Marcus Tullius Cicero


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

12 Seiten, Note: 13


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3. - DAS LEBEN UND WIRKEN DES REDNERS, STAATSMANNES UND PHILOSOPHEN

I - Der römische Sklavenhalterstaat und seine Krise

Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. geriet der römische Sklavenhalterstaat (umspannte damals fast gesamten Mittelmeerraum) in eine Krise. Diese konnte er aber in schweren Kämpfen bis zum Jahre 30 v. Chr. überwinden und weitere 200 Jahre großer Machtentfaltung wurden erlebt, ehe im 3. Jahrhundert n. Chr. ein Niedergang unaufhaltsam einsetzte.

Der Senatsadel, der regierende Teil des Reiches (nicht einmal 1 Prozent der Bevölkerung, manche Forscher sprechen von 0,01 Prozent), war den Herrschaftsaufgaben dieses ,,Weltreiches" nicht mehr gewachsen. Die sogenannten Ritter ordo equester (abeiteten als Geschäftsleute, Bankiers und Großhändler eng mit der Nobilität zusammen), von der politischen Machtausübung praktisch auszuschließen, erwies sich auf Dauer als unmöglich. Zur Zeit von Ciceros Geburt wurde das römische Herr aus einem sich jeweils selbst ausrüstenden Bauernaufgebot in ein Berufsheer verwandelt. Es war ein Herr was sich in Kämpfen bewährte, doch auch bald seinerseits zum Problem wurde. Zuerst stiegen erfolgreiche Generäle mehrfach in höchste Machtpositionen auf, obwohl sie nicht zum Kreis der bisher führenden Familien gehörten (Marius, Sulla, Pompeius, Caesar), und bald, noch zu Ciceros Lebzeiten, erkannten die Soldaten selbst ihre Chance. Es entstand eine ,,Organisation der armen Bürger", die nicht nach Belieben der Herrschenden zu leiten war (69 n. Chr. erstmalig ein Kaiser vom Heer gewählt).

Doch immer mehr Probleme bereiteten zunehmend auch im Kampf eroberte Gebiete. Korruption und Ausbeutung dieser Provinzialen waren alltäglich, da von Rom aus eine Kontrolle der eingesetzten Beamten als schier unlösbar erschien.

Zurück in das 1. Jahrhundert v. u. Z.. Durch die Heeresreform wurden die Kontingente der italischen Bundesgenossen socii, für die Kriegsführung keineswegs entbehrlich. Um deren Erscheinen im Bedarfsfalle zu sichern, hatte bis Ende des 2. Jahrhunderts ein Bündnissystem ausgereicht (ohne sie voll ins römische Staatswesen zu integrieren), das sie zur Heerfolge verpflichtete. 91-88 kam es jedoch zum sogenannten Bundesgenossenkrieg (bei Cicero auch ,,Italischer Krieg"), mit dem Ergebnis, dass das Bürgerrecht an alle Italiker (Einwohner des antiken Italien) verliehen wurde.

Ebenfalls Kunde von inneritalischen Schwierigkeiten der Römer war 89 v. Chr. ein gewaltiger Aufstand im Osten des Reiches. Streitigkeiten um den Oberbefehl führten zu inneren Kämpfen, in deren Verlauf Rom von den eigenen Truppen erobert und gebrandschatzt wurde, und das wieder löste einen Aufstand in den spanischen Provinzen aus. Und während noch römische Elitetruppen in Ost und West gebunden waren, erhoben sich 74 v. Chr. in Italien die Sklaven unter der Führung des Spartakus (dritter großer Sklavenaufstand, vorher 136 und 104). Nach einer Reihe bitterer Niederlagen wurden die Römer auch des Spartakusaufstandes Herr und übten entsetzliche Rache. Doch diese Vorgänge hatten bewiesen, dass es galt, Aufstände zu vermeiden, statt sie niederzuschlagen.

II - Cicero

Unter diesen komplizierten Verhältnissen also begann Cicero sein Dasein als Redner, Philosoph und Staatsmann.

Der Beginn der gesellschaftlichen Karriere Ciceros

Marcus Tullius Cicero wurde am 3. Januar 106 v. Chr. (unter dem Konsulat des Quintus Servillius Caepio und Gaius Atilius Serranus) bei Arpinum (Kleinstadt, etwa 100 km südöstlich von Rom) auf dem Landgut seines Vaters geboren. Der Beiname Cicero bedeutete soviel wie ,,Kichererbse", worauf der junge Marcus Tullius jedenfalls stolz war. Als Marcus sieben Jahre alt war, siedelte er, sein 3-jähriger Bruder Quintus, sein Vater (hieß ebenfalls Marcus Tullius Cicero) und seine Mutter Helvia, wegen besserer Erziehungsmöglichkeiten für die Kinder, nach Rom über. Dort kümmerte sich der berühmte Redner Crassus um die beiden, welche zusammen von griechischen Lehrern gelehrt wurden. Bereits in frühester Jugend zeigte Cicero besonderes Interesse und Neigung für Rhetorik (Lehre von der wirkungsvollen Gestaltung der Rede). Im Jahre 90 v. Chr. erhielt Cicero die Männertoga toga virilis (Zeichen der Volljährigkeit) und wurde durch seinen Vater in die Obhut des berühmten Rechtsgelehrten Quintus Mucius Scaevola gegeben, wo er eine Einführung in das Studium der Rechte bekam. Als der Priester Scaevola im Jahre 87 v. Chr. starb wurde Cicero Schüler eines anderen berühmten Juristen. In jene Zeit fällt auch die Begegnung Cicero mit Titus Pomponius Atticus, der sein ganzes Leben lang sein bester Freund blieb. Währenddessen befand sich Cicero wahrscheinlich, auch etwa 90 v. Chr., als Kriegsdienstleistender im Bundesgenossenkrieg, doch eine militärische Karriere schien ihm wahrscheinlich wenig verlockend und er kehrte mit der ersten sich bietenden Gelegenheit nach Rom zurück.

Sein Dasein widmete Cicero nun völlig dem Studium. In jener Zeit beteiligte er sich in keiner Weise am gesellschaftlichen Leben und gerade in diesen Jahren beschäftigte er sich verstärkt mit dem Studium der Philosophie, des Rechts und der Rhetorik.

Aus dem Jahre 81 v. Chr. stammt die erste uns überlieferte Gerichtsrede Ciceros, der Advokat in der Rolle des Verteidigers.

Die folgenden zwei Jahre verbrachte Cicero in Athen, Kleinasien und Rhodos. Cicero kehrte nach Rom beteiligte sich aber vorerst nicht am politischen Leben. Bald nach seiner Rückkehr heiratete Cicero Terentia, ein Mädchen aus einem angesehen römischen Geschlecht. Doch statt aus Liebe war es wohl eher eine aus nüchterner Berechnung geschlossene Verbindung.

Im Jahre 76 v. Chr. begann Ciceros gesellschaftspolitische Karriere mit der Wahl zum Quästur. Seine Hauptaufgabe bestand darin die kontinuierliche Getreideversorgung Roms zu organisieren. Wieder in Rom angekommen trat er in einer Reihe von Prozessen als Verteidiger auf. Nach der Quästur trat Cicero dem Senat bei, wo er auch bald den Ruf eines ausgezeichneten Redners erlangte. Im Jahre 70 v. Chr. erlangte er ohne große Probleme die Ädilität. In jener Zeit fällt auch die Klage Ciceros gegen Verres. In seinen sieben Reden gegen den frühen sizilischen Prätor gewinnt er das Ansehen als ,,erster Redner". Nach dem Sieg im Prozess, riss man sich geradezu, seine Dienste als Verteidiger in Anspruch zu nehmen. In den Jahren 70 bis 67 v. Chr. trat er mehrfach in Zivilprozessen auf, für die er anscheinend auch beträchtliche Honorare erhielt.

Dieser Verres-Prozess hatte auch zweifellos günstigen Einfluss auf seine weitere politische Laufbahn. Im Sommer 67 v. Chr. wurde Cicero als erster von allen Kandidaten zum Prätor gewählt.

Cicero stand nun in diesen Jahren vor dem entscheidenden Schritt seiner politischen Karriere, die Erringung des Konsulats.

Das Konsulat Ciceros und die Verschwörung des Catilina Ciceros politischer Standpunkt in jenen Jahren ist schwer zu definieren. Keinesfalls gehörte er zu den extrem Konservativen, zu den bedingungslosen Anhängern der Senatsoligarchie, den Sullaner. Anderseits erhob er niemals Anspruch auf die Rolle eines Volksführers, eines Demokraten. Cicero scheint eher in der Mitte sich durch seine Schwierigkeiten hindurchgewunden zu haben. Ihm war bewusst, dass der Kampf um das Konsulat nicht mit ,,halben Tönen" geführt werden konnte. Er unterstützte öffentlich Pompeius, den in jenen Jahren wohl populärsten unter den Feldherrn und Politikern Roms. Nach seiner Prätor lehnte er die Verwaltung einer Provinz ab, da der Kampf um das Konsulat Ciceros vordringlichste Aufgabe war.

Diese Ratschläge gab Quintus Tullius Cicero seinen Bruder Marcus als sich dieser um das Konsulat bewarb. Ciceros Lage war dadurch erschwert, dass er ein ,,neuer Mann"homo novus war, ,,ohne Vorrechte der Herkunft", ohne adelige Ahnen.

Infolgedessen konnte sich Cicero im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern nur auf seinen Ruf als angesehener Redner und Advokat (Rechtsanwalt) stützen. Das reichte aber nicht aus. Zwei Dinge sind es, die nach Quintus Ansicht einem Kandidaten die Stimmen der Wähler sichern: ,,der Eifer der Freunde und die Zuneigung des Volkes. Man müsste die freundschaftlichen Beziehungen festigen und erweitern und mit allen Mitteln die Magistrate, Senatoren und Ritter für sich gewinnen zu suchen. Auch dürfte man nicht die kleinen Leute, die Klienten, Freigelassenen, die Bürger seiner Tribus und nicht einmal die Sklaven vernachlässigen; wenn diese auch an den Wahlen nicht teilnehmen, so hänge der Ruf eines Mannes in mancher Beziehung doch von dem Urteil seiner Diener ab".

Cicero konnte all diese Ratschläge nutzen. In einigem halfen ihm seine Konkurrenten selbst. Einer seiner größten Widersacher ,,Lucius Catilina stammte aus einer vornehmen Familie; er hatte bedeutende Anlagen des Geistes und große Körperkraft, aber einen bösen und verderbten Charakter. Von früher Jugend an waren Bürgerkrieg, Mord, Raub, Zwietracht im Staate seine Lust und die Schule seiner Jünglingsjahre. Hunger, Frost, Wachen ertrug er in unglaublichem Grade. Er besaß einen kecken, tückischen, ränkevollen Geist, war ein Meister in Heuchelei und Verstellung, nach fremdem Gute gierig, verschwenderisch mit dem eigenen, glühend in seinen Leidenschaften, ein Mann von hinreichender Beredsamkeit, aber von wenig tiefer Einsicht. Alle Wünsche dieses keine Schranken kennenden Geistes waren maßlos, abenteuerlich, unerreichbar." So wurde Catilina von einem jüngeren Zeitgenossen, dem Historiker Sallust charakterisiert.

Auch Cicero malte seinem Hauptwidersacher keineswegs ein rosiges Bild. In seiner ersten Rede gegen Catilina Catilinaria fragte Cicero: ,,Wenn Tiberius Gracchus wegen des Versuchs, die bestehende Verfassung ein wenig zu ändern, erschlagen worden ist, wie kann man dann einen Catilina dulden, der die ganze Welt mit Feuer und Schwert verwüsten will?" Cicero charakterisierte dessen politischen Absichten so: ,,Jetzt greifst du ganz unverhohlen das ganze Staatswesen an, bedrohst die Tempel der unsterblichen Götter, die Häuser unser Stadt, das Leben aller Bürger, ganz Italien mit Verwüstung und Vernichtung." Catilina hatte sehr lange an völlig legalen Kampfformen und am verfassungsmäßigen Weg festgehalten. Seine politische Karriere entwickelte sich anfangs sogar sehr günstig und so normal wie viele ähnliche Karrieren junger Römer aus aristokratischen (adeligen) Familien. Im Jahre 68 war Catilina Prätor und erhielt danach die Provinz Africa zur Verwaltung. Nach Rom kehrte er im Jahre 66 zurück, und von nun an begann für ihn eine Serie von Misserfolgen.

Er richtete seine Kandidatur für das Amt des Konsuls (für das Jahr 65 v. Chr.) ein, musste sie aber noch vor den Wahlkomitien zurückziehen, da eine Delegation aus der Provinz Africa Klage gegen den ehemaligen Statthalter eingereicht hatte.

Unter anderem dieses Ereignis war anscheinend der Anlass für die sogenannte erste Verschwörung des Catilina. An ihr beteiligten sich außer Catilina auch die erfolglosen Konsulbewerber Autronius, Sulla, Gnaeus Piso und sogar Crassus und Caesar. Die Verschwörer hatten die Absicht, die neuen Konsuln in den Tagen ihres Amtsantritts zu ermorden, was jedoch fehlgeschlagen war.

Im Jahre 65 wurde Catilina wegen der Beschwerde der africanischen Delegation gerichtlich belangt, wurde aber jedoch freigesprochen. Doch der Prozess zog sich derart in die Länge, dass sich Catilina auch an den Konsulatswahlen für das Jahr 64 nicht beteiligen konnte. So erlitt Catilina zum zweiten Mal einen Misserfolg. Aber das entmutigte ihn nicht, vielmehr begann er, sich aktiv auf die Wahlen für das Jahr 63 vorzubereiten. Es fand nun eine ganz massive Wahlkampagne statt, welche ihren Höhepunkt im Sommer 64 fand. Catilina wollte neue Schuldbücher, d. h. die Aufhebung aller alten Schulden. Er fand sowohl unter den verschuldeten Aristokraten und den verarmten Veteranen Sullas als auch unter den niederen Volksschichten großen Anklang.

Während der Konsulatswahlen kandidierten für das Jahr 63 sieben Bewerber. Die besten Chancen hatten tatsächlich Catilina und Gaius Antonius. Die Aussichten ihres ernsthaftesten Widersachers Cicero waren durch eine nicht adlige Herkunft beeinträchtigt. Möglicherweise hätte Cicero auch nicht die Wahl gewonnen, wenn nicht völlig unerwartet etwas vorgefallen wäre. Der Adel korrigierte sein Verhältnis zu Cicero. Ein zweitrangiger Teilnehmer der Verschwörung Catilinas erzählte seiner Geliebten von den Plänen der Verschwörer. Dadurch verbreitete sich das Gerücht von den Absichten Catilinas und seiner Anhänger in ganz Rom und schon neigte sich die Wagschale zu Ciceros Gunsten. Catilina fiel bei der Wahl durch, und Cicero und Gaius Antonius wurden gewählt. Die ehrenvollen Pflichten als Konsul, der höchsten Amtsperson des Römischen Reiches, übernahm Cicero am 1. Januar 63 v. u. Z.. Für Cicero bedeutete diese Wahl die Erfüllung seiner ehrgeizigen Wünsche, der Höhepunkt seiner politischen Laufbahn.

Doch auch jetzt verließ Catilina noch nicht den legalen Weg. Er bereitete sich auf die Konsulwahlen für das Jahr 62 vor. Gleichzeitig warb er neue Teilnehmer für eine Verschwörung. Jedoch begann er keine gesetzeswidrigen Handlungen, das zwang auch Cicero eine abwartende und vorsichtige Haltung einzunehmen.

Und obgleich Cicero später, als der offene Kampf zwischen ihm und Catilina bereits begonnen hatte, in seinen Reden eine Beschuldigung nach der anderen erhob, ist eben aus diesen Catilinarischen Reden (vier Reden) ersichtlich, dass längst nicht alle an die Richtigkeit dieser Anschuldigungen glaubten. Cicero reichten offenbar nicht die Fakten aus. Je näher der Termin der Neuwahlen heranrückte, desto gespannter wurde die Situation. Der Wahlkampf entbrannte heftiger denn je. Vier Bewerber wetteiferten miteinander: Catilina, der Jurist Sulpicius Rufus, der angesehene Feldherr Licinius Murena und Decimus Iunius Silanus. Rufus nahm seine Kandidatur zurück, da er sich entschloß gegen Murena eine Klage wegen Wählerbestechung einzureichen.

Diese Wendung erhöhte Catilinas Chancen beträchtlich, doch in der Stadt verbreiteten sich verleumderische Gerüchte über ihn (u. a. Vorbereitung der Ermordung Ciceros). Auf der Senatssitzung am 20. Oktober 63 machte Cicero auf die Gefahr aufmerksam, die dem Staat drohe. Am folgenden Tag erläuterte er vor dem Senat die entstandene Lage noch ausführlicher und wandte sich am Schluss seiner Rede unmittelbar an Catilina und forderte ihn auf, sich zu den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen Stellung zu nehmen. Zum größten Erstaunen und zur Empörung der Senatoren versuchte sich Catilina nicht einmal zu rechtfertigen, sondern erklärte, dass seiner Meinung nach der Staat aus zwei Körpern bestehe: ,,aus einem gebrechlichen mit schwachen Kopf und einem starken ohne Kopf".

Danach verließ Catilina ,,demonstrativ" die Senatssitzung. Seine Worte beeindruckten anscheinend die Senatoren, dass sofort die Verhängung des Ausnahmezustandes verkündet wurde und den Konsuln unbeschränkte Vollmächte bei der Staatsführung übertrugen wurde. Unter ruhigen Wahlen wurden wurden Decimus Iunius Silanus und Lucius Licinius Murena als Konsuln für das Jahr 62 gewählt. Catilina war wiederum durchgefallen, auch sein vierter Versuch, das Konsulat auf legalem Weg zu erringen, hatte mit Misserfolg geendet.

Nun erst beschritt Catilina den anderen Weg des Kampfes. Auf einer eilig zusammengerufenen Beratung der Verschwörer verkündete er seine Absicht. Zwei angesehene Teilnehmer der Verschwörung erklärten sich bereit, schon am nächsten Tag mit Cicero abzurechnen. Aber dieser Mordanschlag missglückte: Cicero, von Informanten gewarnt, hatte sein Haus mit einer Schutzwache umgeben, die den Verschwörern den Einlass zu einem Morgenbesuch verwehrte.

Am 8. November tagte erneut eine außerordentliche Senatssitzung, auf der der Konsul statt des üblichen Berichts unerwartet eine ausdrucksvolle Rede hielt, die sogenannte erste Rede gegen Catilina Catilinaria (erste von vier Reden). Aufgebaut nach allen Regeln der Redekunst, hatte sie großen Erfolg. Cicero forderte Catilina auf, das er Rom verlassen solle, weil zwischen ihm, ,,der sich auf die Kraft der Waffen stütze, und dem Konsul (also Cicero selbst), der lediglich der Kraft des Wortes vertraue, die Stadtmauer sein müsse". Catilina erkannte, dass die erdrückende Mehrheit des Senats ihm feindlich gesinnt war, und hielt es für das Beste, am gleichen Abend Rom zu verlassen.

Cicero erklärte am nächsten Tag, am 9. November, zu beginn seiner zweiten Rede vor dem Volk, in der ihm eigenen Manier, unter Ausnutzung aller rhetorischen Mittel: ,,Er ist auf und davon, entwischt, ausgebrochen."

Der letzte Monat der Herrschaft der Konsuln des Jahres 63 hatte begonnen. Es fand eine tragische Wendung statt. Catilinas Anhänger, die in Rom geblieben waren, verloren nicht den Mut, sondern legten Entschlossenheit und Energie an den Tag. Die führende Gruppe der Verschwörer leitete jetzt Publius Cornelius Lentulus. Der Aktionsplan war bereits ausgearbeitet worden: Ein Volkstribun (Lucius Bestia) sollte das Signal für den entscheidenden Aufbruch geben. Er sollte Ciceros Tätigkeit scharf kritisieren und ihn verantwortlich machen für den faktisch schon begonnenen

Bürgerkrieg. Eine große Abteilung von Verschwörern hatte dann die Stadt an 12 Stellen gleichzeitig anzuzünden.

Ein Herr namens Cethegus wurde mit der Ermordung Ciceros beauftragt und eine Reihe jugendlicher Verschwörer aus aristokratischen Familien mit der Beseitigung ihrer eigenen Eltern.

Zu dieser Zeit befanden sich auch die Gesandte des gallischen Stammes der Allobroger in der Stadt, um sich über die ,,Repressalien der Magistrate und das Treiben der publicani (Steuerpächter)" zu beschweren (brachten Allobroger bis an den Rand des völligen Ruins). Es wurde geplant diesen gallischen Stamm für die Teilnahme am Aufstand zu gewinnen. Anfangs gelang es die Allobroger mit verschiedenen Versprechen zu locken, bis Cicero darüber informiert wurde.

Alles weitere verlief wie am Schnürchen. Als die Allobroger mit dem sie begleitenden Vertreter der Verschwörer (Titus Volurcius) versuchten die Stadt zu verlassen, wurden sie auf Ciceros Anordnung angehalten und in die Stadt zurückgebracht. Cicero hatte schriftliche Beweise (erhielt diese durch ein geschickte Ausnutzung der Unerfahrenheit der Verschwörer) für die verbrecherische, gegen Staat gerichtete Tätigkeit der Verschwörer in den Händen und befahl sie in Haft zu nehmen. Das Gerücht über die Aufdeckung der Verschwörung und die Verhaftung ihrer Führer verbreitete sich über die ganze Stadt. Während die Senatssitzung stattfand, strömten riesige Massen Volksmassen. Cicero erhielt Beifall und wandte sich mit der dritten Catilinaria, an das Volk. Am 5. Dezember berief Cicero erneut eine Senatssitzung ein, um das weitere Verfahren festzulegen, mit denen die sich in Haft befanden und schon des Hochverrats für schuldig befunden worden sind.

Als erster erhielt der Konsul für das Jahr 62 gewählte Decimus Iunius Silanus das Wort. Er sprach sich für das höchste Strafmaß aus, wie ihm auch eine Reihe von Senatoren zustimmten. Als jedoch die Reihe an Gaius Iulius Caesar kam, sprach er sich gegen die Todesstrafe aus, da sie eine gesetzeswidrige Maßnahme und außerdem ein gefährlicher Präzedenzfall sei. Die Rede verfehlte ihr Ziel. Statt dessen wurde der Vorschlag eingebracht, die endgültige Entscheidung über das Schicksal der Verschwörer bis zum Sieg über Catilina und seine Truppen aufzuschieben. In dieser schwieriger Situation brachte die äußerst scharfe, aber überzeugende Rede des Marcus Porcius Cato die endgültige Entscheidung. Nach seinem Auftreten stimmte die Mehrheit der Senatoren für die Todesstrafe. Noch am späten Abend des

5. Dezember wurden die Häftlinge durch die Hand des Henkers erdrosselt.

Bald wurde dem Retter und Konsul durch einen besonderen Beschluss der Volksvertretung der offizielle Dank ausgesprochen und der Ehrennahme ,,Vater des Vaterlandes"pater patriae verliehen. Die übereilte, ungesetzliche Hinrichtung der fünf Verschwörer war wohl der ,,vorletzte Akt des Dramas". Viele Anhänger Catilinas verließen sein Lager, als die Nachricht vom Schicksal des Lentulus, Cethegus und der anderen Verhafteten zu ihnen drang. Und obgleich Catilina noch lebte und seine Truppen noch nicht zerschlagen waren, war die Bewegung im wesentlichen unterdrückt.

Zwischen Triumph und Verbannung

Das Konsulat und der Sieg über Catilina sind Gipfelpunkte in Ciceros politischer

Laufbahn, die bis dahin sehr erfolgreich und geradlinig verlaufen war. Doch bereits vor Ablauf seines Konsulats begannen sich Wolken über ihn zusammenzuziehen. Die einen werden durch Hindernisse und Misserfolge gestählt, während andere dadurch aus der Bahn geraten. Zu den letzteren gehörte Cicero. Er musste sich bald davon überzeugen, dass die Periode der Erfolge und des Glücks beendet war.

Am 10. Dezember 63 v. Chr. traten die neu gewählten Volkstribunen ihr Amt an. Einer dieser, der Quintus Caecilius Metellus Nepos, begann gleich nach Amtsübernahme eine aktive Kampagne gegen Cicero (beschuldigte ihm u. a. der gesetzeswidrigen Hinrichtung römischer Bürger). In darauffolgender Zeit wurden die Vorwürfe gegen Cicero wiederholt und es wurde angestrebt gegen ihn eine gerichtliche Klage anzustrengen. Noch in diesen Tagen kam Caesar als ein weiterer Widersacher Ciceros hinzu.

Im Januar 62 spielte sich in Norditalien der letzte Akt der Verschwörung des Catilina ab. Ab diesem Januar verlief das Jahr 62 relativ ruhig. Allerdings hörten die politischen Prozesse gegen die ehemaligen Catilinarier nicht auf.

Am Ende des Jahres 62 v. Chr. kehrte Pompeius mit seinen Truppen nach Rom zurück. Die Konsuln des Jahres 61 waren Marcus Pupius Piso und Marcus Valerius Messala. Die Konsulwahlen des Jahres 60 v. Chr. skrupelloser Korruption gekennzeichnet.

Im Februar 58 legte Clodius (im Oktober 59 v. Chr. zum Volkstribun gewählt) einen Gesetzentwurf vor, der einen beabsichtigten Schlag gegen Cicero darstellte. Es sollten danach alle verbannt werden, die beschuldigt waren, römische Bürger ohne Gerichtsverhandlung zum Tode zu verurteilen. Nach Veröffentlichung des ihn betreffenden Gesetzentwurfs geriet Cicero in völlige Verzweiflung. Das Gesetz wurde anscheinend am 20. März angenommen, nachdem Cicero bereits Rom verlassen hatte. Am Tage der Annahme des gegen Cicero gerichteten Gesetzes ließ Clodius dessen Haus in Rom anzünden und seine Villen plündern.

Clodius und seine Anhänger genossen in dieser Zeit die bedingungslose Unterstützung breiter Bevölkerungsschichten Roms.

Verbannung und Rückkehr

,,O, mein Bruder, mein Bruder, mein Bruder" - mit diesem Verzweiflungsschrei begann Cicero einen Brief aus der Verbannung an seinen Bruder Quintus. Ciceros Verhalten in der Zeit der Verbannung, all seine Briefe zeugen von tiefer Bestürzung, Verzweifelung und Depression, hatte er doch seine Abreise aus Rom anfangs offensichtlich nur für eine kurzfristige Übergangslösung gehalten.

Die Verbannung war für ihn ein ,,Trauma", warf ihn für lange aus dem Gleise und dennoch zog er einen praktischen Lehren daraus. ,,Er nahm vorläufig nur auf, was and er Oberfläche lag, hielt die Folgen und äußeren Erscheinungen für die Ursachen selbst und wertete alle Geschehnisse äußerst egozentrisch. Deshalb war er persönlich auch nicht imstande, sich zum Verständnis der Aufgaben der ,,hohen Politik" durchzuringen.

Die Briefe aus dieser Zeit bezeugen, dass sich die Depression, in der sich Cicero seit dem ersten Tag seiner Verbannung befand, keineswegs gebessert hatte.

Zu Beginn des Jahres 57 hatte Pompeius eine Reihe von Munizipien und Kolonien besucht, von wo er aus einigen sogar Sympathieerklärungen für Cicero mitbrachte. Ende Mai fand eine Senatssitzung statt, mit dem Beschluss das jeder auf dem Territorium Italiens, der das Stimmrecht besaß, zur Teilnahme an jener Versammlung, auf der die Frage nach Ciceros Rückkehr erörtert werden sollte, zu zwingen. Von den 417 anwesenden Senatoren stimme nur einer dagegen - Clodius selbst. Gleichzeitig wurde anscheinend auch entschieden, Cicero wieder in alle Rechte einzusetzen und ihm sein Vermögen zurückzuersetzen.

Seine 17 Monate lange Verbannung hatte ein Ende.

Die Rückkehr nach Rom wurde zu einem wahren Triumphzug. Die Bewohner der an der via Appia gelegenen Städte und Dörfer kamen mit ihren Familien, um den berühmten Konsul und Redner zu begrüßen.

Am 4. September 57 v. Chr. erwartete ihn eine große Menschenmenge am Stadttor von Rom. Nichtendehnwollende Hochrufe begleiteten Cicero zum Capitol, um den Göttern für seine Rückkehr und für die Wiederherstellung der gröblich verletzten Gerechtigkeit zu danken. Die ersten Tage seines Aufenthalts in Rom zeigten ihm jedoch ziemlich deutlich, dass er die allgemeinen Veränderungen und auch seine eigene Situation nicht richtig erkannt hatte. Er war nicht mehr die zentrale Figur des politischen Lebens in Rom, ihm wurde von nun an nur eine zweitrangige Rolle zugewiesen.

Zwei oder drei Tage nach seiner Rückkehr musste er sich schon wieder gegen Attacken des Clodius verteidigen. Die allgemeine Veränderung der Lage bestand darin, dass der politische Kampf in Rom aus der üblichen und ,,gesetzlichen" Form, aus dem Stadium der Diskussionen und Debatten in Straßenschlachten bewaffneter Abteilungen übergegangen war, die bald Clodius, bald seine Gegner Milo und Sestius anführten.

In den Jahren 56 und 55 v. Chr. blieb eine gespannte Lage in Rom. Die Abteilungen des Clodius und des Milo hielten Straßenschlachten.

Ciceros Stellung hatte sich in diesen Jahren nicht verändert, sie blieb wie vorher schwankend und zweitrangig. Doch er, nicht in Untätigkeit verharrend, interessierte sich lebhaft für Neuigkeiten und alle Nuancen der politischen Situation. Zudem arbeitete er in diesen Jahren verstärkt an seinen theoretischen Werken und beschäftigte sich sehr intensiv mit der Advokatspraxis.

Am Ende des Jahres 53 entbrannte im Zusammenhang mit den bevorstehenden Konsulwahlen von neuem der politische Kampf, wobei man sich wie nun schon üblich nicht nur des finanziellen Mittels der Bestechungen, sondern auch der Waffen bediente. Kunde dieser Entwicklung auch, ist die Ermordung Clodius am 18. Januar 52, wo sich die beiden Feinde Clodius und Milo zufällig auf der via Appia, unweit von Rom traffen. Die Kunde von diesem Mord verbreitete sich schnell in Rom und rief ernste Unruhen hervor. Kurz darauf stand Milo vor Gericht, für den Cicero eine Rede zur Verteidigung gehalten hatte. Vom Jahre 55 bis 51 hatte Cicero an drei theoretischen Traktaten gearbeitet. Im Februar des Jahres 51 v. Chr. entsandte der Senat Cicero als Prokonsul in die Provinz Kilikien.

Anfang 49 v. Chr. entschied sich Cicero für Pompeius und folgte ihm nach Griechenland. Bei der Schlacht von Phartalos trat er jedoch von seiner Partei aus und erwirkte sich von Caesar Verzeihung und die Erlaubnis nach Rom zurückzukehren, wo er nun angestrengt und schriftstellerisch tätig war.

Nach Caesar Ermordung (44 v. Chr.) suchte er die Partie zu versöhnen und wurde noch einmal zum Führer des Senats. Doch er sah auch, dass sich Antonius der Herrschaft bemächtigte und bekämpfte ihn mit den 14 ,,Philippischen Reden".

Am 27. November 43 v. Chr. wurde der zweite Triumvirat zwischen Antonius, Octavian und Lepidus unterschrieben und somit eine Liste gefährlicher Männer ,,erzeugt" auf der auch Ciceros Name zu finden war. Marcus Tullius Cicero floh aus Rom, wurde aber diesmal von Soldaten entdeckt. Cicero wurde hingerichtet, sein Kopf und seine Hände abgespalten und an den Podien im Forum genagelt.

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Marcus Tullius Cicero
Note
13
Autor
Jahr
1999
Seiten
12
Katalognummer
V98676
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cicero, Thema Cicero
Arbeit zitieren
Henry Noack (Autor), 1999, Marcus Tullius Cicero, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98676

Kommentare

  • Gast am 15.3.2001

    ggf.

    meiner meinung nach zu oberflächlich und teilweise schwach/fehlerhaft formuliert. aber für ein einfaches referat reicht es. an welcher schule und in welchem jahrgang wurde die arbeit verfasst?

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