Wahrnehmung der Seelen von verstorbenen Menschen. Gefühl, Auswirkung und Verbreitung


Facharbeit (Schule), 2020

100 Seiten, Note: 1.7

Anonym


Leseprobe

Vorwort

Du fragst dich weshalb ich eine Thematik gewählt habe, von der sich so viele Menschen scheuen? Genau deshalb. Ist es eine Welt, die für die Meisten unwirklich ist? Ich glaube nicht. Seit ungefähr fünf Jahren beschäftige ich mich selbst mit dem Thema aussersinnliche Wahrnehmungen. Die Fähigkeit, Seelen von verstorbenen Menschen wahrzunehmen, scheint in meiner Familie schon fast zur Normalität zu gehören. Diese Arbeit bietet mir die Möglichkeit, mein Wissen über diese Thematik zu erweitern sowie, zu sehen, wie andere diese Fähigkeit wahrnehmen und was die Theorie besagt. Gerne möchte ich auch mein erlangtes Wissen und meine bisherigen Erfahrungen denjenigen weitergeben, die das Thema interessiert und auch nach Antworten suchen. Denn in der Öffentlichkeit wird es oft als Tabuthema behandelt, da viele Angst davor haben, als verrückt bezeichnet zu werden.

Aus diesen Gründen war mir früh klar, dass meine Maturaarbeit mit Aussersinnlichen Wahrnehmungen zu tun haben soll. Für mich ist es eine kleine Herzensarbeit, weil ich selbst mitten in diesem Thema stehe und auf alles, von der Theorie bis hin zu den Erfahrungen anderer, sehr neugierig bin. Es mag vielleicht eine aussergewöhnliche Thematik für eine Maturaarbeit sein, doch genau deshalb werde ich mich umso mehr bemühen, von allem das Beste herauszuholen, damit diese Arbeit ein klares Verständnis dieser Fähigkeit wiedergeben kann.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Referenten Reto Zingg für die Offenheit und Unterstützung bei dieser Thematik bedanken. Auch meiner Koreferentin Girau Pieck möchte ich für ihren Beistand meinen Dank aussprechen. Natürlich konnte ich all diese Auswertungen nicht ohne Beteiligte erstellen, weshalb ich mich auch bei all denen bedanken will, welche sich die Zeit genommen haben, ihre Erfahrungen via Umfrage oder Interview zu teilen.

Abstract

Since I have already made experiences with souls and deceased individuals, it is important to me to find out how other people would cope with this ability. I also want to share my knowledge and experiences with those who are interested and maybe want to find some answers as well. In order to address my central question which is how an individual may deal with the ability to perceive souls of the deceased, this Matura paper will consider three related attendant questions, which include what the experience feels like, what the results or outcome of such an encounter may be and, thirdly, how many people are capable of such encounters.

The distribution of this ability helps to understand how so many individuals are confronted with this subject and how they are capable of dealing with these kinds of phenomena. The question as to how it feels shows exactly why it is so important to show how people should control and deal with their ability. An understanding of the different outcomes helps us to find out how to deal best with this skill. After all, the outcomes are influenced or even determined by how we deal with this ability. A reason as to why science is more restricted in this subject is due to scientists not being able to reproduce or demonstrate these phenomena in the laboratory. This however shows that the experiences of these phenomena are one of the most important compounds in the Parapsychology.

Due to this, the Matura paper revolves around an online questionnaire and some interviews. The outcomes of the interviews are then being compared to the movie „The Sixth Sense“ which will also be a discussion topic in this Matura paper. More than half of these people in question have already had experiences with souls. The participants describe their experiences more as a scary or eerie feeling which they regard with respect. Moreover many feel a sensation of protection. The aftermath of this ability can be positive, such as the transmission of important information that can help in decision-making. However, effects can also be negative, such as obsession or rarely even physical injury.

1 Einleitung

Allein, und doch nicht ganz allein - tote Menschen wahrzunehmen bietet einen Blick in eine andere Dimension, als wir sie kennen. Keine Körper, nur die Seelen.

Diese wahrzunehmen ist eine Fähigkeit, bei der die Einsamkeit schon fast an das Unmögliche grenzt. Ständig wird man begleitet, ständig wird man von Seelen umgeben.

Durch die Auseinandersetzung mit der Fähigkeit, Seelen von verstorbenen Menschen wahrzunehmen, wird einem bewusst, dass es viel mehr Menschen gibt, die mit diesem Phänomen konfrontiert werden, als erwartet.

Es ist auffällig, dass ein Grossteil dieser Personen Mühe haben damit umzugehen und dass sehr häufig versucht wird Hilfe zu suchen. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit folgende Frage bearbeitet: Wie geht man mit der Fähigkeit um, Seelen von verstorbenen Menschen wahrzunehmen? “

Um den Leser in diese Thematik einzuführen, wird in diesem Kapitel einen Überblick verschafft, wie bei der Beantwortung der Leitfrage vorgegangen wird.

Das Ziel ist es, eine Idee aufzuzeigen, wie mit dieser Fähigkeit umgegangen werden kann. Weil dieser Umgang mehrere Möglichkeiten mit sich bringt, gehören drei Unterfragen dazu, welche mit Hilfe der Theorie und Erfahrungen ein Grundwissen herbeiführen werden. Aus diesem Grundwissen kann man schliesslich auch herausfinden, welche Umgangsform für einen selbst am besten funktioniert.

„ Wie fühlt es sich an? “ , „ Was sind die Auswirkungen? “ , „ Wie verbreitet ist es? “

Die Frage nach der Verbreitung der Fähigkeit dient dazu, zu verstehen, wie viele Menschen mit dieser Thematik konfrontiert werden und vor die Aufgabe gestellt sind, mit den Phänomenen umgehen zu müssen. Die Frage, wie es sich anfühlt, zeigt, weshalb es überhaupt so wichtig ist, dass Betroffene mit dieser Fähigkeit zurechtkommen. Das Wissen über die verschiedenen Auswirkungen hilft, um herauszufinden, wie man am besten mit der Fähigkeit umgeht. Denn die Auswirkungen werden vom Umgang beeinflusst oder sogar bestimmt.

Um die drei Unterfragen zu beantworten, wird zum einen eine Online-Umfrage durchgeführt und zum anderen Interviews mit Personen, welche in diesem Bereich schon einige Erfahrungen hinter sich haben, gemacht. Dazu kommt noch der Vergleich mit dem Film „ The Sixth Sense “. Dies dient den Lesern auch dazu, sich das Ganze bildlich vorstellen zu können, und gibt eine Vermutung ab, ob man dem, was im Film vorkommt, auch glauben kann. Es wird also ein Vergleich zwischen Film und Realität durchgeführt.

Die Ressourcen für diese Arbeit basieren vor allem auf Erfahrungen. Für den Theorieteil wird hauptsächlich Fachliteratur verwendet sowie auch Filmmaterial aus dem Film „ The Sixth Sense “. Internetquellen werden nur im geringen Mass genutzt.

Zum Schluss dieser Einleitung wird noch einen kurzen Überblick über die einzelnen Kapitel dieser Arbeit gegeben. Dem Leser kann so primär eine Idee vermittelt werden, wie diese Fähigkeit verlaufen kann.

Um auch aufzuzeigen, was alles hinter dieser Arbeit steckt, wird zuerst von den eigenen Erfahrungen erzählt. Diese werden mit Absicht in der Ich-Form geschrieben, da es sich um etwas Eigenes handelt. Danach folgt der Theorieteil, welcher in verschiedene Kapitel aufgeteilt ist. Anfangs geht es um die Klärung einiger Begriffe, welche zum Verständnis dieser Arbeit nötig sind. Es folgen Überlegungen zu den Grenzen der Wissenschaft und einigen methodischen Aspekten, welche im Bereich der Parapsychologie verwendet werden. Die beiden nächsten Kapitel beleuchten weiter die Fragen, weshalb und wie die Seelen wahrgenommen werden können. Diese zwei Kapitel beziehen sich zudem auf die Unterfrage „ Wie fühlt es sich an? “ .

Der nächste Abschnitt zeigt verschiedene Auswirkungen der zu untersuchenden Fähigkeit, womit die nächste Unterfrage „ Was sind die Auswirkungen? “ theoretisch beantwortet wird. Nach dem Theorieteil folgt eine Zusammenfassung des Filmes The Sixth Sense “ , um diesen später mit den Interviews zu vergleichen.

Nach der Filmzusammenfassung werden drei Hypothesen aufgestellt. Diese beruhen zum einen auf dem Film „ The Sixth Sense “ und zum anderen auf dem bisherigen Forschungsstand. Gegen Schluss wird in der Diskussion erörtert, inwieweit die aufgestellten Hypothesen bestätigt beziehungsweise widerlegt gewertet werden können. Im darauffolgenden Kapitel „Methodik wird das Vorgehen zur Beantwortung der Hauptfrage beschreiben.

Anschliessend werden die Online-Umfrage und die Interviews ausgewertet. In der Online-Umfrage wird klar, wie verbreitet die hier untersuchte Fähigkeit ist. In den Interviews wird zum einen die Frage „ Wie fühlt es sich an? “ beantwortet und zum anderen geht es darum, was die erlebten Auswirkungen sind.

Ein Vergleich zwischen dem Film und den Interviews sowie eigene Erfahrungen, bezüglich dem Umgang mit der Fähigkeit, werden abschliessend behandelt.

Auch hier geht es um eine Erweiterung der Erkenntnisse darüber, „wie es sich anfühlt “, die hier untersuchte Fähigkeit zu besitzen, und was deren Auswirkungen sein können. An dieser Stelle ist die Diskussion mit der letztendlichen Bewertung der Hypothesen zu finden. Nach der Diskussion erfolgt noch eine kurze Zusammenfassung, welche einen Überblick über die ganze Arbeit geben soll. Die letzten Worte werden dann im Schlusswort ersichtlich sein.

2 Die Macht der Seelen in meiner eigenen Welt

Meine Erfahrungen, Teil 1

Besessenheit, Entscheidungshilfe, Sicherheit und Angst. Ich denke das sind die vier Wörter, mit denen ich meine Geschichte erzählen würde. Und genau dies wird in diesem Kapitel geschehen. Warum? Weil ich möchte, dass alle Menschen, die diese Arbeit lesen, wissen, was dahinter steckt. Sie sollen wissen was ich selbst gerade in Bezug auf diese Thematik erlebt habe und erlebe. Ich mache dies zu Beginn, damit der Leser einen Eindruck hat, um was es bei dieser Arbeit genau geht und wie so etwas aussehen kann. Ich werde meine Erfahrungen in die für mich wichtigsten Erlebnisse gliedern, damit der Leser auf dieser Grundlage später auch einen Bezug zur Theorie sowie den Auswertungen finden kann.

Die Hand auf meiner Schulter

Ich war 15 Jahre alt. In dem Gottesdienst, den ich an diesem Tag besucht hatte, ging es um Engel. Ich habe darüber nachgedacht und fragte mich, ob Engel verstorbene Menschen sind. Darauf fand ich zwar keine Antwort, jedoch spürte ich in diesem Moment plötzlich eine Hand auf meiner Schulter. Ich schaute verwirrt um mich, jedoch war weder hinter mir noch neben mir eine Person zu sichten. Da wusste ich, dass es jemand aus dem Jenseits war. So hat alles angefangen.

Die Stimme aus dem leeren Raum

Mit 15 Jahren war ich in einer sehr ungesunden Beziehung. Dabei handelt es sich um eine sehr lange Geschichte. Als ich jedoch eines schönen Tages im Badezimmer war, fiel auf einmal ein fest angehängtes Handtuch auf den Boden. Ich erschrak und da hörte ich klar und deutlich eine Stimme sagen: „Beende es! Ich wusste natürlich sofort, um was es ging, ich hatte aber Angst und habe den Ratschlag leider nicht befolgt. Seit diesem Tag wurde es nur noch schlimmer in der Beziehung.

Die Bestätigung

Jede Nacht spürte ich, dass eine Frau vor meinem Bett stand. Sie stand da und beobachtete mich nächtelang. Manchmal konnte ich auch deutlich spüren, dass sie sich sogar neben mich hinlegte. Ich nahm wahr, dass in meinem Schrank ein kleines Mädchen sass und sich im Keller eine alte Frau herumtrieb. Das machte mir Angst. Ich versuchte oft, die Geistwesen zu ignorieren oder zu verdrängen, dies war aber nicht möglich, weil ich die Seelen zu stark spürte.

Wir liessen also unser Haus ausräuchern*1 (siehe Abb. 3). Der Mann, der dies machte, wusste nichts von alldem und trotzdem erzählte er uns, dass ein kleines Mädchen in meinem Schrank sei und im Keller eine alte Frau verweile.

Er sagte auch, dass jemand hier sei, der mich ständig beobachte und mich beschützen wollen würde. Diese beschützende Seele ist auch heute noch bei mir. Ich bezeichne sie als meinen Engel. Auch wenn mir bereits vor dem Ausräuchern bewusst war, dass ich diese Fähigkeit habe, war dies für mich eine Art Bestätigung, dass ich mir das nicht nur einbildete.

Mein fremder Körper

Die im Folgenden dargestellte Erfahrung war bisher meine wohl unangenehmste. Ich lag im Bett, als ich plötzlich spürte, dass etwas Fremdes in mich eindrang. Das Gefühl ist schwer zu beschreiben, es fühlte sich einfach fremd an. Als ich mich selbst anfasste, fühlte es sich nicht normal an, sondern so, als würde mich jemand anders anfassen und gleichzeitig als würde ich eine andere Person berühren.

Ich schloss meine Augen und hoffte, dass dieser Zustand endet. Ich spürte aber im Gegenteil auf einmal, wie ich vom Rücken aus einige Zentimeter hochgehoben wurde. Ich fiel wieder aufs Bett und einige Sekunden später passierte dasselbe wieder. Ich hatte natürlich schreckliche Angst und wusste nicht was, ich machen sollte. Mit meinen Augen sah ich im Dunkeln alles sehr klar, wobei alle Gegenstände eine Art helle Umrandung hatten. Ich wusste damals noch nicht, wie ich damit umgehen sollte, heute kann ich mich selbst schützen, sodass es erst gar nicht zu einer solchen Situation kommt.

Das Licht im Dunklen

Dies war meine schönste Erfahrung, die ich gemacht habe. Es war eine Nacht, in der ich nicht schlafen konnte. Der Grund dafür war, dass ich aus unerklärlichen Gründen sehr Angst hatte. Dies hat mich die ganze Nacht davon abgehalten auch nur ein Auge zuzukriegen. Sieben Stunden lang habe ich es versucht, doch irgendwann spürte ich, dass ich nicht allein war.

Ich schaute auf meine Kerze, die ich auf ein Möbelstück gestellt hatte, und sah, dass dort ganz klar ein Licht leuchtete. Es war rund, hatte etwa Faustgrösse und schien sehr hell.

Es war seltsam, aber für mich ein Zeichen, dass ich keine Angst haben musste. Zehn Minuten später konnte ich einschlafen.

3 Seelen – das wissen die Forscher

Im Rahmen dieser Darstellung des theoretischen Hintergrunds werden die bisherigen Forschungsergebnisse bezüglich der Seelen von Verstorbenen aufgezeigt. Dieses Wissen stammt vor allem aus Fachbüchern und zusätzlichen Internetquellen.

3.1 Wesentliche Begriffe

In diesem Abschnitt werden einige Begriffe erklärt, deren Kenntnis zum Verständnis der folgenden Kapitel notwendig ist. Dazu gehören der sechste Sinn, aussersinnliche Wahrnehmung, Anomalistik, die Psi-Effekte, die Phänomene/ Geistwesen/ Seelen, sowie der Begriff Fähigkeit.

Der sechste Sinn: Der sechste Sinn ist ein Bereich der Parapsychologie (altgriechisch pará = neben)2 und wird im Wörterbuch ‘Lexico – powered by Oxford‘ folgendermassen beschrieben:

„A supposed intuitive faculty giving awareness not explicable in terms of normal perception. 3 Ins Deutsche übersetzt bedeutet das: „Eine vermeintlich intuitive Fähigkeit, die ein Bewusstsein vermittelt, das im Sinne einer normalen Wahrnehmung nicht erklärbar ist. Der sechste Sinn beschreibt also Wahrnehmungen, die nicht mit den bekannten fünf Sinnen erfolgen. Es handelt sich um ein Phänomen, welches bei jedem Individuum zum Alltag gehört. Ein Beispiel dafür ist die Intuition.

Aussersinnliche Wahrnehmung: Aussersinnliche Wahrnehmungen, abgekürzt mit ASW4, kann auf folgende Weise erklärt werden: „Bei ASW gelangen Menschen zu Informationen, ohne dass dabei eine konventionelle Wahrnehmung über die bekannten fünf Sinne stattfindet.“5 Die aussersinnlichen Wahrnehmungen erfolgen also alle mit dem oben erwähnten „sechsten Sinn“. Beispiele dafür sind das Hellsehen, Telepathie, Präkognition, Wahrnehmung von Geistererscheinungen, Psychokinese und anderes.6

Anomalistik: Die Anomalistik ist ein Begriff, der oft auf dem Gebiet der Parapsychologie benutzt wird. „Es sind Bereiche des Rätselhaften und Ungewöhnli chen, für die es (noch) keine plausible oder allgemein akzeptierte Erklärung gibt, denen aber dennoch eine gewisse Existenzberechtigung zugebilligt wird.“7 Es sind also aussergewöhnliche Ereignisse, die mit der heute akzeptierten Wissenschaft nicht erklärt werden können.

Psi-Effekte: Der Begriff „Psi“ ( = 23. Buchstabe des griechischen Alphabets, Ψ ) kann wie folgt erklärt werden: „Psi bezeichnet, dass es etwas Unbekanntes gibt, das in einem direkten Zusammenhang mit gewissen Beobachtungen steht, die sich mit unserem momentanen naturwissenschaftlichen Wissen und Verständnis nicht in Einklang bringen lassen“8. Psi bezeichnet also einen unbekannten Faktor in der Parapsychologie. Der Begriff wurde absichtlich gewählt, sodass möglichst wenig unerwünschte Assoziationen entstehen können.9

Phänomen, Geistwesen, Seelen: Mit diesen drei Begriffen sind immer die feinstofflichen Wesen, also der körperlose Teil des Menschen nach dem Tod gemeint.

Fähigkeit:

Eine Fähigkeit ist eine „geistige, praktische Anlage, die zu etwas befähigt.“ Fähigkeiten können angeboren sein, man kann sie aber auch erlernen.10

3.2 Grenzen der Wissenschaft

Die Forschung in der Parapsychologie ist immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, sie sei mehr eine Pseudowissenschaft als eine echte Wissenschaft, weshalb die Resultate auch nicht ernst zu nehmen seien.11 Es gibt noch keine allgemein akzeptierte Erklärung für die aussergewöhnlichen Erfahrungen, jedoch wird diesen eine gewisse Existenzberechtigung zugestanden. Ein Grund, weshalb die Wissenschaft in diesem Themenbereich so begrenzt ist besteht darin, dass die Phänomene sich im Labor nicht reproduzieren lassen.12 Dazu meint der berühmte Schweizer Psychiater: „ Psi-Effekte seien prinzipiell nicht wiederholbar, weil sie so innig mit der Lebenssituation eines Menschen verflochten seien, dass es unsinnig wäre anzunehmen, man könnte sie reproduzieren.“ 13 Dies scheint in Bezug auf die Wissenschaft problematisch zu sein, weil Experimente dazu dienen, Regelhaftes zu erkennen. Psi-Effekte sind aber genau die Abweichung vom Regelhaften. Es fehlt ein allgemein akzeptiertes Wirkungsmodell, weshalb es das Ziel ist, die Anomalie in eine neue Regularität zu überführen.14 Der Psychologe erklärt den Unterschied zwischen der konventionellen Wissenschaft und der Anomalistik so: „Wie man […] sehen konnte, sind aus anomalistischer Sicht diejenigen Fälle von besonderem Interessen, bei denen als Ergebnis einer gründlichen Untersuchung nicht ein klarer Befund, sondern ein grosses Fragezeichen steht.“15 Beweise in der Anomalistik können im Vergleich mit der konventionellen Wissenschaft nicht mit Fakten, Methoden und Theorien erklärt werden. Aus diesem Grund muss im Bereich der Parapsychologie nicht nur die Authentizität*16 der Fakten belegt werden, sondern auch die Legitimität*17 ihrer Methoden, mit denen sie die Fakten erhoben hat. Zusätzlich ist es auch nötig, die Plausibilität*18 ihrer Theorien in Bezug auf die gewählte Methode und die entsprechenden Fakten zu beweisen.19 „Die Existenz irgendeines beliebigen Phänomens kann nur dann sicher festgestellt werden, wenn dafür geeignete Methoden zur Verfügung stehen.“20

Da sich die Wahrnehmungen der Geistwesen mit dem bisherigen Wissensstand also nicht erklären lassen, besteht hier die wichtigste Komponente in der Wissenschaft vor allem aus den Erfahrungen der Betroffenen. Diese werden über Befragungen beziehungsweise Interviews oder Fragebogen ermittelt21, denn das Motiv der Anomalistik besteht vor allem darin, den Menschen ein sinnvolles Verständnis der Phänomene zu geben.22

3.3 Methodische Aspekte

Trotz der Grenzen in der Wissenschaft, welche im Kapitel 2.2 beschrieben sind, gibt es einige Studien- und Beweislagen, die sich mit den Phänomenen beschäftigt haben. In diesem Abschnitt werden vier Beispiele für diese Beweislagen aufgezeigt. Dazu gehören die Metaanalyse, die Publikationsbias, die Beweis -und prozessorientierte Forschung sowie die Methodenentwicklung.23

Diese vier Aspekte dienen lediglich als Information darüber, wie im Bereich der Parapsychologie etwas bewiesen wird, sie werden jedoch nicht in dieser Arbeit verwendet.

3.3.1 Metaanalyse

Die Idee bei der Metaanalyse besteht darin, dass die Resultate mehrerer Studien „mittels statischer Verfahren“ zusammengefasst werden. So kann man eine quantitative Aussage über die Studien verfassen.24 „Die Metaanalyse erlaubt also – vereinfacht ausgedrückt – aus vielen kleineren Einzelstudien eine riesige Gesamtstudie zu erstellen“.25 Um die Metaanalyse genauer zu verstehen, ist es notwendig die Ergebnisparameter der Einzelstudien näher zu betrachten. Vorwiegend gibt es in den Studien zwei Ergebnisparameter: das Signifikanzniveau und die Effektstärke. Das Signifikanzniveau (der sogenannte p-Wert) zeigt auf, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Daten nur zufällig entstanden sind. Ab einem p-Wert unter p = 0.05 (= 5 %), spricht man von einem bedeutsamen, also signifikanten Ergebnis. Der p-Wert sagt dementsprechend etwas über die Wahrscheinlichkeit aus, dass ein Effekt vorhanden ist, jedoch wird die Grösse des Effekts dadurch nicht erkennbar. Die Grösse wird deshalb durch die Effektstärke aufgezeigt. Die Effektstärke besteht einerseits aus dem Mass für die Unterschiede zwischen zwei Gruppen und zum anderen aus dem Korrelationskoeffizienten*26, welcher den Zusammenhang zwischen zwei Variablen ausdrückt. Zur Berechnung einer Metaanalyse werden die Effektstärken der Einzelstudien zu einem Mittelwert zusammengefasst. Diese Stärke wird schliesslich einem p-Wert zugeordnet, welcher angibt, wie hoch die Zufalls oder Irrtumswahrscheinlichkeit für das Studienkollektiv ist.27

3.3.2 Publikationsbias

„Eine Metaanalyse ist immer nur so gut wie die Studien, die sie einschliesst.“28 Diese Aussage gibt der Literaturrecherche eine besondere Bedeutung. In einer Recherche kann man nur finden, was Forscherinnen beziehungsweise Forscher veröffentlicht haben. Die Problematik besteht hierbei darin, dass nicht jede Arbeit und somit nicht alle Daten automatisch publiziert werden. Es gibt viele verschiedene Gründe, weshalb eine Studie nicht an die Öffentlichkeit kommt.29 Es gilt jedoch Folgendes: „Studien, die von der Industrie finanziert werden, kommen vier Mal häufiger zu einem schmeichelhaften Ergebnis als Studien von unabhängigen Einrichtungen.“30 Es kommt also immer darauf an, wer die Experimente publiziert. Geschieht dies durch Parapsychologinnen beziehungsweise Parapsychologen, können die Psi-negativen Studien verheimlicht werden und die positiven publiziert werden. Wenn umgekehrt Skeptikerinnen beziehungsweise Skeptiker für die Veröffentlichung verantwortlich sind, so ist es wahrscheinlicher, dass die Psi-positiven Studien aussortiert werden und nur die negativen an die Öffentlichkeit kommen.31 „Daher ist es insbesondere in der parapsychologischen Forschung guter Standard, auch negative Studien zu publizieren.“32 Das Problem der Publikationsbias bleibt trotz allem für die Metaanalyse bestehen, dieser Aspekt muss bei Interpretationen und Diskussionen von Daten berücksichtigt werden.33

3.3.3 Beweis- und prozessorientierte Forschung

In der Parapsychologie wird zwischen einem „beweis- und einem prozessorientierten Vorgehen“ unterschieden. Häufiger ist das beweisorientierte Vorgehen, wobei es sich um die Entscheidung handelt, ob es Belege für die Anomalie gibt, die untersucht wird. Bei der prozessorientierten Methode handelt es sich um ein Vorgehen, bei der – zumindest hypothetisch – die Anomalie als gegeben angenommen wird und so direkt die Frage nach den Bedingungen dieser Phänomene untersucht wird. Ein Beispiel für eine solche Frage ist, ob eine bestimmte Begabung notwendig ist oder ob jeder solche paranormalen Fähigkeiten hat.34

[...]


1 Beim Ausräuchern kann man die Seelen vertreiben

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16 * Echtheit / Glaubwürdigkeit

17 * Rechtmässigkeit

18 * plausibel / einleuchtend / verständlich

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20

21

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23

24

25

26 *Beschreibt einen linearen Zusammenhang

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Ende der Leseprobe aus 100 Seiten

Details

Titel
Wahrnehmung der Seelen von verstorbenen Menschen. Gefühl, Auswirkung und Verbreitung
Note
1.7
Jahr
2020
Seiten
100
Katalognummer
V985879
ISBN (eBook)
9783346346360
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dies ist eine Maturaarbeit, sprich die Abschlussarbeit des Gymnasiums in der Schweiz.
Schlagworte
wahrnehmung, seelen, menschen, gefühl, auswirkung, verbreitung, Verstorbene, Aussersinnliche Wahrnehmung, 6. Sinn
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Wahrnehmung der Seelen von verstorbenen Menschen. Gefühl, Auswirkung und Verbreitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985879

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