Das Werk "Jugend ohne Gott" von Ödon von Horvath

Ein Vergleich von Buch und Film


Ausarbeitung, 2020

7 Seiten, Note: 2,1

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Allgemeines – theoretischer Input
2.1. Literaturepoche
2.2. Das Werk
2.3. Die filmische Adaption

3. Empirie: Der Vergleich
3.1. Darstellung des Protagonisten Z im Buch
3.2. Darstellung des Protagonisten Z im Film
3.3. Unterschiede
3.4. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis
4.1. Primärliteratur – Vergleichsbasis
4.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Ödön von Horváth schuf mit dem Roman Jugend ohne Gott ein gesellschaftskritisches Werk, dass die Unmenschlichkeit der Bildungsinstitutionen in der Vorkriegsära darstellt. Horváth kombiniert in diesem Buch teils eine Kriminalgeschichte, teils ein Zeitdokument mit historischen, sowie religiösen Elementen, aber auch eine psychologische Studie, da viele Charaktere auf der Suche nach der eigenen Identität und dem eigenen Glauben sind und die menschlichen Verhaltensweisen gewissermaßen dargestellt werden. Der Autor schafft es, den Charakteren im Buch eine gewisse Gleichgültigkeit und menschliche Kälte zu verschaffen und dem Ich-Erzähler an seinen moralischen Standards zweifeln zu lassen. Indem er die Schüler nur mit den Anfangsbuchstaben erwähnt und diese gewissermaßen nummeriert, nimmt er ihnen ihre eigene Individualität und bringt so die rohe seelische Verfassung und fehlende Nächstenliebe des damaligen diktatorischen Systems sehr gut zur Geltung. Obwohl der Lehrer immer wieder dem Prinzip „Nichteinmischung“ folgt, und versucht systemkonform zu handeln, damit er sein Einkommen nicht aufs Spiel setzt, steht er mit den Mitläufern des nationalistischen Regimes immer wieder in Konflikt und versucht dieser ideologischen Verblendung standzuhalten. Anhand dieser Kriterien vergleiche ich einen Charakter mit der filmischen Adaption des Romanes. In dieser Arbeit wird also folgender Fragestellung nachgegangen: Inwiefern unterscheiden sich die Beschreibungen bzw. die Darstellungen des Charakters Z in Buch und Film?

2. Allgemeines – theoretischer Input

2.1. Literaturepoche

Aufgrund der Differenzen zwischen Ödön von Horváth und dem Nationalsozialismus kann man den Roman Jugend ohne Gott der Literaturepoche Exilliteratur zuweisen, die von 1933 bis 1945 präsent war. Diese Epoche beschäftigt sich hauptsächlich mit dem nationalsozialistischen Menschenbild und ist bekannt für die zahlreichen Verbote von literarischen Werken. Die Nationalsozialisten hatten jegliche Kontrolle über das gesellschaftliche Leben übernommen, und jeder, der nicht systemtreu agierte, wurde bekämpft. Prägende Themen dieser Epoche sind ebenfalls die Ablehnung und Bekämpfung des politischen und gesellschaftlichen Zustandes, und mithilfe von antifaschistischen Werken wollte man den Widerstand unterstützen.1

2.2. Das Werk

Der Roman Jugend ohne Gott ist der dritte Roman des österreich-ungarischen Autors Ödön von Horváth und wurde erstmals 1937 veröffentlicht. 1938 wurde das Buch auf die Liste „des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt, da es Kritik gegenüber dem NS-Regime aufzuweisen hat.2 Die Handlung des Buches findet in der Vorkriegsära bzw. in der Zwischenkriegszeit statt. Ebenfalls sind starke Parallelen mit der damaligen Hitlerjugend und der Erziehung der Kinder im Roman erkennbar. Die Schüler im Roman sind regelrecht begeistert von der kriegerischen Erziehung und ihre Meinung wird stark beeinflusst von der nationalsozialistischen Propaganda. Systemgetreu werden sie langsam auf den Krieg vorbereitet und ohne eigenständiges Denken werden sie langsam zu Mitläufern des nationalistischen Regimes erzogen. Im Gegensatz dazu steht der Lehrer, der eine komplett andere Sichtweise zum Krieg vorzuweisen hat, da er selbst den 1. Weltkrieg miterleben musste und ohne den Einfluss des Nationalsozialismus aufwuchs und sich so eine eigene Meinung bilden konnte. Im Laufe der Geschichte ist eine langsame Wendung vieler Charaktere erkennbar und der Nationalsozialismus, sowie die sozialen und politischen Gegensätze werden von der Kriminalhandlung im Buch überschattet und treten so immer weiter in den Hintergrund. Ödön von Horváth versucht ebenfalls Perspektivenwechsel einzubauen, und mit dem Einblick in das Tagebuch von Z gelingt es ihm sehr gut, die Gefühle und Gedanken von Z zu beschreiben, auch wird der Lehrer so in die ihm unbekannten Vorgänge im Lager informiert.

2.3. Die filmische Adaption

Die Verfilmung des Romanes Jugend ohne Gott erschien 2017 in einer abgewandelten Form von Alain Gsponer. Die filmische Adaption spielt nicht mehr in der Vergangenheit, wie im Buch, sondern in der nahen Zukunft und die Autoren Alex Buresch und Matthias Pracht verschafften der Geschichte dadurch einen neuartigen Touché von Science-Fiction. 3 Die filmische Realisation ist im Gegensatz zum Buch eher für ein junges Publikum ausgerichtet und Literaturliebhaber sollten eher auf den 1991, von Michael Knof, erschienen Film zurückgreifen.4

3. Empirie: Der Vergleich

3.1. Darstellung des Protagonisten Z im Buch

Der Charakter Z tritt erst ab dem Einzug in das Lager in Erscheinung und hat gleich zu Beginn schon seine Differenzen mit dem Charakter N. Die beiden prügeln sich öfters und man kann schnell erkennen, dass N der Todfeind von Z ist. Eindeutig ist auch schon von Anfang an, dass Z eine wichtige Rolle im Laufe der Geschichte spielt und zu den Hauptcharakteren zählt. Bis auf die Unstimmigkeiten mit N weist Z keine verbalen und körperlichen Aggressivität auf und erscheint sonst eher sehr ruhig und unauffällig. Durch den Perspektivenwechsel wird ein kleiner Einblick in das Tagebuch von Z gewährt und dadurch darf man kurz in seine Gefühls- und Gedankenwelt eintauchen, in denen er auf den Leser einen sympathischen und willensstarken Eindruck hinterlässt. Ebenfalls ist sehr gut herauszulesen, dass Z über sich nachdenkt und das ist ein starker Unterschied im Gegensatz zu seinen systemtreuen Mitschülern, es lässt ihn menschlicher und offener wirken. Zudem wird man über seine Liebesbeziehung mit Eva in Kenntnis gesetzt. Dadurch, dass der Lehrer in dem Tagebuch von Z geschnüffelt hat, eskalieren die Differenzen zwischen Z und N gewaltig und kurz darauf wird auch schon N tot in einem Graben aufgefunden und die Schuld fällt sofort auf Z. Obwohl er keinerlei verbrecherische Instinkte aufweist, gesteht Z die Tat sofort und zu Beginn wird sein Geständnis nicht in Frage gestellt, dass er wohl seiner Drohung „Jeder, der mein Kästchen anrührt, stirbt!“ [Roman: S.69] in seinem Tagebuch zu verdanken hat. Im Laufe der Zeit kann man gewisse Ähnlichkeiten zwischen dem Lehrer und Z erkennen, da sie beide sehr kritisch gegenüber dem Plebejern sind. [Roman: S. 61]. Bei der Gerichtsverhandlung erscheint Z als vollkommen anders, er stellt sich als vernachlässigter und einsamer Junge dar. Er wirft seiner Mutter vor, sich nicht um ihn gekümmert zu haben und, dass sie die Dienstboten schlecht behandle. Dies zeigt, dass er und seine Mutter nie ein sehr gutes Mutter-Sohn-Verhältnis gehabt haben, welches durch den Tod seines Vaters vor ca. 10 Jahren verstärkt wurde. Sein Vater stand immer auf der Seite seines Sohnes und somit musste Z ab diesem Zeitpunkt allein gegen seine Mutter ankämpfen, da er auch noch Einzelkind ist. Seine Mutter jedoch versucht bei der Verhandlung nicht ihren Jungen zu unterstützen, bezeichnet ihn als stilles, jähzorniges Kind, stellt ihn als Lügner dar und kritisiert seine Liebe zu Eva. Er wollte Eva beschützen und die Schuld auf sich nehmen, da er den Verdacht hegte, dass Eva N umgebracht habe. Aufgrund seiner Liebe zu Eva hat er vorgehabt für sie ins Gefängnis zu gehen. Am Ende stellt sich heraus, dass Z sehr naiv gegenüber Eva war, da sie nur mit ihm gespielt hatte und seine Liebe nicht erwidert.

3.2. Darstellung des Protagonisten Z im Film

Im Film wird der Charakter Z mit dem Namen Zacharias genannt und spielt von Beginn an eine bedeutende Rolle in der Geschichte. Er wird als reicher Jungen dargestellt, der die Welt, in der er lebt, als verlogen und kalt beschreibt und im generellen sehr nachdenklich ist.. Außerdem hat er einen sehr ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und setzt sich für Schwächere ein, indem er versucht gegen das System anzukämpfen. Hierbei stechen sehr die Ähnlichkeiten mit dem Lehrer heraus, da er die gleiche Sichtweise wie Zacharias hat. Der Suizid seines Vaters vor 3 Monaten hat ihn sehr mitgenommen und um dieses Ereignis besser verarbeiten zu können, schreibt er regelmäßig Tagebuch, wo er seine Gedanken und Gefühle festhält. Dadurch, dass er alles hinterfragt und dem System gegenüber sehr kritisch ist, im Gegensatz zu seinen Mitschülern, bringt er sich oft in Schwierigkeiten und hat Probleme mit den Führungskräften. Durch seine Wissbegierde und dem Drang, Neues zu entdecken, lernt er schnell Ewa kennen, zu dieser er sich sehr hingezogen fühlt. Aufgrund seiner heimlichen Liebesbeziehung tritt die Zulassung für eine Eliteuni in den Hintergrund und das Wichtigste ist nur noch mehr von Ewa kennen zu lernen. Zu Beginn hatte er noch keine Schwierigkeiten mit Nadesh, aber, als sie sich immer mehr in sein Leben und seine Entscheidungen einmischt, fühlt er sich eingeengt von ihr und als Nadesh in seinem Tagebuch gelesen hat, bringt es das Fass zum Überlaufen und er wird ihr gegenüber handgreiflich. Als dann auch noch sein Tagebuch verschwindet, verdächtigt er sofort, ohne nachzudenken, Nadesh, Seine Differenzen mit Titus und der Rauswurf aus dem Camp geben ihm den Rest, und er will der Diebesbande von Ewa beitreten und seine scheinbar perfekte Welt hinter sich lassen. Ewa und Zacharias flüchten an einen Ort, wo man nicht perfekt sein muss und es kein perfides System gibt.

3.3. Unterschiede

Hierbei kann man eindeutig nicht von einer realistischen Adaption sprechen, da sehr viel verändert wurde und nur die Hauptgeschichte ziemlich gleichgeblieben ist. Der auffälligste Unterschied ist eindeutig der Zeitpunkt der Handlung, im Buch spielt die Geschichte in der Vorkriegszeit bzw. in der Zwischenkriegszeit und im Film in der nahen Zukunft. Im Gegensatz zum Roman werden in der filmischen Adaption die Schüler mit dem ganzen Namen angesprochen und nicht nur mit dem Anfangsbuchstaben. Ebenso ist das Buch nur aus der Perspektive des Lehrers geschrieben worden und im Film werden vier verschiedenen Perspektiven dargestellt, zuerst wird aus der Sicht von Nadesh gefilmt, danach aus Zacharias´ Perspektive, dann aus der Perspektive vom Lehrer und zum Schluss aus Titus Sicht. Ein weiterer großer Unterschied ist, dass Nadesh im Film ein Mädchen ist und N im Buch ein Junge. Dies ist wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb Zacharias und Nadesh zu Beginn der Geschichte noch keine Schwierigkeiten miteinander gehabt haben und die Differenzen zwischen ihnen im Laufe der Zeit erschienen sind. Der Protagonist Z bzw. Zacharias ist sowohl im Buch als auch im Film ein sehr nachdenklicher Junge, der eine komplett andere Sichtweise auf die Geschehnisse hat, im Gegensatz zu seinen Teamkollegen. Das Ende der Geschichte verläuft in der filmischen Adaption anders, da Zacharias und Ewa gemeinsam vor diesem System flüchten.

[...]


1 vgl. Literaturepochen, online unter: https://literaturhandbuch.de/epochen-exilliteratur-1933-1945/ (Stand: 30.04.2020)

2 vgl. Kurier, online unter: https://kurier.at/kultur/jugend-ohne-gott-von-oedoen-von-horvath/714.910 (Stand: 30.04.2020)

3 vgl. Testkammer, online unter: https://testkammer.com/2017/10/29/jugend-ohne-gott-2017/?cn-reloaded=1 (Stand: 30.04.2020)

4 vgl. Moviepilot, online unter: https://www.moviepilot.de/movies/jugend-ohne-gott (Stand: 30.04.2020)

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Werk "Jugend ohne Gott" von Ödon von Horvath
Untertitel
Ein Vergleich von Buch und Film
Note
2,1
Jahr
2020
Seiten
7
Katalognummer
V985626
ISBN (eBook)
9783346345806
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugend ohne Gott, Ödön von Horváth
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Das Werk "Jugend ohne Gott" von Ödon von Horvath, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985626

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