Leib-Seele-Problem


Skript, 2001

7 Seiten, Note: Sehr gut


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Marion Karl

Das Leib-Seele-Problem:

ist die Frage nach dem Zusammenhang zwischen psychischem Erleben und Körperlichkeit. Es gibt verschiedene Lehren darüber:

- Idealismus: Das körperliche ist Produkt oder Erscheinungsweise des Geistigen
- Materialismus: Das Seelenleben ist eine Funktion der Materie bzw. materieller Prozesse

Die dualistischen Lehren gehen von zwei Seiten aus:

- die Lehre vom psycho-physischen Parallelismus: die leiblichen und seelischen Ereignisse laufen, obwohl sie grundsätzlich in keinem Zusammenhang stehen, parallel ab.
- die Theorie der psycho-physischen Wechselwirkung: Zwischen Körper und Seele besteht ein gegenseitiges kausales Verhältnis (Seele kann im Körper Änderungen bewirken, der Körper wiederum in der Seele)
- die dualistische Interaktionstheorie: (John Eccles und Karl Popper) 'Gehirnvorgänge sind zwar Voraussetzung, aber nicht allein ausreichend für ein Bewusstsein'. zB: Wahrnehmung von Tönen: er kommt in unserer Tatsachenwelt nicht vor, sondern er wird erst durch unsere Wahrnehmung geschaffen.. (ebenso: Farbe, Form,...) Diese Theorie geht von einer doppelten, teils materiellen, teils ideellen Realität aus.

Daneben gibt es Theorien, die das Leib-Seele-Problem als ein bloß scheinbares betrachten:

Identitätstheorie (Spinoza): seelische und körperlichen Erscheinungen werden als zwei Seiten derselben Wirklichkeit betrachtet. Die Hypothese von der Identität physiologischer und seelischer Ereignisse wird heute von vielen Naturwissenschaftern geteilt, u.a. von Niels Bohr

Dass Psychisches auf Körperliches wirkt und umgekehrt ist evident - in welcher Weise und mit welchen Folgen diese Wechselwirkungen stattfinden, ist ein spezieller Aspekt des LeibSeele-Problems, der in den Aufgabenbereich der Gesundheitspsychologie und der psychosomatischen Medizin fällt.

Gesundheitspsychologie: Ziel · psychologische Einflüsse auf das Gesundbleiben und

Erkranken, die Ursachen für Erkrankungen und die Reaktionen auf das Kranksein zu erforschen

Psychosomatische Medizin: beschäftigt sich mit jenen körperlichen Erkrankungen, bei denen psychischen Vorgänge und Lebenssituationen wesentlich mitbeiteiligt sind.

psychische Faktoren können Krankheiten hervorrufen:

Kopfschmerzen - Schlafstörungen - Krebs - Übelkeit - Bluthochdruck - Herzkrankheiten - Magengeschwüre - Infektionskrankheiten - Migräne - Hautkrankheiten - Übergewicht ...

Als bedeutenste Todesursache in westlichen Industriegesellschaften gilt heute der Lebensstil (Rauchen, Alkoholkonsum, schädigende Essgewohnheiten, Bewegungsmangel, Schlafmangel und zu viel Stress)

Die Abhängigkeit der psychischen Prozesse vom Gehirn

Die medizinische Forschung hat viele Beziehungen zwischen Gehirnvorgängen uns subjektivem Erlebtem festgestellt · Erleben des Menschen ist an die Funktionsfähigkeit seines Gehirns gebunden.

- wird das Gehirn funktionsunfähig, zB Bewusstlosigkeit, hört jedes psychisches Geschehen auf.
- wird die Gehirntätigkeit durch Zufuhr bestimmter Substanzen verändert, so verändert sich auch das subjektive Erleben. zB Alkohol führt zu charakteristischen Veränderungen des psychischen Erlebens: Hemmungen fallen, Denken wird ungeordnet, Stimmung verändert sich.. Rauschgifte erzeugen Zustände hochgradiger Entspannung mit gehobener Stimmung und teilweise auch Halluzinationen.
- die psychischen Leistungen sind an das Vorhandensein bestimmter Hirnpartien (Zentren, Regionen) gebunden und fallen aus, wenn diese Zentren funktionsuntüchtig werden.
- die geistige Entwicklung hängt von der Gehirnentwicklung ab.
- Sowohl die geistigen Leistungen als auch die Trieb- und Gefühlserlebnisse des Menschen werden durch die Sekrete endokriner Drüsen (zB Schilddrüse und Keimdrüsen) in entscheidender Weise beeinflusst. Bei unzureichender Entwicklung der Schilddrüse bleibt die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten weit hinter der Norm zurück.

Die Gehirnzentren

Dein Gehirnzentrum ist ein Gangliensystem, dessen Funktion f ü r das Zustandekommen einer bestimmten k ö rperlichen oder psychischen Leistung unerl ä sslich ist.

Manche psychische Prozesse sind vollständig an die Funktion von Zentren gebunden, für andere sind ausgedehnte Hirnanteile oder das ganze Gehirn notwendig. vordere Zentralwindung der Hirnrinde · bildet als motorisches Zentrum das Zentrum für Bewegungsabläufe.

hintere Zentralwindung des Scheitellappens · für Bewusstwerdung der Körperempfindungen zB Schmerz, Temperatur, ... · auch Körperfühlsphäre.

Stress - Ursache, Auswirkung, Bewältigungsstrategien

Physiolgischer und psychischer Stress

der Lebensstil westlicher Industriegesellschaften ist wesentlich vom Phänomen Stress bestimmt. Was ist Stress und wie beeinflusst Stress Körper und Psyche?

Stress ist ein Muster spezifischer uns unspezifischer Reaktionen eines Organismus auf Reizereignisse, die sein Gleichgewicht st ö ren und seine F ä higkeit zur Bew ä ltigung strapazieren oder ü berschreiten. Diese Reizereignisse umfassen eine ganze Bandbreite externer und interner Bedingungen, die allesamt als Stressoren bezeichnet werden. Ein Stressor ist ein Reizereignis, das vom Organismus eine adaptive Reaktion verlangt.

Physiologische Stressreaktionen:

bei äußerer Bedrohung - zB durch Angreifer · physiologische Veränderung, die den

Organismus auf Flucht oder Kampf vorbereitet · Alarmreaktion: Hypotalamus wirkt auf

vegetatives NS und die Hypophyse Adrenalin-Ausschüttung in Gang setzt -> Milz wird

angeregt -> mehr rote Blutkörperchen ausgeschüttet -> Knochenmark produziert mehr weiße Blutkörperchen -> Leber produziert mehr Zucker -> Atmung und Herzschlag werden schneller -> Blutdruck höher -> Blutgefäße enger.

So wird der Körper auf Flucht vorbereitet · in heutiger Zeit wird diese Reaktion auch durch psychische Stressoren hervorgerufen und die Energie wird NICHT abgebaut!

Psychische Stressreaktionen:

können bei größerer Veränderungen der Lebensumstände eintreten - zB durch neue

Wohnorte, neue Jobs, Schulen, Partnerbeziehung, Tod von Angehörigen, Misserfolge ...

Der in Sozialberufen tätige Personenkreis ist Stresssituationen besonders ausgesetzt ·

Burnout-Syndrom. Auch kleine Ärgernisse können Stress auslösen. Darüber gibt es gesellschaftliche Stressoren wie Umweltstressoren oder wirtschaftliche Stressoren.

allgemeiner Adaptationssyndrom - durch Abfolge dreier Phasen gekennzeichnet:

- Alarmreaktion besteht aus den physiologischen Veränderungen, durch die ein bedrohter Organismus unmittelbar die Wiederherstellung seines normalen Funktionierens anstrebt. Die körpereigene Abwehr zur Wiederherstellung des inneren Gleichgewichtes wird mobilisiert.
- eine Phase der Resistenz folgt, wenn die stressauslösende Situation anhält. Der Organismus versucht einen Widerstand gegenüber dem Aggressor zu entwickeln. die Resistenz scheint durch vermehrte Hormonausschüttung bewirkt zu werden. Der Organismus passt sich damit diesem einen Stressor an, aber seine Resistenz anderen Stressoren gegenüber ist reduziert
- Die Phase der Erschöpfung tritt ein, wenn die erhöhte Hormonausschüttung nicht aufrechterhalten werden kann, der Organismus kann sich nicht an den Dauerstress anpassen. Die Folge ist Zerstörung von Körpergewebe oder gar der Tod.

Psychische Stressreaktionen sind - im Unterschied zu physiologischen - erlernt.. Sie sind von unseren Wahrnehmungen und Interpretation der Welt abhängig und enthalten demnach Aspekte des Verhaltens, der Emotion und der Kognition.

- Verhalten: leichter Stress aktiviert, mäßiger Stress führt zum Ausbruch von Verhaltensweisen oder zu wiederholten stereotypen Handlungen (im Kreis laufen...) schwerer Stress hemmt und führt zum Unbeweglichkeit, andauernder Stress durch mehrere Stressoren führt zu Reizbarkeit, Ungeduld, Konzentrationsstörung
- Emotion: Erregung über spannende Herausforderung, eher negative Gefühle wie Reizbarkeit, Wut, Ängstlichkeit, Mutlosigkeit · Depressionen. Opfer von Katastrophen, Vergewaltigungen usw. reagieren oft mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (Wiedererleben der Situation in Träumen und Erinnerungen)
- Kognition: ein Teil der Aufmerksamkeit, die der anstehenden Aufgabenbewältigung gewidmet werden sollte, wird für Stressbewältigung verwendet

psychosomatische Krankheiten

durch lang andauernde Stressreaktion. Stress mitverursacht mehr als die Hälfte aller Krankheiten. Stressoren können dabei folgendermaßen wirksam werden:

- Chronischer Stress, der durch Emotionen und Denkprozesse entsteht, kann zu Ausfällen der physiologischen Funktionen und zu Krankheiten führen.
- Wenn die Mechanismen des allgemeinen Adaptationssyndroms nicht angemessen funktionieren, wenn sie etwa in extremer oder überflüssiger Weise eingesetzt werden, zeigt der Körper eine Überreaktion zB allergische Reaktion auf Blütenstaub
- Schließlich kann auch Erschöpfung die aus einem ständigen Anpassungsprozess resultiert, zu körperlicher Erkrankung führen. · wenn Stressor nicht entfernt wird!!

Möglichkeiten der Stressbewältigung

Wie ein Mensch in einer Stresssituation reagiert hängt von seinen Ressourcen zur

Bewältigung einer Stresssituation ab, d.h. einer findet es als interessante Herausforderung, der andere bricht in der gleichen Situation zusammen.

Problemzentrierte Bewältigung: Versuche den Stressor zu beeinflussen, zB durch Entfernen/Verringern der Bedrohung, Flucht ...

Emotionszentrierte Bewältigung: Veränderung der Gedanken und Gefühle ohne Beeinflussens des Stressors mittels:

- Abwehrmechanismen des Ich: Verdrängung, Verleugnung, Rationalisierung
- Veränderung der Körperreaktionen durch Biofeedback und Entspannung, Autogenes Training
- Veränderung kognitiver Strategien: Veränderung des Denkens über bestimmte Stressoren

Überaus wichtige Rolle bei der Stressbewältigung: soziale Unterstützung, fehlt diese · anfälliger für Krankheiten ...

Isoplation · bedeutender Stressor

Methoden zur Untersuchung der Gehirnaktivitäten

Stress und psychosomatische Krankheiten lassen eindeutig auf das Zusammenwirken von Körper und Psyche schließen. Die wichtigsten Techniken zur Gehirnuntersuchung sind

Stimulation, Gehirnläsion und Aufzeichnung durch Elektroenzephalogramm (EEG), intra-

oder extrazellulärer Registrierung, Computer-Tomographie.

Die ,,Wachheit" des Bewusstseins

Die Erregungsausbreitung aus dem retikulären System in die ganze Hirnrinde bewirkt einen allgemein, unspezifischen Erregungszustand, der in einem bestimmten Ausmaß konstant vorhanden sein muss, damit bei Hinzukommen ganz spezifischer Erregungen der Sinneszentren überhaupt erst Wahrnehmungen zustande kommen können. Sinkt das retikulär bestimmte Erregungsniveau zu stark ab, kommt es zum Einschlafen. · d.h. es gibt verschiedene Abstufungen der Wachheit. Die Funktion dieses aufsteigenden retikulären Aktivierungs-Systems (ARAS) besteht darin, dass das Ansteigen der Aktivierung bis zu einem bestimmten Niveau zu optimaler Leistung führt, weiteres Ansteigen jedoch rasche Leistungsverschlechterung bewirkt.

Mit dieser Theorie kann auch das Wiedererstehen des menschlichen Ich-Bewusstseins nach dem Schlaf und dem Zustand der Bewusstlosigkeit erklärt werden

Bewusstseinszustände

In der psychologischen Forschung wurde mittels EEG die Art der hirnelektrischen Aktivität untersucht. Folgende Zusammenhänge wurden festgestellt:

Alpha-Wellen: Im entspannten Wachzustand, im Zustand geistiger und körperlicher Ruhe. Beta-Wellen: Sinnesreize zB Ton oder Licht und geistige Aktivität, bewirken eine kurze Blockierung der Alpha-Tätigkeit. Es zeigen sich kleinere, unregelmäßige Schwankungen, die höhere Schwingungszahlen aufweisen und die Alpha-Tätigkeit überlagern. Thelta-Wellen: Im Zustand der Ermüdung, im leichten Schlaf oder in tiefer Entspannung Delta-Wellen: Im Zustand des Tiefschlafes

Geistige Aktivität · Beta

Entspannender Wachzustand · Alpha Einschlafstadium · Alpha und Thelta Leichtschlaf · Delta und Schlafspindeln Mitteltiefer Schlaf · Delta und Thelta Tiefschlaf · Delta

rapid eye movement · REM · ein Schalfstadium, das vom EEG-Bild her dem

Einschlafstadium entspricht. Diese periodisch auftretenden Augenbewegungen, die beim Erwachsenen etwa 20% der Schlafdauer ausmacht (beim Säugling etwa 50%) können mit dem Elektro-Oculogramm (EOG) registriert werden.

Der Nachtschlaf beim gesunden Erwachsenen läuft in 3-5 Schlafzyklen, in denen jeweils

Stadien unterschiedlicher Schlaftiefe einschließlich des REM-Stadiums durchlaufen werden. Die anderen Zyklen werden als NREM (nonREM) Schlaf bezeichnet. Der REM-Schlaf wird auch als paradoxer Schlaf bezeichnet.. Es zeigt sich eine hohe cortikale Aktivität, und es treten häufig kleine Muskelzuckungen an Armein, Beinen und im Gesucht auf, sowie Augenbewegungen.

Die 2 Arten des Bewusstseins

Die linke Gehirnhälfte:

- kontrolliert rechte Körperhälfte
- analytisches, logisches Denken (verarbeitet linear und zeitlich aufeinander folgende Infos)
- für sprachlichen und abstrakt-mathematischen Bereich zuständig

Die rechte Gehirnhälfte:

- funktioniert auf ganzheitliche Weise
- für Orientierung im Raum zuständig
- kann Infos gleichzeitig verarbeiten
- steht für kreative Phantasie, bildnerische, musikalische und allgemein künstlerische Kreativität
- für Synthese besser geeignet

Beide Gehirnhälften: arbeiten komplementär zusammen. Dieses Zusammenwirken bewirkt erst die höchsten menschlichen Errungenschaften.

6 von 7 Seiten

Details

Titel
Leib-Seele-Problem
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V98772
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
für alle Hobby-Psychologen und verzweifelte Schüler
Schlagworte
Leib-Seele-Problem
Arbeit zitieren
Marion Karl (Autor), 2001, Leib-Seele-Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98772

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