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Der Untergang des Weströmischen Reiches in "Romulus der Große" von Friedrich Dürrenmatt und der Altertumswissenschaft

(Pazifistische) Wende oder Fortführung des Status quo?

Titel: Der Untergang des Weströmischen Reiches in "Romulus der Große" von Friedrich Dürrenmatt und der Altertumswissenschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2020 , 21 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Lauritz Tufan (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Inwiefern bezieht sich Friedrich Dürrenmatt in seiner Komödie „Romulus der Große“ auf die tatsächlichen Ereignisse des Weströmischen Reiches im Jahr 476 und wie interpretiert er mit seinem Drama den Untergang des Weströmischen Reiches?

Die Literatur des 19. und 20. Jahrhundert hat sich mit vielen Ereignissen aus der antiken Geschichtsschreibung beschäftigt. Friedrich Dürrenmatt hat mit der Komödie "Romulus der Große" versucht, mithilfe eines Ereignisses aus der Antike das gesellschaftliche Umfeld nach dem 2. Weltkrieg zu charakterisieren. Sein Drama stellt jedoch auch aus althistorischer Sicht eine bemerkenswerte Wahrnehmung über den Untergang des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert n. Chr. dar.

Als These lässt sich formulieren, dass das Drama und die Geschichtsschreibung das Ende des Weströmischen Reiches durch die Vertreibung des letztes weströmischen Kaisers Romulus und durch die Ernennung des Skiren Odoaker zum König Italiens aufgreifen. Allerdings sind die Darstellung von Romulus und die Rahmenbedingungen, die zum Ende des Weströmischen Reiches führen, in beiden Varianten jeweils unterschiedlich dargestellt. Dürrenmatt bezieht ebenso anachronistische Aspekte in das Drama ein, wie z. B. Romulus‘ Passion für die Hühnerzüchtung. Außerdem versucht Dürrenmatt darzustellen, dass der Untergang des Weströmischen Reiches keinen Wandel hervorruft und Romulus‘ Hoffnungen, mehr Pazifismus und das Ende einer alten Weltordnung zu ermöglichen, sich durch die Fortsetzung eines neuen Gewaltregimes unter Theoderich nicht erfüllt. Auch in der Altertumsforschung kann festgestellt werden, dass das Ende des Weströmischen Reiches durch die Aufrechterhaltung von römischen Institutionen und des römischen Einflusses aus Konstantinopel keinen Wandel hervorbringt, sondern die bestehenden römischen Herrschaftsverhältnisse fortsetzt.

Leseprobe


1. Einleitung

2. Das Verhältnis zwischen dem Weströmischen Reich und den germanischen Stämmen

2.1 Die Expansion der germanischen Stämme im 5. Jahrhundert v. Chr.

2.2 Die Politik des Weströmischen Reiches gegenüber den germanischen Stämmen

3. Die zentralen Akteure während des Überfalls im Jahr 476

3.1 Die unterschiedliche Bewertung von Romulus als Herrscher

3.2 Die Rolle des Oströmischen Reiches unter Kaiser Zeno

3.3 Odoakers Rolle als Marionette

4. Das kontroverse Ende des Weströmischen Reiches

4.1 Romulus Entmachtung und die Ereignisse nach 476

4.2 Deutungen des Endes des Weströmischen Reiches

5. Fazit- Romulus der Große als historisches Drama?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen historischer Realität und literarischer Fiktion, indem sie Friedrich Dürrenmatts Komödie "Romulus der Große" mit den wissenschaftlich belegten Ereignissen des Jahres 476 vergleicht. Ziel ist es zu erörtern, inwieweit Dürrenmatt den Untergang des Weströmischen Reiches als Allegorie nutzt und ob das historische Ende tatsächlich als Zäsur oder als Fortführung bestehender Strukturen zu interpretieren ist.

  • Historische Analyse des Untergangs des Weströmischen Reiches im Jahr 476.
  • Vergleich der Darstellung politischer Akteure (Romulus, Zeno, Odoaker) in Literatur und Geschichtsschreibung.
  • Untersuchung der Rolle der germanischen Stämme und der römischen Reichspolitik.
  • Diskussion der pazifistischen Intentionen Dürrenmatts und seiner Gesellschaftskritik.
  • Reflexion über die Kontinuität römischer Institutionen nach der Absetzung von Romulus Augustulus.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die unterschiedliche Bewertung von Romulus als Herrscher

Die Regierungszeit von Kaiser Romulus betrug in der Wirklichkeit weniger als ein Jahr. 475 erhob der einflussreiche Heermeister Orestes, der einst Sekretär des Hunnenkönigs Attila war, seinen Sohn Romulus zum Kaiser und er stürzte den vorherigen weströmischen Kaiser Julius Nepos. Orestes gehörte der hunnischen Oberschicht an und war einer der wichtigsten Ansprechpartner von Attila während einigen Verhandlungen zwischen den Hunnen und dem Weströmischen Reich. Nach Attilas Tod im Jahr 453 war Orestes Aufenthaltsort in den Quellen nicht belegt. Allerdings ist festzustellen, dass Orestes beim Einfall Attilas in Italien an der Seite des Hunnenkönigs stand. Erst seit 475 tauchte er als Heermeister von Julius Nepos in den Quellen auf.16 Als Romulus Kaiser wurde, war Orestes magister utriusque militium militiae et patricus und führte die Regierungsgeschäfte. Darum kann gesagt werden, dass er faktisch die Macht in Westrom besaß und Romulus sozusagen seine Marionette war, die auf seine Befehle zu hören hatte. Romulus‘ geringe Autorität ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass er zu seinem Herrschaftsantritt keine 14 Jahre alt war, wie viele Quellen berichteten. Aus Spott wurde ihm bis heute der Beiname Augustulus zugeschrieben, da ihm beispielsweise nicht zugetraut wurde, das Weströmische Reich vor seinem endgültigen Niedergang zu retten. Trotz seiner Verspottung in den Quellen kann ihm jedoch nicht die Rolle eines Verräters zugeschrieben werden, wie Dürrenmatt beispielsweise in seiner Komödie andeutet. Ein deutlicher Unterschied gegenüber der Geschichtsschreibung ist im Drama beispielsweise, dass Romulus seit 20 Jahren das Amt des Kaisers besitzt und deshalb nicht dieses jugendliche Alter hat oder manipuliert wird.17 Er will als „Richter“18 das Römische Imperium, das verantwortlich für Mord, Unterdrückung und Plündereien gewesen sei, auflösen und er will gleichzeitig verhindern, dass das Reich durch einen „katastrophalen Kapitalismus“19 gerettet wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert das Jahr 476 als historisch umstrittene Zäsur und stellt die Relevanz der Untersuchung des Untergangs des Weströmischen Reiches im Kontext von Dürrenmatts literarischer Bearbeitung dar.

2. Das Verhältnis zwischen dem Weströmischen Reich und den germanischen Stämmen: Dieses Kapitel analysiert die zunehmende militärische Bedrohung durch germanische Stämme und die veränderte römische Bündnispolitik vor dem Jahr 476.

2.1 Die Expansion der germanischen Stämme im 5. Jahrhundert v. Chr.: Es wird der langjährige Prozess der germanischen Landnahme und der militärische Druck auf das Römische Reich thematisiert.

2.2 Die Politik des Weströmischen Reiches gegenüber den germanischen Stämmen: Hier wird die Integration germanischer Föderaten und deren Einfluss auf die weströmische Militär- und Führungsschicht diskutiert.

3. Die zentralen Akteure während des Überfalls im Jahr 476: Kapitel drei untersucht die historischen Profile von Romulus Augustulus, Kaiser Zeno und Odoaker im Vergleich zu ihrer dramatischeren Darstellung durch Dürrenmatt.

3.1 Die unterschiedliche Bewertung von Romulus als Herrscher: Der Fokus liegt auf der Diskrepanz zwischen dem historischen, machtlosen Kindkaiser und der literarischen Figur des freiwillig abtretenden "Richters" Romulus.

3.2 Die Rolle des Oströmischen Reiches unter Kaiser Zeno: Es wird die politische Rolle Konstantinopels und die gespannte Beziehung zwischen den beiden Reichshälften beleuchtet.

3.3 Odoakers Rolle als Marionette: Dieses Unterkapitel hinterfragt Odoakers Autonomie und seine Verbindungen zur oströmischen Führungsebene.

4. Das kontroverse Ende des Weströmischen Reiches: Die Analyse konzentriert sich auf den Ablauf der Entmachtung und die Frage, ob das Ende als politischer Wendepunkt oder als Fortführung der alten Ordnung zu verstehen ist.

4.1 Romulus Entmachtung und die Ereignisse nach 476: Darstellung der tatsächlichen historischen Umstände von Romulus' Abdankung im Vergleich zur komödiantischen Inszenierung.

4.2 Deutungen des Endes des Weströmischen Reiches: Diskussion verschiedener wissenschaftlicher Thesen zum Niedergang des Westreiches und der byzantinischen Wahrnehmung der Ereignisse.

5. Fazit- Romulus der Große als historisches Drama?: Das Fazit fasst zusammen, dass Dürrenmatt historische Fakten nutzt, um eine zeitlose gesellschaftskritische Allegorie zu schaffen, ohne dabei den Anspruch auf historische Exaktheit zu erheben.

Schlüsselwörter

Romulus der Große, Friedrich Dürrenmatt, Weströmisches Reich, Jahr 476, Völkerwanderung, Odoaker, Untergang der Antike, Geschichtsschreibung, historische Komödie, Kaiser Zeno, Transformation der römischen Welt, Orestes, Germanen, Pazifismus, Institutionenkontinuität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, inwiefern Friedrich Dürrenmatts Drama "Romulus der Große" die historischen Ereignisse rund um das Ende des Weströmischen Reiches im Jahr 476 aufgreift und für seine philosophischen sowie gesellschaftskritischen Zwecke interpretiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Untergang Westroms, die Rolle der germanischen Stämme, die politische Funktion des letzten Kaisers Romulus Augustulus und die wissenschaftliche Debatte darüber, ob 476 eine historische Zäsur oder eine Kontinuität darstellt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist der Vergleich der literarischen Rekonstruktion durch Dürrenmatt mit dem geschichtswissenschaftlichen Forschungsstand, um zu klären, wie der Autor historische Ereignisse als Allegorie für seine zeitgenössische Lebensrealität verwendet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse von Fachliteratur, zeitgenössischen Quellen und Dürrenmatts Primärtext, wobei insbesondere die neuere Fassung des Dramas als Untersuchungsgrundlage dient.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die politischen Rahmenbedingungen des 5. Jahrhunderts, die Rollen der Akteure Romulus, Zeno und Odoaker sowie verschiedene Deutungen des Endes des Westreiches in der altertumswissenschaftlichen Forschung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "historische Komödie", "Transformation", "Pazifismus", "Odoaker", "Romulus Augustulus" und "Geschichtsrekonstruktion" charakterisieren.

Warum ist Romulus im Drama eine tragische Figur?

Romulus ist eine tragische Figur, da er sein Ziel, das korrupte Römische Reich durch Pazifismus zu beenden, zwar erreicht, jedoch feststellen muss, dass der Wandel bloß in ein neues Gewaltregime unter Theoderich mündet.

Inwieweit spielt die Hühnerzüchtung eine Rolle?

Die Hühnerzüchtung dient im Drama als Anachronismus und Parodie auf den historischen Kaiser Honorius, womit Dürrenmatt die Entfremdung des Herrschers von der Staatsaufgabe und die Ahistorizität seiner Komödie unterstreicht.

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Details

Titel
Der Untergang des Weströmischen Reiches in "Romulus der Große" von Friedrich Dürrenmatt und der Altertumswissenschaft
Untertitel
(Pazifistische) Wende oder Fortführung des Status quo?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Die Antike in der Roman- und Theaterliteratur des 20. Jahrhunderts, Quellenstudien
Note
2,3
Autor
Lauritz Tufan (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
21
Katalognummer
V985812
ISBN (eBook)
9783346342287
ISBN (Buch)
9783346342294
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dürrenmatt Weströmische Reich Friedrich Germanen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lauritz Tufan (Autor:in), 2020, Der Untergang des Weströmischen Reiches in "Romulus der Große" von Friedrich Dürrenmatt und der Altertumswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985812
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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