Deutsche Bodentruppen ins Kosovo?


Facharbeit (Schule), 1999
6 Seiten, Note: 14

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Gliederung

1. Einleitung

2. Argumente gegen Bodentruppen ins Kosovo (nach DIE ZEIT, 22.4.99, Seite 5)
2.1. Fehlendes Uno-Mandat
2.2. Zerreißprobe der NATO-Staaten
2.3. Abnutzungskrieg
2.4. Ausweitungsgefahr
2.5. Gefährdung der Leben vieler Unschuldiger

3. Bewertung der Argumente

1. Einleitung

Seit nunmehr sechs Wochen fliegt die NATO unter deutscher Beteiligung Nacht für Nacht und Tag für Tag Luftangriffe auf militärische Stellungen in Serbien, mit der Zielsetzung, die Kosovo-Albaner, die aus Serbien nach Moldawien und Albanien vertrieben werden, zu schützen. Doch die massiven Luftangriffe genügen bisher nicht, den serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic zum Einhalt zu bewegen. In Amerika und England werden deshalb schon die Rufe nach einem Einsatz von NATO-Bodentruppen laut. In den europäischen NATO- Mitgliedsstaaten lassen sich noch keine Mehrheiten dafür finden. Diese Diskussion wurde natürlich auch in den Medien geführt, am 22. April diesen Jahres hat die Zeitschrift ,,Die Zeit" die Argumente beider Seiten gegenübergestellt, ich setze mich jetzt mit den Argumenten gegen den Einsatz von Bodentruppen auseinander, indem ich die Argumente zunächst aufliste und dann bewerte.

2. Argumente gegen ,,Bodentruppen ins Kosovo"

2.1 Fehlendes UNO-Mandat

Die internationale Staatenorganisation zur Sicherung des Weltfriedens und Förderung der internationalen Sicherheit und Zusammenarbeit (Charta der Vereinten Nationen, Art. 1 Ziff. 1) UNO wurde am 26. Juni 1945 gegründet, um den Frieden in der Welt sicherzustellen.

,,Die Mitgliedsstaaten sind dazu verpflichtet (Art. 2 Ziff. 3), internationale Streitfragen mit friedlichen Mitteln zu lösen und sich der Androhung oder Anwendung von Gewalt zu enthalten."

(Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie, ,,UNO")

In der Encarta der UNO ist vorgesehen, daß sich Mitgliedsländer nur militärisch verteidigen dürfen, aber nicht, wie es die NATO jetzt tut, Angriffskriege zu führen. Dies wäre nur dann legal, wenn alle Mitglieder des Sicherheitsrates der UNO dem zustimmen würden. Da dies nicht der Fall ist, bricht die NATO mit ihren Angriffen auf einen selbständigen Staat also Völkerrecht, sie hat keine Legimitation, allenfalls eine moralische, kein existentielles Motiv und kein Auftrag zum massiven Einsatz - schon gar nicht den zum noch gefährlicheren und noch massiveren Landkrieg.

2.2 Zerreißprobe der NATO-Staaten

Da sich die NATO in der Frage, ob es zu einem Einsatz von Bodentruppen im Kosovo kommen sollte, wenn die Luftschläge ohne den erwünschten Erfolg bleiben, längst nicht einig ist, steht zu befürchten, daß die NATO bei der Diskussion darüber auseinanderbrechen könnte. Während sich in den NATO-Mitgliedsstaaten USA, England und in der Türkei leicht Mehrheiten für einen Einsatz von Bodentruppen finden lassen, sind die Bevölkerungen und Regierungen von anderen NATO-Staaten, wie z.B. Deutschland dagegen. Die NATO- Ländern Italien und Griechenland sind sogar gegen die Luftangriffe. Keine Frage also, daß diese Länder dem eventuellen Bodenkrieg stark ablehnend gegenüberstehen. In diesen Ländern gebe es massive innenpolitische Proteste, die Regierungen könnten gestürzt werden. Die Einheit der wichtigsten Militärorganisation der Welt wäre in Gefahr. Bei einem Zusammenbruch der NATO, würde es keine ,,Weltpolizei" mehr geben, viele Länder würden die Chance nutzen, und Krieg führen, da sie keine Eingriffe von außen befürchten.

2.3 Abnutzungskrieg

Mit einem Einsatz von NATO-Bodentruppen käme auch die Gefahr eines Abnutzungskrieges. Denn wer garantiert, daß innerhalb weniger Wochen mit geringen Verlusten ein solcher Krieg zu gewinnen wäre? Die serbischen Partisanenkämpfer haben sich bereits im Zweiten Weltkrieg durch geschicktes Kampfverhalten ausgezeichnet, die damals technisch weit überlegenen Truppen Hitlers und Mussolinis hatten ihre Probleme mit den jugoslawischen Truppen. Dazu kommt der Heimvorteil der serbischen Armee, die sich auf ihrem Terrain perfekt auskennt.

Allein der Einmarsch nach Serbien brächte seine Probleme, da sich die meisten Anrainer Jugoslawiens gegen die Rolle als Angriffsbasis sträuben. Ein solcher Einsatz wäre völlig unkalkulierbar, niemand kann sicherstellen, daß auch eine relativ geringe Anzahl von Soldaten einen erfolgreichen Eingriff garantieren. Von einem ,,Überraschungsangriff" kann man auch nicht sprechen.

Sollte ein solcher Einsatz, wie der im Vietnam, nicht sofort gewonnen werden, und viele menschliche Opfer z.B. auch in der Bundeswehr kosten, würden sich schnell die Bevölkerungen der NATO-Staaten gegen den Krieg und damit gegen die NATO wenden.

2.4. Ausweitungsgefahr

Bereits seit Einsetzen der Bombardierungen Serbiens, Montenegros und des Kosovo, fühlt sich die einstige Weltmacht Rußland durch die NATO bedroht. Die Russen sehen die Serben als ihr Brudervolk an, sowohl religiös als auch in der Mentalität lassen sich viele Gemeinsamkeiten zwischen Serbien und Rußland finden. Da Rußland immer ärmer wird, wächst dort sowieso der Haß in Richtung Westen. Dies führte bereits dazu, daß Rußland, das immer noch Tausende von Atomwaffen besitzt, bereits mit diesen drohte. Wie würde Rußland erst bei einem Bodenkrieg reagieren? Hier stellt sich die Frage, ob sich das Risiko eines dritten Weltkrieges nur wegen des kleinen Konfliktherdes Kosovo lohnt.

2.5. Gefährdung der Leben vieler Unschuldiger

Jeder Krieg hat unbestritten viele Opfer, seien es Soldaten oder Opfer unter der Zivilbevölkerung. Hunderte von Kosovo-Albanern wurden getötet. Daß die NATO bei ihren Angriffen versehentlich auch Flüchtlingstrecks, Züge, Busse und Wohngebiete traf und dabei Zivilisten tötete, beweist nur, daß es keinen absolut ,,sauberen" Eingriff gibt. Die Luftangriffe haben keinem einzigen Kosovo-Albaner das Leben gerettet, durch einen Bodeneinsatz würde sich das auch nicht ändern. Es würde große Verluste bei den serbischen und westlichen Soldaten geben, und sollte der Bodenkrieg nicht schnell entschieden werden, dann droht ein Blutbad. Denn, wenn die NATO erst einmal diesen Bodenkrieg gestartet hat, dann muß sie ihn auch gewinnen, da sie ihr Gesicht nicht verlieren möchte. Deswegen könnte es notwendig werden, immer mehr NATO-Soldaten als ,,Nachschub" in den Kosovo zu schicken, was vergleichbar mit dem Vietnam-Krieg immer mehr auch deutschen Soldaten das Leben kosten würde. Allein, wenn man bedenkt, daß das Leben von vielen Soldaten auf dem Spiel steht, muß man hinterfragen, ob dies im Verhältnis zum erhofften Kriegsziel steht.

3. Bewertung der Argumente

Ich werde jetzt, der Gliederung folgend, jedes der Argumente überprüfen und bewerten.

2.1. Fehlendes UNO-Mandat

Auch ich bin der Meinung, daß grundsätzlich ein Angriffskrieg nur dann erfolgen sollte, wenn sich die UNO damit einverstanden erklärt, da sonst andere Länder, wie z.B. Rußland zu Recht das nicht gerechtfertigte Angreifen eines souveränen Staates beklagen. Mit dem gleichen Vorwand wie die NATO könnten in Zukunft alle Länder willkürlich andere Länder bekriegen.

Allerdings wäre es in diesem Fall natürlich genauso brutal gewesen, diesen Völkermord mit anzusehen, ohne etwas zu tun.

Ich finde dennoch das oben genannte Argument einleuchtend und nachvollziehbar und sehe es als untergeordnete Begründung für meine Ablehnung gegenüber einen Bodeneinsatz an.

2.2 Zerreißprobe der NATO-Staaten

Ich glaube nicht, daß es bei einem Bodenkrieg zu einer wirklichen Zerreißprobe der NATOStaaten kommen würde. Letztendlich würden sich nämlich doch die meisten Länder dem Willen des mächtigen Amerika beugen, und wenn ein Land absolut etwas gegen einen Bodenkrieg hätte, dann würde es halt keine Soldaten schicken, ohne das dies zu einer Spaltung der Vereinten Nationen führen würde.

2.3. Abnutzungskrieg

Die beschrieben Gefahr sehe ich ein, denn sie besteht tatsächlich. Ich glaube nicht, daß ein Bodenkrieg schnell zu gewinnen wäre, und es würde viele Opfer unter den europäischen, amerikanischen und v.a. deutschen Soldaten gäben. Da fragt am sich doch, zu welchem Zweck?

2.4. Ausweitungsgefahr

Dem stimme ich zu, allerdings glaube ich nicht, daß Rußland es wirklich wagen würden, sich direkt mit dem Westen anzulegen. Sie würden dies mehr auf die Art und Weise versuchen, indem sie Jugoslawien mit heimlichen Waffen- und Spritlieferungen unterstützen.

2.5. Gefährdung der Leben vieler Unschuldiger

Mit diesem Argument kann ich mich zu 100% identifizieren. Ein Bodenkrieg würde wirklich kaum jemanden nützen. Milosevic würde er nicht treffen, denn er selber ist von den Bombardierungen nicht betroffen. Nur die Zivilbevölkerung leidet. Der eigentliche Übeltäter Milosevic sitzt in seinem Palast und genießt sein Leben. Eigentlich müßte das Ziel einer jeden Aktion in Serbien von NATO-Seite her gegen ihn, den verbrecherischen Verursacher der ganzen Krise, gerichtet sein. Doch leider hat man es nicht versucht, obwohl meiner Meinung nach die USA die Möglichkeit dazu hätte, ihn persönlich dafür zu belangen. Stattdessen muß die Zivilbevölkerung, die Milosevic egal ist, unter den Angriffen leiden. Dies wäre bei einem Bodenkrieg auch nicht anders.

Das Ziel dieser Aktionen ist es, die Kosovo-Albaner in ihr Land zurückzuführen. Doch nach dem, was die Kosovo-Albaner erlebt haben, wäre ein Zusammenleben mit den Serben einfach unmöglich. Selbst bei einem Sieg der NATO und bei einem Einmarsch von Friedenstruppen wäre ein Zusammenleben zwischen Serben und Albanern nicht mehr möglich. Überhaupt finde ich es absurd, ein Land erst völlig kaputt zu bomben, und es dann mit EU- Steuergeldern wieder aufzubauen. Dies kostet Unmengen an Geld, und hat keinem Albaner das Leben gerettet, im Gegenteil, es hat eher noch dazu beigetragen, daß die Serben nach dem Beginn der Luftschläge erst recht die Kosovo-Albaner vertrieben haben. Das Vertrauen zwischen Serben und Kosovo-Albanern ist auf Jahrhunderte auf das Tiefste zerstört, da kann auch kein Bodenkrieg noch etwas daran ändern.

Jetzt, wo die NATO die Luftschläge begonnen hat, sollte sie sie auch zu Ende führen, und Milosevic so zum Einlenken zwingen. Dabei können wir auf Rußland hoffen, das Milosevic beeinflussen wird, als der Klügere nachzugeben.

Die NATO hätte die militärischen Fähigkeiten, um einen Bodensieg zu erringen, allerdings sollte sie diese nicht ausspielen, denn dabei würden mehr Unschuldige (Zivilbevölkerung) als Schuldige (Milosevic) leiden, und es würde keinen Frieden garantieren. Einigermaßen Frieden würde nur eine Friedenstruppe (der NATO-Anteil daran darf aber nicht zu groß sein) garantieren, und diese zu installieren, um Frieden im Kosovo wieder herzustellen, muß das Ziel einer jeden Militäroperation/Verhandlung sein.

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Details

Titel
Deutsche Bodentruppen ins Kosovo?
Note
14
Autor
Jahr
1999
Seiten
6
Katalognummer
V98766
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser WiPo-Facharbeit wird eine ausführliche Darstellung und Bewertung der Argumente gegen einen Einsatz deutscher Bodentruppen zum Zeitpunkt des Kosovo-Konflikts 1999 vorgenommen.
Schlagworte
Bodentruppen/Kosovo/Militäreinsatz/NATO
Arbeit zitieren
Philipp Rauch (Autor), 1999, Deutsche Bodentruppen ins Kosovo?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98766

Kommentare

  • Gast am 1.4.2001

    ..14 Punkte für eine "Facharbeit" ohne Quellenangaben?

  • Gast am 10.1.2003

    Deutsche Bodentruppen ins Kosovo?.

    Auch wenn "deutsche Bodentruppen ins Kosovo" inzwischen von der Irak-Krise längst im Spiegelbild der Medienlandschaft verdrängt werden, so büßt dieses Thema gerade auch wegen des mutmaßlich bevorstehenden zweiten Golfkrieges nichts an Aktualität ein.
    Die Facharbeit von Philipp Rauch besticht durch vernünftige Argumentation knallhart an den Fakten entlang und kommt so zu einem Ergebnis, das als Interpretation und persönliche Meinung des Autors durchaus politischen Charakter aufweist und im Meinungsbildungsprozess einen sinnvollen Beitrag leistet.
    Alles in allem ein gelungenes Werk eines Schülers!

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