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Geschlechterkonstruktion in Gotthelfs biedermeierlicher Novelle "Die schwarze Spinne". Ein negatives Frauenbild?

Titel: Geschlechterkonstruktion in Gotthelfs biedermeierlicher Novelle "Die schwarze Spinne". Ein negatives Frauenbild?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 18 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Christian Steger (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Geschlechterkonstruktion in der Rahmen- beziehungsweise den Binnengeschichten, in Jeremias Gotthelfs Werk "Die schwarze Spinne". Dies geschieht vor dem Hintergrund der literarischen Biedermeierzeit. Des Weiteren wird herausgearbeitet, mithilfe welcher Mittel der Autor ein negatives Frauenbild evoziert beziehungsweise, ob die Schuldzuweisung einzig und allein die Frauen in seinen Geschichten trifft. Ferner wird die Rolle des Patriarchats und seiner Symbolträger für die Geschlechterrollen untersucht, der biblischen und religiösen Charakter des Werkes herausgearbeitet und Gotthelfs Maxime und Wertevorstellungen erläutert.

Der Pfarrerssohn, der ebenfalls ab 1832 in Lützelflüh, einer Gemeinde im Kanton Bern in der Schweiz als Pfarrer tätig war, wuchs in einer Zeit der kantonalen Revolutionen auf, einer Epoche die durch radikales, politisches Gedankengut und sozialreformerische Ideen geprägt wurde, mit denen sich Gotthelf in seinen christlich-erzieherisch motivierten Texten auseinandersetzt. Das Ringen um eine christliche Position im liberalen Staat, um einen christlichen Republikanismus, bilden den Tenor seiner, vor allem in den 40er Jahren entstandenen Werke.

Die Novelle "Die schwarze Spinne" steht ebenfalls in der Tradition Gotthelfs typischer Bauernromane, in der der biedermeierliche Autor wiederum ein ländliches Idyll in der Schweiz zum Schauplatz seiner Erzählung macht. In einem pädagogischen Predigerstil formuliert Gotthelf in traditioneller Berner Mundart seine Wertevorstellungen und Ideale eines christlichen, patriarchalisch geprägten Staates und eines gottesfürchtigen, den modernen, politischen Reformen entsagenden Menschen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rahmenhandlung in Tradition des Biedermeier

2.1 Das Bild vom ländlichen Idyll

2.2 Weibliche Protagonisten in der Rahmengeschichte

2.2.1 Die Großmutter – vorbildliche, konservative Bäuerin

2.2.2 Die Gotte – rollenkonforme Vertreterin ihrer Zeit?

2.3 Die männlichen Figuren in der Rahmengeschichte

2.4 Symbolträger des Patriarchats

3. Geschlechterkonstruktion innerhalb der Binnengeschichten

3.1 Figurenanalyse Christine

3.1.1 Ein emanzipiertes Frauenbild

3.1.2 Das Motiv des Fremden

3.1.3 Christine die Sünderin

3.1.4 Christines Metamorphose

3.2 Weibliche Aggressivität & Männliche Mütterlichkeit – Christen und die „Meisterweiber“

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschlechterkonstruktion in Jeremias Gotthelfs Novelle „Die schwarze Spinne“ vor dem Hintergrund der Biedermeierzeit. Zentrales Ziel ist es, herauszuarbeiten, inwiefern der Autor ein negatives Frauenbild evoziert, die Rolle des Patriarchats thematisiert und durch seine Erzählstruktur eine Rückbesinnung auf religiöse Werte und traditionelle Normen als gesellschaftliches Ideal propagiert.

  • Analyse der Geschlechterrollen in der Rahmen- und Binnenhandlung
  • Untersuchung von Gotthelfs pädagogischer Intention und Predigerstil
  • Die Rolle des Patriarchats und seine Symbolträger (z.B. Taufe, Haus)
  • Kontrastierung von emanzipierten Frauenfiguren mit traditionellen Idealen
  • Reflektion über die gesellschaftspolitischen Hintergründe der Biedermeierzeit

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Ein emanzipiertes Frauenbild

Bei Christine handelt es sich um den weiblichen Hauptprotagonisten der ersten Binnengeschichte, die später in Gestalt der Spinne in erster als auch zweiter Binnengeschichte auftritt. Der Großvater beschreibt sie in seiner Erzählung bei erstmaligem Erscheinen als ein „grausam handlich Weib…es hatte wilde, schwarze Augen und fürchtete sich nicht viel vor Gott und Menschen“ (Gotthelf 2007: 36). Bereits anhand dieser ersten Ausführungen lässt der Erzähler keinen Zweifel daran, dass es sich bei Christine nicht um eine klassische Vertreterin eines biedermeierlichen Frauenzimmers handelt. Zunächst tritt sie als emanzipierte Heldin auf, die gegen ihren eigenen Mann und alle Männer des Dorfes „harte Worte“ redet und sie verurteilt, da diese dem Befehl des Ritters Hans von Stoffeln, innerhalb eines Monats 100 Buchen als Schattengang nahe der Burg zu pflanzen, ohne Widerwillen Folge leisten.

Das Mannweib Christine, der es an familiären Werten fehlt, „durchbricht die natürliche Ordnung, indem sie die angestammte Rolle von Mann und Frau vertauscht“ (Höhne 1992: 195). Als die Männer ihr vom Teufel und dessen Angebot, die Buchen zu verpflanzen und im Gegenzug ein ungetauftes Kind zu erhalten berichten, tritt Christine erstmalig als böse Aufklärerin auf, da sie versucht, den Bauern ihr Gottvertrauen sowie ihre Untertanengesinnung auszureden, weil sie der Meinung ist, „es würde ihren Seelen nichts schaden, wenn der Teufel [die Arbeit] mache “(Gotthelf 2007: 37), zumal der ebenso wie die übrigen Männer, leicht zu übertölpeln sei. Hochmut stellt hier ein Grundmotiv dar, der Christine als Frevlerin zur Inkarnation des Bösen macht und sie bereits vor ihrer Verwandlung in die schwarze Spinne und dem Teufelskuss mit dem Grünen, Charaktereigenschaften wie Gott- und Menschenverachtung, Stolz und Hochmut innehat, die eine Affinität zum Teufel darstellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Motivation des Autors Jeremias Gotthelf und die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext der Biedermeierzeit.

2. Die Rahmenhandlung in Tradition des Biedermeier: Analyse der idyllischen Naturdarstellung und der Bedeutung der christlich-patriarchalen Ordnung innerhalb der Rahmengeschichte.

2.1 Das Bild vom ländlichen Idyll: Beschreibung der biedermeierlichen Sehnsucht nach einer heilen, gottesfürchtigen Welt als Gegenentwurf zur Moderne.

2.2 Weibliche Protagonisten in der Rahmengeschichte: Untersuchung der Frauenrollen als Repräsentantinnen von Tradition und Ordnung.

2.2.1 Die Großmutter – vorbildliche, konservative Bäuerin: Charakterisierung der Großmutter als konservative Stütze des patriarchalischen Familiensystems.

2.2.2 Die Gotte – rollenkonforme Vertreterin ihrer Zeit?: Analyse der Gotte als Hauptfigur der Rahmenerzählung, deren Verhalten als Gefährdung der patriarchalen Ordnung gedeutet wird.

2.3 Die männlichen Figuren in der Rahmengeschichte: Darstellung der männlichen Akteure als Vermittler von Gotthelfs Werten und Doktrin.

2.4 Symbolträger des Patriarchats: Deutung von Taufe und Haus als Symbole für die Etablierung männlicher Vorherrschaft über das Matriarchat.

3. Geschlechterkonstruktion innerhalb der Binnengeschichten: Untersuchung der Rollenbilder in der erzählten Geschichte der schwarzen Spinne.

3.1 Figurenanalyse Christine: Analyse der Entwicklung Christines von einer emanzipierten Frau zur Inkarnation des Bösen.

3.1.1 Ein emanzipiertes Frauenbild: Diskussion von Christines Unabhängigkeit als Abweichung von der natürlichen Ordnung.

3.1.2 Das Motiv des Fremden: Analyse der Rolle des Fremden als Störfaktor für die soziale Ordnung im Dorf.

3.1.3 Christine die Sünderin: Untersuchung der Kussszene zwischen Christine und dem Teufel als Symbol für den moralischen Sündenfall.

3.1.4 Christines Metamorphose: Deutung der Wandlung Christines zur Spinne als mythologische und geschlechterrollenspezifische Bestrafung.

3.2 Weibliche Aggressivität & Männliche Mütterlichkeit – Christen und die „Meisterweiber“: Untersuchung der Umkehrung der Geschlechterrollen im zweiten Teil der Binnengeschichte.

5. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich des Frauenbildes und der Aktualität der Novelle für heutige Genderstudien.

Schlüsselwörter

Jeremias Gotthelf, Die schwarze Spinne, Biedermeier, Geschlechterkonstruktion, Patriarchat, Frauenbild, Emanzipation, Christine, christliche Werte, Literaturanalyse, Genderstudies, Moral, Tradition, Sünde, Teufelspakt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Geschlechterrollen in Jeremias Gotthelfs Novelle „Die schwarze Spinne“ und hinterfragt, wie der Autor durch seine Erzählweise ein negatives Bild von weiblicher Emanzipation zeichnet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Analyse fokussiert sich auf das Biedermeier, die patriarchale Familienstruktur, die Rolle der Frau als moralische oder sündhafte Instanz sowie religiöse Symbolik im Werk.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit der Novelle laut der Analyse?

Gotthelf möchte seine Leserschaft erziehen und vor einem Verlust traditioneller, gottesfürchtiger Werte durch moderne politische oder soziale Einflüsse warnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mittels Sekundärliteratur auf Symbole, Motive und zeitgeschichtliche Bezüge hin untersucht.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Rahmenhandlung und der Binnengeschichten, wobei insbesondere die Figuren Christine und die Gotte sowie die männlichen Gegenparts wie Christen detailliert analysiert werden.

Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Patriarchat, Biedermeier, Geschlechterkonstruktion, christliche Ideale und die Dämonisierung des Fremden.

Inwiefern spielt der Begriff der „Meisterweiber“ eine Rolle für das Frauenbild?

Der Begriff dient als negative Chiffre für eine weibliche Vorherrschaft, die Gotthelf mit Gier und moralischem Verfall gleichsetzt, um die patriarchale Ordnung als einzig erstrebenswert darzustellen.

Warum wird die Figur des Christen im zweiten Teil als besonders hervorgehoben?

Christen wird als positiv gezeichneter, männlicher Held präsentiert, der durch seine Aufopferungsbereitschaft und Mütterlichkeit die durch Frauen verursachte Unordnung korrigiert und somit ein ideales männliches Rollenbild verkörpert.

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Details

Titel
Geschlechterkonstruktion in Gotthelfs biedermeierlicher Novelle "Die schwarze Spinne". Ein negatives Frauenbild?
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Christian Steger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V987450
ISBN (eBook)
9783346347237
ISBN (Buch)
9783346347244
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jeremias Gotthelf Die schwarze Spinne Biedermeier
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Steger (Autor:in), 2010, Geschlechterkonstruktion in Gotthelfs biedermeierlicher Novelle "Die schwarze Spinne". Ein negatives Frauenbild?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987450
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Leseprobe aus  18  Seiten
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