Integration durch Medien


Hausarbeit, 2000

7 Seiten, Note: Sehr gut


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Integration durch Medien

1. Definieren Sie die Funktion „Integration“ und diskutieren Sie folgende Fragen:

a) Wie verändert sich angesichts des politischen, gesellschaftlichen und medialen Wandels möglicherweise auch diese Funktion?
b) Was spricht für, worin liegen aber auch mögliche Gefahren solcher Integrationsbemühungen?

„ Noch nie war eine Gesellschaft in sich so differenziert, durch Gruppen und Verbände in der Vielfalt der Interessen so organisiert, in ihrem allgemeinen Bildungsstand so instruiert [...] wie die industrielle Großgesellschaft. “ 1 In einer derartigen Gesellschaft besteht demzufolge permanent die Gefahr, dass diese auseinander fällt, Integration herzustellen und zu bewahren bildet folglich ein gesellschaftliches Ziel, das es zu verfolgen gilt.

Die Massenmedien sorgen dafür, dass der Mensch über seinen eigenen Erfahrungshorizont und über den Horizont seiner eigenen Bezugsgruppe hinaus die Gesellschaft als Ganzes sieht und sich ihr zugehörig fühlt. Ein vielfältiges Medienangebot dient der Integration des Einzelnen in die Gesellschaft, es eröffnet ihm die Chance, am öffentlichen Leben teilzunehmen und vermittelt ihm soziale Normen. Die Massenmedien sollen den Staatsbürgern zeigen, dass es in der Gesellschaft eine Vielfalt von Gruppen gibt, die eigene Lebensformen, Anschauungen und Interessen haben, und dass diese Gruppen aufeinander angewiesen sind, mehr noch: Die Menschen sollen mit den Nöten, Problemen und Schwierigkeiten der Randgruppen wie etwa der Alten, Behinderten oder Gastarbeiter vertaut gemacht werden. Des weiteren bieten Medien Denk- und Verhaltensmuster, Status- und Rollenbilder, Images und Typvorstellungen an, an denen sich vor allem Kinder und Jugendliche orientieren können.

Ein vielfältiges Medienangebot entspricht der demokratischen Gesellschaft, weil die unterschiedlichen Meinungen zur Geltung kommen und die Vielfalt der Meinungen sich auch in den Medien wiederspiegelt. Durch diesen Pluralismus soll der Missbrauch von Macht verhindert werden. Damit sind die Medien Voraussetzung und Mittel der Partizipation. Sie schaffen zudem einen Vorrat an Themen, die alle Bürger mehr oder weniger gemeinsam betreffen, und prägen damit auch die Primärkommunikation. In Ländern der Dritten Welt fällt den Massenmedien die Aufgabe zu, integrierend bei der „Nationbildung“ (national building) mitzuwirken: Die Länder in der Dritten Welt stellen zwar völkerrechtlich Staaten, nicht aber Nationen im soziologischen Sinne dar. Eine Weiterentwicklung ist nur dann möglich, wenn die Bevölkerung eines Landes bereit ist, an diesem Prozess mitzuarbeiten. Das wiederum setzt ein hohes Maß an Konsens über die Ziele und Methoden dieser Entwicklung voraus, der durch die Integrationsfunktion der Massenmedien erreicht werden soll.

Die Expansion der Massenmedien fördert seit langem die gesellschaftliche Differenzierung, in deren Folge es wiederum zu einer stärkeren Spezialisierung der Medien kam. In der Vergangenheit sind zunehmend Publikationen und Programme entstanden, die ganz bestimmte Themen behandeln und sich damit nur an bestimmte Gruppen der Gesellschaft wenden. Dies gilt insbesondere für die Fachpresse und Periodika, sogenannte „special-interest-Blätter“. In den sich neuerdings zum Beispiel in Deutschland etablierenden Spartenkanälen zeigt sich Ähnliches auch im Fernsehen. Aus dieser Entwicklung wird die Gefahr einer gesellschaftlichen Desintegration abgeleitet. Sie kann sich durch die neuen Techniken verstärken, und zwar durch die Individualisierung des Medienkonsums, durch die Fragmentierung und Polarisierung des Publikums bis hin zur Vereinsamung des Mediennutzers. Dadurch wird eine gesellschaftliche Konsensbildung erschwert, so dass Verfahren zur Stärkung der gesellschaftlichen Integration und zur Beteiligung vieler am politischen Prozess gefunden werden müssen.

Weiterhin muss man bedenken, dass dem Rezipienten in Zukunft immer mehr Programme zur Verfügung stehen werden. Je mehr Programme zur Auswahl stehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Rezipient Sendungen finden wird, die seine Meinung, seine Weltsicht u.ä. bestätigen und bestärken. Folglich muss er immer weniger andere Sichtweisen und Standpunkte zur Kenntnis nehmen, verstehen und respektieren, was auf die Dauer eine immer stärkere Einengung des eigenen Blickfeldes bedeutet. Seine Toleranz gegenüber Andersdenkenden nimmt ab, was schließlich ebenfalls auf eine Desintegration der Gesellschaft hinführen kann.

Integrationsbemühungen sind natürlich immer von Vorteil. Ihr Ziel ist es ja, eine Gesellschaft aus Individuen zu schaffen, die einander respektieren, aufeinander Rücksicht nehmen, sich verstehen und in der sich jedes Individuum als Teil des Ganzen, als Teil der Gesellschaft selbst sieht.

Dennoch sind auch Gefahren zu bedenken, da es sowohl ein Zuwenig als auch ein Zuviel an Integration geben kann. Die Funktion Integration schlägt in diesem Fall um in eine Dysfunktion.

Die Massenmedien können sich, wie bereits erwähnt, desintegrierend im Sinne eines Zuwenig an gesellschaftlicher Integration auswirken. Dabei ist auch die Theorie von der wachsenden Wissenskluft (knowledge gap) zu berücksichtigen. Sie besagt Folgendes: „ Wenn der Informationsfluss von Massenmedien in ein Sozialsystem wächst, tendieren die Bevölkerungselemente mit höherem sozio-ökonomischen Status zu einer rascheren Aneignung dieser Information als die statusniedrigen Segmente, so dass die Wissenskluft zwischen diesen Segmenten tendenziell zu- statt abnimmt. “ 2 Gut Informierte und Gebildete nützen alle möglichen Quellen und bilden sich immer weiter, während weniger Gebildete auch weniger Gebrauch von Medien machen, und somit immer hinter den Gebildeten zurückbleiben werden. Weiterhin werden die neuen elektronischen Techniken immer teurer und somit nicht jedem in gleichen Maße zugänglich, was wiederum die schon bestehende kulturelle und kommunikative Kluft vertieft.

Dieses Problem betrifft auch die Dritte Welt: Das Bild beherrscht ein durchgehender Dualismus, eine Kluft zwischen Gebildeten und Analphabeten, arm und reich, Stadt und Land, Führungselite und Volk, Kommunikatoren und Mediennutzern. Eine Mittelschicht existiert nur in sehr bescheidenem Umfang, was dazu führt, dass das Fernsehen diese Kluft nur vergrößert. Während sich die Bildungselite weiterbildet, bleiben achtzig Prozent der Bevölkerung von der Mediennutzung, insbesondere von der Nutzung der Neuen Medien, ausgeschlossen.

Auch dieses Beispiel zeigt, dass die Funktion der Integration in eine Dysfunktion umschlägt, man also in diesem Zusammenhang eher von Desintegration durch Medien sprechen muss.

Genauso wie ein Zuwenig kann es auch ein Zuviel an Integration geben. Überintegration heißt „ü berm äß iges Vereinheitlichen, Verwischen aller Verschiedenheiten, Verlust an Pluralität. “ 3 Eine solche Gleichschaltung wurde im Nationalsozialismus mit allen propagandistischen Instrumenten bewusst betrieben. Diese Gleichschaltung steht stets im Zusammenhang mit der Förderung und Betonung des Nationalen, was durchaus von Vorteil sein kann, wenn es zum Beispiel der Nationbildung in der Dritten Welt dient. Nationalgefühl ist eine legitime und notwendige Voraussetzung für nationalen Konsens und im Normalfall verbunden mit Toleranz gegenüber anderen Nationen. Sobald sich jedoch das Nationalgefühl in einem extrem starken Nationalismus steigert, schlägt diese eigentlich positive Funktion der Medien in eine Dysfunktion um. Wie es enden kann, hat die Welt vor 65 Jahren gesehen.

2. Untersuchen Sie anhand von a) einer Wochenzeitung/eines Nachrichtenmagazins und b) anhand einer Tageszeitung ihrer Wahl ob, und welche Integrationsleistungen erbracht werden.

Trotz eingehender Lektüre verschiedener Tages- und Wochenzeitungen ist meine Ausbeute an Artikeln, die in gewisser Weise Integrationsleistungen erbringen, doch recht mager. Es wäre zwar überspitzt zu behaupten, dass diese Printmedien ihre Integrationsfunktion nicht erfüllen, vielleicht habe ich einfach den falschen Zeitpunkt erwischt. Trotzdem könnten meiner Meinung nach gerade Randgruppen wie zum Beispiel Homosexuelle oder Ausländer mehr angesprochen werden.

a) NACHRICHTENMAGAZIN STERN, 25.05.2000

Seite 42: „Alles Stief- oder was?“

Meine Kinder, deine Kinder, unsere Kinder. Je mehr Geschiedene sich neu binden, desto bunter werden die Lebensformen. Die traditionelle Kleinfamilie ist auf dem Rückzug.

Dieser Artikel beschreibt anhand verschiedener Beispielfamilien, angefangen mit der Kanzlerfamilie Schröder-Köpf, wie die Fusion von Stiefmüttern, Stiefvätern und Stiefkindern gelingen kann. Das kann vor allem für den mikrosozialen Bereich, die Familie, integrierend wirken, werden hier doch Verhaltensmuster angeboten, an denen man sich als sogenannte Patchworkfamilie orientieren kann.

b) TAGESZEITUNG Salzburger Nachrichten, 30.05.2000

Seite 3: „Flüchtlingslos: obdachlos?“

„ Derösterreichische Staat entzieht sich der Verantwortung für Flüchtlinge “ . Die Leiterin des Wiener UNHCR-Büros Karola Paul sprichtüber die dramatische Situation im Bereich der Betreuung von Asylbewerber inösterreich.

Von einer Integration von Ausländern, ihrer Eingliederung in die Gesellschaft ist auch im 21. Jahrhundert noch immer nicht die Rede. Die Medien scheuen sich glücklicherweise nicht davor, diese Missstände aufzudecken und die Probleme dieser Randgruppe aufzuzeigen.

Seite 5: „Australiens Wunden bleiben offen“

Australiens Premier verweigerte beim Versöhnungstreffen „ Corroboree 2000 “ eine offizielle Entschuldigung für das an Aborigines begangene Unrecht.

Integrierend könnte dieser Artikel insofern wirken, als man sieht wie in anderen Ländern Vergangenheitsbewältigung betrieben wird, und man den Vorfall in Australien kritisch betrachtet und bewertet, und zu dem Schluss kommt, dass Österreich ähnliche Probleme bei der Vergangenheitsbewältigung hat.

Seite 8: „China von Dürre heimgesucht“

China steckt in einer schweren Krise: 21 Millionen Menschen haben zu wenig Trinkwasser, auch in Peking.

Die Integrationsfunktion hat es zur Aufgabe, bei der Nationbildung mitzuwirken, aber auch, die anderen Nationen aufzuklären, damit etwas unternommen wird um den hilflosen und mittellosen Menschen geholfen werden kann und sie so Mitglieder der Gemeinschaft „Welt“ werden können.

Seite 13: „Neuer Kurs bei Lehrlingen“

Die Regierung wird die bisherigen Auffangnetze nicht fortführen, begründet wird der Kurswechsel mit der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt.

In diesem Artikel werden Problem angesprochen, die im Zuge der Abschaffung der Stiftungen ab Herbst zu erwarten sind. Diese betreffen insbesondere die „Randgruppen-Jugendlichen“ wie Sonderschüler oder Jugendliche aus desolaten Familienverhältnissen, die früher in den Stiftungen unterkamen.

Literatur

Haas Hannes

Mediensysteme

Wilhelm Braumüller, Wien 1990

Evangelische Kirche Deutschland

Chancen und Risiken der Mediengesellschaft

www.ekd.de

[...]


1 Haas, 167

2 Haas, 168

3 Haas, 170

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Integration durch Medien
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
7
Katalognummer
V98597
Dateigröße
333 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
1. Definieren Sie die Funktion 'Integration' und diskutieren Sie folgende Fragen: a) Wie verändert sich angesichts des politischen, gesellschaftlichen und medialen Wandels möglicherweise auch diese Funktion? b) Was spricht für, worin liegen aber auch mögliche Gefahren solcher Integrationsbemühungen?
Schlagworte
Integration, Medien
Arbeit zitieren
Laura Gandlgruber (Autor), 2000, Integration durch Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98597

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