Varietäten der deutschen Sprache. Gegenstand des Deutschunterrichts in der Sekundarstufe I


Bachelorarbeit, 2020

60 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Standardsprache – Umgangssprache – Varietät
2.1. Standardsprache
2.2. Umgangssprache (Regiolekt)
2.3. Varietät

3. Regiolekt (Coseriu) am Beispiel von Dialekt
3.1. Herkunft und Entstehung
3.2. Merkmale der Dialekte
3.2.1. Phonologische Ebene
3.2.2. Morphologische Ebene
3.2.3. Lexikalische Ebene
3.2.4. Syntaktische Ebene

4. Soziolekte am Beispiel Jugendsprache
4.1. Begriffsdefinition
4.1.1. Jugend
4.2. Jugendsprache
4.3. Geschichte der deutschen Jugendsprachforschung
4.4. Merkmale und Funktionen von Jugendsprache
4.4.1. Phonologische Ebene
4.4.2. Morphologische Ebene
4.4.3. Lexikalische Ebene
4.4.4. Syntaktische Ebene

5. Sprachvarietäten im Deutschunterricht
5.1. Kompetenzförderung
5.1.1. Grundlagen des Bildungsplanes Baden-Württembergs
5.1.2. Sprachvarietäten im Bildungsplan Baden-Württembergs
5.2. Dialekte im Deutschunterricht
5.2.1. Themen und Ziele für den Deutschunterricht
5.3. Jugendsprache im Deutschunterricht
5.3.1. Themen und Ziele für den Deutschunterricht

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Hamburg ‚hab ich dich lieb‘, in Berlin ‚lieb ick dir‘, in Ostfriesland ‚heb ick di leev‘, in Wien ‚liab i di‘, in der Schweiz ‚liäbä i di‘, in Bayern und im Schwabenland ‚mog i di‘ und die Jugend tippt in ihr Smartphone ‚hdl‘.

Alle diese Ausdrucksformen bilden Varietäten für die Worte ‚ich hab dich lieb‘ und beweisen die Heterogenität der deutschen Sprache. In der Sprachwissenschaft wurde diese in den 1970er Jahren wiederentdeckt, was sich an der Berücksichtigung von Begriffen wie ‚Soziolekt‘, ‚Dialekt‘ und ‚Gruppensprache‘ zeigt (vgl. Sinner 2014, 11).

Diese Heterogenität spiegelt sich auch bei der Jugend wider. Die ‚Jugendsprache‘, früher ‚Studentensprache‘ genannt, hat seit vielen Jahrzehnten Aktualität und sorgt andererseits immer wieder für Unverständnis und Missverständnis. Jugendsprachen werden sogar für Sprachverfall und Sprachverlust verantwortlich gemacht. Was meinen Jugendliche mit ‚cringe‘ oder ‚Habibi‘? Jugendwörter führen oftmals bei den älteren Generationen zu Verständigungsschwierigkeiten. Die Medien greifen das Thema ebenfalls auf, der Film ‚Fuck ju Göhte‘ sowie zahlreich erschienene Jugend-Wörterbücher sind bekannte Beispiele hierfür.

Viele verschiedene Lebensumfelder sind von sprachlichen Varietäten tangiert und auch an Schulen wird gesprochene Sprache in differenten Stilarten verwendet. Ist es aus diesem Grund sinnvoll, sprachliche Varietäten in den Unterricht aufzunehmen, um damit das Sprachbewusstsein und die Sprachkompetenz zu fördern? Auf welche Weise lassen sich sprachliche Varietäten wie zum Beispiel Regiolekte und Soziolekte konkret in den Unterricht einbeziehen?

Diese Arbeit befasst sich mit den Varietäten der deutschen Sprache und gibt einen Überblick, wie sie im Unterricht ihren Stellenwert finden können.

Als erstes werden die Begriffe ‚Standardsprache‘, ‚Umgangssprache‘ und ‚Varietät‘ mit ihren verschiedenen Ausprägungen definiert. Im Anschluss wird der Regiolekt am Beispiel ‚Dialekt‘ und der Soziolekt am Beispiel ‚Jugendsprache‘ näher betrachtet. Danach folgt eine Auseinandersetzung mit den sprachlichen Varietäten in Bezug auf die Unterrichtsdidaktik. Es werden Methoden aufgezeigt, mit Hilfe derer diese Themen im Deutschunterricht integriert werden können. Der Schwerpunkt wird hierbei wiederum auf die Varietäten ‚Dialekt‘ und ‚Jugendsprache‘ gelegt.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich in dieser Arbeit ausschließlich die männliche Form, es können dabei sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint sein.

2. Standardsprache – Umgangssprache – Varietät

2.1. Standardsprache

Unter ‚Standardsprache‘ versteht das Bibliographische Institut eine „über den Mundarten, lokalen Umgangssprachen und Gruppensprachen stehende, allgemein verbindliche Sprachform; gesprochene und geschriebene Erscheinungsform der Hochsprache“ (Bibliographisches Institut GmbH, 2019) und der Brockhaus definiert ‚Standardsprache‘ als „Allgemein verbindliche, genormte Sprachform einer Sprachgemeinschaft; früher auch als Hochsprache“ (Brockhaus Enzyklopädie, 2019).

Im Lexikon der Sprachwissenschaft von Bußmann wird ‚Standardsprache‘ wie folgt definiert:

„[Auch: Hochsprache, à Nationalsprache]. Seit den 70er Jahren in Deutschland übliche deskriptive Bezeichnung für die historisch legitimierte, überregionale, mündliche und schriftliche Sprachform der sozialen Mittel- bzw. Oberschicht; in diesem Sinne synonyme Verwendung mit der (wertenden) Bezeichnung „Hochsprache“. Entsprechend ihrer Funktion als öffentliches Verständigungsmittel unterliegt sie (besonders in den Bereichen Grammatik, Aussprache und Rechtschreibung) weitgehender Normierung, die über öffentliche Medien und Institutionen, vor allem aber durch das Bildungssystem kontrolliert und vermittelt wird. Die Beherrschung der [Standardsprache] gilt als Ziel aller sprachdidaktischer Bemühungen.“ (Bußmann 2008, 680).

Standardsprache wird auch als Hochsprache oder Hochdeutsch bezeichnet und in der Schule, bei der Arbeit und bei schriftlicher Kommunikation verwendet. Früher wurde über den Terminus ‚Hochsprache‘ oder ‚Hochdeutsch‘ der Standardsprache eine besondere Bedeutung zugesprochen und alle Varietäten, die eng an der Standardsprache orientiert waren, wurden gegenüber anderen Varietäten wie zum Beispiel Dialekten als höherwertig angesehen. Die bewusste Kultivierung der Standardvarietät über Schulen und Ausbildungseinrichtungen hat zu dieser Einstellung beigetragen. Über den Fachausdruck ‚Standardsprache‘ konnten diese Konnotationen beseitigt werden.

Bei Kindern wird spätestens mit dem Schulbeginn das Bewusstsein für die Standardsprache geschaffen, da das Beherrschen dieser Sprache für das Schreiben- und Lesen-Lernen essenziell ist (vgl. Felder, 2016, S. 21-26).

Dittmar bezeichnet ‚Standardvarietät als eine intersubjektive Verkehrssprache, die in gesellschaftlichen Institutionen, formalen Kontexten und an Schulen verwendet wird (vgl. Dittmar 1997, 201). Den Terminus ‚Standard‘ definiert er wie folgt: „‘Standard‘ wird geschrieben, er ist schriftlich kodifiziert (System von Vorschriften), besitzt überregionale Reichweite und Gültigkeit, wird vorzugsweise in institutionellen Kontexten und offiziellen Kommunikationssituationen benutzt und erscheint in der Alltagssprache (=Summe der Varietäten in einem bestimmten Varietätenraum) niemals in ihrer idealtypisch kodifizierten Norm.“ (Dittmar 1997, 201).

Wie Dittmar kennzeichnet auch Ammon Standardvarietäten als kodifiziert, was bedeutet, dass Sprachkodexe im Sinne autoritativer Nachschlagewerke vorhanden sind, als förmlich gelehrt und mit amtlichem Status. Die Einhaltung der Normen erfolgt durch die Kontrolle von Sprachnormautoritäten wie zum Beispiel Lehrern (vgl. Ammon, 2005, S. 32). Entgegen der oftmals herrschenden öffentlichen Meinung, Standardsprache bedeute völlige Einheitlichkeit, widerlegt er diese Behauptung am Beispiel der Wörter ‚Januar‘ und ‚Abitur‘. Diese beiden Wörter werden nicht im ganzen deutschen Sprachgebiet verwendet, die Österreicher und Schweizer benutzen hierfür auch in der Öffentlichkeit die Begriffe ‚Jänner‘ und ‚Matura‘ (vgl. Ammon, 2005, S. 28-32).

Im Alltagsverständnis der meisten Deutschen überwiegt die Meinung, es gebe eine einheitliche Standardsprache. Die Geschichte der deutschen Sprache jedoch zeigt aus wissenschaftlicher Sicht, dass nicht die Einheitssprache bestimmend war, sondern die regionalen Varietäten (Hochholzer, 2004, S. 22).

Die Regiolekte sind nach Földes sowohl aus chronologischer als auch funktionaler Sicht die primären Varietäten des Deutschen, während die sekundäre Standardsprache letztendlich nur ein theoretisches Konstrukt darstellt (Hochholzer, 2004, S. 22-23, S. 29; Földes, 2002, S.226). Standardsprache und Dialekt werden als die beiden herausragenden Varietäten des Deutschen angesehen, wobei die Dialekte oftmals als erstes gesprochen werden, und die Standardsprache erst in der Schule erlernt wird (vgl. Hochholzer, 2004).

Hermann vertritt die Meinung, die Standardsprache hat sich aus den Umgangssprachen entwickelt. Da die Umgangssprachen größerer Regionen für die Kommunikation nicht mehr ausreichten, bildete sich daraus die Standardsprache. Literatursprache, Kanzleisprache, Handelssprache und Bibelsprache stellten die Basis für eine gebietsübergreifende Vereinheitlichung des Deutschen dar. Die politische Einheit der Reichsregierung führte 1871 schließlich zur Festlegung der „Hochlautung", die als Basis für die standardisierte Aussprache gewählt wurde (vgl. Hermann, 1983, S. 104).

Linguistisch gesehen ist Standardsprache eine sprachliche Varietät neben vielen anderen, und dennoch ist das Beherrschen des standardnahen Schreibens und Sprechens bei beruflichen, institutionellen und karriererelevanten Kontexten immens wichtig (vgl. Dürrscheid & Schneider, 2019, S. 7-13). Die Standardsprache ist großräumlich verbreitet und fungiert als überregionale Orientierungsnorm. Mit ihr wurde eine Sprachform geschaffen, die in einem sehr großen Sprachraum verstanden wird (vgl. Lenz, 2008, S. 2-5).

2.2. Umgangssprache (Regiolekt)

‚Regiolekt‘ wird vom Bibliographische Institut als „in einer bestimmtenRegion gesprochener Dialekt“ definiert (Bibliographisches Institut GmbH, 2019).

Lenz bezeichnet Umgangssprachen auch als Regiolekte. Es handelt sich dabei um standardisierte Sprachvarietäten, die den sprechsprachlichen Bereich unterhalb der kodifizierten Standardsprache bilden. Darunter liegen alle Regionalsprachen des Deutschen, sie subsumieren die Dialekte, die regionalen Umgangssprachen (Regiolekte) und das regionale Hochdeutsch mit seinen regionalen Akzenten (vgl. Lenz, 2008, S.1-2). Den tiefsten Pol einer Umgangssprache bilden die Basisdialekte, die von Ort zu Ort variieren können und eine viel größere areale Vielfalt als die regionalen Umgangssprachen aufweisen. Die Umgangssprachen unterscheiden sich von den örtlichen Dialekten dadurch, dass sie die meisten nicht einheitlichen dialektalen Eigenheiten bezüglich Vokabulars, Grammatik und Aussprache zugunsten überregionaler sprachlicher Elemente abgelegt haben. Die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Dialekte bleiben oftmals erhalten und vermischen sich im Regiolekt mit Charakteristika derStandardsprache (vgl. Lenz, 2008, S.2).

Die aktuelle Sprachsituation in Deutschland weist drei Hauptvarietäten auf: den Dialekt, den Regiolekt und die Standardsprache. Je nach Region koexistieren Regiolekte neben Dialekten, zum Teil haben die Regiolekte die Dialekte bereits schon verdrängt. Das Dialektsprechen wird deutlich weniger und die Regiolekte, die eine Mischung aus den Polen Dialekt und Standardsprache bilden, nehmen zu (vgl. Stellmacher, 1998, S.16).

Die moderne Regionalsprachenforschung befasst sich mit der Abgrenzung von Regiolekten, Dialekten und Standardsprache und untersucht Zwischenstufen und Übergänge der Regionalsprachen. Abhängig von den Regionen zeigen sich hier ganz unterschiedliche Ergebnisse im deutschsprachigen Raum. In der Schweiz stellt der Dialekt die Alltagssprache aller Regionen und Bevölkerungsschichten dar, während in Deutschland ein deutliches Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen ist. In Süddeutschland gibt es ca. 60 bis 70 Prozent Dialektsprecher, während in Norddeutschland dieser Prozentsatz auf 30 bis 40 Prozent sinkt (vgl. Lenz, 2008, S. 2-4).

Auch Bellmann konstatiert, dass „Dialektumbau“ und „Dialektabbau“ zugunsten von Regiolekten stattfinden, und die Folgen Auswirkungen auf die Standardsprache haben (vgl. Bellmann, 1983, S.105-130): „Die Basisdialekte bauen ihre kontrastierenden Regeln und Inventarbestandteile ab, indem sie sie umbauen, und gelangen über Regionaldialekte in einen mittleren Bereich nahe der Standardsprechsprache, […]. Die Standardsprechsprache auf der anderen Seite senkt ihre Gebrauchsnorm und strebt damit demselben Zwischenbereich zu. [...] Die praktische Kommunikation der überwiegenden Mehrheit der Individuen findet heute inventarmäßig in dem breiten Spektrum des mittleren Bereiches statt, meidet womöglich überhaupt den Dialekt und erreicht nicht völlig, intendiert oder nicht, die kodifizierte Norm der Standardsprechsprache.“ (Bellmann 1983, S. 117).

Dieselbe Position wie Bellmann nimmt auch Macha ein, für ihn sind die regionalen Umgangssprachen die Nachfolger der alten Dialekte und bilden ein Kommunikationsmedium, über das die meisten verbalen Interaktionen des heutigen Deutsch abgewickelt werden. Umgangssprachen der Städte im Süden sind dialektbezogen und kleinräumiger als im Norden, wo sie sich mehr standardbezogen und großräumiger darstellen (vgl. Macha, 2006, S. 154).

2.3. Varietät

In der Linguistik herrscht gemäß Sinner keine Einigkeit darüber, was mit dem Terminus ‚Varietät‘ genau gemeint ist und wie er abzugrenzen ist, dadurch kann er auch nur sehr schwer definiert werden. In der Varietätenlinguistik steht Varietät mit Wörtern wie ‚variieren‘, ‚Variable‘, ‚Variante‘ und ‚Variation‘ im Zusammenhang, die alle auf die lateinischen Namen ‚variare‘ (sich verändern) und ‚varius‘ (verschiedenartig, mannigfaltig) zurückzuführen sind. Varietät wird für das sprachliche System verwendet, Variante für die einzelne sprachliche Einheit. Variablen können verschiedene Werte annehmen wie am Beispiel der Variable ‚Aprikose‘ mit den Varianten ‚Aprikose‘ und ‚Marille‘ zu erkennen ist. Unter Variation sind die vielen unterschiedlichen Realisierungsmöglichkeiten der Versprachlichung zu verstehen (vgl. Sinner, 2014, S. 19-28).

Die Varietätenlinguistik setzt sich auf sprachwissenschaftlicher Ebene mit den Varietäten auseinander und zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört:

1. Die Beschreibung der Varietäten
2. Die Untersuchung der Herkunft bestimmter Varietäten
3. Die Frage nach der Bewertung und dem Status von Varietäten (vgl. Sinner, 2014, S. 11-19).

Auch Berruto sieht wie Sinner eine zufriedenstellende Definition von ‚Varietät‘ als schwierig an. Er bezeichnet Varietäten als bestimmte Realisierungsformen eines Sprachsystems, die zusammen mit spezifischen sozialen und funktionalen Merkmalen auftreten und somit den Sprecher oder die Gebrauchssituation charakterisieren (vgl. Berruto 2004, 189). Die größte Schwierigkeit bei der Definition von‚Varietät‘ besteht in Bezug auf die Mengen und Typen von Merkmalen, da nicht eindeutig geklärt ist, welche Menge und welche Typen von Merkmalen benötigt werden, um von einer eigenständigen Varietät zu sprechen (vgl. Berruto 2004, 189). Ferner ist es nicht einfach, Sprachvarietäten abzugrenzen, einzuordnen und zu unterscheiden, da in einer Sprache nicht alles variabel ist, sondern es „einen stattlichen invariablen Kern des Systems gibt, und folglich alle Varietäten ein und derselben Sprache einen nicht geringen gemeinsamen Teil (common core) haben“ (Berruto 2004, 189).

Dittmar definiert Varietäten als „Menge sprachlicher Strukturen wie Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik, Lexikon und Pragmatik, die relativ zu außersprachlichen Faktoren wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Gruppe, Religion, historische Periode, Stil etc. in einem Varietätenraum geordnet sind“ (Dittmar 1997, S. 177). Mit Varietätenraum und sprachlichen Merkmalen befasst sich auch Bußmann. In einem mehrdimensionalen Varietätenraum tangieren sich sprachliche Merkmale verschiedener linguistischer Ebenen, und Bußmann bezeichnet Varietät als Ausprägung von sprachlichem Verhalten im Varietätenraum. Die außersprachlichen Merkmale wie Gruppe, Schicht, Region, Situation und historische Dimension sind dabei varietätendefinierend und Bezeichnungen mit dem Grundwort ‚Lekt‘ wie Dialekt, Genderlekt, Soziolekt, Situolekt und Historiolekt haben sich etabliert (vgl. Bußmann, 2008, S. 772).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sprache und Varietäten

(Quelle: Soziolinguistik. Sprachliche Varietäten: https://slideplayer.org/slide/14407988/90/images/8/Sprache+und+Variet%C3%A4ten.jpg)

Analog Bußmann betont auch Neuland, dass sprachliche Varietäten sich nicht mit starren Merkmalen strukturieren lassen, sondern in einem multidimensionalen Varietätenraum stattfinden. Die Varietät ‚Jugendsprache‘ wird zum Beispiel unterhalb der Standardsprache lokalisiert, korrespondiert jedoch wechselseitig mit dieser (vgl. Neuland, 2018, S. 101-103). Hochholzer weist ebenfalls auf die Problematik der Abgrenzung von Varietäten hin und auf die Schwierigkeit der Eingliederung von gesprochener Sprache und geschriebener Sprache in den Varietätenraum (vgl. Hochholzer, 2004, S. 25-27).

Felder trifft zu Varietäten folgende Aussage: „Eine Varietät ist eine Sprache in der Sprache oder eine strukturell abgrenzbare Subsprache (Teilsprache) innerhalb einer Gesamtsprache. Varietäten sind Subsysteme in einem sprachlichen Gesamtsystem“ (Felder, 2016, S. 9).

Die Varietäten lassen sich durch innersprachliche und außersprachliche Merkmale differenzieren, dabei fokussiert die Varietätenlinguistik die innersprachlichen Merkmale wie phonetisch-phonologisch, graphematisch, morphologisch, lexikalisch, syntaktisch und textuell und die Soziolinguistik die außersprachlichen wie geographische, soziale und fachlich-funktionale (vgl. Felder, 2016, S. 9-15).

Zur Bestimmung von Varietäten stellt Felder ein Vier-Dimensionen-Modell vor, das sowohl sprachwissenschaftliche als auch soziologische Kriterien berücksichtigt und verschiedene bestehende Modelle der Varietätenlinguistik beachtet. Die vier Dimensionen fordern die Berücksichtigung von Perspektiven auf

- die Ausdrucksformen
- das Inhaltssystem
- die Medialität der Zeichen bzw. Zeichentypen
- die historischen Zeitstufen (vgl. Felder, 2016, S. 58-59)

Lehmann bezeichnet sprachliche Varietät als eine Ausprägung einer Sprache auf einer der folgenden vier Dimension des Diasystems nach Coseriu: die diaphasische Dimension, die diastratische Dimension, die diatopische Dimension und die diachronische Dimension (vgl. Lehmann, 2017).

Die diaphasische Dimension behandelt unterschiedliche Sprachstile wie mündliche und schriftliche Sprache in verschiedenen Kommunikationskontexten. Im mündlichen Sprachstil variiert der Sprachstil abhängig vom Gesprächspartner, vom Gesprächsgegenstand und vom sozialen Kontext (vgl. Coseriu, 2007, S. 24).

Die diastratische Dimension bezeichnet verschiedene soziokulturelle Sprachschichten einer Sprachgemeinschaft. Es bilden sich Soziolekte wie zum Beispiel die ‚Jugendsprache‘, die für bestimmte sozial definierte Gruppen charakteristisch sind. Es handelt sich hierbei um Varietäten, bei denen nach Alter, Geschlecht und Beruf unterschieden wird (vgl. Coseriu, 2007, S.24).

Die diatopische Dimension bezieht sich auf die lokale und regionale Ausprägung der Gesamtsprache. Die Verschiedenheit im Raum führt zur Bildung von unterschiedlichen Dialekten an verschiedenen Orten des Sprachgebiets und von Regiolekten, die das Resultat eines strukturellen Ausgleichs zwischen Dialekt und Hochsprache sind (vgl. Coseriu, 2007, S. 24; Dittmar, 1997, S. 195-198).

Die diachronische Dimension ist nicht in einer Reihe mit den anderen Dimensionen zu sehen, da sie orthogonal zu ihnen verläuft.

Jedes sprachliche Phänomen wie auch die diaphasischen, diatopischen und diastratischen Varietäten können sowohl synchron als auch diachron angesehen werden (vgl. Lehmann, 2017).

Sinner verweist auf Überschneidungen, zu denen es bei der Auseinandersetzung mit der diatopischen und diaphasischen Perspektive kommen kann. Oftmals können diatopische Varietäten nur unter Beachtung der diastratischen Perspektive betrachtet werden. Eine Klassifizierung der Sprachvarietäten kann bei der Differenzierung von diatopischer, diastratischer und diaphasischer Ebene zu Problemen führen. Dies zeigt sich bei der Differenzierung von Dialekt, Hochsprache und Umgangssprache (vgl. Sinner, 2014, S. 139-140).

Zusammengefasst kann anhand zahlreicher Forschungsergebnisse resümiert werden, dass es keine scharfen Grenztrennungen zwischen den Varietäten gibt und auch keine Homogenität vorherrscht, sondern die Übergänge zwischen den Varietäten fließend sind und Heterogenität besteht (vgl. Maitz, 2009, S. 2-9). Einigkeit unter den Forschern besteht lediglich darin, „dass Varietäten in einer ersten Annäherung als an bestimmte areal und/oder sozial und/oder situativ markierte Gebrauchskontexte gebundene kohärente Sets kookkurrierender sprachstruktureller Merkmale (d.h. Strukturen und Strukturregeln) aufzufassen seien“ (Berruto, 2004, S. 189).

Diese Arbeit befasst sich, von Lehmanns Definition ausgehend, mit der diatopischen und der diastratischen Dimension. Zur diatopischen Dimension gehören die Regiolekte, die am Beispiel von Dialekten untersucht werden. Zur diastratischen Dimension zählen die Soziolekte, die anhand der Jugendsprache erörtert werden. Für beide soll sowohl ihre Bedeutung für den Deutschunterricht als auch eine mögliche unterrichtliche Aufbereitung aufgezeigt werden.

3. Regiolekt (Coseriu) am Beispiel von Dialekt

Coseriu bezeichnet die deutsche Sprache als eine ‚historische Sprache‘. Historische Sprachen sind durch einen eigenen Namen gekennzeichnet und können nicht konventionell abgegrenzt werden. Bei der historischen Sprache handelt es sich um verschiedene Sprachsysteme, die phonetisch, grammatisch und lexikalisch unterschiedlich sind. Die historischen Sprachen sind nach dem Diasystem von Coseriu (siehe auch Kapitel 2) diatopisch, diastratisch und diaphasisch differenziert (vgl. Coseriu, 2007, S. 24-25). Diese drei Haupttypen innerer Verschiedenheit können kombiniert sein und haben unterschiedliche Grenzen (vgl. Coseriu, 2007, S.141). Die diatopische Dimension bedeutet die Verschiedenheit im Raum und führt zur Bildung verschiedener Dialekte und Regiolekte (vgl. Coseriu, 2007, S. 24). Wie in Kapitel zwei bereits angeführt, stellt hierbei der Dialekt den tiefsten Pol eines Regiolektes dar (vgl. Lenz, 2008, S.2).

Im Brockhaus wird ‚Dialekt „als örtlich oder regional gebundene besondere Form einer Sprache definiert“ (Brockhaus Enzyklopädie, 2019) und im Bibliographischen Institut als „a) Mundart; Gruppe von Mundarten mit gewissen sprachlichen Gemeinsamkeiten b) regionale Variante einer Sprache“ (Bibliographisches Institut GmbH, 2019). Bei beiden Nachschlagewerken fällt der Begriff ‚Mundart‘ als Synonym auf. Löffler weist daraufhin, dass die Definitionen von ‚Dialekt‘ oder ‚Mundart‘ in der Sprachwissenschaft keineswegs eindeutig sind. Es herrscht weder Klarheit darüber, was unter Dialekt oder unter Mundart zu verstehen ist, noch, ob es überhaupt Unterschiede zwischen den Begriffen gibt und wie sie abgegrenzt werden können (vgl. Löffler, 2003, S. 1). Macha verweist jedoch darauf, dass die beiden Begriffe in der heutigen Sprachwissenschaft als synonym gebraucht werden (vgl. Macha, 2006, S.150).

Der Terminus ‚Dialekt‘ entstammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet ‚Gespräch‘, ‚Redeweise‘ und wurde in derselben Form in das Lateinische als ‚dialectus‘ übernommen. Der römische Schriftsteller Sueton meint mit ‚dialectos Doris‘ die unterschiedlichen, landschaftlich geprägten Varianten des Griechischen (vgl. Löffler, 2003, S.2).

Bausinger kennzeichnet ‚Dialekt‘ als charakteristische Form und Färbung der Sprache, die in einer bestimmten Region Anwendung findet. Ein Dialekt ist stets komplementär zu einer Einheitssprache (vgl. Bausinger, 1989, S.100). Dialekte sind somit eigene sprachliche Systeme mit eigenen Regeln und unterschiedlich großen Verbreitungsgebieten. Die sogenannten Ortsdialekte werden nur in einem kleinen Umkreis gesprochen, während andere Dialekte sich über weiträumigere Areale ziehen (vgl. Kaufmann, 2016).

3.1. Herkunft und Entstehung

Die Geschichte der Dialekte findet ihren Ursprung im antiken Griechenland. Die dialektale Sprache‘ beinhaltet drei Bedeutungsdimensionen: 1. Gespräch, 2. Redeweise und 3. Redeweise von Personengruppen. Die Römer übernehmen das griechische Wort in Form und Inhalt und verwenden es entsprechend (vgl. Niebaum & Macha, 2006, S. 1-2).

Im germanischen Sprachraum waren sprachgeschichtlich betrachtet immer schon Dialekte vorhanden. In der Ersten Lautverschiebung, die ungefähr zwischen 500 bis 300 vor Christus abgeschlossen war, fand die Trennung der frühengermanischen Sprachen wie dem Altsächsischen, Altenglischen, Altnordischen und dem Gotischen von den indogermanischen Sprachen statt. Die dialektalen Unterschiede im Zeitraum zwischen Christi Geburt und dem 6. Jahrhundert nach Christ lassen sich nur schwer nachvollziehen, da nur wenig schriftlich dokumentiert ist (vgl. Kaufmann 2016). Die Zweite Lautverschiebung fand zwischen 600 und 800 nach Christus statt und schuf eine dialektale Grenze. Sie unterteilte den germanischen Sprachraum in Nord und Süd, in Niederdeutsch und Hochdeutsch. Die hochdeutschen Dialekte gliedern sich in mitteldeutsche Dialekte wie zum Beispiel Obersächsisch, Ostfränkisch und Rheinfränkisch und oberdeutsche Dialekte wie dem Alemannischen Dialekt. Die Regionalsprachen im Norden beteiligten sich nicht an der Lautverschiebung und erhielten die Bezeichnung ‚Niederdeutsch‘ (vgl. Kaufmann 2016).

Im frühen Mittelalter bildeten sich immer mehr Dialekte aus, was vor allem auf die Kleinstaaterei, fehlende Mobilität und fehlende Schriftsprache zurückzuführen ist (vgl. Kaufmann, 2016). Niebaum und Macha führen an, dass im Mittelalter der Begriff ‚Dialekt‘ jedoch kaum verwendet wurde, da die ‚Übersprache Latein‘ die Volkssprachen Europas in den Hintergrund drängte. Erst als um 1500 sich die Volkssprachen gegen die lateinische Sprache durchsetzten, bekam auch der Begriff ‚Dialekt‘ wieder Bedeutung (vgl. Niebaum & Macha, 2006, S. 1-5).

Die mittelalterlichen „lantsprachen" bildeten die Vorläufer der Dialekte. Die Bevölkerung schloss sich in politische und verwaltungsmäßige Einheiten zusammen, und es entwickelten sich eigene Sprachräume. Die Entstehung dieser Kommunikationsräume hatte neben politischen und rechtlichen auch wirtschaftlichen und infrastrukturellen Gründen. Ebenso wichtig war die Abgrenzung nach außen, die sich in der Entwicklung eines Wir-Bewusstseins und einer regionalen und lokalen Identität zeigte.

Aufgrund dessen kann es sprachliche Unterschiede in eng beieinanderliegenden Orten geben (vgl. Bausinger 1989, 103). Die ‚lantsprachen‘ orientierten sich an den Grenzen der Herzogtümer. Das Herzogtum Schwaben grenzte im Norden an das Herzogtum Franken und bis heute liegt hier eine Dialektgrenze vor. Ferner grenzte es an das Herzogtum Bayern, wo heute noch die schwäbische Mundart vorherrscht (vgl. Bausinger, 1985, 274-275).

Dialekte sind älter als die Standardsprache, aber sie sind keine germanischen Stammessprachen, auch wenn Bezeichnungen wie ‚das Alemannische‘ oder ‚das Fränkische‘ darauf schließen lassen könnten. Diese Bezeichnungen haben die Dialekte von Wissenschaftlern erhalten, die in ihrem germanischen Denken an den Stammesursprung glaubten (Bausinger, 1985, S. 102-103). In der Geschichte der Dialekte wurde immer wieder ihr Untergang prognostiziert. Als Gründe hierfür galten die Aufklärung, die steigende Bildung, der wachsende Verkehr, die Politik, die Massenmedien und die Bevölkerungsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg (vgl. Bausinger, 1989, S. 104). Diese Prognosen erwiesen sich alle als falsch, es gab zwar Tendenzen zur sprachlichen Einheitssprache, die jedoch gleichzeitig Gegentendenzen auslösten und Dialekt als Sprache emotionaler Identität und kultureller Traditionen hochschätzten (vgl. Bausinger, 1989, S. 104).

Heute gibt es in Deutschland 16 größere Dialektverbände, dazu gehören unter anderem Alemannisch, Bayerisch, Brandenburgisch, Nordniederdeutsch, Obersächsisch, Ostfränkisch, Ostwestfälisch, Rheinfränkisch und Westfälisch. Auf dem Land sprechen die Menschen häufiger Dialekt als in den Städten, Dialektsprecher kommen aus allen sozialen Schichten und das Dialektsprechen hängt in keinster Weise vom Bildungsniveau ab (vgl. Kaufmann 2016).

3.2. Merkmale der Dialekte

Eine Methode, um Differenzierungen zwischen den verschiedenen Dialekten festzustellen, ist die Untersuchung der Dialektgrenzen auf Dialektkarten. Die Unterschiede lassen sich anhand bestimmter Merkmale festmachen, deren Grenzlinien verfolgt und gewichtet werden. Die meisten Unterschiede beziehen sich auf die phonologische Ebene, ein Beispiel hierfür ist das Wort ‚Apfel‘ oder ‚Appel‘. Darauf folgen die lexikalischen Unterscheidungen: in Berlin kaufe ich ‚Schrippen‘, in Hamburg ‚Brötchen‘, in Stuttgart ‚Weckle‘, in Würzburg ‚Wecken‘ und in München ‚Semmeln‘. Ferner treten Unterschiede auf morphologischer und syntaktischer Ebene auf (vgl. Bausinger 1989, S. 101-102).

Ein Kriterium für die Gliederung der Dialekte ist die Entwicklung der germanischen Verschlusslaute ‚p‘, ‚t‘ und ‚k‘. Die sogenannte ‚Benrather Linie‘ grenzt den niederdeutschen Dialektraum ab, die ‚Zweite Lautverschiebung‘‘ wurde in diesem Raum nicht durchgeführt, und somit blieben die germanischen Verschlusslaute ‚p‘, ‚t‘ und ‚k‘ erhalten. Beispiele hierfür sind im ‚Plattdeutschen‘ Formen wie ‚ik‘, ‚maken‘, ‚Dorp‘, ‚dat‘, ‚Appel‘, und ‚Pun‘, die sich im Oberdeutschen zu den Formen ‚ich‘, ‚machen‘, ‚Dorf‘, ‚das‘, ‚Apfel‘ und ‚Pfund‘ verschoben haben (vgl. Lenz, 2008, S. 6-7 & Niebaum & Mach, 2006, S. 105-106).

Zwischen Ober- und Niederdeutsch liegt der mitteldeutsche Raum, in dem die Lautverschiebung sehr different stattgefunden hat. Zum Teil beinhalten Wörter noch das germanische ‚t‘, wie im Moselfränkischen Dialekt beispielsweise bei den Begriffen ‚dat‘ und ‚wat‘. Zum Teil wurde das ‚p‘ abgelöst, und es heißt nicht mehr ‚Dorp‘ oder ‚helpen‘, sondern ‚Dorf‘ und ‚helfen‘ (vgl. Lenz, 2008, S. 6-7 & Niebaum & Mach, 2006, S. 105-106).

Die Dialekteinteilungskarte nach Wiesinger gibt eine graphische Übersicht über die Dialekträume des deutschen Sprachraums:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Dialekteinteilungskarte nach Wiesinger

(Quelle: Wiesinger, 1983)

Mittels der Defizit-Hypothese zeigt Löffler die Abgrenzung von Dialekt zur Standardsprache auf und verweist darauf, dass die nachfolgenden Kriterien weit verbreitet, jedoch veraltet und sprachwissenschaftlich bereits widerlegt sind:

1. Linguistisches Kriterium:

Ein Dialekt ist ein Subsystem eines übergeordneten Sprachsystems und hierbei muss die gegenseitige Verstehbarkeit gewährleistet sein. Die Abweichung zwischen Sprach- und Subsystem auf allen grammatischen Ebenen darf nur bis zu diesem Punkt gehen. Eine exakte Angabe der Abweichung bezüglich der Verstehbarkeit kann nicht angegeben werden (vgl. Löffler 2003, S. 3).

2. Kriterium des Verwendungsbereiches:

Dialekte finden überwiegend im familiären Bereich, am Arbeitsplatz und in mündlichen Kommunikationen Anwendung, während Standardsprache in mündlicher und schriftlicher Rede, im öffentlichen Bereich sowie in Wissenschaft, Bildungseinrichtungen, Literatur, Kunst, Religion usw. eingesetzt wird. Alle Verwendungsbereiche der Dialekte lassen sich auch durch die Standardsprache abdecken, aus diesem Grund kann eine Abgrenzung nach Verwendungsbereich nicht als generell angesehen werden (vgl. Löffler, 2003, S. 5).

3. Kriterium der Sprachbenutzer:

Eine Abgrenzung nach den Varietäten ‚Dialekt‘ und ‚Standardsprache‘ kann aufgrund der Personenkreise, die die jeweilige Varietät anwenden, erfolgen. Dialekte werden als eine Varietät betrachtet, die überwiegend in der Unterschicht verwendet wird, also von Bauern, Arbeitern und Handwerkern mit geringerer Schulbildung. Die Mittel- und Oberschicht spricht in der Varietät ‚Standardsprache‘, hierunter fallen Beamte, Akademiker, Unternehmer mit gehobener Schulbildung (vgl. Löffler, 2003, S. 6). Das Kriterium der Sprachbenutzer ist jedoch wiederum nicht allgemeingültig, denn auch in der Unterschicht wird Standardsprache gesprochen und im Süden Deutschlands kommunizieren die oberen Schichten im Dialekt (vgl. Löffler, 2003, S. 6).

4. Kriterium der sprachgeschichtlichen Entstehung:

Standardsprache wird als „Vereinigungsform von zeitlich vorgelagerten Dialekten als Verkehrs- oder Kultursprache“ (Löffler, 2003, S. 6) bezeichnet. Erst durch den Buchdruck und Luthers Bibelsprache entstand eine deutsche Kultur- und Einheitssprache als Kompromiss zu den verschiedenen Dialekten (vgl. Löffler, 2003. S.6).

5. Kriterium der räumlichen Erstreckung:

Dieses am weitesten verbreiteten Kriterium konstatiert Dialekte als orts- und raumgebunden und als landschaftsspezifisch. Die Standardsprache dagegen existiert überörtlich und ist räumlich nicht begrenzt (vgl. Löffler, 2003, S. 7).

[...]

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Varietäten der deutschen Sprache. Gegenstand des Deutschunterrichts in der Sekundarstufe I
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2,0
Jahr
2020
Seiten
60
Katalognummer
V986230
ISBN (eBook)
9783346350428
ISBN (Buch)
9783346350435
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Varietät, Dialekt, Soziolekt, Jugendsprache, Regiolekt, Standardsprache, Umgangssprache
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Varietäten der deutschen Sprache. Gegenstand des Deutschunterrichts in der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986230

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