Selbstdarstellung auf Social Media. Ein Überblick mit Bezug zu Identität


Hausarbeit, 2019

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Selbstdarstellung auf Social Media
2.1 Social Media
2.2 Selbstdarstellung und ihre Motive
2.3 Verdeutlichung an visueller Selbstdarstellung

3. Verortung des Phänomens
3.1 Goffmans: „Wir alle spielen Theater“
3.2 Neuartige Aspekte im Rahmen von Social Media

4. Fragen der Identität
4.1. Identitätskonstruktion auf Social Media
4.2 Gesellschaftliche Einflüsse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Social Media wird in der öffentlichen Diskussion häufig als Ort von Selbstdarstellung betrachtet. Es wird kritisiert, dass Social Media jenen Praktiken einen Ort bzw. eine Plattform bietet und exzessive Selbstinszenierung fördert. Praktiken der Selbstdarstellung werden abgewertet, übermäßiges Teilen von persönlichen Inhalten wird zum Teil als pathologisch eingeordnet. Fragen wie: „Züchtet Social Media eine Generation digitaler Narzissten?“ (Schlosser 2017) symbolisieren dies und prägen Artikel, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, und sind Teil des Diskurses.

Was aber genau hat es mit Selbstdarstellung in Social Media auf sich? Greifen die kritischen Betrachtungen nicht zu kurz? Wie lässt sich das Phänomen erklären und verorten? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen ist es wichtig, das Thema genauer zu untersuchen. In den Wissenschaften würden im Zusammenhang mit Social Media oft grundlegend zwei Fragen eine zentrale Rolle spielen: Was machen die Menschen mit den Medien? Und was machen die Medien mit den Menschen? (vgl. Schmidt 2013: 21)

Um das Phänomen näher zu ergründen und das Wechselverhältnis zwischen Individuen und Social Media in Bezug auf Selbstdarstellung näher zu erklären, gehe ich in dieser Arbeit der Frage nach, wie sich Selbstdarstellung auf Social Media erklären und verorten lässt, sowie welcher Einfluss sich auf die Identitätskonstruktion auf Social Media ergibt.

Dafür werde ich zuerst der Frage nachgehen was Social Media eigentlich ist als Plattform der Selbstdarstellung. Dann werde ich darlegen, welche Motive hinter Selbstdarstellung auf Social Media stehen und welche Rolle visuelle Selbstthematisierungen in diesem Kontext spielen. In dem darauffolgenden Kapitel werde ich das Phänomen mit der Theorie Goffmans verorten und darauf Goffmans Ausführungen mit neuen Social Media Phänomenen kontrastieren. Zuletzt werde ich das Phänomen mit Fragen der Identität und gesellschaftlichen Einflüssen verknüpfen.

Diese Arbeit soll das Thema diskursiv darstellen und einen Einblick geben in die verschiedenen Aspekte und Hintergründe von Selbstdarstellung auf Social Media. Dadurch sollen Vorurteile über Selbstdarstellung und Social Media aufgelöst werden und ein besseres Grundverständnis generiert werden.

2. Selbstdarstellung auf Social Media

2.1 Social Media

Was ist Social Media? Was ist es nicht? Was sind wesentliche Aspekte von Social Media als Plattform für Selbstdarstellung?

Social Media kann als „Sammelbegriff für bestimmte Angebote und Formen digital vernetzter Medien, die das online-basierte Bearbeiten und Veröffentlichen von Inhalten aller Art sowie die Beziehungspflege und den Austausch zwischen Menschen erleichtern“ definiert werden (vgl. Schmidt 2013: 17). Es basiere auf einer medien- und informationstechnologischen Infrastruktur, die es UserInnen erstens möglich mache, Informationen im Internet zu veröffentlichen, wie Texte, Bilder und Videos, ohne dabei selbst große technische Vorkenntnisse zu besitzen. Soziale Medien würden es zweitens ermöglichen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und sich auszutauschen, sowie soziale Beziehungen zu anderen Menschen explizit zu machen (vgl. Schmidt 2013: 11). Diese zwei Punkte nennen Schmidt & Taddicken als gemeinsamer Nenner, der unterschiedliche Angebote von Social Media umfasse (vgl. Schmidt & Taddicken 2017: 5).

Sehr bekannte und verbreitete Social Media Sites seien beispielsweise die Netzwerkplattform Facebook, bei der das individuelle Nutzerprofil und seine Verknüpfung mit anderen Profilen zentral sei, sowie die Multimediaplattformen YouTube und Instagram, die den Austausch von Fotos und Videoclips als zentrales Element vorweisen (vgl. Schmidt 2013: 12 f.). Social Media hat eine besonders hohe Popularität bei jungen Leuten und werde am meisten von diesen genutzt (vgl. Schmidt 2013: 18).

Auch habe Social Media für junge Leute eine sehr hohe Priorität im Leben: Das illustriert danah boyd in ihrem Werk „It’s Complicated: The Social Lives of Networked Teens“ über die Bedeutung der Social Network Sites für Jugendliche und junge Erwachsene. Eine von boyd interviewte 18 jährige sagte: „If you’re not on MySpace, you don’t exist“ (boyd 2014: 5), wodurch deutlich werde, dass Social Media einen wichtigen Ort darstelle, um die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Freundschaften mit Gleichaltrigen zu gewährleisten und an dem man selbst Präsenz zeigen müsse (vgl. boyd 2014, 5).

Wenn es um die Benutzung von Social Media geht, habe Social Media die Eigenschaft, programmiert zu sein und auf festgelegte Anweisungen für die Verarbeitung zu beruhen, woraus sich spezifische Handlungen der UserInnen auf verschiedenen Plattformen ergebe. Neben diesen technischen Rahmungen der Benutzeroberfläche, spielen aber vor allen Dingen persönliche Eigenschaften und gesellschaftliche Bedingungen eine Rolle bei der Verwendung (vgl. Schmidt 2013: 21 f.).

Man könne Social Media schließlich auch nicht als abgetrennte Sphäre betrachten, sondern es sei vielmehr eine erweiterte Realität (vgl. Schmidt & Taddicken 2017: 33). Soziale Medien würden erst durch Menschen und deren Nutzung ihre Wirkung entfalten, die dann Teil unseres alltäglichen Lebens ist und sich nicht auf eine virtuelle Realität beschränkt. Soziale Medien seien schließlich auch längst normaler Bestandteil des Alltags vieler Menschen, die dort unter ihrem echten Namen handeln, Kontakte zu echten Freunden und Kollegen pflegen, und sich über Themen informieren (vgl. Schmidt 2013: 23).

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Social Media seien die Persönlichen Öffentlichkeiten, die für Menschen entstehen. Ausgangspunkt dabei sei, dass das Internet generell die Hürden dafür senke, Information an andere weiterzugeben. So würden Menschen dazu in der Lage sein, sich ihre persönlichen Öffentlichkeiten zu schaffen, um Informationen von persönlicher Relevanz für ihr soziales Netzwerk zugänglich zu machen und damit einen Austausch mit anderen anzustoßen (vgl. Schmidt 2013: 28 ff.). Soziale Medien umfassen dabei ein Spektrum, das von den persönlichen Öffentlichkeiten einzelner Privatpersonen über semi-professionell betriebene Angebote bis hin zu den Profilen von Musikern, Politikern, Sportlern oder anderen Prominenten reiche (vgl. Schmidt 2013: 30).

2.2 Selbstdarstellung und ihre Motive

Was sind die Motive und Hintergründe von Selbstdarstellung auf Social Media? Was sind Aspekte und Funktionen? Warum ist Social Media offenbar so reizvoll für Selbstdarstellung?

Selbstdarstellung sei insgesamt als eine wichtige Grundbedingung für die Nutzung von sozialen Medien zu sehen (vgl. Kneidinger-Müller 2017: 70). Der Grund dafür liege in den persönlichen Öffentlichkeiten, die Selbstdarstellung und Offenbarung von Informationen über die eigene Person zu einer zwingenden Herausforderung machen, um mit dem eigenen Netzwerk in Kontakt zu bleiben. Das Teilen von Informationen über sich führe schließlich dazu, dass man für sein Netzwerk sichtbar wird und mit diesen in Kontakt treten könne (vgl. Schmidt 2013: 31). Die Nutzung von Social Media gehe auch immer mit der Erstellung eines eigenen Profils einher, dass Angaben zur eigenen Person fordere, bspw. Kontaktinformationen, Profilbilder, aber auch persönliche Interessen und beruflichen Angaben (vgl. Schmidt 2013: 12). Es sei somit ein Kernelement von Social Media, Informationen über einen selbst offenzulegen und mitzuteilen.

Die auf Social Media ablaufenden Prozesse von Selbstdarstellungen seien insgesamt vergleichbar mit zwischenmenschlichen Face-to-Face-Situationen, würden aber auch einige Unterschiede aufweisen (vgl. Krämer et al. 2017, 44). Anders als in Face-to-Face ist beispielsweise das Teilen von eigenen Informationen anders. Dass Persönliche Öffentlichkeiten entstehen und persönliche Informationen ein größeres Publikum erreichen, habe eine besondere Auswirkung auf die Selbstdarstellung von Menschen. Eine Studie zu Narrowcasting und Broadcasting untersucht dieses Phänomen.

Das sogenannte Broadcasting (Kommunikation mit mehreren Personen) weise Unterschiede gegenüber dem Narrowcasting (also Kommunikation mit einer Person) auf. Beim Narrowcasting würden Menschen eher dazu geneigt sein, ihren Fokus auf ihr Gegenüber, anstatt sich selbst zu legen und dadurch auch die Informationen zu vermitteln, die für den Gesprächspartner als nützlich eingeschätzt werden, anstelle von selbstdarstellenden Informationen. Im Vergleich dazu schlüpften Probanden der Studie in Kommunikation mit größeren Gruppen nicht nur in eine Selbst fokussierte Perspektive, sondern vermieden auch Informationen, die sie selbst schlecht dastehen ließen. Dadurch stelle die Rolle des Informationserhaltenden eine besondere Rolle für das dar, was Menschen von sich teilen (vgl. Barasch und Berger 2014). Bezogen auf persönliche Öffentlichkeiten bedeutet das, dass Menschen durch das vorhanden sein eines größeren und unspezifischen Publikums anders mit den Dingen umgehen, die sie teilen und somit auch anders sich selbst darstellen, als in face-to- face Situationen, nämlich deutlich selbstzentrierter und selektiver.

Dadurch, dass Social Media und die Offline-Welt keine abgetrennten Sphären sind, spiele jedoch auch die Leiterwartung von Authentizität bei der Selbstdarstellung gegenüber seiner persönlichen Öffentlichkeit eine wichtige Rolle, da nicht authentische Selbstdarstellungen schnell entlarvt werden würden, was wiederum (negative) Auswirkungen auf das Offline-Leben hätte. Dabei seien UserInnen jedoch in dem Spannungsverhältnis gefangen, sich zwar einerseits authentisch darzustellen, andererseits aber auch vorgegebenen Normen zu entsprechen und eine gewisse Darstellungsästhetik zu entwickeln, weshalb auch gezielt inszeniert werde (vgl. Autenrieth 2014: 296).

Eine bewusste Beeinflussung der Informationen, die wir offenlegen und teilen geschehe deshalb, da Menschen mit dem Wissen teilen, dass ihr soziales Netzwerk die Informationen wahrnehmen wird und sie deshalb ihr Verhalten an den Reaktionen anderer ausrichten (vgl. Schmidt 2013: 32). Wissen vom Publikum biete somit Orientierung für eigene Selbstdarstellung (vgl. Schmidt 2013: 34). Die bewusste Beeinflussung des Eindrucks auf das soziale Netzwerk, sei somit auch der Versuch, seinem Netzwerk einen möglichst positiven Eindruck von sich zu inszenieren, wodurch sie anschließend soziales Feedback und auch Belohnungen erhalten würden, wie z.B. Kommentare, Komplimente, „Gefällt mir“-Angaben, etc. Dieses soziale Feedback spiele somit eine zentrale Rolle auf Social Media, besonders für die Selbstdarstellung (vgl. Kneidinger-Müller 2017: 65).

Ein weiteres Bedürfnis und Motiv von Selbstdarstellung auf Social Media, sei das Bedürfnis nach Individualität und Geltung, welches ebenfalls mit der Steuerung des Eindrucks der anderen einhergehe (vgl. Krämer & Winter 2008). Insgesamt erfülle Selbstdarstellung einerseits soziale und andererseits selbstbezogene Funktionen (vgl. Krämer et al. 2017: 43).

Insgesamt sei Social Media ein sozialer Raum, weshalb auch die Motive, die die Nutzung sozialer Medien bestimmen, weitgehend von sozialen Bedürfnissen, wie das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, gezeichnet seien (vgl. Krämer et al. 2017: 43). Auch die Dynamik der Selbstdarstellung und der Beeinflussung der Eindrücke, könne man letztlich mit der Pflege und Aufrechterhaltung von soz. Beziehungen, sowie der Erweiterung des sozialen Kapitals und des eigenen Werts verknüpfen. Es gehe also insgesamt um soziale Inklusion (vgl. Krämer et al. 2017, 45).

2.3 Verdeutlichung an visueller Selbstdarstellung

In welcher Form wird sich dargestellt? Was spielt dabei eine Rolle? Selbstdarstellungen seien schon immer Teil unserer Kultur gewesen. Insgesamt sei es für Menschen durch Digital Kameras, Smartphones und Social Media allerdings sehr einfach geworden, Selbstpräsentationen zu schaffen und zu teilen (vgl. Rettberg 2014: 3). Generell gebe es auf Social Media verschiedenste Wege, um sich selbst darzustellen. „Neben statischen Aspekten der Profilelemente auf sozialen Netzwerkseiten (durch Fotos, Rahmendaten zur Person wie demographische Angaben oder Hobbys und Interessen), wird auch durch dynamische Elemente Selbstpräsentation betrieben (etwa durch Blogbeiträge, Twitter-Nachrichten oder StatusUpdates).“ (Krämer et al. 2017, 44). Rettberg teilt diese Mittel in 3 Kategorien von Selbstpräsentationen ein: textuell, visuell oder quantitativ (Rettberg 2014: 1), wobei gerade Visualität und visuelle Selbstdarstellung als wichtigste Komponente von Selbstdarstellung auf Social Media zähle.

Autenrieth, die sich in ihrem Werk besonders mit den Bilder Welten von Social Media beschäftigt, stellt in ihrer Untersuchung fest, dass Bilder und die damit verbundenen Kommunikationsmöglichkeiten eine immense Rolle bei der Nutzung sozialer Netzwerke spielen (vgl. Autenrieth 2014: 292). Dies werde deutlich durch die Vielzahl der auf SNS bereits vorhandenen Möglichkeiten, bildzentriert zu kommunizieren, als auch die Aussagen diverser qualitativer Befragungen, die im Laufe der Untersuchung durchgeführt wurden und den Umgang mit Bildern als wesentliches Motiv zur Nutzung von SNS betonen würden (vgl. Autenrieth 2014: 293). Auch Kneidinger-Müller stellt dies fest: Audio-visuelle Formen der Selbstdarstellung gewinnen immer mehr Bedeutung gegenüber verbalen. Es zeige sich immer mehr der Trend, dass (audio-)visuelle Kommunikationsformen zunehmend zur schnelleren und kompakteren Vermittlung persönlicher Infos verwendet werden (vgl. Kneidinger-Müller 2017: 72).

Bilder auf Social Media würden dabei verschiedene Funktionen erfüllen, wie Profilbilder, Alben und direkte Kommunikation, durch die UserInnen und deren Kommentare verschiedene Rahmungen erhielten (vgl. Autenrieth 2014: S.293). Über Fotos würden eigene Interessen, Erlebnisse, Ereignisse, aber auch Einstellungen oftmals ohne weitere Kommentare ausgedrückt werden können (vgl. Kneidinger-Müller 2017: 73). Generell würden viele Anlässe dazu führen eine visuelle Selbstthematisierung in Gang zu bringen, wobei sich das Präsentieren von Bildern aus dem persönlichem Lebenskontext als zentrales Bedürfnis erweise. Bilder würden sich somit in Social Media von einem Medium der Erinnerung zu einem Medium der Kommunikation entwickeln, aufgrund der neuen virtuellen Möglichkeiten des bildzentrierten Interagierens (vgl. Autenrieth 2014: S.13f.).

Nach boyd gebe es vier Eigenschaften, die digitale Selbstpräsentation innehaben. Erstens seien sie beständig und von Dauer, da sie auf Plattformen gespeichert und jederzeit abrufbar seien. Das zweite Kriterium der Sichtbarkeit beschreibt die Möglichkeit von Personen, diese Inhalte zu betrachten auch ohne Wissen des Urhebers. Das dritte Kriterium der Verbreitbarkeit beschreibt die Leichtigkeit, mit der Inhalte kopiert und geteilt werden können. Und letztlich seien digitale Selbstpräsentationen stets durchsuchbar (vgl. boyd 2014: 11). Diese vier Eigenschaften durchziehen die meisten digitalen und visuellen Selbstpräsentationen.

Als eines der wichtigsten Beispiele von visueller Selbstdarstellung (Selbstthematisierung) kann das Profilbild genannt werden. Das Profilbild, welches eins der ersten Dinge ist, nach denen UserInnen beim Erstellen eines Social Media Profils gefragt werden, könne als visueller Ausdruck von Identität verstanden werden. Die Auswahl des Profilbilds sei eine klare Form von Selbstdarstellung. So würden Personen auch jeweils eine andere Version von sich selbst präsentieren, mit jedem Profilbild, das sie wählen und über Zeit immer wieder ändern (vgl. Rettberg 2014: 42).

Das Profilbild erhält seine Bedeutung dadurch, dass es als primäre visuelle Repräsentation der Person auf Social Media gilt und bei fast allen Aktivitäten der Person angezeigt wird. UserInnen seien sich der Wichtigkeit eines Profilbilds selbst bewusst, was verschiedene Studien zur Selektion und Gestaltung der Profilbilder durch UserInnen abbilden (vgl. Krämer & Winter: 2008). Besonders bei Jugendlichen spiele das Profilbild zur Darstellung der eigenen Person eine äußerst wichtige Rolle (Autenrieth 2014: 91). Eine verbreitete Praxis sei außerdem das Nutzen von Profilbildern, auf denen man sich in Gesellschaft einer oder mehrerer anderer Personen befindet. Dadurch sollen soziale Bindungen als integraler Bestandteil der eigenen Person ausgedrückt werden (Strano 2008, zit. nach Kneidinger-Müller 2017: 73).

Bei der bildzentrierten Selbstdarstellung auf Social Media spiele soziales Feedback und die Fähigkeit Aufmerksamkeit zu binden eine besonders wichtige Rolle. Dies erfordere entsprechend wirkungsvolle Darstellungsweisen, wobei ein Bild nicht unbedingt nach ästhetischen Kriterien Wert erhalte, sondern vor allen Dingen dann, wenn es kommunikative Relevanz, Aufmerksamkeit und Feedback im persönlichen Netzwerk erhalte. Bilder, die auf keine Resonanz stoßen, seien für Besitzer eher wertlos. Somit ergebe sich die tatsächliche Relevanz erst in seiner kommunikativen Rahmung. Aus all dem ergeben sich insgesamt hohe Ansprüche an Individuen bei Selbstdarstellung auf Social Media, deren nicht Erfüllung Risiken und Konsequenzen mit sich ziehen würden (vgl. Autenrieth 2014: 297 f.). „Somit ist die Anschlusskommunikation zu Bildern auf SNS kontextabhängig oft als „Aufmerksamkeitswährung“ zu begreifen, mit deren Hilfe Hierarchiebildungen und Statuszuweisungen innerhalb sozialer Gefüge vorgenommen werden.“ (Autenrieth 2014: 298). Selbstdarstellung, die auf Social Media oft visuell, bspw. in Form eines Profilbildes, erfolgt, unterliegt also verschiedenen technischen und sozialen Bedingungen und Rahmungen.

3. Verortung des Phänomens

3.1 Goffmans: „Wir alle spielen Theater"

Wie können wir die bisher beschriebenen Phänomene theoretisch erklären und verorten? Einen theoretischen Rahmen dafür gibt Erving Goffman, der sich in seinem Buch „Wir alle spielen Theater“ mit dem sozialen Interaktionsgeschehen beschäftigt. Dabei sind auch Aspekte von Selbstdarstellung und soziale Rollen zentral, was wir uns hier genauer anschauen wollen, um das Verständnis des Phänomens der Selbstdarstellung auf Social Media zu fundieren.

Goffman vergleicht soziale Interaktionen mit einer Bühnen Metapher, in der Menschen Rollen spielen und sich inszenieren würden. Sein Modell sei charakteristisch für einen großen Teil soz. Interaktion (vgl. Goffman 1959: 139). Seine Theorie umfasst mehrere Komponenten, die ich im Folgenden versuche an visueller Selbstdarstellung und der Praxis des Profilbilds auszuführen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Selbstdarstellung auf Social Media. Ein Überblick mit Bezug zu Identität
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V987117
ISBN (eBook)
9783346346070
ISBN (Buch)
9783346346087
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstdarstellung, social, media, überblick, bezug, identität
Arbeit zitieren
Arno-Ben Meinicke (Autor), 2019, Selbstdarstellung auf Social Media. Ein Überblick mit Bezug zu Identität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987117

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Selbstdarstellung auf Social Media. Ein Überblick mit Bezug zu Identität



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden