Das transatlantische Unterseekabel - Die Geschichte der Verlegung und die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft in den USA und in Großbritannien


Seminararbeit, 2001

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2. Ursprünge – Die Zeit vor der Telegraphie

3. Das Verlegen der ersten Seekabel

4. Das Transatlantikkabel- Projekt und Beteiligte
4.1 Der erste Schritt – die Verbindung von Kanada und Neufundland
4.2 Die große Herausforderung – der Atlantik
4.3 Sir John Pender – der nächste Versuch

5. Auswirkungen auf Wertpapier- und Gütermärkte

6. Auswirkungen auf Wirtschaftsunternehmen

7. Die Informationsverteiler – Nachrichtenagenturen und die Presse

8. Die Betreiberfirmen – Erste „Global Player“

9. Fazit
9.1 Die Bedeutung von Informationen für Wirtschaft und Handel
9.2 Weitere Einflussfaktoren
9.3 Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Erfindung des elektrischen Telegraphen und dessen Anwendung in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist eine der bahnbrechenden Entwicklungen im Rahmen der Industrialisierung neben der Eisenbahn und dem Dampfschiff. Während die beiden letzteren die Geschwindigkeit und das Volumen des Transports von Gütern und Menschen revolutionierten, konnten Nachrichten mit Hilfe des Telegraphen innerhalb weniger Minuten an jedem beliebigen, telegraphisch erschlossenen Punkt der Erde zugänglich gemacht werden. Im folgenden soll die Bedeutung von zeitnahen Informationen verdeutlicht, das Verlegen des transatlantischen Unterseekabels beschrieben und die Auswirkungen, vor allem wirtschaftlicher Art, analysiert werden. Dabei soll untersucht werden, welche Firmen und Personengruppen von dieser Entwicklung profitierten und welche anderen Faktoren den Welthandel in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts beeinflussten.

2. Ursprünge – Die Zeit vor der Telegraphie

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden wirtschaftliche und politische Nachrichten sowie private Briefe durch Segelschiffe über den Nordatlantik befördert. Wirtschaftlich bedeutende Informationen wie Erntemengen und lokale Marktpreise aus der Neuen Welt wurden in New York gesammelt und von dort nach Großbritannien befördert. Dabei dauerte eine Schiffsreise von der Karibik (wichtige Märkte und Anbaugebiete von Kaffee und Zucker) nach New York fast 10 Tage, Informationen über regionale Baumwoll- und Tabakauktionen und Ernteerträge aus den Südstaaten der USA benötigten 3-4 Tage bis nach New York. Die Fahrt über den Atlantik dauerte weitere zwei Wochen, im Winter auch länger und mit weiteren Gefahren z.B. durch Stürme verbunden. Bis die Informationen den bedeutendsten europäischen Wirtschaftsplatz in London erreichten, verging so fast ein ganzer Monat, die Rohinformationen wurden dann noch von den Tageszeitungen (The Economist, The Times) aufbereitet und dann publiziert. Der Fokus der Marktteilnehmer in London lag auf den nationalen, bzw. den europäischen Märkten. . Jorma Ahvenainen begründet diese These durch den oben beschriebenen, aufwendigen und langwierigen Informationstransport[1].

Informationen über Finanz- und Gütermärkte, die fast einen halben Monat (im Falle von New York) oder sogar einen ganzen Monat (Süd– und Mittelamerika, Asien) alt waren, konnten nicht mehr sein als eine grobe Richtschnur. In gewisser Weise kann man noch von unabhängigen nationalen und gar lokalen Märkten sprechen, die Preise für Wertpapiere, Terminkontrakte oder Realgüter basierten nur auf dem Angebot und der Nachfrage innerhalb des eigenen Landes.

Die technologischen Fortschritte im Bereich der Telegraphie wurden schrittweise in der Praxis angewendet. Im „Economist“ im März 1866 wird beschrieben, dass die Markt- und Ernteertragsinformationen aus Nordamerika und dem karibischen Raum per Telegraph in den Wirtschaftzentren der Ostküste (vor allem New York und Boston) gesammelt wurden und dann per Seepost weiter nach Europa geschickt wurden. Die Nachrichten aus der Karibik und Lateinamerika benötigten zu dieser Zeit statt vier noch etwas über zwei Wochen, um nach Europa zu gelangen.

3. Das Verlegen der ersten Seekabel

1851 wurde das erste Kabel zwischen Calais und Dover verlegt, dies ist der Beginn der unterseeischen Verbindungen. Innerhalb weniger Jahre konnten englische und französische Firmen das Mittelmeer und das Rote Meer sowie die Küstenregionen am Atlantik telegraphisch erschließen, das Verlegen eines Kabels über eine Strecke von mehr als 4000 km von Irland bis Neufundland galt zur Mitte des 19. Jahrhunderts als eine der größten technologischen Herausforderungen.

Es gab in der Anfangsphase kein ausreichend gutes Isolationsmaterial, um die Kabel in großer Tiefe vor Korrosion und Störungen zu schützen. Wilhelm Siemens, erarbeitete die Lösung des Isolationsproblems in Woolwich mit seiner Firma „Siemens Brothers“, die als Ideenschmiede für die Problemlösung bei vielen Kabelprojekten beteiligt war. Er experimentierte mit Guttapercha, einer kautschukartigen Masse aus Südostasien, die einige Jahre zuvor sein Bruder Werner bereits für Erdkabel benutzt hatte. 1859 erhielt seine Firma ein Patent auf die „Chatterton-Compound“ genannte Mischung von Guttapercha mit weiteren Zutaten[2].

Nicht nur die Auswahl der Materialien stellte ein großes Problem dar, sondern auch die praktische Ausführung des Verlegens der Kabel war eine Herausforderung für die Ingenieure. Man hatte mit widrigem Wetter, zerrissenen Kabeln und Problemen mit der Leitfähigkeit der Kabel auf langen Distanzen zu kämpfen. Die technischen Lösungen folgten innerhalb weniger Jahre: Siemens entwickelte eine Bremsvorrichtung, die das Abrollen von der Kabeltrommel verbesserte und er führte auch Leitfähigkeitsmessungen während des Verlegens ein, fehlerhafte Abschnitte konnten ersetzt werden (1857).[3]

4. Das Transatlantikkabel – Projekt und Beteiligte

Das Projekt zum Aufbau eines transatlantischen Unterseekabels wurde vom englischen Schriftsteller Arthur C. Clarke als „Apollo-Projekt des viktorianischen Zeitalters“ beschrieben[4]. Damit hat er sicher nicht unrecht, bei genauer Betrachtung des Kabelprojekts fällt auf, dass ein who-is-who der berühmtesten Wissenschaftler, Unternehmer, Ingenieure und Finanziers des 19. Jahrhunderts dabei eine Rolle spielten.

4.1 Der erste Schritt – die Verbindung von Kanada und Neufundland

Die ersten Schritte werden im virtuellen Museum der kanadischen Regierung[5] mit einer Genauigkeit beschrieben, die man in der Literatur so nicht findet, dabei kommt jedoch auch der Nationalstolz nicht zu kurz: Auf kanadischer Seite arbeitete zu Beginn des Jahres 1850 der Vorsitzende der Nova Scotia Telegraph Company, Frederick N. Gisborne, an der Verbindung von Nova Scotia und Neufundland mit dem kanadischen Festland. Zuerst war eine Telegraphenlinie quer durch die Inseln vorgesehen, die Verbindung über das Meer sollte mit Postschiffen durchgeführt werden. Später, nach dem Erfolg des Seekabels durch den englischen Kanal, war auch hier eine unterseeische Kabelverbindung vorgesehen. Gisborne scheiterte mit seinem Projekt 1851 nach der Fertigstellung von nur 40 Meilen Telegraphenlinie auf Neufundland, die Firma ging bankrott. Auf der Suche nach neuen Investoren reiste er 1854 nach New York und traf dort auf Cyrus Field, einem reichen Händler, der sich erst kurz zuvor aus dem Geschäftsleben zurückgezogen hatte und privatisierte. Sein Unternehmergeist wurde durch den „Kanadier“ geweckt, auch die Möglichkeit große Profite zu erlangen, wenn man die Verbindung von New York nach Neufundland über den Ozean nach Irland verlängern könnte, reizte ihn.

Innerhalb kurzer Zeit schrieb Field zwei Briefe an Lieutenant M. F. Maury, den Leiter des nationalen Marineobservatoriums in Washington und bekannten Ozeanographen. Der andere Adressat war Samuel Morse, der berühmte Ingenieur und Erfinder des Morsealphabets. Er bat beide, um eine Antwort auf die Frage nach der Machbarkeit des Projekts, zum einen, ob der Meeresboden sich überhaupt für das Verlegen eines Kabels eignete, zum anderen, ob es technisch möglich sei, ein derartiges Kabel zu produzieren und Signale hindurchzusenden. Die Antworten der beiden Wissenschaftler waren durchaus positiv, Field machte sich jetzt auf die Suche nach weiteren Kapitalgebern. Er gründete 1853 mit zehn weiteren Finanziers die New York, Newfoundland and London Telegraph Company, 1855 begann das Verlegen des Kabels zwischen Nova Scotia und Neufundland. Der Versuch scheiterte kläglich am rauen Wetter und der Ausrüstung. Man verlegte das Kabel von einem Segelschiff (der aus Holz gebauten „Sarah L. Bryant“), das von einem dampfgetriebenen Schlepper (der „Adger“) gezogen wurde. Nach etwa 40 Meilen riss das Kabel und man kehrte unverrichteter Dinge nach New York zurück. Es wurde deutlich, dass ein Segelschiff nicht das geeignete Instrument für eine solche Aktion war.

Im darauffolgenden Jahr gelang die Aktion endlich, die Strecke von New York bis nach St. Johns war über 1000 Meilen durchgehend verkabelt, bis dahin wurden mehr als eine Million Dollar ausgegeben.

4.2 Die große Herausforderung – der Atlantik

Nach der Anbindung von Neufundland an das Telegraphennetz musste Field erneut Geldgeber finden, um den Atlantik zu überbrücken. Field gründete nun mit dreihundert Investoren die Atlantic Telegraph Company. Dabei liefert die Literatur widersprüchliche Ergebnisse: In den „Digital Collections“ der kanadischen Regierung wird gesagt, dass die weitere Investorensuche kein Problem darstellte („The cost of the transatlantic cable was estimated to be about 350,000 pound sterling. This capital was raised in a matter of a few weeks by Cyrus Field and his associates.[6]), Robert Boyce schreibt in seinem Aufsatz

„Submarine Cables as a Factor in Britain´s Ascendancy as a World Power”: “Pender was one of three hundred investors who subscribed to shares in the Atlantic Telegraph Company, which Cyrus Field floated in England, when he could not attract sufficient interest in his native United States”. Es wäre durchaus verständlich, wenn die Investoren an den Kapitalmärkten einem solchen gewagten Projekt kritisch gegenüber gestanden hätten. Im Vergleich zum Eisenbahnbau, der sich als äußerste profitable Geldanlage erwiesen hatte, waren die technischen Voraussetzungen bei Unterseekabeln noch nicht gegeben, den zu erwartenden hohen Profiten standen noch höhere Risiken gegenüber.

[...]


[1] Ahvenainen, Jorma: Telegraphs, Trade and Policy, a.a.O., S.507

[2] Domschke, Jan-Peter, a.a.O., S.32f.

[3] Neutsch, Cornelius, a.a.O., S.49

[4] http://www.cwhistory.com/history/html/TransAtlCb.html [05.04.01]

[5] http://collections.ic.gc.ca/canso/earlycab/tech.htm [05.04.01]

[6] http://collections.ic.gc.ca/canso/earlycab/tech.htm [05.04.01]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das transatlantische Unterseekabel - Die Geschichte der Verlegung und die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft in den USA und in Großbritannien
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Mittlere und Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Neuere Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V9849
ISBN (eBook)
9783638164528
ISBN (Buch)
9783638757270
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Wolfgang Grimme (Autor), 2001, Das transatlantische Unterseekabel - Die Geschichte der Verlegung und die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft in den USA und in Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9849

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