Konzept und beispielhafte Umsetzungen von E-Commerce im Dienstleistungsbereich


Seminararbeit, 2000

1 Seiten, Note: 2,0


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Konzept und beispielhafte Umsetzungen von E-Commerce im Dienstleistungsbereich

Seminararbeit

an der

Leibniz-Akademie Hannover
im Rahmen des Studiengangs zum
Betriebswirt VWA

vorgelegt von
Christian Dierks
aus Celle

2000

Betreuer: Prof. Dr. Peter Schütz

1. Entstehung von Electronic Commerce

,,In einer dunklen, stürmischen Nacht kehrte ein Kriegsschiff von einer Trainingsmission zum Hafen zurück. Der Seegang war rau und dichter Nebel erschwerte die Sicht. Der Kapitän beschloss, auf der Brücke zu bleiben und für eine sichere Rückkehr seines Schiffes zu sorgen.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit meldete der Ausguck: ,,Licht an Steuerbord sichtbar".
,,Steht es still oder bewegt es sich?" fragte der Kapitän.
,,Stillstehend, Herr Kapitän", meldete der Ausguck - das Schiff befand sich auf Kollisionskurs.
Der Kapitän gab seinem Funker folgenden Befehl: ,,Senden Sie dieses Signal: Wir befinden uns auf Kollisionskurs. Empfehle Ihnen, Ihren Kurs Um 20 Grad zu ändern."
Zurück kam folgendes Signal: ,,Empfehle Ihnen, Ihren Kurs um 20 Grad zu ändern."
Der Kapitän befahl: ,,Melden Sie: Ich bin der Kapitän, ändern Sie Ihren Kurs um 20 Grad."
Prompt kam die Antwort zurück: ,, Ich bin Seemann zweiter Klasse, empfehle Ihnen, den Kurs um 20 Grad zu ändern."
Der Kapitän war inzwischen recht aufgebracht, bellte den Befehl zurück: ,,Ich bin ein Kriegsschiff.
Ändern Sie Ihren Kurs um 20 Grad."
Zurück kam die Meldung: ,,Ich bin ein Leuchtturm."
Grund genug, die Sichtweise zu ändern."1

Was will uns diese kleine Geschichte sagen?
Möglicherweise war es schon zu spät oder nahe an der Katastrophe. Solche Szenen spielen sich fast täglich in der Wirtschaft ab. Wir können in den Wirtschaftsspalten der Tageszeitungen genügend Meldungen über Misserfolge lesen. Wo liegt das Problem? Der entscheidende Erfolg oder Misserfolg einer Unternehmung hängt vom Zeitpunkt der ,,Erleuchtung" ab.
Viele Unternehmen sind immer noch sehr konservativ eingestellt. Sie wollen an der ,,guten alten Zeit" festhalten. Und genau darin liegt das Problem.
Mit der Ära Internet, verbunden mit der Kommunikationsgesellschaft, ist eine neue Art der Veränderungen angebrochen. Ein neues Zeitalter beginnt.
Das Internet gilt als letzte grosse Erfindung des letzten Jahrzehnts. Es zeichnet sich derzeit durch eine extrem hohe Wachstumsrate aus. Der Inhalt des World Wide Web hat sich seit Bestehen stark verändert. Anfänglich wurden dort wissenschaftliche Texte von Studenten für Studenten bereitgestellt, oder Privatleute unterbreiteten Angebote verschiedenster Art.
Heutzutage drängen immer mehr Unternehmen in das World Wide Web.
Die Erfolgsstories dieser Unternehmen sind Wegbereiter für eine neue Art des Business:

Electronic Commerce

2. Definition von Electronic Commerce

Der Ausdruck Electronic Commerce (e-commerce) ist ein noch recht junger Begriff, der erst in den vergangenen Jahren entstanden ist und immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.
War das Internet-Engagement von Firmen früher nur auf reine Präsentation beschränkt, so nutzen heute immer mehr Unternehmen das Netz zum Verkauf von Waren und Dienstleistungen.
Es handelt sich hierbei um die digitalen Abwicklungen von Geschäftsprozessen über Netzwerke; hierzu könnte man auch Transaktionen auf elektronischen Marktplätzen sagen.
Electronic Commerce beschreibt ,,(...) die Verzahnung und Integration unterschiedlicher Wertschöpfungsketten und unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse auf der Grundlage des schnellen und plattformunabhängigen Informationsaustauschs über Informations- und Kommunikationstechnologien."2
Von der Produktinformation, über Verkaufsanbahnung, Bestellung und Bezahlung bis hin zur Logistik der Lieferung, After-Sales-Maßnahmen und One-to-one Marketing reicht hier das Spektrum.
Viele Menschen setzten Electronic Commerce mit dem deutschen Begriff ,,Elektronischer Handel" gleich. Hierbei denkt man an die neuen Einkaufsmöglichkeiten: Online können Bücher, CD′s, Spielzeug etc. bestellt werden.
Aber Electronic Commerce bedeutet wesentlich mehr. Dazu gehört der gesamte Geschäftsprozess, von Werbung, Geschäftsanbahnung und -abwicklung bis hin zu Aktionen zur Kundenbindung und Online Banking. Im weitesten Sinne fällt darunter auch der Handel mit CD-Rom Unterstützung, Interaktives Fernsehen (ITV) oder der Faxabruf.
Hier stellt sich nun die Frage, ob Electronic Commerce lediglich die Fortsetzung des Geschäfts mit elektronischen Mitteln ist?3
Nein, denn in der letzten Zeit entwickelt sich ein neuer Trend, der auf den ersten Blick nichts mehr mit Kommerz zu tun hat:
Die Bildung von Communities, virtuelle Gemeinschaften. Die neuen ,,Treffpunkte" werden von den Internetusern mit Leben gefüllt. Auch die Unternehmen haben dies erkannt und drängen immer mehr in die Communities zum privaten und geschätlichen Austausch von Angeboten.
Eins wird ganz deutlich: Electronic Commerce ist vielseitig gestaltet.

2.1 Unternehmen zu Unternehmen

Handelt es sich beim Electronic Commerce um Handelsbeziehungen der Unternehmen untereinander, spricht man vom Business-to-Business Bereich (B2B).4
Dieser e-Commerce-Bereich ist für etwa zwei Drittel der Umsätze im Online-Handel verantwortlich.
Eine vollautomatisierte, datenbankgestützte Abwicklung von Bestellung, Lieferung und Abrechnung über das Internet ist möglich. Aufwendige Schriftwechsel und manuelle Dateneingabe in ein Warenwirtschaftsprogramm sind hier nicht erforderlich.

2.2 Unternehmen zu Verbraucher

Handelt es sich beim Electronic Commerce um Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen und Endkunden, spricht man vom Business-to-Consumer Bereich (B2C). 5 Dieser Bereich hat stark an Größe gewonnen. Überall im WWW gibt es virtuellen Einkaufszentren, die alle Arten von Produkten anbieten.
3. Geeignete Produkte für den Electronic Commerce Vertrieb

Fast alle Produkte lassen sich über Electronic Commerce vertreiben. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Dort wo Nachfrage nach einem Produkt besteht, wird sich auch ein Angebot finden.
Vom Buch, über CD′s bis hin zur Reise oder Gebrauchtwagen wird im Internet alles erdenkliche offeriert.
Leider befinden sich auch immer wieder ,,schwarze Schafe" unter den Anbietern im World Wide Web, die mit unseriösen Angeboten dem Ruf schaden.
Die großen, namhaften Firmen wie Quelle, Karstadt (My-World) und Otto bemühen sich, den Ruf des virtuellen Marktplatzes zu verbessern.6
Nicht alle Produkte und Dienstleistungen lassen sich gleich gut über das Internet vertreiben.
Die gängigsten Angebote lassen sich in Güter und Dienstleistungen unterscheiden:

Güter Dienstleistungen

- Bücher - Urlaubsreisen
- CD′s - Informationen aus dem Kunst- und
- Blumen Literaturbereich
- Kosmetika - Entertainment
- Lebensmittel - Recherchemöglichkeiten
- Computer (Soft- und Hardware) - Diverse Services
- Bekleidung

4. Allgemeine Vor- und Nachteile von Electronic Commerce

Größe des potentiellen Marktes im Internet
Electronic Commerce kennt keine geographischen oder nationalen Grenzen, sondern nur die Abdeckung über Computer und Netzwerke. Electronic Commerce erlaubt selbst dem kleinsten Anbieter, globale Präsenz zu erzielen und weltweit zu operieren. Durch diesen neuen Vertriebsweg werden völlig neue Märkte erschlossen. Kunden die aufgrund der räumlichen Distanz nicht bedient werden können, können nun problemlos über das Internet ihre Waren oder Dienstleistungen ordern.
Einem Kunde aus Deutschland z.B. kann über das WWW seine Waren in Spanien bestellen.
Der Vorteil für den Kunden liegt auf der Hand: Er kann aus der Summe aller möglichen Anbieter für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung auswählen, unabhängig von deren geographischen Sitz.7

Zeitaufwand
Das Internet kennt keine Ladenschlusszeiten. Die Geschäfte im WWW sind 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr möglich. Der Service am Kunden ist sehr groß, da dieser entscheidet wann er einkaufen möchte.
Ein weiterer Vorteil, der den Zeitaufwand betrifft, ist die Verkürzung bzw. Abschaffung der Lieferketten. Mit Electronic Commerce können viele Lieferketten verkürzt werden. Es gibt viele Beispiele, in den Waren direkt vom Hersteller zum Endverbraucher gebracht werden, und die sonst dazwischen geschalteten Stationen wie Lager des Großhändlers, werden einfach ausgelassen.
Doch dem berufstätigen Single, der zu den üblichen Ladenöffnungszeiten keine Zeit für Einkäufe hat, ist nicht damit geholfen, wenn er eben zu dieser Zeit auf den Lieferservice warten muss.8

Kosteneinsparungen und Preiskürzungen
Zu einen der großen Vorteilen im Electronic Commerce zählt die Einsparung der Kosten. Bei einer geschäftlichen Transaktion, bei der menschliches Handeln in Anspruch genommen werden muss, belaufen sich die Kosten möglicherweise in den DM-Bereich. Die Kosten für das elektronische Durchführen einer ähnlichen Transaktion belaufen sich auf ein paar Pfennige oder vielleicht noch weniger.
Die Folge aus diesen Handlungen zwischen den Beteiligten bergen somit die Möglichkeit, wesentliche Kosteneinsparungen zu erzielen. Dies wiederum bedeutet, dass sich Preisnachlässe für den Kunden ergeben.9

Grösse und Anonymität des Internets
Die Grösse und Anonymität des Internets bieten ein guten Nährboden für ,,schwarze Schafe" auf Seiten der Anbieter und der Kunden.
Zur Zeit gibt es noch keine weltweit gültigen Gesetzte und Regelungen für das WWW. Trotzdem ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Zum grössten Teil gelten Vorschriften und Gesetze in Deutschland, und darüber hinaus globale Rechtsvorschriften.
Wie im Geschäftsleben müssen Anbieter und Kunde auf die Seriosität ihres Gegenüber bauen.

Beratungsschwächen
Die Beratung im Internet kann nicht immer die klassische Beratung durch einen fachkompetenten Verkäufer ersetzten. Es besteht zwar die Möglichkeit sich Informationen über die Produkte einzuholen, aber die Handhabungsweise einiger Produkte lassen sich doch einfacher in einem persönlichen Gespräch klären.
Wenn bei einigen Produkten auch eine Farbwahl möglich ist, stellen wir uns nicht immer die gleiche Farbe vor, denn ,,rot" ist nicht gleich ,,rot".
Der Konsument möchte auch in Zukunft auf das Erlebnis EINKAUFEN (fühlen, riechen, schmecken) nicht verzichten.

5. Hauptfaktoren für einen erfolgreichen Online Shop

Der Punkt 6 ,,Hauptfaktoren für einen erfolgreichen Online Shop" bezieht sich hauptsächlich auf den Business-to-Consumer (B2C) Bereich.
Hier haben sich einige Punkte herauskristallisiert, die als Schlüsselfaktoren bezeichnet werden können:

Produktpräsentation
Zu einem der wichtigsten Punkte, zählt die verständliche und attraktive Gestaltung des Angebots. Der Nutzer muss sich auf der Internet-Seite des Anbieters einfach und schnell zurechtfinden.
Die einfache Übertragung des Produktkatalogs in Web Seiten (Otto-Katalog), die man einfach Seite für Seite durchblättert, eignet sich nicht. Der Kunde muss animiert werden im Angebot zu verweilen, durchzustöbern und schließlich zu kaufen. Er hat keine Lust, die Online-Zeit mit nutzlosem Umblättern zu vergeuden.
Daher ist eine entsprechende Aufmachung nötig, bei der die Möglichkeiten des Online-Mediums zum Tragen kommen. Shop-Designer sollten versuchen, einen gesunden Mittelweg zu finden. Ziel ist es schließlich, den Online-Absatz zu fördern.

Zusätzliche Eigenschaft des Online-Angebots
Neben der Möglichkeit, 24 Stunden am Tag einkaufen gehen zu können, muss das Online-Angebot noch einen zusätzlichen Nutzen bieten können.
Dies ist nötig, damit der Anbieter langfristig bestehen kann. Zu den wichtigsten Kriterien gehört natürlich eine Suchfunktion. Der Käufer muss schnell und ohne großen Aufwand sein Produkt finden können.
Bei dem Verkauf von Büchern und CD′s bietet sich eine Les- bzw. Hörprobe an. Ein Lebensmittelanbieter könnte z.B. Kochrezepte präsentieren oder Gewürzproben versenden. Ein CD-Händler bietet an, sich selbst eine CD zusammenstellen zu lassen. Ein Online-Reisebüro bietet Informationen über das jeweilige Zielgebiet oder Links auf Seiten des zuständigen Fremdenverkehrsbüro an.
Diese Möglichkeiten sind vielfältig und lassen sich beliebig weiterspielen. Sie machen das Angebot auf Dauer interessant und ,,binden" den Kunden an den Shop.

Präsenz im Netz
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Präsenz im Internet, bzw. eine hohe Besucherfrequenz des Online-Angebots. Was nützt einem die beste Homepage, wenn aufgrund mangelnder Bekanntheit die Besucherzahlen ausbleiben.
Einige wichtige Faktoren müssen beachtet werden, um unter den zahllosen Internet-Angeboten überhaupt wahrgenommen zu werden:


- Die Beteiligung an einem Shop-Netz. In diesen Netzten sind Angebote, die nicht direkt in Konkurrenz zueinander stehen, über Links verknüpft. Die Homepage eines Teppichbodenhändlers enthält Links zu einem Einrichtungshaus. Umgekehrt sind auf diesen Seiten Verweise zum Teppichbodenhändler zu finden.
- Es bieten sich auch Online-Shopping Malls an. Diese Online-Shopping Malls sind virtuelle Einkaufszentren, in denen verschiedene Geschäfte zusammengestellt sind.
Über eine zentrale Homepage gelangt man zu den verschiedensten Anbietern.

Es gibt noch viele weitere Faktoren, die ich nicht erwähnen möchte, weil sie den Rahmen meiner Hausarbeit sprengen würden.

6. Zahlungssysteme bei Electronic Commerce Lösungen

Die einfachen und komfortablen Einkaufs- bzw. Bestellmöglichkeiten im Internet laden zu Spontankäufen ein, doch bei der Bezahlung treten Probleme auf.
Die Bezahlungsmöglichkeiten lassen sich in drei Kategorien einteilen:


1. Bezahlung per Nachnahme
2. Bezahlung per Kreditkarte
3. Bezahlung per Electronic Cash

Die Bezahlung per Nachnahme ist ein altbewährtes und bekanntes Zahlungsmittel. Doch diese Art der Zahlung ist nicht flexibel und kundenorientiert. Die wesentlichste Einschränkung per Nachnahme entsteht bei Auslandssendungen. So können Pakete ins Ausland nicht per Nachnahme geschickt werden.10

Die Bezahlung per Kreditkarte ist ebenfalls ein altbewährtes und bekanntes Zahlungsmittel. Häufig wird die sichere Verschlüsselung der Kreditkartendaten in Frage gestellt.
Die sichere Datenübermittlung bei der Kreditkartenzahlung im Internet wird häufig überwertet. Sie ist auf jeden Fall sicherer als die Zahlung im Restaurant oder Kaufhaus.
Die benötigten Daten aus einem verschlüsselten Meer von Datenmengen herauszufiltern, ist schliesslich aufwendiger, als einen weggeworfenen Beleg aus der Mülltonne zu fischen.
Auch in Zukunft wird die Kreditkarte als eines der wichtigsten Zahlungsmittel im Internet gelten.

Bei der Bezahlung per Electronic Cash handelt es sich um virtuelle Münzen..
Münzen oder Geldscheine werden durch Dateien dargestellt. Diese Dateien sind dann Gegenstand der Identifizierung und nicht deren Eigentümer.
Der Kunde kauft beim Anbieter elektronischer Zahlungsmittel dessen Einheiten gegen ,,richtiges" Geld. Dann wird mit den Einheiten bezahlt. Der Empfänger kann dann die Einheiten in die Währung seiner Wahl umtauschen.
Eine Reihe unterschiedlicher Lösungen sind derzeit im Versuchsstadium, andere hingegen schon auf dem Markt. Zu den bekanntesten Lösungen zählen Ecash von der Firma Digicash und Cybercoin von Cybercash.11

In meiner Seminararbeit habe ich nur einige Zahlungsmöglichkeiten behandelt. Welches Zahlungsmittel sich für die Zukunft als Standard erweist, bleibt noch abzuwarten. Die neuen digitalen Zahlungsmöglichkeiten stecken noch in der Erprobungsphase und werden sich mit der Zeit durchsetzten.

7. Beispiel für Electronic Commerce im Business-to-Business Bereich

Die Bechtle AG aus Heilbronn ist das führende Business-to-Business Unternehmen für IT-e-Commerce Systemintegration. In den letzten vier Jahren erzielte der Konzern ein durchschnittliches Wachstum von 66 Prozent pro Jahr. Für das Jahr 2000 rechnet Bechtle mit einem Umsatz von 1 Milliarde Mark.
Bei rund 35000 Zugriffen pro Woche gehen bereits 34 Prozent der Aufträge per Internet ein, Tendenz stark steigend.12

Die Bechtle-Unternehmensgruppe richtet sich mit ihrem Angebot an den gewerblichen Endanwender (Business-to-Business), wobei gleichermassen mittelständige Unternehmen wie Grosskonzerne angesprochen werden.
Das Unternehmenskonzept basiert auf dem Zusammenspiel von regionalen Systemhäusern mit zentralisierten Einrichtungen (Direktversand, Competence Center, Logistik).
Bechtle ist in der Lage, seinen Kunden gleichermassen die optimale Vor-Ort-Betreuung eines lokalen Partners zu bieten, als auch die grosse Produktpalette und die konkurrenzfähigen Preise eines überregionalen Anbieters.13
Seit 19995 ist Bechtle mit einem eigenen Auftritt im Internet vertreten (htttp://www.bechtle.com).
Die Web-Seite ist analog zur Struktur der Unternehmensgruppe in die Systemhausgruppe, die Schulungszentren und den zentralen Versand gegliedert.
Die Systemhausgruppe soll einen ersten Eindruck von Bechtle als Vor-Ort-Partner vermitteln. Ebenso sollen hier gewerbliche Kunden einen kompetenten Ansprechpartner finden.14
Die Schulungszentren bieten einen Überblick über die aktuell angebotenen Kurse.
Selbstverständlich besteht hier die Möglichkeit, Kurse unmittelbar über das Internet zu buchen.
Den inhaltlich und technisch aufwendigsten Teil des Web-Auftritts bilden die Seiten des Direktversands Bechtle direkt.
Der Kunde kann Produkte aus einer Palette von über 12.000 Artikeln auswählen und online bestellen.
Zu den meisten angebotenen Produkten erhält der Kunde auch eine Vielzahl zusätzlicher technischer Informationen. Die Preise und Verfügbarkeiten der einzelnen Artikel werden täglich aktualisiert und im Internet dargestellt. Bei Lieferengpässen erhält der Kunde auf Wunsch eine Auflistung sofort lieferbarer Alternativ-Produkte.
Bei Bechtle werden die über 12.000 Artikel in sechs verschiedenen europäischen Staaten in vier verschieden Sprachen angeboten.
Bechtle unterhält ein kundenorientiertes Shopsystem, dass in zwei grosse Bereiche unterteilt werden kann, in die sogenannten Hersteller-Shops und das Bechtle Information and Ordering System - BIOS.15
Bei den Hersteller-Shops ergibt sich die Möglichkeit, Produkte über Bechtle zum Online-Verkauf anzubieten, ohne selbst als Händler aktiv werden zu müssen. Wenn der Kunde auf das Web-Angebot von Bechtle über spezielle Links zugreift, präsentiert sich die Homepage in einem speziellen Erscheinungsbild und einer entsprechenden Produktpalette des jeweiligen Anbieters.
Das Bechtle Information and Odering System ist eine Erweiterung des Shopsystems. Zu einem ermöglicht BIOS die direkte Visualisierung vereinbarter Firmenrabatte. Diese Rabatte sind in verschiedene Gruppen festgelegt, z.B. für ganze Produktgruppen, für einzelne Produkte oder Produkte eines Herstellers. Der Kunde sieht auf jeden Fall seinen ganz persönlichen Preis unter Berücksichtigung aller Sondervereinbarungen.16
Zum anderen ermöglicht BIOS dem Kunden eine selbständige Benutzerverwaltung. Administratoren der Kundenunternehmen können Benutzerkonten für die Mitarbeiter der Einkaufsabteilungen einrichten und konfigurieren. Hier besteht auch die Möglichkeit für jeden Benutzer ein Passwort und Einkaufslimits zu vergeben.
Diese hier angesprochenen Punkte sind ein gutes Beispiel für Punkt 6 ,,Hauptfaktoren für einen erfolgreichen Online Shop" meiner Ausarbeitung.
In einem Unterpunkt wurde die ,,Zusätzliche Eigenschaft des Online Angebots" angesprochen.
Bechtle ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Nicht nur das klassische ,,kaufen" über das Internet ist bei Bechtle möglich, sondern dem Kunden werden auch weitere Vorteile geboten, wie z.B. das Einrichten von Mitarbeiterkonten.
Die Bechtle Unternehmensgruppe hat noch weitere Pläne: BIOS soll nicht nur den grössten Kundenunternehmen zur Verfügung stehen. Das Angebot soll für jeden einzelnen Kunden mehr und mehr den individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Das Unternehmen wird in weitere europäische Staaten expandieren und seine jetzt schon sehr umfangreiche Produktpalette weiter ausbauen.
Die Bechtle Gruppe gehört zu den Big-Playern in B2B-Bereich. Insbesondere das BIOS beschert Bechtle eine einzigartige Position auf dem heiss umkämpften Markt.

8. Beispiel für Electronic Commerce im Business-to-Consumer Bereich

,,Das Unternehmen Quelle ist das grösste Versandhaus in Europa und ist der Pioneer im Electronic Commerce. Man sah Electronic Commerce sehr früh nicht nur als Version, als feinen Silberstreif am Horizont, sondern bereits 1979 als Realität."17
,,Bei Quelle ist das eigens dafür etablierte Ressort Neue Medien zuständig für die Initiative E@sy Shopping, hinter der sich die Kommunikation mittels Online-Medien (Internet, T-Online, Interaktives Fernsehen, WebTV) und über Offline-Medien (CD-ROM, POS-Terminals usw.) verbirgt."18 Der Begriff E@sy Shopping ist bei Quelle auch Programm.
Quelle hat nicht nur den vorhandenen Papierkatalog ins Internet eingebracht, sondern hat die Nutzer durch das Angebot gewisser Mehrwertdienste auf die Quelle-Homepage gelockt. Den Punkt 6. ,,Hauptfaktoren für einen erfolgreichen Online-Shop" hat Quelle gut umgesetzt. Die einzelnen Seiten des Hauptkataloges wurden nicht ,,eins zu eins" ins Internet übertragen, sondern ansprechend und interessant durch Web-Designer gestaltet (Produktpräsentation).
Quelle bietet auf der eigenen Homepage einen elektronischen Postkartenversand, Sondershops, Technik- und Textillexika im Kontext eines Produkts und den Denk′ dran-Service an.19Per E-Mail kann sich hier der Kunde über bevorstehende wichtige Termine, wie z.B. Geburtstage, Vorstellungstermine usw., informieren lassen. Diesen Service bietet Quelle im Zusammenhang mit der Versendung von Präsenten, wie z.B. Blumen oder Wein an. Zusätzlich ist dieser Service auch noch kostenlos.
Hier kommt wieder ganz deutlich der Zusatznutzen des Online-Angebots zum Tragen, den ich schon näher in Punkt 6 erläutert habe.
Wie schon zu Beginn meiner Ausarbeitung erwähnt, gehört zu Electronic Commerce nicht nur das ,,elektronische Kaufen" im Internet, sondern z.B. auch die Unterstützung mit CD-ROM oder auch das Interaktive Fernsehen (ITV).
Von 1995 bis 1998 wurde von Quelle eine CD-ROM angeboten, über die die Kunden ihre Ware bestellen konnten. Neben der reinen Produktinformation bot die CD auch Hintergrundmusik, Animationen und Videos. Kurz gesagt, sie war interaktiv gestaltet. Der damit erzielte Umsatz lag im siebenstelligen Bereich.20
Stichwort: Interaktives Fernsehen (ITV)! Menschen und Familien ,(...)die von ihrer sozialen Umgebung her nicht in den High-Tech- und Internet-PC-Bereich passen(...)21, will Quelle nicht vernachlässigen und für diese Art von Electronic Commerce gewinnen. Noch lässt diese Art von Shopping auf sich warten, wurde aber schon in einigen Pilotprojekten erfolgreich getestet. Anfang Dezember 1996 wurden konventionelle Fernsehgeräte um eine Set-Top-Box erweitert, die über eine normale analoge Telefonleitung eine Rückverbindung herstellte.22Die Kunden, die an diesem Pilotprojekt teilnahmen, konnten so ihr Fernsehprogramm selbst bestimmen. Neben dem Fernsehprogramm gab es Shopping-Angebote, die Quelle über eine entsprechende Oberfläche anbot. Über die Set-Top-Box wurden dann die Bestellungen direkt an Zentralcomputer von Quelle übermittelt.
In ein paar Jahren ist das Interaktive Fernsehen mit einem handelsüblichen Fernseher und einem normalen Telefonanschluss vielleicht schon Wirklichkeit. Dann möchte auch Quelle diesen Vertriebsweg nutzen, um seine Waren anbieten zu können.23

9. Erfolgsaussichten

Alles, was mit einem ,,E" versehen ist, scheint goldene Zeiten zu verheissen:
E-Services, E-Markets, E-Commerce. Immer mehr Unternehmen machen
E-Business zur Vorstandssache und stellen Geldmittel für eine digitale ,,Geschäftsrevolution" bereit.24 Während in den USA über Online-Shops bereits Millionen Umsätze getätigt werden, steckt Electronic Commerce in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Die deutschen Unternehmen und Konsumenten müssen ihre Risikobereitschaft noch steigern, um die Vorteile von Electronic Commerce zu nutzen und im internationalen Wettbewerb nicht das Nachsehen zu haben.
Mit Sicherheit wird Electronic Commerce zukünftig ein wichtiger Absatzkanal werden.
Electronic Commerce ist kein Thema, das sich in absehbarer Zeit erledigen lässt. Selbst wenn die Entscheidung für eine eigene Homepage oder einen Shop im Internet gefallen ist und die Investitionen getätigt sind, das Geschäft und damit die Arbeit im Bereich Electronic Commerce fängt erst an.
Die Frage, ob Electronic Commerce die heutigen Einkaufsstrukturen in Zukunft verdrängen wird, bleibt abzuwarten.

Literaturverzeichnis

Bliemel, Fassott, Theobald: Electronic Commerce, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden, 1999

Krause, J.: Electronic Commerce und Online-Marketing, München, Wien, 1999

Fachmagazin ,,eCommerce-magazin", Ausgabe Februar/März 2000,
IWT Magazin Verlags-GmBH

Fachmagazin ,,CYbiz", Ausgabe März 2000, dfv Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag

IT-Magazin ,,Informationweek", Ausgabe 11 vom 20.04.2000, Verlag CMP WEKA

Fachmagazin ,,business User", Ausgabe 2 von März/April 2000, Max Schimmel Verlag, Würzburg

Internet: www.electronic-commerce.org, Electronic Commerce InfoNet, Projekt des Forschungsinstitut für Telekommunikation, Dortmund

Internet: www.eco.de, eco Forum e.V. - Verband der deutschen Internet-Wirtschaft, Köln

Abkürzungsverzeichnis

z.B. zum Beispiel

vgl. vergleiche

usw. und so weiter

E-Commerce Electronic Commerce

BIOS Bechtle Information and Odering System

B2B Business-to-Business

B2C Business-to-Consumer

IT Informationstechnologie

S. Seite

e.V. eingetragener Verein

ITV Interaktives Fernsehen

1 Stephen Covey, The Seven Habits of Highly Effective People, zit. nach Krause, J., Electronic

Commerce und Online-Marketing (1999), S.5

2 Vgl. Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (1999), 2. Auflage, S.2

3 Vgl. www.electronic-commerce.org, E-Commerce InfoNet, Fragen und Antworten,

28.03.2000, 17.20 Uhr

4 Vgl. Fachmagazin Cybiz, Ausgabe März 2000, S.8

5 Vgl. Fachmagazin Cybiz, Ausgabe März 2000, S.8

6 Vgl. www.electronic-commerce.org, E-Commerce InfoNet, Fragen und Antworten,

01.04.2000, 19.20 Uhr

7 Vgl. www.eco.de, Hintergründe zu Electronic Commerce, 19.03.2000, 22.15 Uhr

8 Vgl. Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (1999), 2. Auflage, S. 18

9 Vgl. www.eco.de, Hintergründe zu Electronic Commerce, 19.03.2000, 22.15 Uhr

10 Vgl. Krause, J., Electronic Commerce und Online-Marketing (1999), S. 178

11 Vgl. Krause, J., Electronic Commerce und Online-Marketing (1999), S. 179-180

12 Vgl. www.bechtle.com, Homepage der Bechtle AG, Unternehmensinformationen,

12.04.2000, 21.10 Uhr

13 Vgl. Krause, J., Electronic Commerce und Online-Marketing (1999), S. 429-430

14 Vgl. Krause, J., Electronic Commerce und Online-Marketing (1999), S. 430

15 Vgl. Krause, J., Electronic Commerce und Online-Marketing (1999), S. 432

16 Vgl. Krause, J., Electronic Commerce und Online-Marketing (1999), S. 432

17 Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (2. Auflage) 1999, S.180

18 Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (2. Auflage) 1999, S. 180

19 Vgl. Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (2. Auflage) 1999, S. 184

20 Vgl. Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (2. Auflage) 1999, S. 187

21 Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (2. Auflage) 1999, S. 187

22 Vgl. Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (2. Auflage) 1999, S. 187

23 Vgl. Bliemel, Fassott, Theobald, Electronic Commerce (2. Ausgabe) 1999, S. 187

24 Vgl. IT-Magazin ,,Informationweek", Ausgabe 11, S.17

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Details

Titel
Konzept und beispielhafte Umsetzungen von E-Commerce im Dienstleistungsbereich
Hochschule
Leibniz Akademie Hannover - Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hannover
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
1
Katalognummer
V98557
Dateigröße
318 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzept, Umsetzungen, E-Commerce, Dienstleistungsbereich
Arbeit zitieren
Christian Dierks (Autor), 2000, Konzept und beispielhafte Umsetzungen von E-Commerce im Dienstleistungsbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98557

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