Bemerkenswerterweise treten trotz enormer geographischer Distanz spezifische Sprachphänomene deckungsgleich in den frankophonen Regionen La Réunion und Québéc auf. Dies ist umso erstaunlicher, da sich naheliegende Vermutungen, wie beispielsweise dieselbe Ausgangsvarietät der französischen Siedler als unzutreffend herausstellen. In der vorliegenden Arbeit stehen daher die Fragen im Fokus, in welchem Maße Überschneidungen im français réunionnais und français québécois auftreten und wie sich diese erklären lassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sprachgeschichte auf La Réunion und in Québéc
2.1 Historische Entwicklung
2.1.1 Französische Besiedlungsphase
2.1.2 Entwicklung zur kolonialen Diglossie
2.2 Aktuelle Sprachsituation
3 Sprachproduktion auf La Réunion und in Québéc
3.1 Phonetik und Phonologie
3.2 Morphosyntax
3.3 Lexik
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die bemerkenswerten sprachlichen Übereinstimmungen zwischen dem français réunionnais und dem français québécois trotz ihrer enormen geographischen Distanz und unterschiedlichen historischen Ausgangsbedingungen. Dabei wird analysiert, in welchem Maße sich diese sprachlichen Phänomene durch die spezifische koloniale Geschichte und Sprachkontaktszenarien erklären lassen, wobei die Bereiche Phonetik, Phonologie, Morphosyntax und Lexik im Fokus stehen.
- Historische Analyse der französischen Besiedlung in Nordamerika und im Indischen Ozean
- Untersuchung von Sprachkontakten und kolonialen Diglossie-Situationen
- Gegenüberstellung sprachlicher Phänomene wie Archaismen und Entlehnungen
- Diskussion der Identitätsfindung und Sprachnormen in den beiden Regionen
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Bemerkenswerterweise treten trotz enormer geographischer Distanz spezifische Sprachphänomene deckungsgleich in den frankophonen Regionen La Réunion und Québéc auf. Dies ist umso erstaunlicher, da sich naheliegende Vermutungen, wie beispielsweise dieselbe Ausgangsvarietät der französischen Siedler als unzutreffend herausstellen. In der vorliegenden Arbeit stehen daher die Fragen im Fokus, in welchem Maße Überschneidungen im français réunionnais und français québécois auftreten und wie sich diese erklären lassen.
Dabei wird chronologisch auf die historischen – und damit einhergehend auch soziokulturellen – Bedingungen eingegangen, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: während Québéc für die kolonialen Bestrebungen der Grande Nation in Nordamerika von höchster Priorität ist und als neues Zentrum der Frankophonie in Nordamerika etabliert werden soll, ist La Réunion aufgrund seiner marginalen Lage und geringen Größe von untergeordneter Relevanz. Auch unterscheiden sich die Ausgangsbedingungen der französischen Besiedlungsphase grundlegend: die Kolonisten treffen an der Küste des Nordatlantiks auf verschiedene indigene Kulturen, wohingegen sie auf der unbewohnten Insel im Indischen Ozean mit Herausforderungen ganz anderer Art konfrontiert werden.
Auch die weiteren historischen Entwicklungen zeigen Differenzen auf, so verstricken sich die Frankokanadier im Verlauf des 18. Jhs. in militärische Auseinandersetzungen mit den englischen Kontrahenten, während fernab vom Kriegsschauplatz die Siedler auf La Réunion mithilfe der Schaffung einer Sklavenhaltergesellschaft um ihr Überleben kämpfen. Auch Rückschlüsse auf die Sprachentwicklung weisen hier in unterschiedliche Richtungen, denn in Québéc tritt das Französische in Konkurrenz mit dem Englischen, auf La Réunion hingegen entwickelt sich das Kreolische zur Muttersprache der Bevölkerungsmehrheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen für sprachliche Ähnlichkeiten zwischen La Réunion und Québéc vor und skizziert den historisch-kulturellen Rahmen der Untersuchung.
2 Sprachgeschichte auf La Réunion und in Québéc: Dieses Kapitel erläutert die historisch begründbaren Entwicklungen, die kolonialen Bedingungen und die sich daraus ergebenden aktuellen Sprachsituationen in beiden Regionen.
3 Sprachproduktion auf La Réunion und in Québéc: In diesem Kapitel werden phonetische, morphosyntaktische und lexikalische Gemeinsamkeiten der Varietäten systematisch gegenübergestellt und sprachhistorisch eingeordnet.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, dass trotz der unterschiedlichen Entwicklungswege (Kreolisierung vs. Kontakt mit dem Englischen) gemeinsame, teils archaische Sprachstrukturen erhalten blieben.
Schlüsselwörter
Sprachgeschichte, La Réunion, Québéc, français réunionnais, français québécois, Diglossie, Phonetik, Morphosyntax, Lexik, Archaismen, Sprachkontakt, Kreolisierung, Sprachnorm, Identität, Kontinuum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum in den weit voneinander entfernten frankophonen Gebieten La Réunion und Québéc vergleichbare sprachliche Phänomene auftreten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Sprachgeschichte, der Einfluss von Sprachkontakten sowie die linguistische Analyse der Phonetik, Morphosyntax und Lexik in diesen zwei spezifischen Varietäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, in welchem Maße Überschneidungen in der Sprache vorliegen und wie diese trotz der geografischen und historischen Divergenzen erklärbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine chronologische historische Analyse sowie eine vergleichende Untersuchung der sprachlichen Phänomene, unterstützt durch aktuelle korpuslinguistische Forschungsansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die historischen Rahmenbedingungen (Kolonialgeschichte) erläutert und anschließend sprachliche Gemeinsamkeiten wie Assibilierungen, Bildungsformen des passé composé und bestimmte Archaismen in der Lexik tabellarisch gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachgeschichte, Diglossie, Kreolisierung, Sprachkontakt sowie die spezifischen Varietäten français réunionnais und français québécois.
Welche Rolle spielt die Kolonialgeschichte für die Sprachentwicklung?
Sie bildet das Fundament, da die Art der Französisierung und die jeweiligen Kontakte zu anderen Kulturen (indigene Völker oder Sklavenarbeit auf Plantagen) maßgeblich bestimmen, wie sich das Französische in der jeweiligen Region transformierte.
Warum wird im Fazit das Konzept des Kontinuums erwähnt?
Das Konzept des Kontinuums ersetzt zunehmend das starre Modell der Diglossie, da es der zunehmenden Hybridisierung zwischen dem Französischen und dem Kreolischen auf La Réunion besser gerecht wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Das Französisch in Québec und auf La Réunion im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985915