Aus einer professionstheoretischen Sichtweise wird in dieser Arbeit der Frage nachgegangen, ob die Professionalisierung von Erzieher*innen an Fachschulen für Sozialpädagogik richtig verortet ist. Welche Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich auf den unterschiedlichen Handlungsebenen der Fachschule für Sozialpädagogik? Wie können diese einen Beitrag zur Professionalisierung der Erzieher*innenausbildung erzielen? Dabei wird insbesondere die aktuelle Debatte um die Akademisierung dieser Ausbildung aufgegriffen, die nach den inhaltlichen und strukturellen Veränderungen an den Fachschulen seit 2004 zur Entstehung der ersten Studiengänge im Bereich "Pädagogik der frühen Kindheit" führte.
Diese Arbeit hat vor diesem Hintergrund das Ziel eine kritische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Ausbildungssituation von Erzieher*innen vorzunehmen. Die Ausbildung der Erzieher*innen ist nicht nur die älteste, sondern auch das zahlenmäßig größte Qualifikationsprofil für die gesamten nicht-schulischen pädagogischen Arbeitsfelder, insbesondere für die Kinder- und Jugendhilfe. In den meisten EU-Ländern ist die Ausbildung der Erzieher*innen ein akademischer Bildungsgang.
In der deutschen Fachöffentlichkeit lassen sich an dem meist kontrovers geführten Diskurs eine häufige Polarisierung zwischen akademischer und nicht-akademischer Ausbildung pädagogischer Fachkräfte beobachten. Diese beiden Entwicklungen, sprich die der bildungsbezogenen Nach-PISA-Debatte und die hochschulpolitisch rasche Ausweitung neuer Hochschulstudiengänge, sollten nun die Rahmenbedingungen für eine erneute Debatte um die Gestalt, die Höhenlage und das inhaltliche Profil einer zukunftsfähigen Erzieher*innenausbildung erheblich verbessern, sodass man nun vor der Herausforderung steht, über eine konkrete Neugestaltung dieser Ausbildung nachzudenken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Professionstheoretische Rahmung im Erzieher*innenberuf
2.1 Profession
2.2 Professionalisierung
3. Von der Mütterlichkeit zur Professionalisierung: Die Entwicklung der Erzieher*innenausbildung
3.1 Historische Entwicklung
3.2 Aktuelle Entwicklungen
3.2.1 Ausbildungsinhalte und Zugangsvoraussetzungen
3.2.2 Wege der Professionalisierung
4. Frühpädagogische Einrichtungen: Gesellschaftliche, bildungspolitische und strukturelle Herausforderungen
4.1 Gesellschaftliche und bildungspolitische Erwartungen an frühpädagogische Einrichtungen
4.2 Strukturelle Herausforderungen an frühpädagogische Einrichtungen
5. (Früh-)pädagogisches Personal – Die gegenwärtige Ausbildungssituation: ein Überblick
5.1 Zuständigkeiten im System der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung
5.2 Ausbildungsstandorte der frühpädagogischen Qualifizierungslandschaft
5.3 Aktuelle Zahlen in der sozialpädagogischen Ausbildungslandschaft
5.3.1 Frühpädagogisches Personal in Kindertageseinrichtungen
5.3.2 Erzieher*innen im sozialpädagogischen Sektor
5.3.3 Akademische Qualifikation in Kindertageseinrichtungen
6. Professionalisierung durch Akademisierung
6.1 Kindheitspädagogik als neues Professions- und Forschungsfeld
6.1.1 Die früh- bzw. kindheitspädagogischen Hochschulstudiengänge
6.1.2 Ein Vergleich zum aktuellen Stand früh- und kindheitspädagogischer Studiengänge in Niedersachsen und Baden-Württemberg
6.2 Forschungsergebnisse aus der Früh- und Kindheitspädagogik
6.3 Früh- bzw. Kindheitspädagogik an Fachschulen und (Fach-)Hochschulen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
7. Professionalisierung von Erzieher*innen durch Weiterbildung
8. Ausblick und Perspektive
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit analysiert die Professionalisierung von Erzieher*innen in Deutschland mit einem Fokus auf die Ausbildung an Fachschulen für Sozialpädagogik. Ziel ist eine kritische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Ausbildungssituation vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die Akademisierung und der wachsenden Anforderungen an das pädagogische Personal.
- Professionstheoretische Grundlagen und Professionalisierungsprozesse im pädagogischen Feld.
- Historische Entwicklung des Erzieher*innenberufs von der Mütterlichkeit zur heutigen Profession.
- Analyse der aktuellen Ausbildungslandschaft und ihrer strukturellen Herausforderungen.
- Gegenüberstellung und kritische Reflexion von Fachschul- und Hochschulausbildung.
- Bedeutung der Weiterbildung für bereits tätige Fachkräfte zur Sicherung der Qualität.
Auszug aus dem Buch
Die Entstehung des professionellen erzieherischen Berufsstandes
Der Erzieher*innenberuf weist eine lange geschichtliche Entwicklung bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts auf. In der Zeit zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert wurden die Stellen durch nicht einheitlich ausgebildete Kräfte in den Institutionen der Kleinkinderschulen oder Bewahranstalten besetzt. Es wurden Frauen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen in diesen Einrichtungen beschäftigt. Unter ihnen waren sowohl Lehrerinnen, die in den gehobenen Schichten keine Anstellung fanden, Ordensschwestern, berufslose Frauen, als auch junge Mädchen, die allenfalls von gebildeten Damen, deren berufliche Rolle der häuslichen Erziehung als auch das Unterrichten galt, angeleitet worden (vgl. Nagel 2000: 11 ff.). Aufgabe der sogenannten "Wartefrauen, Wärterinnen, Bewahrerinnen, Kindermägde, Kinderfrauen oder Bonnen" (vgl. Gary 1995: 44) war zum einen die Betreuung der Kinder, damit die Mütter einer Erwerbstätigkeit nachgehen konnten, zum anderen aber auch die Erziehung zu einem Verhalten, welches vor allem die Genügsamkeit der ärmeren Schichten zum Ziel hatte (vgl. Erning 1987: 13 ff.).
In diesem Sinne ging es hierbei nicht um einen pädagogischen Auftrag, der sich mit der kindlichen Entwicklung auseinander setzen sollte, sondern eher um einen politischen Auftrag, mit dem Ziel die Klassenverhältnisse zu erhalten und ein Auflehnen der ärmeren Schichten zu vermeiden (vgl. ebd.). In diesem Sinne war eine institutionalisierte Ausbildung zunächst nicht notwendig und wurde nicht forciert. So entstanden ab dem Jahr 1800 Einrichtungen zur außerfamiliären Versorgung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter, dessen fortschreitender Aufbau von umfassenden beruflichen Qualifizierungsbemühungen privater Träger der damaligen Sozialen Arbeit befördert wurde (vgl. Amthor 2003: 545).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und formuliert das Ziel der Arbeit, die Professionalisierungssituation von Erzieher*innen kritisch zu betrachten.
2. Professionstheoretische Rahmung im Erzieher*innenberuf: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Profession und Professionalisierung, um eine theoretische Grundlage für die Analyse zu schaffen.
3. Von der Mütterlichkeit zur Professionalisierung: Die Entwicklung der Erzieher*innenausbildung: Hier wird die historische Genese des Berufsbildes nachgezeichnet und die Entwicklung von den Anfängen bis zur modernen Ausbildung beleuchtet.
4. Frühpädagogische Einrichtungen: Gesellschaftliche, bildungspolitische und strukturelle Herausforderungen: Dieses Kapitel erörtert die vielfältigen Anforderungen, denen Einrichtungen heute gegenüberstehen, einschließlich demographischer Faktoren.
5. (Früh-)pädagogisches Personal – Die gegenwärtige Ausbildungssituation: ein Überblick: Ein umfassender Überblick über die aktuelle Ausbildungslandschaft, die Zuständigkeiten und statistische Daten zum Personal.
6. Professionalisierung durch Akademisierung: Das Kapitel diskutiert die Auswirkungen der Etablierung kindheitspädagogischer Studiengänge und vergleicht diese kritisch mit der traditionellen Fachschulausbildung.
7. Professionalisierung von Erzieher*innen durch Weiterbildung: Hier liegt der Fokus auf der Bedeutung von Weiterbildungsangeboten für bereits tätige Fachkräfte und der Qualitätssicherung.
8. Ausblick und Perspektive: Abschließend wird eine Synthese der Ergebnisse gezogen und zukünftige Anforderungen an ein koordiniertes Ausbildungssystem diskutiert.
Schlüsselwörter
Professionalisierung, Erzieher*innen, Ausbildung, Kindheitspädagogik, Frühpädagogik, Fachschule, Akademisierung, Bildungsauftrag, Kindertageseinrichtungen, Kompetenzorientierung, Qualifizierung, Pädagogik der Kindheit, Weiterbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Professionalisierungsprozess von Erzieher*innen und beleuchtet kritisch, wie die Ausbildung an Fachschulen für Sozialpädagogik vor dem Hintergrund der zunehmenden Akademisierung des Berufsfeldes zukunftsfähig gestaltet werden kann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Werk?
Die Arbeit behandelt die professionstheoretischen Grundlagen, die historische Entwicklung, aktuelle bildungspolitische und strukturelle Herausforderungen sowie die Debatte über die Akademisierung des frühpädagogischen Personals.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine kritische Bestandsaufnahme der Ausbildungssituation, um zu prüfen, ob die Professionalisierung an Fachschulen richtig verortet ist und welche Gestaltungsmöglichkeiten bestehen, um diese Ausbildung zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer professionstheoretischen Perspektive und einer Analyse der aktuellen Debatte um die Akademisierung der Erzieher*innenausbildung sowie einer kritischen Auswertung von Literatur, Studien und statistischen Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die historische Entstehung, die gesellschaftlichen und bildungspolitischen Anforderungen an Kitas, eine detaillierte Bestandsaufnahme der heutigen Ausbildungslandschaft und eine vergleichende Analyse zwischen Fachschul- und Hochschulausbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Professionalisierung, Erzieher*innen, Akademisierung, Kindheitspädagogik, Frühpädagogik, Fachschule, Qualifizierung und das Kompetenzprofil von pädagogischen Fachkräften.
Wie unterscheidet sich die Fachschulausbildung von der akademischen Kindheitspädagogik?
Die Fachschulausbildung wird als praxisnah und breit angelegt beschrieben, während die akademischen Studiengänge eine stärkere Forschungsbindung und theoretische Fundierung im Sinne einer wissenschaftlichen Identitätsbildung anstreben.
Welche Rolle spielt die "geistige Mütterlichkeit" in der historischen Betrachtung?
Das Konstrukt der "geistigen Mütterlichkeit" diente historisch dazu, den Beruf der Kindergärtnerin zu legitimieren, prägte jedoch lange Zeit das Rollenverständnis und erschwerte die Anerkennung als professionelle, wissenschaftlich basierte Tätigkeit.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Verortung der Professionalisierung von ErzieherInnen. Akademisierung der Ausbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986924