Arbeitstechniken des Vergolders


Hausarbeit, 2003
18 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte des Vergolderhandwerks

2 Ausbildungszeit und Gehalt

3 Aufgaben und Tätigkeiten

4 Herstellung von Blattgold

5 Arten der Vergoldung
5.1 Mechanische Vergoldungen
5.2 Chemische Vergoldungen

6 Gängige Arten der Vergoldung
6.1 Mattvergoldung
6.1.1 Untergrundvorbehandlung
6.1.2 Das Anlegen
6.1.3 Das Anschießen
6.1.4 Das Einkehren
6.2 Polimentvergoldung
6.3 Hinterglasvergoldung

7 Quellennachweis

1 Geschichte des Vergolderhandwerks

Das Vergolderhandwerk kann auf über 5000 Jahre Geschichte zurückblicken. Sein Ursprungsland ist Indien. Das Vergolden von Figuren, Möbeln, Sakral- und Gebrauchsgegenständen war schon den Völkern des alten Orients bekannt. Im Laufe der Jahrtausende ist es über den Vorderen Orient nach Ägypten, Griechenland, Jugoslawien und nach Mitteleuropa vorgedrungen. Babylonier, Hethiter und Assyrer führten die Technik des Vergoldens tausende Jahre vor Christi Geburt aus. Im Alten Ägypten ist die Glanzvergoldung z.B. schon 2500 v. Chr. belegt.

Als in der Renaissance Adel und Klerus die Künstler mit Aufträgen überhäuften, blühte der Vergolderberuf auf. Bilder- und Spiegelrahmen wurden eigenständige Kunstwerke. Ganze Vergolderfamilien ließen sich nahe den Kirchenzentren und Höfen nieder, vererbten Berufsgeheimnisse von einer Generation zur anderen.

Außer der Kirche und dem Adel gehört im 18. Jahrhundert auch das zu Wohlstand gekommene Bürgertum zu den potentiellen Auftraggebern des Vergolders. Die weitere Ausdehnung in die bürgerlichen Wohnstuben dokumentiert sich im 19. Jahrhundert vor allem in der Herstellung von Bilderrahmen, die durch berufsspezifische Verzierungstechniken eine eigenständige Gestaltungsform entwickeln.

Der erste literarische Hinweis auf Materialien zur Vergoldung findet sich bei dem römischen Schreiber Plinius d. Ä. (”Naturalis historia”, 1. Jh.). Spätere Rezeptsammlungen wie das sogenannte ”Lucca- Manuskript” (9.Jh.) oder die ”Schedula diversarum artium” des Mönchs Theophilus von Helmershausen (12.Jh.) kennen bereits mehrere Arten von Blattvergoldungen, die unseren heutigen Verfahren schon sehr nahe kommen.

Das ”Malerbuch vom Berge Athos” aus dem 13. Jahrhundert enthält eine detaillierte Anleitung zur Durchführung einer Polimentvergoldung (Kreidegrund und Tonerde bilden den Untergrund, Polieren auf Hochglanz nur bei dieser Vergoldertechnik möglich), die nur mehr geringfügig von der heute üblichen Praxis abweicht. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Technik der Polimentvergoldung stetig verfeinert und erweitert, bis sie in der Skulpturenfassung der Spätgotik ihren vielleicht bedeutsamsten Leistungsstandard erreicht hatte. Spätestens seit diesem Zeitpunkt stellt sich die Polimentvergoldung als ein so kompaktes und ausgereiftes Verfahren dar, daß es handwerkstechnisch nicht mehr verbesserungsfähig war und bis in unsere Tage auch tatsächlich nicht mehr wesentlich verändert wurde.

Vergolder ist nach der Handwerksordnung ein Vollberuf. Frühere Fachrichtungen wie Vergolder- Fassmaler und Rahmenvergolder werden im heutigem Berufsbild nicht mehr geführt. Sowohl in der Geschichte wie auch in der gegenwärtigen Berufspraxis deckt sich in einigen Bereichen das Berufsbild des Vergolders mit dem des Maler und Lackierers (z.B. in der Kirchenmalerei).

2 Ausbildungszeit und Gehalt

Die Ausbildung beträgt in der Regel drei Jahre und findet in Berufsschulen oder in Fachschulen für Vergolder statt. Vergolder arbeiten in Vergolderwerkstätten und Restaurierungsbetrieben. Abhängig vom Auftrag sind sie in Werkstätten und direkt vor Ort, z.B. in Kirchen, Schlössern und Museen tätig. Weitere Arbeitsbereiche des Vergolders sind unter anderem die Bühnenbildnerei, das Gestaltungsbüro, der Schilderhersteller, die Siebdruckereien sowie Restaurierungswerkstätten. Der Verdienst des Vergolders ist abhängig von regionalen und branchenabhängigen Einkommensunterschieden, von Zulagen wie z.B. Urlaubsgeld, Vermögenswirksameleistungen oder dem 13. Monatsgehalt und vom Lebensalter. Generell beläuft sich der Betrag auf ca. 1900,-- €.

3 Aufgaben und Tätigkeiten

Die Aufgaben und Tätigkeiten beinhalten alle Arten von Vergoldung und Metallisierungen. Gestaltet werden beispielsweise Spiegel oder Gemälderahmen nach Kundenwunsch sowie nach eigenen Entwürfen und Skizzen, auch werden Rahmen angefertigt und Einrahmungsarbeiten durchgeführt. Sie stellen zum Verzieren alter Bilderrahmen Ornamente mit eigenen Druck- oder Gussmassen her. Sie führen Imitationsmalerei aus, wie z.B. Imitationen von Marmor oder Holz. Der Vergolder arbeitet auch im Außenbereich. Sie restaurieren alte Fassaden, schützen sie oder versehen sie mit Schmucktechniken. Es werden alte Fassungen freigelegt, retuschiert oder gefestigt.

Ein weiterer Arbeitsbereich ist die Farbgebung und Gestaltung von Objekten wie Figuren und Altären, Möbeln sowie Kunst- und Gebrauchsgegenständen.

Vergolder bearbeiten dabei verschiedene Untergründe, insbesondere Metall, Holz, Kunststoff, Glas und Stuck. Sie führen Verzierungen mit plastischen Ornamenten oder auch Malereien aus. Ein besonderes Aufgabengebiet sind Erhaltungs- und Renovierungssarbeiten. Vergolder verwenden für alle Arbeiten alte, seit Jahrhunderten gebräuchliche Werkzeuge wie Vergoldermesser, Spachtel und Poliersteine.

Vergolder haben Spezialisierungsmöglichkeiten in der Fassmalerei (arbeiten im sakralen und profanen Ausstattungsbereich) und in der Bilderrahmenherstellung.

Unter Vergolden oder auch Versilbern versteht man das Überziehen von Flächen oder Gegenständen mit dünnen Metallfolien. Dieses Überziehen geschieht durch Aufkleben der Metallfolien mit Binde- bzw. Klebemitteln der verschiedensten Art. Dabei ist zu unterscheiden, zwischen dem Blattgold, welches zum Echtvergolden verwendet wird und dem Kompositionsgold, dass als Ersatz für echtes Blattgold dient. Vergoldungen mit Kompositionsgold, Versilberungen und Blattgold unter 22 Karat müssen durch Überzug mit Lack gegen Verfärbungen durch Oxidation geschützt werden. Für die Außenvergoldung können nur Blattgoldsorten ab 23 Karat verwendet werden.

4 Herstellung von Blattgold

Doch zuerst eine kleine Einführung in die Herstellung des Blattgoldes:

Ausgangsprodukt zur Herstellung des Blattgoldes ist meistens ein Goldgranulat, bestehen aus reinem Gold ( 24 Karat) und Metallzusätzen wie z.B. Kupfer oder Zink. Durch die Zusätze von Silber und Kupfer erhält reines Gold verschiedene Farbtöne. Je mehr Silber desto heller - je mehr Kupfer, desto dunkler wird die Tönung. Die Hauptfarben des Blattgoldes sind:

Weißgold 8-14 Karat

Grüngold 15-16 Karat

Zitrongold 18-19 Karat

Gelbgold 20-22 Karat

Orangengold 22-22 3/4 Karat

Dukatengold 23 Karat, sowie alle Blattgoldsorten zwischen 23 und 24 Karat.

Zur Herstellung von 1500 Blatt benötigt man ca. 100 gr. Schmelzmaterial, die Zusätze müssen exakt abwogen werden.

Das Gold oder die Legierung wird nun bei ca. 1000-1200 °C in einem Schmelzofen mit Koks oder Gas- Luft- Gemisch geschmolzen. Der Schmelzvorgang dauert je nach Menge bis zu einer Stunde. Das flüssige Schmelzgut wird dann zu einem Barren oder Zain ausgegossen. Nach dem Abkühlen wird das Goldstück gewogen.

Der Metallbarren wird nun durch ein Stahlwalzwerk geschickt. Beim Walzen wird das Goldband durch den großen Druck sehr spröde und muss daher mit Öl geschmeidig gehalten werden. Das nun entstandene Goldband wird zur Rolle gewickelt. Das folgende Glühen im Ofen, das Zwischenglühen, dient zum weiteren weichglühen. Beim letzten Glühen muss es dann luftdicht abgedeckt werden, damit das Gold einen klaren, hellen Glanz und die größte Weichheit zur weiteren Verarbeitung bekommt. Das Goldband hat dann eine Dicke von 3/100 mm.

Es folgt das Feinwalzen mit 50/ 60 Walzvorgängen. Aus dem so entstandenem hauchdünnem Gold werden 4 x 4 Zentimeter große Quadrate geschnitten, die so genannten Quartiere. Diese werden zwischen Pergamentpapier gelegt und zu kleinen Bündeln gepackt, das so genannte Lot.

Es folgt der erste Schlagvorgang. Ein Federhammer ( an einer Feder aufgehängter Hammer) schlägt mechanisch auf das Lot, welches dabei gleichmäßig gedreht wird, um so ein gleichmäßiges Schlagbild zu erhalten. Das entstandene Quadrat hat nun die Maße zwölf mal zwölf Zentimeter und eine Stärke von 2/1000 mm.

Nun folgt das Zureißen, vom eigentlichen Arbeitsprozess ein Zuschneiden, d.h. kleine Quadrate werden zurecht geschnitten. Die entstandenen Blättchen werden in ein Folienpapier gelegt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Arbeitstechniken des Vergolders
Hochschule
Technische Universität Berlin
Veranstaltung
Einführung in die berufliche Fachwissenschaft
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V9860
ISBN (eBook)
9783638164573
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Vergolder
Arbeit zitieren
Susanne Petri (Autor), 2003, Arbeitstechniken des Vergolders, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9860

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