Der Begriff "Digital Gender Gap" im Diskurs. Ausgewählte Beiträge im Vergleich


Hausarbeit, 2019

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Forschungsstand
2.2 Rolle der Digitalisierung in unseren Lebenswelten

3. Vorstellung der Beiträge und Studien zum Diskurs
3.1 Bridging the Digital Gender Gap
3.2 Bridging the Digital Gender Divide - Include, Upskill, Innovate
3.3 Gender und Digitalisierung - Wie Technik allein die Geschlechterfrage nicht lösen wird

4. Vergleich der Beiträge und Studien zum Diskurs

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Einführung

Unterschiede zwischen Frauen und Männern gab es vermutlich schon immer. So gehöre auch heute die soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, neben den schichtspezifischen Differenzierungen, zu den wesentlichen Merkmalen einer modernen Gesellschaft. Seit der in der industriellen Gesellschaft hervorgebrachten geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung würden sich geschlechterspezifische Unterschiede durch alle Lebensbereiche, darunter die Arbeitswelt, das öffentliche Leben und die Privatsphäre ziehen (vgl. Geißler, 2014). Auch wenn in einigen Bereichen die geschlechterspezifischen Unterschiede zunehmend ausgeglichen oder sogar umgekehrt werden konnten, gibt es immer noch hartnäckige Strukturen, welche die geschlechterspezifischen Unterschiede reproduzieren und aufrechterhalten. Zudem leben wir in einer sich rasant verändernden Welt und einer sich immer weiterentwickelnden Gesellschaft. Dieses hat Auswirkungen auf viele Bereiche unseres Lebens und beeinflusst somit ebenfalls geschlechterspezifische Unterschiede, indem alte Strukturen aufgerüttelt werden, sich neue Möglichkeiten eröffnen und neue Herausforderungen entstehen. Einige Beispiele für diese gesellschaftlichen Entwicklungen seien der demografische Wandel, Globalisierung, Digitalisierung und Veränderung der individuellen Lebensverhältnisse. Diese neuen Veränderungen würden Herausforderungen für viele Bereiche unseres Lebens darstellen und müssten von unter anderem der Politik und der Wirtschaft in Angriff genommen werden (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.; Gaffal, 2017). In dieser Arbeit möchte ich mich auf den Wandlungsprozess Digitalisierung und dessen Chancen, Risiken und Auswirkungen in Bezug auf Geschlechterunterschiede fokussieren. Diese Chancen, Risiken und Auswirkungen werden in einem Diskurs zum Digital Gender Gap ausgeführt und diskutiert. Diesen Diskurs möchte ich in dieser Arbeit genauer untersuchen.

Forschungsfrage

Die Forschungsfrage, die sich durch die Arbeit ziehen wird, ist: Was für ein Digitalisierungsbegriff wird in dem Diskurs „Digital Gender Gap“ verwendet? Sprich welche Vorstellungen haben die Autoren von Digitalisierung und hinter diesem Hintergrund, was ist für die Autoren der „Digital Gender Gap“? Dazu möchte ich herausfinden auf welche Facetten der Digitalisierung in Bezug auf den Digital Gender Gap und welche Aspekte des Gender Gaps sie sich beziehen oder fokussieren.

Ablauf

Beginnen werde ich, indem ich in den Forschungsstand zum Thema „Digital Gender Gap“ einleite. Hierbei zeige ich ausgewählte relevante Studien und Beiträge zum Gender Gap und Digitalisierung und werde die daraus gewonnen Erkenntnisse zu einem aktuellen Forschungsstand zusammenführen (auf dem meine darauffolgende Diskurs-Analyse aufbauen wird).

Im Anschluss werde ich ausgewählte Beiträge zum Diskurs „Digital Gender Gap“ überblicksartig vorstellen und jeweils eine kleine Zusammenfassung zum jeweiligen Beitrag formulieren. Danach werden die einzelnen Beiträge miteinander verglichen und Gemeinsamkeiten, sowie Unterschiede werden herausgestellt.

Zum Schluss ziehe ich ein Fazit, indem ich die zentralen Ergebnisse der Kapitel darstelle, die Forschungsfrage wieder aufgreife und einen abschließenden Standpunkt erörtere.

2. Forschungsstand

2.1 Gender Gap

Im Folgenden sollen ausgewählte Texte und Studien präsentiert werden, die einerseits einen Einblick und Zugang zu dem Themenfeld verschaffen, und andererseits verschiedene Facetten und Untersuchungen zu dem Thema beleuchten. Dabei soll der Diskurs „Digital Gender Gap“ bestmöglich eingeleitet werden und ein grundlegendes Verständnis für die danach präsentierten Beiträge geschaffen werden.

Seit der industriellen Gesellschaft, habe sich eine geschlechterspezifische Arbeitsteilung herausgebildet, sowohl in der Arbeitswelt, im öffentlichen Leben und in der Privatsphäre. So würden seither zwischen Männern und Frauen typische Unterschiede in den sozialen Lebensbedingungen und gesellschaftlichen Rollenanforderungen existieren. Diese würden dann in geschlechterspezifischen Sozialisationsprozessen, welche sich auf die Persönlichkeit, die Einstellung, Motivation und Verhaltensweisen auswirken, reproduziert. Diese sozialen Ungleichheiten seien daher nicht auf biologische Unterschiede zurückzuführen, sondern ihnen würden im Wesentlichen soziale Ursachen zugrunde liegen. Auch in der heutigen Zeit gehöre neben den schichtspezifischen Differenzierungen, die soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, dem sogenannten Gender Gap, zu den wesentlichen Merkmalen einer modernen Gesellschaft.

In einigen Bereichen ließen sich in den ersten Nachkriegsjahrzenten, so Geißler, diese geschlechterspezifischen Differenzen abbauen. So erzielten Mädchen im Bildungssystem zum Beispiel bessere Noten und Abschlüsse und blieben seltener sitzen als die Jungen. Der erhebliche Bildungsrückstand der Frauen im allgemeinbildenden Schulsystem habe sich im Zuge der Bildungsexpansion sogar in einen leichten Bildungsvorsprung verwandelt. In den Hochschulen hingegen wären die geschlechterspezifischen Barrieren für die Frauen allerdings schwerer aus dem Weg zu räumen gewesen, aber auch hier seien Frauen 2012 mit Männern gleichgezogen (Frauenanteile unter den Studierenden an Universitäten in Ost und West bei 50,5 bzw. 50,4 Prozent) (vgl. Geißler, 2014).

In der Berufsausbildung stoße die Gleichstellung von Mädchen und Frauen auf nochmal größere Probleme, als im Bildungsbereich. So seien Frauen in Berufen wie Erzieherinnen, Kranken- und Altenpflegerinnen oder Physiotherapeutinnen stark überrepräsentiert. Diese Berufe seien, trotz den vergleichsweise langen und teuren Ausbildungen, nicht gut bezahlt. So würden Frauen auch generell ein Jahr nach Ausbildungsabschluss 14% weniger verdienen als Männer (vgl. Geißler, 2014).

Additiv komme erschwerend hinzu, dass sich junge Frauen auf wenige Berufe zusammendrängen würden. 2011 kämen 52% der Auszubildenden Frauen auf die zehn häufigsten Berufe, während dies bei den Männern nur 36% gewesen wären. Nach wie vor seien Frauen zudem hauptsächlich in Dienstleistungsberufen, wie der Pflege, Helfen, Verkaufen, Assistieren und Betreuen tätig und nur selten in der Produktion oder technischen Berufen vorzufinden (vgl. Geißler, 2014).

Doch wie sehen diese Differenzen in der Arbeitswelt aus? „Erfolgreich in der Schule - diskriminiert im Beruf“ sei ein Artikel von Hannelore Faulstich-Wieland aus dem Jahre 1984 gewesen, der darauf hinweise, dass sich bessere Bildungschancen der Frauen nicht angemessen in bessere Berufschancen umsetzen ließen. Auch heute seien Männer in der Berufswelt noch privilegierter als Frauen und diese Privilegien seien erheblich widerstandsfähiger als im Bildungssystem.

In den vergangenen Jahren seien Frauen jedoch immer mehr in den Arbeitsmarkt vorgedrungen. Erwerbtätigkeit gehöre inzwischen zum Lebensentwurf der modernen Frau. Die Erwerbsquote von 15-65 Jahre alten Frauen sei von 1970 bis 2012 von 46% auf 71% gestiegen. Es ist davon auszugehen, dass die Erwerbsquote bis in das jetzige Jahr (2019) weiter gestiegen ist. Dieser Anstieg sei darauf zurückzuführen, dass „verheiratete Frauen und Mütter immer häufiger einer bezahlten Arbeit nachgehen bzw. nach der Familienphase (Kinderbetreuung) wieder in den Beruf zurückkehren würden.“ (Geißler, 2014). Zum Vergleich, Mütter deren Kinder über 12 Jahre alt sind würden heute genauso häufig arbeiten wir kinderlose Frauen (vgl. Geißler, 2014). Trotz der zunehmenden Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt hätten sich in der Arbeitswelt einige Ungleichheiten zu ihrem Nachteil entwickelt. Darunter die schon angesprochenen geschlechterspezifisch geteilten Arbeitsmärkte, tendenziell schlechtere Arbeitsbedingungen für Frauen, ebenso erwähnte niedrigere Einkommen, niedrigeres Sozialprestige und höhere Armuts- und Arbeitsplatzrisiken (vgl. Geißler, 2014).

Außerdem würden Frauen auf erhebliche Hindernisse beim Aufstieg in die höheren Etagen der Berufshierarchien stoßen (vgl. Geißler, 2014). Dieses Phänomen ist auch unter der Bezeichnung „gläserne Decken“ bekannt. Dabei gebe es zwar nach Gesetz und Vorschrift keine formalen Hindernisse für Frauen in Führungspositionen aufzusteigen, dennoch seien sie dort, trotz eines gegebenen Anteils an Frauen mit entsprechender Qualifikation, unterrepräsentiert (vgl. Universität Paderborn, o.J.). Frauen hätten es somit deutlich schwerer als Männer Karriere zu machen, so würden sie zwar zunehmend in höhere Ebenen der Berufswelt vorrücken, jedoch vollziehe sich dennoch beim Aufstieg in leitende Positionen immer noch eine informelle Auslese nach Geschlecht. „Es gilt weiterhin die Regel von der nach obenhin zunehmenden Männerdominanz: je höher die Ebene der beruflichen Hierarchie, umso kleiner der Anteil der Frauen und umso ausgeprägter die Dominanz der Männer“ (Geißler, 2014). Aber immerhin seien die Chefetagen der Berufswelt inzwischen keine „frauenfreie Zonen“ mehr. Immer häufiger würde Frauen der Aufstieg in die Spitzenpositionen gelingen (vgl. Geißler, 2014).

Ein weiteres Phänomen des Gender Gap ist der Gender Pay Gap. Dieser Einkommensabstand zu den Männern habe sich im letzten halben Jahrhundert langsam und kontinuierlich verringert. 1990 hätten die Frauen nur 65-76% des Einkommens ihrer männlichen Kollegen verdient. Diese Einkommenslücke habe sich in den vergangenen zwei Jahrzenten in beiden Teilen Deutschland weiter geschlossen. „In Westdeutschland lag er 2011 bei 19 bzw. 20 Prozent, in den neuen Bundesländern ist er im produzierenden Gewerbe mit 16 Prozent etwas kleiner, und im Dienstleistungsbereich verdienen vollzeitbeschäftigte ostdeutsche Frauen hier inzwischen fast dasselbe wie Männer.“, so Geißler (2014).

Wenn man den Tendenzen der eben vorgestellten Entwicklungen Glauben schenken kann, kann man davon ausgehen, dass die Geschlechterunterschiede in diesen Aspekten sich bis zu diesem Jahr (2019) weiter angeglichen haben. So auch mit den letzten beiden vorgestellten Aspekten des Gender Gaps. So sei ein Jahr (2015) nach Erscheinen des Artikels von Geißler (2014), am 6. März 2015 vom Bundestag ein Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen beschlossen worden. Dabei müsse eine Geschlechterquote von 30% für Aufsichtsräte erfüllt werden. Seit Verabschiedung des Gesetzes sei die Frauenquote in Führungspositionen angestiegen (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtenberg, o.J.)

Auch die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen habe sich, wie aufgezeigt, immer weiter verringert. So hätten die Verdienstunterschiede „nur noch“ bei 22% gelegen. Wenn man dazu noch den Teil des Verdienstes herausreche, der auf strukturelle Unterschiede bei der Berufswahl, Beschäftigungsumfang, Bildungsstand, Berufserfahrung oder den geringeren Anteil von Frauen in Führungspositionen zurückzuführen ist, dann lägen die Verdienstunterschiede nur noch bei 6 %. Das nenne man den bereinigten Gender Pay Gap (Reisin, 2019).

Auch wenn die vorgestellten Aspekte, weiterlaufende Entwicklungen sind und eine Gleichheit zwischen den Geschlechtern noch nicht erreicht ist, konnten schon einige positive Entwicklungen festgemacht werden. Allerdings sind die geschlechterspezifischen Unterschiede dauernden Veränderungen ausgesetzt, die neue Herausforderungen in Bezug auf den Gender Gap darstellen. Eine davon ist die Digitalisierung.

Ich werde nun kurz den Digitalisierungsprozess vorstellen und ihn in Verbindung mit den geschlechterspezifischen Unterschieden bringen.

2.2 Rolle der Digitalisierung in unseren Lebenswelten

Dass Digitalisierung unsere Arbeits- und Lebenswelten immer weiter durchdringt, zeigen uns viele Studien. So zeigt die Berichtsreihe „Global Digital 2018“ von „We are Social“ und „Hootsuite“, dargelegt in einem Blog von Simon Kemp, dass mittlerweile vier Milliarden Menschen weltweit das Internet nutzen. 2017 wären es noch eine Viertelmilliarde weniger gewesen. Ebenso seien die Social Media Nutzer um 13 Prozent zum Vorjahr gestiegen und Social Media Sites bekämen durchschnittlich elf neue Nutzer pro Sekunde (Kemp, 2018). Ebenso nach der JIM-Studie 2018 vom mpfs (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest) hätten 99% der Jugendlichen ein Smartphone im Haushalt, dazu wären in fast jedem Haushalt ein Computer oder Laptop, als auch ein Internetzugang vorhanden. Ein Fernseher sei ebenso in 95% der Haushalte vorhanden (mpfs, 2018, S.6). Auch wenn man die Umfrage, wie SevenOne Media im Media Activity Guide 2018, die Befragten auf 14-69-Jährigen in Deutschland ausweitet, besäßen immer noch 94% in ihrem Haushalt einen Fernseher und 91% ein Smartphone (SevenOne Media, 2018, S.9). Dieser Trend des Zuwachses ist über die letzten Jahre in weiteren Statistiken nachzuweisen. Auch nach den Autoren Heinen und Kerres seien die digitalen Medien in unserem Alltag längst verwurzelt. Die Digitalisierung durchdringe unsere Lebens-, Lern- und Arbeitswelt, wodurch traditionelle mit neuen Wegen der gesellschaftlichen Kommunikation verschmelzen würden (Heinen & Kerres, 2017, S.1-2). Dies bestätigt auch die Kultusministerkonferenz 2016: „Digitale Medien wie Tablets, Smartphones und Whiteboards halten seit längerem Einzug in unsere Schulen und Hochschulen; sie gehören zum Alltag der Auszubildenden in Verwaltungen und Unternehmen.“ (Kultusministerkonferenz; Bodegan 2016). Diese Digitalisierung aller Lebensbereiche führe zu einem stetigen Wandel und würde nicht nur berufliche Anforderungen verändern, sondern zunehmend auch den privaten Lebensbereich prägen. So schrieb auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V: „Derartig umwälzende technologische Entwicklungen wie die digitale Revolution haben große Auswirkungen auf die Art und Weise, wie die Menschen in Deutschland in Zukunft leben und arbeiten werden.“ (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V, 2017, S.76).

Es lässt sich bereits festhalten, dass sich die Digitalisierung auf Bereiche wie Sozialisation, Persönlichkeitsentwicklung, Lern- und Arbeitswelt auswirkt und dessen Veränderungsdruck enorm hoch und scheinbar unumgänglich ist. Da sich geschlechterspezifische Unterschiede ebenfalls in diesen Lebenswelten abspielen und, wie erwähnt, sich in den Sozialisationsprozessen reproduzieren, lässt sich vermuten, dass sie ebenso von der Digitalisierung betroffen sind.

Digitalisierung bietet neue Chancen aber auch Risiken für die geschlechterspezifischen Unterschiede sowohl in der Arbeitswelt als auch in persönlichen Lebenswelten. Diese werden im Rahmen des „Digital Gender Gap“ Diskurs thematisiert. Die einzelnen Beiträge verwenden für den Themenbereich verschiedene Begriffe, darunter „Digital Gender Gap“, „Digital Gender Divide“ oder „Gender und Digitalisierung“. Wenn es Unterschiede zwischen den Begriffen geben sollte, werde ich diese im Vergleich der Beiträge herausstellen.

3. Vorstellung der Beiträge und Studien zum Diskurs

Nun werde ich einige ausgewählte Beiträge zum Diskurs „Digital Gender Gap“ überblicksartig vorstellen. Dafür werde ich erst die grundlegenden Daten der Beiträge nennen, darauf den Digitalisierungsbegriff und das damit verbundene Verständnis vom Digital Gender Gap, welches den Beiträgen zugrunde liegt, präsentieren und zum Schluss die Beiträge kurz zusammenfassen.

3.1 Bridging the Digital Gender Gap

„Bridging the digital gender gap“ ist eine Studie des Betterplace Lab aus Berlin. Dieses hat sich mit Digitalisierung und den damit zusammenhängenden Ungleichheiten, speziell der „geschlechterspezifischen Zugangslücke“ in sechs Ländern (Äthiopien, Brasilien, Deutschland, Indien, Indonesien, Südafrika), deren sozioökonomische Entwicklung, Grad der Digitalisierung oder die Geschlechtergerechtigkeit grundverschieden seien, beschäftigt. Dafür hätten sie Interviews in den verschiedenen Ländern geführt und sich in verschiedenen Facetten über die Zielgruppe Frau erkundigt, darunter Fragen zu Erreichbarkeit von Frauen, den Positionen der Frauen in den jeweiligen digitalen Arbeitsmärkten, ergänzende Experteninterviews und Weiteres. Ziel sei es eine Erkenntnisgrundlage zu schaffen und politische Empfehlungen zu formulieren. Ich werde mich in der Arbeit auf das von der Studie vorgestellte Land Deutschland beschränken.

Was die Studie unter Digitalisierung versteht wird schon in der Einleitung angeschnitten. Hier ist von digitalen Technologien die Rede, welche neue Wege für Beteiligung und Einbindung schaffen würden, effizientere Organisationsführung und Verwaltungshandeln gestalten würden und breite Chancen für Kreativität und Innovation bieten würden. Digitalisierung sei längst eine neue Quelle des kulturellen Kapitals.

Der Beitrag beginnt mit dem Thema Infrastruktur, welches in Deutschland aber inzwischen wohl kaum noch ein Problem darstelle und für Frauen sowie Männer zugänglich sei. So würden allerdings ältere Frauen dieses angebotene Netz seltener nutzen. Dazu würden in allen Altersklassen Frauen bezüglich der Medienkompetenzen zurückliegen. So hätten Frauen ein geringeres Verständnis von digitalen Fachbegriffen und weniger Sachverstand beim Umgang mit Anwendungen. Im internationalen Vergleich erreiche Deutschland bei digitalen Kompetenzen von Frauen lediglich einen mittleren Platz. Weiter würden immer noch sehr wenige Frauen Informations- und Kommunikationstechnologien mitentwickeln. Ebenso seien nur 15% aller Beschäftigten in mathematisch-technischen Berufen Frauen und unter den Informatikabsolventen seien es 20%. In den Führungspositionen der Informations- und Kommunikationstechnologien sehe es hingegen noch schlechter aus. Danach wird in einem längeren Abschnitt noch behandelt, dass Frauen (besonders im Informations- und Kommunikationstechnologien Bereich) deutlich weniger Start-Ups gründen würden, seltener Finanzierungen erhalten würden und auch in Wettbewerben wie „Digital Innovation“ stark unterrepräsentiert seien. Zuletzt würden Frauen dazu in Jobs im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) auch noch rund 24% weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Abschließend bleibt auch nicht unerwähnt, dass Digitalisierung Chancen biete. So würden neue Aufgabenfelder entstehen, in denen gerade Frauen gute Chancen hätten aufzusteigen. Oder dass Digitalisierung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern könne. Dennoch gebe es Risiken und Nebenwirkungen (Betterplace Lab, 2017, S.26-38), wie an den vorher aufgezählten Aspekten unschwer zu erkennen ist.

Zusammenfassend führt die Studie viele Facetten der Digitalisierung an. So wird von Medienkompetenzen über mathematisch-technische Berufe bis zu Start-Ups in der IKT- Branche über verschiedenste Aspekte von Digitalisierung gesprochen, in denen die Frauen von der Nutzung, dem Fachwissen, den Arbeitsanteil und weiterem „hinterherhängen“. Dieses wird hier als negativ dargestellt, da die Digitalisierung viele Möglichkeiten eröffne und damit „[...] nur diejenigen stärkt, die es erreicht“ (Betterplace Lab, 2017, S.5).

3.2 Bridging the Digital Gender Divide - Include, Upskill, Innovate

“Bridging the digital gender divide - include, upskill, innovate” ist ein Bericht der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), welcher geschrieben worden sei, um das Voranschreiten von „2017 G20 Roadmap for Digitalisation: Policies for a Digital Future“ zu unterstützen, speziell der Abschnitt, in dem es um die Teilhabe von Frauen in der digitalen Wirtschaft geht. Der Bericht solle politische Leitlinien zur Unterstützung der Regierungen formulieren. Es solle über die Befunde und Leitlinien diskutiert werden und Aufmerksamkeit auf das Thema Digital Gender Divide gelenkt werden. Neue Erkenntnisse und Beweise seien erforderlich, damit Regierungen Probleme genau diagnostizieren und entsprechende Schritte einleiten können, um alle Menschen in unserer zunehmend digitalen Welt zu stärken.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Begriff "Digital Gender Gap" im Diskurs. Ausgewählte Beiträge im Vergleich
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Soziologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V987242
ISBN (eBook)
9783346344311
ISBN (Buch)
9783346344328
Sprache
Deutsch
Schlagworte
begriff, digital, gender, diskurs, ausgewählte, beiträge, vergleich
Arbeit zitieren
Patrick Winnewisser (Autor), 2019, Der Begriff "Digital Gender Gap" im Diskurs. Ausgewählte Beiträge im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987242

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