Aus den Folgen der Immobilien- und Finanzkrise 2007 und der aktuellen Preisentwicklung auf dem deutschen Immobilienmarkt, lautet die forschungsleitende Frage dieser Arbeit: Handelt es sich bei der Preisentwicklung auf dem Münchener Immobilienmarkt um eine Preisblase?
Immobilien sind für viele Bewohner ein nicht austauschbares Gut. Sie dienen als Schutz und Rückzugsort für die persönliche Entfaltung. Nicht nur soziale Gesichtspunkte, sondern auch wirtschaftliche Gründe sind ein Anlass zur Investition in Immobilien. Sie dienen als sichere Kapitalanlage für Investoren und Privatleute. Der Wohnungsmarkt in Deutschland gilt als sicherer Hafen und zieht ebenfalls internationale Investoren an. Die starke Nachfrage nach Immobilien führt zu hohen Preisanstiegen in guten Lagen deutscher Großstädte. Zu der steigenden Nachfrage gehört ein erhöhter Zuzug aus dem In- und Ausland. Ein niedriges Zinsniveau sorgt für günstige Immobilienkredite und ein erhöhtes Kaufinteresse in der Bevölkerung.
Angesichts der rasanten Preisentwicklung gibt es Befürchtungen, dass die Immobilienpreise in deutschen Großstädten -auch aus hypothetischen Gründen- angetrieben werden. Das Platzen einer solchen Preisblase, aufgrund von Preisübertreibungen am Immobilienmarkt, kann die Finanzstärke eines Landes schwächen und Volkswirtschaften gefährden.
Das jüngste Beispiel ist die Finanzkrise aus dem Jahre 2007, die auf das Platzen der Immobilienblase in den USA zurückzuführen ist. Weitreichende Folgen sind bis heute zu spüren. In Europa haben die Volkswirtschaften aktuell noch mit einer langsamen wirtschaftlichen Erholung zu kämpfen. Sie wurden durch die Finanzkrise in eine tiefe Rezession geführt.
Die Konjunktur und die öffentlichen Kassen haben darunter gelitten. Der Internationale Währungsfonds hat die Abschreibungen der Finanzintermediäre in Folge der Finanzkrise auf rund 1200 Mrd. US-Dollar beziffert. Die Bundesregierung hat mit dem Bankenrettungsfonds SoFFin einen Rettungsschirm zur Sicherung der Finanzinstitute in Höhe von 480 Mrd. Euro bereitgestellt. Gleichzeitig haben andere Industrienationen die größten Konjunkturpakete in ihrer Geschichte verabschiedet. Die Notenbanken haben ihre Leitzinsen gegen 0 % gesenkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Preisblasen auf Immobilienmärkten
2.1. Indikatoren für Preisblasen
2.2. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis
2.2.1. Lage: Wirtschaftsstandort München und die demografische Entwicklung
2.2.2. Neubaubedarf aufgrund des Nachfrageüberhangs
2.2.3. Exogene Faktoren: Niedrigzinsumfeld, erhöhte Kreditvergabe
3. Der Wohnungsmarkt
3.1. Mietmarkt
3.2. Investitionsmarkt
3.2.1. Gewerbeimmobilien
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Seminararbeit ist die Untersuchung des Münchener Immobilienmarktes auf Anzeichen einer spekulativen Preisblase. Unter Berücksichtigung makroökonomischer Faktoren sowie der spezifischen Angebots- und Nachfragesituation in der bayerischen Landeshauptstadt wird analysiert, ob die rasanten Preisanstiege ein gesundes Marktwachstum widerspiegeln oder ein spekulatives Risiko darstellen.
- Analyse von Indikatoren für Preisblasen auf Immobilienmärkten
- Untersuchung des Wirtschaftsstandorts München und demografischer Entwicklungen
- Bewertung des Einflusses von Angebot und Nachfrage sowie exogener Faktoren wie dem Niedrigzinsumfeld
- Differenzierte Betrachtung des Miet- und Investitionsmarktes
- Einordnung aktueller Marktdaten vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie
Auszug aus dem Buch
2. Preisblasen auf Immobilienmärkten
Die Schweizer Großbank UBS konkretisierte eine Immobilienblase in Großstädten wie folgt: Abkopplungen, Immobilienpreise und deren Fundamentaldaten führen zu einer Preisblase. Hierzu zählen Faktoren wie Einkommen, Wirtschaftswachstum und Bevölkerungswanderung. 5 Weitere Standardfaktoren in dem ökonomischen Markt sind nach wie vor Angebot und Nachfrage. 6
Hohe Preise werden unter anderem durch Spekulationen von Investoren angetrieben. Ein Beispiel hierfür ist der Amerikanische Immobilienmarkt vor dem Platzen der Preisblase im Jahre 2007. Die Spekulationsblase wurde immer größer, da weltweit immer mehr Banken mit hohen Gewinnerwartungen in den amerikanischen Immobilienmarkt investierten. Auch deutsche Privatbanken und Landesbanken legten ihr Kapital in hypothekenbesicherte Wertpapiere an und finanzierten somit Eigenheime für US-Staatsbürger.
Die zunehmende Geldleihe an viele Millionen amerikanische Familien mit geringen Einkommen wurde für viele Banken zum Verhängnis. Die Rückstände, welche die einkommensschwachen US-Bürger aufbauten, konnten nicht mehr an die Geldgeber zurückgeführt werden. Für Millionen von angebotenen Häusern fanden sich keine Abnehmer mehr. Käufer waren nicht mehr bereit, die überzogenen Preise zu bezahlen. Die Folge war ein Preisverfall. 7 Durch mangelnde Kontrolle der verbrieften und gebündelten Kreditforderungen ging das Geld aus dem Immobiliengeschäft verloren. Daraus resultierte eine globale Finanzkrise. 8
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Immobilien als Kapitalanlage und diskutiert die Ängste vor einer Immobilienblase infolge rasanter Preissteigerungen sowie deren potenzielle volkswirtschaftliche Folgen.
2. Preisblasen auf Immobilienmärkten: Dieses Kapitel definiert das Konzept der Immobilienblase, identifiziert relevante Frühindikatoren wie das Preis-Miet-Verhältnis und analysiert die treibenden Faktoren für Angebot und Nachfrage in München.
3. Der Wohnungsmarkt: Hier werden der Miet- und der Investitionsmarkt differenziert betrachtet und die Auswirkungen des Zinsumfelds sowie lokaler Marktdynamiken auf die Kauf- und Mietpreise in München untersucht.
4. Fazit: Das Fazit schließt die Untersuchung ab, indem es die aktuelle Stabilität des Münchener Marktes trotz Corona-Pandemie bewertet und zu dem Schluss kommt, dass derzeit keine klassische Preisblase vorliegt, sondern eine Beruhigung des Marktes zu erwarten ist.
Schlüsselwörter
Immobilienmarkt, München, Preisblase, Immobilienblase, Spekulation, Mietmarkt, Investitionsmarkt, Niedrigzinsumfeld, Wohnraum, Demografie, Kaufpreis, Rendite, Finanzkrise, Preis-Miet-Verhältnis, Eigentumswohnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob der signifikante Anstieg der Immobilienpreise in München als spekulative Preisblase einzustufen ist oder durch fundamentale Marktfaktoren gerechtfertigt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Dynamik von Angebot und Nachfrage, der Einfluss der demografischen Entwicklung, das Niedrigzinsumfeld sowie die spezifischen Bedingungen auf dem Münchener Miet- und Investitionsmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Einordnung des Münchener Immobilienbooms zur Beantwortung der Forschungsfrage, ob ein reales Risiko für ein Platzen der Preisblase besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet verschiedene ökonomische Indikatoren, wie den UBS Global Real Estate Bubble Index und das Preis-Miet-Verhältnis, aus, um den Markt zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Preisblasen, die Analyse von Angebots- und Nachfragefaktoren (wie Zuzug und Wirtschaftslage) und die detaillierte Untersuchung des Wohnungsmarktes in München.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Münchener Immobilienmarkt, Preisblase, Spekulationsrisiko, Niedrigzinsphase und Wohnungsnot definieren.
Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf den Immobilienmarkt aus?
Laut der Arbeit bleibt der Markt trotz der Pandemie stabil, da staatliche Hilfsmaßnahmen Einkommenseinbußen abgefedert haben und die Nachfrage nach Wohnraum in München weiterhin hoch bleibt.
Kommt der Autor zu dem Schluss, dass in München eine Preisblase vorliegt?
Nein, der Autor kommt aufgrund der untersuchten Marktgegebenheiten zu dem Schluss, dass es sich aktuell nicht um eine Preisblase handelt und langfristig eher eine leichte Aufwärtsbewegung zu erwarten ist.
- Arbeit zitieren
- Dario Lanzilotto (Autor:in), 2020, Preisentwicklung auf dem deutschen Immobilienmarkt. Handelt es sich auf dem Münchener Markt um eine Preisblase?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986991