Bildung und Erziehung in der Kindheit. Praktikumsbericht mit Fallanalysen


Praktikumsbericht / -arbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Beschreibung der Einrichtung und Aufgabengebiete

3 Fallanalyse
3.1 Beschreibung der Situation
3.2 Frustrations- Aggressionstheorie von John Dollard

4 Perspektiven
4.1 Sprachförderung nach Roger Loos

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Für das Praktikum P2 Kinder- und Jugendhilfe der Fliedner- Fachhochschule Düsseldorf im Studiengang Bildung und Erziehung in der Kindheit wurde für einen Zeitraum von 240 Stunden die Kindertagesstätte in H. gewählt. Der Kindergarten war bei der Suche nach einer geeigneten Praktikumsstelle die erste Wahl, da die Einrichtung durch ein vorheriges Praktikum bereits bekannt war. Sowohl das weitläufige Außengelände als auch das freundliche Erscheinungsbild der Einrichtung überzeugte hierbei. Zudem ist der Kindergarten stets froh über Unterstützung, da sie durch den hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund nicht nur im Betreuungsbereich, sondern auch im Förderungsbereich viel zu tun haben.

Der folgende Praktikumsbericht soll Einblicke in die Strukturen und Abläufe des Kindergartens in H. gewähren und ist wie folgt aufgebaut:

Zunächst wird geklärt, um was für eine Art der Einrichtung es sich handelt und nach welchem Konzept sich der Kindergarten richtet. Hierbei wird die Zielsetzung der Einrichtung näher beleuchtet sowie einhergehend der Name der Institution und des Trägers vorgestellt. Zudem wird geklärt, welche Qualifikationen das Team der Kita vorweist.

Im Folgenden werden die Aufgabenbereiche der Praktikantin vorgestellt und diese anhand des Tagesablaufes des Kindergartens widergespiegelt.

Im Anschluss wird ein sinnvoller Theorie- Praxis- Transfer hergestellt. Hierzu werden zwei beobachtete Situationen erläutert und anhand dieser, eine Fallanalyse durchgeführt. Die vorgenommene Analyse wird dann mit der Frustrations- Aggressionstheorie von John Dollard untermauert. Hierzu wird diese kurz vorgestellt und auf die vorliegende Situation bezogen.

Im nächsten Schritt wird herausgearbeitet, inwiefern sich Perspektiven zum vorliegenden Fall finden lassen und Antworten auf Fragen gefunden werden, welche pädagogischen Handlungsstrategien greifen könnten und welche Strategien zum Einsatz kommen könnten. Abschließend wird ein Fazit verfasst, in dem geklärt wird, welche Rolle das Praktikum für den Kompetenzerwerb der Praktikantin spielt. Es beinhaltet zudem eine abschließende Theorie- Praxis- Reflexion, gefolgt von einer persönlichen Stellungnahme in Bezug auf das Praktikum im Kindergarten .

2 Beschreibung der Einrichtung und Aufgabengebiete

Die ein- gruppige Kindertageseinrichtung ist mitten im Zentrum der Stadt H. untergebracht und verfügt über eine Kindergartengruppe mit bis zu 25 Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren. Die Räumlichkeiten bestehen aus einem Gruppenraum, zwei Nebenräumen und einem Ruheraum für die Kinder. Im gleichen Gebäude befindet sich das städtische Kinder- und Jugendhaus mit seinen Angeboten. Dieses dient als Tages- oder Ferienbetreuung für Kinder und Jugendliche. Da sich die Öffnungszeiten der Kindertageseinrichtung mit denen des städtischen Kinder- und Jugendhauses weitestgehend nicht überschneiden, besteht für den Kindergarten die Möglichkeit, die Räumlichkeiten des Kinder- und Jugendhauses mit zu nutzen. Besonders gefragt ist hierbei der Werkraum oder das zur Verfügung stehende Musikzimmer. Das gemeinsame Außengelände besteht aus einem Hof und einem kleinen Spielplatz mit Kletterturm und Sandkasten.

Der Kindergarten orientiert sich grundlegend am Situationsansatz. Demnach kann auch der Tagesablauf situationsabhängig umgestaltet werden. Bei der Zielsetzung betont die KiTa: „Alle Kinder mit Ihren Stärken zu sehen und an den vielfältigen Fähigkeiten, die sie (auch aus ihren Herkunftsländern) mitbringen anzuknüpfen, sehen wir als unseren besonderen Schwerpunkt an“ (KiTa, k. A., S.1). Der Leitsatz der Einrichtung lautet daher: „Das Besondere in Jedem entdecken und stärken.“ Hierbei wird sich auf den Paragraph 13 des KIBIZ gestützt, der besagt: Die Bildungs- und Erziehungsarbeit zielt darauf ab, das Kind in seiner Entwicklung zu einer eigenständigen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern, es zu Verantwortungsbereitschaft, Gemeinsinn und Toleranz zu befähigen, seine interkulturelle Kompetenz zu stärken und die Herausbildung kultureller Fähigkeiten zu ermöglichen (vgl. Kinderbildungsgesetz, § 13). Es ist demnach ein unverkennbares Ziel der Einrichtung, dem Kind genügend Freiräume zu bieten, um als eigenständige Persönlichkeit seine Anlagen, Begabungen und Fähigkeiten entfalten zu können.

Träger der staatlichen Einrichtung ist das Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt H.. Das Amt stellt dem Kindergarten zusätzlich eine Fachberatung und eine Kinderschutzbeauftragte zur Verfügung. Der Personalschlüssel der Kita ergibt sich aus zwei Erzieherinnen, einer Kinderpflegerin und einer Leitung. Außerdem wird die Einrichtung einmal wöchentlich von einer Fachkraft für Sprachbildung unterstützt.

Der Tag für die Praktikantin begann um 07:00 Uhr. Die morgendliche Aufgabe begann zunächst darin, Obst für das Frühstück der Kinder zu schneiden und dieses dekorativ auf die Tische zu verteilen. Manchmal wurde das Obst gesichtsähnlich angerichtet oder kleine Figuren daraus geschnitten. Diese Darstellung soll den Kindern das Obst ansehnlich und schmackhaft machen und sie so näher an eine gesunde Ernährung führen. Um 07:30 Uhr kommen die ersten Kinder, die nacheinander von den Erziehern mit Namen begrüßt werden, damit sich jedes Kind willkommen fühlt. Die Kinder sollen möglichst bis 08:30 Uhr in den Kindergarten gebracht werden, um ihnen einen störungsfreien Beginn in die Freispielphase zu ermöglichen. Ab 08:30 Uhr bis ca. 10:00 Uhr bekommen die Kinder die Möglichkeit am vorbereiteten Frühstückstisch zu essen. Dieses gemeinsame Beisammensitzen leitet die Praktikantin.

Zum Frühstück trinken die Kinder wahlweise Milch, Tee oder Wasser. Hierbei hilft die Praktikantin ihnen, wenn sie im motorischen Bereich noch Schwierigkeiten zeigen. Bis ca. 10:00 Uhr sollen möglichst alle Kinder gegessen haben und so wird stets darauf Acht gegeben, dass jedes Kind bereits gefrühstückt hat. Danach beginnt die Freispielphase, in der die Kinder für sich spielen und sich hierzu auf verschiedene Räume aufteilen dürfen. Es steht es ihnen frei, ob sie lieber in den „Puppen-/ oder Bauraum“ wollen, in dem kein Erzieher ist und nur in regelmäßigen Abständen nach den Kindern sieht, um ihnen möglichst viel Freiraum und Privatsphäre zu gewähren oder ob sie lieber im Gruppenraum bleiben wollen, in dem sich die Erzieher aufhalten. Der Puppenraum lädt die Kinder zum Rollenspiel ein. In der Bauecke kann auf kleinen Podesten rumgeklettert werden und mit Bauklötzen oder Lego gespielt werden. Der Großteil der Kinder ist trocken und kann eigenständig auf Toilette gehen. Vereinzelnd gibt es jedoch Kinder, die den Zeitpunkt des Toilettengangs noch nicht richtig einschätzen können und so ergibt es sich, dass die Praktikantin ab und zu die Kinder wickeln musste.

3 Fallanalyse

3.1 Beschreibung der Situation

Durch die lange Zeit in der Kindertagesstätte und die intensive Betreuung der Kinder, konnten in zahlreichen Situationen viele neue Erfahrungen gesammelt werden. Einige der Situationen sind bis heute sehr positiv im Gedächtnis geblieben, andere hätte man gerne verändert bzw. mehr Einfluss nehmen können. Die Beobachtung der Kinder und deren Dokumentation, ist auch in den folgenden Fällen von großer Bedeutung:

In der KiTa ist der 1. Tag im Monat immer ein „Spielzeugtag“. An diesem Tag dürfen alle Kinder ein Spielzeug mitbringen, dieses in der Morgenrunde vorstellen und anschließend in der Freispielphase nach dem Frühstück mit diesem spielen.

Die folgende Fallanalyse spielte sich an einem solchen Tag ab:

Zwei Mädchen, M. (4,11 Jahre) und A. (5,6 Jahre), spielten morgens um ca. 10:30 Uhr gemeinsam im Theaterraum das „Mutter-Kind-Spiel“ mit ihren mitgebrachten Babyborns. Die Mädchen schlüpften hierbei in unterschiedliche Rollen. Ca. 15 Minuten später kam ein Junge, S. (6,4 Jahre), in die Spielsituation der Mädchen und kniete sich zu den Mädchen auf den Teppich. Er signalisierte wortlos, dass er mitspielen wolle. S. kommt ursprünglich aus Syrien und ist nicht gut in die Kindergruppe der Kita integriert und viele Kinder sagen zu ihm, er könne durch seine Sprachprobleme nicht richtig sprechen. Es liegt die Hintergrundinformation vor, dass S. bei Praktikumsbeginn erst ca. 1 Jahr in Deutschland ist und gemäß der kurzen Zeit in Deutschland Sprachbarrieren aufweist. Zudem hat er eine schwierige, vermutlich traumatische Reise von Syrien nach Deutschland hinter sich. S. versuchte mittels Gestik und Mimik die Mädchen zu gemeinsamen Spielen zu animieren. Diese jedoch zeigten Desinteresse und baten ihn zu gehen. S. reagierte nicht auf Anhieb. Nachdem die Mädchen jedoch einige Male zum Ausdruck gebracht hatten, dass sie allein spielen wollen, verließ der Junge den Theaterraum. Durch seine Desintegration in der Gruppe, setzte er sich, wie so oft, allein an den Maltisch und begann, ein Blatt zu falten. Eine Erzieherin setzte sich zu ihm und fragte ihn, ob sie gemeinsam ein Buch lesen wollen. Die Erzieher/innen der Gruppe sind stets bemüht, S. gerecht zu werden und Langeweile und daraus resultierende Frustration zu vermeiden. Natürlich fehlt S. jedoch der altersgemäße Umgang und das Gleichaltrigen-Spiel und so ist es erheblich schwierig für die Erzieher/innen ihm gerecht zu werden. S. stimmte der Erzieherin auf seine Frage hin zu und sie sahen sich gemeinsam ein Buch an. Dies ist gleichzeitig immer eine gute Möglichkeit, um S. zum sprachlichen Austausch zu animieren und ihn dahingehend zu fördern. Ca. 10 Minuten später beendeten die beiden das gemeinsame Betrachten des Buches und S. kehrte zurück in den Theaterraum, in dem die beiden Mädchen noch spielten. Zwischenzeitlich ist ein weiteres Kind in die Gruppe gestoßen und spielt nun auch mit. S. steht im Raum und versucht einen weiteren Anlauf bei den Kindern, mitspielen zu dürfen. Leider entgegneten die Kinder ihm erneut mit Ablehnung. S. konnte mit einer erneuten Abweisung jedoch scheinbar nicht umgehen. So riss er einem der beiden Mädchen, M., ihr Kuscheltier aus der Hand, warf es in eine Ecke und schubste das Mädchen mit beiden Händen kräftig um, als sie versuchte, dieses aufzuheben. Sie fing daraufhin kräftig an zu weinen und eine Mitarbeiterin der Kita griff in die Situation ein, um eine Eskalation der Situation zu verhindern. Die Praktikantin fasste den Jungen an beiden Schultern an und suchte Blickkontakt, damit er sich beruhigte. S. jedoch schlug um sich, als man ihn zur Seite nehmen wollte, um mit ihm und den Kindern die Situation zu klären. Da er Schwierigkeiten hatte sich zu beruhigen, verließ die Praktikantin den Raum mit ihm und setzte sich mit ihm in die Leseecke, um über sein Verhalten zu sprechen. Derweil kümmerte sich eine Erzieherin um M., die noch immer weinend im Theaterraum saß.

Nach einer Weile hatte S. sich scheinbar beruhigt und nahm sich einige Minuten Zeit, um sich und sein Verhalten zu reflektieren. Nach einer Weile, die er für seine Gedankengänge nutzte, ging er zu dem Mädchen, das sich inzwischen beruhigt hatte und entschuldigte sich. Er wirkte bei seiner Entschuldigung ehrlich und aufrichtig und doch stand die Befürchtung im Raum, dass sich bei ihm im Laufe des Tages aggressionsähnliche Handlungen wiederholen. Besonders auffällig und bedenklich ist, dass S. immer zu Zeitpunkten aggressives Verhalten zeigt, die zuvor von frustrierenden Erlebnissen geprägt waren. Da es oft zum gezielten Ausschluss von S. aus Gruppenspielen kommt, zeigt sich sein aggressives Verhalten im Kindergartenalltag leider recht häufig.

Zumeist erhält man den Eindruck, es gehe S. nicht um die Tätigkeit oder das Spiel an sich, sondern vielmehr um die Interaktion mit den Kindern. Er ist begeisterungsfähig und vielseitig interessiert und leider trifft er trotzdem oft auf Ablehnung. Dieses zu unterbinden oder zu kompensieren, indem die Erzieher/innen mit ihm spielen, ist nur schwer umsetzbar, da ihm die Peer-Beziehungen und Interaktionen mit Gleichaltrigen spürbar fehlen. Leider fällt er dadurch auch oft negativ im Alltag auf und sein Verhalten wird dementsprechend sanktioniert. Dieses negative Verhalten bekommen die anderen Kinder in der Gruppe zweifelfrei mit und so ist S. inzwischen in einem Teufelskreis gefangen. Die Kinder wollen nicht mit ihm spielen, daraufhin wird er wütend und oft auch handgreiflich und dies wiederrum sorgt für weitere Ablehnung der Peers. S. hat durch diesen Teufelskreis, in dem er inzwischen gefangen ist, oft Langeweile. Er erfährt oft Abweisung und in Folge dessen Frustration. Um dieses aggressive Verhalten vorzubeugen, legt die Kita viel Wert auf die Betreuung von S.. Oftmals fegt er gemeinsam mit einer Erzieherin der Kita und zwei anderen Kindern Laub vom Außengelände. Diese Aktion wird für eine gezielte Interaktion zwischen den Kindern genutzt. Dies klappt auch immer gut und trotzdem kommt zwischen S. und den helfenden Kindern, wenig Kontakt zu Stande.

Um nachzuvollziehen, weshalb S. derartiges Verhalten an den Tag legt, wird sich im Folgenden die Frustrations- Aggressionstheorie von John Dollard angesehen, die den theoretischen Rahmen der Arbeit bildet.

3.2 Frustrations- Aggressionstheorie von John Dollard

Die Frustrations- Aggressionstheorie von John Dollard ist auf die vorliegende Situation sehr gut übertragbar. Die Grundgedanken von Dollard’s Theorie liegen darin, dass Frustration immer zu Aggression führt und Aggression immer ein Resultat von Frustration ist. Er hält also grundlegend fest, dass vor jeder aggressiven Handlung eine Frustration stattgefunden haben muss und je stärker diese, desto intensiver fällt die aggressive Reaktion aus (vgl. Dollard, J./ Doob, L.W./ Miller, N./ Mowrer, O.H./ Sears, R.R. 1939, S. o.S.).

Außerdem lässt sich die Annahme von Rumpf auf die vorliegende Situation übertragen, der sagt, dass Aggression als Folge von „Streben nach Befriedigung unzureichend erfüllter Bedürfnisse“ (Rumpf 2002, S. 22) verstanden werden muss.

John Dollard baut mit seiner These auf den Gedanken von Sigmund Freud auf, der den Menschen als ein triebgesteuertes Individuum sieht, welches im Sozialisationsprozess lernen muss, seine Triebe zu kontrollieren. Der Mensch strebt danach, seine Triebe und Bedürfnisse auszuleben. Wenn er daran gehindert wird, entstehen Gefühle von Aggressivität im Menschen (vgl. Storck, C. 2013, S.122). Anders als Freud glaubt Dollard allerdings nicht an einen „angeborenen Destruktions- oder Aggressionstrieb des Menschen“ (Storck, C. 2013, S.125), sondern geht viel eher davon aus, dass Umwelteinflüsse Aggressionen auslösen.

Bezogen auf den vorliegenden Fall heißt das:

Ursache der Konflikte war, dass der Junge sich beim Annäherungsversuch zu den anderen Kindern erneut zurückgewiesen fühlte. Durch diese Zurückweisung, die er bereits viele Male erlebt hat und das Gefühl, der Kindergruppe nicht zugehörig zu sein, verspürte er Frustration. Diese führte zu seiner aggressiven Reaktion, die sich darin äußerte, dass er dem Mädchen gegenüber handgreiflich wurde. Die zahlreichen Abweisungen und das spürbare Desinteresse der Kinder, frustriert den Jungen zunehmend und führt zumeist zu einer aggressiven Handlung. Leider hat er kaum andere Bewältigungsmöglichkeiten für seine Wut und verfällt daher in seiner Verzweiflung der Aggression.

John Dollard verdeutlicht in seiner Frustrations- Aggressions- Theorie, dass es zur Vermeidung von aggressiven Handlungen zwingend notwendig ist, Frustrationserfahrungen weitestgehend im Alltag zu vermeiden, denn „je mehr Frustrationen ein Mensch ertragen muss, desto stärker wächst seine Aggressivität und desto wahrscheinlicher wird es, dass er gewalttätig handelt“ (Storck, C. 2013, S.125). Leider ist eine vollständige Vermeidung im Alltag unmöglich, weswegen eine gezielte Umlenkung der Aggressivität wichtig ist, um sicherzustellen, dass diese nicht wächst (vgl. Storck, C. 2013, S.125). Eine weitere Möglichkeit wäre, dem Kind Bewältigungsstrategien näher zu bringen, die er anwenden kann, sobald ihn negative Gefühle übermannen. Trotz einer gezielten Umlenkung, möglicherweise dadurch, dass man sich Räume schafft, um der Wut freien Lauf zu lassen, ist es jedoch ratsam, die Frustrationserfahrungen im Alltag so gering wie möglich zu halten. In Kindertageseinrichtungen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Kindern möglichst wenig frustrierende Erlebnisse widerfahren. Sicherlich ist dies in der Umsetzung nicht einfach und so hält John Dollard fest, dass die Lebensbedingungen jedes einzelnen so umgestaltet werden müssen, dass sie sehr viel weniger Enttäuschungen als bisher erfahren müssen (vgl. Storck, C. 2013, S.125). Der Kindergarten stellt hierbei eine wichtige Instanz dar, da die Kinder viel Zeit ihres Lebens dort verbringen und die Erzieher einem wichtigen Bildungsauftrag nachkommen müssen. Die Kindertagesstätte sollte für die Kinder daher eine angenehme, offene Einrichtung sein, die den Kindern einen möglichst sorgefreien Alltag ermöglicht.

Wilhelm Heitmeyer nennt einige Lebensbedingungen, welche „die Gefahr der Ausbildung einer positiven Einstellung zur Gewalt erhöhen“ und zählt dabei unter anderem Menschen mit Integrationsproblemen auf (Storck, C. 2013, S.137). Da S. ein Kind mit Migrationshintergrund ist und er in erster Linie durch seine Sprachbarrieren Probleme mit der Integration in die Kindergartengruppe hat, ist diese Lebensbedingung sicherlich ein Indikator. Außerdem führen mangelnde Bindungen im Kindergarten sowie eine fehlende Anerkennung und Ausgrenzung des einzelnen dazu, dass sich ein Gefühl von Desintegration aus Peer-Interaktionen verstärkt (vgl. Storck, C. 2013, S.137). Im Falle S. hieße das, man müsse den Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit im Kindergarten gezielt auf die Integration des Jungen in die Kindergartengruppe setzen, um eine ständig aufkommende Frustration in ihm zu verhindern. Sicherlich ist diese Integration ein langer und möglicherweise auch schwieriger Weg, allein durch den geringen Betreuungsschlüssel in Kindertagesstätten. Eine bessere Integration in der Gruppe würde ihm aber sicherlich ein hohes Maß an Sicherheit und Anerkennung geben und in Folge dessen deutlich weniger aggressives Verhalten auslösen. Zweifellos können nicht jegliche frustrierende Erlebnisse im Kindergartenalltag vermieden werden, wichtig wäre jedoch eine präventive Arbeit in diese Richtung. Zusätzlich wäre es ratsam, den Kindern Bewältigungsstrategien mit an die Hand zu geben, um ihre negativen Gefühle vorerst selbst zu regulieren und abzubauen. Hierzu wäre es auch wichtig, ihm genügend Raum und Materialien (z.B. einen Boxsack) zu bieten, um seine aufstauende Wut abzubauen. Eine Begleitung hierbei ist aber in jedem Fall unabdingbar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Bildung und Erziehung in der Kindheit. Praktikumsbericht mit Fallanalysen
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V986888
ISBN (eBook)
9783346344861
ISBN (Buch)
9783346344878
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildung, erziehung, kindheit, praktikumsbericht, fallanalysen
Arbeit zitieren
Alina We (Autor), 2018, Bildung und Erziehung in der Kindheit. Praktikumsbericht mit Fallanalysen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986888

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