Die Erziehungspartnerschaft während der Eingewöhnung in die Kinderkrippe

Nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Bindung
2.1. Grundlagen der Bindungstheorie nach Bowlby
2.2. Sichere Bindung
2.3. Unsicher- vermeidende Bindung
2.4. Unsicher- ambivalente Bindung
2.5. Unsicher- desorganisierte Bindung

3. Eingewöhnung
3.1. Die Rolle der pädagogischen Fachkraft
3.2. Die Rolle der Eltern
3.3. Erziehungspartnerschaft und Lösungsansätze

4. Das Berliner Eingewöhnungsmodell nach Infans
4.1. Die Information
4.2. Die dreitätige Grundphase
4.3. DieTrennungsphase
4.4. Die Stabilisierungsphase
4.5. Die Schlussphase

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis
a. Literaturverzeichnis
b. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Seitdem die Bundesregierung im August 2013 den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ausgespro­chen hat, rückt die Entwicklung und Begleitung von Krippenkindern stetig näher in den Fokus der Gesellschaft, der Politik sowie den der pädagogischen Fach­kräfte.

Die Eingewöhnung in die Kinderkrippe stellt das Kind und seine Eltern1 vor weit­reichende Veränderungen. Viele Fragen, Ängste und Erwartungen begleiten die­sen neuen Lebensabschnitt. Der Übergang stellt zudem in vielen Fällen die erste Situation dar, in der das Kind und seine Eltern die erste außerfamiliäre Trennung erfahren. Die pädagogische Fachkraft2 begleitet diesen Übergang in die Krippe und nimmt hiermit eine bedeutende Rolle für das einzugewöhnende Kind und seine Eltern ein.

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, welche Bedeutung die Erziehungspartnerschaft zwischen den Eltern als Hauptbindungsperson des Kindes und der Bezugserzieherin während der Eingewöhnung zu zuerkennen ist und welche fördernden Faktoren sich hierfür darbieten.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell stützt sich in seiner Theorie auf die Grunds­ätze der Bindungstheorien nach dem britischen Psychoanalytiker John Bowlby, die im Fokus des ersten Kapitels stehen. Anschließend werden die verschiede­nen Bindungstypen nach der Entwicklungspsychologin Ainsworth betrachtet.

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass der vierte unsicher- desorganisierte Bin­dungstyp mit einbezogen wird, welcher nachträglich von Mary Main hinzugefügt wurde und sich über die Jahre fest in die Bindungstheorie etabliert hat.

Im dritten Abschnitt wird die Eingewöhnung von der familiären in die institutionelle Betreuung beleuchtet. Darauf aufbauend wird der Fragestellung nachgegangen, welche Rolle die pädagogische Fachkraft und welche die Eltern während der Ein­gewöhnung einnehmen.

Im weiteren Verlauf wird im vierten Kapitel das Berliner Eingewöhnungsmodell vorgestellt und in fünf Abschnitten ausführlich dargestellt. Hierzu werden die ein­zelnen Phasen des Modells beschrieben.

Abschließend werden die ermittelten Informationen in Hinblick auf die Bedeutung der Bildungspartnerschaft während der Eingewöhnung ausgewertet und im Fazit beschrieben.

2. Definition „Bindung“

Die US-amerikanisch- kanadische Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth be­schreibt Bindung als „das gefühlsmäßige Band, welches eine Person oder ein Tier zwischen sich selbst und einem bestimmten anderen knüpft, ein Band, das sie räumlich verbindet und das zeitlich andauert." (vgl. Ainsworth u.a.,1974, zit. n. Grossmann/Grossmann 2003, S. 243). Die Autoren Spangier/ Zimmermann weisen zudem darauf hin, dass diese Bestrebungen nach emotionalen Bindun­gen lebenslänglich bis ins hohe Alter bestehen, (vgl. Spanger/ Zimmermann, 2002)

2.1 Grundlagen der Bindungstheorie nach Bowlby

Eine der wohl bekanntesten Bindungstheorien geht auf den britischen Kinderpsy­chiater und Psychoanalytiker John Bowlby aus den 50er Jahren zurück. Bowlby vertritt die These, dass das Kind im Säuglingsalter ein angeborenes Grundbe­dürfnis danach hat, emotionale Bindungen und Beziehungen zu anderen Men­schen aufbauen zu wollen.

Dieses angeborene Verhalten zeigt sich besonders in Situationen, in denen das Kind Emotionen wie Angst oder Verunsicherung empfindet. In diesen beschrie­benen Situationen bestrebt es die Nähe zu seiner Hauptbindungsperson, um Si­cherheit zu spüren. Damit das Kind in der Lage ist, sein Umfeld erkunden zu können, braucht es also die Sicherheit seiner Bindungsperson. Daraus resultie­rend ist festzuhalten, dass das Explorationsverhalten, also das Bedürfnis danach, sein Umfeld zu erkunden, demnach in einer Wechselbeziehung zu dem kindli­chen Bindungsverhalten steht.

Die Bindungstheorie nach Bowlby gliedert sich in vier verschiedene Bindungsty­pen auf. Diese Bindungstypen werden im weiteren Verlauf detailliert beschrieben und berufen sich neben den von Bowlby’s erhobenen Erkenntnissen auf den in Zusammenarbeit mit Bowlby entstandenen Thesen von Mary Ainsworth, (vgl. Bowlby, 2018, S. 16f)

2.1.1 Sichere Bindung

Kinder, die sicher gebunden sind, protestieren meist lautstark, wenn die Haupt­bindungsperson es verlässt. Ein Merkmal liegt hier darauf, dass das Kind Zuwen­dungen von der fremden Person in der Regel dann nicht zulässt. Sobald die Hauptbindungsperson zurückkommt, beginnt das Kind Sicherheit zu gewinnen und sich zu beruhigen. Nach kurzer Zeit widmet es sich seinem Explorationsver­halten zu und entdeckt wissbegierig seine Umwelt, (vgl. Kirschke/ Hör- mann,2014) Daraus schließt Bowlby, (1998) dass auf die kindlichen Signale von der Bezugsperson von Beginn an sensibel reagiert wurde.

2.1.2 Unsicher- vermeidende Bindung

Die unsicher- vermeidenden Bindungsmerkmale äußern sich dadurch, dass diese Kinder die Nähe zu ihren Eltern eher meiden. Sie versuchen in Situationen, in denen ihr Bindungsverhalten aktiviert ist, welches durch Stress, Trauer, Angst oder ähnlichen Gefühlen ausgelöst wird, sich selbstständig zu regulieren. Strü- ber/ Roth (2011)führen an dieser Stelle an, dass dieses vermeidende Verhalten daraus resultieren kann, dass in belastenden Situationen wenig bis unzureichend aufdie Bedürfnisse des Kindes eingegangen wurde.

Entgegen dem vermeintlichen Empfinden, dass diese Kinder stabil und aktiv wir­ken, gelten diese Kinder in diesen Momenten innerlich sehr gestresst, (vgl. Strü- ber/Roth, 2011, S.95f)

2.1.3 Unsicher- ambivalente Bindung

Dieses Bindungsmuster ist dadurch geprägt, dass das Kind ausgesprochen stark auf seine Bindungsperson fixiert ist, und sich bei Trennungen oft hilflos und pa­nisch verhält. Die Wiederkehr der Bindungsperson lässt die unsicher- ambiva­lent- gebundenen Kinder dennoch oft nicht zur Entspannung kommen. Diese Kin­der haben bisher keine gefestigten Handlungsmuster bei ihren Hauptbindungs­personen entdecken können. Das bedeutet, dass die Bindungsperson oft nicht übereinstimmend, auf die zuvor gezeigten Reaktionen auf das Kindliche Bedürf­nis, reagiert hat. (vgl. Kirsche/ Hörmann,2014. S.10)

2.1.4 Unsicher- Desorganisierte Bindung

Die US- amerikanische Entwicklungspsychologin Mary Main ergänzte die Theo­rie von Mary Ainsworth im Jahr 1986 mit dem vierten Bindungstyp, dem Unsicher­desorganisiert- gebundenen Kind. Dieser Bindungstyp ist durch emotional wider­sprüchliche Handlungen geprägt. Das heißt, dass kein festes Verhaltensmuster bei diesen Kindern zu erkennen ist, sondern sie unter anderem stereotypische Verhaltensweisen, beispielsweise dem Innehalten in Bewegungsabläufen oder Hin- und Herschwingen aufzeigen, (vgl. Stegmaier. 2008) Dieses Verhalten lässt darauf schließen, dass in diesen Situationen keine andere Reaktion als die ele­mentaren Verhaltensweisen möglich sind. Ausgeprägte seelische Verletzungen der Eltern, die unzureichend verarbeitet worden sind und sie in ihrem Handeln nur bedingt befähigen, ebenso wie erlebte Traumata können mögliche Begrün­dungen fürdiesesVerhalten geben, (vgl. Kirsche/ Hörmann, 2014, S. 10)

3. Eingewöhnung

Die Eingewöhnung stellt einen bedeutenden Schlüsselprozess während der Übergangszeit in die außerfamiliäre Betreuung dar. Sie beschreibt die Phase von dem Eintritt in die Kinderkrippe bis hin zu der Stufe, in der das einzugewöhnende Kind in die bestehende Kindergruppe sicher integriert ist und eine zuverlässige Beziehung zu der Bezugserzieherin aufgebaut hat.

Die Eingewöhnung verfolgt das Ziel, dass sich das einzugewöhnende Kind mit einem sicheren und behaglichen Gefühl in der Krippengruppe aufhält und sie als -5-

Lebens- und Erfahrungsraum annehmen kann. Hier stellt eine behutsame Einge­wöhnung, unter Beteiligung der Eltern, die Grundlage, um das Kind in eine Lage zu bringen, in der es seinem Interesse nach Exploration nachgehen und Kontakt­aufnahmen der Erzieherin und der anderen Kinder zulassen kann. (vgl. Torney etal., 2011)

3.1 Die Rolle der pädagogischen Fachkraft

Die Bezugserzieherin stellt eine wichtige Funktion in der Eingewöhnung dar. Be­sonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass ein bedeutungsvol­les Hauptmerkmal der Erzieherin darauf liegt, eine Beziehung zu dem Kind auf­zubauen. Diese Vorgehensweise verfolgt das Ziel, dem Kind im zukünftigen Krip­pen- Alltag als „sichere Basis“ zu fungieren, wenn die Hauptbindungspersonen nicht anwesend sind. (vgl. Albers, 2013, S 4f.). Sie stellt somit die „Schlüssel­funktion“ von der außerfamiliären in die institutionelle Betreuung dar. Ein weiteres Merkmal liegt darauf, eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern aufzubauen. Besonders hervorzuheben ist eine offene, nicht voreingenommene Haltung ge­genüber dem Kind und seinen Eltern. Neben dem Aufbau einer verlässlichen Be­ziehung zu dem Kind steht auch eine Vertrauensbasis zu den Eltern im Vorder­grund, denn diese stellt eine grundlegende Voraussetzung dafür dar, dass Eltern sich mit einem positiveren Gefühl von ihrem Kind trennen können.

Eine weitere Aufgabe in der Rolle der Bezugserzieherin ist es, die Eingewöhnung und die damit verbundenen Beobachtungen täglich zu reflektieren und daraus folgende Handlungsschritte bezüglich des weiteren Vorgehens abzuleiten.

3.2 Die Rolle der Eltern

Die Eingewöhnung stellt für Eltern eine herausfordernde Situation dar. Mit ihr einhergehend sind Fragen, Ängste und Erwartungen verbunden. Von großer Bedeutung ist es daher, die Eltern vor dem Übergang ihres Kindes in die Kinder­krippe gezielt auf diesen Prozess vorzubereiten.

Die Eltern werden als Hauptbindungspersonen, als sogenannten „sicheren Ha­fen“ des Kindes anerkannt und als diesen aktiv mit in die Eingewöhnung einge­bunden.

[...]


1 In der vorliegenden Hausarbeit wird auf Grund der besseren Lesbarkeit das Wort „Eltern“ verwendet. Da­mit sind immer die leiblichen Eltern, Pflegeeltern oder sonstige Erziehungsberechtige von Kindern ge­meint.

2 Im folgenden Text werden geschlechtliche Zuweisungen in Form derweiblichen Bezeichnung „Erziehe­rin“ bzw. „Bezugserzieherin“ vorgenommen. Es sind in diesem Kontext immer Männer und Frauen, Inter- und Transsexuelle, sowie Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen können oder wollen und im pädagogischen Berufen in Kinderkrippen arbeiten, gemeint.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Erziehungspartnerschaft während der Eingewöhnung in die Kinderkrippe
Untertitel
Nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V985804
ISBN (eBook)
9783346342072
ISBN (Buch)
9783346342089
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehungspartnerschaft, eingewöhnung, kinderkrippe, nach, berliner, eingewöhnungsmodell
Arbeit zitieren
Nane Tangermann (Autor), 2020, Die Erziehungspartnerschaft während der Eingewöhnung in die Kinderkrippe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985804

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