Das Bild vom Kind in der Montessori-Pädagogik


Exzerpt, 2017

6 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Im folgenden Exzerpt werde ich die Philosophin und Reformpädagogin Maria Montessori (1870-1952) vorstellen und in erster Linie auf ihren reformpädagogischen Ansatz eingehen, der bis heute in vielen Kindergärten und Schulen umgesetzt wird. Eine zentrale Rolle in ihrem Ansatz spielt das Kind mit seinen Bedürfnissen und seiner eigenen Persönlichkeit. Demnach werde ich meinen Blickwinkel gezielt auf Montessoris „Bild vom Kind“ richten und hierbei zunächst näher auf ihre Entwicklungsstufen des Menschen eingehen.

Grundsätzlich geht „Maria Montessori von einem ‚vollkommenen Menschen‘ aus, der eine ‚einzige universale harmonische Gesellschaft‘ bilden kann.“ (Storck, C. 2013, S. 66). Hierbei sei es wichtig, dass die Pädagogik die Entfaltungsmöglichkeiten der Entwicklung des Kindes erkennt und dem Kind hilft, diese auszuleben. (vgl. Storck, C. 2013, S.66). Maria Montessori geht von der „Existenz eines inneren Bauplans aus, der die Entwicklung des Kindes leitet und durch Beobachtung erforscht werden muss.“ (Storck, C. 2013, S.66).

Bedeutend hierbei ist es, dem Kind die Freiheit zu geben, sich nach diesem Bauplan zu entwickeln. Maria Montessori sieht das Kind als „Baumeister seiner selbst“. Bei der Beobachtung des Kindes wird erkennbar, wie intensiv Kinder ihre Umwelt wahrnehmen. Sie „leben mit allen Sinnen, sind neugierig, kontaktfreudig, mitteilungsbedürftig, immens aufnahme- und anpassungsfähig – sie lernen und erleben ganzheitlich.“

Diese Eigenschaft, welche im Kind verankert ist, nennt Montessori „absorbierenden Geist“. (Seitz, M. & Hallwachs, U. 1996, S. 25). Außerdem geht Montessori von einem großen Wissensdurst des Kindes aus, der sich daran zeigt, dass Kinder sich mit Themengebieten von sich selbst aus und intensiv beschäftigen, sofern die Materialien in ihrer Umgebung sie in ihrem derzeitigen Entwicklungsstadium ansprechen. In diesem Vorgang würden sie störenden Umwelteindrücken keinerlei Bedeutung zuweisen und sich ausdauernd und fokussiert mit ihrem Gebiet beschäftigen. (vgl. Storck, C. 2013, S.67). „Polarisation der Aufmerksamkeit nannte Montessori dieses Phänomen.“ (Storck, C. 2013, S.67).

Hierbei kommt die Aufgabe des Lehrenden zur Geltung, die, anders als in einigen anderen reformpädagogischen Ansätzen, nicht darin besteht, auf das Kind einzuwirken und diesem vorwegzunehmen, welche Lernschritte nachfolgend sinnvoll sein könnten. Vielmehr sei es grundlegend wichtig, dem Kind alle Entfaltungsmöglichkeiten offen zu lassen, um einen unabhängigen Aufbau seiner Seele zu ermöglichen. (vgl. Storck, C. 2013, S. 67). Montessori betont hierbei, dass es keine Rolle spiele, dass jedes Kind zu jedem Augenblick denselben Entwicklungsstand hat, sondern vielmehr darum, dass das Kind interessensabhängig entscheide, wann es sich welchem Themengebiet zuwenden möchte.

Montessoris reformpädagogisches Konzept resultiert vor allem aus ihrer Einteilung der drei Entwicklungsstadien, die sich wiederum in drei „sensible Phasen“ gliedern. Sie nutzt die Begriffe „sensible oder sensitive“ Phasen, um die Momente im Leben des Kindes zu benennen, in denen ein Kind besondere Aufnahme und Lernbereitschaft zeigt und für diese besonders empfänglich ist. (Storck, C. 2013, S.66). Diese Phasen müssen pädagogisch besonders geachtet und berücksichtigt werden. (vgl. ebd. 2013, S.66). Außerdem ist es von großer Wichtigkeit, dem Kind die Möglichkeit zu geben, hochkonzentriert an seinem derzeitigen Lernfeld zu arbeiten. „Versäumnisse in diesen Phasen wirken sich als schädigende Deviationen aus, als Abweichungen auf dem Weg zur Normalisierung, ihre Folgen können später, wenn überhaupt, nur schwer kompensiert werden.“ (Storck, C. 2013, S. 66-67).

In der ersten Phase vom 1.-3. Lebensjahr, dem „psychischen Embryo“, benötigt der Mensch in erster Linie „Milch“ und „Liebe“. (Storck, C. 2013, S.67). Die Umwelteindrücke sind zu dieser Zeit zentral für die weitere Entwicklung des Kindes. In diesen Lebensjahren durchläuft das Kind drei entscheidende Perioden: Die Bewegung (Hand, Gleichgewicht, Laufen), den Ordnungssinn und die Sprache. (vgl. Frey, A., Heinz, P. & Krömmelbein, S. 2007, S.31). „Nach Maria Montessoris Vorstellungen baut das Ich die eigene Intelligenz mittels der sensitiven Kräfte auf, die seine Energie -und damit auch seine Bewegungen- leiten.“ (Eichelberger, H. 1997, o.S.).

Der Ordnungssinn ist in dieser Phase im Leben des Kindes besonders wichtig, muss allerdings grundlegend vom Verständnis des erwachsenen Ordnungssinns unterschieden werden. Im Kind gibt es zwei zentrale Gedanken von Ordnung:

Das Kind ist fähig, mit seinem Sinn für Ordnung „Zusammenhänge“ zu bemerken, sich zu „orientieren“ und zu „reagieren“. Diese Fertigkeit des Kindes nennt Maria Montessori „Sinn für äußere Ordnung“, also der Bezüge in der Umwelt des Kindes.

Die Fähigkeit zur „Körperkoordination“ (Seitz, M. & Hallwachs, U. 1996, S.29), die man auch den „Orientierungssinn“ (Eichelberger, H. 1997, o. S.) nennen könnte, bezeichnet den „Sinn für innere Ordnung“. (Seitz, M. & Hallwachs, U. 1996, S.29). „Die Ausbildung dieses Orientierungssinns stellt eine wichtige Voraussetzung zur Integration der werdenden Persönlichkeit des Kindes dar.“ (Eichelberger, H. 1997, o. S.).

Außerdem lernt das Kind besonders empfänglich die Muttersprache. Diese wird allerdings nur erlernt, wenn man in unmittelbarem Umfeld lebt, in dem diese gesprochen wird.

In den drei folgenden Lebensjahren (3.-6. Lebensjahr), in der Phase als „sozialer Embryo“ (Storck, C. 2013, S.67), greifen die Kinder auf ihre zuvor erworbenen Kenntnisse im Bereich Bewegung, Ordnung und Sprache zurück, bilden diese weiter aus und ergänzen sie. Außerdem nimmt das Kind sich selbst durch seine Umwelt wahr und entwickelt das Verlangen zu spielen und Kontakte zu anderen Kindern aufzubauen. Diesen Kontakt und das gemeinsame Spielen mit anderen Kindern benötigt das Kind zur Ausbildung als Individuum. (vgl. Eichelberger, H. 1997, o. S.).

Zudem beginnt es ein Gruppengefühl zu entwickeln und sich demnach zu verhalten. Durch dieses Zugehörigkeitsgefühl sieht es sich als Teil einer sozialen Gruppe, der sich jedes Kind verbunden fühlt. Grundsätzlich ist die Arbeit des Kindes an sich selbst ein zentrales Merkmal dieser Entwicklungsstufe. „Maria Montessori betrachtet das Ausreifen der sozialen Entwicklung in dieser Lebensphase als außerordentlich wichtig für die Herausbildung der Persönlichkeit.“ (Storck, C. 2013, S. 67).

Im 6.-12. Lebensjahr, als „soziales Neugeborenes“ (ebd. 2013, S.67), ist das Kind physisch entwickelt, das moralische Bewusstsein entwickelt sich langsam und das Kind kann nun das Gesehene und Gehörte in sich aufnehmen und verarbeiten. In diesem Alter begegnet dem Kind ein großes Lebensereignis, der Schulbeginn. Das Kind ist nun „der geistigen Arbeit, die die Schule von ihm verlangt, gewachsen.“ (Oswald, P. & Schulz- Benesch, G. 2008, S.86). Hierbei wird sich das Kind vermutlich schnell auf dem Weg der sozialen Orientierung in einer „Peergroup“, einer Gruppe von Menschen mit ähnlichen Interessen, Alter, Herkunft oder sozialem Status wiederfinden, da sie sich in diesem Alter „bewusst zusammenschließen“. (Storck, C. 2013, S. 67).

Ab dem 12. Lebensjahr bis ca. zum 18. Lebensjahr entstehen im „sozialen Menschen“ Gefühle für die Gesellschaft. Die Phase ist klar gekennzeichnet von der Rolle in der Gesellschaft, die der Jugendliche bald einnehmen wird. In der Zeit der Pubertät entsteht eine neue sensible Phase, bei der der Jugendliche sehr anfällig auf alles in seinem sozialen Umfeld reagiert. Hierbei wird er sich „klar seiner selbst bewusst.“ (Standing, E. 1959, S.77). Es entstehen sowohl Unsicherheiten als auch Anpassungsschwierigkeiten.

Für diese Phase der Heranwachsenden empfiehlt Montessori den Weg des „Self- Help“. (Storck, C. 2014, S.67). Hierbei sollen Jugendliche eigenständig nützlicher Arbeit nachgehen und ihr eigenes Geld verdienen. Durch die bereits durchlebten sensitiven Phasen erfährt das Kind jedoch auch einige positive Gefühle dadurch, dass es an sich selbst gearbeitet und somit eine eigene Persönlichkeit entwickelt hat.

Ein wichtiger Grundsatz von Montessori lautet „Hilf mir, es selbst zu tun!“ (Seitz, M. & Hallwachs, U. 1996, S.54). Mit diesem Satz, der ein bedeutsamer Leitsatz in Maria Montessoris pädagogischen Ansatz wurde, ist gemeint, dass der Pädagoge dem Kind dazu verhelfen soll, selbstständig zu sein. Montessoris Grundgedanke hinter dieser These ist, dass „die spontane Energie des Kindes in der Selbsttätigkeit einen Ausdruck findet und realisiert werden kann.“ (Seitz, M & Hallwachs, U. 1996, S.55).

Sie ist der festen Überzeugung, dass Kinder ihre Umwelt selbst erkunden möchten, ohne jeglichen Einfluss von außen. (vgl. Seitz, M & Hallwachs, U. 1996, S.55). Die „vorbereitete Umgebung“ sollte demnach keine Materialien bereitstellen, die nicht auf das Kind abgestimmt sind. Hilfreicher und anregender wäre es, wenn diese die Kinder „in ihren spezifischen Phasen ansprechen“ würden. (Storck, C. 2013, S.68). Wichtig ist es hierbei, dass die „Räume“ einladend gestaltet sind, die „Tische und Stühle“ an die Größe der Kinder angepasst sind und das „Geschirr“ und „Besteck“ kindgerecht ist. Auch die Materialien in ihrer Umgebung sollten so angeboten werden, dass sie „auf einer Höhe platziert sind, die Kinder problemlos erreichen können.“ (Storck, C. 2013, S.69).

Die Aufgabe des Erziehers besteht nicht darin, in das eigenständige Arbeiten der Kinder einzugreifen, sondern vielmehr darin, sie zu „unterstützen“, zu „ermutigen“ und je nach Situation zu „helfen“, wobei „die Individualität des Kindes“ immer im Mittelpunkt steht (Storck, C. 2013, S.68). Der Erzieher nimmt in der Montessoripädagogik zugunsten des Kindes also eher eine passive Rolle ein, damit der „‘Geist des Kindes sich frei entfalten kann‘“. (Seitz, M. & Hallwachs, M. 1996, S.53.).

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Das Bild vom Kind in der Montessori-Pädagogik
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
6
Katalognummer
V986874
ISBN (eBook)
9783346349361
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori, Pädagogik, Bild vom Kind
Arbeit zitieren
Alina We (Autor), 2017, Das Bild vom Kind in der Montessori-Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986874

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