Kinderzeichnungen und Tests


Ausarbeitung, 1999

8 Seiten


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Inhalt :

1. Referatsüberblick

2. Entstehung und Entwicklung des „ Zeichne deine Familie in Tieren “-Testes
2.1 Historischer Kontext
2.2 Relevanz des Testes für die Praxis
2.3 Bedeutung des Tiers für den Test
2.4 Die Erhebung von Daten
2.5 Die thematische Aufschlüsselung des Fallmaterials

3. Der Test
3.1 Art des Testes
3.2 Durchführung des Testes
3.3 Gegenwärtige Stellung des Testes

4. Analyse und Interpretationskriterien
4.1 Die Strichstruktur
4.2 Die Flächenbehandlung
4.3 Die Formbehandlung
4.4 Der graphische Raum
4.5 Die Farbbedeutung
4.6 Die Ausdruckskraft der Figuren
4.7 Die Tierbedeutung
4.8 Weitere Interpretationskriterien

5. Fallbeispiel

6. Kritik

Quellen :

1) Brem-Gräser , Luitgard : Familie in Tieren . Die Familiensituation im Spiegel der KinderZeichnung . München 1980 ( Ernst Reinhardt )
2) Manes , Sabina : Mama ist ein Schmetterling , Papa ein Delphin . Kinderzeichnungen verstehen . München 1995 ( Piper )
3) Schuster , Martin : Die Psychologie der Kinderzeichnung . Berlin 1990 ( Springer )
4) Wildlöcher , Daniel : Was eine Kinderzeichnung verrät . München 1979 ( Kindler )
5) Krey , B. : Kinderzeichnungen in Diagnostik und Therapie . Aachen 1996

2. Entstehung und Entwicklung des „ Zeichne deine Familie in Tieren “-Testes

2.1 Historischer Kontext

- Ausgangspunkt : Aufsatz von Trude Traube aus dem Jahre 1937 , der die besondere Bedeutung der Aussagekraft von Kinderzeichnungen herausstellte
- Darauf aufbauend stellte ein Herr Minowska die Familienzeichnung als ein „ Spiegel “ für familiäre Konflikte heraus
- Abschließend entwickelte ein Prof. M. Porots grundlegende Analyse- und Interpretations- kriterien des Familienzeichentestes
- Die Entstehung dieses spez. Familienzeichentestes beruht auf einem Zufall in der Praxis der Erziehungsberatung 1950
- Ursache einer psychol. Störung eines Kindes blieb nach einer eingehenden Untersuchung offen
- Idee die Familie in Tieren zu zeichnen entstand
- Die Betrachtung des Bildes gab in unfehlbarer Weise die Ursache der Störung wieder
- Luitgart Brem-Gräser fing an diesen Test zu entwickeln
- 1957 erstmalige Zusammenfassung der Ergebnisse
- in den folgenden Jahren fand eine vertiefende wissens. Fundierung statt

2.2 Relevanz des Testes für die Praxis

- Hinsichtlich dessen , daß Erziehungs- , Schul- , sowie alle Lebensschwierigkeiten ursächlich mit der Familie zusammenhängen können , ist es naheliegend einen Test zu entwickeln bei dem speziell die familiären Verhältnisse erforscht werden ? Vorteil gegenüber anderen Tests
- Im Zusammenhang mit der Familie stehen für die Entwicklung des Kindes wichtige Erfahrungen wie Geborgenheit / Ungeborgenheit , Wunscherfüllung / Wunschversagung , Macht und Ohnmacht
- Erst eine tiefgehende Untersuchung dieser familiären Zusammenhänge und der damit verbundenen Erfahrungen macht es dem Therapeuten oder Berater möglich , erfolgreich zu intervenieren
- Die oben genannten , für das Kind tiefgehenden Erfahrungen , sind auch die vom Entwickler ausgewählten Hauptthematiken von Entwicklungsstörungen , die sich in den Kinderzeichnungen wiederspiegeln ( nähere Erläuterung unter 2.5 )

2.3 Bedeutung des Tieres für den Test

- seit jeher gehören Mensch und Tier zusammen
- in der frühen Geschichte des Menschen zeigt sich das in Höhlenmalereien
- im Altertum hatten die Tiere magische Kräfte und wurden verehrt , viele Mythen drehten sich um Tiere
- in der Neuzeit gilt das Tier hauptsächlich als Freund des Menschen , Nahrungsmittel , Attraktion oder ist in den Medien zu sehen , des Weiteren handeln viele Geschichten von Tieren oder sie spielen in Märchen mit ? Fabeln
- aus Entwicklungspsychologischer Sicht lassen sich best. Phasen im Umgang des Kindes / Jugendlichen mit Tieren festmachen
- ! schon immer haben die Menschen den Tieren best. Eigenschaften zugeordnet !

2.4 Die Erhebung von Daten

- Auswertung von 2000 Zeichnungen

- 3 Stufen : 1) „ Zeichne 3 Tiere “ ? Stellenwert der Tiere wird festgelegt

2) „ Zeichne deine Familie in Tieren und schreibe die Reihenfolge in der du sie zeichnest dabei und benenne die Tiere mit den Namen der Familienmitglieder!“

3) alle erfassten Tiere werden mit positiven und negativen Eigenschaften versehen

- Zusammenstellung der 5 bzw. 3 Tiere , welche für die genannten Familienmitglieder jeweils am häufigsten genannt wurden

- Hinweis : Charaktereigenschaften im Zusammenhang mit Sprichwörtern z.B. bärenstark

2.5 Die thematische Aufschlüsselung des Fallmaterials

- 800 Kinder wurden im Laufe von 5 Jahren psychologisch untersucht
- 683 Zeichnungen sind gelungen , d.h. sie kamen den gewünschten Aufforderungen nach
- bei 408 Kindern ließ sich ein Zusammenhang zwischen erlebter Familiensituation und nicht gelungener Erlebnisverarbeitung feststellen
- bei letztendlich 372 Kindern war die Entwicklungsstörung eindeutig auf die schon oben genannten Problematiken zurückzuführen , in folgender Verteilung : Geborgenheitsproblematik 202Kontaktproblematik 91Machtproblematik 79
- diese Problematiken treten jeweils dann auf , wenn das Kind seine Stellung in der Familie an einem der Pole der unten genannten grundlegenden Beziehungsformen festmacht : ( Vater ) dominierend - Machterleben - unterlegen mittelpunkthaft - Kontakterleben - peripher o. ausgestoßen nestverhaftet - Geborgenheitserleben - ungeborgen ( Mutter )

3. Der Test

3.1 Art des Testes

- athematisch - thematisch , d.h. das Thema wird vorgegeben und muß erfüllt werden
- es handelt sich hierbei um eine grafische Darstellung und hat den Vorteil , daß die Zeichnungen individuell anders gestaltet werden können , d.h. das gleiche Tiere einen anderen Ausdruck , Größe etc. haben können und so auch differenzierter analysiert werden können
- der Test lässt eine grafische Projektion zu , d.h. Gefühle , Beziehungen zu Personen spiegeln sich in der Zeichnung unbewußt wieder
- das Tier als Projektionsmedium ist auch sehr gut geeignet , da es die Phantasie des Kindes anregt und somit eine unbewußte Projektion einfacher zulässt
- verbale Projektion ( CAT-Test ) , Projektion in der Handlung ( Sceno-Test )

3.2 Durchführung des Testes

a) Anamnese erstellen ( Familiengespräch ) ? Behandlungsgrund , Familiengeschichte , Auffälligkeiten des Patienten in der Entwicklung , etc. müssen herausgestellt werden
b) Der Tierhorizont des Kindes muß abgeklärt werden ? weiterer Test o. Gespräch
c) Das Kind wird aufgefordert seine Familie in Tieren zu zeichnen , die Reihenfolge festzuhalten und die Familienmitglieder zuzuordnen
d) Es muß abgeklärt werden ob es sich bei der Zeichnung um seine Wunschfamilie oder um die reale Familie handelt ( kommt im Zusammenhang mit Anamnese zur Klärung )

3.3 Gegenwärtige Stellung des Testes

- Hinsichtlich der zuvor genannten Durchführungskriterien wird deutlich , daß der Test als die Diagnostik unterstützendes Mittel dient
- Weitergehende Tests und die eben schon genannte Anamnese sind unerlässlich
- Nur in der Zusammenschau der diagnostischen Mittel findet der Test seine Gültigkeit
- Ferner lässt sich der Test auch dazu verwenden Therapieerfolge oder -mißerfolge abzulesen
- Als solches dient er also auch der Dokumentation des Verlaufs einer Therapie ? s. Buch Betty

4. Analyse und Interpretationskriterien

Graphologische Analyse :

4.1 Strichstruktur

Strichcharakter ( fest ; tonig ; zart ; scharf )

Stichführung ( elastisch - unelastisch ; sicher - unsicher ; abgesetzt - unabgesetzt )

4.2 Flächenbehandlung

( Konturierung ; Schattierung ; Schraffierung ; Schwärzung )

4.3 Formbehandlung

( groß - klein )

Strichcharakter :

Fest : druckstark und breit

Tonig : druckschwach und breit

Scharf : druckstark und schmal

Zart : druckschwach und schmal

Druchstark ? Triebstärke , Vitalität , Durchsetzungskraft

Druckschwach ? Zartheit , Zurückhaltung , Weichheit , Nachgiebigkeit

Breiter Strich ? Kontaktfreudigkeit , „ sinnhafte Ansprechbarkeit “ , aber auch „ Breitspurigkeit“ , „ Ungeniertheit “ , „ Dreistigkeit “ , Sicherheit und Stabilität Schmaler Strich ? Zurückhaltung , Scheu , Schüchternheit , „ Bescheidenheit “ , Vorsicht , Leichtigkeit , Feinheit Der feste Strich : vitale Durchsetzungskraft gepaart mit Sinnen- und Genußfreuden ; Verläßlichkeit und Festigkeit können ebenso wie Robustheit und Grobheit das Persönlichkeitsbild beherrschen .

Der tonige Strich : mäßige bis schwache Vitalität und Lebenskraft , breite „ Hingabe “ , im Vordergrund steht die gemüthafte Kontaktaufnahme weniger die Durchsetzung . Der scharfe Strich : kräftige Vitalität gepaart mit mit einer Berührungsscheu , ZurückHaltung evtl. „ Magerkeit “

Der zarte Strich : zarte Konstitution und vorsichtige Berührungsweise , verminderte Antriebsenergien , geringe Belastbarkeit , Feinfühligkeit , Empfindsamkeit

Strichführung :

Elastisch : steht für Vitalität

Unelastisch : steht für Seelenverarmung

Sicher : Selbstsicherheit , innere Festigkeit , Stabilität

Unsicher : Unsicherheit , mangelnde Festigkeit , Labilität

Abgesetzt : Die motorische Bewegung erscheint durch das kritische Bewußtsein gebremst , womit sich in der Überwachung durch die Sensorik eine stärkere Distanzierung und Objektivierung verrät .

Unabgesetzt : Unbekümmertheit , die aus der vitalen Schicht gespeiste Motorik überwiegt die Sensorik .

Konturierung : deutet auf eine vorwiegende Beteiligung der Verstandeskräfte hin Schattierung : deutet auf ein Überwiegen der Antriebskräfte hin Schraffierung : Verstandes- und Antriebskräfte halten sich die Waage

Schwärzung : deutet an ob Stimmung oder Antrieb innerhalb der Persönlichkeitsdynamik die Führung haben

Große Form ( groß angelegte Zeichnung ) :

Positiv: Begeisterungsfähigkeit , Großzügigkeit , Weitblick , großes Selbstbewußtsein Negativ : Flüchtigkeit , Leichtsinn , Mangel an Wirklichkeitssinn

Kleine Form ( klein angelegte Zeichnung ) :

Positiv :Besonnenheit , Vorsicht , Konzentrationsgabe , Sachlichkeit ,

Negativ : Kleinlichkeit , Pedanterei , Bedenklichkeit , schwaches Selbstgefühl , Minderwertigkeitsgefühle
- hinzu kommt das gefühlsmäßig stärker besetzte Personen durch große Form aufgewertet werden und meist eine dominante Rolle in der Familie einnehmen
- klein gezeichnete Personen stehen meistens in Konflikt mit dem Kind und wollen am liebsten ganz weggelassen werden , meistens werden diese auch als letztes gezeichnet
- Personen die viel Platz in der Familie einnehmen werden ebenfalls groß gezeichnet

4.4 Der grafische Raum

a) Eine gut auf dem Blatt verteilte Zeichnung zeugt von Sorglosigkeit und einer guten Wahrnehmungsfähigkeit .
b) Die Anlage auf sehr engem Raum deutet auf ein Sicherungsbedürfnis des Zeichners hin . Meist schüchterne Kinder , die sich auf engem Raum wohl fühlen .
c) Die Anlage links wird von insichgekehrten , melancholischen Kindern mit regressiven Wünschen bevorzugt .
d) Die Anlage oben links ziehen ängstliche , gehemmte Menschen mit meist schulischen und charakterlichen Problemen vor .
e) Die rechte Seite des Blattes stellt die Zukunft dar , steht für positive Gefühle und Vertrauen in die Zukunft .
f) Die Verwendung des oberen Blattbereichs deutet auf Optimismus und phantasievolle Persönlichkeit hin .
g) Die Anlage im unteren Blattbereich offenbart Depressionen und Unsicherheit .

4.5 Die Farbbedeutung

- Farbe wird entweder realistisch , symbolisch oder als beides gemeinsam verwendet
- Die Farbbedeutung kann kulturell unterschiedlich sein , z.B. ist der Gebrauch von schwarzer Farbe in Europa mit Trauer verbunden
- Unterschied : warme - kalte Farben
- Warme Farben ( rot , gelb , orange , etc.. ) stehen für : Erregung , Heiterkeit , Impulsivität
- Kalte Farben ( blau , grün , lila , etc. ) stehen für : Passivität , Traurigkeit , Nachdenklichkeit
- Farbelemente die für den Test von Bedeutung sind :
- Zarte Pastellfarben : bevorzugen schüchterne , gehemmte Kinder
- Kräftige Farben : werden von extrovertierten oder ängstlichen Kindern bevorzugt , da sie so versuchen ihre Wut- , Liebes- und Haßgefühle auszudrücken
- Fehlen von Farbe : kann ein Ausdruck von Gefühlsleere , Gehemmtheit oder auch depressiver Stimmung sein
- Schwarz/wei ß gemalte Personen : deutet auf Feindseeligkeit gegenüber diesen Personen hin oder es fühlt sich von diesen nicht genug geliebt
- Personen , die in gleicher Farbe gemalt werden deuten auf eine Gefühlsnähe des Kindes zu diesen hin

4.6 Die Ausdruckskraft der Figuren

- der Ausdruck wird individuell durch den Zeichner den Tieren verliehen und hat eine hohe Bedeutung
- z.B. ein lachendes Tier oder ein weinendes Tier , die Gebärden des Tieres u.ä.
- zu beachten ist , daß einem Tier eine ganz andere Bedeutung zugesprochen werden als es die Statistik der Charaktereigenschaften besagt

4.7 Die Tierbedeutung

- ergibt sich aus der Liste der Charaktereigenschaften

4.8 Weitere Interpretationskriterien

- Darstellung der Familie mit gleichen oder unterschiedlichen Tieren ? wird die Familie als Einheit erlebt oder nicht
- Reihenfolge der Tiere in der sie gemalt wurden ? das zuerst gemalte Tier mit höherer Bedeutung und umgekehrt
- Gruppierung der Tierfamilie ? wer nimmt welchen Platz in der Familie ein ? , z.B. wer ist der Ranghöchste ?
- Gr öß enverhältnis der Tiere im Vergleich zur Wirklichkeit ? z.B. wem wird einen besondere Rolle im Familienerleben zugesprochen ? Wer ist besonders beliebt oder bedrohlich ?

5. Fallbeispiel ? Buch S.111 , Heft Fall 13

- Machtthematik kommt zum Ausdruck

6. Kritik

- der Test ist nur als die Diagnostik unterstützendes Element zu verwenden , denn es wäre unmöglich nur anhand einer Zeichnung auf eine grundlegende Problematik des Kindes zu schließen
- mögliche Fehlerquellen sind :

a) Der Zeichenkontext , d.h. unter welchen Umständen ist der Test durchgeführt worden ? Ist der Test freiwillig o. nicht durchgeführt worden ? Sind negative Einstellungen z.B. der Beratungsstelle gegenüber mit in das Bild hineinprojeziert worden ?
b) Die Tagesform des Kindes : Motivation , Konzentrationsfähigkeit , etc.?
c) Momentane Zu- oder Abneigung eines Familienmitglieds gegenüber : Gab es diesem Tag Streit mit einer sonst geliebten Person ?
d) Der Tierhorizont : hat das Kind nur einen beschränktes Repertoire von Tieren das es kennt so kann dieses die Analyse beeinträchtigen , da so nicht ein genügend ausdifferenziertes Bild mitgeteilt werden kann
e) Das Spektrum der Analyse- und Interpretationskriterien : z.B. die Farbbedeutung . Rote Farbe muß nicht immer auf Aggressivität hindeuten , sondern kann auch mit Liebe verbunden werden . ? individuelle Verbundenheit mit Farbe , Tier , etc. kann nicht außen vor gelassen und verallgemeinert werden

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Kinderzeichnungen und Tests
Autor
Jahr
1999
Seiten
8
Katalognummer
V98567
Dateigröße
341 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Buch, das mir als Qulle diente ist sehr zu empfehlen!
Schlagworte
Kinderzeichnungen, Tests
Arbeit zitieren
Marco de Luca (Autor), 1999, Kinderzeichnungen und Tests, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98567

Kommentare

  • Gast am 18.1.2002

    Kinderzeichnung und Tests.

    Ich hab eine Frage: Wie viele Seiten hat das Reverat insgesamt?
    Weiß nämlich nicht ob das eine Kurzfassung ist oder eh das ganze?

    Bitte um Antwort!
    Lg
    Schrattbauer

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Titel: Kinderzeichnungen und Tests



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