Fankurve rechts außen. Extreme, rechte, politische Strukturen in der Fanlandschaft des deutschen Männerfußballs


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1,3

Marc-Hendrik Schöning (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Gewalt im Namen des Fußballs

Fußball als soziale Bewegung
Fankulturen
Politische Fankulturen

Stadion, Gesellschaft, Politik
Stadion als „Ort außerhalb der Gesellschaft“
Die Gesellschaft im Stadion

Fußball National
Nation, Nationalität, Nationalismus
Fußball als Rahmen für Nationalismus

Ableitungen für die Soziale Arbeit

Literaturverzeichnis

Einleitung

"Für zwei Stunden schweißt der große Anlass die gesteuerte kommerzialisierte Solidarität der Fußballinteressenten zur Volksgemeinschaft zusammen. Der kaum verdeckte Nationalismus solcher scheinbar unpolitischen Anlässe von Integration verstärkt den Verdacht ihres destruktiven Wesens" (Adorno 1996, 188f.). So beschreibt Theodor Adorno seine Beobachtungen zu den Radioübertragungen von Fußballmeisterschaften. In Deutschland erreichen Meisterschafen des Fußballs Millionen von Zuschauern und als führende Sportart spielen unzählige Kinder und Jugendliche im Vereinssport Fußball und Millionen Menschen verstehen sich als Fans. Bezieht sich diese Faszination auf die Spieler auf dem Platz, oder vielleicht doch mehr auf den Rahmen der, wie Adorno vermutlich schon beobachtete, mit nationaler Symbolik, die sich in Nationalhymnen und Flaggen manifestiert geschmückt ist (Mutz und Gerke 2019, S. 1–2)?

In den Medien sind vielfach Schlagzeilen zu finden, die deutschen Männerfußball mit Gewalt und extremistischen Vorfällen in Verbindung bringen. Von Diskussionen über die Nationalitäten der Profisportler, zu Choreografien mit fragwürdigen Liedern, Sprüchen oder Symbolen, bis hin zu Gewalttaten durch Fußballfans außerhalb der Spiele. Besonders auffällig sind die vielen Vorwürfe von Rechtsextremismus an die Fans durch die Medien. Vor allem wird sich dabei auf Fanszenen bezogen, die die Tribünen der Stadien füllen und mit ihren Liedern und Bannern ihre Vereine anfeuern. Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen Blick darauf zu werden, warum der Deutsch Männerfußball so attraktiv für rechte Ideologien zu sein scheint, welche Prozesse dabei eventuell übersehen werden und was dagegen getan wird, bzw. welchen Ansatzpunkt die Soziale Arbeit in der Situation verfolgt.

Gewalt im Namen des Fußballs

Was viele Menschen heute mit Fußball verbinden, findet oft am Rand des Spieles statt. Die Medien Berichten von Gewalt im Stadion und unter den Fans aber auch innerhalb der Mannschaften (Thole und Pfaff 2019, S. 3). So lautet eine Schlagzeile des Tagesspiegels beispielsweise: "Gegen Stuttgart zeigten Fans ein Banner mit rechtsradikalen Anspielungen und zündeten Pyrotechnik" (Der Tagesspiegel 2019). Vor dem Anpfiff zeigten die Fans von der Mannschaft Hansa Rostock eine Choreografie, in der sie pyrotechnische Lichter zündeten und ein großes Banner zeigten auf dem geschrieben stand "Ausser Rand und Band, für Verein und Vaterland". Der Schriftzug wurde in altdeutschen Lettern gestaltet und neben ihm abgebildet prangte eine Deutschlandflagge mit schwarzem Adler darauf. Ein zweites Banner zeigte einen Totenkopf mit dem Namen der Fangruppe "Volgastä" und dem Schriftzug "Multikriminell seit 1999"(ebd.). Ein unbeteiligter Fan äußert sich enttäuscht zu dieser Choreografie: "[...] die bestätigt mal wieder, was viele Menschen ohnehin über den Verein zu wissen glauben. Wenn ich sage, dass ich Rostock-Fan bin, lautet die erste Frage meistens: 'Bist du auch rechts?' " (Gömmel 16.28.2019). Dabei entbrennen sogar politisch gelagerte Konflikte unter den Fanszenen. Linke Gruppen werden, wie im Beispiel von der Rising Boys als Fans von Hannover 96, von anderen Gruppierungen mit rechten Tendenzen aus der Fankurve gedrängt. Gegeninitiativen durch Flyer und das Berufen auf eine bunte Fankultur endeten dann in Schlägereien im Stadion. Vorwürfe in eine extreme linke oder extreme rechte Richtung gibt es gleichermaßen, handfest ist davon nichts (Zuschlag 2019). Aber auch außerhalb des Stadions fallen gewaltbereite Fußballfans auf. So erinnert sich ein Rostocker an Bilder, die durch die Bundesrepublik gingen: "Die Flaggen beim Fußball passten zu dem Nationalismus und Rassismus, der damals wie heute das Leben vieler Menschen in Deutschland zum Albtraum macht. Unvergessenes visuelles Symbol der Übergriffe in Rostock bleibt bis heute das Foto eines betrunkenen Anwohners, der mit einem Trikot der Nationalmannschaft bekleidet und feuchtem Fleck im Schritt den rechten Arm zum Hitlergruß streckt" (Ismer 2016, S. 9). Hier wird sich auf die Pogromnach im Sommer 1992 in Rostock Lichtenhagen bezogen, in der sich Rostocker BürgerInnen versammelten, um ihrer Wut gegen ausländische HilfsarbeiterInnen Luft zu machen. Die lokale Polizei war mit der Situation und der Gewalt seitens der BürgerInnen überfordert, zog sich mehrmals zurück und bekam schließlich Unterstützung von Beamten aus anderen Bundesländern. Trotzdem wurden als Resultat des Pogroms ein Wohnheim geräumt, ein zweites wurde niedergebrannt und nur durch Glück konnten die Bewohner über das Dach fliehen. Das alles unter rechtsextremen Parolen und gestreckten rechten Armen (Prenzel 2012, S. 9–21). Es wäre überzogen, die Ereignisse des Rostocker Pogroms allein auf Fußball zu beziehen. Doch auch wenn es weit hergeholt zu sein scheint, kann es schmerzlich bewusst machen, wie schnell unterbewusster und latenter Rassismus in rechte Gewalttaten umschwenken kann. Es stellt sich nun die Frage, warum gerade der Fußballsport ein Ort ist, an dem so viel Gewalt und gleichzeitig politische Botschaften im Umlauf sind.

Um der weiteren Betrachtung nachgehen zu können, wird im Folgenden der Fußball als ein soziales Phänomen untersucht und die Fankulturen näher betrachtet. Im Zentrum des folgenden Abschnittes steht die Frage, wie ist der Fußball beschaffen, dass er soziale Bedingungen in sich vereint und auf welchem Weg knüpfen Fankulturen an dieser Beschaffenheit an?

Fußball als soziale Bewegung

Als Fußball am Ende des 19. Jahrhunderts als Sportart aus England auftrat, wurde ihm viel Skepsis entgegengebracht. Bis dahin wurde der Sport und vor allem die sportliche Pädagogik hauptsächlich durch das Turnen dominiert und über dies sollten den Heranwachsenden bei der sportlichen Betätigung gute bürgerliche Werte vermittelt werden. Diese Möglichkeiten zur Erziehung sagte man dem Fußball vorerst ab und er wurde als ungehobelt, ungeordnet und nicht von erzieherischer Bedeutung wahrgenommen. Erst als die Schüler und Studenten der Zeit begannen sich als Jugendliche und eigenständige Generationsphase wahrzunehmen boykottieren sie die Turnstunden und entzogen sich dem Einfluss der traditionellen Sportarten und somit auch den damit zu vermittelnden Werten. Der Fußball sollte nun die Jugend, welche militärisch exerzierende Sportarten, wie das Turnen ablehnte, wieder zurückgewinnen. Die Selbstorganisation der aufkommenden selbstbewussten Jugend als soziale Bewegung ist demnach die Wiege aus dem der Fußball in Deutschland hervorgegangen ist (Thole und Pfaff 2019, 4-6).

„Unter einer sozialen Bewegung wird […] eine soziale Gruppierung oder Strömung verstanden, die sich unabhängig von sonstigen gesellschaftlichen Vertretungskörper-schaften, Systemen und Institutionen als ein kollektiver, nicht formal strukturierter Akteur versteht, der in organisierter Form mit unterschiedlichen, nicht formalisierten Mobilisierungs- und Handlungsstrategien intendiert, soziale, kulturelle oder ökonomische Bedingungen, Normen und Prozesse zu verändern, einen gesellschaftlichen Wandel oder Modernisierung herbeizuführen, zu verhindern oder umzukehren“(ebd. S. 7).

Aufgrund dieser Geschichte nahm der Fußball eine Trägerrolle für die veränderten Werte- und Normvorstellungen des sozialen Wandels ein. Die zu dieser Zeit aufkommenden Gedanken um den Fortschritt wurden in den Fußball projiziert. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Fortschritt durch Leistung und Gewinn von Entscheidungsfreiheit die im Arbeitsleben genauso wie im Sport gesehen werden konnte, wenn der Arbeiter oder der Sportler selbstbestimmte Entscheidungen trifft und über seine Leistung und nicht seinem Stand bewertet wird, um dann am Gewinn aller beteiligt zu werden. Diese bürgerlich-kapitalistischen ideale sind bis heute nicht abgeklungen. Damit wird das Fußballspiel zu einem Abbild der Wirklichkeit und dazugehörende Fanszenen sind nicht losgelöst von sozialen Prozessen zu verstehen (ebd. S. 7-8). Beispielsweise werden im Fußball soziale Teilhabechancen thematisiert. Frauenfußball als emanzipatorische Bestrebung und Diskussionen um die Ökonomisierung des Sports, aber auch migrationsbezogene Kontroversen, wie die um Mesut Özil bei der WM 2014 können hier exemplarisch aufgezählt werden (ebd. S. 10-11).

Fankulturen

Ab den 1920er Jahren kann der Fußball als Massenphänomen beschrieben werden und die Fans treten seitdem zunehmend in Gruppen auf aus denen die sogenannten "Schlachtenbummler" mit Referenzen auf militärische Traditionen und soziale Kategorisierungen der Vereine hervorstechen. So werden Begriffe wie Angriff und Abwehrschlacht in der Szene genutzt und gegnerische Vereine als Arbeiter-, Bonzen- oder gar Judenvereine bezeichnet. Innerhalb der Gruppen wird Zusammenhalt gelebt und es bilden sich starke Kameradschaften aus. Ab den 1960er Jahren treten dann sogenannte "Kuttenfans" in Erscheinung (Becker 2019, S. 31–32). Nach britischem Vorbild verdanken sie ihren Namen der Eigenschaft eine, mit den Aufnähern ihres Lieblingsvereins bestückten, Jacke die Kutte genannt wird. Mittlerweile werden Fans, die sich über die Kutte hinaus mit Kleidungsstücken und anderen Materialien aus dem Merchandise des Vereins schmücken als Kuttenfans bezeichnet. In der Regel besuchen die Kuttenfans die Stadien um ihre Mannschaft spielen und gewinnen zu sehen. Mit Leidenschaft stehen die bedingungslos hinter ihrem Verein und nehmen rivalisierende Spieler und Fans als Feinde wahr die es in jedem Fall zu übervorteilen gilt, um die Ehre der Mannschaft zu bewahren. Es kann vorkommen, dass persönliche Problemlagen der Kettenfans durch Siege der Mannschaft ausgeglichen werden oder Niederlagen umgekehrt zu einer Verschärfung dieser Problemlagen oder gar gewalttätigen Auseinandersetzungen führen kann (Kotthaus und Kathöfer 2013). Seit den 1980er Jahren finden sich Hooligans in der Fanlandschaft. Der Zusammenhalt ist eine klare Maxime für die Mitglieder einer Hooligangruppe, die mit klaren Feind- und Freund-Schemata untermauert werden. Zum Teil weisen Hooligangruppen starke Affinitäten zu Rechtsextremismus auf und geraten immer wieder unter Verdacht Verbindungen zu rechtsextremistischen Gruppierungen und Bewegungen zu haben (Becker 2019, S. 32). Ultras als jüngste Szeneerscheinung betrachten den Fußball vorwiegend unter dem Aspekt es Spektakels. Sie legen großen Wert auf die Inszenierung des Fandaseins in der Arena idem sie mit Choreografien, aufwändig gestalteten Bannern, Gesängen und Pyrotechnik das Erlebnis des Fußballspiels von den Tribünen ausschmücken (Kotthaus und Kathöfer 2013, S. 38). Ultras als Phänomen gewannen in 1990er Jahren zunehmend an Bedeutung. Die aufwendige Selbstdarstellung steht stets im Konflikt mit den Sicherheitsbestimmungen der Stadien und stellen so ein Spannungsfeld zwischen Fans und Veranstalter und Vereinen dar (Becker 2019, S. 32–33).

Im Allgemeinen sind Fans, im Gegensatz zu den einfachen Zuschauern im Sport, durch die langfristig leidenschaftliche Beziehung zu einem Fanobjekt geprägt und sind bereit Ressourcen in diese Beziehung zu investieren. Während eines Fußballspieles, erleben die Fans das Spiel als Wettkampf zwischen Rivalen in welchem sie als Stellvertreter auf den Zuschauerrängen um den Sieg kämpfen, indem sie den rivalisierenden Fans mit gemeinschaftlichen Aktionen Macht demonstrieren. Während diesem Wettkampf gehen zum Teil Enthemmungen und Emotionsentladungen einher, die im Alltag nicht ihren Platz finden. Unterschwellig finden auch Probleme des Alltags und Diskurse aus der Gesellschaft so ihren Platz in den Aktionen (Kotthaus und Kathöfer 2013, S. 29–30). Die Fangruppierungen lassen sich hauptsächlich in drei Kategorien aufteilen. Konsumorientierte Fans messen dem Spielgeschehen am meisten Bedeutung bei. Dabei stellt Fußball ein Hobby dar, welches auch gut durch ein anderes ersetzt werden könnte. So ist Fußball für die eigene Identität und das Ausleben innerer Werte und Konflikte nicht von Bedeutung. Fußballzentrierte Fans legen eine bedingungslose Treue zu ihrem Verein an den Tag. Sie orientieren sich stark an der Gruppe von Fans, die sich ebenfalls zum Verein zugehörig fühlen und der Fanblock stellt einen sozialen Raum für den Erwerb von Anerkennung dar. Erlebnisorientierte Fußballfans, als dritte Kategorie, nehmen Fußball als ein Spektakel wahr und als Kontaktfeld zu Gleichgesinnten Anerkennung spielt auch hier eine große Rolle, gleichsam allerdings auch Gewalt gegen rivalisierende Gruppen (Becker 2019, S. 33).

Politische Fankulturen

Unter den selbstorganisierten Fanszenen fallen vor allem die Hooligans und die Ultras regelmäßig durch ihre Gewaltbereitschaft und kollektiven Fanpraktiken, durchsetzt mit Diskriminierung, Rassismus, Sexismus und Homophobie auf (Thole und Pfaff 2019, S. 3). Die Ultras und Hooligans lassen sich am ehesten in die erlebnisorientierte Fankategorie einordnen. Aus dieser Kategorie geht die Ebene der kritischen Fans hervor, die sich losgelöst vom zeitlich Begrenzten geschehen des Spiels auch außerhalb des Stadions ihre Rituale und Begegnungen fortsetzen. Sie werden dem Titel der kritischen Fans vor Allem dadurch gerecht, dass sie sich aktiv mit den Elementen des Fandaseins auseinandersetzen und sogar strukturelle Vorgänge im Sport und dem Verein, wie die zunehmende Kommerzialisierung des Sports, skeptisch beobachten und mit Engagement diese Entwicklungen zu beeinflussen suchen. Ihren Ursprung fand die Ultrabewegung in der italienischen Fußballfankultur um 1960. Dortige Proteste der Jugend und Arbeiterbewegung flossen in deren Aktionen als Fans im Stadion mit ein (Kotthaus und Kathöfer 2013, S. 38–40).

Ein Beispiel für das einerseits engagierte Verhalten von Ultras in der Fanszene aber andererseits auch für die unbestritten politische Färbung ist die Geschichte um die Aachen-Ultras. Diese hatten sich gegen rechtsextreme Äußerungen und Aktionen im Fanblock stark gemacht und für ein Stadion ohne Diskriminierung und für Minderheiten stark gemacht. Nicht alle Fans, die sich unter den Aachen Ultras befanden waren damit jedoch einverstanden und so spaltete sich die Ultragruppierung der Karlsbande von ihnen ab (Blaschke 2014). Die Geschichte um die Aachen Ultras endete, wie ein Spiegel Artikel in seiner Überschrift beschreibt: "Die 'Aachen Ultras' wurden bedroht, gejagt und verprügelt - nun haben sie sich aufgelöst. Der Alemannia-Fanclub fühlte sich vom Verein im Stich gelassen und hilflos den rechtsorientierten Aachen-Anhängern 'Karlsbande Ultras' ausgesetzt" (Schwickerath 2013).

Hooligans oder Hools nutzen Gewalt, losgelöst vom Spielgeschehen als Gewalt und stellen diese in den Mittelpunkt ihres Fandaseins. Die rivalisierenden Fans in die Flucht zu schlagen ist das Ziel dieser Auseinandersetzungen, bei denen es zu äußersten Gewaltausschreitungen kommen kann. Da Stadien zunehmen gesichert und überwacht werden treten auch die Orte nach dem Spiel oder gänzlich vom Fußball losgelöste Lokalitäten als Orte der Austragungen auf. Dieses Vorgehen nennen die Hooligans selbst das "Wald-und-Wiesen-Match". Modernes Auftreten von Hooligans führte bereits zur Vermischung von Ultras und Hooligans und formte den Begriff der Hooltras - kritische Ultras mit dem Verhaltensprofil von erlebnisorientierten Hooligans (Kotthaus und Kathöfer 2013, S. 40–41).

Ein loses Netzwerk von Hooligangruppierungen, welches sich selbst HoGeSa (Hooligans gegen Salafismus) nennt tritt 2014 durch gewaltsame Demonstrationen gegen Überfremdung in Erscheinung und offenbart, die oft politische Färbung von Hooligangruppen. Zwischen bekannten Gruppierungen wie der Borussenfront und der Karlsbande treten Personen des rechten Spektrums, wie der Neonazi "SS-Siggi" oder der ehemalige Neonaziladenbetreiber Thorsten de Vries aus Rostock und sogar rechte Gruppierungen wie die "Berserker Pfrotsheim" öffentlich gemeinsam und unter rechten Parolen auf (Gensing 2015).

An diesen Beispielen zeigt sich, dass unter den Fankulturen auch politische Einstellungen zum Tragen kommen und diese besonders bei Gewaltbereiten und/oder Gruppen mit großer medialer Wirkkraft zurück in die Gesellschaft spiegelt.

"Ultras sind fanatische Fußballanhänger, und eigentlich geht es ihnen nur um Fußball und ihre Liebe zum Verein. Doch die Zeiten, in denen man sich unpolitisch gab, sind längst vorbei. Die Szene ist dabei, sich ideologisch auszudifferenzieren. Wie Fußball-Hooligans und Rechtsextreme die Fankurven unterwandern,[...]" (Blaschke 2014).

So lässt sich die Tradition des Fußballs als soziale Bewegung auch in den Fankulturen entdecken. Schlachtenbummler als Ausdruck der militanten Zeit des NS Regimes, Kuttenfans als Ausdruck der zunehmenden Kommerzialisierung, Hooligans als Ausdruck gesellschaftlicher Diskussionen um Heimat und Migration und aktuell Hooligans als skeptische Auseinandersetzung mit der Frage nach Kultur und Fankultur, die gespaltene Meinungen hervorbringt. Fußball scheint demnach politischer zu sein als es auf den ersten Blick den Anschein macht. Dieser Umstand soll im Folgenden näher beleuchtet werden, um verständlich zu machen, warum politische Themen so gut Platz im Stadion finden.

Stadion, Gesellschaft, Politik

Der Fußball als soziale Bewegung legt nahe, dass soziokulturelle Fragen der Gesellschaft ihren Einfluss auf das Geschehen im Stadion und auch darüber hinaus auf Fans und Medien im Kontext des Sports haben. Warum stellt das Fußballstadion einen Ort dar, indem extreme politische Meinungen ihren Platz finden?

Stadion als „Ort außerhalb der Gesellschaft“

Die vielen Menschen die zum Teil wöchentlich die Stadien besuchen um als Fans dem Fußballspiel beizuwohnen, finden im Stadion einen Ort, an dem sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen können und keine Sanktionen zu erfahren wenn sie lauthals Schreien, in Emotionen ausbrechen und weinen oder Fluchen. So gesehen gelten einige Tabus der Gesellschaft nicht für das Fußballstadion und es stellt damit gewissermaßen einen Ort außerhalb der Gesellschaft und ihrer Normen dar. Zu diesen Verhaltensweisen gehören auch stark abwertende Diskriminierungen gegenüber den rivalisierenden Fans oder Mannschaft (Schubert 2019, S. 105). „Fans, die nicht zwingend der extremen Rechten angehören und sich selbst sogar als aufgeklärte Menschen bezeichnen würden, bedienen sich beim Fußball teilweise einer Kommunikation, die sexistisch, homophob, rassistisch, antisemitisch, antiziganistisch, behindertenfeindlich oder anderweitig diskriminierend ist“(ebd. S 105).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Fankurve rechts außen. Extreme, rechte, politische Strukturen in der Fanlandschaft des deutschen Männerfußballs
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Veranstaltung
Extremismusprävention, politische Bildung und Soziale Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V987708
ISBN (eBook)
9783346345097
ISBN (Buch)
9783346345103
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Extremismus, Prävention, Extremismusprävention, Sozialstaat, politische, Bildung, politische Bildung, Soziale Arbeit, Sozialarbeit, Nationalsozialismus, Nazi, Neonazi, rechtsextrem, Rechtsextremismus, Sozialpolitik, Gewalt, Fußball, Fußballfans, Szene, Fußballszene, Hooligan, Ultra, Suptra, Fankultur, Stadion, Fanblock, Nationalismus, Kotthaus, Thole, St. Pauli, HoGeSa, DFB, DFL, Deutscher Fußball Bund, Deutsche Fußball Liga, Adorno
Arbeit zitieren
Marc-Hendrik Schöning (Autor), 2020, Fankurve rechts außen. Extreme, rechte, politische Strukturen in der Fanlandschaft des deutschen Männerfußballs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987708

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