Das Vergolderhandwerk kann auf über 5000 Jahre Geschichte zurückblicken. Sein Ursprungsland ist Indien. Das Vergolden von Figuren, Möbeln, Sakral- und Gebrauchsgegenständen war schon den Völkern des alten Orients bekannt. Im Laufe der Jahrtausende ist es über den Vorderen Orient nach Ägypten, Griechenland, Jugoslawien und nach Mitteleuropa vorgedrungen. Babylonier, Hethiter und Assyrer führten die Technik des Vergoldens tausende Jahre vor Christi Geburt aus. Im Alten Ägypten ist die Glanzvergoldung z.B. schon 2500 v. Chr. belegt.
Als in der Renaissance Adel und Klerus die Künstler mit Aufträgen überhäuften, blühte der Vergolderberuf auf. Bilder- und Spiegelrahmen wurden eigenständige Kunstwerke. Ganze Vergolderfamilien ließen sich nahe den Kirchenzentren und Höfen nieder, vererbten Berufsgeheimnisse von einer Generation zur anderen.
Außer der Kirche und dem Adel gehört im 18. Jahrhundert auch das zu Wohlstand gekommene Bürgertum zu den potentiellen Auftraggebern des Vergolders. Die weitere Ausdehnung in die bürgerlichen Wohnstuben dokumentiert sich im 19. Jahrhundert vor allem in der Herstellung von Bilderrahmen, die durch berufsspezifische Verzierungstechniken eine eigenständige Gestaltungsform entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte des Vergolderhandwerks
2 Ausbildungszeit und Gehalt
3 Aufgaben und Tätigkeiten
4 Herstellung von Blattgold
5 Arten der Vergoldung
5.1 Mechanische Vergoldungen
5.2 Chemische Vergoldungen
6 Gängige Arten der Vergoldung
6.1 Mattvergoldung
6.1.1 Untergrundvorbehandlung
6.1.2 Das Anlegen
6.1.3 Das Anschießen
6.1.4 Das Einkehren
6.2 Polimentvergoldung
6.3 Hinterglasvergoldung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit bietet einen umfassenden Einblick in das traditionelle Vergolderhandwerk, beleuchtet dessen historische Entwicklung und erläutert die verschiedenen Techniken sowie Arbeitsprozesse der Blattvergoldung.
- Historischer Abriss des Vergolderberufs von der Antike bis heute
- Berufsbild, Ausbildungsinhalte und Tätigkeitsspektrum des Vergolders
- Prozess der Blattgoldherstellung und Materialkunde
- Detaillierte Analyse der gängigen Vergoldungsmethoden
- Techniken der Matt-, Poliment- und Hinterglasvergoldung
Auszug aus dem Buch
Herstellung von Blattgold
Ausgangsprodukt zur Herstellung des Blattgoldes ist meistens ein Goldgranulat, bestehen aus reinem Gold ( 24 Karat) und Metallzusätzen wie z.B. Kupfer oder Zink. Durch die Zusätze von Silber und Kupfer erhält reines Gold verschiedene Farbtöne. Je mehr Silber desto heller - je mehr Kupfer, desto dunkler wird die Tönung.
Das Gold oder die Legierung wird nun bei ca. 1000-1200 °C in einem Schmelzofen mit Koks oder Gas- Luft- Gemisch geschmolzen. Der Schmelzvorgang dauert je nach Menge bis zu einer Stunde. Das flüssige Schmelzgut wird dann zu einem Barren ausgegossen. Nach dem Abkühlen wird das Goldstück gewogen.
Der Metallbarren wird nun durch ein Stahlwalzwerk geschickt. Beim Walzen wird das Goldband durch den großen Druck sehr spröde und muss daher mit Öl geschmeidig gehalten werden. Das nun entstandene Goldband wird zur Rolle gewickelt. Das folgende Glühen im Ofen dient zum weiteren weichglühen. Beim letzten Glühen muss es dann luftdicht abgedeckt werden, damit das Gold einen klaren, hellen Glanz und die größte Weichheit zur weiteren Verarbeitung bekommt. Das Goldband hat dann eine Dicke von 3/100 mm.
Es folgt das Feinwalzen mit 50/ 60 Walzvorgängen. Aus dem so entstandenem hauchdünnem Gold werden 4 x 4 Zentimeter große Quadrate geschnitten, die so genannten Quartiere. Diese werden zwischen Pergamentpapier gelegt und zu kleinen Bündeln gepackt, das so genannte Lot.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Geschichte des Vergolderhandwerks: Beschreibt die Ursprünge des Handwerks in Indien und dessen Verbreitung sowie die Entwicklung vom Altertum über die Renaissance bis in die Moderne.
2 Ausbildungszeit und Gehalt: Informiert über die Dauer der Ausbildung, die Arbeitsorte und die Einflussfaktoren auf die Vergütung in diesem Handwerksberuf.
3 Aufgaben und Tätigkeiten: Umreißt die vielfältigen Einsatzgebiete des Vergolders, von der Restaurierung bis zur Gestaltung von Rahmen und verschiedenen Untergründen.
4 Herstellung von Blattgold: Erklärt den technischen Prozess der Goldlegierung, des Walzens und des Schlagvorgangs zur Gewinnung hauchdünner Metallblätter.
5 Arten der Vergoldung: Differenziert zwischen mechanischen und chemischen Vergoldungsmethoden und ordnet die für das Handwerk relevanten Techniken ein.
6 Gängige Arten der Vergoldung: Detaillierte Darstellung der Arbeitsschritte bei der Matt-, Poliment- und Hinterglasvergoldung.
Schlüsselwörter
Vergolderhandwerk, Blattgold, Polimentvergoldung, Mattvergoldung, Hinterglasvergoldung, Mixtion, Goldgranulat, Fassmalerei, Restaurierung, Handwerk, Metallisierung, Schlagvorgang, Blattmetall, Vergoldungstechniken, Oberflächengestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Berufsbild des Vergolders sowie die traditionellen Techniken und Arbeitsprozesse zur Oberflächenveredelung mit Blattgold.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie, der Ausbildung, der Materialherstellung und der praktischen Anwendung verschiedener Vergoldungstechniken.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Einführung in die Arbeitstechniken des Vergolderhandwerks für Interessierte und angehende Fachkräfte zu bieten.
Welche wissenschaftlichen oder fachlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine fachliche Dokumentation, die auf handwerklichem Fachwissen und etablierten Prozessbeschreibungen der Vergolderkunst basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Materialkunde (Blattgoldherstellung) und die detaillierte Ausführung der wichtigsten Techniken wie Matt-, Poliment- und Hinterglasvergoldung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Blattgold, Vergoldungstechniken, Polimentvergoldung, Mattvergoldung und Restaurierung.
Wie unterscheidet sich die Polimentvergoldung von anderen Techniken?
Sie gilt als die edelste und anspruchsvollste Technik, da sie durch den Einsatz von Poliment (spezieller Tonerde) das Polieren auf Hochglanz ermöglicht.
Was ist bei der Hinterglasvergoldung besonders zu beachten?
Die Vergoldung erfolgt spiegelverkehrt auf der Rückseite des Glases, was eine besondere Planung der Motivdarstellung und eine saubere Reinigung der Glasoberfläche erfordert.
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- Susanne Petri (Author), 2003, Arbeitstechniken des Vergolders, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9860