerksamkeit auf den Behaviorismus gerichtet und seine Einbettung in einen historischen und gesellschaftlichen Kontext. Innerhalb dieser Ausführungen wird die klassische und operante Konditionierung erklärt. Hierzu werden auch berühmte Persönlichkeiten, wie Watson, Pawlow, Thorndike und Skinner beschrieben.

Anschließend geht die Arbeit darauf ein, wann man erwachsen ist und sie definiert den Begriff der Erwachsenenbildung, bevor anhand eines Praxisbeispiels Möglichkeiten operanter Konditionierung in der Erwachsenenbildung dargestellt werden. Diese Praxisbeispiel wird daraufhin kritisch diskutiert.

Abschließend werden die Erkenntnisse der Arbeit erläutert und geklärt wie behavioristische Lerntheorien in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden könnten.1

2 Begriffsbestimmung Lernen

Der Begriff des Lernens wird verstanden als eine Veränderung unseres Verhaltens, unserer Gedanken oder Gefühle. Dieses Lernen findet häufig durch Assoziationen statt. Diese Assoziationen sind Verknüpfungen zwischen Reizen oder Informationen und bestimmten Ereignissen, Gedanken oder Emotionen. Im Gegensatz dazu steht das non-assoziative Lernen, bei dem keine Verbindungen geknüpft werden. Ein Beispiel hierfür ist z.B. die Gewöhnung oder auch Habituation, bei der die Reaktion auf etwas immer schwächer wird, bis es zur Gewohnheit geworden ist (Schiebener et al., 2014, S. 172-173).

Lernen bedeutet aber auch Aneignen von Wissen im sozialen, kulturellen oder sozialen Bereich(Bodenmann et al., 2016, S. 15).

Lernen ist somit auf Erfahrungen begründet, die bewusst oder unbewusst sein können. Durch Lernen neuer Fertigkeiten, Verhaltensweisen und Denkmuster sichern Menschen und Tiere ihre Existenz. Durch Lernen werden grundlegende Fertigkeiten erworben, wie z.B. Sprechen, aber auch komplexe Handlungen erfasst (Gazzaniga et al., 2017, S. 315).

Lernen bedeutet außerdem, erlangen von neuen Kompetenzen. Kompetenz bedeutet ausschließlich die Fähigkeit zu haben ein Verhalten zu zeigen. Diese Kompetenz kann man aber nicht messen oder beobachten, sondern lediglich die Performanz, also das tatsächliche Ausführen von Verhalten ist messbar (Rinck, 2016, S. 13).

Lernen als Kompetenzerweiterung spielt vor allem in der Erwachsenenbildung eine große Rolle, wobei das Lerninteresse von Erwachsenen verschiedene Phasen, wie Latenz, Expansion und Kompetenz durchlaufen. Hierbei orientiert sich das individuelle Interesse von Erwachsenen, Kompetenzen zu erweitern und Neues zu lernen, an den verschiedenen Lebenswelten und ist auch mit dem Begriff der persönlich empfundenen Selbstbestimmung verknüpft (Schrader, 2019, S. 113).

Das nächste Kapitel dieser Arbeit konzentriert sich auf Formen assoziativen Lernens und auf die Lerntheorie des Behaviorismus im Allgemeinen.

3 Behaviorismus - eine klassische Lerntheorie im gesellschaftlichen und historischen Kontext

Historisch gesehen entwickelte sich der Behaviorismus2 3 in einer Zeit parallel mit vielen neuen Errungenschaften. Mit der Jahrhundertwende, also um 1900, revolutionierten einige technische Erfindungen und Erkenntnisse die Welt. Dazu gehörte z.B. die Publikation der Relativitätstheorie von Einstein oder die Veröffentlichung der Quantentheorie von Planck. Es entstand mit der Fließbandarbeit der Firma Ford und der dadurch gesteigerten Produktivität eine Welle der Industrialisierung. Durch die Industrialisierung nahm der Kapitalismus zu und mit ihr ein Aufbegehren des Proletariats. Auch in der Kunst wurde gegen alt hergebrachtes opponiert und der Konstruktivismus wurde zur revolutionären Kunst ernannt. Bis dahin bediente sich die psychologische Forschung vor allem an Methoden der Introspektion2, wie die Struktura listen es taten. Aber auch in der Psychologie wurde in dieser Zeit nach elementaren Bausteinen gesucht und neues Denken gefordert, das das Erleben und Verhalten erklären soll. Zeitgleich erforschte deshalb I. P. Pawlow beobachtbare Lernprozesse und legte damit den Grundbaustein einer neuen Lerntheorie (Bodenmann et al., 2016, S. 43).

Trotz der Pionierleistung von Pawlow wird John B. Watson als der eigentliche Vater des Behaviorismus angesehen. Watson war von den Erkenntnissen und Forschungen von Pawlow beeinflusst und entwickelte, inspiriert durch diese, die Lerntheorie des Behaviorismus. Im Jahr 1913 veröffentlichte er erstmalig eine programmatische Schrift mit dem Titel „Psychologie, wie der Behaviorist sie sieht". Diese Veröffentlichung ist der Anfang des Behaviorismus (Edelmann, W. / Wittmann, S., 2019, S. 48).

Watson und seine Anhänger betrachteten die Umwelt als den einzig wichtigen Faktor in Lernsituationen. Watson lehnte Methoden wie Introspektion und freie Assoziation4 als unwissenschaftlich ab. Nach Ansicht der Behavioristen hat jegliches Verhalten einen Auslöser und jegliche Reaktion ist durch einen Reiz verursacht. Watson postulierte, dass die Psychologie als Wissenschaft nur ernst genommen werden könnte, wenn sie sich mit beobachtbaren Verhalten befasste (Gazzaniga et al., 2017, S. 41).

Die nachfolgenden Unterkapitel befassen sich mit wichtigen Persönlichkeiten der behavioristischen Forschung.

3.1. Die klassische Konditionierung nach Iwan Pawlow

Iwan Pawlow (1849 - 1936), der Anfang des 20. Jahrhunderts einen Nobelpreis für Studien zur Physiologie der Verdauungsvorgänge erhielt, führte unter anderem Studien durch, die den Speichelreflex von Hunden untersuchten. Mit diesen Studien zum assoziativen Lernen wurde er letztendlich berühmt. Anfangs entdeckten Pawlow und seine Mitarbeiter eher durch Zufall, dass der Speichelfluss der Versuchshunde schon einsetzte, wenn der Pfleger den Raum betrat und nicht erst, wenn die Hunde das Futter bekamen. Daraufhin beschäftigte sich Pawlow systematisch mit diesem Phänomen und berichtete 1904 erstmalig von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur klassischen Konditionierung des Speichelreflexes bei Hunden (Rinck, 2016, S. 24-25).

Im Folgenden wird die klassische Konditionierung5 anhand eines Laborexperiments von Pawlow erklärt.

Pawlow baute einen Apparat, in dem die Hunde fixiert wurden. Durch einen Schlauch, der mit einem Messinstrument verbunden ist, wurde die Speichelabsonderung gemessen. Nun wurde dem Versuchstier eine Schüssel mit Futter dargeboten. Das Futter ist der unkonditionierte Stimulus (US). Ein US löst ohne vorherigen Lernprozess eine Reaktion aus, so sorgt das Futter beim Hund für vermehrten Speichelfluss. Dies bezeichnet man als unkonditionierte Reaktion (UR).Anschließend paarte Pawlow einen neutralen Stimulus, z.B. ein Metronom, mit dem US, also dem Futter. Der neutrale Stimulus allein löste beim Hund keine spezifische Reaktion aus, sondern nur eine Orientierungsreaktion in Form von Aufmerksamkeit. Durch die wiederholte Darbietung des Tickens des Metronoms (NS), kurz bevor das Futter (US) gegeben wird, entsteht das assoziative Lernen des Hundes. Nach dieser Lernphase wird aus dem neutralen Stimulus (NS) ein konditionierter Stimulus (CS). Der Hund verband das Ticken des Metronoms mit einer Futtergabe und empfand es als Signal.

In der letzten Messphase wurde das Ticken des Metronoms (CS) ohne Futter dargeboten und löste beim Versuchshund vermehrten Speichelfluss aus. Dies war die konditionierte Reaktion (CR) des Hundes, aufgrund von klassischer Konditionierung. Der Hund lernte das Ticken des Metronoms mit Futter zu assoziieren. Allerdings löste das Ticken des Metronoms einen geringeren Speichelfluss aus, als die Darbietung des Futters. Das lässt darauf schließen, dass die konditionierte Reaktion für gewöhnlich schwächer ausfällt, als die unkonditionierte Reaktion (Gazzaniga et al., 2017, S. 321323).

3.2. John B. Watson - Das Experiment „Der kleine Albert"

1919 war John B. Watson (1878 - 1958) einer der ersten Wissenschaftler, der Phobien anhand klassischer Konditionierung erforschte. Bis zu diesem Zeitpunkt ging die Wissenschaft davon aus, dass Angstzustände nach den Theorien von Freud auf die Unterdrückung von sexuellen Wünschen zurückzuführen sei (Gazzaniga et al., 2017, S. 335).

Zu Zwecken seiner lerntheoretischen Studien und zur Belegung seiner Hypothesen, dass Angst ein konditionierbarer Prozess ist, begann er seine Studien mit einem kleinen Jungen, namens Albert, der zu diesem Zeitpunkt 9 Monate alt war. Albert wird als gesundes Kind beschrieben. Anfangs wurde untersucht, ob Albert Angst vor verschiedenen Tieren hatte. Vor Tieren hatte Albert keine Angst, sondern war interessiert an ihnen. Albert hatte aber Angst vor sehr lauten Geräuschen. Sie fanden innerhalb ihrer Studien mit Albert heraus, dass Tiere und verschiedene Gegenstände, neutrale Stimuli (NS) sind und Lärm ein unkonditionierter Stimulus (US) ist, weil er von Anfang an Angst in Albert ausgelöste. Diese Angst bezeichnete Watson als unkonditionierte Reaktion (UR) (Rinck, 2016, S. 37-38).

Nach diesen ersten Erkenntnissen begann die Konditionierung von Albert. In dieser Lernphase wurde vor Albert eine weiße Ratte (NS) aus einem Korb genommen. Sofort streckte er die Hand nach ihr aus, weil er keine Angst vor ihr hatte. In diesem Moment wurde mit einem Hammer auf eine Eisenstange (US) geschlagen. Albert erschreckte sich zunächst, weinte aber noch nicht. Diese Prozedur wurde Albert einige Male mit jeweils einem zeitlichen Abstand dargeboten. Die Reaktion von Albert auf die Ratte, kombiniert mit dem Lärm, wurde intensiver und Albert wimmerte und versuchte von dem Tier weg zu krabbeln. Als später die weiße Ratte ohne den Lärm präsentiert wurde, schrie Albert und zeigte Angst (CR). Wiederum mit einem zeitlichen Abstand von 5 Tagen wurden Albert ein Hase, ein Hund und einen Pelzmantel gezeigt. Er zeigte in allen Fällen ein ängstliches Verhalten (CR) (Watson, 1970 S. 159-163).

So ging bei Albert die Angst, die er bei der Ratte empfunden hat, auch auf andere neutrale Stimuli, wie der Hase oder einen Pelzmantel über. In diesem Fall spricht man von Reizgeneralisierung. Generalisierung findet statt, wenn eine konditionierte Reaktion nicht nur aufgrund eines konditionierten Stimuli auftritt, sondern auch bei ähnlichen Stimuli gezeigt wird (Kiesel, A. / Koch, I., 2012, S. 35).

3.3. Die operante Konditionierung nach Thorndike und Skinner

Die operante Konditionierung6 setzt sich nicht, wie bei der klassischen Konditionierung mit automatischen Reaktionen auseinander, sondern untersucht komplexere Verhaltensweisen. Es wird eine Assoziation zwischen einem Verhalten und der daraus resultierenden Konsequenz gebildet. Durch häufiges Wiederholen wird die Verbindung zwischen Verhalten und Konsequenz gefestigt (Schiebener et al., 2014, S. 176).

Ende des 19. Jahrhunderts begann Edward Thorndike (1874 - 1949) psychologische Experimente mit Tieren durchzuführen. Er wollte untersuchen, in wieweit Tiere Anzeichen von Intelligenz aufweisen (Gazzaniga et al., 2017,S. 341).

Thorndike entwickelte einen sogenannten Problemkäfig7, in den er hungrige Katzen einsperrte. Durch einen bestimmten Mechanismus konnten die Katzen aus dem Käfig, der als Stimulus (S) dient, entkommen und an das Futter (C+) gelangen, das vor dem Käfig stand. Die ersten Reaktionen (R) der Katzen waren nicht zielgerichtet, bis sie eher durch Zufall die Tür öffneten und zum Futter gelangen konnten. Durch häufige Versuchsdurchgänge wurden die Verhaltensreaktionen (R) der Katzen zielgerichteter. So konnten sie immer schneller dem Käfig entfliehen und ihren Hunger stillen. Es fand eine Assoziation zwischen dem Käfig (S) und der Reaktion (R) statt und das Futter diente der positiven Verstärkung (C+) (Kiesel, A. / Koch, I., 2012, S. 20).

Aus diesen Beobachtungen heraus leitete Thorndike das Gesetz des Effekts ab. Dieses Gesetz besagt, dass jenes Verhalten häufiger auftritt, welches ein befriedigendes Ergebnis hat und solches Verhalten seltener gezeigt wird, das zu einem negativen Ergebnis führt (Rinck, 2016, S. 52).

Diese Theorie Thorndikes wurde von Burrhus F. Skinner (1904 - 1990) in seinen Studien erweitert. Er befasste sich aber im Gegensatz zu Thorndike mit der Problemstellung, in wieweit ein Verhalten unter Kontrolle zu bringen ist. Thorndike musste bei seinem Problemkäfig für Katzen anfangs passiv abwarten, bis die Katzen ein gewisses Verhalten zeigten, während Skinner eine Box konstruierte, die minimalste Verhaltensänderung sofort verstärken konnte. Diese Box wird die Skinner Box8 genannt. Außerdem konzentrierte sich Thorndike besonders auf die Konsequenzen eines Verhaltens, während Skinner zusätzlich vorausgehende Reizbedingungen mit einbezog (Bodenmann et al., 2016, S. 106 - 107).

[...]


1 Begriffsbestimmung Lernen

2 Psychologischer Ansatz, der sich auf beobachtbares Verhalten konzentriert unter Einflüssen der Umwelt (Gazzaniga et al., 2017, S. 41).

3 Patienten sollen in ihr „Inneres schauen“ und erzählen, was in ihnen vorgeht (Schiebener et al., 2014, S. 14)

4 Verknüpfung zweier oder mehrerer Erlebnisinhalte (Stangl, 2020).

5 Auch Pawlow'sche oder respondente Konditionierung genannt (Gazzaniga et al., 2017, S. 320).

6 Sie wird auch instrumentelle Konditionierung genannt, weil sie einem Ziel dient (Gazzaniga et al., 2017, S. 340).

7 Auch Rätselbox oder Problemkasten genannt (Bodenmann et al., 2016, S. 106).

8 Diese Box wird im folgenden Absatz näher erläutert

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Behaviorismus. Inwieweit lässt sich die behavioristische Lerntheorie in der Erwachsenenbildung umsetzen?
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V984832
ISBN (eBook)
9783346346483
ISBN (Buch)
9783346346490
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Behaviorismus, Erwachsenenbildung, Konditionierung
Arbeit zitieren
Katja Bartels (Autor), 2020, Der Behaviorismus. Inwieweit lässt sich die behavioristische Lerntheorie in der Erwachsenenbildung umsetzen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984832

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