Hans-Jürgen Eysenck - Eine biopsychologische Persönlichkeitstheorie


Seminararbeit, 1999
12 Seiten, Note: 1,3

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Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit soll Leben und Wirken des Eigenschaftstheoretikers Hans Jürgen Eysenck beschreiben. Dabei wird zuerst auf biographische Aspekte und einflußreiche Ereignisse eingegangen und erläutert, auf wen sich Eysenck bei der Erarbeitung seiner Theorie stützte. Im weiteren Verlauf wird der wesentlichste Bestandteil seiner Theorie - das Typenkonzept - mit seinen biologischen Grundlagen eingehend erläutert und die Faktorenanalyse als wichtiger Bestandteil Eysencks wissenschaftlicher Arbeit kurz angerissen. Desweiteren sollen sowohl positive als auch negative Aspekte seiner Theorie beleuchtet werden.

Hans-Jürgen Eysenck: eine biopsychologische Persönlichkeitstheorie Hans-Jürgen Eysenck galt zu Lebzeiten als einer der führenden Repräsentanten der modernen, naturwissenschaftlich-experimentell ausgerichteten Psychologie und auch heute noch scheint sein Einfluß ungebrochen.

Seine vielfältigen Arbeiten auf dem Gebiet der Persönlichkeitsforschung machten ihn berühmt und berüchtigt. So sorgte er mit seinen Thesen über die genetischen Grundlagen sozialen Verhaltens und der Intelligenz jahrzehntelang für kontroverse Diskussionen. Das britische Wissenschaftsjournal ,, The Scientist" betitelte Eysenck als den ,,Mann, den man gerne haßt".

Hervorzuheben sind Eysencks strenge Kriterien für wissenschaftliche Forschungen und seine große Betonung konzeptueller Klarheit und exakter Messungen. Damit wurde er zu einem der stärksten Kritiker der Psychoanalyse. Im Gegensatz dazu unterstützte er jedoch die Theorie der Persönlichkeitswesenszüge. Basis für seine strengen Messungen und außerordentliche Methodik ist die statistische Technik der Faktorenanalyse.

Eysencks Arbeiten wurden durch vielfältige Einflüsse geprägt, so z. B. durch methodische Fortschritte hinsichtlich der Faktorenanalyse, durch europäische Typologen wie Jung und Kretschmer, durch die Vererbungslehre von Sir Cybil Burt und durch Pawlows Arbeiten über klassische Konditionierung.

Biographische Daten

Wer war der Mann, der von seinen Anhängern als ,,Papst der Verhaltensforschung" gefeiert, von seinen Kritikern jedoch als ,,Rassist" verurteilt wurde? Wovon wurde die Theorie beeinflußt, die auch heute noch als eine der bedeutendsten überhaupt in der Persönlichkeitsforschung gilt?

Geboren 1916 in Berlin war Hans-Jürgen Eysenck der Sohn zweier damals sehr bekannter deutscher Schauspieler. Dies sah Gibson (1981) als Ursache für seine spätere Begeisterung für öffentliche Auftritte im Radio, Fernsehen und bei anderen Gelegenheiten. Wenn dies wirklich aus dem schauspielerischen Talent seiner Eltern herrührte, so muß sich dieser Einfluß sehr schnell manifestiert haben, denn bereits nach Eysencks zweitem Geburtstag trennten sich seine Eltern und er lebte fortan bei seiner Großmutter. Eysenck selbst hätte zu dieser Frage sicherlich gesagt, daß sich aus dem Beruf seiner Eltern einiges über ihre genetische Ausstattung sagen läßt und sich diese auf ihn vererbt hat.

Im Jahre 1934 floh Eysenck nach England, um der drohenden Naziverfolgung in Deutschland zu entkommen. Er begann zunächst ein Studium der französischen und englischen Geschichte und Literatur, da er eigentlich nie Psychologie studieren wollte. Seine eigentlichen Studienwünsche waren Physik und Astronomie; um ein Studium zu absolvieren, mußte man jedoch zuvor einen Test durchführen. Eysenck wählte jedoch den falschen Test, mit dem er nur noch Geisteswissenschaften u. ä. studieren konnte. So entschied er sich für Psychologie, da ihm dies noch am wissenschaftlichsten erschien.1940 schloß er das Studium dann in London ab und promovierte dort auch.

Während des Krieges war Eysenck als Psychologe am Mill Hill Emergency Hospital in London tätig, wobei die Untersuchungen, die er dort an Angehörigen der britischen Streitkräfte unternahm, die Grundlage seines ersten Buches Dimensions of Personality bildeten. Nach Kriegsende übernahm er die Leitung einer psychologischen Forschungsabteilung am Psychiatrischen Institut der Universität London, des Maudsley and Bethlem Royal Hospital.

In den folgenden Jahren unternahm Eysenck ausgedehnte Forschungsreisen in viele Länder und hatte einige Gastprofessuren inne, so war er z. B. 1949/50 ein Jahr Gastprofessor an der Universität von Pennsylvanien und 1954 an der Universität von Kalifornien. Ab 1955 übernahm er den Lehrstuhl als Professor für Psychologie an der Universität von London.

Eysenck war ein sehr eifriger Publizist, so veröffentlichte er mehr als 80 Beiträge in in- und ausländischen Fachzeitschriften und publizierte mehr als 60 Bücher, von denen die meisten in Millionenauflage verkauft wurden. So gab er z. B. in seinem 1953 erschienenen Buch The Structure of Human Personality einen Überblick über die bisherigen Theorien auf dem Gebiet der Persönlichkeitsforschung und untersuchte in Psychology of Politics unter anderem die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitseigenschaften und sozialen Einstellungen, behandelte aber auch populärwissenschaftliche Themen wie Hypnose, Sterndeutung und psychologische Aspekte des Rauchens.

Nach zwei Ehen und als Vater von fünf Kindern verstarb Eysenck 1997 81-jährig in London.

Die Faktorenanalyse als grundlegende Methode Eysencks

Kurze Beschreibung der Technik

Da das Verfahren der Faktorenanalyse sehr komplex und kompliziert ist, soll es an dieser Stelle nur kurz angedeutet werden. Es kann aber nicht übergangen werden, da es bei der Betrachtung von Eysencks Theorie einen ganz wesentlichen Bestandteil darstellt. Die Faktorenanalyse stellt seit ca. 40 Jahren die gängigste Technik in der Persönlichkeitspsychologie dar, um die gesuchten Beschreibungsdimensionen zu erlangen. Dabei liegt das grundlegende Prinzip darin, die in einer Menge von Variablen enthaltenen Informationen (z. B. individuelle Punktzahlen auf einer Befindlichkeitsskala ) auf eine möglichst geringe Zahl von hypothetischen Faktoren zu reduzieren.

Zur Erreichung dieses Ziels gruppiert man die Variablen in möglichst unabhängige, einander nicht überlappende Klassen bzw. ordnet sie den Faktoren zu. Dabei untersucht man die Ähnlichkeit der Faktoren, als Grundlage hierfür dient der Korrelationskoeffizient, der die gegenseitige Abhängigkeit der Variablen ausdrückt.

Hierbei gilt: es müssen um so mehr Faktoren zugrunde gelegt werden, je niedriger die Korrelationskoeffizienten sind. Meist bilden mehrere Variablen einen Faktor. Auf die Bedeutung dieses Faktors, der dann als Trait (Wesenszug) gilt, wird aus den Variablen geschlossen, die ihn definieren.

Erläuterung der Faktorenanalyse in bezug auf Eysencks Theorie

Die Frage, die der Faktorenanalyse in diesem Fall zugrunde gelegt wird, ist: ,,Auf welche Items antworten viele Versuchspersonen auf die gleiche Art?"

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wird einer großen Anzahl von Personen eine große Anzahl von Testitems vorgelegt, z. B. in Form eines Befindlichkeitsfragebogens. Jetzt wird ausgewertet, welche der Variablen zusammenhängen, d. h. welche zusammen auftreten und zusammen verschwinden. Jedes Item wird auf Zusammenhänge mit jedem der anderen Items geprüft, wobei man den Korrelationskoeffizienten benutzt. Mit einer Reihe von statistischen Verfahren wird dann aus mehreren Items ein Faktor gebildet, der sozusagen einen Oberbegriff darstellt.

Bei Eysenck sind diese entstandenen Faktoren die Persönlichkeitswesenszüge (z. B Geselligkeit, Aktivität, Reizbarkeit), die durch die charakteristischen Merkmale der Items, aus denen sie entstanden sind, benannt werden.

Durch weitere statistische Verfahren werden nach Eysencks Methode die Grunddimensionen (Typen) bestimmt, die die Grundlage der Persönlichkeitswesenszüge bilden: Extraversion - Introversion, Neurotizismus (emotionale Labilität) - emotionale Stabilität und Psychotizismus. Daraus besteht die Grundlage von Eysencks Persönlichkeitstheorie.

Die Typendimensionen

Eysencks Typenkonzept basiert auf der Behauptung, daß sich alle Persönlichkeitswesenszüge auf zwei unabhängige Dimensionen reduzieren lassen : Extraversion/Introversion und Neurotizismus. Psychotizismus als dritte Dimension entwickelte Eysenck erst viele Jahre später.

Unsere Persönlichkeitstheorie behauptet, daß sich Persönlichkeit am besten als eine große Menge von Eigenschaften (...) beschreiben läßt und daß diese Eigenschaften in gewissen Bündeln miteinander zusammenhängen; diese Bündel sind die empirische Basis für Konzepte höherer Ordnung, die man als ,,Typen" oder, wie ich es vorziehen würde, als Dimensionen der Persönlichkeit bezeichnen kann. (Eysenck, 1976, siehe Fisseni, 1998)

Um die Existenz dieser grundlegenden Dimensionen zu belegen, nahm Eysenck biologische Fakten zur Hilfe. Er bezog sich dabei auf zwei funktionelle neurophysiologische Systeme: das ARAS und das Limbische System.

Extraversion vs. Introversion

Der nach Eysenck typische Extravertierte hat eine Reihe von Wesenszügen inne: Er liebt Geselligkeit, ist sozial aufgeschlossen, hat einen großen Freundeskreis, teilt sich anderen Menschen mit, ist lebenslustig, heiter, optimistisch, schlagfertig und lacht gerne. Außerdem ist er impulsiv, liebt Aufregung und Abwechslung und geht oft Risiken ein. Im Gegensatz dazu ist der typisch Introvertierte eher zugeknöpft und distanziert, außer gegenüber engen Freunden, er zieht sich zurück, ist ruhig und vorsichtig, wirkt verschlossen und schwer durchschaubar. Desweiteren plant er sein Leben weit im voraus, ist sehr zuverlässig und ordentlich, ernst und eher kontrolliert. Er ist pessimistischer als der extravertierte Mensch, schmerzempfindlicher, wird schneller müde und gelangweilt und ist zwar sorgsamer, aber auch langsamer als der Extravertierte. Grundsätzlich muß man jedoch sagen, daß die hier dargestellten Charakterbilder Extreme verdeutlichen und daß nur sehr wenige Menschen diesen Extremen entsprechen. Die Verteilung der Typendimensionen ähnelt einer Normalverteilung, somit liegt die Mehrheit der Menschen im mittleren Bereich

Biologische Grundlagen.

Eysenck vermutete die biologischen Grundlagen für die Typendimensionen in individuellen Unterschieden in neurophysiologischen Erregungs- und Hemmungsprozessen. Als Grund für Temperamentsunterschiede in der Dimension Extraversion/Introversion sah er das aufsteigende retikuläre aktivierende System (ARAS).

Das ARAS ist ein sehr komplexes Hirnsystem, das zur Aktivierung des Cortex dient. Dabei hat es vorwiegend drei Funktionen: Regulation von Schlaf- und Wachzustand, Einfluß auf die Muskulatur und Steuerung der Aufmerksamkeit. Dabei ist das Aktivierungspotential von Situationen entscheidend (das mittlere aktivierende Potential, das eine bestimmte Situation auf eine Gruppe von Menschen hat), da es bei Introvertierten andere Auswirkungen hat als bei Extravertierten.

Introvertierte haben laut Eysenck eine niedrigere Schwelle für retikuläre Erregung als Extravertierte. Daraus folgt, daß Introvertierte durch Situationen mit niedrigem bis starkem Aktivierungspotential eine stärkere retikuläre Erregung erleben als Extravertierte. Bei Situationen mit sehr starkem Aktivierungspotential werden jedoch Extravertierte stärker retikulär erregt, da an dieser Stelle bei Introvertierten ein Schutzmechanismus einsetzt, der eine zu hohe Erregung verhindern soll.

Die Folge dieser unterschiedlichen Erregungsvorgänge ergibt sich nun daraus, daß der Mensch immer nach einem optimalen Erregungsniveau des ARAS strebt, welches nun aber bei Introvertierten anders ist als bei Extravertierten. Deshalb suchen Extravertierte ständig Situationen mit hoher Stimulation, wie z. B. Partys, während Introvertierte ihr optimales Erregungsniveau viel schneller erreichen und darum eher zu Hause sitzen und lesen. Da sie bei zu hoher Stimulation überstimuliert sind, meiden sie soziale Kontakte und sind reizscheu. Aus diesen Erkenntnissen leitet Eysenck auch praktische Tips ab, die man nach Bestimmung des Typs anwenden kann. So können Introvertierte z. B. am besten zu Hause allein und ohne Musik lernen, während Extravertierte zusätzliche Stimulationen wie andere Menschen oder Musik benötigen und deshalb sehr gut in Bibliotheken lernen können. Außerdem sollten Extravertierte Berufe wählen, in denen sie eine ständige Interaktion mit anderen Menschen erwarten können, während sich Introvertierte eher für Berufe entscheiden sollten, in denen sie sich zurückziehen können und nicht ständig neuen Erlebnissen ausgesetzt sind.

Neurotizismus

Auch für die Dimension des Neurotizismus gibt es kennzeichnende Wesenszüge. So ist der als neurotizistisch einzustufende Mensch stark emotional, leicht verstimmbar, launisch, empfindlich, unruhig, ängstlich, nervös, depressiv und irrational. Er leidet unter Schuldgefühlen, Minderwertigkeitsgefühlen, an Schlaflosigkeit und ist leicht reizbar. Außerdem beklagt sich der Neurotizist oft über Ärger und Ängste, verfügt über weniger Energie und begrenzte Interessen, begibt sich leicht in Abhängigkeiten und fühlt sich in Gruppen wenig integriert.

Biologische Grundlagen.

Die biologische Argumentation für diese Typendimension ist der von Extra- und Introversion sehr ähnlich, nur daß es hierbei um autonome physiologische Erregung statt um retikuläre Erregung geht. Neurotische Menschen reagieren also stärker auf leicht bis stark angst- und streßerregende Situationen als emotional stabile Menschen und brauchen nach einer solchen Erregung länger, um wieder in den ,,Normalzustand" zurückzukehren. Die Grundlage dafür bildet laut Eysenck das Limbische System, welches an der Steuerung aller Verhaltens- und Denkprozesse integral beteiligt ist. Früher wurde angenommen, daß die Regulation von emotionalen Erregungsprozessen seine wesentliche Aufgabe darstellt, inzwischen ist bekannt, daß dies nur für Teilstrukturen gilt, andere Strukturen sind eher für Gedächtnisfunktionen verantwortlich.

Neurotisches Verhalten ist also laut Eysenck das Ergebnis einer starken Reaktion des autonomen Nervensystems auf externe Reize

Psychotizismus

Die Weiterentwicklung von Eysencks Typenkonzept um diese dritte Dimension war zwar weniger einflußreich als die ursprüngliche zweidimensionale Theorie, soll aber an dieser Stelle trotzdem kurz betrachtet werden.

Ein psychotizistischer Mensch ist ein Einzelgänger, der sich nichts aus Menschen macht. Er ist oft unangenehm, kühl und egozentrisch, ist nicht anpassungsbereit und paßt nirgends

richtig hinein. Außerdem ist er gleichgültig Gefahren gegenüber, hat eine Schwäche für sonderbare und ungewöhnliche Dinge, er liebt es, andere zum Narren zu halten und aus der Fassung zu bringen. Er kann grausam, feindselig und unmenschlich sein, ist oft sogar den Menschen gegenüber aggressiv, die er liebt und besitzt einen Mangel an Gefühl und Einfühlungsvermögen.

Biologische Grundlagen.

Über die physiologische Basis dieser Dimension ist nur wenig bekannt, sie wurde nie richtig geklärt. Es wird vermutet, daß die erhöhte Aggressivitätsneigung psychotizistischer Menschen mit erhöhten Testosteronwerten zusammenhängt, was auch in zahlreichen Experimenten überprüft wurde. Es gibt jedoch keine eindeutigen bzw. übereinstimmenden Ergebnisse, die diese Theorie eindeutig belegen oder widerlegen würden.

Kritikansätze

Eysenck und seine Theorie waren stets stark umstritten und sind es auch heute noch. Trotz seiner Versuche, methodisch einwandfrei zu arbeiten und zahlreiche Nachweise für seine Aussagen zu finden, wurde an seinen Ergebnissen immer wieder gezweifelt. Untersucht man Eysencks Theorie hinsichtlich der Gesichtspunkte Forschung, Theorie und Konsistenz so kann man zwar viele positive Aspekte erkennen, jedoch auch eine große Zahl an negativen Punkten.

Allgemein muß man sagen, daß Eysenck sehr produktiv in allen Bereichen war. Er untersuchte nicht nur die Prinzipien des Verhaltens und verschiedene Eigenschaftsmodelle, sondern führte auch Studien zu Kriminologie, Erziehung und politischen Ideologien durch und beschäftigt sich mit populärwissenschaftlichen Themen wie Rauchen, Hypnose und Sterndeutung.

Negativ ist jedoch zu bewerten, daß er sehr starrköpfig war und alternative Modelle strikt zurückwies. Außerdem vertrat er rassistische Ansätze, was ihm viele Feinde auf der ganzen Welt einbrachte.

Theorie

Unter diesem Gesichtspunkt ist auf jeden Fall als positiv hervorzuheben, daß Eysencks Theorien über die bloße Beschreibung hinausgeht. Durch seine zahlreichen Versuche, seine Aussagen nachhaltig zu begründen (biologische Grundlagen, Faktorenanalyse), vermeidet er vor allem die Zirkularität. Damit sind Aussagen gemeint, die sich wechselseitig begründen, z.B.: ,, Anne geht gerne auf Partys, weil sie sehr extravertiert ist. Man erkennt Annes

Extraversion daran, daßsie gerne auf Partys geht." Dadurch wird aber die Wahrheit der Aussagen überhaupt nicht begründet. Eysenck hingegen schafft eine überprüfbare und meßbare Theorie. Durch Weiterentwicklung und Kombination der Theorien von Kant, Jung, Pawlow und Kretschmer schafft Eysenck eine sinnvolle Brücke zwischen den klinischen Theorien und den Lerntheorien. Die Beschränkung auf zwei bis drei Dimensionen zur Erfassung der Persönlichkeit erlaubt eine scharfe Verhaltensvorhersage. Genau dieser Punkt stellt jedoch einen sehr bedeutenden Kritikpunkt an seiner Theorie dar: Ist die Individualität eines Menschen mit zwei bis drei Dimensionen erfaßbar?

Forschung

Betrachtet man die Art, wie Hans-Jürgen Eysenck forschte, um Ergebnisse zu erhalten, so muß man auf jeden Fall betonen, daß er viele verschiedene Forschungsarten anwandte, z.B. Laborexperimente, Feldstudien, Fragebögen und so zahlreiche Forschungsbelege unterschiedlichster Art zur Verfügung hatte, was für die Genauigkeit seiner Ergebnisse spricht. Er ging dabei empirisch vielfältig und methodisch sorgfältig vor . Dabei muß man jedoch beachten, daß Eysenck stets statistische Konzepte verwendete, dabei aber dynamische Prozesse und Umwelteinflüsse völlig außer acht ließ. Außerdem führte er keinerlei Langzeitstudien durch und verließ sich zuweilen zu stark auf seine Fragebogendaten, ohne dabei jedoch die Fragebogenproblematik zu berücksichtigen. Damit ist gemeint, daß man bei Fragebögen einiges beachten muß, so z. B. die Motivation und die momentane Stimmungslage der Versuchsperson, das Vorhandensein von bestimmten Fähigkeiten und die Neigung der Versuchspersonen, sozial erwünschte Antworten zu geben. Durch Nichtbeachtung dieser Faktoren kann es zu verfälschten Ergebnissen kommen.

Konsistenz

Das Thema der Konsistenz erhitzt nicht erst seit Eysenck die Gemüter der Persönlichkeitstheoretiker, die ewige Kontroverse fand hier jedoch reichlich Stoff für rege Diskussionen. Es geht hierbei darum, ob die in Fragebögen und mit anderen Mitteln erfaßten Eigenschaften wirklich konstant sind. Welches Maß an biologischen Grundlagen ist für unser Verhalten verantwortlich und können wir wirklich aus vergangenem Verhalten auf zukünftiges schließen?

Für Eysenck selbst stand das Thema nie zur Debatte, da für ihn der Einfluß der Gene und der geerbten Eigenschaften von Anfang an sehr groß war. Durch die Überbetonung der erblichen Komponente geriet Eysenck auch in eine politische Kontroverse, die sich vor allem am Thema Kriminalität manifestierte: Sind wir als das geboren oder werden wir zu dem gemacht, was wir sind? Eysenck selbst meint dazu (Pervin, 1993) :

Die Tatsache, daß genetische Faktoren eine große Rolle spielen in dem Beginn und der Aufrechterhaltung neurotischer Störungen und auch krimineller Aktivitäten, ist vielen Menschen wenig willkommen, die glauben, daß so eine Ansicht zu therapeutischem Nihilismus führen muß. Wenn die Vererbung so wichtig ist sagen sie, dann muß Verhaltensänderung irgendeiner Art unmöglich sein. Dies ist eine ziemlich falsche Interpretation der Tatsachen. Was genetisch festgelegt ist, sind Geneigtheiten einer Person, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln und sich zu verhalten, wenn sie in bestimmten Situationen steckt.

Walter Mischel, einer der größten Kritiker Eysencks, argumentierte stets gegen Konsistenzannahmen, vor allem im situativen Bereich. Um seinen Standpunkt zu belegen führte er einige Experimente durch, in denen er zuerst Versuchspersonen mit Hilfe von Fragebögen analysierte und dann ihr Verhalten in bestimmten Situationen überprüfte. Die Versuchspersonen verhielten sich jedoch in den seltensten Fällen wie erwartet. Das sah Mischel als Beweis dafür, daß es kaum möglich ist, Verhaltensvorhersagen zu treffen.

Zusammenfassend kann man sagen, daß der größte Streitpunkt hierbei die sogenannte Person Situations-Kontroverse ist. Dabei geht es um die Frage, ob nicht die Prädispositionen einer Person letztendlich für ihr Verhalten verantwortlich sind, sondern die konkrete Situation, wogegen Eysenck die Prädispositionen und damit die erbliche Komponente als entscheidenden Auslöser für Verhalten ansieht.

Abschließende Gedanken

Ob Eysenck mit seinem Typenkonzept, seinen Theorien über biologische und erbliche

Grundlagen des Verhaltens recht hatte oder nicht, soll an dieser Stelle nicht zur Debatte

stehen. Vielmehr ist es Sinn dieser Arbeit zu zeigen, welche Gedanken dieser Mensch in

seinem Leben hervorgebracht hat, wie er geforscht, gehandelt und gedacht hat und wie seine Zeitgenossen zu ihm standen.

Da Hans-Jürgen Eysenck den Mittelpunkt dieser Arbeit bildet, möchte ich sie auch mit seinen Worten beenden:

Ich glaube also, daß die Psychologie in hohem Maße eine Brücke bildet zwischen den biologischen Wissenschaften wie Genetik, Physiologie, Neurologie, Anatomie etc.

und den Sozialwissenschaften wie Volkswirtschaft oder Soziologie - eine Brücke, die sie von der rein atomistischen Art wegführt, mit der die biologischen Wissenschaften den Reflexbogen, die Zelle oder die Gene betrachten. Die Psychologen verarbeiten all dies mit dem menschlichen Verhalten zu einem Ganzen, und dieses Wissen kann von den Sozialwissenschaften benutzt werden, um eine realistische Bewertung dessen, was in der Tat vor sich geht, zu geben. (Eysenck, 1976, Die Zukunft der Psychologie)

Literaturverzeichnis

Asendorpf, J. B. (1996). Psychologie der Persönlichkeit. Grundlagen. Berlin: Springer. S. 128 - 132

Batinic, B. (1997). Psychologe Eysenck gestorben! [WWW-Datei]. Verfügbar unter: www.hogrefe.de/buch/online/netpsycho/wwwboard/messages/6.html. Birbaumer, N. & Schmidt, R. F. (1999). Biologische Psychologie. 4. Aufl. Berlin: Springer. S. 465, 529, 531

Carver, C. S. & Scheier, M. F. (1997). Perspectives on personality. 2nd ed. Needham Heights: Allyn and Bacon. pp. 68 - 72, 167 - 176

Eysenck, H. J. (1976). Die Zukunft der Psychologie. München: Paul List Verlag. S. 168 Fisseni, H.- J. (1998). Persönlichkeitspsychologie. Ein Theorien ü berblick. Göttingen: Hogrefe. S. 378 - 404

Mischel, W. (1986). Introduction to personality. 4th ed. A new look. Orlando: Hartcourt Brace. pp. 126 - 128

Pervin, L. A. (1993). Persönlichkeitstheorien. München: Ernst Reinhardt Verlag. S. 309 - 317, 339 - 345

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Hans-Jürgen Eysenck - Eine biopsychologische Persönlichkeitstheorie
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Theorien der Persönlichkeit
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
12
Katalognummer
V98770
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hans-Jürgen, Eysenck, Eine, Persönlichkeitstheorie, Theorien, Persönlichkeit
Arbeit zitieren
Stefanie Müller (Autor), 1999, Hans-Jürgen Eysenck - Eine biopsychologische Persönlichkeitstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98770

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