Corona-Auswirkungen der Pandemie-Verordnungen auf Begegnungen und Kontaktintensitäten im Alltag


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Soziophilosophischer Diskurs um Pandemie-Verordnungen

3. Methode der Untersuchung

4. Durchführung der Untersuchung

5. Ergebnisbeschreibung

6. Methodenreflexion und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Das neuartige Virus COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2), das von der Weltgesundheitsorganisation als eine die ganze Welt betreffenden Gefahr (als eine Pandemie) eingestuft wurde, hat in weiten Teilen der Welt eine beispiellose Ausnahmesituation hervorgebracht. Das Fehlen jeglicher geeigneter Bekämpfungsmechanismen, also einer Impfung gegen die neue Krankheit hat die Regierungen dazu veranlasst weitgehende Einschränkungen sowohl des öffentlichen als auch des ökonomischen Lebens zu unternehmen. So wurde binnen wenigen Tagen nach der Einstufung des Virus durch Weltgesundheitsorganisation als Pandemie in vielen Ländern der Flugverkehr massiv eingeschränkt, die Schulen und Kindertagesstätten wurden geschlossen. Kinos, Stadien, Theater und Konzertsäle haben ihre Veranstaltungen für dieses Saison beinahe vollständig abgesagt. Menschen, die nicht in Krankenhäusern, Lebensmittelläden, oder sonstigen systemrelevanten Einrichtungen beschäftigt sind, konnten ihre Berufe gar nicht mehr oder nur eingeschränkt von zuhause aus ausüben. Öffentliche Versammlungen wurden verboten. In manchen Hochrisikogebieten (wie zum Beispiel in chinesischen Provinz Hubei, wo die Pandemie ausgebrochen ist1 ) wurden sogar ganze Städte zu Quarantänezonen erklärt und von Außenwelt abgeriegelt. In Europa dürften die Menschen keine sozialen Kontakte außerhalb ihrer Haushalte mehr pflegen. Dies ist nur eine unvollständige Aufzählung der massiven Beschränkungen, die durch die Pandemie ausgelöst wurden. Manche Aspekte wie z.B. die Folgen des Virus auf Wirtschaft oder Kultur verdienen gesonderte ausführliche Abhandlungen.

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel die Auswirkungen der Pandemie-Verordnungen s.g. "Corona-Regeln"2 auf das alltägliche Leben in Bundesrepublik zu untersuchen. Wie haben sich zum Zweck der Eindämmung des neuartigen Virus unsere Arbeit und Freizeitbeschäftigungen ändern müssen? Welchen Einfluss übte die Krankheit auf die Bildung oder Versorgung? Wie ist sie in unseren sozialen Kontakten eingegriffen? Manche dieser Veränderungen springen förmlich ins Auge, die anderen sind wiederum nur schwer zu erkennen und erfordern eine tiefgreifende Untersuchung. Im Folgenden wird es versucht, der veränderte Alltag in einer Ausnahmesituation einer wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen.

2. Soziophilosophischer Diskurs um Pandemie-Verordnungen

Das neuartige Coronavirus wurde spätestens seitdem es auch den westlichen Ländern erreicht hat zum Gegenstand heißer Debatten und Diskussionen. Nicht nur Regierungsbeamten und Virologen, sondern auch berühmte Soziologen, Psychologen und Philosophen meldeten sich mit unterschiedlichen, teils ziemlich kontroversen Beiträgen zum Thema: so schrieb der bekannte italienische Philosoph Giorgio Agamben am Anfang der Pandemie in Italien davon, dass die staatliche Verordnungen und Einschränkungen nicht nur dem Schutz der Gesundheit dienen, sondern auch zur autoritären Entwicklungen innerhalb westlichen Demokratien führen könnten.3 Laut Agamben würden mit der Zeit die repressive Pandemie-Verordnungen wie Einschränkungen der sozialen Kontakte und Überwachung der eigenen Bevölkerung zur Gang und Gebe werden und die Ausnahmesituation würde zur allgemeinen Regierungsparadigma avancieren. "Was für eine Gesellschaft ist eine Gesellschaft, die keinen anderen Wert als das bloße Überleben hat?", fragt Agamben rhetorisch.

Im Gegensatz zu Agambens eher dystopischen Entwicklungsszenarien spricht der slowenische Philosoph und Kulturforscher Slavoj Zizek, der schon ein Buch mit dem Titel „Pandemic!: COVID-19 Shakes the World" veröffentlicht hat über die eventuelle positiven Möglichkeiten die das Virus auf einmal für die ganzen Gesellschaften aufzumachen scheint. Für Zizek ist der Verzicht auf sozialen Interaktionen sogar in Form der Selbstisolation genau die zu dieser Zeit notwendige Form globaler Solidarität, welche die Pandemie dem Alltagsleben der Menschen aufzwingt4. Zizek glaubt, dass das Coronavirus unser Zusammenleben radikal verändern wird. Selbst wenn das Leben zur s.g. Normalität zurückkehrt, wird es eine andere Normalität sein. Seiner Meinung nach werden die harschen Corona-Einschränkungen auf Wirtschaft und sozialen Leben dazu führen, dass die demokratischen Staaten endlich den entscheidenden Schritt wagen und ein neues Wirtschaftssystem entwickeln werden, eine neue Art von Kommunismus.5

Um zur Fragestellung der vorliegenden Arbeit zurückzukommen: wie spiegeln sich die oben umrissenen dystopischen oder eher utopischen (dazu würde man Zizeks Überlegungen zählen) Entwicklungsszenarien im Alltag der Menschen wider? Würde die Beobachtung der durch Pandemie-Verordnungen veränderten Alltag helfen Prognosen für die Zeit nach der Pandemie zu machen?

3. Methode der Untersuchung

Um die in der Einleitung genannten Fragen zu untersuchen, wird eine Herangehensweise benötigt, die geeignet wäre um qualitativ sozialpsychologische Daten zu erheben. Als ein solches wird in der vorliegenden Arbeit die Methode der Beobachtung ausprobiert. Was kennzeichnet aber eine wissenschaftliche Beobachtung, um die es im Folgenden gehen wird, im Verglich zu einer alltäglichen Beobachtung? Welche Beobachtungsmöglichkeiten gibt es in der Forschung? Spezifisch welche Beobachtungsart wäre für unser Vorhaben am Effektivsten? Um die wissenschaftliche Beobachtung von einem alltäglichen zu unterscheiden, lohnt es sich einen Blick auf die Definition dieses Prozesses nach Bierhoff und Petermann zu werfen: „Der Prozess der Beobachtung bezeichnet eine visuelle und/oder auditive Betrachtung von Personen, Geschehnissen oder sozialen bzw. interaktiven Prozessen und Situationen."6 7 Im wissenschaftlichen Kontext müssen darüber hinaus die unternommenen Beobachtungen einer Systematik untergeordnet sein und somit den Anspruch auf möglichst genaue Objektivität erheben?. Somit sind sie wesentlich anders als Alltagsbeobachtungen. Jeder Beobachtungsverfahren, wie unterschiedlich strukturiert er auch sein mag setzt sich zum Ziel in Bezug auf konkrete Situationen Fakten und Daten zu gewinnen, die bestimmtes Verhalten oder Interaktionen von einzelnen Menschen oder Gruppen charakterisieren würden. In der vorliegenden Abhandlung unternommenen Beobachtung handelt es sich um das Beobachten der s.g. offen erkennbaren Phänomenen8, dabei sind jegliche Arten der sozialen oder interpersonalen Interaktionen, Verhaltens -oder Handlungsmuster gemeint. In der Forschung wird während des Beobachtungsprozesses sowie während der Auswertung nur die in der Tat durch indirekte Beobachtung eines Forschers oder einer Forscherin gewonnenen Daten berücksichtigt und nicht z.B. die Aussagen oder Ideen der beobachteten Personen, wie es bei den anderen Untersuchungsmethoden, wie Interviews etc. der Fall sein kann.

Die Beobachtung ist einer der Basisverfahren für Datengewinnung, daher gibt es zahlreiche Beobachtungsmethoden, die bei unterschiedlichen Untersuchungen gemäß dem jeweiligen Ziel eingesetzt werden können. Doch bei unserem Vorhaben wird der Fokus auf zwei grundlegende Arten der Beobachtung gelegt. Die vorliegende Arbeit umfasst Daten die durch eine s.g. Fremdbeobachtung gewonnen wurden. Die Definition einer Fremdbeobachtung nach Bierhoff und Petermann wäre „eine auf äußere Situationen und das Verhalten anderer Personen gerichtete Beobachtung"9. Diese Beobachtungsart kann relativ offen und spontan erfolgen, d.h. beim Wahrnehmen unterschiedlichen Phänomenen im Alltag ohne vorausgehende Systematik. Sie kann aber auch vornherein geplant in bestimmten Wiederholungsschleifen, gemäß dem vom Forscher ausgearbeiteten System durchgeführt werden. In unserem Fall bildet diese Methode den Kern unserer Herangehensweise. Die Fremdbeobachtungen erfolgen sowohl spontan: während den ausgedehnten Spaziergängen in unterschiedlichen öffentlichen Orten; als auch systematisch: Jeden Tag wird das Verhalten der Menschen in einem Lebensmittelladen beobachtet. Durch die Fremdbeobachtung werden allerdings nur Daten gewonnen, die den äußeren Verhaltensweisen bzw. zwischenmenschliche Interaktionen in den von Virus geprägten Zeiten beschreiben würden. Um die aus diesem Grund entstandene Forschungslücke weitgehend zu schließen, wird in der Untersuchung auch die s.g.

Selbstbeobachtungsmethode verwendet: „bei der, die beobachtende Person selbst ihr Verhalten, ihre Gefühle, Gedanken oder Befindlichkeit beobachtet."10

Das neuartige COVID-19 wirkt nicht lediglich auf das soziale Leben, sondern auch ganz wesentlich auf die innere Gefühlswelt der Menschen. Aufgrund der durch Einschränkungen entstanden Mangel an sozialen Kontakten, scheint die Selbstbeobachtung der einzig geeignete Weg zu sein für unser Vorhaben relevante Informationen über die emotionale und psychologische Vorgänge zu gewinnen, die sonst bei einer Fremdbeobachtung für die Forschung verborgen bleiben würden.

Um durch die Beobachtungen erhobene Informationen zu dokumentieren, werden im Fall von Selbstbeobachtung Tagebücher und im Fall von Fremdbeobachtung handgeschriebene Protokolle verwendet. Beide Dokumentationsarten dienen dem gleichen Zweck: während der Beobachtung entstandene Einfälle und wahrgenommene Phänomene müssen ohne Zeitverzögerung notiert und festgehalten werden.11 Sonst besteht Gefahr, dass Eindrücke nicht mehr so frisch sind, durch Erinnerung einigermaßen gefälscht werden und Repräsentationsvermögen einbüßen. Um die höchste Effektivität zu gewährleisten, werden bei Beobachtungen in Abhängigkeit zu jeweiligen Situationen auch Audioaufnahmegeräte verwendet (wenn es z. B. aufgrund der Hektik in einem Park oder Supermarkt es nicht möglich ist handschriftliche Notizen zu machen).

[...]


1 Vgl. Rydlink, (2020)

2 Ebd.

3 Vgl. Agamben, (2020)

4 Vgl. Zizek, (2020) S.10.

5 Vgl. Zizek, (2020) S. 40

6 Vgl. Bierhoff, (2016) S.169

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd.

9 Bierhoff, (2016') S.1?2

10 Ebd.

11 Vgl. Bierhoff, (2016) S. 1?5

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Corona-Auswirkungen der Pandemie-Verordnungen auf Begegnungen und Kontaktintensitäten im Alltag
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Veranstaltung
Sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden Übung
Note
2
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V985411
ISBN (eBook)
9783346351159
ISBN (Buch)
9783346351166
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Corona, Coronavirus, Covid-19, Pandemie, Pandemieverordnungen, Corona-auswirkung, Sars-Cov-2, Corona-regeln
Arbeit zitieren
Jennifer Klimm (Autor:in), 2020, Corona-Auswirkungen der Pandemie-Verordnungen auf Begegnungen und Kontaktintensitäten im Alltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985411

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