Kreatives Schreiben und Schreibspiele. Wie gelingt Schreiben zu Impulsen?


Hausarbeit, 2011

9 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Kreativität

3. Einflüsse der Psychologie

4. Merkmale und Konzeptionen des kreativen Schreibens

5. Methoden des kreativen Schreibens
5.1 Assoziative Verfahren
5.2 Schreibspiele
5.3 Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern
5.4 Schreiben zu und nach (literarischen) Texten
5.5 Schreiben zu Stimuli
5.5 Weiterschreiben an kreativen Texten

6. Ziele des kreativen Schreibens

7. Bewertung von kreativen Texten

8. Resümee

9. Bibliographie

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „ Schreiben/ Schriftlicher Sprachgebrauch“ hat sich unsere Referatsgruppe mit dem Thema „Kreatives Schreiben und Schreibspiele: Schreiben zu Impulsen“ beschäftigt. In dieser Hausarbeit werde ich kurz auf die Definition von Kreativität und die Einflüsse der Psychologie eingehen, die Merkmale und Konzeptionen des kreativen Schreibens vorstellen und anschließend die Ziele des kreativen Schreibenunterrichts erläutern. Unter dem Punkt „Methoden des kreativen Schreibens“ werde ich auf die praktische Umsetzung näher eingehen.

2. Definition Kreativität

Um auf das kreative Schreiben näher einzugehen, möchte ich zunächst den Kreativitätsbegriff erläutern.

Dieser wird in der Literatur nicht eindeutig definiert, denn es gibt viele verschiedene Sichtweisen.

Etymologisch lässt sich der Begriff „Kreativität“ von den lateinischen Wörtern „creator“ und „creatura“ ableiten, die den deutschen Wörtern Schöpfer und Schöpfung entsprechen. Nach dem heutigen Verständnis besteht allerdings eher ein enger Zusammenhang mit dem amerikanischen Begriff „creativity“, womit die Fähigkeit, Neues zu schaffen, gemeint ist.1 Ausschlaggebend für diese Auffassung war der Vortrag „Creativity“ von Guilford, der bereits 1950 in Amerika und erst 1970 in Deutschland erschienen ist. In dieser Zeit wurde Kreativität als divergentes Denken verstanden. Guilford war der Ansicht, dass kreatives Verhalten nicht aus den vorgegebenen Denkbahnen folgt, sondern aus den gewohnten Mustern ausbricht. Auch im Deutschunterricht wurde der Kreativitätsbegriff vor allem auf das „Durchbrechen sprachlicher Normen bezogen“2. Typische Unterrichtsverfahren dieser Zeit waren unter anderem das Spielen mit Sprache, das Verfassen von Unsinntexten und das Verfremden von Textvorlagen.3

In den 80er Jahren hingegen ist eine „Subjektivierung des Kreativitätsbegriffs eingetreten“4. Unter Kreativität wurde nun „Selbstausdruck, Entäußerung der verborgenen inneren Welt und Entwurf einer neuen, subjektbestimmten Wirklichkeit verstanden“5. Zu dieser Zeit standen lyrische Gedichte, tagebuchartige Notizen, Erzählungen von Erlebtem und andere autobiografische Ausdrucksformen im Vordergrund.6

Der Kreativitätsbegriff hat also in den letzten Jahrzehnten „einen vielfältigen theoretischen und historischen Wandel erlebt“7, dennoch lässt sich aber die „Vielfalt der Begriffsbestimmung auf einige Grundmuster reduzieren“8, die für das kreative Schreiben relevant sind:

„Kreativität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, für das bei allen Menschen die Disposition vorliegt und das folglich bei jedem Menschen gefördert werden kann“9 und „Kreativität bezieht sich auf das Denken und Handeln, sowie auf das Produkt dieses Denkens und Handelns. Wir bezeichnen ein Produkt aus folgenden Gründen als kreativ: 1. wenn das Produkt neuartig und wertvoll ist; 2. wenn der Weg, der zum Produkt führt, neuartig ist und 3. wenn wir etwas auf neuartige Weise wahrnehmen, fühlen, erkennen oder denken.“10

3. Einflüsse der Psychologie

Eine besondere Rolle beim kreativen Schreiben spielt die Tiefenpsychologie von Siegmund Freud. Phantasien sind nach Freud Wunscherfüllungen, in denen Verdrängtes an die Oberfläche kommt. Dabei tritt Verdrängtes allerdings nicht direkt in Erscheinung, sondern durch Verdichtung, Verschiebung und Symbolisierung entsteht die literarische Ausdrucksform. Ziel des kreativen Schreibens ist also, „Schreibangebote zu entwickeln, durch die latente psychische Inhalte aktiviert, in Vorstellungsbilder verwandelt und so als Teil des eigenen Selbst erfasst werden können“11.

Eine spezielle Bedeutung hat auch die Gehirnforschung beim kreativen Schreiben. Denn für die Kreativität ist die Aktivierung der rechten Gehirnhälfte nötig und beim Formulieren von Texten beansprucht der Schreiber die linke Gehirnhälfte. Ziel des kreativen Schreibens ist es, beide Hälften so miteinander in Beziehung zu setzen, dass sie einander nicht blockieren, so dass eine Schreibblockade vermieden wird.12

4. Merkmale und Konzeptionen des kreativen Schreibens

Alle Konzeptionen des kreativen Schreibens basieren auf der Grundannahme, dass jeder Mensch ein kreativ- sprachliches Potenzial besitzt, das man fördern und üben kann.13

Das kreative Schreiben ist im Wesentlichen durch drei Prinzipien bestimmt: Irritation, Expression und Imagination.14

Das Prinzip der Irritation entspricht dem Kreativitätsbegriff der 70er Jahre, der die Kreativität als divergentes Denken versteht. Das bedeutet, dass gewohnte und alltägliche Vorstellungsmuster, also Routinen, Gewohnheiten und Normen durchbrochen werden und auf diese Weise zur Entstehung des Neuen verhelfen. Somit gelten Sprachspiele, Nonsenstexte oder surreale Bilder und Texte als Schreibanlass für das Prinzip der Irritation.15

Das Prinzip der Expression enspricht dem Kreativitätsbegriff der 80er Jahre. Kreatives Schreiben wird in dieser Zeit als Suchbewegung auf dem Weg zur eigenen Identität verstanden. Der Schreiber entfaltet und entdeckt so beim Schreiben seine eigene Individualität. Vor allem meditative und assoziative Verfahren ermöglichen den Zugang zu Erinnerungen und Träumen, die von großer Bedeutung sind.16

Das dritte und letzte Prinzip ist das der Imagination. Spinner sieht hierin die Verbindung von Expression und Irritation. Die Einbildungskraft gewährleistet, dass nicht nur das subjektive Denken und die Empfindungen ausgedrückt werden, sondern auch dass der „Schreiber einen Standortwechsel vornimmt, sich in vorgestellte Situationen hineinversetzt und andere Perspektiven einnimmt“. Methoden dieses Prinzips sind zum Beispiel das perspektivische Schreiben, das Schreiben zu Bildern oder auch das Fantasieren.17

5. Methoden des kreativen Schreibens

Die Methoden des kreativen Schreibens sind sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarstufe einsetzbar und können in unterschiedlichen thematischen Zusammenhängen und allen Fächern verwendet werden. Diese folgenden sechs Gruppen stellen eine Art systematische Strukturierung der Methoden dar, die sich aber nicht immer eindeutig trennen lassen, da oft auch Überschneidungen entstehen.18

5.1 Assoziative Verfahren

Assoziative Verfahren dienen der Ideenfindung, erleichtern den Einstieg und können Schreibhemmungen vermeiden, da sie ein Thema oder einen Leitfaden vorgeben. „Sie ermöglichen einen Zugang zu dem, worüber man schreiben möchte“19, da sie „neue persönliche Assoziationen und Abgrenzungen von den Ideen anderer“20 erzeugen. Assoziative Verfahren werden in spielerisch- experimentelle und meditative Verfahren unterschieden. Zu den spielerisch- experimentellen Methoden zählen unter anderem das Cluster, automatisches Schreiben, das Schreiben zu Reizwörtern, das Akrostichon und Abecedarium. Bei den meditativen Verfahren sind die Fantasiereise, die Metaphern- Meditation und das Fokussieren zu nennen.21

5.2 Schreibspiele

Unter die Kategorie „Schreibspiele“ werden alle kreativen Verfahren gefasst, „die das gemeinsame Verfassen von Texten oder die gemeinsame Weiterarbeit an einem Text betonen“22. Entweder im Sinne der literarischen Geselligkeit oder zu besonderen Anlässen. Aus diesem Grund werden Schreibspiele auch häufig als kooperatives Schreiben bezeichnet. Zu diesen Verfahren zählen: Geschichten oder Gedichte reihum, Geschichten erwürfeln oder Wörter finden, wie Klopfwörter oder der Wörtersack.23

[...]


1 Vgl. Pommerin, G.: Kreatives Schreiben, S. 49

2 Spinner, K.: Kreatives Schreiben. In: Praxis Deutsch, S. 17

3 Vgl. Spinner, K.: Kreatives Schreiben. In: Praxis Deutsch, S. 17

4 Vgl. Spinner, K.: Kreatives Schreiben. In: Praxis Deutsch, S. 17

5 Vgl. Spinner, K.: Kreatives Schreiben. In: Praxis Deutsch, S. 17

6 Vgl. Spinner, K.: Kreatives Schreiben. In: Praxis Deutsch, S.18

7 Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S. 9

8 Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S. 11

9 Pommerin, G.: Kreatives Schreiben, S.50

10 Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S.11

11 Spinner, K.: Kreatives Schreiben, In: Praxis Deutsch, S.19

12 Vgl. Spinner, K.: Kreatives Schreiben, In: Praxis Deutsch, S.19

13 Vgl. Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S.11

14 Böttcher, I. & Becker-Mrotzek, M.: Texte bearbeiten, bewerten und benoten, S. 28

15 Vgl. Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S.11

16 Böttcher, I. & Becker-Mrotzek, M.: Texte bearbeiten, bewerten und benoten, S. 28

17 Vgl., Böttcher, I. & Becker-Mrotzek, M.: Texte bearbeiten, bewerten und benoten, S. 28 f.

18 Vgl., Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S. 22

19 Böttcher, I. & Becker-Mrotzek, M.: Texte bearbeiten, bewerten und benoten, S. 29

20 Pommerin, G.: Kreatives Schreiben, S.71

21 Vgl. Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S.22 f.

22 Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S.23

23 Vgl., Böttcher, I.: Kreatives Schreiben, S.23

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Kreatives Schreiben und Schreibspiele. Wie gelingt Schreiben zu Impulsen?
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für deutsche Philologie)
Note
2,0
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V985947
ISBN (eBook)
9783346344076
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundschule, Deutsch, Schreibspiele, Kreatives Schreiben
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Kreatives Schreiben und Schreibspiele. Wie gelingt Schreiben zu Impulsen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985947

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