Die themenzentrierte Interaktion nach Ruth C. Cohn


Ausarbeitung, 2000
4 Seiten

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I. Einführung

a)Stillarbeit: „Was verstehst du unter einem humanen Ausbildungskonzept?“ Notiere hierzu einige Stichworte.

b) Rundgang: Jeder nennt maximal drei seiner Stichworte.

c) Ruth C. Cohn -

I. Biographie
II. Ihr Ansatz zur TZI

I. *27.08.1912 in Berlin; Tochter eines Bankiers und einer Pianistin, jüdische Abstammung. Bereits mit 17 möchte sie Psychoanalytikerin werden, sich und andere besser verstehen. Studiert bis 1933 in Berlin, dann Auswanderung nach Zürich. 1940 Auswanderung in die USA mit Mann und Baby. 1966 gründet sie die „Workshop Institutes for Living- Learning“ (WILL). Lehrt TZI auf vielen Kongressen auch in Europa. 1974 Anstellung an Ecole de l’Humanite in der Schweiz. Verbreitung und Weiterentwicklung der TZI in Deutschland. 1987 Gründung WILL- International. 1994 Ehrendoktorwürde der Universität Bern. Lebt heute in der Schweiz.

II. Grundlage der TZI ist die Empfindung der Defizite einer Theorie, die sich darauf beschränkt, Leute auf die Couch zu bitten, um sie und ihre Lebensgeschichte wie Objekte zu analysieren. Trotz Wiederstands begann sie, Fortbildungen für Psychologen anzubieten, die sich mit den Gefühlen und Vorstellungen, den Übertragungen der Psychoanalytiker gegenüber ihren Patienten befassen. In wöchentlichen Sitzungen trug je ein Gruppenmitglied ein Problem aus seiner Praxis vor. Die anderen steuerten Bemerkungen und Interpretationen bei. Diese Gespräche führten zu der Erkenntnis, dass die Anteilnahme am Leben des Anderer einer der zentralen Aspekte der Therapie seien. Diese neue Erkenntnis modifizierte sie für den pädagogischen und den politischen Bereich, indem sie Supervisionen für Leitungsteams anbot. Der Name dieser neuen Methodensammlung ist „Themenzentrierte Interaktion“, kurz TZI. Ihre Besonderheit besteht darin, dass dem Einzelnen (Ich) gleich viel Gewicht zugemessen wird, wie der Gruppe (Wir) und der zu bearbeitenden Aufgabe bzw. dem Sachthema (Es). Auch das die Gruppe umgebende Umfeld (Globe) muss einbezogen werden. Sie unterscheidet sich damit von dem traditionellen Unterricht, der ganz auf das Es konzentriert ist und der fast ausschließlich vom Dozenten bestimmt wird. Bei der TZI bleibt die Wir-Perspektive nicht verborgen, Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden findet statt. Die beiden Postulate, dass letztlich jeder selbst die Verantwortung für sein Tun hat, und dass Störungen Vorrang haben, gehören weiterhin dazu, ebenso wie die konkreten Interaktionsregeln.

Kurz: TZI ist ein Gruppenkonzept, das auf aktives, schöpferisches und entdeckendes Lernen - Lebendiges Lernen - ausgerichtet ist. Es hilft,

- Sich und andere im beruflichen wie im privaten Bereich besser wahrzunehmen;
- Selbständigkeit und Eigenverantwortung zu fördern;
- Wissensvermittlung lebendig und personenbezogen zu gestalten;
- Arbeitsnotwendigkeit mit Achtung vor der Person und der zwischenmenschlichen Beziehung zu verbinden (im Profit- wie im Non-Profit-Bereich);
- Unterricht und Besprechungen im Sinne lebendiger Kommunikation zu führen.

II. Das TZI-Haus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

a) Die Axiome

Die Axiome sind unabdingbare Voraussetzungen. Sie beschreiben das Fundament der TZI, sind ihre Legitimation oder Begründung. Sie lauten:

1. „Der Mensch ist eine psychobiologische Einheit und ein Teil des Universums. Er ist darum autonom und interdependent. Die Autonomie des Einzelnen ist um so größer, je mehr er sich seiner Interdependenz mit allen und allem bewusst wird.“

„Menschliche Erfahrung, Verhalten und Kommunikation unterliegen interaktionellen und universellen Gesetzen. Geschehnisse sind keine isolierten Begebenheiten, sondern bedingen einander in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“

2. „Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll; Inhumanes ist wertbedrohend.“

3. „Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender innerer und äußerer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich...Freiheit im Entscheiden ist größer, wenn wir gesund, intelligent, materiell gesichert und geistig gereift sind, als wenn wir krank, beschränkt oder arm sind oder unter Gewalt und mangelnder Reife leiden.“

b)Die existentiellen Postulate

Sie sind die methodischen Prinzipien der TZI. Methoden und Verfahren dürfen ihrem Geist nicht wiedersprechen. Auch „Daseins-Postulate“. Sie lauten:

1. „Sei deine eigene Chairperson!“ Das bedeutet: „Du bist deine eigene Leitperson. Höre auf deine inneren Stimmen - deine verschiedenen Bedürfnisse, Wünsche, Motivationen, Ideen; brauche alle deine Sinne - höre, sehe, rieche, nimm wahr. Gebrauche deinen Geist, dein Wissen, deine Urteilskraft, deine Verantwortlichkeit, deine Denkfähigkeit. Wäge Entscheidungen sorgfältig ab. Niemand kann dir deine Entscheidungen abnehmen. Du bist die wichtigste Person in deiner Welt, so wie ich in meiner.“

2. „Störungen haben Vorrang!“ Dazu: „ein Bild: Ein Felsblock liegt im Weg des Wanderers. Der Wanderer muss ihn wegräumen oder über ihn hinwegklettern oder ihn umgehen oder er muss zurückgehen und Hilfe holen. Eines kann er nicht, ohne sich zu verletzen: ihn nicht beachten...“

„Dieses Prinzip „Wiederstand vor Inhalt“ sah ich als Weg allen lebendigen Lernens: nicht Lern- und Lebensstörungen zu durchbrechen oder beiseite zu schieben, sondern sie anzuerkennen als Teil der Person.[...]Diese Anerkennung erlöst den Betreffenden von der Angst, nicht so sein zu dürfen, wie er ist.“

c) Die Methoden

1. das Leitungskonzept der TZI: „Ich bin als Leiter ein Teilnehmer wie ihr. Und ich bin führend.[...]Ich bin optimal (nicht maximal!) transparent für euch.[...]Der Leiter arbeitet an seiner eigenen Echtheit und Kongruenz.[...]Dies bedeutet eine absage an „eine Rolle spielen“ und das akzeptieren seiner Funktionen.“

2. Das Ich-Wir-Es im Globe: Das Prinzip der dynamischen Balance. Jede Gruppe ist durch vier Faktoren bestimmt: die Person (ICH), die Gruppeninteraktion (WIR), das Thema oder die Aufgabe (ES) und das Umfeld im engsten und weitesten Sinne (GLOBE). Ich, Wir und Es sind gleich wichtig, ebenso wie unsere nahe und ferne Umgebung. Dies ist die Basis der TZI- Gruppenarbeit. Die Faktoren gilt es in Balance zu halten.

3. Struktur-Prozess-Vertrauen: „Unerlässlich sind für professionelle TZI- Gruppenleiter Flexibilität im schöpferischen Ansatz sowie Kenntnisse, wie Gruppenprozesse und Arbeitsklima durch Strukturen gefördert und wodurch sie behindert werden können. Dazu gehören präzise Techniken der Aufteilung und Zusammenführung von großen und kleinen Gruppen[...]Die meisten Misserfolge bei der TZI-Gruppenarbeit resultieren aus Unkenntnis des jeweiligen Globe und nicht genügend durchdachtem strukturieren im Prozess.“

„Es ist meine Erfahrung, dass in jeder Arbeitssituation, in der Strukturen nicht den Erfordernissen der Situation dienen, das Vertrauen auch zwischen gutwilligen Menschen sinkt.“

Dies ist das zentrale Organisationsprinzip von Unterricht.

d) Die Hilfsregeln

1. „Vertritt dich selbst in deinen Aussagen; sprich per ich und nicht per wir oder per man.“
2. „Wenn du eine Frage stellst, sage, warum du fragst und was deine Frage für dich bedeutet. Sage dich selbst aus und vermeide das Interview.“
3. „Sei authentisch und selektiv in deinen Kommunikationen. Mach dir bewusst, was du denkst und fühlst, und wähle, was du sagst und tust.“
4. „Halte dich mit Interpretationen von anderen so lange wie möglich zurück. Sprich statt dessen deine persönlichen Reaktionen aus.“
5. „Sei zurückhaltend mit Verallgemeinerungen.“
6. „Wenn du etwas über das Benehmen oder die Charakteristik eines anderen Teilnehmers sagst, sage auch, was es dir bedeutet, dass er so ist (d.h. wie du ihn siehst).“
7. „Störungen haben Vorrang. Sie sind meist wichtig. Sie würden nicht geschehen, wenn sie nicht wichtig wären...“
8. „Nur einer zur gleichen Zeit bitte.“
9. „Wenn mehr als einer gleichzeitig sprechen will, verständigt euch in Stichworten, über was ihr zu sprechen beabsichtigt.“

III. Was bedeutet dies für die Praxis? Wie mache ich lebendige Unterricht?

- Das Thema sollte kurz und klar formuliert werden, und offen sein für eigene Einfälle, also dazu ermutigen, einen eigenen Zugang zum Thema zu finden.
- In der Vorbereitung sollte man zunächst seine eigenen Gefühle zum Thema, aber auch zur Gruppe klären.
- Lernziele sollten formuliert werden.
- Den Schülern soll Gelegenheit gegeben werden, Erfahrungen selber zu sammeln und voneinander zu lernen.
- Am Ende der Unterrichtsreihe sollte reflektiert werden: Was habe ich erkannt und erlebt - mit mir, mit anderen, mit dem Thema.
- Verschiedene Arbeitsweisen sollten verwendet werden: Rundgänge (Anti- Interaktion), Partner-, Klein- oder Großgruppenarbeit, Momente der Ruhe, in denen reflektiert oder zur Konzentration zurückgefunden werden kann etc.
- Nicht alles auf einmal wollen. Am besten bei sich selbst beginnen: Was will ich ändern, und wie kann das gehen? Mit kleinen Schritten fortfahren, vielleicht mal jemanden ermuntern, Ich statt Man zu sagen. Eine große Hilfe ist eine Supervisionsgruppe.

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Details

Titel
Die themenzentrierte Interaktion nach Ruth C. Cohn
Veranstaltung
Seminar - Allgemeine Didaktik II
Autor
Jahr
2000
Seiten
4
Katalognummer
V98603
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine knapp gehaltene Einführung
Schlagworte
Interaktion, Ruth, Cohn, Seminar, Allgemeine, Didaktik
Arbeit zitieren
Britta Bersch (Autor), 2000, Die themenzentrierte Interaktion nach Ruth C. Cohn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98603

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