In meiner Hausarbeit befaßte ich mich mit der Frage, was wir in der Schule lernen. Ich fand diese Frage ganz spannend und für meinen späteren Lehrberuf elementar. So fragte ich mich selbst, wie Schule damals auf mich wirkte und was ich wirklich an Gelerntem hineinnehmen konnte, in mein derzeitiges Berliner Studentenleben. Eine Frage warf eine nächste Frage auf. In meiner Hausarbeit versuchte ich Antworten darzulegen, die nur meine Antworten sein können oder Antworten derer, die sich mit der Problematik „Schule“ auseinandersetzen. Und schon hier mußte auch ich mir Grenzen in meiner Themenbearbeitung setzen, um nicht in Oberflächlichkeit alles zu beleuchten, was „Schule“ und „Lernen“ umfaßt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Schule
3. Sinn von Schule
4. Vorstellungen eines Schullebens aus dem Jahre 1906
5. „Wachsen braucht Ruhe. Auf einem Saatfeld, das täglich umgepflügt wird, gedeiht kein Weizen.“
6. Die Schule ist ein Ort für das Jugendleben
7. Kann Schule leisten, was die Gesellschaft von ihr fordert?
8. „Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entzündet werden wollen.“ (Rabelais)
9. Lehrpläne
10. Leistungsmessung zwischen Anspruch und Wirklichkeit
11. Was wir in der Schule lernen
12. „Unterstützen statt erziehen“ Hubertus von Schoenebeck
13. Fragen, die bleiben
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die grundlegende Frage, welche Inhalte und Kompetenzen Schülerinnen und Schüler tatsächlich während ihrer Schulzeit erwerben und wie diese Lernprozesse durch die Sozialorganisation Schule sowie institutionelle Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem offiziellen Bildungsauftrag und dem „heimlichen Lehrplan“ aufzuzeigen.
- Analyse der Schule als Sozialisierungsinstanz und deren soziologische Grundlagen.
- Gegenüberstellung von staatlichem Unterricht und reformpädagogischen Ansätzen wie der Waldorfpädagogik.
- Reflexion des „heimlichen Lehrplans“ und der Internalisierung von Leistungsnormen.
- Untersuchung der Rolle der Lehrperson und des Schülers als Akteure im Bildungsprozess.
Auszug aus dem Buch
Die Schule als Sozialisierungsagentur
Die Rollenzuschreibungen im Sozialisationsprozess verlaufen vom Kind über den Schüler und dann zum Erwachsenen. Die Schulausbildung bildet nur einen Teil dieser Zuschreibungen. Dreeben findet den dominanten Sozialcharakter einer Gesellschaft in dem Muster von Merkmalen, das am Besten zur Erhaltung der verstehenden gesellschaftlichen Strukturen beiträgt.
Von den Schülern wird verlangt, daß sie sich entsprechend bestimmter Kategorien der Erwartung nach verhalten. Wer dies tut, hat Anspruch auf institutionelle Belohnung, auch wenn die persönliche Beziehung zu Lehrern negativ gefärbt ist.
Laut Dreeben bedeutet die Übernahme einer Norm also eine selbstauferlegte, erkennbare Verpflichtung unterschiedlicher Intensität. Der Inhalt einer Norm muß im Denken eines Menschen vorhanden und durch Gesten, gesprochene Worte, geschriebene Regeln oder Sanktionen kommunizierbar sein. Schwierig bleibt es, den Grad der Normen-Anerkennung zu messen, wie z.B. in Internalisierung, dem Bekenntnis zur Überzeugung, Verletzung, Angst oder Schuldgefühlen. Lese ich weiter in R. Dreebens Literatur stoße ich darauf, daß Familie und Schule im Gegengewicht zueinander stehen. Jeder wird ohne Ansehen der Person denselben Anforderungen ausgesetzt, dies kennzeichnet den universalistischen Anspruch. Die Schule stellt zur Familie eine formal größere soziale Einheit dar und die sozialen Beziehungen sind in der Schule auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin begründet ihre Themenwahl mit persönlichen Erfahrungen im Lehrberuf und führt in die Problematik des „heimlichen Lehrplans“ ein.
2. Definition von Schule: Es werden soziologische und lexikalische Definitionen von Schule gegenübergestellt, um den institutionellen Charakter des Bildungswesens zu beleuchten.
3. Sinn von Schule: Basierend auf etymologischen Wurzeln und pädagogischen Ansätzen wie denen von Jakob Muth wird die Frage nach dem ursprünglichen Sinn von Schule diskutiert.
4. Vorstellungen eines Schullebens aus dem Jahre 1906: Das Kapitel reflektiert historische Konzepte von Schulleben, insbesondere den Übergang von Herbartianismus zu Reformbewegungen.
5. „Wachsen braucht Ruhe. Auf einem Saatfeld, das täglich umgepflügt wird, gedeiht kein Weizen.“: Unter Bezugnahme auf Berthold Otto und Adolph Diesterweg werden grundlegende Prinzipien und Anforderungen für den Unterricht analysiert.
6. Die Schule ist ein Ort für das Jugendleben: Hier wird diskutiert, wie die Schule stärker als Lebenswelt für Jugendliche gestaltet werden kann, statt nur als Leistungsort zu fungieren.
7. Kann Schule leisten, was die Gesellschaft von ihr fordert?: Basierend auf einer Podiumsdiskussion werden die Erwartungen an die Schule mit den realen Möglichkeiten der Wissensvermittlung kontrastiert.
8. „Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entzündet werden wollen.“ (Rabelais): Es wird der Fokus auf die Begeisterung am selbstständigen Lernen gelegt und die Kritik an einer rein defizitorientierten Leistungsbewertung geäußert.
9. Lehrpläne: Dieses Kapitel thematisiert die Funktion von Lehrplänen als curriculare Regelwerke und deren Bedeutung für die Kontinuität des Lehrens.
10. Leistungsmessung zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die Problematik klassischer Notengebung wird kritisch hinterfragt und nach Alternativen gesucht.
11. Was wir in der Schule lernen: Auf Basis von R. Dreeben wird untersucht, welche unbewussten Normen und Sozialisationsmechanismen im Schulalltag internalisiert werden.
12. „Unterstützen statt erziehen“ Hubertus von Schoenebeck: Die Arbeit schließt mit einer Betrachtung über eine neue Eltern-Kind-Beziehung, die Erziehung durch Unterstützung ersetzt.
13. Fragen, die bleiben: Das Kapitel führt offene Fragen auf und zieht eine abschließende Bilanz zur Unterscheidung von „Lernen“ und „Vermitteln“.
Schlüsselwörter
Schule, Sozialisation, heimlicher Lehrplan, Waldorfpädagogik, Leistungsprinzip, Erziehung, Wissensvermittlung, Sozialorganisation, Unterrichtsmethoden, Bildung, Schulleben, Selbstständigkeit, Leistungsbewertung, Normen, Reformpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht aus einer angehenden Lehrkraft-Perspektive, welche Lernprozesse und Kompetenzen neben den offiziellen Lehrinhalten in der Schule stattfinden und welche Rolle die Schule als Sozialisationsinstanz dabei spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Sozialorganisation Schule, dem Konzept des „heimlichen Lehrplans“, der Kontroverse zwischen staatlichem Regelschulsystem und Waldorfpädagogik sowie der Frage nach einer Reform der Leistungsbeurteilung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Unterschied zwischen dem, was Schüler in der Schule lernen sollen (Lehrplan), und dem, was sie tatsächlich durch soziale Interaktionen und institutionelle Zwänge erwerben, kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche soziologischer und pädagogischer Texte sowie auf der Reflexion eigener Hospitationserfahrungen und der Teilnahme an Fachveranstaltungen, etwa in der Berliner Katholischen Akademie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die strukturellen Eigenschaften der Schule, die Bedeutung von Normen (nach Dreeben), historische Reformansätze und die Frage, wie Lehrende mit individuellen Lernvoraussetzungen im Spannungsfeld institutioneller Anforderungen umgehen können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Hausarbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Sozialisation, heimlicher Lehrplan, Leistungsprinzip, Reformpädagogik, Erziehung, Schulstruktur und die Unterscheidung von Lernen und Vermitteln.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „heimlichen Lehrplans“?
Die Autorin betrachtet den „heimlichen Lehrplan“ als ein hochwirksames System der Internalisierung von Normen wie Unabhängigkeit, Leistung und Wettbewerbsorientierung, das oft im Konflikt mit der ganzheitlichen Entwicklung des Kindes steht.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der Waldorfpädagogik bei?
Die Waldorfpädagogik dient der Autorin als kontrastierendes Gegenmodell zum staatlichen Schulwesen, besonders hinsichtlich der ganzheitlichen Betrachtung des Kindes, der Vermeidung von Notendruck und der Betonung der Erlebnisfähigkeit.
- Arbeit zitieren
- Bianka Rademacher (Autor:in), 1997, Was wir in der Schule lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9873