Geschlechterkonstruktion in Gotthelfs biedermeierlicher Novelle "Die schwarze Spinne". Ein negatives Frauenbild?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Rahmenhandlung in Tradition des Biedermeier
2.1. Das Bild vom ländlichen Idyll
2.2. Weibliche Protagonisten in der Rahmengeschichte
2.2.1. Die Großmutter – vorbildliche, konservative Bäuerin
2.2.2. Die Gotte – rollenkonforme Vertreterin ihrer Zeit?
2.3 Die männlichen Figuren in der Rahmengeschichte
2.4 Symbolträger des Patriarchats

3. Geschlechterkonstruktion innerhalb der Binnengeschichten
3.1. Figurenanalyse Christine
3.1.1. Ein emanzipiertes Frauenbild
3.1.2. Das Motiv des Fremden
3.1.3. Christine die Sünderin
3.1.4. Christines Metamorphose
3.2 Weibliche Aggressivität & Männliche Mütterlichkeit – Christen und die „Meisterweiber“

5. Resümee

6. Literaturangaben
Primärliteratur
Sekundärliteratur

1. Einleitung

„ […] Nicht deswegen will er es erzählen, um es eben nur zu erzählen, sondern er möchte als guten Samen freundliche Worte streuen in die Herzen seiner lieben Landsleute […]“ (Bauer 1975: 114). Folgendes Zitat, entnommen aus dem Vorwort der sechsbändigen Sammlung „Bilder und Sagen aus der Schweiz“, in welcher die Erzählung der schwarzen Spinne 1842 erstmalig abgedruckt worden ist, gibt außerordentlich deutlich die Motivation zum Schreiben der Erzählungen und Novellen des Autors Albert Bitzius, später ab 1836 eher bekannt unter seinem Künstlernamen Jeremias Gotthelf, in der ersten Hälfte des 19.ten Jahrhunderts wieder. Der Pfarrerssohn, der ebenfalls ab 1832 in Lützelflüh, einer Gemeinde im Kanton Bern in der Schweiz als Pfarrer tätig war, wuchs in einer Zeit der kantonalen Revolutionen auf, einer Epoche die durch radikales, politisches Gedankengut und sozialreformerische Ideen geprägt wurde, mit denen sich Gotthelf in seinen christlich-erzieherisch motivierten Texten auseinandersetzt. Das Ringen um eine christliche Position im liberalen Staat, um einen christlichen Republikanismus, bilden den Tenor seiner, vor allem in den 40er Jahren entstandenen Werke.

Die Novelle „Die schwarze Spinne“ steht ebenfalls in der Tradition Gotthelfs typischer Bauerromane, in der der biedermeierliche Autor wiederum ein ländliches Idyll in der Schweiz zum Schauplatz seiner Erzählung macht. In einem pädagogischen Predigerstil formuliert Gotthelf in traditioneller Berner Mundart seine Wertevorstellungen und Ideale eines christlichen, patriarchalisch geprägten Staates und eines gottesfürchtigen, den modernen, politischen Reformen entsagenden Menschen.

In vorliegender Arbeit werde ich mich mit der Geschlechterkonstruktion in der Rahmen- bzw. den Binnengeschichten, vor dem Hintergrund der literarischen Biedermeierzeit, beschäftigen und ebenso auch versuchen herauszuarbeiten anhand welcher Mittel der Autor ein negatives Frauenbild evoziert bzw. ob die Schuldzuweisung einzig und allein die Frauen in seinen Geschichten trifft. Ferner möchte ich die Rolle des Patriarchats und seiner Symbolträger für die Geschlechterrollen untersuchen, den biblischen und religiösen Charakter des Werkes herausarbeiten und Gotthelfs Maxime und Wertevorstellungen seiner Zeit erläutern.

2. Die Rahmenhandlung in Tradition des Biedermeier

2.1 Das Bild vom ländlichen Idyll

Die Rahmengeschichte und ihr Erzähleingang sind bestimmt von Darstellungen eines harmonischen und idyllischen Natur- und Landschaftsbildes über ein „freundliches aber enges Tal“ in der Schweiz. Die Schönheit und Vollkommenheit dieses Tales betont Gotthelf in Formulierungen wie z.B. „funkelnden Blumen in perlendem Grase“, „sonnenreichen Halde…fruchtbaren, beschirmten Boden“ und „üppigen Gras“, welche, in biedermeierlicher Manier, idealisierte Naturbilder evozieren. Der Anfang ist dem Bericht über die Schöpfungstage nachempfunden worden, da eine Art Glanz über dem noch unbefleckten Paradies liegt. Inmitten dieser Szenerie befindet sich ein „schönes Haus“, ebenfalls in einen „sonntägliche[n] Glanz“ gehüllt in „angestammter Reinlichkeit“, welches den Mittelpunkt der feierlichen Eröffnungsszene bildet. Wie bereits Werner Hahl erkannte, liegt eine sprachliche Ritualisierung innerhalb der Haus-Allegorie vor, was es in der Erzählung als eine Art Tempel, das erste Haus Gottes, definiert und somit die ritualisierte Eröffnungspassage zur Schwarzen Spinne ein ästhetisch sinnvoller Anfang für eine Erzählung über die Gottesfurcht bildet (vgl. Hahl 1994: 201). Die gewählten Nomina sind Indiz dafür, dass es sich in der Rahmenhandlung nicht um einen gewöhnlichen Tag handeln kann, sondern, wie im weiteren Verlauf auch deutlich zu erkennen ist, um einen Feiertag, den „Tag, an welchem der Sohn wieder zum Vater gegangen war“ und Gotthelf hier auf Christi Himmelfahrt Bezug nimmt. Gerade im Biedermeier wurden häufig die christlichen Feiertage und Feste porträtiert (vgl. Rankin 1988: 408), was dem Zweck diente, den Idealzustand des Idyllischen zu betonen. Ebenso sind die Speisen dieses besonderen Tages, dem Tag der Tauffeier des jüngsten Sprösslings der Bewohner in zuvor erwähntem Haus, keine alltäglichen und werden von Gotthelf in besonderer Weise hervorgehoben, so ist es z.B. Brauch dem „neumodischen Kaffee“ den Weinwarm1 vorzuziehen. Dieses Beispiel ist repräsentativ für biedermeierliches Gedankengut, da der Kaffee stellvertretend für Neuzeitliches und Modernes jener Zeit steht, von denen sich der Autor abwendet und eine Rückbesinnung auf alte, in dem Fall bäuerliche Bräuche etc. fordert. Es finden sich zahllose Sitten und Gebräuche innerhalb der Rahmenhandlung in Bezug auf die Festlichkeiten der Tauffeier wieder. So veranlasst z.B. der Großvater die Gotte2 das Kind nicht mit dem „Wägeli“3 zur Kirche zu bringen sondern es zu tragen, da ein Kind welches man „führe, träge werde und sein Lebtag seine Beine nie recht brauchen lerne“ (Gotthelf 2007: 13). Eben solche Aussagen sind es, die dem heutigen Leser, aber auch dem Leser zu jener Zeit, eine Vorstellung über das Leben in der ländlichen Idylle und seinen Werten und Gebräuchen geben.

Die in den Rahmen von Natur und Haus gestellte Familie repräsentiert die idealtypisch gezeichnete Biedermeierfamilie, da sie patriarchalisch geordnet ist, mit dem Großvater an der Spitze, darunter die Großmutter, Vater und Mutter sowie der Täufling und die idealisierte Hofbesitzergesellschaft umgebenden Personen wie z.B. Mägde, Hebamme, Gotte und Götti4 etc.. Ebenso spiegelt der Garten als Haupthandlungsort der Geschichte, die biedermeierlichen Wertvorstellungen des Autors wieder.

2.2 Weibliche Protagonisten in der Rahmengeschichte

2.2.1 Die Großmutter – vorbildliche, konservative Bäuerin

Die Figur der Großmutter in der Rahmenhandlung fungiert als eine der positiven Frauengestalten im Werk. Im patriarchalisch geordneten Familiensystem steht sie in der Rangfolge hinter dem Großvater und Gotthelf charakterisiert sie als eine freundliche, gottesfürchtige, den strengen Normen und Sitten dieser Zeit verhaftete Person, als Repräsentantin einer alten Zeit. In ihrer Funktion als weibliches Familienoberhaupt unterstehen die Mägde, Köchinnen etc. ihren Anweisungen, was wiederum das biedermeierliche Familiengefüge vom idealisierten Bauernhof porträtiert. Sie ist jedoch nicht angetan von den Erzählungen des Großvaters über die „schwarze Spinne“, da sie sie als nicht mehr zeitgemäß empfindet („[W]arum bringst du solche Dinge aufs Tapet! So etwas trägt heutzutage nichts mehr ab…“ Gotthelf 2007: 81) bzw. wie Donahue es in seiner Untersuchung formuliert, sie eine Ahnung davon hat, dass die Geschichte des Großvaters auf die Belehrung seiner weiblichen Hörerschaft angelegt ist (vgl. Donahue 1994: 313f.). Letztendlich fügt sie sich jedoch den Worten ihres Mannes, der am lehrhaften Charakter seiner Geschichte für die Menschen der heutigen Zeit keinen Zweifel lässt.

2.2.2 Die Gotte – rollenkonforme Vertreterin ihrer Zeit?

Bei ihr handelt es sich um die Hauptfigur innerhalb der Rahmenerzählung, einer jungen Frau die am Tage der Tauffeier den Sprössling zur Kirche bringen und für ihn das Amt der Patin übernehmen soll. Sie versucht allen Ansprüchen die an eine Gotte bzw. junge Frau gestellt werden zu entsprechen, so erscheint sie am Morgen der Tauffeier mit zahlreichen Geschenken für das Kind und dessen Mutter in traditioneller Kleidung („…Kränzchen und der Spitzenkappe mit den prächtigen, schwarzweißen Haarschnüren“ Gotthelf 2007: 13) und verhält sich sehr höflich und bescheiden, als man ihr Kaffee und Speisen anbietet. Auch beim Tragen des Kindes während des Taufgangs präsentiert sie sich der Taufgesellschaft und vor allem dem ledigen Götti gegenüber als eine starke Frau („Starke Arme an einer Frau sind einem rechten Bauer viel anständiger als zarte, als so liederliche Stäbchen…starke Arme an einer Mutter sind schon vielen Kindern zum Heil gewesen.“ Gotthelf 2007: 18). Das Prinzip der Arbeit war Grundlage des bäuerlichen Denkens sowie bäuerlicher Ästhetik und Gotthelf versucht dieses Ideal anhand der Aussage des Göttis darzustellen. An anderer Stelle formuliert nochmals der ältere Götti dieses Ideal bzw. kritisiert die neumodischen Frauen wenn er sagt „mit dem Weibervolk ist gar nichts mehr…Sie haben nur Narrenwerk und Hoffart im Kopf, ziehen sich an wie Pfauen, … und wenn eine einen halben Tag arbeiten soll, so hat sie drei Tage lang Kopfweh“ (Gotthelf 2007: 25), was wiederum die Meinung des Autors über neumodische Frauen wiedergibt. Jedoch werden bald Ruhe und Harmonie der Rahmenhandlung durch die Gotte gestört, als diese bemerkt, dass ihr niemand den Namen des Kindes mitgeteilt hatte, sie jedoch diejenige ist, die dem Pfarrer diesen während der Taufe mitteilen muss. Sie gerät in einen Zwiespalt, da es ihr nicht gestattet ist nach dem Namen des Kindes zu fragen, weil „dieses zeitlebens neugierig“ werden würde. Gotthelf hebt die Gotte von den übrigen stereotyp gezeichneten Figuren der Rahmenhandlung ab, mit der „Absicht, die permanente Gefährdung auch der idealtypisch geschilderten patriarchalischen Gesellschafts- und Lebensordnung…wenn auch aus humorvoller Distanz, zumindest anzudeuten“ (Lindemann 1983: 196f.). Somit konzipiert Gotthelf an dieser Stelle ein negatives Frauenbild. Darüber hinaus ähneln die Beschreibungen des Leidens und der Qualen der Gotte in der Kirche denen der Binnenhandlung über Christine („Die Stimmen prasselten ordentlich an den Wänden, und die Gotte wusste nicht mehr, wo sie war; es sauste und brauste um sie wie Meereswogen und die Kirche tanzte mit ihr in der Luft herum.“ Gotthelf 2007: 21). Nach den Erzählungen des Großvaters über die Spinne meint die Gotte, geleitet von ihrer Angst, diese erneut aus dem Loch im Bystal5 kriechen zu sehen, was wiederum eine Parallele zur Binnengeschichte darstellt. Die Hauptprotagonisten der Rahmengeschichte, wie Donahue bereits erkannte, ist „the pedagogical target of the interior stor[y]“ (Donahue 1994: 305). Sie dient Gotthelf dazu, seiner Leserschaft vor Augen zu führen, dass selbst eine rollenbewusste, schöne junge Frau wie die Gotte aufgrund negativer Eigenschaften wie Vergesslichkeit, Schreckhaftigkeit, Angst und Ungläubigkeit eine Gefährdung für jene in der Rahmenhandlung beschriebene Biedermeieridylle darstellen kann, um so wiederum sein Ideal vom gottesfürchtigen, christlichen Biedermeiermenschen zu untermauern.

2.3 Die männlichen Figuren in der Rahmengeschichte

In der Rahmenhandlung tauchen mehrere für die Handlung bedeutende und unbedeutende männliche Figuren auf, wie z.B. der Vater, die jedoch alle die Gemeinsamkeit teilen, Gotthelfs Doktrin einer patriarchalisch geprägten und religiösen Familie und dessen Werte zu vermitteln. Durch das Auftreten der Pfarrerfigur, der obersten religiösen Instanz der Gemeinde, werden bereits christliche Motive wie z.B. die Taufe angesprochen, stellt sie jedoch auch ein verbindendes Element zur Binnengeschichte dar, in der ebenfalls verschiedene Geistliche auftreten. Wiederum weist sie eine Gemeinsamkeit mit dem Autor Albert Bitzius auf, der selbst das Amt des Pfarrers ausübte und somit die existenzielle Bedeutung dieser Figur für die Rahmengeschichte, aber vor allem für die Binnengeschichten, in denen sie einen leicht heldenhaften Charakter besitzt, zu erklären ist.

Über den älteren Götti haben wir bereits erfahren, dass er über Frauen und deren neuzeitige Verhaltensformen ein sehr negatives Gedankengut besitzt. Laut ihm haben sie nur „Narrenwerk“ im Kopf, seien arbeitsfaul und „statt einer braven Hausmutter [kriege man] nur einen Hausnarr oder gar einen Hausteufel“ (Gotthelf 2007: 25). Hierbei nimmt er Bezug auf den bürgerlichen Frauentyp der Biedermeierzeit, nicht jedoch auf den bäuerlichen. Damals galten Anmut (auch in Bezug auf die Kleidung), Geistlichkeit, Sanftheit und Milde als die typischen Ideale eines bürgerlichen Biedermeierfrauenbildes6 aber auch Infantilität, was Gotthelfs Kritik, anhand der Rolle des älteren Göttis, aufzeigt.

In der Taufgangs-Szene erfahren wir, dass der jüngere, noch ledige Götti großes Wohlgefallen an der Gotte zeigt, jedoch „alles hinter der Blende7 großer Gelassenheit“ (Gotthelf 2007: 18). Hier spielt der Autor auf die biedermeierliche Scheu vor sexuellem und erotischem Inhalt in der Literatur an. Dies macht er deutlich in seiner Formulierung, wenn er von einer Blende spricht, hinter der der Götti versucht seine Gedanken zu verbergen. Die Anspielungen auf Sexualität empfindet Gotthelf als störend für sein konzipiertes Bild der ländlichen Idylle, was später im Hinblick auf die Analyse von Christine in der Binnenhandlung noch deutlicher wird.

Das Oberhaupt der Familie, der Großvater, stellt in der Novelle den wohl bedeutendsten männlichen Charakter dar. Der 75jährige alte Mann ist den alten Sitten und Gebräuchen streng verhaftet, erweist sich als lebenskluger, gottesfürchtiger und bibelfester Mensch, wie an seinen Erzählungen deutlich wird. Während der auktoriale Erzähler in der Rahmenhandlung massiv das richtige Verständnis der Novelle steuert, übernimmt der Großvater die Rolle des allwissenden Erzählers in der Binnengeschichte, als dieser der Taufgesellschaft vom Familiengeheimnis und der schwarzen Spinne berichtet. Jeremias Gotthelf gelingt es anhand der Rolle des Großvaters dem Leser sein Leitbild einer gottesfürchtigen, patriarchalischen Gesellschaft zu offerieren, da der Großvater beim Erzählen stets wertorientierte, oftmals stark religiöse Urteile abgibt („Und so blieb es in der Familie, und man fürchtete die Spinne nicht, denn man fürchtete Gott, und wie es gewesen war, so soll es, so Gott will, auch bleiben, solange hier ein Haus steht, solange Kinder den Eltern folgen in Wegen und Gedanken“ Gotthelf 2007: 100). Er ist ebenfalls der Überzeugung, dass sich die Menschen der heutigen Zeit (Biedermeierzeit) ein Exempel an seiner Geschichte nehmen sollten, da Werte wie Glauben und Gottesfurcht im Begriff seien sich zu ändern. Gotthelf drückt hiermit seine Ängste in Bezug auf die aktuellen politischen Ereignisse seiner Zeit aus wie z.B. die kantonale Revolutionsbewegung in der Schweiz und drängt seinen Leser somit auf die Rückbesinnung religiöser Werte und Normen. Der Großvater möchte sein Publikum pädagogisieren, vor allem seine weiblichen Zuhörer wie die Gotte und ist somit an der Konstruktion der Geschlechterrollen im Werk beteiligt, worauf ich an anderer Stelle nochmals eingehen werde.

2.4 Symbolträger des Patriarchats

Eines, der in der Novelle am häufigsten vorkommenden Motive, ist das Taufmotiv, das Dreh- und Angelpunkt des Geschehens in der Rahmenhandlung bildet, aber auch gleichzeitig als Dingsymbols fungiert, da es sich hierbei um ein verknüpfendes Handlungselement zwischen Rahmen und Binnenhandlungen handelt. Wie bereits Graber in seinen Untersuchungen herausfand, handelt es sich beim Sakrament der Taufe um einen Symbolträger des Patriarchats, da es den Übergang vom Matriarchat zur Vaterherrschaft symbolisiert (vgl. Graber 1925: 16f.). Textstellen wie z.B. über die Mutter des Sprösslings, die ihren Sohn in die Kirche begleiten will, es ihr die Regeln und Bräuche jener Zeit jedoch nicht gestattet und sie zu Hause verharren muss, zeugen davon, dass die Geburt zwar weiblich, der Akt der Taufe jedoch eindeutig männlich zu konnotieren ist und der Taufakt eine Überwindung der Männer am Hof über die Frauen symbolisiert. Noch deutlicher macht Gotthelf dies in den Beschreibungen des „hohen“ Feiertags an dem die Taufe stattfindet. In der Formulierung „Tag, an welchem der Sohn wieder zum Vater gegangen war “ (Gotthelf 2007: 9), wird nochmals deutlich gemacht, dass das Kind der Mutter entrissen und dem Vater, also Gott, dargebracht wird. Auf diese Weise findet eine Entmachtung der Frau durch den Mann statt, die Gotthelf dem religiösen Sakrament der Taufe zuschreibt und somit ein negatives Frauenbild evoziert.

[...]


1 „“altertümlichen, aber guten Bernersuppe, bestehend aus Wein, geröstetem Brot, Eier, Zukker, Zimmet und Safran …“

2 Patin

3 kleiner Wagen

4 Pate

5 Fensterbalken

6 Die biedermeierliche Bürgerfrau bietet ein ganz anderes Bild. Kindlich naiv steht sie inmitten ihrer braven Kinder und hält das Jüngste wie eine Puppe im Arm. Alle sind hübsch, aber bieder gekleidet und frisiert…auf dem Sofa, einem neuen bürgerlichen Möbelstück, zu sitzen und zu träumen, auch zu schmollen – das süße Nichtstun beim Lesen frivoler Romane. (Weber-Kellermann, 1983 52ff.)

7 Fassade

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Geschlechterkonstruktion in Gotthelfs biedermeierlicher Novelle "Die schwarze Spinne". Ein negatives Frauenbild?
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V987450
ISBN (eBook)
9783346347237
ISBN (Buch)
9783346347244
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jeremias Gotthelf, Die schwarze Spinne, Biedermeier
Arbeit zitieren
Christian Steger (Autor:in), 2010, Geschlechterkonstruktion in Gotthelfs biedermeierlicher Novelle "Die schwarze Spinne". Ein negatives Frauenbild?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987450

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